XXL-TEST: Arcam Siebenkanal-AV-Receiver AVR30 - Klangmeister der AVR-Luxusliga?

Der Arcam AVR30 kommt auf derzeit 5.555 EUR und stellt den größten AV-Receiver des Hauses dar. Optisch sieht er aus wie die kleineren Modelle AVR10 und AVR20, aber technisch bringt er die für Arcam Oberklasse-Modelle typischen Class G-Endstufen mit. Wir sind gespannt, ob der AVR30 neue akustische Maßstäbe in der AVR-Luxusklasse setzen kann - schließlich hat er nur sieben Endstufen an Bord und nicht 11 oder gar 13. Somit müssen diese sieben Endstufen in der Tat exzellent sein, um den Preis zu rechtfertigen.

Optik und Verarbeitung

Saubere Verarbeitung, kleine Spaltmaße

Der AVR30 gleich optisch den "Geschwistern" AVR20 und AVR10. Uns gefällt das Design sehr gut. Nur wenig Bedienelemente auf der aufgeräumten Frontblende, die vom großen Display und vom ebenso großen, griffgünstigen, gerasterten und nur leicht eiernden Lautstärkedrehregler beherrscht wird. Das große Display zeigt, wenn man z.B. von Spotify oder Tidal streamt, auch das Cover farbig an. Es ist allerdings kein Touch-Display, sondern wird entweder per Fernbedienung oder aber mit Funktionstasten rund ums Display bedient. 

Display, das auch Cover anzeigt

Diese reagieren exakt und weisen einen guten Druckpunkt auf. Schon nach kurzer Zeit kann man ohne Schwierigkeiten alle Justagen vornehmen, z.B. zu den Lautsprechern, zu den allgemeinen Einstellungen oder zu den HDMI-Settings. Auf der rechten Seite der Front ist der Power-Button zu finden. Die Frontblende selbst ist mit gleichmäßigen Spaltmaßen akkurat verbaut. Die Anschlüsse auf der Rückseite sind fest und präzise eingepasst.

Front, linker Bereich

Front, rechter Bereich

Fernbedienung

Mit Beleuchtung

Die im Lieferumfang enthaltene Fernbedienung ist hervorragend. Zwar keine Neuentwicklung, sondern aus der Vorgängerserie schon gut bekannt, aber das macht nichts aus. Mit ihrer sehr guten Verarbeitungsqualität, dem übersichtlichen Layout und der kompletten Beleuchtung setzt sie auch heute noch Maßstäbe.

Innenleben

Elkos

Ringkern-Transformator

Das Innenleben des AVR30 beeindruckt durch den übersichtlichen Aufbau und den großen Ringkerntransformator. 


Ausstattung und Features - Dirac Live

Dirac Live Download

Der AVR30 unterstützt Dolby Atmos, Auro-3D, DTS:X, DTS Virtual:X sowie IMAX Enhanced. Die Upmixer Auro-Matic, Dolby Surround und DTS Neural:X fehlen ebenfalls nicht. Der edle Siebenkanal-AV-Receiver ist mit dem Dirac Live Lautsprechereinmess- und Room EQ-System ausgestattet.

Installation

Der AVR30 wird automatisch erkannt

Die Software ist momentan nicht auf Deutsch verfügbar

Dirac Live ist nicht das intuitivste System zur akustischen Optimierung des AV-Receivers im Hinblick auf die räumlichen Gegebenheiten, dafür aber ein besonders flexibles. Um auch weniger versierte Anwender an die flexiblen Möglichkeiten von Dirac Live heranzuführen, gibt es inzwischen eine App für mobile Komponenten. Im Google Play Store und Apple App Store kann "Dirac Live" kostenlos heruntergeladen werden. Beim Öffnen der App kann man sich direkt mit dem eigenen Dirac-Account einloggen, alternativ kann man aber auch einfach ohne eigenen Account loslegen, wenn man "Continue with an anonymous session" auswählt. Dennoch müssen wir diesen kleinen Exkurs hier beenden, denn natürlich kann Dirac Live auch weiterhin ganz klassisch per Software am PC/Notebook verwendet werden, was im Fall des Arcam AVR30 auch zwingend erforderlich ist. Der AVR30 bringt ein hochwertiges USB-Mikrofon mit, dass direkt mit dem PC/Mac verbunden werden muss. Wir greifen also auf die Dirac Live-Software für Mac zurück und installieren diese von https://live.dirac.com/download/.

