TEST: Mission 5.0 LS-Set MX-300 HCP

Das Produkt

Für 800 EUR bekommt man beim Mission – manchem Lautsprecher-Experten durchaus bekannt – mit dem MX-300 HCP 5.0-Set ein Mehrkanal-Ensemble mit zwei großen Standlautsprechern, recht kompaktem Center und zwei ebenfalls kompakten Regallautsprechern. Ähnlich wie bei den von uns als ausgesprochen überzeugend bewerteten Jamo HCS-Paketen gibt es keinen separaten aktiven Subwoofer.

Zwei Standlautsprecher, die recht schmal, aber im Gegenzug relativ tief sind, sollen druckvollen Bass garantieren


Standfuß im interessanten Design


Tieftöner


Bassreflexöffnung hinten

Im Paket enthalten ist zunächst der MX-300T Standlautsprecher, eine 3-Wege-Bassreflexkonstruktion mit 210 mm Basstreiber, 2 x 165 mm Mitteltönern und 25 mm Hochtöner. Der Frequenzgang reicht von 40 Hz bis 20 kHz, die Empfindlichkeit (2,83 V/1m) liegt bei 90 dB. Das Innenvolumen des Gehäuses beträgt 46 Liter, die Lautsprecher weisen eine Nominalimpedanz von 8 Ohm auf und wiegen pro Stück 21 kg. Sie sind 910 mm hoch, 172 mm breit und 330 mm tief. Die MX-300T ist für Verstärkerleistungen zwischen 25 und 200 Watt ausgelegt.


Center von vorn


Center von hinten


Center – Frequenzweiche

Bassreflexöffnung

Anschlussterminals beim Center, solide eingepasst

Als Center kommt der MX-300C zum Einsatz. Er verfügt über 2 x 100 mm Tieftmitteltöner und einen 25 mm Hochtöner. Der Lautsprecher ist magnetisch geschirmt, obwohl dies heute nicht mehr von großer Relevanz ist. Zu Zeiten des guten alten Röhrenfernsehers war dies hingegen wichtig. Der Center bildet Frequenzen zwischen 75 Hz und 20 kHz ab und weist ebenfalls 8 Ohm Nominalimpedanz auf. Der Center ist für Verstärkerleistungen zwischen 25 und 100 Watt ausgelegt und ist eine Bassreflexkonstruktion. Er wiegt 5,6 kg und ist 146 mm hoch, 420 mm breit und 330 mm tief. Seine Empfindlichkeit: 87 dB (2,83 V / 1m).

Regallautsprecher für den Surroundbereich

100 mm Tief-/Mitteltöner der Regallautsprecher

Hochtöner

Rückseite mit Bassreflexöffung und Anschlussterminal


Frequenzweiche

Für die Surroundbeschallung sind zwei MX-300S im Paket enthalten. Der kompakte Regallautsprecher wiegt 3,6 kg pro Stück und ist 240 mm hoch, 146 mm breit und 210 mm tief. Nominalimpedanz sind auch hier 8 Ohm. Der Frequenzgang reicht von 75 Hz bis 20 kHz, Verstärkerleistungen von 25 bis 100 Watt werden als passend empfohlen.  Ein 100 mm Tief-/Mitteltöner und ein 25 mm Hochtöner stellen die Bestückung dar. An Farbvarianten stehen Schwarz, Kitsche, Rosenholz oder Walnuss (alles foliert) zur Auswahl.

Optisch sehen alle Mission Lautsprecher zunächst gut aus, das spezielle Design des Abdeckgitters vorn sorgt bei allen Lautsprechern für Unverwechselbarkeit. Gut gefällt uns auch der Standfuß der Frontlautsprecher. Kritik müssen wir im Detail für die Folierung anbringen, die gerade an den Lautsprecherecken hinten qualitativ noch besser sein müsste. Die Chassis sind fest und solide eingebaut. Mission verspricht eine hochwertige Innenverkabelung, die Standlautsprecher haben Bi-Wiring-Terminals zum Anschluss des Lautsprecherkabels oder der Bananenstecker. Alle LS verfügen selbstverständlich über Schraubanschlüsse.

Testequipment
Klang

Der Lautsprecher-Markt ist voll mit Marken, Alternativen, Konstruktionsvorschlägen – und angeblich jeder Hersteller möchte ausschließlich natürlichen und authentischen Klang als Hauptintention verkaufen. Dass dies in günstigen Preisklassen schlichtweg nicht geht, ist nur eine Seite der Medaille. Zum zweiten nämlich drückt schon jeder Hersteller – und firmenintern jeder Entwickler – den jeweiligen Lautsprechern einen individuellen Stempel auf, so dass es beileibe nicht so ist, dass jede Box nahezu identisch klingt. Die Frage stellt sich nur stets: Da es so viele Anbieter gibt, wie sollen oder können sich gerade kleinere oder weniger bekannte Anbieter profilieren? Keine finanziellen Möglichkeiten für große Werbemaßnahmen, nicht bei vielen Händlern prominent vertreten – eine schwierige Situation. Überdies ist es bei beschränktem Etat nicht ohne Weiteres möglich, eine raffinierte, gleichzeitig voll markttaugliche akustische Auslegung zu fokussieren. Keine glänzenden Vorzeichen für den Test des Mission-Ensembles – aber: Töne sagen mehr als 1000 Worte, oder auch: Grau ist alle Theorie: Denn gleich in der ersten Testreihe hat uns das Mission MX-Set enorm überrascht und zwar positiv.

