XXL-TEST: Sony KD55X85L (2023) - 4K Full Array LED-TV für aktuell unter 1.000 Euro
Bild allgemein
Der Sony KD55X85L ist, wie eingangs erwähnt, ein Fernseher mit Full Array LED Backlight-Technologie. Dabei sitzen die Leuchtdioden vollflächig hinter dem Panel, was z.B. gegenüber Edge LED beleuchteten Geräten, bei denen die Leuchtdioden lediglich an den Seiten platziert sind, Vorteile im Bereich Kontrast, Schwarzwert und Helligkeit bietet. Der X85L setzt hier noch auf konventionelle LEDs, ist also nicht mit den miniaturisierten Mini-LEDs ausgestattet, die aufgrund ihrer Vielzahl eine präzisere Ansteuerung und somit in der Regel noch höhere Bildperformance ermöglichen.
An auswählbaren Bild-Presets bringt der Sony Fernseher "Brillant", "Standard", "Kino" und "Anwender" mit. Während Brillant und Standard eher einem "Dynamik"-Bildmodus mit kühler Farbtemperatur und hoher Schärfe entsprechen, sind Kino und Anwender wärmer in ihrer Farbtemperatur und wirken auch vom Gesamteindruck deutlich authentischer und stimmiger. Zusätzlich gibt es auch die Bildmodi "IMAX Enhanced" sowie "Netflix Adaptive Calibrated Mode", die jeweils den entsprechenden Content voraussetzen. Auch Dolby Vision Hell und Dolby Vision Dunkel sind an Bord. Hier eignet sich insbesondere Dolby Vision Dunkel bei gedämpftem Umgebungslicht. Für geringe Latenz und einen intensiven Bildeindruck gibt es zum Zocken auch noch den Bildmodus "Spiel".
Versierte Anwender finden in den Einstellungen noch weitere Möglichkeiten der Bildanpassung. Neben den typischen Schiebereglern für Helligkeit, Kontrast und Schärfe gibt es auch eine erweiterte Farbanpassung, dynamische Schwarzwert- und Kontrastoptimierer, Rauschreduzierer und natürlich die Möglichkeit der Zwischenbildberechnung für eine flüssige Bewegungsdarstellung. Der integrierte Lichtsensor sorgt für eine ständige Anpassung der Bildparameter bzgl. der aktuell herrschenden Umgebungshelligkeit. Im Bedarfsfall kann er deaktiviert werden.
Bild Ultra HD Blu-ray
Wir legen eine Ultra HD Blu-ray (Mord im Orient-Express) ein und entscheiden uns für den ausgewogenen Bildmodus "Anwender". Der Sony erkennt natürlich direkt das eingehende Signal und zeichnet dies als "HDR" aus. Die Einstellungen des Presets belassen wir, lediglich Motionflow und Filmmodus deaktivieren wir zunächst und prüfen, wie sich der X85L bei der nativen 24p-Wiedergabe schlägt. Hier liefert eine grundlegend solide Performance ab. Bei wenig kritischen Stellen wird einem kaum etwas auffallen. Die Logo-Abbildung und eher langsame Szenen bildet der Sony Fernseher ohne zitternde Kanten ober sonstige störende Artefakte ab. Bei schwierigen Szenen, wie z.B. direkt zu Beginn des ersten Kapitels, als die Kamera an der Klagemauer entlang nach unten schwenkt, ist der X85L allerdings nicht 100% stabil. An den Fugen der Mauer und auch den Mauersteinen selbst sieht man ein wenig Unruhe der Kanten und auch bei den vielen umherwuselnden Menschen am Boden kann man an den Konturen der Arme und den Kopfbedeckungen der Besucher stellenweise leichtes Ruckeln erkennen. Insgesamt sicher Meckern auf hohem Niveau, wir kennen die Szene von anderen Sony TV-Geräten aber besser. Bevor wir die Zwischenbildberechnung zuschalten und uns die Szene erneut ansehen, lassen wir uns hiervon nicht beirren und den Film etwas weiterlaufen.
