XXL-TEST: Pioneer 7.2-Kanal-Netzwerk-Mehrkanalreceiver VSX-1131 – Kraft und Ausstattungsvielfalt für 649 EUR?

Pioneer VSX-1131 Front Seitlich2

Nach dem Zusammenschluss von Onkyo und Pioneer zur Pioneer Onkyo Cooperation stellte sich 2015 für viele die Frage, ob man es schafft, beiden Marken weiterhin ein eigenständiges Profil zu geben. Dass man im Sinne von Synergien die kleineren Mehrkanal-Receiver nun von Onkyo produzieren lässt, ist aus unternehmerischer Sicht nachvollziehbar, aber viele Konsumenten möchten es genau wissen: Ist denn ein Pioneer VSX-1131, mit 649 EUR in einer immens wichtigen Preisklasse antretend, noch ein typischer Pioneer Mehrkanal-Receiver mit großartiger Grobdynamik und überdurchschnittlich ausgeprägter Pegelfestigkeit? Wir wollen dieser Frage im folgenden Testbericht genau nachgehen. 

Der Pioneer VSX-1131 mit klassischem analogen Radiotuner (kein DAB/DAB+) ist ein  7.2-Kanal-Gerät, ausgestattet mit Bluetooth 4.1 und Dual Band-WiFi (2,4/5 GHz) ist der elegante Mehrkanal-Receiver in schwarzer oder silberner Ausführung neu auf dem Markt. Aktuell wird Dolby Atmos decodiert, DTS:X wird später per Update nachgereicht – das ist leider kein Ruhmesblatt. Selbst die Konkurrenz von Denon offeriert in diesen Preisklassen derzeit auch kein DTS:X, der brandneue AVR-X2300W bekommt es auch erst per Update. Dies liegt daran, dass in den kleineren AVRs andere Chipsätze zum Einsatz kommen. Die großen D&M 2015er AVR-Modelle und AV-Vorstufen sind per Firmware-Update schon längst DTS:X-fähig. 

Zurück zu unserem Testgerät. Der VSX-1131 liefert 160 Watt pro Kanal (6 Ohm, 1 kHz, 1 Kanal ausgesteuert, 1 % Gesamt-Klirrfaktor) und verwendet als Lautsprecher-Einmesssystem MCACC (mit Phase Control, 4-Band Subwoofer-EQ). Natürlich ist ein wirksamer Room EQ integriert. Dass sich Onkyo für den Bau auch des VSX-1131 verantwortlich zeichnet, merkt der Kundige auch daran, dass im Inneren 384 kHz/32-Bit D/A-Konverter arbeiten, die Onkyo in der 600 bis 700 EUR Preisliga bereits 2015 einführte. Später kommen noch Google Cast sowie TIDAL als multimediale Merkmale hinzu. Jetzt finden sich unter anderem Spotify, AirPlay, TuneIn sowie DLNA-Streaming in den Ausstattungsmerkmalen. Später, nach bisherigen Angaben im Sommer 2016, kommt noch Fire Connect als multimediales Merkmal hinzu. Mittels Fire Connect, das Onkyo und Pioneer 2016 in einer Vielzahl neuer Komponenten verwenden, können alle Signale des VSX-1131 in andere Räume gestreamt werden, in denen dann Fire Connect-kompatible Wireless Audio-Lautsprecher untergebracht sind. Pioneer und Onkyo machen mit Fire Connect offensichtlich Front gegen Yamahas MusicCast. MusicCast startete zur IFA 2015 und ist mittlerweile in vielen Yamaha Devices enthalten. Übrigens – auch Tidal und Deezer sind später für den VSX-1131 verfügbar. 