Entsprechendes Mikrofon auswählen und - wichtig! - "Calibration File" laden

Der Download ist mit knapp 160 MB überschaubar und auch die Installation gelingt ohne Probleme, es werden rund 340 MB Speicherplatz auf der Festplatte belegt. Beim Öffnen der Software auf unserem MacBook wird der Arcam AVR30 sofort erkannt. Voraussetzung ist natürlich, dass sich beide Geräte im gleichen Netzwerk befinden. Zu diesem Zeitpunkt sollte man auch das beim Arcam mitgelieferte Setup-Mikrofon mit dem Computer verbinden, da sonst die Software das im MacBook integrierte Mikro als Mess-Element verwenden möchte. Nachdem wir das "Calibration Mic" ausgewählt haben, führt uns die Software durch die weiteren Schritte. Zuvor muss man allerdings das "Calibratrion File" für das verwendete Mikrofon des AVR30 laden. Mit einem Klick auf "No Microphone Calibration" und "Load from File" kann man die gewünschte Datei auswählen. Diese muss auf der Arcam-Webseite des AVR30 AV-Receivers unter Downloads heruntergeladen werden.

Übrigens, englische Grundkenntnisse sollte man mitbringen. Dirac Live ist aktuell in Englisch, Japanisch, Mandarin und Schwedisch verfügbar, nicht in deutscher Sprache.

Lautstärke justieren

Alle Lautsprecher sollten einen nahezu identischen Pegel aufweisen

Wie sehen die zukünfigen Hörgewohnheiten aus?

Einzelsitzplatz, kaum Flexibilität, sehr präzise

Großzügiger Sweet Spot, ideal wenn häufig mit mehreren Personen gehört wird

Im ersten Schritt der Einmessung wird der Lautstärke-Pegel justiert, jetzt sollte man das Mikrofon auch bereits am späteren Hörplatz positionieren. Hier achtet man vorwiegend darauf, dass die Testtöne weder zu laut noch zu leise wiedergegeben werden und dass das Mikrofon die Töne korrekt erfasst. Auch sollte die Lautstärke von allen Lautsprechern am Hörplatz, zumindest ungefähr, gleich sein. Wer jetzt übrigens in der Software nicht alle oder sogar mehr Lautsprecher als im eigenen Setup vorhanden sind, sieht, darf sich nicht wundern. Denn, und hier unterscheidet sich das System von den vollautomatischen Einmesssystemen (z.B. Audyssey,), hier muss man selbst Hand anlegen. Im Lautsprecher-Menü des Arcam AVR30 legt man manuell fest, welche Lautsprecher vorhanden sind und welcher Größe sie entsprechen, erst dann kann eine sinnvolle Messung mit Dirac Live erfolgen. Wer übrigens zwischendurch im Menü des Arcam AV-Receivers etwas einstellen möchte, hat Pech gehabt. Zuerst muss Dirac am PC geschlossen werden, dann gibt der AVR das Menü wieder frei.

Im nächsten Schritt "Select Arrangement" legt man fest, wie das System agieren soll. Es ist zum einen mit "Tightly focused Imaging" möglich, eine sehr präzise Klangpassung vorzunehmen, die auf einen einzelnen Hörplatz ausgerichtet ist. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man beim Klanggenuss von dieser Position kaum abweicht, selbst eine andere Position bzw. Neigung des Kopfes wird hier nicht empfohlen. "Focused Imaging" ist zwar immer noch recht fokussiert auf einen Hörplatz, allerdings nicht so stark, als dass eine leicht abweichende Position bereits eklatanten Einfluss auf die akustische Darbietung hätte. Diese Auswahl wird, gerade für Erstanwender, vom Programm selbst empfohlen. "Wide Imaging" beschreibt Hörgewohnheiten, bei der die Klangeinmessung darauf ausgelegt ist, dass auch mehrere Personen in guter Qualität hören können. Der Sweet Spot ist hier etwas flexibler und kann sich auch auf ein breites Sofa, auf dem mehrere Portionen Platz finden, "konzentrieren". Es werden, je nach gewünschter Vorgehensweise, 9, 13 oder 17 Messungen durchgeführt.