Die Farbgebung nämlich wirkt sehr natürlich und angenehm, auch die Abbildung von Hauttönen gelingt dem X85L in exzellenter Manier. Ebenso performant zeigt er sich bei der Helligkeit und Differenzierung in den hohen IRE-Bereichen. Auch in hellerer Umgebung wird hier eine klare Strukturierung und Detaillierung aller Bildebenen geboten. Wir dunkeln ab und sehen uns den Schwarzwert und die dunklen Bereiche im Bild genauer an. Bezüglich des Schwarzwertes darf man auch von der FALD-Technologie keine Wunder erwarten und die leicht grauen Balken bei der Wiedergabe des Cinemascope-Filmes fallen Kinofans sofort auf. Insgesamt liefert der X85L aber für einen LCD-Fernseher ein gutes Ergebnis beim Schwarzwert ab und muss sich keinesfalls hinter der Konkurrenz verstecken. Dunkle Gewänder der Besucher der Klagemauer gelingen detailliert und auch die folgende Schwarz-/Weiß Szene kann gefallen. Völlig rauschfrei bleibt der Sony TV nicht, übermäßig auffallend ist es aber ebensowenig. Exzellenz bietet er beim Thema Detailschärfe. Hier werden wirklich sämtliche Feinheiten abgebildet, insbesondere bei Nahaufnahmen spielt er seine Stärken aus. Aber auch hintere Bildebenen bei Panorama-Aufnahmen werden noch gut durchzeichnet. Der solide Schwarzwert wird im siebten Kapitel nochmal deutlich und die klare Herausarbeitung einzelner Schneeflocken vor dem schwarzen Hintergrund - als der Zug den Schneesturm durchquert - heimsen dem Sony LCD-TV noch ein paar Extrapunkte ein. Auch deshalb, weil die hellen Schneeflocken nur geringfügig überstrahlen und kein eklatantes "Halo" aufweisen, wie es häufig selbst bei hochwertigen Mini-LED-TVs noch zu sehen ist. Natürlich darf man hier keine OLED-Darstellung erwarten. Für den Preis holt Sony aber außerordentlich viel aus der integrierten Technologie heraus. Die Kontraststärke insgesamt beschert auch eine plastische Darstellung mit gutem räumlichen Eindruck.
Wir aktivieren die Zwischenbildberechnung und setzen zunächst auf die hohe Einstellung. Bei Motionflow bedeutet dies "Autom." und Filmmodus "Hoch". Hier greift der TV schon drastisch ein. Es wird ein sehr scharfes und klares Bild geboten, das erfreulicherweise auch nicht zu Seifenopern-artig wirkt, sondern den Film-Look, wenn auch nicht gänzlich, weitgehend erhält. Allerdings muss man dafür Artefakte in Kauf nehmen, die sich umso stärker bemerkbar machen, wenn sich die Objekte im Bild schnell bewegen oder die Kamera ein paar flinke Schwenks hinlegt. Als der Polizist nach der Überführung von Hercule Poirot vor der Klagemauer flieht, sieht man deutliche Nachzieh-/Ghosting-Effekte an Armen und Beinen. Bei langsamen Szenen mit gemäßigten Bewegungen der Schauspieler fällt das aber deutlich weniger ins Gewicht. Wir stellen Filmmodus auf "Niedrig" und wechseln bei Motionflow auf "Anwender", was den niedrigsten Einstellungen bei Glätte und Klarheit entspricht. Diese beiden Sub-Parameter von Motionflow lassen sich noch individuell justieren. Dies scheint uns ein geeigneter Kompromiss zu sein, der X85L gefällt uns so am besten. Der Film-Look bleibt erhalten und die Bewegungen wirken, wenn auch nicht völlig perfekt, am natürlichsten. Störende Nachzieher und Kantenzittern bleibt, abgesehen von sehr kritischen Szenen, aus und dennoch wirkt das Bild geschmeidig. Perfekt ist der Kamerschwenk an der Mauer hinab in Kapitel 1 zwar immer noch nicht, stark auffallende Probleme sehen wir aber nicht.
