TEST: NUMAN Retrospective 1978 – 3-Wege Lautsprecher im Stil der 70er/80er Jahre

Numan Retrospective 1978 Gruppenbild3

Im Portfolio des Elektronik-Versenders und Herstellers Chal-Tec – www.elektronik-star.de – aus Berlin hat sich eine neue Eigenmarke etabliert. Den Namen NUMAN tragen die neuen Produkte und mit der Stimmgabel im Logo werden sämtliche Zweifel ausgeräumt – es handelt sich um Geräte zur Klangwiedergabe, Lautsprecher um genau zu sein. Gleich zum Einstand haben wir uns ein Paar der Schallwandler in die Redaktion geordert, die ein wenig aus dem aktuellen Marktgefüge herausstechen. Getreu ihrem Namen handelt es sich bei den Retrospective 1978 um Schallwandler im Retro-Design der Siebziger und Achtziger inklusive typischer Abmessungen und einer stilechten Textilabdeckung. Mit knapp 270 EUR sind die NUMAN Lautsprecher etwas höher eingepreist als ähnliche Komponenten aus gleichem Hause, versprechen aber weiterhin ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Wir wollen sehen, was hinter der neuen Eigenmarke steckt und werfen einen genauen Blick auf die Produkte.

Numan Retrospective 1978 Front Seitlich1

 NUMAN Retrospective 1978

Numan Retrospective 1978 Hochtoener

Hochtöner mit Gewebekalotte

Numan Retrospective 1978 Mitteltoener

10cm-Mitteltöner

Numan Retrospective 1978 Tieftoener

20cm Tieftöner aus identischem Membranmaterial

Numan Retrospective 1978 Rueckseite Seitlich2

Rückseite des NUMAN Lautsprechers

Die Retrospective 1978 haben mit 8,6 kg pro Box ein stattliches Gewicht. So richtig kann man sie auch gar nicht als Regallautsprecher bezeichnen, denn dafür sind die Schallwandler im Grunde genommen zu groß und insbesondere zu breit. 26 x 40 x 30 cm (BxHxT) lauten die Abmessungen, die eine Unterbringung im Regal schwierig gestalten. Der Lautsprecher sollte also auf einem Möbelstück platziert werden oder kann, sollten kein entsprechendes Mobiliar vorhanden sein, in speziell für diese Schallwandler angefertigte Lautsprecherständer integriert werden. Die Lautsprecher-Stands sind aus Kunststoff gefertigt und relativ einfach gehalten, erfüllen aber absolut ihren Zweck und sind an beiden Seiten mit einem NUMAN-Schriftzug versehen. Die Stands sind bezüglich ihrer Neigung flexibel und bieten zwei verschiedene Möglichkeiten bei der Aufstellung. Möchte man die Lautsprecher auf einem Sideboard oder Tisch platzieren, reicht die Seite mit der leichten Neigung aus, auf dem Fußboden kann dann der größere Winkel verwendet werden. So kann man den NUMAN Lautsprechern in typischer Retro-Manier auch im Sitzsack lauschen.

numan_retrospective_stand_schwarz

Lautsprecher-Stand in schwarz

numan_retrospective_stand_schwarz_turnaround

Hier mit geringer Neigung

numan_retrospective_stand_schwarz_turnaround_2

Inklusive Retrospective 1978 Lautsprecher

numan_retrospective_stand_transparent_box

Hier die transparente Variante

numan_retrospective_stand_transparent_detail

Schriftzug im Detail

Die MDF-Gehäuse der Lautsprecher sind foliert und neben Schwarz-Braun auch in Walnuss und Weiß erhältlich. Die Folierung ist akkurat aufgebracht, wirft nirgends Wellen oder zeigt sonstige Unregelmäßigkeiten. Die seitlichen Kanten sind gerundet und tragen sowohl zum schicken Design als auch zur soliden Verarbeitungsqualität bei, da so keine unsauber zulaufenden Schnittlinien entstehen. Der Tief- und Mitteltöner aus Polypropylen sowie der Hochtöner sind sauber eingepasst, bei den Chassis-Umrandungen handelt es sich zwar wieder um Verblendungen aus Metallblech, die Wandstärke ist aber gegenüber anderen Auna-Produkten höher. Im Detail bietet sich insgesamt noch Potential, so ist z.B. das NUMAN-Logo im rechten unteren Bereich des Lautsprechers nicht ganz gerade angeklebt. Da die Lautsprecher aber unserer Meinung nach ohnehin mit angebrachtem Stoffgitter aufgestellt werden, kann man dies getrost vernachlässigen. Das Stoffgitter selbst bietet eine sehr solide Sperrholzkonstruktion und wirkt robust. In den vordefinierten Rahmen fügt sie sich akkurat ein und macht insgesamt einen sehr guten Eindruck.

