XXL-TEST: Streaming-Vollverstärker Cambridge Audio Evo 75 plus passendes CD-Laufwerk Evo CD
Klang
Als Lautsprecher stehen die Canton Vento 90 bereit, die ein Maximum an akustischer Qualität aus dem Cambridge Audio Evo 75 und aus dem Cambridge Audio Evo CD holen werden.
Wir starten auch gleich mit dem Klang der Kombination aus CD-Laufwerk und Streamingverstärker - denn darum haben wir uns für den Test der beiden Komponenten entschieden.
Wir legen die CD "Beethoven: Symphonien Nummer 5 & 7, Wiener Philharmoniker unter Carlos Kleiber" in den Evo CD ein. Das Laden dauert uns etwas zu lange, und leise ist das Laufwerk leider auch nicht. Hier hätten wir uns eine bessere Geräuschdämmung gewünscht. Wir setzen auf die legendäre 5. Symphonie, und wählen hier den Auftakt mit dem "Allegro Con Brio". Die Leistung der beiden Cambridge Audio-Komponenten stimmt hier auf jeden Fall, auch wenn es natürlich schwierig auszumachen ist, wer genau was beiträgt, das gilt besonders für den CD-Player. Er läuft, nach dem etwas lauten Einlesen, im Betrieb sehr leise, das ist lobenswert, und das Signal scheint in sauberer Qualität beim Evo 75 anzukommen, der daraus ein fein gestaffeltes, lebendiges Erlebnis macht. Im Vergleich zum großen Evo 150 mit der doppelten Endstufenleistung kann er natürlich nicht so große Lokalitäten beschallen, dafür aber ist der Evo 75 auch preiswerter und reicht für Räume bis knapp 30 Quadratmeter absolut aus - hier müssen wirklich keine Kompromisse gemacht werden. Es sei denn, man hört extrem laut (was meist schon wegen der Nachbarschaft schwierig werden könnte), dann lohnt sich auch für kleinere Räumlichkeiten der Evo 150. Das Feingefühl und die saubere Detaillierung sowie die präzise Platzierung akustischer Elemente im virtuellen Raum beherrscht unser Cambridge-Team jedenfalls ausgezeichnet, und die filigrane Präsentation der einzelnen Instrumente des Orchesters kann durch die Bank überzeugen. Gerade auch die Streicher werden schön brillant dargeatellt, ohne dass es zu kühl oder harsch wirken würde.
Andrea Bocelli steuert nun sein "Dell' Amore Non Si Sa" bei und wieder dauert das Einlesen der Disc relativ lange. Allerdings ist die CD schon recht alt und zerkratzt. Davon lässt uns der Evo CD nichts mitbekommen, er spielt den Silberling anstandslos ab. Das haben wir auch schon anders erleben müssen. Andreas Stimme kommt mit exakter räumlicher Ausrichtung zur Geltung, und als er die Stimme erhebt, geht der Evo 75 diesen Wandler der Dynamik impulstreu mit. Er erweist sich als schnell zupackend, aber der Klang bleibt immer rund und in sich schlüssig. Dass es sich um einen kompakten Streamingverstärker handelt, wird nie deutlich, hier könnte ein ausgewachsener Stereo-Artist für die passende Signalverstärkung sorgen. Die Höhen sind ausgeprägt und klar, aber zu keinem Zeitpunkt spitz oder metallisch. Eine rundherum gelungene akustische Auslegung der Komponenten.
Sehr plastisch ertönt der Anfang von "Ain't No Sunshine" (Eva Cassidy). Das Zupfen der Saiten wirkt feinfühglig und räumlich ausgewogen. Als Evas Stimme einsetzt, beweist gerade der Evo 75 einmal mehr, dass man auch für bezahlbare Beträge Devices einkaufen kann, die vokale Konturen präzise abbilden und sauber im Raum platzieren können. Man kann durchaus auch lauter hören, der Evo 75 bleibt hier gelassen und stellt die Leistung ohne den Klang beeinträchtigende Verzerrungen bereit. Das gesamte Zusammenspiel vokaler sowie instrumentaler Komponenten fügen die Cambridge-Komponenten zu einem harmonischen Ganzen zusammen, mit einer sehr fein ausbalancierten Dynamik. Wie gut dies alles funktioniert, beweist auch das Klavier-Solo, das sich ausdrucksstark präsentiert.
Richtig in die Vollen gehen wir aus akustischer Sicht mit "Deeply Disturbed" (Infected Mushrooms). Hier wird auch der Evo 75 "infiziert" in dem Sinne, dass er mit Begeisterung seine Leistungsreserven herausholt und mit einem straffen, harten Bass zu überzeugen weiß. Auch in Verbindung mit den großen Standlautsprechern Canton Vento 90 wird eine sehr standfeste Klangkulisse geboten, die durch die satte, saubere Auslegung auch anspruchsvollere Hörer glücklich machen wird. Die verschiedenen Effekte des Tracks bringen unseren Evo 75 nie aus der Ruhe, und der Evo CD spielt die ältere Disc erneut ohne störende Aussetzer wieder - die Fehlerkorrektur ist wirklich sehr gut.
Echtes 80er Jahre-Feeling verbreitet "Don't Be So Shy" von Moti Special. Und vehement startet der Evo 75 durch, nachdem der Evo CD auch dieses ältere CD-Exemplar problemlos vorbereitet hat. Der satte, nicht übertriebene, aber schon äußerst solide Bass des Evo 75 überzeugt uns gänzlich. Dieser kleine Streaming-Experte brilliert am meisten durch seinen wirklich exzellenten Sound. 1.799 EUR sind wzwar nicht wenig, aber in Anbetracht von Verarbeitung, Premium-DACs, Anschlussbestückung, dem grandiosen Streaming-Paket und dem superben Klang ist das definitiv nicht zu viel. Die ESS-DACs tragen auch ihren Teil zum hervorragenden Sound bei, da das CD-Laufwerk keine Wandler besitzt und, wie oben beschrieben, den Klang digital weiterreicht. Wegen der ESS-Wandler im Evo 75 ist im CD-Transport aber auch kein DAC notwendig, da er ja nur mit den beiden Evo Streamingverstärkern zusammen arbeitet.
Konkurrenzvergleich Evo 75