Bild Blu-ray Disc
Beim Upscaling der 1080p-Inhalte gibt sich der Sony K55X85L keine Blöße und zeigt eine authentische Abbildung, die sich in weiten Teilen mit den Erfahrungen bei der UHD-Wiedergabe deckt. Wieder entpuppen sich die Einstellungen Motionflow "Anwender" und Filmmodus "Niedrig" als sehr guter Kompromiss mit gefälliger Bewegungswiedergabe, hoher Schärfe und geringer Artefakteausprägung. Auch die Farbdarstellung ist auf exzellentem Niveau und das Appartement, welches von indirekter künstlicher Beleuchtung und einfallenden Sonnenstrahlen geprägt ist, wird natürlich dargestellt. Wer keine OLED-Ansprüche an den Schwarzwert stellt, wird überrascht sein, wie dunkel der Sony Fernseher selbst im dunklen Raum wirkt. Die schwarzen Streifen im Bild sind natürlich nicht abgrundtief schwarz, zeigen aber auch keine ausgeprägten Hot Spots. Hinzu kommt das gut durchzeichnete, detaillierte Bild. Sowohl was hellere als auch dunklere Bereiche betrifft. Es wird zwar nicht das allerletzte Quäntchen an Detail herausgearbeitet, aber selbst an der dunklen Holzvertäfelung sowie dem Anzug von Bond (bei schwacher Beleuchtung) lassen sich einzelne Strukturen erkennen.
Hervorragend gelingt wieder die Kanten- und Detailschärfe, hier reiht sich der X85L direkt in die Riege weiterer Sony Fernseher ein, bei denen wir bereits ähnliche Performance nachvollziehen konnten. Bei der Verfolgungsjagd durch die engen Gassen Istanbuls bleibt der X85L souverän und zeigt ein klares, stabiles Bild mit angenehmer Bildruhe. Bei weitläufigen Aufnahmen wird ein plastisches, dreidimensionales Bild mit guter Differenzierung der einzelnen Tiefenebenen geboten. Die Farbgebung ist auch im Freien auf tadellosem Niveau.
Bild TV-Tuner, DVB-C
Der Sony bringt einen einfach ausgeführten Triple Tuner mit. Er empfängt also Signale via Satellit, Kabel oder Terrestrisch, kann allerdings nicht zwei Programminhalte gleichzeitig verarbeiten. Eine Sendung aufnehmen und parallel eine andere ansehen ist nicht möglich. Der Tuner des Sony KD55X85L behält die positiven visuellen Eigenschaften bei und zeigt auch bei 720p-Inhalten ein sehr scharfes, klares und farbechtes Bild. Kenner mit Argusaugen werden feststellen, dass der Sony ein wenig mit Scalingrauschen zu kämpfen hat. Dies wirkt sich zwar nicht wirklich negativ auf den gesamten Bildeindruck aus, ist aber schon erkennbar und zeigt sich besonders bei Farbflächen präsent. Die ein oder andere zitternde Kante gibt es auch, allerdings ist der Sony TV hier nicht schlechter als die meisten anderen Geräte. Sehr positiv ist die gebotene Bildschärfe und auch die angenehme Bildruhe. Auch Schriften im Bild werden klar und sauber abgebildet. Das Umschalten zwischen zwei HD-Sendern dauert knapp zwei Sekunden. SD-Signale wirken, sofern das Material recht hochwertig ist, ebenfalls gut. Den enormen Scalingaufwand dieser niedrig auflösenden Signale merkt man dem Gerät schon an, hier arbeiten aber Mittelklasse-Fernseher sämtlicher Hersteller auf nahezu identischem Niveau. Bildrauschen hält sich in Grenzen, die Farben bleiben auf gutem Niveau und dadurch, dass der X85L nicht ansatzweise überschärft, wirken selbst Schriften im Bild recht gut. Leichte Treppenstufenbildung lässt sich hier schlicht nicht vermeiden.
