XXL-TEST: StormAudio Vorstufe ISP 3D.16 MK2 - Heimkino par excellence!

"Gänsehaut-Feeling" - das ist für viele Anwender, die den nicht zu unterschätzenden Aufwand des Baus eines eigenen Heimkinos auf sich nehmen, das Ziel. Wenn man, nachdem alles fertig montiert, aufgebaut, installiert und konfiguriert ist, auf der "Main listening position", also der zentralen Hörposition im Sweet Spot, sitzt und das Ergebnis entsprechend Emotionen weckt und dem Zuschauer bzw. Zuhörer ein Lächeln ins Gesicht zaubert, hat sich alles gelohnt.

Ein zentrales Element der zahlreichen Komponenten und Details, die einen vollendeten Heimkino-Genuss ermöglichen, ist die Vorstufe. Im Signalprozessor laufen die Eingangsquellen zusammen und es gilt, die eingehenden, digitalen Tonspuren zu verarbeiten und im besten Fall für maximale Detailauflösung, höchste Präzision und brutale, aber differenzierte Bassgewalt zu sorgen. Gerade im höherklassigen Bereich, in dem man sich vermutlich schwer tut, ein wirklich schlecht klingendes Gerät zu finden, gibt es aber auch hohe Ansprüche an Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten. Mehr Kanäle, die vielleicht auch mehreren Lautsprechern zugewiesen sind, müssen verarbeitet werden. Darüber hinaus wollen Enthusiasten auch das letzte Quäntchen an akustischer Performance herauskitzeln, möglicherweise auch in einem nicht ganz perfekten Raum, und benötigen präzise justierbare Equalizing-Einstellungen. Diese Möglichkeiten gibt es zweifellos, doch häufig gehen derart komplexe Optionen auf Kosten des Bedienkomforts. Stundenlanges Einarbeiten in undurchschaubare grafische Benutzeroberflächen - sofern im Budget die Installation durch den Profi nicht angedacht ist - ist da schon mal mit einzuplanen.

Vielleicht geht es aber auch anders? Wir beschäftigen uns heute mit einer Oberklasse-Komponente, die in der Lage zu sein scheint, klanglich wirklich herausragend zu agieren und ein fulminantes Feuerwerk der Emotionen auszulösen, dabei allen Anforderungen im High-End-Segment bezüglich Features und Ausstattung gerecht wird und gleichzeitig selbst weniger erfahrene Anwender bei Installation und Konfiguration nicht überfordert.

StormAudio ISP MK2

Bei Kennern des Mottos "Jack of all trades, master of none" werden hier natürlich sofort Zweifel aufkommen. Allerdings auch nur bei denjenigen, die StormAudio noch gar nicht oder kaum kennen, denn in weiten Zügen hat der Hersteller mit dem Vorgänger, der ISP MK1, sein Können bereits unter Beweis gestellt und sich innerhalb der letzten 24-36 Monate absolut etabliert. Mit der ISP MK2 legt man nun einen Nachfolger der inzwischen vom Geheimtipp zum Quasi-Maßstab mutierten Vorstufe ISP MK1 auf, der scheinbar alles bietet, was das anspruchsvolle und audiophile Heimkino-Herz begehrt. Grundsätzlich ist sicher auch die MK1, mit der StormAudio diese modulare Plattform eingeführt hat, immer noch klar einen Blick wert. Optisch gefällt uns die Neue aber besser. Zudem gibt es in der ISP MK2 eine neue hybride Analog/Digital-Lautstärkeregelung, die nochmals mehr Dynamik und somit mehr Details und Präzision liefern soll. Bei der MK1 ist bei 16 Kanälen Schluss und auch auf DTS:X Pro muss man verzichten. Davon abgesehen unterstützt StormAudio aber auch den Vorgänger noch mit sämtlichen Features inklusive iPad App, Dirac Live, Roon Ready-Zertifikat und das neue Expert-Bass-Management.

Wir haben im Dezember 2020 bereits in einem Special über die StormAudio ISP MK2 berichtet. Sämtliche Basis-Features wurden dabei auch beleuchtet und sollen hier nicht nochmal in aller Ausführlichkeit erwähnt werden, aber selbstverständlich dekodiert die Vorstufe Dolby Atmos und Auro-3D und ist seit der Firmware 4.1r1 (erschienen im Januar 2021) auch für DTS:X Pro geeignet. Nebenbei auch für IMAX Enhanced. Auch der Flexible-Bass-Management-Modus ist seit der neuen Firmware an Bord. Wer sich aber vorher nochmal genau die Ausstattung der StormAudio Vorstufe sowie die verschiedenen Varianten, in der man die Komponente erwerben kann, zu Gemüte führen möchte, kann dies sehr gerne hier tun.

16 Kanäle verarbeitet die Profi-Vorstufe

Bei uns in der Redaktion ist das "Basisgerät" gelandet, das mit 16-Kanal-Signalverarbeitung aber bereits die Anforderungen der meisten Heimkinos, selbst im Oberklasse-Segment, erfüllt. Der Funktionsumfang ist auch identisch zu den Modellen mit 24 oder 32 Kanälen, einzig die Schnittstellen markieren den Unterschied. Interessenten, mit entsprechend finanziellem Rückhalt (die ISP 3D.16 MK2 kostet 14.220 Euro), sollten sich aber von der hohen Kanalzahl nicht abschrecken lassen. Auch in "konventionellen Setups", z.B. praxisnahe 9-Kanal-Atmos-Aufbauten mit 5.1.4, spielt die StormAudio-Vorstufe ihre Stärken aus und kann besonders mit den flexiblen Einstellungsmöglichkeiten überzeugen. Auch in schwierigen Räumen kann sich der Einsatz lohnen. Doch genug der Theorie und hin zu unseren Praxiserfahrungen:

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Verarbeitung und Anschlüsse

Minimalistischer, eleganter Look

Display aktiv

Im High-End Bereich nimmt eine schicke Optik und hochwertige Verarbeitungsqualität der, zum Teil, fest verbauten Elektronik im HiFi-Rack nicht den höchsten Stellenwert ein. Dennoch kann man von einem derart kostspieligen Gerät durchaus auch ein edles Design und Solidität erwarten. Die StormAudio Vorstufe wartet mit beidem auf. Der Auftritt ist professionell: geradezu minimalistisch mutet die Gerätefront mit lediglich einem Power-Button, drei Bedientasten sowie dem Lautstärke-Drehregler auf und wirkt durch ihre Schlichtheit sehr elegant. Selbstbewusst ziert das StormAudio-Logo den linken Bereich. Die vordere Seite ist komplett mit leicht milchigem Acrylglas überzogen, das dahinter verborgene Metall scheint nur in der Umrandung des Pegelreglers durch. Vom typischen Look vieler anderer AV-Vorstufen hebt sie sich klar ab, das zeigt sich auch besonders in der asketischen Bestückung mit Bedienelementen. Diese sitzen gut und geben auch ausgezeichnetes taktiles Feedback, lediglich der Ausschnitt in der Acrylglasscheibe hätte, für ein absolut sauberes Finish, etwas sauberer sein können - auffallend ist das natürlich nur, wenn man sich wie wir die Ausschnitte aus 15cm Entfernung ansieht.

