EXKLUSIVES XXL-PREVIEW: Meridian DSP9 - Britischer Champion aller aktiven Lautsprecher?

Klang

Meridian 210 Streamer 1

Meridian 210 Streamer - unser Zuspieler im Test (Roon-System)

Meridian 210 Streamer 2

Rückseite - hier werden die beiden Meridian DSP9 angeschlossen (SpeakerLink Master + Slave)

Wir sprechen über einen vollaktiven Lautsprecher, der pro Paar 75.000 EUR kostet. Damit schiebt sich der Meridian Schallwandler schon sehr deutlich selbst aus dem Investionsrahmen durchaus anspruchsvoller HiFi-Enthusiasten. Aber es gibt immer Hörer, die schlichtweg das Beste möchten, was man für Geld und gute Worte erwerben kann. Daher stellt sich jetzt die Frage: Offerieren die Meridian DSP9 für ihren Kaufpreis auch überwältigende Leistungen? Und daran angrenzend die Frage: Was erwarten wir von einem so exklusiven Schallwandler? Denn schon Aktivlautsprecher für rund 16.000 EUR Paarpreis, wie damals ein Paar Quadral Aurum Alpha, sind schon viel,  und auch dafür bekommt man schon tolle Räumlichkeit, eine enorme Pegelfestigkeit und brillante Höhen sowie klar strukturierte Mitten. 

Hören wir nun "The Look Of Love" von Diana Krall und begeben wir uns auf die Spur dessen, was die DNA der DSP9 ausmacht. Schon nach kurzer Zeit fällt auf, dass sich der britische Aktivlautsprecher gleich enorm nah an den Kern des Songs herantastet - durch die Mischung einer Räumlichkeit, die man fast nur von Surroundsystemen mit mehreren Lautsprechern kennt, und eine Präzision, die jede Einzelheit des Songs exakt an der richtigen Stelle im virtuellen Raum platziert. Man muss zudem nicht zwingend perfekt mittig zwischen den beiden DSP9 sitzen, um eine nahezu perfekte Klangqualität geniessen zu können. Der Sweet Spot ist so gross, dass die Sitzplatzauswahl recht flexibel ist. Aber wir schweifen vom Thema ab - es geht um bestmöglichen Klang und die Frage, ob die DSP9 diesen bieten können. Sie können - das stellen sie mit vielen Pluspunkten unter Beweis. Die Meridian Boxen erfreuen mit einem freien, zugleich brillanten Hochtonbereich, mit facettenreichen Mitten und mit einem Bassbereich, der ungemein straff, zugleich aber auch extrem kraftvoll ist. Stets gibt es ein umfassendes Fundament, das zugleich aber auch nicht übertrieben wirkt. 

Weiter geht es mit "Time To Say Goodbye" (Andrea Bocelli, Ana Maria Martinez, New Yorker Philharmoniker, Live im Central Park, New York). Subtile Nuancen werden impulstreu aufgesammelt, und die beiden DSP9 schaffen eine sehr weitläufige, sehr plastische Klangkulisse. Wo sind denn die Unterschiede zu anderen, auch hochwertigen, aber viel preisgünstigeren aktiven Lautsprechern, werden jetzt viele fragen. In Worten ist das nicht so leicht auszudrücken. Es ist diese exakte Selbstverständlichkeit, diese Gelassenheit, die die DSP9 auszeichnet. Sie spielt so, als gäbe es nichts Einfacheres - das macht eine absolut hochklassige Box aus. Natürlich, man kann sich zum identischen Preis auch eine richtig gute Vor-/Endstufen-Kombination plus zwei ebenfalls hochwertige passive Lautsprecher hinstellen. Dann aber gibt es wieder eine Vielzahl an Komponenten im Wohn- oder Musikzimmer, und im anderen Fall nur zwei DSP9 plus ein kompakter Streamer. 

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Jetzt präsentiert Jonas Kaufmann die legendäre Arie "Nessun Dorma" aus Puccinis Turandot. Hier liften die beiden DSP9 die Stimme von Jonas auf ein neues Niveau - was die Durchhörbarkeit und was die Präsenz selbst im hintersten Winkel des Hörraums angeht. Jonas ist einfach da, salopp gesprochen, bei geschlossenen Augen vergisst man alles um sich herum und lauscht nur der Stimme, die zudem in sich klar strukturiert und sehr feinfülig auftritt. Der Chor im Background hat deutlich wahrnehmbare Konturen, die ansonsten selbst bei sehr gutem Equipment zwar nicht fehlen, aber weitaus unschärfer und weniger fokussiert erscheinen. Die Instrumente ertönen ebenfalls frisch und klar, mit hohem Wiedererkennungswert. 

Der Auftakt zu "Ain't No Sunshine" (Eva Cassidy) fördert wieder zutage, wie plastisch und greifbar die beiden DSP9 Musiksignale zum Auditorium bringen. Wieder stellt sich das Gefühl ein, vom Klang umgeben zu sein, obwohl es sich "nur" um ein Stereo-Setup handelt. Evas Stimme begeistert, da auch kleine dynamische Differenzen sofort erfasst und präsentiert werden. Die Trennung vokaler und instrumentaler Elemente, das haben wir nicht anders erwartet, gelingt auf höchstem Level. 