Die eigentliche Messung

Dabei kann es schon mal zu einer Fehlermeldung kommen - Troubleshooting sollte man einkalkulieren

Die Messung läuft automatisch ab, es werden Testtöne wiedergegeben

Nach und nach werden die einzelnen Messpositionen durchgegangen

Ein Ergebnis in einem akustisch nicht optimierten Wohnzimmer

Einzelne Lautsprecher können angezeigt werden, hier vorne links

Nun folgen die eigentlichen Messungen. Grundsätzlich kann man sich hier, sofern vorhanden, an seinen bisherigen Erfahrungen mit automatischen Einmesssystemen orientieren. Das Mikrofon sollte auf einem Stativ befestigt sein und während der Messung nicht bewegt werden, auch die Umgebungsgeräusche sollten auf einem niedrigen Level gehalten werden. Dirac Live empfiehlt einen Abstand von 40 bis 60 cm zwischen den einzelnen Messpositionen, die für ein optimales Ergebnis alle abgearbeitet werden sollten. Mit einem Klick auf die Grafik, veranschaulicht durch eine auf einem Sofa sitzende Person, kann man den gewünschten Messpunkt auswählen. Zuerst sollte man die "Main Position", also die Hauptposition messen. Wer bis hierhin alles befolgt hat, sollte ohne Fehlermeldungen durchgekommen sein. Mit dem Hinweis "low-signal-to-noise level" haben einige Anwender zu kämpfen. Auch wir, als wir das Calibration File des Mikrofons einmal nicht geladen hatten. Andere Fehlerquellen könnten hier fehlende Zugriffsrechte, z.B. bei Mac, sein. In den Systemeinstellungen muss Dirac Live der Zugriff auf das Mikrofon erlaubt sein. Verlief die erste Messung der Hauptposition erfolgreich, können nun alle weiteren Messungen vorgenommen werden.

Ermittelte EQ-Kurve, hier kann man auch manuell eingreifen

Sobald ausreichend Information über die akustischen Charakteristika des Hörraumes vorliegen, kann man an die Filtereinstellungen gehen. Es müssen nicht alle Messpunkte durchlaufen werden. Dirac gibt aber an, dass je mehr Informationen vorliegen, desto besser auch das Ergebnis wird. Zunächst wird von Dirac Live ein EQ-Filter errechnet und appliziert, der ein möglichst ausgewogenes Klangbild im Hörraum realisieren soll. Wer sich also auf die automatische Korrektur des Einmess- und Room-EQ-Systems verlassen möchte, so wie man es im Großen und Ganzen von den anderen, automatischen Einmesssystemen am Markt gewohnt ist, der exportiert nun die errechnete Kurve und erfährt den von Dirac automatisch optimierten Sound des Arcam AVR30.

Wer jedoch tiefer einsteigen möchte und die akustische Kulisse nach eigenem Gusto bestimmen und das absolute Maximum an Potential ausschöpfen will, kann dies durch manuellen Eingriff in die ermittelten Filterkurven tun. Die Lautsprecher werden anhand der typischen Konfiguration vorgruppiert, ganz grundsätzlich kann man sich hier aber austoben und Gruppen selbst festlegen sowie Lautsprecher bestimmten Gruppen hinzufügen oder diese entfernen. Identische Lautsprecher (z.B. die Front- und Rear-Lautsprecher im Heimkino) sollten ähnlich justiert werden, um die gewünschte EQ-Kurve optimal zu realisieren, und bieten sich daher besonders für eine Gruppierung an. Um die gewünschte EQ-Kurze zu erreichen, greift man an bestimmten Kontrollpunkten in der Kurve ein, um Frequenzbereiche gezielt anzuheben oder abzusenken. Die "Curtains", also die vertikalen Linien links und rechts beschreiben den Frequenzbereich, in dem Dirac agiert.

Export der Kurve

Der AVR30 ermöglicht das Abspeichern von drei unterschiedlichen EQ-Kurven

Praktisch: Die EQ-Kurve kann jederzeit exportiert und ausprobiert werden. Wer lieber Grafiken anstelle der eigenen Erfahrung vertraut, kann natürlich zusätzlich mit Programmen wie REW eine Messung ohne Dirac EQ und eine mit aktivem EQ durchführen und die ermittelten Kurven vergleichen.