Power-Button und Lautstärke-Drehregler

Display mit zahlreichen Infos

Seitenansicht


Ansicht von oben

Übergang Front zu Gehäuse

Ein typischer Faux-Pas, den sich viele Hersteller erlauben, ist eine unsaubere Führung des Lautstärke-Drehreglers. Auch im High-End-Bereich ist man nicht völlig davor gefeit, wenngleich sich der Pegeleinsteller der ISP MK2 hier einem perfekt rundem Lauf annähert. Die Lautstärkeregelung ist im übrigen auf 0.1 dB genau möglich. Die Regelung passt sich aber an, so dass bei schnellerem Drehen des Reglers die Schritte größer werden und so dennoch ein Erreichen der gewünschten Lautstärke schnell möglich ist. Der Regler dient auch als Drucktaste.

Der Systemstart benötigt rund 10 Sekunden, solange erscheint das StormAudio-Logo auf dem mittig platzierten, recht großzügig dimensionierten Display. Danach wird man mit relativ vielen Informationen, die die aktuelle Signalverarbeitung betreffen, versorgt. Prominent wird natürlich der Pegel angezeigt. Das Display löst fein auf, integriert sich hervorragend in die gesamte Optik und ist in jeder von uns simulierten Situation problemlos ablesbar. An der Rückseite ist ein aktiver Lüfter integriert. Dieser startet beim Einschalten der ISP MK2 automatisch und ist hier aus etwa 1m Entfernung gerade noch wahrnehmbar. Der Lüfter bläst die erwärmte Luft hinaus und soll für ein sauberes Temperaturmanagement sorgen. Findet keine Signalverarbeitung statt, deaktiviert er sich nach kurzer Zeit automatisch.

Die Rückseite ist sehr schick gehalten und verfügt über ein gebürstetes Aluminium-Finish. Sämtliche Anschlüsse sind tadellos integriert und machen einen robusten Eindruck. Den rechten Bereich nehmen die zahlreichen, frei zuweisbaren XLR Analog-Ausgänge ein. Bei unserer Variante, der ISP MK2 3D.16, sind dies 16 Stück an der Zahl. Komplett festgelegt ist man darauf aber nicht. Werden irgendwann doch mehr als 16 Kanäle benötigt, kann man optional eine Erweiterungskarte erwerben und installieren.

Über den Eingangs-Schnittstellen ist Platz für zusätzliche Modulkarten

Der modulare Aufbau beschränkt sich im Übrigen nicht nur hierauf, auch das HDMI-Board kann im Bedarfsfall gewechselt werden. Aktuell bietet die Vorstufe 7 Eingänge und 2 Ausgänge nach HDMI-Spezifikation 2.0 + HDCP 2.2. Damit sind UHD-Auflösungen mit einer maximalen Bildwiederholrate von 60 Bildern pro Sekunde (4:4:4, 8-Bit) problemlos möglich. Alle Schnittstellen sind somit in der Lage, mit einer maximalen Bandbreite von 18 Gbps zu arbeiten. HDR10, HLG und Dolby Vision werden unterstützt, HDMI Out1 kann sowohl ARC als auch eARC. Prinzipiell ist man damit sehr gut bedient, für ambitionierte Nutzer wird es laut unseren Informationen aber auch definitiv ein Update auf HDMI 2.1 geben.

Links sichtbar der aktive Lüfter, USB- und Ethernet-Schnittstellen, Trigger

HDMI-Schnittstellen im oberen Bereich der Rückseite

Zusätzliche Schnittstellen umfassen 1x XLR Stereo Out sowie digitale und analoge Eingänge, davon 3x optisch und 3x koaxialer Digitalinput sowie 1x XLR analog (Stereo) und 4x Cinch (7.1 oder 2.0). Für Installationen relevant sind natürlich die vier konfigurierbaren Trigger, außerdem ist eine 100 Mbps Netzwerk-Schnittstelle integriert, WLAN fehlt. Großartig viele Netzwerk-Features gibt es zwar nicht, aber die Komponente ist Roon Ready. Zudem erfolgen Setup und Konfiguration über die Web-Benutzeroberfläche, zudem kann man die Vorstufe per App steuern.

Solides Metallgehäuse, mit zahlreichen Torx-Schrauben verschraubt

Geräte-Standfuß

Nach dem Ausflug bezüglich der integrierten Anschlüsse wieder zurück zum äußeren Erscheinungsbild: Die ISP MK2 steckt in einem Metallgehäuse mit sehr solider Wandstärke, alles ist sauber mit zahlreichen Torx-Schrauben verschraubt. Die Standfüße an der Unterseite sind eher guter Durchschnitt, garantieren aber einen sicheren Stand der nicht allzu schweren Komponente. Auch das Innenleben wirkt aufgeräumt. Strikt getrennt sind digitale und analoge Sektion, die Stromversorgung sitzt seitlich und ist nochmal extra räumlich sowie durch eine Metallplatte getrennt. Im obere Bereich sitzt u.a. das HDMI-Board, auf den Chips sitzen Passivkühler. Wir gehen aber davon aus, dass sich darunter die typischen ICs von Panasonic verbergen.

Innenleben

Power Supply

Von den Sharc DSPs sitzen gleich mehrere in der ISP MK2

HDMI-Board

Analog-Sektion

Wie sieht es mit dem Lieferumfang aus? High-End-Kenner sind vermutlich kaum überrascht. Wer aber die typischen Beigaben der Geräte von Denon, Marantz oder Yamaha erwartet, wird enttäuscht. Im Karton befinden sich die Vorstufe, ein Quick Start Guide in englischer Sprache, ein Stromkabel und Befestigungsschienen für ein AV-Rack. Vergeblich sucht man eine Fernbedienung oder ein Einmessmikrofon. Als "UMIK-1" gibt es zwar von StormAudio eine Option für ein USB-Mikro, dabei ist aber keines. Wer also das leistungsfähige Dirac Live-System nutzen möchte, muss sich hier anders behelfen. Eine Fernbedienung hingegen ist nicht Teil des Lieferumfangs: Zum einen gibt es für iPads im App Store die "StormRemote" zur Bedienung der ISP MK2, zum anderen kann man natürlich auch eine Universal-Fernbedienung, wie z.B. eine Logitech Harmony, zusammen mit der Vorstufe verwenden. Ganz frisch haben wir noch die Info erhalten, dass wohl Mitte des Jahres 2021 optional eine Fernbedienung für die ISP MK2 von StormAudio erhältlich sein wird. Diese wird allerdings sehr funktional gehalten sein und in einem Kunststoffgehäuse sitzen, dafür allerdings auch preislich sehr fair kalkuliert.