Der Pioneer decodiert folgende Formate:

  • Dolby® Atmos
  • DTS:X per Firmware-Update im Sommer 
  • Dolby® TrueHD/Dolby Digital Plus
  • DTS-HD Master Audio/DTS-HD High Resolution Audio
  • DTS 96/24/DTS-ES/DTS-HD Express
  • DSD Playback via Network/USB (5.6 MHz/2ch 2.8 MHz/2ch)
  • DSD Disc (SACD) Playback via HDMI (2.8 MHz/5.1ch, 2ch)
  • Weitere HiRes-Formate via USB/Netzwerk: Bis 192 kHz/24-bit ALAC, AIFF , FLAC, WAV, Dolby® TrueHD Playback (USB only)

Sechs HDMI-Eingänge hinten und einer vorn sowie für eher traditionell ausgerichtete Anwender ein Phono-Eingang stellen Merkmale der Anschlusssektion dar. Der Pioneer hat verschiedene DSP-Modis: Classical, Unplugged, Entertainment Show, Drama, Advanced Game, Action, Rock/Pop, Extended Stereo, Extended Mono, Front Stage Surround sowie Auto Surround. Der „Advanced Sound Retriever“ poliert Audio-Material in niedrigen Auflösungen auf. High Resolution Audio-Support inklusive WAV, FLAC und DSD ist selbstverständlich. Videoseitig bietet der Pioneer Ultra HD Pass-Through mit HDCP 2.2 an selektierten HDMI-Ports (mit Support von 4K/50/60p, 4:4:4 Farbdecoding,, HDR, BT.2020), Ultra HD Upscaling von 1.080p auf 4K sowie 3D-Unterstützung. 

Hier ein Überblick über die Video-Merkmale:

  • Ultra HD Pass-through mit HDCP 2.2 (4K/60p/4:4:4/24-bit, 4K/24p/4:4:4/36-bit, 4K/60p/4:2:0/36-bit)
  • HDR und BT.2020 Unterstützung
  • Ultra HD Upscaling (1080p auf 4K)
  • 3D Ready (Blu-ray Disc™, Broadcast, und Games)
  • Deep Colour (36-bit), “x.v.Colour” – Unterstützung

Pioneer VSX-1131 Rueckseite Seitlich

Rückseite komplett

Pioneer VSX-1131 Anschluesse Rueckseite3

Zone 2 Pre-Out, Pre-Out für 2 aktive Subwoofer

Pioneer VSX-1131 Anschluesse Rueckseite1

Phono-Eingang ist auch vorhanden

Pioneer VSX-1131 Anschluesse Rueckseite2

6 x HDMI hinten

Pioneer VSX-1131 Bedienelemente Front1

Großer, griffgünstiger Lautstärke-Drehregler

Pioneer VSX-1131 Bedienelemente Front2

Quellwahl

Pioneer VSX-1131 Display

Display

Pioneer VSX-1131 Fernbedienung

Schlichte, übersichtliche Fernbedienung. Alternativ kann man den VSX-1131 üer iControlAV5 Remote App steuern

Der 10 kg wiegende VSX-1131 sieht gut aus und ist solide verarbeitet. Das Display löst befriedigend auf und ist tadellos ablesbar. Zwei große Drehregler kümmern sich um Quellwahl und Lautstärke-Regelung. Unter dem VSX-1131 finden sich große Gerätestandfüße. Das Innenleben präsentiert sich aufgeräumt und gut aufgebaut. 

Pioneer VSX-1131 Innenleben Gesamt

Gesamtübersicht Innenleben

Pioneer VSX-1131 Innenleben2

Wie in diesen Preisklassen üblich, besteht der Kühlkörper aus Blech

Pioneer VSX-1131 Innenleben1

Platinenlayout

Pioneer VSX-1131 Innenleben3

Trafo

Pioneer VSX-1131 Innenleben4

ELKOs

Pioneer VSX-1131 Mikro

Einmess-Mikrofon

Die Einmessung mittels MCACC arbeitet zuverlässig und sichert sehr gute klangliche Resultate, wie wir es schon bislang vom hervorragenden Pioneer-Einmess-/Room EQ-System her kennen. Der VSX-1131 ist schnell im Netzwerk eingebunden, das Handling beim Laden von Ordnerstrukturen oder einzelnen Titeln bei der Wiedergabe beispielsweise von HiRes-Audiodateien ist problemlos. Überdies agiert der VSX-1131 sehr zügig. Die etwas dicke, recht schlichte Fernbedienung ist ausgesprochen übersichtlich und im Layout wie die entsprechende Onkyo Remote vom TX-NR656 gehalten – dass Pioneer und Onkyo seit einiger Zeit „eins“ sind, wird demnach an verschiedenen Stellen auch deutlich, so z.B. auch am Design des Graphical User Interfaces, von dem wir nun einige Screenshots präsentieren.