Numan Retrospective 1978 Bassreflexrohr

Bassreflexöffnung

Numan Retrospective 1978 Anschluesse Rueckseite

Lautsprecher-Schraubanschlüsse

Die Rückseite ist ebenfalls clean, wenn auch die Bassreflexöffnung nicht absolut plan mit der Rückwand abschließt. Das Lautsprecher-Terminal ist gut eingepasst und offeriert vergoldete Schraubanschlüsse. Die Innenverkabelung ist immer noch recht einfach ausgeführt, die Kabel sind bei den NUMAN Lautsprechern mit soliden Kabelschuhen an den Anschlüssen befestigt. Die Gummifüße an der Unterseite sind ausreichend groß dimensioniert. Bilanzierend machen die Retrospective 1978 einen soliden Eindruck, wenn auch die Chassis-Verblendungen noch etwas schicker sein könnten. Bezüglich der Folierung und der Textilabdeckung gibt es aber nichts ernsthaft zu kritisieren.

Klang

Unser NUMAN-Pärchen darf sich direkt an der Wiedergabe von Mozarts Violinkonzert no. 4 in D-Dur versuchen. Die Aufnahme von „2L audiophile reference recordings“ stellt die 3-Wege-Lautsprecher gleich vor eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. In den ersten Minuten machen die Retrospective 1978 einen sehr guten Eindruck und gefallen besonders durch einen soliden Bühnenaufbau und eine sehr gute Loslösung des Geschehens vom Lautsprecher. In Mitten und Höhen fehlt es uns ein wenig an Detailreichtum und Feindynamik, dennoch gelingt eine ausgezeichnete Differenzierung der Violinen und Instrumente, so dass ein strukturiertes Gesamtbild entsteht. Die unteren Frequenzbereiche wirken recht präzise, die NUMAN-Schallwandler schwingen nicht nach oder machen einen zu dominanten Eindruck. Harte Bässe gelingen recht kraftvoll, könnten aber, gerade aufgrund des anständigen Gehäusevolumens, etwas voller klingen. Für den geforderten Preis wird hier aber hervorragende Performance geboten. Die NUMANs sind gutmütig und angenehm ausgelegt, was ihnen ebenfalls zum Vorteil gereicht. Lieber wird darauf verzichtet, audiophile Sphären zu erreichen und dafür eine harmonische tonale Gesamtauslegung realisiert. Man kann hier problemlos lauter hören, ohne dass das Boxenpaar an Souveränität und Geschmeidigkeit verliert. Bezüglich der Grobdynamik müssen sie sich ebenfalls nicht verstecken, keine Instrumente verschwinden im Hintergrund oder werden überdeckt. Die Komponenten agieren auch nicht zu langsam, lediglich bei sehr komplexem Geschehen fällt dem geschulten Ohr ein leichter Rückgang der Präzision und bei hohem Pegel und komplexem Geschehen Kompression auf. Sehr gut gefällt uns, dass die NUMAN Retrospective 1978 eine natürliche und authentische Bühne aufbauen, die auch mit entsprechender Atmosphäre gefüllt ist und lebendig wirkt. Auch beim Klavierkonzert machen sie eine sehr gute Figur. Zwar sind nicht sämtliche Facetten der Anschlagdynamik erfasst, die beiden Pianos können aber ohne großartige Probleme unterschieden und zugeordnet werden. Wieder gelingt eine saubere Bühnenstaffelung und eine angenehme Gesamtkulisse.