Ebenso soll erwähnt sein, dass die ISP MK2 auch in Automatisierungssysteme wie Crestron, Control4, RTI, Savant und ELAN integrieren werden kann. Dennoch: out-of-the-box und ohne iPad heißt es erstmal, die Lautstärke direkt an der Vorstufe einzustellen. Setup und Konfiguration werden natürlich am PC oder Mac erledigt. Dazu kommen wir jetzt!

Installation & Konfiguration

Fernbedienung oder Setup?

Zunächst einmal geht man ganz konventionell vor und verbindet die ISP MK2 mit dem Stromnetz sowie der verwendeten Endstufe bzw. Endstufen. Dabei muss man auch nicht sonderlich darauf achten, welchen Ausgang der StormAudio Vorstufe man mit den Eingängen der Endstufe verbindet, da die Kanalzuweisung völlig flexibel ist und über das Web-Interface später festgelegt werden kann. Danach empfiehlt es sich die ISP MK2 einzuschalten und für 4 Sekunden die EDIT-Taste zu drücken. Auf dem Display der Vorstufe wird dann, DHCP-Server vorausgesetzt, die IP-Adresse der Komponente im Netzwerk angezeigt, die man für den Aufruf des Web-Interfaces im Browser benötigt (im Nachhinein kann man natürlich auch eine feste IP-Adresse vergeben). Außerdem ist die auf dem Gerät installierte Firmware ersichtlich. Sollte die nicht dem aktuellen Update "4.1r1" entsprechen, lädt man sich dieses im Download-Portal von StormAudio herunter. StormAudio behält sich vor, ihre Software lediglich registrierten Nutzern zur Verfügung zu stellen. Hier vertritt der Hersteller die Philosophie, dass ein Update nur von versierten Anwendern bzw. Händlern und Installern durchgeführt werden sollte, damit auch nach dem Aufspielen alles weiterhin zuverlässig funktioniert und keine Konfigurationen verloren gehen. Aber keine Angst, das Firmware-Update ist, wenn man gewissenhaft vorgeht, sehr einfacher aufzuspielen. Man muss sich also mit Benutzername und Passwort einloggen, danach kann man die Datei mit der Endung *.ssp herunterladen.

Übersicht

Auswahl der Quelle, des Presets, Profils und bevorzugten Upmixers

Zugriffsrechte verwalten

Nach Eingabe der zuvor abgefragten IP-Adresse erscheint der Willkommensbildschirm der Vorstufe im Browser und lässt uns zwischen "Remote", also der Fernbedienung der Komponente, und "Expert Setup" wählen. Wir entscheiden uns für "Expert Setup" und werden zunächst nach einem Passwort gefragt. Ein kurzer Blick in den Quick Start Guide verrät uns, dass wir hier "installer" eingeben müssen. Dann werden wir im Reiter "System" mit einer Übersichtsseite begrüßt, die uns über das Gerät an sich sowie Netzwerk-Informationen informiert und das Passwort ändern lässt. Außerdem kann man festlegen, ob auf bestimmte Bereiche der Konfiguration nur mit Passwort zugegriffen werden kann. Von den zahlreichen Reitern und Optionen sollte man sich zunächst einmal nicht verunsichern lassen. Die ISP MK2 bietet einen immensen Funktionsumfang, der zwar komplett ausgeschöpft werden kann, aber keinesfalls muss. Ob man sich für perfekten Klanggenuss eine digitale Frequenzweiche bauen muss, bleibt dem ambitionierten Enthusiasten selbst überlassen, aber die Möglichkeit besteht. Wir wollen zunächst aber erstmal grundlegend unser Setup einstellen und sehen, ob die Konfiguration so einfach von der Hand geht, wie von StormAudio in Aussicht gestellt. Erst aber das versprochene Firmware-Update.

Firmware-Update auf die Version 4.1r1

Firmware-Update wird durchgeführt

Die Aktualisierung ist via USB oder per "Remote Update" möglich. Ein Klick darauf und man kann die heruntergeladene Datei auswählen, auf "Upload" drücken und das Update startet dann automatisch. Die Vorstufe teilt dann mit, dass das Update durchgeführt wird und gibt sogar Auskunft darüber, was gerade aktualisiert wird. Nach wenigen Minuten ist das Update erledigt und wir können uns an die Einstellungen unseres Lautsprecher-Setups machen. Zusätzlich zu den Konfigurationsreitern im rechten Bereich hat man hier immer auch direkt Zugriff auf Bedienfunktionen, z.B. die Quellenauswahl sowie Preset- und Pegeleinstellung, auch den bevorzugten Upmixing-Codec kann man anwählen.

Eingänge, Registerkarte "Input"

Wir wechseln von "System" zum Reiter "Input" und befinden uns innerhalb der Eingangskonfiguration, bei der man bei der Zuweisung weitgehend freie Hand hat. Auch kann man hier direkt Namen vergeben und diverse Eingänge von "Y" auf "N" setzen. Eingänge mit "N" für No werden augeblendet und erscheinen dann nicht bei der Fernbedienung der Komponente. Diese Übersicht wird manchen auch von anderen AV-Vorstufen und AV-Receivern/Verstärkern bekannt vorkommen und ist nahezu selbsterklärend, zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten (Upmix gewünscht oder nicht, Pegelabsenkung per Trimmer, Delay) runden das Ganze ab.

Die eigentliche Heimkino-Konfiguration

So weit, so transparent. Jetzt geht es ans Eingemachte - wo konventionelle Consumer-Geräte z.B. das automatische Einmesssystem hier sämtliche Arbeitsschritte ohne großartigen manuellen Eingriff erledigen lassen, muss und darf man hier selbst Hand anlegen. "Main Speakers" ist das aktuelle Register und hier ist standardmäßig ein 2.0-Setup definiert, dass man nun mit einem Klick auf "Edit" löschen kann, um dann ein neues Setup festzulegen.

Speaker-Configurator - zunächst die untere Ebene, den "Base Layer" festlegen

In unserem Fall 5.1

Der "Height Layer" für Lautsprecher, die im oberen Bereich der Wand montiert sind (z.B. Auro-3D-Setup)

"Top Layer" für Deckenlautsprecher

Handelt es sich um Dolby Enabled-Speaker bzw. Top-Firing-Module?

