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Filmkritik: "Solo: A Star Wars Story"

"Solo: A Star Wars Story" ist nach "Rogue One: A Star Wars Story" der zweite Film der neuen Star Wars Spin Off-Reihe, der nicht die große Saga weitererzählt sondern sich mit Geschichten etwas am Rande befasst. "Solo" geht zurück in die Zeit lange vor "Episode IV" und erzählt, wie nach der Machtübernahme des Imperiums "Han" aus den Armenvierteln vom Planeten Corellia zum Abenteurer und Schmuggler "Han Solo" wurde. Im Unterschied zu "Rogue One", der noch recht dicht an der großen Saga angesiedelt ist, gibt es in "Solo: A Star Wars Story" lediglich einige Berührungspunkte mit dem Imperium. Diese sind aber für die Handlung meist nur nebensächlich. "Solo" ist in erster Linie ein schmutziger Gangster-Film mit ziemlich windigen Figuren, die es mit der Loyalität meist nicht so genau nehmen und bei ihren krummen Geschäften immer wieder neue Zweckallianzen bilden. High Tech-Glamour gibt es kaum zu sehen: Die schmutzige Welt, in der "Solo: A Star Wars Story" spielt, erscheint noch abgenutzter als in Episode IV-VI.

Han Solo-Darsteller Alden Ehrenreich wirkt im Vergleich zum frechen Plappermaul Harrison Ford recht spröde, aber das ist auch durchaus mit seiner Rolle vereinbar, da Han zu dieser Zeit noch ein kleiner Fisch ist, der sich erst einmal Respekt verschaffen muss und im Vergleich zu den anderen Darstellern wie Woody Harrelson oder Emilia Clarke noch nicht ein ganz so bekanntes Gesicht hat.

Noch schwerer hat es Ehrenreich vor allem gegen Donald Glover in der Rolle des gerissenen Gauners Lando Calrissian, der in diesem primär sehr düster angelegten Film zusammen mit seiner nichtmenschlichen Kopilotin neben Chewbacca eine der charmantesten Rollen einnimmt. Und mit Paul Bettany gibt es endlich wieder einmal einen schön finsteren Oberschurken aus Fleisch und Blut, an dessen Kaltblütigkeit es in keinem Moment Zweifel gibt.

Das Drehbuch zu "Solo" schrieb Lawrence Kasdan - der Autor der ursprünglichen Star Wars Saga - zusammen mit seinem Sohn Jonathan und das Ergebnis ist eine ähnlich schön verschachtelte Geschichte wie bei der "Classic Trilogy" von George Lucas, die den Zuschauer an verschiedene Handlungsorte führt und viel Abenteuergeist bietet. Gleichzeitig schafft es der Film auch geschickt, in einige offene Punkte aus der Vergangenheit von Han Solo etwas mehr Klarheit zu bringen wie z.B. seine Bekanntschaft mit Chewbacca oder die Herkunft des "Millennium Falcon". Am Rande der Geschichte bringen kurze Begegnungen mit dem Imperium von Zeit zu Zeit die typischen "Star Wars"-Momente wieder in Erinnerung.

"Solo: A Star Wars Story" hat eine recht komplizierte Entstehungsgeschichte: Während der Dreharbeiten wurden die beiden ursprünglichen Regisseure Chris Miller und Phil Lord gefeuert und Ron Howard übernahm die Regie. Angeblich sollen rund 70 Prozent des Films von Howard neu gedreht worden sein. Der fertige Film lässt diese Probleme hinter den Kulissen nicht durchscheinen und kommt von allen Star Wars-Filmen, die seit dem Lucasfilm-Verkauf an Disney produziert wurden, sogar am nähesten an die Atmosphäre heran, die den Erfolg der ersten drei Geroge Lucas-Filme ausmachte und zugleich am wenigsten die Handschrift von Disney zeigt. "Solo: A Star Wars Story" dürfte zwar diejenigen enttäuschen, die von dem Film große Schlachten mit Laserschwertern und die sonstigen typischen Action-Elemente der meisten bisherigen "Star Wars"-Filme erwartet haben. Aber gerade in dieser etwas reduzierten Inszenierung bietet der Film auch einen besonderen Reiz und wirft einen Blick auf das Imperium aus einer Perspektive von ganz unten, die in den bisherigen Filmen so noch nicht zu sehen war.

"Solo: A Star Wars Story" läuft seit dem 24.05. in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im September/Oktober fürs Heimkino.

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