SPECIAL: Großes Interview mit Stefan Gellrich, SG Akustik - so kam absolutes Audio-High End in die Baden-Badener Villa Schellbach

Großes PIEGA-Setup in der SG Akustik Villa Schellbach
CR: Von Kino zu Zweikanal, von Zweikanal in die Schweiz: Wir hatten gestern hier ein PIEGA-Event, WineBeats erste Auflage. Erzähl du uns, Stefan, doch einmal etwas über deine Beziehung zu PIEGA. Ich hatte so den Eindruck, die ist sehr intensiv, die ist sehr sehr gut, sehr gut gewachsen – wie stehst du zu PIEGA und wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?
SG: Da muss ich jetzt etwas weiter ausholen und früh in meiner Laufbahn als Audio-Experte beginnen. Generell entwickelt man nach vielen Jahren im Handel selbst Vorlieben, auch Vorlieben für spezielle Hersteller. Ich habe am Anfang meiner Karriere fast nur englische Produkte verkauft. Bin dann aber weiträumiger geworden, weil viele Hersteller aus anderen Ländern wurden immer besser mit den Jahren. Ursprünglich war die Kluft zwischen japanischem HiFi, deutschem HiFi, englischem HiFi groß, und untereinander war das gar nicht so gut zusammenzubringen. Ich glaube, der wesentlichste Punkt dazu ist erstmal die Übernahme, die SG-Akustik war sehr groß geworden damals schon, auch mit viel TV-Geschäft, und ich bin dabei an meine Grenzen gestoßen. Damals haben die sich HiFi-Profis unter ihrem Chef Ernst Schmid der Sache angenommen und das war ein sehr produktiver Zusammenschluss. Auch, weil wir damit auch nochmal eine Markenvielfalt in einer ganz anderen Dimension erhalten haben. Also von einem sehr britisch-lastigen, was HiFi betrifft, und TV-orientiertem Laden sind wir im Portfolio auf 160 Marken angewachsen. Das ändert natürlich erstmal nichts daran, was du selbst für Schwerpunkte hast, aber die Zeit verändert nicht nur die Menschen, die Zeit verändert auch die Produkte.

PIEGA wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Sortiments
In vielen Bereichen, muss man leider sagen, gibt es im Rahmen der Globalisierung gar nicht mehr so viele, wirklich liebevoll handgemachte Produkte, wo so richtig Herzblut einfließt. Und diejenigen, die genau das machen, das sind meine Lieblingsmarken. Viele von denen, die das früher gemacht haben, machen das nicht mehr. Viele sind übernommen worden, an Investoren gegangen, usw. Natürlich geht es dann auch um Rentabilität und nicht mehr darum, ein Produkt auf einem solch außergewöhnlich hohen Niveau zu halten. Dynaudio hat da mal in den 90iger Jahren einen sehr schönen Spruch gebracht: Wenn die Qualität unserer Produkte nicht mehr zum derzeitigen Preis realisierbar ist, dann müssen sie teurer werden. Ein „Weitermachen“ zum gleichen Preis, aber mit schlechterer Qualität, das machen wir nicht. Aber wie gesagt, auf dem Weltmarkt, war das nicht mehr so. Und da sind wir jetzt beim Thema: PIEGA.

PIEGA ist ein inhabergeführtes High-Tech-Unternehmen aus der Schweiz, das einen legendärenb Ruf für die Lautsprecher des Hauses genießt
CR: Also daher kommt auch deine Affinität zu PIEGA. Ein familiengeführtes Unternehmen, mit Liebe gefertigte Produkte, vor allem auch viel selbstgemacht in der Schweiz. Es ist also das, was deine Lieblingsprodukte auszeichnet.

PIEGA.....

...und HiFi-ROSE
SG: Das sind genau die Punkte, dass du noch ein familiengeführtes Unternehmen hast, die ihren Prinzipien treu bleiben, auch wenn es mal hart wird oder teurer wird. Geht ja um viele Firmen, die einen wurden dramatisch schlechter, andere hingegen sind auf hohem Niveau geblieben. So sind wir dann auch auf PIEGA gestoßen. Natürlich kannte ich die Marke, aber es war bis dahin bei uns nicht so im Fokus. Durch die zur High End 2024 erfolgte Neuaufstellung mit HiFi-ROSE zusammen wurde alles sehr interessant. Die Komponenten von HiFi-ROSE sind gerade im Digitalbereich ein enorm wichtiges Produkt geworden und sticht Konkurrenten klar aus, wenn es um die Technik und Performance geht. Naja und dann guckst du dir PIEGA genau an merkst, dass das auch etwas ganz Besonderes ist.
CR: Wo siehst du die großen akustischen Stärken von PIEGA und der Kombination ROSE x PIEGA – was fasziniert hier die Leute?