Übersicht des eigenen Lautsprecher-Setups - 5.1.0.2m (5.1 Lautsprecher am Boden, 0 Lautsprecher im oberen Bereich der Wand, 2 mittig platzierte Lautsprecher an der Decke)

"Create" und "Configure" führt uns zur Einrichtung unseres eigenen Lautsprecher-Setups. Zuvor kann man unter "Select" festlegen, welche Hörzone man überhaupt einrichten möchte, im Falle der Haupthörzone, also des Heimkinos, belässt man es hier bei "Theater". Es öffnet sich mit dem "Speaker Configurator" ein neues Fenster, in dem wir zunächst ein Basis-Setup (von 2.0 über 5.1 bis hin zu 13.1 Kanälen) festlegen können.

Es wird zwischen "Basis Layer", "Height Layer" und "Top Layer" unterschieden. Erst legt man also die Lautsprecher, die sich auf Ohrhöhe des Zuschauers befinden, fest, danach die in höheren Bereichen, z.B. für ein Dolby Atmos- oder Auro-3D-Setup. Wir möchten die StormAudio natürlich in unserer typischen Hörumgebung hören und, da unser Test auch nicht ins Unendliche ausufern darf, begnügen wir uns mit einem 5.1.2-Setup. Hier beginnt die ISP MK2 gerade mal die Verrichtung ihrer Arbeit, prinzipiell kann die Komponente selbst in kommerziellen Kinos zum Einsatz kommen, aber auch in kleineren Setups kann man von der Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit dieser Vorstufe profitieren. 

Der Base-Layer besteht bei uns also aus einer 5.1-Konfiguration. Wer mehrere Lautsprecher für einen Kanal verwendet, gängig wären z.B. auch in einfacheren Heimkino-Setups mehrere Subwoofer, fügt per "Replication" schlicht weitere hinzu. Beim Center erscheint ein Kästchen zum Anhaken für "Phantom", um das Signal auf dem linken und rechten Front-Lautsprecher wiederzugeben. Darüber hinaus kann man aber auch per MultiWay einem einzelnen Kanal mehrere XLR-Ausgänge zuweisen, um das identische Kanalsignal an mehreren Schnittstellen auszugeben. So könnte man z.B. der Position Front rechts mit der Ziffer 3 bei MultiWay drei Wege zuweisen und somit Hochtöner, Mitteltöner und Tieftöner getrennt ansteuern.

Den Height-Layer muss nur derjenige verwenden, der ein Auro-3D-Setup nutzt. Es handelt sich hier um Lautsprecherpositionen im oberen Bereich der Wand, nicht der Decke. Die Decke wird durch den "Top Layer" abgedeckt. Wir beschreiben hier das Setup einer Atmos-Konfiguration und belassen es beim Height Layer bei "0" Lautsprechern. Der für Auro-3D relevante "Voice of God"-Lautsprecher wird natürlich, da an der Decke platziert, bei "Top Layer" hinzugefügt. Unser Setup sieht allerdings lediglich zwei Atmos-Lautsprecher vor, im Bedarfsfall kann man hier auch angeben, dass es sich um Dolby Enabled-Speaker, also Top-Firing-Module handelt. "Summary" zeigt dann nochmal unser gewähltes Setup in Gänze an.

Grundlegendes Setup gespeichert

LS-Größe, Übergangsfrequenz, Flankensteilheit

Drückt man jetzt auf "Save" gelangt man zurück in die eigentliche Registerkarte "Main Speakers" und erhält eine Übersicht der vorhandenen Lautsprecher, aktuell dann allerdings mit vordefinierten Standardwerten, wie z.B. der Größe "Small" und einer Übergangsfrequenz von 80 Hz. Jetzt können wir dem Kind, also dem Kino, auch einen Namen geben und zunächst einmal speichern. Zurück auf der Übersichtsseite sehen wir, dass wir mit unserem 5.1.2-Setup insgesamt 8 Kanäle belegen und somit noch 8 weitere zur freien Verfügung stehen, z.B. für ein Stereo-Setup, eine zweite Zone, o.ä.. Was nicht möglich ist, ist zusätzliche Konfigurationen festzulegen, die sich auf die gleichen Kanäle bzw. XLR-Ausgänge beziehen, um z.B. zusätzlich ein 5.1-Setup zu definieren. Alle weiteren Differenzierungen werden innerhalb der Konfiguration mit allen vorhandenen Lautsprechern vorgenommen. Aber es muss ja auch im High-End-Bereich noch Potential nach oben geben.

In der Übersicht der einzelnen Lautsprecher kann man auch direkt erkennen, welcher Ausgang welchem Lautsprecher zugeordnet ist. Der XLR-Ausgang 1 entspricht in unserem Setup "Front left", Ausgang 2 dem Center, etc. Nun legt man grob die Größe des Lautsprechers fest. Kennen wird der Heimkino-Enthusiast hier bereits die Unterscheidung "Small" und "Large" für Lautsprecher, die den vollen Frequenzbereich abdecken oder für Satelliten, die ab einer bestimmten Frequenz die Bassanteile des jeweiligen Kanals an den Subwoofer übergeben. Diese Einstellungsmöglichkeiten gibt es hier natürlich, inklusive Übergangsfrequenz und Flankensteilheit. Ganz klassisch kann man hier also per "Small" einen Satellitenlautsprecher festlegen, der bei 80 Hz mit einer Flankensteilheit von 12 dB trennt.

"Expert Bass Management"

Perfekte Abstimmung im sensiblen Bassbereich möglich

Wer mit entsprechender Kompetenz hier noch tiefer einsteigen möchte, ändert "Bass Management" von Standard auf Expert. Jetzt kann man z.B. auswählen, ob man die Bassanteile des ausgewählten Kanals zusätzlich an den Subwoofer leiten möchte oder aber sollen die Subwoofer-Kanal-Anteile zusätzlich auf den Lautsprecher gegeben werden.  Zusätzlich zur präzisen Einstellung der Flankensteilheiten und Trennungsfrequenzen kann Hz-genau festgelegt werden, zu welchem Zeitpunkt der Satellit die Bassanteile an den Subwoofer übergeben soll und andersherum. Der Zeitpunkt der Trennung kann also in jede Richtung genau bestimmt werden (auch pro Lautsprecher innerhalb eines Paares individuell).