Pioneer VSX-1131 Screenshot 1

Setup-Assistent im Gerät integriert

Pioneer VSX-1131 Screenshot 2

Vollautomatisches MCACC

Pioneer VSX-1131 Screenshot 3

Wir verwenden eine Konfiguration mit Top Firing-Modulen

Pioneer VSX-1131 Screenshot 4

Anweisungen für die Vorbereitungen zur Einmessung

Pioneer VSX-1131 Screenshot 5

Ruhe im Hörraum ist zwingend nötig, möchte man verwertbare Ergebnisse erzielen

Pioneer VSX-1131 Screenshot 6

Lautsprecherkennung

Pioneer VSX-1131 Screenshot 7

Übernahmefrequenzen

Pioneer VSX-1131 Screenshot 8

MCACC-Optionen

Pioneer VSX-1131 Screenshot 9

MCACC-Ergebnisse

Pioneer VSX-1131 Screenshot 11

Ermittelte Abstände

Pioneer VSX-1131 Screenshot 12

EQ-Kalibrierung

Pioneer VSX-1131 Screenshot 13

Nachdem MCACC beendet wurde, folgt nun der Quellenanschluss

Pioneer VSX-1131 Screenshot 14

BD-Quelle

Pioneer VSX-1131 Screenshot 15

Pioneer VSX-1131 Screenshot 16

Einbindung ins Netzwerk, drahtlos oder kabelgebunden

Pioneer VSX-1131 Screenshot 18

Multizonen-Einstellungen

Pioneer VSX-1131 Screenshot 19

ARC-Einstellungen

Pioneer VSX-1131 Screenshot 20

Einrichtung beendet

Pioneer VSX-1131 Screenshot 21

Attraktive, klare Menü-Gestaltung

Pioneer VSX-1131 Screenshot 22

Grundeinstellungen

Pioneer VSX-1131 Screenshot 23

Ein- und Ausgangszuordnung

Pioneer VSX-1131 Screenshot 24

TV-Ausgang/OSD

Pioneer VSX-1131 Screenshot 25

HDMI-Eingänge, praktisch ist, dass der VSX-1131 gleich ansagt, welcher HDMI-Input HDCP 2.2  unterstützt

Pioneer VSX-1131 Screenshot 26

Lautsprecher-Menü

Pioneer VSX-1131 Screenshot 27

Einstellungen für die Top Firing-Module

Pioneer VSX-1131 Screenshot 28

Klangeinstellungen

Pioneer VSX-1131 Screenshot 29

HDMI-Menü

Pioneer VSX-1131 Screenshot 30

Diverses

Pioneer VSX-1131 Screenshot 31

An Bord derzeit: Tune In Internetradio, Spotify, Apple AirPlay, Zugriff auf Music Server im Netzwerk. 

Pioneer VSX-1131 Screenshot 32

TuneIn-Wiedergabe

Pioneer VSX-1131 Screenshot 33

Verfügbare Music Server in unserem Netzwerk

Pioneer VSX-1131 Screenshot 34

Sehr gut: Bei der Wiedergabe, hier von einem HIRes-File, werden Auflösung und Bittiefe auf dem Screen aufgeführt

Der VSX-1131 besitzt gut strukturierte, sauber aufgemachte On Screen-Menüs, natürlich auch in deutscher Sprache verfügbar. Dank des On-Board-Einrichtungsassistenten kommen auch weniger versierte Anwender auf Anhieb gut zurecht. 

