TEST: Quadral 3-Wege-Bassreflex-Standbox Quintas 606 – die Empfehlung für knapp 280 EUR Paarpreis?

Quadral-Quintas-606-Gruppenbild2

Guter Klang muss nicht teuer sein – einen weiteren Beweis für diese Feststellung möchten die Quadral Quintas 606 in unserem Test erbringen. Mit einem sehr günstigen Marktpreis von knapp 280 EUR fürs Paar (Stückpreis 139 EUR) locken die in schwarzer Holzmaserung folierten Dreiwege-Bassreflex-Boxen.

Quadral-Quintas-606-Bassreflexrohr

Bassreflexöffnung vorne

Praktischerweise ist die Bassreflexöffnung vorn untergebracht. Das mag unter optischen Gesichtspunkten nicht „First Class“ sein, hat aber den Vorteil, dass auch eine wandnahe Unterbringung möglich ist. Generell wirken die Quintas 606 optisch ziemlich „oldschool“. Man fühlt sich in die 80er und frühen 90er Jahre zurückversetzt, wenn man das klassische Design begutachtet. Neumodischer Boxen-Chic ist den Quintas 606 fremd.

Quadral-Quintas-606-Rueckseite-Seitlich

Rückseite

Quadral-Quintas-606-Anschluesse

Anschlussterminals

Die eigentliche Verarbeitung geht für den günstigen Kaufpreis ohne Zweifel in Ordnung. Es gibt keine Bi-Wiring-Terminals hinten, aber die Terminals sind dafür von tadelloser Qualität. Die Folierung ist ordentlich gemacht,  so dass man insgesamt mit der Verarbeitung für den günstigen Preis zufrieden sein kann. Nicht perfekt sind vorn die Chassis in die Schallwand eingepasst, hier sind die Spaltmaße, zum Beispiel rund um den Hochtöner, nicht absolut identisch. Für die Preisklasse sind die konventionell in entsprechenden Bohrungen sitzenden Lautsprecher-Schutzgitter qualitativ vollkommen in Ordnung. 

Quadral-Quintas-606-Hochtoener

25 mm Seidenkalotten-Hochtöner

Quadral-Quintas-606-Mitteltoener

Mitteltöner

Quadral-Quintas-606-Tieftoener

Eines der beiden 180 mm Basschassis

Die Quintas stellt Frequenzen von 26 Hz bis 30 kHz dar und ist mit 140 Watt Nennbelastbarkeit und 280 Watt Musikbelastbarkeit auch für den Betrieb mit kräftigen Verstärkern gut vorbereitet. dank 90 dB (1W/1m) Wirkungsgrad muss der Verstärker, an dem die Quintas läuft, aber nicht zwingend extrem leistungsfähig sein. Die Quadral-Box ist mit einem 25 mm Kalotten-Hochtöner sowie einem 150 mm Mitteltöner ausgestattet. Im Bassbereich können sich gleich zwei 180 mm messende Chassis austoben. Die Quintas 606 ist 90 cm hoch, 21 cm breit und 31,2 cm tief und ausschließlich in schwarzer Version lieferbar. 

Klang

Wir starten mit einem Evergreen durch: „I Will Survive“ von Gloria Gaynor managen die beiden preiswerten Quadral-Standlautsprecher ausgezeichet. Besonderes Kennzeichen ist das angenehme, tonal ausgewogene Klangbild. Glorias Stimme löst sich ordentlich von den Chassis, und der Bassbereich findet unsere Zustimmung. Gute Staffelung, eine ordentliche Portion Nachdruck und eine gelungene räumliche Wirkung verdichten sich zu einer Leistung, die wir in dieser günstigen Preisklasse nicht erwartet hätten. Die identischen Eindrücke sammeln wir auch bei „Never Can Say Goodbye“ von der gleichen Künstlerin. Auch, wenn die Quintas im Hochtonbereich keine sensationelle Durchzeichnung bietet, so ist das gesamte Differenzierungsvemögen bilanzierend aus sehr gut zu bezeichnen. Die Stimme Glorias löst auch diesmal wieder tadellos von den Lautsprechern und verteilt sich sauber ausbalanciert im Hörraum. Der flotte Rhythmus wird stimmig wiedergegeben, das Lied wird vom soliden, kräftigen Bassfundament wesentlich mit getragen. 

Selbst bei „Dell’Amore Non Si Sa“ von Andrea Bocelli blamieren sich die beiden Quintas 606 nicht. Andreas Stimme wird gekonnt fokussiert, nur der sehr kraftvolle Bass könnte sensibleren Anwendern etwas zu viel des Guten sein. Die dynamischen Differenzen – gut zu verfolgen, als Andrea seine Stimme erhebt – arbeitet die Quintas ordentlich heraus. Das Klavier wird ebenfalls für diese Preisklasse solide herausgearbeitet – Anlass zum Mäkeln findet sich keiner. Auch „L’Attesa“, wiederum von Andrea Bocelli, punktet mit geschlossener, ausgewogener Gesamtwiedergabe. Räumlich dicht breiten die Quintas 606 ihren Klangteppich auch im Hörraum aus, der knapp 25 Quadratmeter misst. Ausdruckskraft, Lebendigkeit und Staffelung kann man für einen Lautsprecher, der lediglich einen Marktpreis von rund 140 EUR pro Stück aufweist, als ausgesprochen gelungen bezeichnen. 

Es folgt die Extended-Version des a-ha-Klassikers „The Sun Always Shines On TV“. Und hier überzeugen die Quintas 606 von Beginn an: Dynamischer, kraftvoller Bass, gute Stimmwiedergabe. Dass der Hochtonbereich keine Wunder hinsichtlich der gebotenen Auflösung vollbringen kann, dürfte in Anbetracht der Preisklasse klar sein. Aber die Räumlichkeit ist auch im Hochtonbereich überzeugend, und überdies spricht die homogene Auslegung für die günstige Quadral-Box. Bei „You Spin Me Round (Like A Record) von Dead Or Alive ziehen die beiden Quintas ebenfalls kraftvoll durch. Durch den guten Wirkungsgrad sind sie nicht einmal auf einen übertrieben kraftvollen Verstärker angewiesen, um auf Touren zu kommen. Die tadellose Raumwirkung und der erneut sehr angenehme, aber nicht langweilige Klang sind auch bei diesem Song herauszuhören. Der straffe, nachdrückliche Bassbereich und der nahtlose Übergang zwischen den einzelnen Frequenzbereichen sprechen ebenso für den günstigen Spaßmacher aus Hannover. 

„Spaßmacher“, das ist hier der passende Oberbegriff. Der klassische HiFi-Liebhaber, der gern analytisch hört, stand offensichtlich nicht im Fokus der Techniker, die die Quintas 606 entwickelt haben. Das halten wir aufgrund der Preisliga für außerordentlich vernünftig. Ein Musterbeispiel an Detailtreue und Feindynamik kann man für knapp 140 EUR Stückpreis ohnehin nicht erwarten. Sehr wohl aber eine kraftvoll-lebendige Auslegung, die bei „Das Omen“ von Mysterious Art“ voll zum Ausdruck kommt. Das Stück aus Ende der 80er Jahre macht richtig Freude: Der im oberen Mitteltonbereich leicht blecherne Klang des Quellmaterials macht sich dank der homogenen Auslegung der Quintas praktisch nicht bemerkbar. Dafür schiebt der Bass auch bei hohem Pegel gewaltig an, hier lässt sich die Quadral-Box nichts vormachen.

Wir hören noch „Humunkulus“ von Mysterious Art und finden Gefallen daran, wie räumlich-intensiv die Quintas gleich zu Beginn die gesamte Effektstruktur umsetzt. Die vorderen akustischen Ebenen sind überdies akkurat differenziert, und der Bassbereich zeigt auch bei diesem Beispiel seine Klasse. Straff, tief und satt, bietet er ein Niveau, das viele teurere Lautsprecher nicht erreichen. Die weibliche Stimme präsentiert sich als gut eingebunden, gleichzeitig ist die Trennung zu den Instrumenten ordentlich gelungen. Der Rhythmus des Songs kommt zu jedem Zeitpunkt eindeutig und mit tadelloser Impulstreue heraus. 

Konkurrenzvergleich

Teufel Ultima 40 Surround Complete UL 40 Mk2 Gruppenbild

Auf einen Paarpreis von knapp 400 EUR kommen die Teufel Ultima 40 Mk2. Für den Mehrpreis offerieren sie eine modernere Formensprache inklusive elegantem Sockel und aus akustischer Sicht etwas mehr Detaillierungsvermögen. Nicht umsonst sind die Ultima 40 Mk2 in ihrer Preisklasse eine Macht. Aber die Quintas kommt für weniger Geld der Ultima 40 Mk2 gerade mit dem kraftvollen, sauberen Bass gefährlich nahe. Wer keine 400 EUR zur Verfügung hat, fährt mit der Quintas 606 für 280 EUR Paarpreis beinahe genau so gut. 

Numan Retrospective 1978 Gruppenbild3

Mal etwas ganz anderes: Bewusst im Retro-Style der 70er Jahre gehalten, sehen die Numan Retrospective 1978 Lautsprecher einfach cool aus. Besonders auf fällt das schmucke Abdeckgitter. Aber auch klanglich bieten die beiden Numan-Speaker eine Menge. Der Bass hat Kraft, die Akustik ist angenehm. Eine stylische Alternative für einen fairen Kaufpreis von 270 EUR für das Paar, passende Ständer gibt es optional ebenfalls. 

Saxx clearSOUND CS 170 Front Seitlich

Was bekommt man für rund das Doppelte vom Kaufpreis der Quintas 606? Zum Beispiel die Saxx clearSOUND CS 170 für 249 EUR/Stück. Sie spielt sehr differenziert für ihre Preisklasse auf, ist ausgezeichnet verarbeitet und überdies pegelfest. Optische Kennzeichen: Keine sichtbaren Schrauben rund  um die Chassis, formschön integrierter Sockel. Eine große Kaufempfehlung für alle diejenigen, die doch mehr ausgeben möchten. 

Fazit

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Gut&günstig: Die Quadral Quintas 606 kann im Test überzeugen

Formal ist die Quadral Quintas, salopp gesprochen, kein „Burner“: Klassischer Oldschool-Loudspeaker-Style der 80er Jahre findet aber bestimmt auch seine Freude. Und man sollte sich vom  leicht angestauben – aber sauber verarbeiteten – Äußeren nicht blenden lassen: Akustisch dürfte es schwer fallen, einen vergleichbar günstigen Lautsprecher zu finden, der mit so überzeugenden klanglichen Argumenten für sich einnimmt. Kraftvoller Bass, sehr gute Räumlichkeit und eine tadellos integrierte Stimmwiedergabe sprechen für die Quintas 606. Zu loben sind auch Wirkungsgrad und Pegelfestigkeit. Durch die harmonische Auslegung eignet sich die Quintas zudem für nahezu jedes Quellmaterial. 

Preiswerter Allrounder mit erstaunlich kraftvoller und dynamischer Akustik
ueberragend
Standlautsprecher Einsteigerklasse
Test 01. November 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 01. November 2016




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