Seit der aktuellen Firmware 4.1r1, die wir vorhin aufgespielt haben, ist auch die Einrichtung von Bass-Zonen möglich, die insbesondere bei Verwendung mehrerer Subwoofer Vorteile bietet. Mit dem Update können Lautsprecher (Subwoofer oder auch andere geeignete Lautsprecher) bis zu sechs Bass-Zonen zugewiesen werden, um die Basswiedergabe im Heimkino nochmals präziser steuern und kontrollieren zu können. Eine genaue Zuweisung welche Subwoofer welche Bassanteile von welchem Lautsprecher übernehmen sollen, wird damit möglich. Der LFE-Kanal kann gezielt auf einzelne Subwoofer gegeben werden und einzeln mit einem Delay versehen, parametrisiert und eingepegelt werden. Auch umgekehrt kann man festlegen, welche Bassanteile vom LFE übernommen werden sollen. Hier kann man, Motivation und Fachwissen vorausgesetzt, alles genau auskonfigurieren und, sofern man die Kompetenz und auch das notwendige Messequipment mitbringt, wirklich von Hand eine perfekte Überlagerung jedes einzelnen Lautsprechers mit dem Sub für eine perfekte Abstimmung des Bassbereichs realisieren.

EQ-Funktionen

Definierte EQ-Kurve an andere Lautsprecher übertragen

Das ist die Grundkonfiguration des Lautsprecher-Setups mit der StormAudio ISP MK2. Sicherlich gänzlich anders und mit mehr Aufwand verbunden, als wenn man einfach ein automatisches Einmesssystem die Erkennung und Festlegung der Grundparameter erledigen lässt. Dafür aber mit viel weitreichenderen Möglichkeiten und Optionen. Dabei haben wir die Equalizer-Funktionen noch gar nicht angefasst. Mit denen lässt sich, hat man im Configurator den Frontlautsprecher links z.B. mit drei Wegen definiert, eine digitale Frequenzweiche bauen. Im Feld "EQ" klicken wir auf das Zahnrad vor dem gewünschten Kanal und es öffnet sich zunächst eine linear verlaufende Kurve von 20 Hz bis 20 kHz. Hat man vorher den Frontlautsprecher als MultiWay mit drei Wegen definiert, legt man hier die EQ-Kurve ausschließlich für den Hochtöner/Mitteltöner/Tieftöner fest. Unter "Create EQ" kann man dann gewünschte Filter direkt anwählen und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln präzise anpassen. Pro Weg lassen sich bis zu 20 sogenannte "EQ Cells" erstellen. Dabei handelt es sich um mögliche Rechenverarbeitungspunkte. unterschiedliche EQ-Filter benötigen dabei unterschiedlich hohen Rechenaufwand, es lassen sich also -bis zu- 20 EQ-Filter setzen. Pro Weg/Kanal. Für diese enorme Rechenpower sitzen fünf DSPs in der StormAudio Vorstufe.

Es ist ebenso möglich, REW-Daten direkt zu importieren und dann damit zu arbeiten. Praktisch: Per "Copy to"-Funktion ist es zudem möglich, finalisierte EQ-Kurven an andere Kanäle zu übertragen.

Abstand/Delay, Pegel

Neben "Bass Management" findet man auch noch das Register "Delay, level, limiter and polarity". Hier kann man den Abstand der Lautsprecher zur Hörposition sowie den Pegel der einzelnen Kanäle festlegen. Der Abstand kann neben Metern und Fuß auch in Millisekunden als Delay angegeben werden. Limitier begrenzt den Maximalpegel eines einzelnen Lautsprechers bzw. Kanals, die Phase kann invertiert werden und TiltEQ beschreibt in welcher Intensität (abgeschwächt oder nicht) die festgelegten EQ-Kurven arbeiten sollen. Hat man Lautsprecher als MultiWay definiert, findet man in dieser Registerkarte auch eine vereinfachte Version für eine digitale Frequenzweiche, die man sich per EQ, wie im vorigen Absatz beschrieben, auch selbst bauen kann.

Alle getätigten Einstellungen sind jetzt in einem Profil gespeichert, dass man auch benennen kann. Einmal abgespeichert steht es einem völlig frei, weitere Profile mit anderen Einstellungen zu speichern. Zum einen lassen sich so Dinge ausprobieren, ohne dass man Gefahr läuft, die eigene Konfiguration zu zerschießen. Zum anderen lassen sich auch andere Lautsprecher-Setups in einem Profil festlegen, z.B. Stereo, dass dann direkt aufgerufen werden kann.

Testtöne können schnell und unkompliziert mit "GENERATOR" ausgegeben werden

Der StormAudio-Vorstufe kann man übrigens oberhalb des Lautsprecher-Setups mit dem Punkt "Generator" auch verschiedene Testsignale entlocken, um das Setup mit einem eigenen Mikforon und entsprechender Software durchzumessen. Verschiedene Signale, Sinus-Signal mit individuell festlegbarer Frequenz/Pink Noise/Pink Noise von 400 Hz - 4kHz lassen sich einstellen und auch auf welchen Lautsprechern das Signal ausgegeben werden soll. Während des Vorgangs kann man dann jederzeit auf die verschiedenen Registerkarten zugreifen und die Einpegelung vornehmen.

"Create Child"

Ist alles abgeschlossen, bietet die ISP MK2 auch noch die Möglichkeit über den Button "Create Child" die vorhandenen, bereits konfigurierten Lautsprecher für eine andere Hörsituation zu nutzen. Es wird dann innerhalb des eigenen Kino-Setups ein, StormAudio nennt es "SubTheater", erstellt, innerhalb dem man den Lautsprechern andere Signale zuweisen kann. So kann man z.B. Surround Back-Lautsprecher als Stereo-Speaker nutzen oder auch die Front-Lautsprecher, in Kombination mit einem anderen Klangprofil und ohne Subwoofer, im 2.0-Setup verwenden.

Presets für Hauptkino + SubTheater festlegen

Unter Presets kann man dann sowohl für das Haupt-Setup als auch für das SubTheater Voreinstellungen auswählen, die bei der Auswahl des jeweiligen Presets verwendet werden sollen. Zum Beispiel eigene Klangprofile, gewünschte Upmixing-Formate und auch Trigger können aktiviert werden. Das im Screenshot ersichtliche "SphereAudio" ist wiederum ein anderes Thema und betrifft 3D-Audio über Kopfhörer in Kombination mit einem externen Kopfhörer-Verstärker.

Allgemeine Einstellungen

Allgemeine Einstellungen 2

Die Farbe des Displays kann geändert werden

In den Settings lassen sich generelle Einstellungen vornehmen, z.B. auch ob ein OSD angezeigt werden soll (falls ja, in 16:9 oder 21:9), Optionen zum Frontpanel, Network Standby, ein Standardpegel und vor allen Dingen kann man hier das Verhalten der einzelnen Trigger bestimmen. Nicht unwichtig ist auch der Punkt recht weit unten "IR Remote Control Function Assignment" für Anwender von Logitech Universalfernbedienungen. Hier kann man festlegen, welche Schritte durchgeführt werden, wenn man z.B. bei der Harmony den Input 1 wählt. 