Auch bei der „Farewell“ Tour der Eagles machen die NUMAN-Komponenten eine gute Figur. Das Trompeten-Intro bei „Hotel California“ wird angenehm, aber mit der entsprechenden Schärfe des Blechblasinstrumentes wiedergegeben. Die einzelnen Gitarren lassen sich sehr gut differenzieren und auch der Bühnenaufbau gefällt wieder mit Authentizität. Das Geschehen löst sich ausgezeichnent von den Schallwandlern und die Stimme Don Henleys steht zentral vor dem Zuhörer. Das Schlagwerk selbst wird solide erfasst und kraftvoll und nachdrücklich ausgestaltet. Wieder gefallen die NUMAN-Lautsprecher durch ihre angenehme Tonalität und ihrer sehr harmonischen Ausprägung. Umso komplexer das Klanggeschehen wird, desto schwieriger wird es für die Schallwandler aus Berlin, hier gehen dann schon mal einige Details und Facetten einzelner Instrumente verloren, so sind besonders die drei einzelnen Gitarren nicht mehr so einfach zu unterscheiden. Der solide Bühnenaufbau und die gute Staffelung sorgen für ein angenehmens und balanciertes Klangbild. Auch die Räumlichkeit kann sich absolut sehen lassen. Die Bühne wirkt nicht platt, sondern entwickelt eine sehr gute Breite und Tiefe.

Mit Dj Tiestos „Element of Life“-Tour wechseln wir nochmal das Genre und werden etwas schneller. Die NUMANs geben sich auch hier keine Blöße und beginnen die zweite Disc und den Track „Traffic“ mit solider Impulstreue und einer ausgeprägten Räumlichkeit. Die Stimme löst sich sauber vom Lautsprecher und macht ebenfalls einen sehr guten Eindruck. Trotz unseres recht ausladenden Hörraums schaffen die Retrospective 1978 Lautsprecher ein fülliges und voluminöses Klangbild, dass den Zuhörer vereinnahmt. Solange das akustische Geschehen nicht allzu komplex wird, strahlen die NUMANs bezüglich ihrer Pegelfestigkeit hohe Souveränität aus. Es zeigen sich keinerlei störende Artefakte oder starke Kompression und es wird stets ein solides Fundament aufrecht erhalten und mit harten Kickbässen versehen. Dank des nicht allzu geringen Gehäusevolumens, dass häufig in ähnlich gearteten Regallautsprechern zu finden ist, spielen die Schallwandler auch relativ tief hinunter und bieten nachdrückliches Volumen, hier drückt es auch schon mal in der Magengrube. Allerdings muss man bei komplexem Musikgeschehen ein wenig aufpassen. Während „Traffic“ oder auch „Back in Your Head“ keine großen Probleme bereiten und die NUMANs ihre Vorteile sehr gut ausspielen können, lassen sich beim Remix von Klaus Badelts „He’s A Pirate“ ein paar Problemchen erkennen. Die vielen akustischen Elemente werden dann nicht mehr ganz so sauber herausgearbeitet, hier fehlt es uns auch ein wenig an Grobdynamik. Sieht man davon ab, liefern die Retrospective 1978 aber eine sehr harmonische und angenehme Klangkulisse, die dank Kraft und Nachdruck durchaus mitreißend und lebendig wirkt.

Fazit

Numan Retrospective 1978 Gruppenbild1

Mit den NUMAN Lautsprechern bedient Chal-Tec ein Klientel, das für etwas höhere Verarbeitungsqualität und Klangstärke bereit ist, etwas mehr Budget bereit zu stellen. Dies gelingt dem Berliner Versand- und Elektronikunternehmen zweifellos. Im Detail besteht natürlich weiterhin ein wenig Optimierungsbedarf. Man muss jedoch bedenken, dass es sich hier immer noch in Preisregionen abspielt, die von der Konkurrenz teilweise komplett außen vor gelassen werden. Dafür stellen die NUMAN Schallwandler durchaus eine solide Alternative mit zwar nicht audiophiler, aber sehr solider und – besonders wichtig – angenehmer akustischer Performance dar. Das 70er/80er Jahre Design wird nicht jedem gefallen, gelungen ist es allemal. Zudem können durch die großzügigere Breite und Tiefe akustische Vorteile gewonnen werden.

3-Wege Lautsprecher im 70er/80er Stil mit sehr soliden akustischen Eigenschaften zum günstigen Preis
ausgezeichnet
04.08.2015

+ Stimmiges Design
+ Unkonventionelle Formensprache
+ Solide Textilabdeckungen
+ Angenehme akustische Eigenschaften
+ Günstiger Preis

– Schwächen bei der Darstellung sehr komplexen akustischen Geschehens

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum 04.08.2015




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK