TEST: Piega Stand-LS Coax 30.2 – Schweizer Klangkunst

Für handwerklich meisterhaft hergestellte Premium-Lautsprecher steht ein Name schon seit Jahren: Piega aus Horgen am Zürichsee. Mit teils unkonventionellen Methoden und hochkarätiger Technik heben sich die Aluminium-Schallwandler traditionell aus dem Konkurrenzumfeld ab.

Piega Coax 30.2 für 4.000 EUR/Stück

Ohne Abdeckung und mit schlitzförmiger Bassreflex-Öffnung vorn. So kann man die Coax 30.2 auch wandnah aufstellen.

Coax-Mittel-/Hochtonchassis in Bändchen-Bauweise

Zwei Basstreiber mit je 15 cm

Ausgebauter Tief-/Mitteltöner

Da macht auch der Dreiwege-Standlautsprecher Coax 30.2 keine Ausnahme, der in verschiedenen Ausführungen lieferbar ist: Das Gehäuse kommt wahlweise in Aluminium Natur, in schwarz eloxierter oder weiß lackierter Form.  Das hochsolide Lochgitter vorn ist in schwarzer oder silberner Ausführung erhältlich. Wir haben die typische Piega-Farbgebung gewählt, Alu Natur – 4.000 EUR kostet die Coax 30.2 in dieser Version pro Stück.

Piega-typische Technik finden sich in Form des Koaxial-Bändchen-Systems, das nach dem Prinzip der Punktschallquelle arbeitet und somit eine absolut zeitgleiche Wahrnehmung des Mittel- und Hochtonbereiches ermöglicht. Bestückt ist der Lautsprecher mit zwei 15 cm MOM-Bässen und einem C2 Koaxial-Bändchen.

Anschlussterminals

Oberseite

Verarbeitung im Detail

Standfuß

Natürlich ist ein sehr hochwertiges Bi-Wiring-Terminal auf der Rückseite. Satte 29 kg wiegt die Coax 30.2, und ist 112 cm hoch, lediglich 19 mm breit und 22 cm tief. Durch diese Abmessungen und die Säulen-artige Optik ist der Schweizer Elite-Schallwandler voll wohnraumkompatibel. Der Woman Acceptance Factor liegt ebenfalls hoch – also Piega kaufen, um Eheprobleme zu vermeiden, gleichzeitig aber hochwertigen Klang zu genießen, könnte man fast salopp sagen.

Natürlich präsentiert sich der Schallwandler mit opulentem Alu-Einsatz und handwerklich hochwertiger Verarbeitung sehr gediegen. So nimmt die Coax 30.2 auch bei sehr ambitionierten Einrichtungs-Liebhabern eine Sonderstellung ein, da sich die Schweizer Klangsäule hervorragend in edle Wohnlandschaften integriert. Details wie das solide, langzeitstabile Lochgitter vor den Chassis zeigen, dass man gründlich übers Gesamtkonzept nachgedacht hat. Die Bassreflexöffnung vorn ist natürlich sauber geschliffen und weist eine schlitzförmige Form auf. Der stabile, massiv gefertigte Standfuß sorgt unter allen Bedingungen für ausgezeichneten Halt.

Testequipment
Klang

Der Schweizer an sich ist ein Präzisionsfanatiker – so sagt es zumindest der Ruf. Uhren und Kaffeevollautomaten gelten als legendär hochwertig, wenn sie von Schweizer Herstellern kommen – um zwei Beispiele zu nennen. Auch den Begriff „Schönheit“ kann man durchaus mit dem Alpenland verbinden: Wunderschöne Berglandschaften, liebens- und lebenswerte Städte, die durch die Schweizer Neutralität bei internationalen kriegerischen Auseinandersetzungen stets unberührt geblieben sind. All dies findet sich auch im Klang der Coax 30.2 wieder: Hoch präzise im Aufsammeln kleiner Details, gleichzeitig aber auch schlichtweg schön durch Samtigkeit, Brillanz und Klangkultur – ohne zu übertreiben kann man feststellen, dass selbst weniger versierte Hörer merken, es hier mit einem unter finanziellen Aspekten teuren Lautsprecher zu tun zu haben.

Interessanterweise ist es gleichgültig, welche Art von Musik gerade gehört wird: Vom Aprés Ski-Hit bis zur HiRes-Klassik-Aufnahme mit 96 kHz oder 192 kHz liefern die Piega Coax 30.2 eine außergewöhnliche Leistung ab. Woran liegt dies? Zum einen sicherlich am speziellen Koaxial-Bändchenchassis für die Hochton- und Mitteltonproduktion. Durch das konsequente Verfolgen des Punktschallquellen-Prinzips empfängt den Hörer ein ungemein komplettes, gleichförmiges Klangbild, das auch unter räumlichen Aspekten begeistert und höchste Treue auch bei kleinen Impulsen offeriert.