Zwischen-Fazit

Trotz unseres Bemühens haben wir hier noch nicht alles beschreiben können, was die StormAudio ISP MK2 kann. Die grundlegenden Funktionen aber haben wir erschlagen und können resümieren, dass die Bedienung zwar völlig unversierte Heimkino-Neulinge zweifellos vor einige Rätsel stellen wird, motivierte Enthusiasten mit Grundkenntnissen sich aber durchaus zurechtfinden. Sind einige Punkte nicht klar, helfen die aktivierbaren Info-Texte weiter. Bedenkt man, welche weitreichenden Möglichkeiten die Komponente in hoher Komplexität offeriert, kann man die Bedienung durchaus als durchschaubar und nicht umständlich bezeichnen. Auch wir sind in diesem High-End-Bereich, der auch vorwiegend custom Installern vorbehalten ist, keine Experten. Dennoch konnten wir ohne Probleme unser Lautsprecher-Setup konfigurieren und justieren. Und für ambitionierte Perfektionisten, die unter Zuhilfenahme von Messequipment und Fachkompetenz das Maximum an Performance aus dem eigenen Setup herauskitzeln, ist das ohnehin ein Schlaraffenland. 

Nicht vergessen zu erwähnen dürfen wir, dass die ISP MK2 ja auch voll mit Dirac kompatibel ist. StormAudio empfiehlt hier das bereits eingangs erwähnte UMIK-1 USB-Mikrofon. Zwar gilt Dirac im Vergleich zu anderen bekannten Einmesssystemen auch nicht als idiotensicher, dennoch kann man mit gewissem Einsatz auch hier nochmals eklatant profitieren. Die genaue Verwendung der StormAudio Vorstufe mit Dirac ist in der Bedienungsanleitung ausführlich beschrieben.

(Fern)Bedienung

Remote im Browser

Wie eingangs bereits erwähnt, unterstreicht die ISP MK2 ihre Zugehörigkeit zur Custom Installer-Sparte auch einmal dadurch, dass keine Fernbedienung beiliegt. Das ist für die meisten Interessenten einer solchen Komponente vermutlich ohnehin nicht von Belang. Da die Komponente aber grundsätzlich die Möglichkeit eines OSDs bietet und sie sich auch für die Optimierung eines kleineren Heimkinos auf höchstem Niveau anbietet, wäre aus unserer Sicht zumindest die Option auf eine dedizierte Remote ganz nett. Natürlich kann jeder, der nicht direkt am Gerät am Pegelregler drehen möchte, eine Universal-Remote oder die Apps für iPad und Android nutzen, auch per PC/Mac ist das möglich. Dabei fehlen uns auch keine essentiellen Optionen. Eingangswahl, Pegel, Preset-Wahl, gewünschter Upmix und rudimentäre Klangeinstellungen, alles ist vorhanden. In kompakter Form könnten wir uns die App auch für Smartphones vorstellen, sie bleibt aber Tablets vorbehalten.

"Monitoring"

Informationen zum Videosignal

Ein interessanter Punkt, den wir im Absatz zu Installation und Konfiguration noch außen vor gelassen haben, ist der Punkt "Monitoring" im Expert Setup der ISP MK2. Als Profi-Gerät dient dies zur Selbstdiagnose und beobachtet u.a. Temperatur en im Gerät sowie die aktuelle Lüftergeschwindigkeit (Endstufen von StormAudio können mit diesen Infos gekoppelt werden, um eventuellen Limit-Überschreitungen vorzubeugen). Mit einem Klick auf VU-Meter kann man abrufen, welche Kanäle eingehen und verarbeitet werden sowie ebenso, was auf den Kanälen ausgangsseitig passiert. Interessierte Anwender können hier z.B. nachvollziehen, ob die Kanäle im Height- bzw. Top-Layer Signale erhalten. Der Punkt "Details" öffnet dann Informationen zum Video-Stream, auch das kann beim Troubleshooting helfen.

Klang

Nach all der Theorie darf die Vorstufe sich aber auch endlich in der Praxis beweisen. Wir sind hochgespannt auf die akustische Performance des Signalprozessors und geben der Heimkino-Maschine direkt Filmmaterial zu futtern. Mission Impossible: Rogue Nation mit dem nativen Dolby Atmos-Mix darf als erster ran und sofort erkennen wir eine sensationelle Detailauflösung des gesamten Geschehens. Das beginnt bereits in den ersten Sekunden des ersten Kapitels, als Jeremy Renner über Funk mit Benji kommuniziert. Eine extrem authentische Darstellung des Funksignals wird generiert, auch feinste Zischlaute kommen heraus. Diese aber überhaupt nicht scharf oder aggressiv, beeindruckend. Die Stimmen der Darsteller sind natürlich mit allen charakteristischen Eigenschaften versehen und wirken enorm natürlich. Direkt weiter staunen wir, wie selbst das Rascheln des Grases fein ausgearbeitet wird, noch bevor sich Benji in seinem Ghillie Suit überhaupt bewegt. Die zweite Tatsache, die uns in Erstaunen versetzt, ist wie nachdrücklich und fein strukturiert der Bassbereich agiert. Hier in den ersten Sekunden halten sich die unteren Frequenzen noch stark zurück, dennoch kommen die vereinzelten Bass-Akzente mit einer nachdrücklichen Wucht, wo sie sonst häufig gar nicht ausdrucksstark zur Geltung kommen. Die Atmosphäre ist dicht und bezieht den Zuschauer stark mit ein. Man fühlt sich inmitten des Action-Spektakels, wird aber von den zahlreichen Effekten, da sie lokal genau zugeordnet werden können, nicht überfordert.

Als das Geschehen komplexer und schneller wird, bleibt die Differenzierung auf exzellentem Niveau. Die präzise Bass-Ansteuerung ist erneut eine Erwähnung wert. Nicht nur, dass tiefe Bass-Schläge sich ultraschnell entfalten und genauso schnell wieder zurückziehen, auch das tiefe Grollen der Flugzeugmotoren, dass ebenso flink beim Wechseln der Szenen auftaucht und wieder entschwindet, wird absolut tadellos und mit beachtlichem Volumen umgesetzt. Der Zuschauer wechselt auch akustisch praktisch in Lichtgeschwindigkeit zwischen Minsk und Langley hin und her und fühlt sich augenblicklich von authentischer Atmosphäre umgeben. Auch musikalisches Geschehen gesellt sich zusätzlich hinzu, die komplexe Kulisse bereitet der ISP MK2 nicht ansatzweise Probleme. Sensationell differenziert bleibt der Bassbereich, der die Flugzeugmotoren, die kurz vorm Abheben der Maschine sowie im Steigflug noch etwas an Intensität gewinnen, absolut authentisch modelliert. Nicht übertrieben, aber mit brachialer Kraft, kommen die subsonischen Elemente an. Hier spürt man die Motoren förmlich mit den Füßen am Boden - eben wie im Flugzeug - und nicht nur in der Magengrube. Tadellos die folgende Musik-Darbietung während des Intros. Akkurat scharfe, aber nicht zu spitze Blechbläser in Kombination mit samtig-weichen, fein ausdifferenzierten Streichern und gewaltigen Paukenschlägen nehmen den Hörer im Sweet Spot ein und versetzen ihn an die vorderste Front des Konzertgeschehens.