Cambridge Audio Evo 150: Das große Modell eignet sich mit seinen 150 Watt pro Kanal sehr gut auch für größere Hörräume. Hier steht mehr Pegelfestigkeit bereit, und die Reserven sind noch höher. Mit 2.399 EUR ist der Evo 150 allerdings deutlich teurer, und für sehr viele Anwendungen bietet der Evo 75 mehr als ausreichende Leistungen hinsichtlich der Endstufen-Performance.

NAD C700: Ein direkter Konkurrent zum Evo 75 ist der C700 für 1.500 EUR. Auch er hat ein großes, nicht-Touch-fähiges Display vorne, digitale Endstufen und eine praxisgerechte Anschlusssektion. Dank des BluOS-Moduls besitzt er hoch flexible Streamingeigenschaften. MQA wird ebenfalls unterstützt. Serienmäßig liefert NAD keine Fernbedienung mit, diese muss man, wenn erforderlich (die App reicht meist aus) für 99 EUR hinzukaufen. 120 Watt Leistung/Kanal merkt man in der Praxis, der NAD geht gelassen und kräftig ans Werk. Die Abstimmung ist gelungen, der Evo 75 allerdings wirkt noch feiner, sensibler, während der C700 noch etwas mehr Fundament offeriert - hier entscheidet das persönliche Empfinden. Optisch ist der C700 auch attraktiv, wirkt aber nicht so aufwändig gemacht wie der Evo 75.

Nubert nuConnect ampXL: Für 1.485 EUR bombt der Nubert-Streamingverstärker mit maximal 2 x 340 Watt an Leistung alles weg. Und das sind keine theoretischen Werte, denn in der Praxis kuscht er selbst vor der riesigen Nubert nuVero 170 Standbox nicht. Er sieht gut aus und verfügt unter anderem über Chromecast und AirPlay 2. Die mitgelieferte Fernbedienung findet unsere volle Zustimmung. Der Evo 75 wirkt im direkten Vergleich nochmals edler und verfügt über ein noch großzügigeres Streamingpaket. Er klingt etwas feiner, kann aber die überbordende Dynamik des nuConnect ampXL nicht offerieren. Zwei tolle Devices, der persönliche Geschmack entscheidet hier.
Konkurrenzvergleich Evo CD
Da der Evo 75 auch normale analoge oder digitale Eingänge hat, kann man natürlich auch einen CD-Player eines anderen Anbieters anschließen und meist auch noch deutlich Geld sparen. Oder man nimmt einen CD-Spieler der Spitzenklasse und legt nicht einmal Geld drauf.

Yamaha CD-S303: Fpr schlappe 329 EUR gibt es den sauber verarbeiteten und recht schicken Yamaha CD-Player, der prima klingt und dessen Laufwerk eine sehr solide Fehlerkorrektur mitbringt. Klarer Tipp für Preis-/Leistungsbewusste.

Quadral Aurum C9: Als Marktpreis für den First Class CD-Player von Aurum werden rund 1.200 EUR genannt - zum praktisch gleichen Preis wie für den Evo CD erhält man hier ein echtes Meisterwerk, mit Display, Premium-Finish, erstklassigem Laufwerk und überragenden Klangeigenschaften. Eine Fernbedienung ist ebenfalls im Lieferumfang.
Fazit Cambridge Audio Evo 75

Der Cambridge Audio Evo 75 begeistert uns zu annähernd 100 Prozent. Er sieht enorm edel aus, ist auch im Detail hochwertig verarbeitet, bietet eine praxisgerechte Anschlussauswahl und ein praktisch unschlagbares Streaming-Package: Chromecast, AirPlay 2, Roon ready, Spotify Connect, Tidal Connect, MQA-Support - genial. Die Premium-DACs aus dem Hause ESS helfen beim glasklaren, fein abgestufen, aber auch, wenn gefordert, entschlossenen Klangbild entscheidend mit. Sehr hochwertige digitale Endstufeneinheiten garantieren tadellose Leistungsreserven. Im Hörräumem bis knapp 30 Quadratmeter fühlt sich der Evo 75 zuhause und treibt souverän auch große Standboxen an.
Rundherum erstklassiger kompakter Streamingverstärker mit facettenreichem, zugleich kraftvollem Klang

Streaming-Verstärker bis 2.000 EUR
Test 12. Oktober 2023
Cambridge Audio Evo CD

Leider können wir die Begeisterung, die wir für den Evo 75 empfinden, auf den Evo CD nicht übertragen. Das liegt hauptsächlich an einem Kriterium: Dem viel zu hohen Kaufpreis. 1.199 EUR für ein reines CD-Laufwerk, ohne d/A-Konverter, ohne Display - das ist schon äußerst selbstbewusst. Dass man den Evo CD nur in Verbindung mit den Evo Streamingverstärkern 75 und 150 verwenden kann, macht natürlich eine DAC-Sektion und auch ein Display überflüssig. Aber dann sollten auf dem Preisschild selbst in Anbetracht des sehr guten Finishs nicht mehr als 500, maximal 600 EUR stehen, und auch das wäre schon an der Grenze. Das Laufwerk weist zwar eine sehr gute Fehlerkorrektor auf, agiert für unseren Geschmack aber zu laut.
CD-Laufwerk, optisch perfekt zu den Evo Verstärkern passend, mit sehr guter Fehlerkorrektur zum hohen Kaufpreis

CD-Laufwerk bis 1.500 EUR
Test 20. Oktober 2023
Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 20. Oktober 2023
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Tags: Cambridge Audio • CD-Laufwerk • CD-Player • Streaming-Verstärker