Es gibt noch zahlreiche größere Modelle aus der Coax-Serie: Die Coax 70.2, die Coax 90.2 und die pro Stück satte 13.000 EUR kostende und recht ausladende Coax 120.2. All die Tugenden, die Piega auszeichnet, findet man aus akustischer Sicht schon in der vergleichsweise bescheidenen Coax 30.2. Die weiteren, größeren und teureren „Ausbaustufen“ liefern sicher noch mehr Pegel, noch mehr Tiefgang und in größeren Lokalitäten auch noch mehr intensiv empfundene Räumlichkeit. Baureihen-Klarheit also wie bei Automobilen – ein Beispiel hilft weiter: Coax heißt immer S-Klasse – also eine extrem hohe Grundqualität und stets hohe Souveränität. Wer dann noch mehr möchte, kann beim Stuttgarter Nobel-Automobil aus dem  Hause Mercedes zu größeren Motoren und beim Schweizer Premium-Lautsprecher zu größeren Gehäusen und Treibern greifen.

Wie kultiviert und feinsinnig die Coax 30.2 aufspielt, beweist sie uns zunächst bei „Dronning Fjellrose“ (FLAC 192 kHz) der Akustik-Jazzer des Hoff Ensemble. Hier liefert die schlanke Box eine beeindruckende Weitläufigkeit, die nie aufgeblasen oder übertrieben wirkt. In diese weitläufige, gleichzeitig präzise definierte räumliche Präsentation integriert der Lautsprecher die Stimme der Sängerin enorm facettenreich. Der vokalen Darstellung zur Seite gestellt wird eine erstklassige Aufbereitung der Instrumente – jeder „Hauch“ ist hier spür- und hörbar. Man kann sich vollkommen ins musikalische Geschehen integrieren: Alle Konturen sind exakt ausgeformt, der Hochtonbereich ist brillant – geschliffen und sensibel dosiert, wird der Hörraum akustisch ausgeleuchtet. Der perfekte Übergang in die Mitten ist auch wieder Verdienst der Koaxial-Konstruktion. Die beiden 15 cm Bässe liefern ein exzellentes Fundament, vielschichtig und präzise.

Wir haben es schon geahnt, und die Praxis gibt uns Recht: „Stop This World“ (96 kHz FLAC) von Diana Krall liegt den Coax 30.2 voll und ganz. Die Herausarbeitung der Stimme ist schon überwältigend, mindestens ebenso erstaunlich sind aber die ausgeprägten Tiefbass-Fähigkeiten: Sauber, satt und trocken kommt der tieffrequente Bereich heraus. Das Piano brilliert ebenfalls – die Anschlagdynamik arbeitet der Schweizer Schallwandler so gut heraus, dass man denkt, der Pianist würde sich gleich im selben Raum befinden, man sieht förmlich, wie er versiert in die Tasten greift, gerade beim Solo.

Klassik liegt den Coax 30.2 natürlich auch – unser „Redaktions-Lieblings-Allegro“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr. 4 füllt mit enormer Feindynamik unseren Hörraum. Die Violine tritt in den Solo-Parts filigran, mit Verve und ausgewogen-kultivierter Auslegung auf. Nie zu harsch oder zu aggressiv, trifft die Coax 30.2 genau den richtigen Ton – im wahrsten Wortsinne. Das Verknüpfen feiner Strukturen gelingt dem Schallwandler fließend, und die Räumlichkeit verblüfft uns auch hier aufs Neue. Der Bass ist als solides, präzises Fundament gerade bei den Orchestereinsätzen stets vorhanden, er agiert höchst souverän auch bei stark gehobenem Pegel, ohne je das musikalische Geschehen auf plumpe Art und Weise zu dominieren.

Relaxed und doch lebendig – Nils Landgrens „funkige“ Interpretationen von großen Abba-Hits hört man gern. In 96 kHz FLAC vorliegend, haben wir uns diesmal seine spezielle Version von „Super Trouper“ angehört. Wie gleichmäßig sich der Bass im Hörraum ausbreitet, ist wahrhaftig erstaunlich. Schließlich handelt es sich bei der Coax 30.2 doch eher um einen schmalen und nicht allzu voluminösen Schallwandler. Die Stimme löst sich ausgezeichnet von den Lautsprecherchassis, die Coax 30.2 schafft es, eine durch und durch realistische Bühne vor dem Zuhörer aufzubauen. Gern kann es auch lautstark zugehen – durch die hohe Pegelfestigkeit eignet sich die Piega auch für die Zusammenarbeit mit sehr leistungsstarken Verstärkern. Durch den überzeugenden Wirkungsgrad kann sich die Coax 30.2 aber auch mit schwächeren Amps anfreunden, was für den Liebhaber höchster Klangtreue Vorteile hat: So zeigt sich der Schweizer Lautsprecher dann auch Class A-Verstärkern gegenüber aufgeschlossen bzw. kann bei Verstärkern, die wahlweise im Class A- oder Class AB Betrieb verwendet werden können (z.B. von Advance Acoustic), schon im Class A-Betrieb anständige Pegel realisieren. Sensibel und gekonnt wird „Summer Night City“ in der Landgren-Adaption wiedergegeben: Nach dem Intro erfolgt dann aber ein deutlicher Dynamiksprung und man befindet sich inmitten lebendiger Beats. Die Piega agiert wiederum mit exzellenter Impulstreue und bildet die akustischen Ereignisse sehr gradlinig und ungefiltert ab. Sie öffnet, bildlich gesprochen, den direkten Zugang zur Musik, und dies so kultiviert und gelassen, dass man denken könnte, es gäbe nichts einfacheres.