Für die PIEGA Master Line Source-Modelle wären durchaus noch größere HiFi-ROSE Verstärker denkbar
SG: Das, was bei PIEGA und HiFi-ROSE passiert, ist für sich gesehen unheimlich gut. Ich glaube, dass es für einen Lautsprecherhersteller immer optimal ist, wenn du man passende Elektronik hat. Das macht dich ja im Grunde genommen zum Vollsortimenter, du marschierst in eine Richtung. Wir haben hier ja auch im Raum HiFi-ROSE und PIEGA zusammen angeschlossen, und es funktioniert wirklich gut. Im Sortiment von HiFi-ROSE ist aktuell noch zum Beispiel verstärkerseitig beim RA180 Schluss, die großen PIEGA MLS-Modelle hätten bestimmt auch noch eine fettere Elektronik verdient.

DNA von PIEGA: Koaxiales Bändchen
Aber nochmal zur DNA von PIEGA: Das Haupt-Asset besteht sicherlich aus zwei Punkten. Das eine ist das Bändchen, gerade das koaxiale Bändchen, das hat PIEGA über die vielen Jahre bei der Entwicklung immer weiter auf die Spitze getrieben. Die Vorteile einer solchen Konstruktion liegen ja auf der Hand, was Auflösung und Geschwindigkeit angeht. Du musst das natürlich in ein Konzept packen, wo der Rest auch dazu passt. Nun muss ich wieder etwas ausholen. Ich war ein bisschen erstaunt darüber, weil die Welt sich so entwickelt hat, dass ein Lautsprecher immer schlank sein muss. Wir haben Lautsprecherkonstruktionen über die Jahre erlebt, die sind so, wenn man da „audiophil“ mal als Negativ-Wort verwenden möchte, die sind regelrecht überzüchtet gewesen. Wenn du früher eine richtig hochwertige Anlage hattest, eine Yamaha NS-1000 z.B. mit einem Luxman-Verstärker oder Ähnliches, dann hast du dein System angeschaltet, es hat sofort gespielt und dich emotional direkt mitgenommen. Dann hast du so eine dünne, passive Säule, die da irgendwie herumsäuselt und nur funktioniert, wenn du die Lautsprecherkabel einen halben Meter über den Boden fährst, überall Silberkontakte einbaust und drei Entkopplungsbasen darunterlegst oder sonst was…Ich habe das ja alles mitgemacht, konnte man machen. Aber im Grunde genommen, kommst du nach diesen ganzen Jahren wieder zurück zu einer vernünftigen Lautsprecherkonstruktion. PIEGA hat genau das geschafft (und sogar "in schlank", siehe PIEGA Premium 701 Gen2, Anmerkung der Redaktion), dazu gehört, finde ich, auch immer ein bisschen Eingebung, Führung und Genialität, dass du Bass findest, der mit einem Bändchen funktioniert, wo ein dynamischer, detailreicher und kräftiger Klang entsteht, der Druck macht und obenrum diese schöne Offenheit hat. Diesen audiophile Gedanke, dass du nur unter bestimmten Umständen ein optimales Ergebnis hast, den finde ich langfristig auch gar nicht mehr haltbar. Wir entwickeln uns in der Gesellschaft in eine ganz andere Richtung, da darf das nicht mit so einer Schwere, einer Schwermut zusammenhängen.
CR: Jetzt haben wir so ein wenig über die Beziehung zu PIEGA gesprochen, wie ist jetzt aber eure Idee gekommen, dass ihr so etwas wie WineBeats veranstaltet?
SG: Ich muss übrigens noch erwähnen, das zweite Asset von PIEGA sind natürlich die Aluminiumgehäuse. Das hat ja keiner sonst geschafft, so etwas auf die Beine zu stellen. Im Übrigen sind auch die Entwicklung von Bändchen-Hochtönern ja völlig ins Stocken geraten. Wenn man überlegt, als damals die Titan herauskamen, mit Philips-Bändchen noch, und Quadral dann begonnen hat Bändchen zu entwickeln und zu bauen, das ist ja alles eingegangen mit den Jahren. PIEGA hat halt weitergemacht. Und das mit den Alu-Gehäusen – jeder sagt ja bei Metall, der Lautsprecher muss aus Holz sein, und noch nicht mal aus Massivholz, weil selbst Massivholz Resonanzen hat, die der Sache gar nicht so gut tun, sondern MDF, später HDF, Verbundstoffe mit allem Möglichem Drum und Dran.