Wir haben die 2L Blu-ray-Audio „The Nordic Sound“ (Sampler) eingelegt und uns das erste Allegro von Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr. 4, KV 218, in DTS HD Master Audio 5.1 angehört. Und hier hätten wir nie gedacht, dass ein 800 EUR-Sparensemble eines mittlerweile nicht mehr allzu bekannten Lautsprecherherstellers eine so gute Grob- und vor allem Feindynamik aufbieten kann. Warnung an die Direktvertreiber: Für wenig Geld kann auch Mission sehr gute Lautsprecher bauen. Zwar, wie oben beschrieben, hapert es etwas mit der Güte der Gehäuse-Folierung, aber was drin steckt, muss sich vor nichts und niemandem verstecken: Gerade Klassikliebhaber, die nur geringe finanzielle Ressourcen haben, können hier zugreifen. Wie gut orchestrale Einsätze oder auch die Violinensoli herauskommen – hier hört man nicht nur gerne zu, sondern kann auch genauer hinhören. Klassik für 800 EUR in dieser Güte – wir sind verdutzt. Und auch bei der Sonate für 2 Klaviere in D-Dur, ebenfalls aus der Feder von Wolfgang Amadeus, liefert das Mission-Set eine reife Leistung ab. In Ansätzen wird sogar die Anschlagdynamik beim virtuosen Spiel der Tasten herausgestellt – andere Boxensets, selbst teurerer Natur, sind hierzu nicht in der Lage. Bestenfalls einen angenehmen Klang mit gewisser Dynamik kann erwartet werden  – so war bislang unser Eindruck. Plötzlich aber kommen hier Feindynamik, Verve und eine Klarheit dazu, die erstaunlich ist. dadurch wirkt das Ergebnis ungefiltert, lebendig, strahlt Frische und Natürlichkeit aus.

Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, dass der anspruchsvolle und sehr erfahrene Musikliebhaber mehr erwartet. Aber dies lässt sich für 800 EUR bestimmt nicht realisieren. Gerade bei der Detaillierung kleiner Übergänge, den Geschehnissen in hinteren Reihen des Orchesters oder an absoluter räumlicher Tiefe geht selbstverständlich mehr.

Wenden wir uns „Romanza“ von Andrea Bocelli zu (PCM 2.0) und hören uns an, was die beiden MX-300 Tower vorn im Stereobetrieb leisten. Hier ist eine gute Loslösung der Stimme Andreas herauszuhören, wenngleich dies natürlich noch freier und noch homogener gehen kann, wie wir von teureren Stereolautsprechern der 600 bis 700 EUR Liga (Stückpreis) wissen. Doch dann reden wir auch über ein anderes Preisgefüge und sind schon bei einem 2.0 Set über dem Preis des gesamten Mission 5.0-Pakets. Die Stimme Andreas wird prima herausgearbeitet, auch die instrumentalen Elemente kommen gut heraus, hier zu nennen wäre z.B. die Violine. Der Bass ist tadellos, vor allem der Tiefgang überrascht – und die saubere Arbeit. Nie überdeckt der Bass durch ungerechtfertigte Massivität andere Anteile, gleichzeitig aber ist tieffrequente Ausdruckskraft genau dann vorhanden, wenn man sie braucht. Grob- und Feindynamik im Gesamten befinden sich auch hier auf richtig gutem Level.

Gute Leistungen notieren wir auch beim „Alten Karmuffel“ des deutschen Star-Electronic-DJs Paul Kalkbrenner (DTS-HD Master Audio). Nun wieder im Mehrkanalbetrieb angekommen, erfreut uns das MX-300-Set mit solidem Effektaufbau und präzisem Bass. Ganz unten fehlt es etwas an Fundament, hier hilft ein externer aktiver Subwoofer ab, der im Sinne exzellentem Tiefgangs aber  nicht zu klein dimensioniert sein sollte – mit kleinen „Aktivisten“ für den tieffrequenten Bereich nehmen es die kräftigen Mission-Boxen locker auf. Pegelfest sind sie überdies, man kann durchaus einen AV-Receiver wie unseren Denon AVR-X4000 zum Set kombinieren – auch wenn dies in der Praxis aufgrund der unterschiedlichen Preisklassen kaum jemand tun dürfte. Eher der ausgewogene, lebendig klingende Denon AVR-X1000 bietet sich hier an.  Insgesamt also auch tadellose Performance bei Paul Kalkbrenner – bei Mozart und Bocelli war das Leistungsprofil aber nochmals höher und abgehoben vom Durchschnitt. Klassische Musik scheint dem Ensemble wider allen Erwartungen demnach besonders zu liegen.

