Einschätzung: Die aktuelle Situation in der UE-Industrie: TVs, AV-Receiver/Verstärker und Soundbars - Lieferengpässe, Verteuerung und gebremste Innovationskraft?

Aktuell ist die Situation in der Unterhaltungselektronik-Industrie von Lieferengpässen und Bauteil-Knappheit geprägt. Nicht nur, dass keine Bauteile produziert werden, auch die Verschiffung insgesamt dauert deutlich länger und ist hinsichtlich der Kosten extrem teuer geworden. Das alles sorgt dafür, dass wir keine guten Zeiten für Schnäppchenjäger haben. Je nach Gerätesparte kann man zudem froh sein, überhaupt ein Device zu bekommen, so zum Beispiel läuft es bei vielen AV-Receivern und AV-Verstärkern. Bedingt durch die schwierigen Rahmenbedingungen, kann verständlicherweise derzeit keine große Innovationskraft erwartet werden - wobei: Das war sogar vor Corona schon ein Problem. Die Branche lebte schon damals eher von Evolution als von Revolution, und der Versuch, wieder etwas Neues zu offerieren, war nicht immer von Erfolg gekrönt.

WICHTIG: Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen zum Thema Lieferfähigkeit unterliegen einem dynamischen Wandel und können sich daher auch rasch ändern.

Wir werden uns in diesem Artikel TVs, AV-Verstärkern/Receivern und Soundbars widmen und starten mit den TVs.

TV-Geräte

Sone Z9K 8K-TV (2022)

Man merkt es beispielsweise am Thema 8K-Fernseher, wie schwierig es sein kann, Innovationen zu vermarkten. 4K hatte sich, vor allem bezüglich der Software, noch nicht flächendeckend durchgesetzt, und hinsichtlich der 4K-TVs gab es noch deutlichen Spielraum für Optimierungen. Trotzdem wurden schon 8K-Fernseher auf den Markt gebracht - die sich, was nicht sonderlich überraschend ist, nicht besonders großer Beliebtheit erfreuten. Klar, für sich betrachtet waren es beeindruckende Geräte. Tolles Upscaling niedriger auflösender Inhalte auf die native Screenauflösung von 7.680 x 4.320 Pixel, beeindruckend detailreiches und plastisches Bild bei nativem 8K-Content - den man aber immer noch mit der Lupe suchen muss, auch wenn es vereinzelt Inhalte in 8K gibt. Nicht alle TV-Brands sind aus nachvollziehbaren Gründen auf den 8K-Zug aufgesprungen. Philips und Panasonic sind mit Erfolg auf dem Markt vertreten, haben aber bis zum heutigen Tage kein einziges 8K-TV-Modell präsentiert. So brilliert Panasonic mit den neuen LZW2004 4K OLEDs, die erstmals seit 2017 auch in 77 Zoll erhältlich sein werden.

Der Samsung QN800A vereint 8K-Panel und sehr fairen Kaufpreis (2021)

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Samsung liefert tolle 8K-TVs zum fairen Preis (die mit überragendem Bild, erstklassigem Upscaling und einfachem Handling überzeugen), verpasst es aber bis zur aktuellen TV-Generation, endlich Dolby Vision als HDR-Standard mit aufzunehmen.

Die G19LA 4K-OLEDs waren die ersten Modelle mit der evo-Technologie (2021)

LG bietet ebenfalls 8K-TVs an, die aber im Schatten vieler hervorragender 4K OLED-Fernseher stehen. 2022 bekommt auch die beliebte C-Serie die 2021 erstmals in der G19LA-Baureihe verwendete evo-Technologie. Sony hat auch 2022 wieder eine 8K-Serie im Programm, Highlight dürfte aber eher die Top-OLED-Baureihe mit QD-OLED-Panel sein - eine echte Verbesserung? Wir werden es schnellstmöglich testen

Sony A95K mit QD-OLED-Display (2022)

Philips OLED807 mit OLED EX Panels (2022)