Prinzipiell würden wir nun das Kapitel oder das Filmbeispiel wechseln, die Darbietung aber lässt uns kaum los. Die akustischen Gegebenheiten des Musikladens betrachtend, werden die Vokalstimmen des Hauptdarstellers sowie der jungen Ladenangestellten makellos abgebildet. Auch als Tom Cruise die Platte wiedergibt, kommt das Vinyl-Rauschen fein heraus, als die leicht komprimierte Stimme der Plattenpressung die nächste Mission des IMF-Agenten preisgibt. Es sind die Feinheiten, die beeindruckende Detailauflösung der ISP MK2, die abseits der einvernehmenden akustischen Darbietung sich besonders hervortun. Die saubere und hochpräzise Strukturierung einzelner Ebenen im Tieftonbereich, die unverkennbar authentisch wirkende Präsentation des Klopfens mit dem Ellenbogen an der Glasscheibe der Tür, als Ethan Hunt sich aus der Falle des Syndikats zu befreien versucht. All das verschmilzt zu einem dynamischen Gesamtgeschehen, dem man sich als begeisterter Filmfan nicht entziehen kann.

Nichtsdestotrotz wechseln wir das Beispiel und nehmen uns "Der Hobbit - Smaugs Einöde" vor. Im Gegensatz zum Dolby Atmos-Mix von Rogue Nation, der zumindest solide Ansätze im Überkopf-Bereich bietet, muss die ISP MK2 hier mit DTS HD-MA agieren. Die letzten drei Kapitel sehen wir uns hier an und können direkt attestieren, dass auch hier die Differenzierung im Bassbereich ein für uns neues Niveau erreicht. Man kann die Fußstapfen des Drachens absolut klar nachvollziehen und mag beinahe instinktiv in Deckung gehen. Auch die Qualität der Sprachwiedergabe ist hervorragend und völlig unabhängig von der Komplexität des Geschehens auch stets verständlich. Die räumliche Abbildung, auch hier ohne Dolby Atmos, ist in keiner Weise zu kritisieren. Nicht nur, dass man sich inmitten des Geschehens fühlt, man kann auch akustische Elemente in Ort und Direktion mit geschlossenen Augen mühelos lokalisieren und nachverfolgen. Drachenfeuer, umherschwappendes Wasser, schwere Ketten, als das "sieht" man auch ohne Bild vor seinem geistigen Auge vor sich und verfolgt das gehetzte Geschehen mit. Das untergründige Pulsieren wird ebenfalls stets bedacht und entfacht beim Zuhörer die gewünschte Unruhe. Die nicht allzu einfach umzusetzende Stimme von Smaug begeistert uns hier mit  massivem Fundament und klingt geradezu furchteinflößend. Als der riesige Zwerg aus flüssigem Gold zerbirst, gelingt auch hier die Abbildung des alles in sich aufnehmenden Goldes so authentisch, dass man meint, man versinke darin. Auch der typische Abschluss mit "I See Fire" von Ed Sheeran darf nicht fehlen und selten haben wir die Stimme des Iren so klar gehört. Kein Detail geht verloren, das gilt auch für die Akustikgitarre, deren Klopfen kräftig, aber nicht mit übertriebener Härte, beim Zuhörer angelangt. Mit Auro-Matic, dass natürlich auch mit einem entsprechend passenden Lautsprecher-Setup verwendet werden sollte, kann man hier noch etwas höhere Einvernehmlichkeit des akustischen Geschehens erzielen. Generell gilt, und das empfinden wir ebenso, Auro-Matic als bester Upmixer im Vergleich mit Dolby Surround und DTS:X.

Wir konnten uns kaum entscheiden, welchem JunkieXL-Soundtrack wir den Vorzug geben wollten. Letztendlich haben wir uns doch gegen Deadpool und für Mad Max: Fury Road entschieden - falsch machen kann man mit beiden nichts. Entscheidend war auch die Performance im Tieftonbereich und die Darstellung der Motorengeräusche bei unserem ersten Filmbeispiel, so dass wir hier die Verfolgungsjagd des Konvois gerne von der ISP MK2 präsentiert bekommen wollen. Und wir werden nicht enttäuscht. Sofort zieht die Vorstufe uns ins Geschehen ein und umhüllt uns mit kraftvollen, klar differenzierten Geräuschen der Motoren der zahlreichen DIY-Gefährte. Obenrum ist das Geschehen nicht weniger durchhörbar, fein aufgelöst und transparent und garantiert höchste Anteilnahme am treibenden Action-Geschehen. Brutale Bass-Schläge bei Explosionen werden sofort und mit maximaler Präzision umgesetzt. Projektile und Wurfgeschosse werden räumlich exakt abgebildet und können auch hier mit tadellloser Präzision nachverfolgt werden. Front- und Surrounds sind enorm sauber ausbalanciert und setzen den Zuhörer in den Beifahrersitz von Charlize Theron. Der dynamische, progressive Score ist absolut harmonisch eingearbeitet und wird ebenfalls in all seinen Facetten von der ISP MK2 präsentiert.

Da StormAudio ja auch von einer exzellenten Mehrkanal-Musikwiedergabe spricht, macht Grönmeyers PureAudio-Scheibe "Mensch", auf der sich u.a. ein Dolby Atmos-Mix befindet, den Abschluss. Und auch hier enttäuscht der französisch-stämmige Signalprozessor nicht. Die unverkennbare Stimme des Sängers ist von feinster Detailauflösung gekennzeichnet, aber auch die natürliche, neutrale Abbildung gefällt. Die tadellose Struktur und Auflösung resultiert auch in einer transparenten, breiten Bühne mit erstaunlicher Durchhörbarkeit. Kraftvoll, nachdrücklich, satt und absolut präzise gelingt das Schlagzeug, einzelne Percussion-Elemente sind klar und detailliert, aber nie scharf. Wir sind auch hier absolut begeistert. Insbesondere die Fähigkeit, Instrumente und Vokalstimme überaus strikt zu differenzieren, gleichzeitig aber ein authentisches, harmonisches Ganzes zu präsentieren, in dem der Zuschauer versinken kann, zeichnet unserer Meinung nach die ISP MK2 aus und ist ein eklatanter Bestandteil, weshalb die Vorstufe den Zuhörer derart mitnimmt und ein Feuerwerk an Emotionen entfacht.