Eignet sich das Mission-„Team“ auch für die nachdrückliche Filmtonwiedergabe? Wir haben uns „Stirb Langsam 4.0“ in DTS-HD Master Audio angehört. Uns gefiel sogar gleich am Anfang, wie druckvoll die typische 20th Century Fox-Musik zum Logo abgespielt wurde. Aber nun geht es los, bedrohliche Musik, kurzer Dialog, Tippen auf der PC-Tastatur – all dies verdichtet sich zu einem Spannungsbogen, der aufzeigt: Das ist erst der Anfang. Das MX-300-Set verblasst hier nicht, sondern liefert eine lebendige, glaubwürdige Stimmwiedergabe. Szenenwechsel – wildes PC-Gaming bei einem bekannten Hacker zu Hause. Plötzlich, nach einem Tastendruck, eine massive Explosion – und hier liefern die Mission-Boxen wiederum eine löbliche Leistung ab. Auch wenn es natürlich tief unten im Frequenzkeller an Ausdruckskraft fehlt, so ist die gesamte Explosion kraftvoll und gut durchstrukturiert.

Auch der im folgenden Kapitel thematisierte Shutdown kommt akustisch auch mit guter Wirkung auf den kleinen Surroundschallwandlern heraus. Stimmen klingen natürlich, an der Kontur im Detail gibt es nichts auszusetzen. Einige Kapitel weiter nehmen Gabriels Killer Matthew Farrell ins Visier. Doch der Ex-Hacker hat gerade Besuch – McLane möchte den kleinen Ganoven mitnehmen, als die Killer erbarmungslos das Feuer mit ihren Automatikwaffen eröffnen. Die Schüsse fetzen durch den Raum, die flüsternde Stimme des Cops wird authentisch dargestellt. Etwas verlieren kleine Effekte an Auflösung, große Effekte wie die Explosion des Feuerlöschers kommen sehr gut heraus. Frisch und lebendig ist die Wiedergabe, die Raumwirkung ist prima. Gerade für Hörräume zwischen 15 und rund 25 Quadratmeter eignet sich das MX-300-Heimkinopaket ausgezeichnet. Die Pegelfestigkeit überzeugt auch bei der Filmtonwiedergabe, der Wirkungsgrad ist ordentlich, wenn auch nicht sensationell.

Konkurrenzvergleich:

Das Jamo S 526 HCS bietet im Bassbereich noch etwas mehr Fülle und bringt noch etwas mehr akustische Harmonie ins Spiel. Dafür liefern die Mission-Boxen die noch etwas überzeugendere Feindynamik ab. Verarbeitet ist das Jamo-Ensemble besser, dafür kostet das MX-300 Set nochmals 100 EUR weniger.

Das kleine Dali Fazon-Set wendet sich an Anwender, die weniger Platz zur Verfügung haben, aber auf sehr guten Sound nicht verzichten wollen. Mit exzellenter Verarbeitung und edler Materialqualität rechtfertigt das Set den um ca. 200 EUR höheren Kaufpreis. Im Bassbereich liefert der kleine Dali-Sub eine gute Leistung, allerdings ist er nicht ganz so pegelfest wie die beiden Mission Standlautsprecher. Die Dali-Satelliten sind für ihre Bauart überragend und schaffen viel Klarheit und Dynamik. Bauartbedingt sind sie im Grundtonbereich einer Standbox unterlegen. Wer jedoch nicht viel Platz hat und/oder repräsentative, edle und wohlklingende kleine Lautsprecher sucht, ist hier optimal aufgehoben. Das Mission-Set verfolgt hingegen die „Mission“, viel Klang und Lautsprecher für wenig Geld zu bieten. Da muss man dann schon bereit sein, beim Finish etwas Abstriche zu machen.

Fazit

Die Verarbeitung ist lediglich durchschnittlich und weist im Detail Mängel auf – akustisch aber zieht das Mission MX-300-Set beinahe alle Register. Besonders, wie kultiviert und glaubwürdig klassische Musik dargestellt wird, überrascht auf der ganzen Linie. Grob- und Feindynamik liegen über Klassenniveau. Aber auch im Filmtonbetrieb kann man sehr zufrieden sein. Pegelfestigkeit und Dynamik sorgen auch hier für den Eindruck, dass man zum schmalen Kaufpreis viel Gegenwert geboten bekommt.

Toller Sound, hohe Pegelfestigkeit und flexible Einsatzmöglichkeiten zum kleinen Kurs 

Merhrkanal-Lautsprechersysteme bis 800 EUR
Test 14. Oktober 2013

+ Preislich sehr günstig
+ Überraschend gute Feindynamik
+ Basskraft auch für Filmtonbetrieb als sehr gut zu bezeichnen
+ Pegelfest
+ Tadellose Räumlichkeit

– Folierung nicht perfekt

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 14. Oktober 2013




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