Mit QD-OLED (Samsung Display) und OLED EX (LG Display) stehen 2022 immerhin zwei neue Bildschirm-Technologien bereit, die zumindenst  hinsichtlich des TV-Markts belegen, dass es langsam wieder echte Innovationen gibt. Philips hat bereits für dieses Jahr OLED EX Modelle mit Panels von LG Display angekündigt. Sony, wie schon erwähnt, setzt auf QD-OLED. Wir hoffen allerdings, dass die TV-Hersteller zum einen auch tatsächlich lieferfähig sein werden, zum anderen, dass die gestiegene Performance durch die neuen Panels und durch die leistungsstarken Prozessoren mit KI (z.B. Samsung, LG, Philips, Panasonic) oder Kognitiver Intelligenz (Sony) auch marketingtechnisch entsprechend verwertet werden. Da liegt auch ein weiteres Problem. Zu viel wird mit Zusatzleistungen und mit Rabatten/Cashback geworben und nicht mit der eigentlichen Qualität des Produktes. Wegen einem halben Jahr DAZN umsonst wird kaum jemand einen neuen Fernseher kaufen, und auch kleinere Cashback-Aktionen allein bringen nicht enorm viel. 

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AV-Verstärker-/Receiver

Denon AVC-X8500HA

Wenden wir uns nun den AV-Verstärkern und AV-Receivern zu. Hier herrscht aktuell Ebbe hinsichtlich des Angebots. Nur selten hatte (und hat) man die Chance, wenn auch zu neuen, höheren Preisen, z.B. Denon AV-Verstärker zu ergattern. Bei Nubert zum Beispiel, die höheren unverbindlichen Preisempfehlungen gleicht man hier durch eine Cashback-Aktion beim Kauf von Nubert-Lautsprechern aus. Dies gilt z.B. für den Denon AVC-X6700H und den Denon AVC-X8500HA. Gerade letzterer ist mit 4.299 EUR zwar sehr teuer, mit 13 Endstufen und Vollausstattung aber auch eine Versuchung wert. Denon und Marantz sind derzeit nicht zu beneiden. Die Bauteilknappheit, zusätzlich noch angefacht durch einen Brand in der Chip-/DAC-Manufaktur von AKM im Fürhjahr 2021, ist das eine. Man muss auf Alternativen bei Chips setzen, die teuer erworben werden müssen. Doch es kommen noch dreifache Folgekosten auf den Hersteller zu. Die Lieferwege dauern länger, was auch bares Geld kostet, und die Kosten für die Lieferungen steigen. Zum dritten dann muss das Innenleben der Geräte angepasst werden, damit die Peripherie für die neuen Chipsätze stimmt. Wenigstens muss man sagen, dass Denons 2020 vorgestellte AV-Verstärker und AV-Receiver nach wie vor technisch noch sehr aktuell sind.

Marantz AV7706

Für versierte Anwender immer noch eine erstklassige Wahl, das gilt auch für die Devices von Marantz. Wer hier eine der ausgezeichneten AV-Vorstufen AV8805A oder AV7706 möchte, kann aktuell sogar Glück haben, denn die Modelle sind zumindest vereinzelt verfügbar. Unserer Meinung nach reicht für die meisten Anwendungen (bis 11.2) bereits er AV7706 Prozessor, der nahezu alles Denkbare an Aussstattung mitbringt und akustisch brilliert, wie sich in unserem Test zeigte.

Yamaha RX-A6A

Wenig Erbauliches gibt es leider auch von Yamaha zu vermelden. Im Mai 2021 wurden die neuen Aventage Top-Modelle RX-A4A, RX-A6A und RX-A8A präsentiert. In nennenswerten Stückzahlen in den Handel kamen die Geräte nicht. Dass z.B. der von uns getestete RX-A6A ein hervorragender, flexibler und progressiv gestalteter AV-Receiver mit dem genialen Surround:AI ist, steht hingegen außer Frage.