PIEGA COAX 811 Gen2

Die Premium Wireless Gen2 als Aktivlösung

Der passende Hub
Man hat Metall und auch Aluminium immer nachgesagt, es hätte viel zu harte Schwingungen und auch Eigenreflektionen dann im Gehäuse, das hat PIEGA schon sehr gut gelöst. Gerade wenn man sich auch die schlanken Säulen der PREMIUM Gen2- oder COAX Gen2-Serie anschaut. So eine Steifigkeit musst du erstmal hinbekommen. Solche Kraft, solchen Druck, passiv, bekommt man nur, wenn dein Gehäuse nichts macht, sich absolut ruhig und souverän verhält. Ist dies nicht der Fall, geht die ganze Energie ins Gehäuse hinein und dann war es dann. Wenn du mal guckst, welche Leistung eine PIEGA COAX 811 hat, das ist brutal und PIEGA hat hinten ein spezielles Zugelement ins Gehäuse eingebaut. Dieses wird so konfiguriert, dass sich Resonanzen nicht mehr ausbreiten können. Das kann man bei Metall immer ganz gut machen, das wird ja auch in der Automobilindustrie verwendet und eingesetzt, da man hier auch häufig mit Resonanzgeräuschen zu tun hat, wird ganz viel mit Spannung und Verspannung gearbeitet. Diese Innovation finde ich persönlich bei PIEGA phänomenal. Das merkt man ja auch, wenn man eine PIEGA Box anfasst. Sie macht weder eine hochfrequente Vibration noch die tiefe, das ist wahrhaftig genial. Da wissen schon ein paar Leute sehr genau, was sie tun. Das ist nicht nur Marketing, sondern Präzisionsarbeit, da steckt wirklich etwas dahinter.

PIEGA und hochwertiger Wein, das gehört zusammen
Nochmals zum Thema "Wein": Zunächst sind die PIEGA-Jungs natürlich selber Wein-Freaks, und wenn man schaut, was wir hier in den letzten Jahren an Wein weggetrunken haben, in der Villa mit den Kunden und bei Veranstaltungen, das hat mich zwischendrin auch ein bisschen geärgert. Früher, wenn wir eine größere Veranstaltung hatten, auf der zahlreiche Leute sind, konnten alle umsonst trinken. Das haben wir geändert, also wir haben das ganze Veranstaltungsformat geändert. Das fing an mit dem Konzert und jetzt mit dem Wein, um vernünftige Qualität liefern zu können. Manches in der Vergangenheit gefiel mir nicht so gut. Du lädst umsonst zu einer Veranstaltung ein, dann melden sich 50 Leute an, und am Tag des Events sagen dann 25 Leute ab, weil sie doch keine Lust darauf haben. Und das haben wir jetzt geändert. Wir möchten maximale Qualität abliefern und die kostet Geld. Dafür gibt es einen Umkostenbeitrag, der hier abzuführen ist, und es kommt sehr gut an. Es sorgt für gegenseitigen Respekt in der Sache, und es ermöglicht eine verlässliche Besucherzahl, mit der du auch planen kannst. Das Ganze steht auch für eine hervorragende Qualität des gesamten Events. Das habe ich gestern gesehen, wir haben Weine ausgeschenkt, die durchaus im sehr hochwertigen Bereich liegen, hatten exzellentes Essen. Was aber grundsätzlich klar ist, dass der HiFi-hörende Kunde meist auch gutes Essen und gute Weine liebt, darauf basiert eigentlich das Ganze. Warum sollen wir das nicht zusammenbringen? Man setzt sich ja auch meist zuhause nicht hin und hört ausschließlich Musik, sondern trinkt gerne etwas dazu, ein ganzheitlicher Genuss. Wir werden das Ganze wieder machen, das ist bereits in Planung.
CR: Dann wollen wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken und wünschen weiterhin viel Erfolg!
Interview: Carsten Rampacher
Fotos: Carsten Rampacher, SG Akustik
Redaktion: Philipp Kind
Datum: 02. Mai 2025
Weiter auf: Vorherige Seite
Tags: Elektronik • High End • Lautsprecher • Piega • SG Akustik