Kompletter Genre-Wechsel, hin zu "Land of Confusion" in der Cover-Version von Disturbed. Was gleich auffällt: Das oft unangenehm Spitze, Harsche, bei erhöhtem Pegel häufig herausgehört bei diesem Track, kommt bei der DSP9 nicht vor. Sie bleibt von ihrer tonalen Balance her ausgewogen, ohne allerdings zu verheimlichen, dass hier richtig "Feuer" im Titel steckt. Die enorme Dynamik kommt ungefiltert heraus, und die gewollte Aggressivität im vokalen Vortrag wird sehr anschaulich gemacht. Untenherum um Bassbereich lässt die aktive Box durchblicken, dass sie kompromisslos zupackt und dabei auch das emfindliche Gehör von weniger "Pegel-Erprobten" nicht schont. Das Geniale dabei ist aber: Durch den großen Hub bleiben die Bass-Chassis enorm lange gelassen und geben einfach einen satten, kraftvollen tieffrequenten Bereich ohne jede Art der Verzerrung wieder.

Die leider nur sehr kurze, aber aufgrund des Facettenreichtums sehr beeindruckende "Nothing Else Matters" Version aus "Jungle Cruise" bringt das Können der Meridian DSP9 auf den Punkt. Möglichst vielschichtig, mit feinem, bedachtem Beginn, dann aber einer schnellen Steigerung der Effekt-Bandbreite und der instrumentalen Präsenz - das ist der Titel. Und hier kann die DSP9 zeigen, wie rasend schnell sie sich an jede akustische Situation anpassen kann. Nichts entgeht ihr, alles wird mit höchster Genauigkeit zu einem Klangbild zusammengebracht, das ein auf den Punkt kommendes Fundamernt mit einem klaren, feinen Mitteltonbereich und einer brillanten Hochtonwiedergabe mit enormer Strahlkraft verbindet. 

Noch etwas Elektronisches ganz zum Schluss. "Middle Of Nowhere" von Adan Hujens veranlasst die beiden DSP9 umgehend dazu, die Muskeln spielen zu lassen: Was hier an Wucht und Kraft, an dichter Räumlichkeit im Bassbereich erzielt wird, das haben wir so nur extrem selten gehört. Hart, auf den Punkt, gleichzeitig mit Volumen: So geht Bass. Denn wer denkt, dass Käufer extrem kostspieliger Boxensysteme nur Experimentaljazz und klassische Arien hören, der täuscht sich: Auch Kost wie "Middle Of Nowhere" läuft, und auch hier soll etwas Besonderes geboten werden. Exakt das schaffen die beiden DSP9, die maximalen Nachdruck mit maximaler Präzision und einer grandiosen Pegelfestigkeit verbinden.

Fazit

Meridian DSP9 Fazit

Der Meridian DSP9 ist eine echte Lichtgestalt unter den aktiven Lautsprechern. Natürlich - den Preis darf man nicht außer acht lassen. Der ist exorbitant hoch. Aber fürs investierte Geld gibt es auch den entsprechenden Gegenwert. Das extravagante, trotzdem elegante Gehäuse-Layout hat auch technische Vorzüge. So bilden sich im Inneren des Gehäuses keine stehenden Wellen, und zudem sind ideale Voraussetzungen gegeben, um eine enorme Steifigkeit zu erreichen. Im Inneren arbeitet jedes Chassis in einer eigenen Kammer, so kommt es nicht zu gegenseitigen Beeinflussungen.

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Die Treiber sind allesamt neu entwickelt, Höhepunkt ist sicherlich der extrem klar und detailreich sowie räumlich authentisch darstellende Hochtöner mit Beyllium-Membran. Aber auch die insgesamt vier Basstreiber pro Box mit ihrem extrem großem Hub sind außerordentlich aufwändig ausgeführt und dementsprechend leistungsfähig. Der Mitteltöner deckt den Präsenztonbereich großartig ab und gibt Stimmen viel Präsenz. Dank einer Mischung aus Class AB-Verstärkern (für den Hoch-/Mitteltonbereich) und Class D-Verstärkern (Bassbereich) wird im Hoch- und Mitteltonbereich mit viel Feingefühl und im Bassbereich mit viel Kraft (und Präzision) operiert.

Insgesamt ist der DSP9 Aktivlautsprecher für höchste Ansprüche souverän geeignet, und belegt, dass HiFi-Gourments mittlerweile auch auf aktive Boxen zurückgreifen können und nicht mehr auf hochwertige Vor-/Endstufenkombinationen mit großen passiven Standlautsprechern zurückgreifen müssen. Nur zwei DSP9, dazu vielleicht ein passender Steamer - und fertig ist die HiFi-Lösung der.Luxusklasse. 

Preview: Carsten Rampacher
Fotos: Oksana Fritz
Datum: 02. Oktober 2023

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