Der AVR30 ermöglicht im Übrigen das Abspeichern von insgesamt drei EQ-Kurven, die dann mit der Audio-Taste abgerufen und auch bei bestimmten Eingängen bzw. Quellen verwendet werden können. Versierte Anwender wird es vielleicht auch interessieren, dass es für Dirac und den AVR30 ein kostenpflichtiges Update gibt, um mehrere Subwoofer justieren zu können. Grundsätzlich erlaubt die Einmessung mit Dirac präzises Eingreifen in den Frequenzverlauf und schon die automatisch ermittelte EQ-Kurve bietet, insbesondere bei einem problematischen Raum, den wir hier auch als Beispiel herangezogen haben, einen eindeutigen und in der Praxis erkennbaren Benefit. Allerdings muss man auch erwähnen, dass es sich um einen langwierigeren und aufwändigeren Prozess handelt, als bei einem vollautomatischen Einmesssystem, und dieser auch deutlich fehleranfälliger ist. Wer davor nicht zurückschreckt, findet mit Dirac Live ein leistungsfähiges Werkzeug zur akustischen Optimierung, dass auch ohne manuellen Eingriff seitens des Anwenders eine exzellente Anpassung an die räumlichen Gegebenheiten ermöglicht.

Ausstattung und Features - Technische Daten

Alle drei neuen AV-Receiver bringen überdies einen DAB+ Tuner mit. Überdies verbaut Arcam im AVR30 edle ESS D/A-Wandler (ESS 9026PRO 2 x 8ch DAC). Wenden wir uns den Leistungsdaten zu. Der AVR30 bringt einen großen Ringkern-Transformator mit und wiegt satte 18,1 kg. Die Class G Endstufen, die wir zu Beginn der Klangwertung noch genauer vorstellen, bringen es auf 100 Watt an 8 Ohm und 180 Watt an vier Ohm, wenn alle sieben Kanäle ausgesteuert sind (1 kHz, 0,2 Prozent Klirr). Bei zwei ausgesteuerten Kanälen (1kHz, 0,2 Prozent Klirr) sind es 140 Watt (8 Ohm) beziehungsweise 220 Watt (4 Ohm) . Bei 20 Hz bis 20 kHz (2 Kanäle ausgesteuert, < 0,02% Klirr) liegen an 8 Ohm 120 und an 4 Ohm 200 Watt an. Imposante und vor allem ehrliche Leistungswerte. Oft haben 700 EUR AV-Receiver angeblich 180 Watt pro Kanal - wer sich die Messmethode genauer durchliest, versteht aber, dass ein solcher Wert null Relevanz für die Praxis hat. Denn es wird fast immer nur 1 Kanal bei 1 kHz voll ausgesteuert - keine Methode, die in der Praxis angewendet wird. Arcam hingegen geht von gleichzeitiger Aussteuerung aller Kanäle in einem praxisüblichen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz aus. 

Netzwerk und Multimedia

Zudem bringt der AVR30 Google Chromecast, WLAN, Bluetooth und Apple AirPlay 2 mit. Wahlweise kann man die Receiver auch mittels Webinterface steuern. Wir haben einige Screenshots der Google Chromecast und AirPlay 2 Einbindung angefertigt:

Der AVR30 wird sofort entdeckt

In welchem Zuhause soll er arbeiten?

Nun beginnt die Einrichtung

Verbindung wird hergestellt

Hat man den Ton gehört, kann es weitergehen

Teilen von Statistiken und Absturzberichten

Benutzerdefinierter Raumname

Nun ist der AVR30 verbunden

Verwendung des Google-Kontos

Praktisch geschafft, es folgt nur noch eine kurze Anleitung, die wir überspringen

Es kann losgehen

Spotify über AirPlay 2

Tidal über AirPlay 2, sogar Tidal Master Quality wird, zumindest laut Anzeige in der App, wiedergegeben

In der Tidal-App taucht "Office 3", unser Chromecast-Name, sofort bei den verfügbaren Devices auf

Zur Verfügung für die neuen Modelle steht zudem die Arcam "Music Live" App.

Screenshots vom Display

Das Display dient zur kompletten Steuerung und Konfiguration. Wir haben einige Screenshots erstellt:

Hauptmenü

Konfiguration der Eingänge

Weitere Parameter

Setup allgemein

Weitere Einstellungen im allgemeinen Setup

"Lautsprecherarten"

Bestückung und Übernahmefrequenzen

Auch das manuelle Setup ist recht präzise

Time Alignment, sehr präzise

Lautsprecher-Pegel

HDMI-Einstellungen

Zoneneinstellungen

Bluetooth-Setup

Insgesamt geben die Menüs keine Rätsel auf und sind auch in deutscher Sprache verfügbar. 

Anschlüsse

Rückseite komplett

Sehr hochwertige Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse

Die HDMI 2.0b-Terminals sind mit HDCP 2.2 ausgestattet und unterstützen Dolby Vision und HDR10, ebenso ist eARC im Ausstattungsumfang. Drei Ausgänge und sieben Eingänge finden sich beim AVR30. Natürlich gibt es auch genug Pre-Outs, kein Wunder, schließlich decodiert der AVR30 bis zu 9.1.6 Kanäle, insgesamt also 16 Kanäle. Da braucht man, möchte man ein großes Setup betreiben, noch externe Endstufen, diese hat Arcam ebenfalls im Angebot. Vier koaxiale Digitaleingänge und drei optische Digitaleingänge finden sich ebenfalls. Obwohl AVR20 und AVR30 über das identische Anschluss-Setup hinten verfügen. Die Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse sind beim AVR30 massiv vergoldet. Die ganzen Cinch-Terminals und selbst die Buchsen, an die die Antennen für Bluetooth und WLAN angeschlossen werden, sind ebenfalls vergoldet.

Klang

Gerade rechtzeitig zum Test kam die akustisch exzellente "Ambra" Blu-ray Disc von unserem Partner Patrick Schappert, Inhaber von Grobi.TV, in der Redaktion an. Für 19,90 EUR plus Versand kann man die tolle Scheibe gleich online erstehen. Der AVR30 muss hier nun zeigen, dass er seinen hohen Kaufpreis wert ist, obwohl er lediglich sieben Endstufen mitbringt.

Aber - was für Endstufen. Diese sind nämlich, anders als bei den günstigeren Modellen AVR10 und AVR20 (beide haben ebenfalls sieben Verstärkerzüge), in der Arcam-eigenen Class G-Technik ausgeführt. Was bedeutet das in der Praxis? 

Ebenso wie beim Konzept eines Hybridfahrzeugs mit Elektro- und Verbrennungsmotor implementiert Class G zwei unterschiedliche Arten der Stromversorgung. Wenn ein dynamisches Signal empfangen wird, das über die Kapazität der ersten Stromversorgung hinausgeht, schaltet sich die zweite Stromversorgung zu, mit der Folge, dass immer schnell genau die Menge zur Verfügung steht, was benötigt wird, um das aktuell anliegende Signal optimal wiederzugeben. 

Das Um- bzw. Zuschalten bei den Stromversorgungen erfolgt blitzschnell und unmerklich. Die erste Stromversorgung ist so ausgelegt, dass die Class G-Endstufe im puren, klanglich reinen Class A-Betrieb verwendet werden kann. Die zweite Stromversorgung wird nur verwendet, wie schon erwähnt, wenn sie tatsächlich benötigt wird. Auf diese Art und Weise wird auch keine dauerhafte Verlustwärme erzeugt, denn die zweite Stromversorgung läuft nur, wenn nötig. Die aufwändige Technologie schlägt sich akustisch stets in einer außerordentlich reinen, angenehmen sowie natürlichen Wiedergabe nieder.

Wenden wir uns nun dem Sound zu, den der AVR30 bei der "Ambra" Blu-ray entwickelt. Bei "Caleidoscape Part 1" (Tonspur Dolby Atmos) platziert der AVR30 jeden Effekt mit messerscharfer Präzision im Hörraum. Das exzellente Auflösungsvermögen sorgt für eine ungemein plastische Wahrnehmung der Einzelheiten, die in der Tonspur zu finden sind. Die Dolby Atmos Module werden nahtlos eingebunden. Obwohl nur 2 Module vorn im Setup sind, arbeitet der AVR30 eine lebendige Klangkulisse auch über den Köpfen der Zuhörer heraus.

Im zweiten Part von "Caleidoscape" bringt der AVR30 wieder eine enorm weitläufige räumliche Leistung zustande. Auffällig ist erneut, wie fein die Auflösung im Hochtonbereich ist - aber auch der straffe, kraftvolle Bassbereich ist lobend zu erwähnen. Mit seinen Kraftreserven ist der Arcam nicht auf den Support eines aktiven Subwoofers angewiesen. Verwendet man leistungsstarke Standlautsprecher mit dem Vermögen, sehr tief hinunter zu spielen, liefert der AVR30 auch im 30 Quadratmeter messenden Hörraum genug Leistung an - das zeigt sich auch wieder bei "Prism Of Life". Natürlich kann man einen aktivenn Subwoofer verwenden, dieser sollte dann aber auch erstklassig sein, wie der Canton SUB 1500R, der in unserem für die Testreihen verwendeten Canton Vento 5.1.2 Setup enthalten ist. Grandios ist, wie virtuos der AVR30 mit dieser Pure Audio-BD "spielt".

Natürlich darf ein Filmbeispiel nicht fehlen, hier darf auch der eben erwähnte Sub 1500R mit an den Start gehen, und den AVR30 mit zusätzlicher Kraft im subsonischen Bereich, die die Standlautsprecher nicht mit diesem Nachdruck realisieren können, unterstützen. Auch seine Dolby Atmos-Qualitäten kann der gestandene Brite bei Mission Impossible - Rogue Nation, Kapitel 1, 4 und 5, unter Beweis stellen. Dass er ausreichend Kraftreserven besitzt, konnten wir schon feststellen und schon ab Filmbeginn wird hier aus dem Vollen geschöpft. Lebendig, mit präzise integrierten Percussion-Elementen und sattem Volumen wird direkt die unverkennbare Titelmelodie des IMF-Agententhrillers präsentiert. Mit brachialem Nachdruck erklingen die Paukenschläge, im gleichen Atemzug müssen wir schon hier die überragende Räumlichkeit erwähnen. Der Sub 1500R macht sich ebenfalls bemerkbar und wird mit enormer Präzision vom AVR30 angesteuert. Subsonische Frequenzen werden brutal weitergereicht und verpassen uns satte Punches in die Magengrube. Aber auch oberhalb der tiefsten Regionen gibt es Lobpreisungen für den AV-Receiver, denn die charakteristische Stimmwiedergabe gefällt mit exzellenter Verständlichkeit innerhalb des komplexen Action-Geschehens. Als das Flugzeug, an dessen Seite Ethan Hunt klebt und hoffnungsvoll darauf wartet, dass Benji die Tür öffnet, abhebt, kann man die massiven Luftbewegungen nicht nur hören, sondern auch klar spüren. Bis hin zu enormen Lautstärken bleibt der Arcam AVR30 absolut souverän und zeigt hier keine Kompromissbereitschaft. Immersiv ist die Kulisse und hüllt den Zuhörer vollends ein. Präzise platzierte akustische Elemente, ein dynamisches und lebendiges Geschehen und die überdurchschnittlich ausgeprägte Räumlichkeit zaubert Action-Enthusiasten hier ein Lächeln auf die Lippen.

Die positiven Eigenschaften kommen auch in Kapitel 4 klar zur Geltung. Bei sehr hoher Lautstärke bleibt der Arcam AV-Receiver ausgewogen und zieht auch in hohen Bereichen kaum merklich an Schärfe an. So gelingen auch sämtliche Klickgeräusche der Waffen, als die CIA-Agenten vergeblich den Hauptprotagonisten jagen, stets angenehm und sauber. In Kapitel 5 gesellt sich ein orchestrales Feuerwerk zum Action-Spektakel. Der AVR30 meistert scheinbar mühelos die unterschiedlichen Ebenen der komplexen Kulisse und differenziert einzelne Elemente ganz ausgezeichnet. Untergründiges Pulsieren des Bass-Fundamentes wird wieder nachdrücklich präsentiert und als sich Benji in die chaotische Umgebung der Oper begibt, fühlt man sich ebenfalls sofort so, als wäre man selbst in einer Menschenmenge. Bei der Musikperformance bedient sich der Arcam AV-Receiver an allen bereits beschriebenen Vorzügen und liefert eine strukturierte Bühne mit toller Instrumentaldifferenzierung. Präzise und kraftvoll erklingt schon der erste Paukenschlag und auch die männliche Opernstimme arbeitet er sauber heraus.

Er ist allen Anforderungen in einer grandiosen Souveränität gewachsen, die man nur selten hört, unabhängig von der Preisklasse. Natürlich, auch die gut 5.500 EUR für den AVR30 sind noch lange, lange nicht das Ende der Fahnenstange- Es gibt Surround-Vor-/Endstufen-Kombinationen, die ein Vielfaches davon kosten. Aber - der Preisunterschied ist dann gigantisch, und das, was der Arcam hier zeigt, stellt schon äußerst anspruchsvolle Anwender voll zufrieden. Bei "La Prism -Da La Vie" modelliert der AV-Receiver wieder ein faszinierendes, weil komplett greifbares Klangbild heraus. Die vokalen Anteile und die alternierenden Effekte werden mit sensationeller Impulstreue wiedergegeben. 

Arcam AV-Receiver sind stets auch für erstklassige Stereo-Akustik bekannt. Wir hören uns "Shallow" (TIDAL Master Quality) von Lady Gaga und Bradley Cooper an. Und sind umgehend begeistert: Die Stimmen lösen sich überragend von den Lautsprechern und sind extrem klar sowie facettenreich. Sowohl Bradley als auch Lady Gaga kommen erstklassig heraus. Was der AVR30 zu leisten im Stande ist, hört man besonders gut, als Lade Gaga plötzlich ihre Stimme erhebt - mit 100 Prozent Souveränität löst der Arcam diesen Einsatz. Wie schon im Mehrkanal-Betrieb festgestellt, punktet der AVR30 mit seinem plastischen, zugleich fein auflösenden Klangbild. Schon, wenn nur die beiden Frontboxen laufen, fühlt man sich akustisch voll eingebunden. Details wie das Zupfen der Gitarre direkt zu Beginn des Songs gibt der Arcam in vollem Umfang wieder. 

Von CD lauschen wir "Ain't No Sunshine" von Eva Cassidy. Direkt zu Beginn beweist der AVR30 wieder seine Stereo-Extraklasse. Mit viel Verve, zugleich einem ungemein hohem Maß an Emotionalität kommt das schöne Stück heraus. Die Stimme Evas fokussiert der Arcam gekonnt, ohne allerdings Kompromisse bei der akustischen Ausformung der einzelnen Instrumente einzugehen. Diese kommen so detailreich heraus, wie es der Musikliebhaber schätzt. Das Klavier, inklusive Anschlagdynamik der Tasten, begeistert ebenfalls, allerdings wirkt es minimal zu hell. Aber das ist "Meckern auf hohem Niveau".

Nun ein komplett anderer Musikstil: "Deeply Disturbed" von Infected Mushroom. Elektronische Musik, mit zahlreichen akustischen Effekten, und einem Aufbau, zu dem sich zu Beginn immer weitere Ebenen ergänzen. Der AVR30 behält immer die Kontrolle über das gesamte Geschehen und punktet wieder mit seinem grandiosen Auflösungsvermögen. Den heftigen Bass bringt er in unnachahmlicher Manier zur Geltung: Hart, straff, mit Wucht, ohne jedes Nachschwingen. Das ist Extraklasse, und hier beweisen die Class G Endstufen, wie massiv sie zupacken können, ohne die die eigentlichen Konturen des Tracks zu vergessen. Was die Pegelfestigkeit angeht, schiebt der Arcam immer weiter an - ohne je schrill zu werden oder unschöne Verzerrungen zu produzieren. 

Konkurrenzvergleich

Als Ausstattungswunder mit 13 Endstufen und trotzdem erstaunlich einfacher bedienung ziehen wir den Denon AVC-A110 heran. Er sieht hervorragend aus und dank des Assistenten für die erste Installation ist er schneller, als man glauben würde, in Betrieb. Die 8K-Kompatibilität mit 8K-Upscaling zeichnet den 110 ebenfalls aus. Allerdings stellt man sich die Frage, der die 8K-Features in der Praxis braucht, denn etwaige 8K-fähige Game-Konsolen oder zukünftige Settop-Boxen kann man auch am TV mit HDMI 2.1 Anschluss-Sektion anschließen. Und die eingebauten Scaler in den 8K-TVs sind meist extrem gut, da braucht man kaum einen Upscaler im AV-Verstärker. Akustisch sind Arcam und Denon einen Wucht, gerade im Stereobetrieb verdeutlicht der AVR30 die klanglichen Vorzüge seiner besonders homogen und geschmeidig agierenden Class G-Endstufen. Multimedial setzt der Denon aufs hauseigene Heos, während Arcam das einfach zu verwendende Google Chromecast verbaut. Apple AirPlay 2 ist natürlich bei beiden Devices am Bord. 

Yamaha CX-A5200 und Yamaha MX-A5200: Die leistungsfähige Vor-Endstufen-Kombination ist nach wie vor eine hervorragende Wahl. In der Vorstufe sitzen Yamahas klanglich überzeugende DSP-Programme, inklusive neuestem DSP-Chip und der Surround:AI Funktion - mittels künstlicher Intelligenz wird in Echtzeit zum aktuellen Inhalt das beste DSP-Programm automatisch ermittelt - funktioniert exzellent in der Praxis. Die Verarbeitung beider Yamaha Komponenten ist bis ins Detail kompromisslos gut, Vor- und Endstufe setzen auf Ringkern-Transformatoren. Da die noch aktuelle Aventage Serie aus 2018 stammt (der 2020er Aventage-Receiver RX-A2A ist der erste "Vorbote" der neuen Aventage Generation), ist bezüglich 8K und HDMI-Features weitgehend Ebbe - hier ist die Frage: Braucht man das? YPAO als Lautsprechereinmess-System funktioniert ausgezeichnet, MusicCast als Multiroom- und Streaming-Modul ist ebenfalls einfach zu handhaben. Klanglich tritt das Yamaha-Duo stark auf, was die Homogenität des Klangbilds und die Güte des Stereo-Sounds angeht, kommt aber auch die Yamaha-Kombination nicht an den AVR30 heran. 

Fazit

Den AVR30 einzuordnen, ist keine leichte Aufgabe. Klanglich ist es einfach, denn das Fazit ist kurz: Der absolute Hammer. Ganz gleich, ob Stereo- oder Mehrkanal-Betrieb, stets agiert der Arcam AV-Receiver auf höchstem Level. Geschmeidig, extrem präzise, räumlich dicht, mit einer höchsten Ansprüchen genügenden Homogenität - das muss man erst einmal schaffen. Er klingt auch bei extrem hohem Pegel souverän und immer angenehm. Die Class G-Endstufen stellen auch außergewöhnlich anspruchsvolle Anwender vollauf zufrieden, aber auch die 9.1.6 Vorstufe schwingt mit im Takt höchster Performance. Was also gestaltet sich nun komplexer, möchte man den akustischen Champion final bewerten? Zumal auch Verarbeitung, Aufbau innen und die mitgelieferten Fernbedienung voll punkten können. Nein, nicht ganz schlüssig sind wir uns bei der Bewertung der Dirac-Einmessung. Auf der Habenseite stehen die enorm präzisen, passenden Ergebnisse und die hohe Flexibilität. Für versierte Anwender ohne Frage Spitzenklasse. Nun folgt jedoch das "aber": Dirac ist schlichtweg ungeeignet für Anwender, die z.B. Audyssey MultEQ XT32 vom Denon AV-Verstärker gewöhnt sind. Klar, so exakt arbeitet das System nicht, aber es ist einfach zu bedienen und zudem in den vorbildlichen Denon-/Marantz-Einrichtungsassistenten eingebunden. Einen Einrichtungsassistenten findet man beim Arcam nicht, und man braucht einen PC, um Dirac zu nutzen, und viel Zeit. Die Bedienung ist eben auch nicht besonders praktisch - das zusammen sorgt für die ein oder andere Sorgenfalte. Die Multimedia-Eigenschaften sind bestens gelungen, en DAB/DAB+ Tuner ist auch vorhanden - insgesamt sichert sich der AVR30 ein hervorragendes Testergebnis, und gerade für den erfahrenen Mehrkanal-Liebhaber ist er praktisch außer Konkurrenz.

Akustisch Maßstäbe setzender AV-Receiver mit flexibler Multimedia-Ausstattung

AV-Receiver Luxusklasse
Test 22. Februar 2021

 

Test: Carsten Rampacher, Philipp Kind
Datum: 22. Februar 2021

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