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Canton Smart Amp 5.1 V2

Canton hat sich mit dem Smart Connect 5.1 (AV-Vordstufe mit Dolby Atmos Decoder, in der zweiten Generation mit HDMI eARC und AirPlay 2) und dem Smart Amp 5.1 (AV-Verstärker mit Dolby Atmos-Decoder, in der zweiten Generation mit AirPlay 2 und HDMI-eARC) einen Namen gemacht - top Qualität zum fairen Preis. Nun sind die Preise wegen der schon geschilderten Situation gestiegen (aber nach wie vor fair), was viel gravierender ist: Auch hier gibt es derzeit Lieferengpässe, was schade ist, denn die ultrakompakten Canton Komponenten haben einen neuen Trend begründet und zeigen, wie zukünftig moderne AV-Devices aussehen können. Die Vorstufe kann zudem aktive per Cinch verbundene und wireless verbundene Boxen-Setups managen, der Verstärker bietet neben den sechs eingebauten Endstufen die Möglichkeit, zusätzlich auf Wireless-Boxen der Smart-Serie zuzugreifen und sie in ein Setup zu integrieren.

NAD M10 V2

Wie die AV-Zukunft aussehen kann, belegt auch der knapp 3.000 EUR teure NAD M10 V2, der ebenfalls aktuell zu haben ist. Eigentlich ist das sehr schicke und äußerst hochwertige Device doch ein Stereo-Streamingverstärker, warum taucht er hier auf? Die NAD-Ingenieure sind schlichtweg clever, verpassen dem Device einen Dolby Digital-Decoder, HDMI mit eARC und die Option, zwei Wireless Streaming-LS von Bluesound für den Surroundbereich anzuschließen. Natürlich fehlt auch ein Subwoofer Pre-Out nicht - so kann man problemlos ein sehr gutes 4.1 Setup aufbauen. NADs "echte" AV-Receiver T 758 V3i und T 778 sind auch von Lieferengpässen betroffen - hier muss man schon meist etwas warten. Beide Geräte, ganz besonders der elegante T 778, sind sehr empfehlenswert - die belastbaren, dynamischen Endstufen (7 beim T 758 V3i, 9 beim T 778) und das fleixble BluOS Streaming-Modul sprechen für sich.

AVR30

Für bombastische AV-Receiver steht auch das britische Traditionsunternemen Arcam. Obwphl bereits eine Weile auf dem Markt, gehören AVR10, AVR20 und AVR30 sowie die Vorstufe AV40 nach wie vor zu den Top-Offerten. Leider aber ist es um die Lieferfähigkeit auch nicht zum besten bestellt, Geduld ist von Nöten. 

Soundbars

LG S95QR (2022)

Nubert nuPro XS-8500RC

Bei Soundbars sieht es so aus, dass es zu weniger gravierenden Lieferengpässen im Vergleich zu AV-Receivern und AV-Verstärkern kommt. Generell ist die Produktsparte nach wie vor sehr beliebt, und 2022, so hat man den Eindruck, tut sich gerade bei kompletten Systemen (Soundbar, Wireless Subwoofer, Wireless Rears) viel, auch bei modular aufgebauten Systemen (All-In-One-Soundbar, die z.B. um Subwoofer und Rears ergänzt werden kann) einiges. Neue Soundbar-Modelle von LG, Samsung oder Nubert sind bereits präsentiert beziehungsweise es existieren Vorankündigungen. Bei Nubert darf man gespannt sein, was die neue nuPro XS-8500RC dann wirklich für ein Feature-Set-Up mitführen wird. Bislang wurde zwar schon einiges bekannt gegeben, allerdings ist nur der Hinweis wirklich neu, dass andere Funklautsprecher Verbindung mit der 8500RC aufnehmen können. Das könnte sehr interessant werden. Wir spekulieren auch noch darauf, dass mindestens ein Decoder für Dolby Atmos mitgeliefert wird. Infos gibt es von Nubert zudem Thema keine, aber wir sind gespannt, ob sich unsere Vorstellung bewahrheiten wird.

Neue Fidelio-Komponenten

Philips setzt auf neue Fidelio-Komponenten auf einer neuen Plattform; beim Streaming kommt DTS Play-Fi zum Einsatz. In Anbetracht der Dominanz von Apple AirPlay 2, Google Chromecast und den nach wie vor wichtigen Plattformen der Hersteller (wie z.B. BluOS, MusicCast, Heos) hörte man nicht mehr sehr viel von Play-Fi, bis Philips den Standard 2021 in die TVs des Hauses steckte. Weiterhin setzt Philips, wie interessanterweise auch LG bei selektierten Modellen, auf die Unterstützung von IMAX Enhanced, was aus Sicht des deutschen Marktes nicht unbedingt nachvollziehbar ist, da IMAX Enhanced-Software nur in geringem Umfang verfügbar ist. Diese benötigt man zwingend für die Nutzung des IMAX Enhanced-Modus. Besonders interessant an den neuen 2022er Fidelio Komponenten ist: Man kann alles zusammen verwenden oder auch getrennt. So die Wireless Kompaktlautsprecher als Rears in einem Surroundsystem oder auch zusammen mit dem Wireless Subwoofer als 2.1 Setup. Natürlich geht auch die Kombination Soundbar-Subwoofer. Das System erkennt stets, was aktuell angeschlossen ist, und übernimmt automatisch die Einrichtung. An bestehenden, hervorragenden Soundbar-Systemen ist beileibe nicht alles lieferbar.

Bluesound Pulse+ mit Sub+

So kam es bei der Bluesound Pulse+ bereits zu Lieferengpässen, und bei Canton sieht es bis auf die neue Sound M leider derzeit finster aus, was die 2. Generationen von Smart Soundbar 10 und Smart Sounddeck 100 mit HDMI eARC und Apple AirPlay 2 angeht. Die erste Generation ist nahezu ausverkauft.

Smart Soundbar 10 der 2. Generation

Dass auch Canton mit erhöhten Kosten zu kämpfen hat, belegen die deutlich gestiegenen UVPs für Smart Soundbar 10 und Smart Sounddeck 100. Bei Soundbar-Systemen gehört ein Decoder für Dolby Atmos schon in günstigen Preisklassen zum "guten Ton", ebenso oft ein Modus für optimierte Sprachverständlichkeit.

Denon DHT-S517

Nubert nuBoxx AS-425 max

Zwei Top-Angenote, die zudem lieferfähig sind, stellen derzeit für schmale 399 EUR die Denon DHT-S517 und der Nubert HiFi/TV-Aktivlautsprecher nuBoxx AS-425 max für 668 EUR dar. Der Nubert-Lautsprecher bietet zwar keine bahnbrechenden Innovationen und lediglich Decoder für Dolby Digital und DTS, begeistert dafür aber mit hochwertigem Gehäuse, belastbaren Chassis und ausgewogenem Klang, der sich auch für die Musikwiedergabe sehr gut eignet.

Cinebar Lux

Dritter Tipp und ebenfalls lieferbar: Die formschöne, exzellent verarbeitete und harmonisch klingende Teufel Cinebar Lux ab knapp 800 EUR (nur Soundbar). Alternativ sind auch zahlreiche Pakete verfügbar, so mit Wireless Sub und Wireless Rears. 

Fazit

Insgesamt befindet sich der UE-Markt derzeit in einer schwierigen Situation. Vor einigen Jahren war es noch undenkbar, dass man z.B. für AV-Receiver oder AV-Verstärker den Listenpreis zahlte. Zudem war alles fast immer verfügbar. Mittlerweile sind sogar die Listenpreise deutlich gestiegen, und unter Listenpreis findet man fast nichts bezüglich mancher Produktsparten. Bei TVs, z.B. Modellreihen aus 2021, kann man hingegen immer noch gute Marktpreise nutzen, um das Wunschgerät zu kaufen. Die Krise drückt natürlich auch etwas auf die Innovationskraft, gerade auf dem TV-Sektor tut sich 2022 voraussichtlich aber einiges.

Special: Carsten Rampacher
Datum: 14. Februar 2022

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