Mit bassstarker Trance-Musik weiß die Coax 30 auch jede Menge anzufangen. Wenn man denkt, die Wiedergabe bei „Aurora“ von DJ Klubbingman&Savon wäre von einer gewissen Unsicherheit derartigen Musikstilen gegenüber geprägt, hat sich getäuscht: Hart, satt, präzise – so lauten die Attribute, die man der Kickbasswiedergabe der Piega-Box zuschreiben kann. Alle Arten von elektronischen Effekten der Aufnahme in CD-Qualität kommen hervorragend heraus und verteilen sich lebendig im Hörraum. Pegel-Grenzen gerade im Hörraum bis 25 Quadratmeter liegen enorm hoch – man kann durchaus in Regionen vordringen, die im täglichen Praxisbetrieb eher selten vorkommen dürften. Der Klang bleibt stehts homogen und angenehm, ihrer clever ausbalancierten Auslegung bleibt die Coax 30.2 auch bei diesem Track voll und ganz treu.

Was setzt die Konkurrenz diesem Schweizer Musterbeispiel für Klangkultur und Dynamik entgegen? Besonders viel „Gegenwehr“ kommt aus Deutschland, präzise gesagt aus Hannover. Die Aurum Vulkan VIII R mit dem großen Bändchenhochtöner der Titan VIII besticht mit nochmals etwas mehr Tiefgang (nicht verwunderlich – die Vulkan kann auch auf ein größeres Gehäuse zurückgreifen) und eine unglaubliche Räumlichkeit, die wir in diesen Preisklassen sonst kaum kennen. Die räumlich ebenfalls schon sehr gute Coax 30.2 setzt mit nochmals höhere Impulstreue bei kleinsten Impulsen und noch mehr Härte und Trockenheit im Bass dagegen. Zwei Meisterstücke bekämpfen sich auf so hohem Niveau, dass die Auswahl des Favoriten auf das Thema „Geschmackssache“ hinausläuft. Es gibt es bei Aurum übrigens optional jede Menge RAL-Farben, in denen der Wunsch-Schallwandler lackiert werden kann.

Drittes Meisterwerk dieser Preisliga ist die Dali Epicon 6. Ihre leichte akustische Wärme, der unnachahmlich harmonische Klang, der irgendwie auch zum Charakter Dänemarks passt – gemütlich, gelassen, harmonisch, gleichzeitig aber bei Bedarf auch höchst energisch und dynamisch – nimmt für sich ein. Die Epicon, pro Stück 500 EUR teurer als die Coax 30.2,  hat ebenso wie Vulkan und Coax ihren eigenen Charakter, vielschichtig und faszinierend. Sie ist das „Musikinstrument“ unter den dreien. Technische Elite, die zeigt, dass Präzision höchst mitreißend sein kann, verkörpert die Coax.30. Germanische Gründlichkeit mit der Fähigkeit, es jedem Recht zu machen, zeichnet die Vulkan aus. Dänische „Herzlichkeit“ und feine Musikkultur mit spezieller, angenehmer Note repräsentiert die Epicon.

Fazit

Wozu mehr ausgeben? Sicher wird man das bei Piega nicht so gern hören, denn schließlich finden sich noch sehr deutlich teurere Lautsprecher im Firmen-Portfolio der Schweizer Perfektionisten. Aber die Coax 30.2 verkörpert zum absolut vertretbaren Preis all das, was Piega im Kern so außergewöhnlich macht und trägt beste Gene in sich: Das extrem hochwertige Aluminium-Gehäuse, den Koax-Bändchen-Mittel-/Hochtöner und die beiden überdurchschnittlich leistungsfähigen Langhub-Basschassis. Beispielhafte Impulstreue, authentische Räumlichkeit, feinste Detaillierung, gleichzeitig aber enorm nachdrückliches Zupacken, wenn gewünscht: Die Piega holt die akustische Realität ins Haus. Der Zuhörer freut sich über extreme Souveränität und den hochwertigen Klang bei praktisch jedem Musikstil.

„Swiss made“ at it’s best: Die Piega Coax 30.2 verkörpert mit höchster Impulstreue, enormen Reserven und beispielhafter Hochwertigkeit die Grundprinzipien von Piegas Unternehmenskultur
Standlautsprecher Luxusklasse
Test 31. Oktober 2013

+ Extrem gute Feindynamik
+ Sensible, gleichmäßige räumliche Ausbreitung
+ Souveräne Pegelfestigkeit
+ Enorm präziser Bassbereich mit tollem Tiefgang
+ Beste Impulstreue dank Koax-Chassis und schnellen Bass-Chassis
+ Guter Wirkungsgrad
+ Erstklassige Materialqualität

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 31. Oktober 2013




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