Pro & Contra:

+ Dolby Atmos-Decoding
+ Video-Upscaling von 1.080p auf 4K
+ MCACC als leistungsfähiges Einmesssystem
+ Gute Anschlussbestückung
+ Modern gestaltete, praxisgerechte On Screen Displays
+ Gute Verarbeitung und elegante Optik

– DTS:X erst per Firmware-Updade
– Außer Auflösungs-Optimierer keine Video EQ-Optionen
– Viele Features wie Fire Connect oder Tidal erst per Update der Firmware

Klang

Bei der Ultra-HD Blu-ray von „San Andreas“ muss sich der VSX-1131 gleich zu Filmbeginn beweisen – und zwar an unserem Nubert nuVero 5.0-Ensemble mit zwei Elac Top-Firing Modulen vom Typ TS-3000. Und wir sind sehr angetan: Kraft hat der Pioneer offensichtlich in Hülle und Fülle, denn der Music Score wird mit schon mit Dynamik und Power wiedergegeben. Dann kommt der heftige Erdrutsch, und der Pioneer stellt auch bei hohem Pegel noch eine klare Effekt-Struktur zur Verfügung, als die junge Lady mit ihrem Subaru Forester in eine missliche Lage am Steilhang katapultiert wird. Der VSX-1131 entpuppt sich als typischer Pioneer AVR. Auch nach dem Zusammenschluss mit Onkyo und verschiedenen gleichen Bauteilen (die „kleineren“ AV-Receiver werden von Onkyo produziert, was auch das OSD zeigt) präsentiert sich der VSX–1131 von der Auslegung so, wie wir Pioneer AV-Receiver kennen: Grobdynamisch exzellent, was nicht nur die Steinlawine, sondern auch der durch die Luft donnernde Helikopter von Ray und seinem Team. Stimmen arbeitet der Pioneer glaubwürdig ein, auch während massiver Effekte – die junge Frau rutscht weiter in die Tiefe mit ihrem PKW – bleiben Stimmen gut verständlich. Erst bei sehr hoher Lautstärke wird der Music Score etwas zu weit in den Hintergrund gedrängt, bis zu deutlich gehobener Lautstärke bleibt die Gewichtung akkurat.

Der VSX-1131 schafft es in der Anfangssequenz sehr gut, den akustischen Spannungsbogen im Verlauf der Rettungsaktion zum Ausdruck zu bringen. Die Top Firing Module vorne sind ausgezeichnet eingearbeitet. Dies verdeutlichen die fließenden Übergänge der Front L/R-Klangkulisse zur dritten Hör-Dimension über den Köpfen der Zuhörerschaft. Herumfliegende Gesteinsbrocken scheinen direkt auf die Zuhörer zu zielen – wie üblich, veranstaltet der VSX-1131 ein mächtiges Spektakel, welches sehr eindrucksvoll wirkt, obwohl der AV-Receiver kein Oberklasse-Gerät ist. Er nimmt es aber überdies genau – er bringt Struktur auch in mehrere parallel stattfindende Effekte, baut die Räumlichkeit sauber auf. Er hat keinerlei Berührungsängste mit dem großen Nubert-Set und ist offensichtlich keinesfalls zwingend auf den Support eines separaten aktiven Subwoofers angewiesen. Die folgende, ruhigere Sequenz im Hörraum beweist uns, dass der Pioneer auch in dialogorientierten Szenen gut abschneidet: Charismatische, klare, ausgezeichnet eingearbeitete Stimmwiedergabe und eine dichte Räumlichkeit auch bei „normalen“ Szenen. 

In Dolby Atmos liegt die Tonspur der Metallica-BD „Through The Never 3D“ vor. Mit aggressivem Touch, nachdrücklichem Bass und hohem Erlebnis-Faktor fordert diese Blu-ray, bei der sich mancher 1.000 EUR-AV-Receiver ungelenk anstellt, den Pioneer heraus. Und gleich zu Beginn bei „The Ecstasy Of Gold“ verdeutlicht der VSX1131, dass er unverkennbar ein Pioneer-AVR ist. Es geht extrem dynamisch und vehement voran. Bei der maximalen Pegelfestigkeit wird bei dieser BD aber deutlich, dass hier größere AVRs noch mehr Reserven haben, gerade wenn ein großes 5.0 Set angetrieben werden soll. Hier ist der VSX-1131 dann im Bassbereich am Ende mit seiner Leistungsfähigkeit. Das passiert aber erst in Bereichen, die nur wenige Anwender in der täglichen Praxis aufsuchen dürften. Ansonsten herrschen hohe Gesamtdynamik und eine dichte Räumlichkeit vor. Ruhiger geht es bei „Nothing Else Matters“ zu. Hier zeigt uns der VSX-1131 seine andere, neu hinzugekommene Seite. Er kann auch mit filigranen akustischen Gebilden gut umgehen und gefällt hier durch eine saubere Detaillierung, die für die Preisklasse auf hohem Level legt. Die ruhigere, aber gleichzeitig emotionale Gangart des Songs wird sehr gut zum Ausdruck gebracht, der Pioneer reproduziert ein plastisches, solide verankertes Klangbild mit einer weitläufigen und zugleich glaubwürdigen Wirkung. Die Stimme des Sängers kommt tadellos heraus. Bei der Einarbeitung von Stimmen haben Pioneers AVRs im Jahre 2016 offensichtlich einen Step nach vorne gemacht.

Ja, er kann es – das ist nicht immer selbstverständlich. Wir lauschen der BD „Star Wars Episode 7 – Das Erwachen der Macht“, in DTS-HD und können zusätzlich, für die nachträgliche Einbindung unserer beiden Top Firing Module, den Dolby Surround-Decoder für eine komplette Wiedergabe mit Höhenkanälen aktivieren. Und das bringt durchaus einiges, wie man direkt ab Filbeginn feststellen kann. Als der riesige Raumkreuzer sichtbar wird, fühlt man sich sogleich gefesselt von der intensiven, dreidimensionalen Akustik. Aber auch die Dialogszenen kommen sehr gut heraus, im Dorf, welches zu Beginn gezeigt wird und Poe Dameron sich mit Lor San Tekka unterhält, kommen die Stimmen klar und charismatisch heraus. Dann erfolgt der Angriff der „Ersten Ordnung“, infolge dessen das ganze Dorf vernichtet wird. Die Kampfhandlungen präsentiert der VSX-1131 in typischer Pioneer-Manier: Kraftvoller Bass, viel Dynamik – und mit aktivierten Height-Kanälen ist die Räumlichkeit noch dichter, noch umfassender. Man hört in allen Dimensionen, und die Übergänge zu den Top Firing-Modulen gestalten sich fließend. Die bedrohliche Musik wird in allen Sequenzen hervorragend eingearbeitet. Auch als Kylo Ren in seinem Raumschiff landet, ist der Music Score sehr präsent, und der VSX-1131 weist sich ein weiteres Mal als ein Könner im Bassbereich aus. Lebendig, klar, vielschichtig – so ist die ganze Wiedergabecharakteristik. Auch auf den Surroundkanälen ist die Staffelung sehr gut, die Front-Surround-Balance erweist sich als glaubwürdig und ausgewogen. 

Hören wir uns jetzt „Back In Your Head“ von der 2. Blu-ray des Tiesto BD-Sets „Elements Of Life – Copenhagen“ an. Die BD ist mit DTS-HD Master Audio-Tonspur versehen, und schnell wird deutlich, dass auch die 2016er Pioneer-AVRs sich offensichtlich durch eine typische Pioneer-Tugend auszeichnen: Im Bassbereich legt der VSX-1131 ungemein vehement los und sichert eine massive sowie nachdrückliche Wiedergabe. Erstaunt notieren wir, dass schon ein knapp 650 EUR kostender AV-Receiver im anspruchsvollen Mehrkanal-Einsatz an einem 5.0 Ensemble der Oberklasse hier enorm gute Leistungen realisieren kann. Die Stimme trennt sich im Übrigen gut von den kraftvollen Bassanteilen, hier ist die Auflösung zwar gut, bei der vokalen Komponente aber kann der VSX-1131 seine Preisklasse dann doch nicht verbergen. Richtig voran geht es, als sich Tiesto im Live-Mix dem Klaus Badelt-Track „He’s a Pirate“ annimmt. Nicht nur die ausgezeichnete Raumwirkung, auch die sehr gute Staffelung der elektronischen Effekte spricht hier neben dem bereits mehrfach als hervorragend erwähnten Bassbereich für den VSX-1131. Er liefert demnach eine nicht nur solide, sondern erstklassige, auch für anspruchsvollere Anwender mehr als ausreichende Leistung ab, die zeigt: Auch, wenn überall gespart werden muss und man sich daher schon Sorgen um die Qualität aktueller günstigere AV-Receiver macht, so beweist die akustische Performance doch, dass nicht alles stagniert beziehungsweise schlechter wird: Der VSX-1131 jedenfalls ist auf einem höchst beachtlichen Niveau, das wir einem Gerät für 649 EUR spontan gewiss nicht zugetraut hätten. 

In PCM Multichannel liegt „Canton Della Terra“, ein Duett von Andrea Bocelli mit Sarah Brightman. Und das, was wir zuvor schon ermittelt haben, greift auch hier. Der VSX-1131 liefert bei feinen, langsameren, emotionalen Musikstücken eine erstklassige Performance ab. Ohne die Pioneer-typische Dynamik zu opfern, kokettiert der VSX-1131 hier mit einer von lebendigen Konturen gekennzeichneten Stimmwiedergabe und einem sehr sauberen, kräftigen, aber nicht überbetonten Bass. Die Weitläufigkeit und die akustische Gesamtpräsenz auch hinsichtlich der räumlichen Tiefe ist überragend und für diese Preisklasse keinesfalls selbstverständlich. Wir notieren eine tadellose Impulstreue und einen angenehmen, aber trotzdem nicht zu zurückhaltenden Hochtonbereich. „The Prayer“, ein Duett Andreas mit Heather Headley, stellt ein weiteres Mal z.B. bei den Streichern zu Beginn, das neue Qualitätsniveau des Hauses Pioneer, die AVRs betreffend, heraus. Die facettenreiche Stimmwiedergabe heben wir auch diesmal hervor. Dabei ist es ganz gleich, ob es sich um Heathers oder um Andreas Stimme handelt. Dank des recht frei zur Geltung kommenden Hochtonbereiches scheitert der VSX-1131 auch dann nicht, wenn beide die Stimme erheben, kleinere dynamische Differenzen arbeitet der Pioneer Mehrkanalreceiver dabei zuverlässig und impulstreu heraus. 

Nun wenden wir der HiRes-Audiowiedergabe zu und verpflegen den VSX-1131 mit Material von unserem NAS-System. In FLAC 88,2 kHz nimmt sich der Pioneer „Crisis Time“ von Bad Religion an. Hier geht noch deutlich mehr, an Punch und Biss im Bassbereich – hier kann der Pioneer seine Preisklasse nicht ganz verheimlichen. Fürs investierte Geld macht er seine Sache aber sehr gut, trennt Stimmen und Instrumente tadellos voneinander und stellt die Instrumente durchaus schwungvoll dar. Schnelle Rhythmuswechsel bereiten dem impulstreuen VSX-1131 keinerlei Probleme.

In 48/24 gibt der Pioneer nun „Desperado“ (Diana Krall, Wallflower) wieder und lässt hier zahlreiche, keinesfalls selbstverständliche Talente aufblitzen. Das Piano klingt erstaunlich feinfühlig, das war keinesfalls immer Pioneer-typisch. Die Stimme Dianas löst sich sehr gut von den Lautsprechern und verteilt sich frei im Raum. Luftig, weitläufig und mit einer im Vergleich zu früheren Pioneer AVRs viel „verträglicheren“, homogenen Gesamtauslegung scheint der VSX-1131 aus akustischer Sicht ein nahezu idealer Kompromiss aus enormer Dynamik und überzeugender akustischer Gesamtharmonie geworden zu sein. „Basil“ (192 kHz/24-Bit) von Mark Knopflers „Tracker“ Album stellt ebenfalls schön heraus, was der VSX-1131 auch bei sentimentaleren, ruhigeren Stücken leistet: Er detailliert richtig gut, und Marks Stimme löst sich, wie schon zuvor beim Stück von Diana Krall, sehr gut von den Lautsprechern. Die Endstufen machen einen gelassen, souveränen Eindruck und verarbeiten alle Arten von Impulsen sehr schnell.