Konkurrenzvergleich

Bereits vor dem Testbericht hat uns dieser Punkt des Konkurrenzvergleiches Respekt eingeflößt. Zum einen, weil wir in diesem High-endigen Bereich, in dem die StormAudio Vorstufe beheimatet ist, im direkten Vergleich zu den niedrigeren Preisklassen schlichtweg weniger Erfahrung mitbringen, zum anderen weil wir bislang kaum vergleichbare Komponenten im Test hatten. Wir kennen zwar die typischen Konkurrenten, konnten diese aber bislang nicht im eigenen Hörraum untersuchen. Die Einordnung fällt also nicht leicht, dennoch wollen wir versuchen, das Profil des geneigten StormAudio-Käufers zu spezifizieren.

Über 14.000 Euro Invest klingen natürlich erstmal nach einem Hammer. Manch einer gibt soviel nicht mal für das gesamte Heimkino aus, selbst wenn es sich um eine dedizierte Keller-Höhle handelt. Und ganz pauschal kann man sicher festhalten, dass ein großer Prozentsatz der Anwender mit z.B. einer Marantz AV7706 plus entsprechenden Endstufen zum deutlichst günstigeren Kurs ausgezeichnet bedient sind. Eine solche Komponente stellt man sich hin, erledigt den Einrichtungsassistenten, lässt Audyssey laufen und nach maximal einer halben Stunde genießt man tollen, immersiven Heimkino-Sound. Wer gerne selber etwas mehr frickelt und schlicht nicht ein solch hohes Budget aufbringen kann oder einen Großteil der flexiblen Möglichkeiten einer ISP MK2 nicht benötigt, der findet auch unter 5.000 Euro leistungsfähige Geräte, die mit Dirac zum spielen einladen, z.B. eine AV40 von Arcam.

Bilanzierend sind diese Gerätschaften, und das wird beim Lesen dieses Berichtes klar, aber nicht mit der ISP MK2 Vorstufe von StormAudio vergleichbar. Was hier geboten wird, ist maximale Flexibilität, maximale Rechenleistung und eine schlichtweg gnadenlos kompromissfreie akustische Performance. Und das bei einer sehr guten Bedienbarkeit. Darüber hinaus ist die Modularität kein zu unterschätzender Vorteil. Gerade, da sich der Hersteller scheinbar nicht vor der Integration moderner Technologien scheut, was man am angekündigten HDMI 2.1-Board erkennen kann. Das ist im High-End-Bereich nicht unbedingt Standard. Nicht nur an dem erst seit Kurzem verfügbaren Update bzgl. DTS:X Pro und dem erweiterten Bass-Management, sondern auch an der Tatsache, dass StormAudio software-seitig die "alte" MK1-Vorstufe weiterhin komplett unterstützt, erkennt man zudem, dass der Hersteller gewillt ist, seine Produkte auch über Jahre hinweg zu supporten.

Das alles und die Tatsache, dass man, je nach Variante, mit der Komponente prinzipiell die technischen Anforderungen eines kommerziellen Kinos abdecken kann, muss man bei der Preisgestaltung der Vorstufe berücksichtigen. Zumal im direkten Vergleich innerhalb der Geräte-Kategorie die StormAudio ISP MK2 eindeutig nicht zu den teuersten gehört, sondern eher mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis aufwartet. Einige wichtige Punkte, die hier zu nennen wären, ist z.B. die DSP-Basis gegenüber PC-Hardware. Abgesehen vom besseren Sound kann man so auch eine hohe Betriebsstabilität erwarten. "Einfache" Klangregler (Bass/Treble) bringen andere gar nicht mit und auch der zuverlässige Panasonic 4K Chipsatz mit 18 GBit Bandbreite gehört im High-End-Bereich nicht zum Standard-Repertoire. Echte, voll parametrische Equalizer und die digitale Frequenzweichenfunktion zeichnen die ISP MK2 ebenfalls gegenüber so manch direktem Gegner aus. Verzeihen muss man das Fehlen einer Fernbedienung und dass man eben nicht so einfach zwischen verschiedenen Lautprecher-Konfigurationen hin- und herspringen kann, sondern es global immer nur ein Haupt-Setup gibt.

Fazit

StormAudio ISP 3D.16 MK2

Die StormAudio ISP MK2 ist nicht für jeden. Von der finanziellen Komponente gänzlich abgesehen erfordern Installation und Konfiguration schon ein wenig Aufwand und die Bereitschaft, sich neue Dinge und Logiken anzueignen. Das ist mit konventionellen AV-Receivern/AV-Verstärkern und AV-Vorstufen mit kinderleicht zu bedienenden Einrichtungsassistenten und automatischen Einmess-Systemen nicht zu vergleichen. Besonders dann, wenn man die gesamte Komplexität der Profi-Vorstufe ausreizen möchte.

Sie ist aber auch nicht nur für Tüftler, denn mit der graphischen Benutzeroberfläche kommen ambitionierte Heimkino-Enthusiasten, die ein paar Grundkenntnisse mitbringen, nach kurzer Eingewöhnungszeit gut zurecht. Anwender mit entsprechender Kompetenz und dem notwendigen Mess-Equipment fühlen sich vermutlich wie ein Kind im Spielzeugladen - nur dass man dann auch alles haben darf, was dort im Regal steht. Und selbst wenn man nicht an sämtlichen Rädchen und Stellschräubchen dreht, wird man mit einer sensationellen akustischen Performance belohnt, die uns in Sachen Auflösung und Bass-Management neue Maßstäbe aufgezeigt hat.

Der Funktionsumfang ist beeindruckend, das Handling in Anbetracht dessen nicht zu kompliziert und die Modularität sorgt nicht nur dafür, dass man im Bedarfsfall sein Heimkino zum semi-kommerziellen Kino umbauen kann, sondern auch dass man bezüglich neuer Technologien, wie z.B. HDMI 2.1, ohne Neukauf eines kompletten Gerätes, mit zeitgemäßer Technik arbeiten kann.

Ultra-flexibel, gutmütig in der Handhabung und klanglich ein Benchmark - die StormAudio ISP MK2 ist in der Heimkino-Oberklasse erste Wahl

Test: 24.02.2021

 

Test: Philipp Kind
Datum: 24.02.2021

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