Klang
Die automatische Akustikkalibrierung in Kombination mit der Fernbedienung empfiehlt sich in jedem Fall. Bei hoher Lautstärke kann der Sony TV in akustisch hellhörigen Umgebungen sonst etwas spitz und hallend wirken. Ein Anschlagen der Woofer lässt sich, bei einem Pegelbereich im oberen Drittel, leider auch so nicht ganz vermeiden. Davon abgesehen bietet der X85L aber eine absolut solide Performance für einen konventionellen Flachbildschirm in dieser Preisklasse. Dialoge sind zudem gut verständlich und die Stimmwiedergabe auf sehr gutem Level. Auch größere Wohnzimmer können beschallt werden und selbst bei hoher Lautstärke gelingt dem Fernseher bei Action-Spektakeln ein dynamisches, lebendiges Klangbild mit solider Raumwirkung. Der Action-Kracher ist natürlich aufgrund der moderaten Bassperformance und Leistung dennoch vielleicht nicht die erste Wahl. Insgesamt entspricht die Klangwiedergabe der Preisklasse und ist weder unter- noch überdurchschnittlich gut zu bewerten. In den Toneinstellungen lassen sich noch die Intensität des Raumklangeffektes einstellen und auch eine Dialoganhebung ist möglich, als wirklich notwendig empfanden wir dies aber nicht. Ein EQ ist ebenfalls integriert, unterschiedliche Ton-Presets gibt es aber nicht.
Konkurrenzvergleich

Samsung S90C (2023) in 55 Zoll: Wir hatten den Samsung mit QD-OLED-Technologie in 65 Zoll im Test und sind nach wie vor begeistert: Das helle, farbechre Bild mit makellosem Schwarz und feiner Detaillierung überzeugt ebenso wie die enorme Rauscharmut und der sehr gute TV-Tuner. Optisch attraktiv und einfach bedienbar ist der Samsung auch noch, sodass Marktpreise von rund 1.400 EUR mehr als gerechtfertigt sind. Nachteil: Der Samsung unterstützt kein natives Dolby Vision.

Philips OLED808 (2023) in 55 Zoll: Auch hier hatten wir ein Testgerät in 65 Zoll. In 55 Zoll liegt der OLED808 derzeit bei verträglichen 1.300 EUR Marktpreis. Dafür gibt es die geballte Prozessor-Power des P5 (2023), einen tollen Video-EQ, ein elegantes Design, viele akustische Einstellmöglichkeiten und das Philips-exklusive Ambilight. Die Fernbedienung ist ebenfalls ausgezeichnet, sodass der Philips seinen Mehrpreis zum Sony definitiv wert ist.
Fazit

Der Sony X85L in 55 Zoll ist ein idealer Smart-TV für den täglichen Gebrauch. Er lässt sich einfach einrichten und handhaben, zudem sind praktischerweise gleich zwei Fernbedienungen im Lieferumfang. Optisch sieht er dezent, klassisch und elegant aus, und weder akustisch noch visuell leistet er sich echte Schwächen. Sein einziges Problem ist, dass zahlreiche extrem gute 2023er OLED-TVs, ebenfalls in 55 Zoll, nicht extrem viel teurer sind.
Solider 4K-TV für jede Aufgabe des Alltags mit umfassender Ausstattung

Smart-TVs bis 1.500 EUR
Test 19. Februar 2024
Test: Philipp Kind
Fotos: Philipp Kind
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 19. Februar 2024
Weiter auf: Vorherige Seite
Tags: 4K TV • Fernseher • Sony • TV