Videosektion

Der VSX-1131 hat einen entscheidenden Vorzug gegenüber dem Onkyo TX-NR656: Er kann immerhin Full HD 1.080p Signale auf 4K hochskalieren. Wir haben dies bei „Star Wars Episode 7: Das Erwachen der Macht“ getestet. Sehr plastisch ist der Planet Jakku gleich zu Beginn sichtbar, die kleinen Tie Fighter rund um den riesigen Raumkreuzer kommen klar und artefaktearm heraus. Auch als sich Flugobjekte der Planetenoberfläche nähern – in einem Dorf unterhält sich Poe Dameron gerade mit Lor San Tekka – überzeugt der VSX-1131 mit scharfem sowie fein strukturiertem Bild. In dieser Sequenz, insgesamt relativ dunkel gehalten, punktet das kontrastreiche, überragend detaillierte Bild, welches nach dem Upscaling des VSX-1131 entsteht. Auch am Sandhügel, über den Poe rennt, sind kaum Rauschmuster sichtbar. Das Cockpit von Poes Raumjäger wird ebenfalls detailliert dargestellt. Das gilt auch für die Rüstungen der Storm Troppers, die Gebrauchsspuren an BB-8 sind exzellent erkennbar. Bewegungen aller Art sind stabil und scharf, auch rund um die sich bewegenden Objekte sind keine Bildstörungen erkennbar. Verschiedene visuelle Ebenen differenziert der VSX-1131 so gut durch, dass mancher deutlich teurere AV-Receiver für 1.000 EUR und mehr hier auch nicht entscheidend mehr bietet. Das brennende Dorf mit all den Flammen kommt mit präziser Farbwirkung heraus, die Flammen in sich sind differenziert und nicht zu weich gezeichnet. Der Pioneer realisiert ein Kino-gemäßes Bild, angenehm und plastisch, und nicht unschön überschärft. 

Pro & Contra:

+ dynamischer und zugleich angenehmer Klang
+ Kommt auch mit großen Lautsprecher-Systemen ohne aktiven Subwoofer zurecht
+ Im Vergleich zu früheren Pioneer AVRs bessere Detaillierung und mehr Homogenität
+ Sehr gutes Upscaling von 1.080p auf 4K

– Bei enorm wuchtigem Bass und hohem Pegel merkt man dann doch die Preisklasse

Fazit

Pioneer VSX-1131 Front Seitlich1

Der Pioneer VSX-1131 liefert aus akustischer Sicht eine Leistung ab, die noch vor nicht allzu langer Zeit als überdurchschnittlich gut bei einem Oberklasse-AV-Receiver durchgegangen wäre. Wir aber sprechen von einem AV-Receiver für lediglich 649 EUR (UVP), und hier können wir nur den Hut ziehen. Enorm dynamisch, aber gleichzeitig sehr angenehm und in sich schlüssig: Der VSX-1131 tritt erwachsen auf, ohne aber das von exzellenter Dynamik geprägte, akustische Technokraten-Image von Pioneer zu vernachlässigen. Leider fehlt DTS:X noch derzeit und kommt erst per Update der Firmware. Das ist ärgerlich. Gut hingegen ist, dass der Pioneer von Full HD auf 4K hochskalieren kann. Dies gelingt in äußerst ansprechender Qualität. Der Pioneer stellt ein stabiles, detailreiches sowie plastisches Bild zur Verfügung. Die Verwandtschaft zu Onkyo scheint in vielem durch, nicht zuletzt auch bei der Menü-Gestaltung. Trotzdem behält zumindest der VSX-1131, andere Modelle kennen wir ja derzeit noch nicht vom 2016er Pioneer-Jahrgang, seine Eigenständigkeit auf vielen Feldern bei: Akustisch würzt er Onkyo-Harmonie mit Pioneer-Dynamik und erzeugt so eine eigenständige, sehr gefällige Mischung. Bei der Ausstattung und in Details erweist er sich als praxisgerechter als der Onkyo TX-NR656. Insgesamt stellt der VSX-1131 ohne Zweifel einen großen Wurf dar, an dem sich viele Kontrahenten 2016 die Zähne ausbeißen dürften. 

Erstklassiger, preisgünstiger Mehrkanal-Receiver mit praxisgerechter Ausstattung und hervorragendem Klang
preisklassenreferenz
Mehrkanal-Receiver Mittelklasse
Test 17. Mai 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 17. Mai 2016




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