TEST: Magnat Hybrid-Vollverstärker MA 600 – Edle Verarbeitung und tolle Ausstattung für 600 EUR

Magnat MA600 Front Seitlich2

Für 600 EUR offeriert Magnat den MA 600 Stereo-Vollverstärker, eine Kombination aus Röhren-Vorstufe für warmen, angenehmen Klang und Transistoren-Endstufe für großzügige Kraftreserven. Der Röhrenverstärker, so verspricht der Hersteller, ist extrem rauscharm. Ausgestattet ist er mit einer ECC 88 Röhre, die vorselektiert ist und in 60 Betriebsstunden bereits eingebrannt wurde. Durch besonders hochwertige Röhrensockel wird eine hohe Signalstabilität gewährleistet. Über die digitalen Eingänge – optisch, koaxial sowie USB – werden bis zu 192 kHz/24-Bit unterstützt. Verbaut sind präzise arbeitende TI/Burr Brown D/A-Wandler. Nativ arbeitet der USB-DAC tatsächlich, wir haben es nachgeprüft, mit 192 kHz/24-Bit. Das ist top für diese Preisklasse! Bluetooth 4.0 inklusive apt-X gehört auch zur sehr reichhaltigen, modernen Ausstattung des formschönen, schlichten Gerätes. Die gebürstete 5 mm starke Aluminiumfront unterstreicht, eine hochwertige Komponente erstanden zu haben.

Magnat MA600 Bedienelemente Front1

Hervorragende Verarbeitung, sehr gute Materialqualität. exakt eingepasste Kopfhörer-Buchse

Magnat MA600 Roehre

Röhre für die Vorstufe hinter Fenster

Magnat MA600 Verarbeitung

Vollmetallgehäuse und geringe Spaltmaße

Magnat MA600 Bedienelemente Front3

On-/Stanbdy-Knopf. Extra Netzteil für geringen Standby-Stromverbrauch

Magnat MA600 Bedienelemente Front2

 Display und 3,5 mm Line-In auf der Front

Auch die Bedienelemente passen zu diesem Anspruch, sie bestehen ebenfalls aus edlem Metall. Eine Phonovorstufe mit einem MM-Eingang kennzeichnet den MA 600 ebenfalls. Somit sind auch Traditionalisten mit diesem Hybrid-Vollverstärker sehr gut bedient. Das Gehäuse ist komplett aus Vollmetall, im Inneren findet sich pro Kanal ein leistungsfähiger Leistungsverstärker-Chip.

Magnat MA600 Innenleben Gesamt

Für 600 EUR perfekter innerer Aufbau

Magnat MA600 Innenleben1

Sauberes Platinenlayout, Kühlkörper aus extrudiertem, schwarzem Aluminium

Magnat MA600 Innenleben2

Ringkern-Transformator, allerdings ohne eigenes Gehäuse für perfekte Kapselung

Magnat MA600 Innenleben3

Elkos

Magnat MA600 Innenleben4

 Im Detail

 70 Watt Sinus an 4 Ohm werden realisiert, für die Preisklasse geht das völlig in Ordnung. Außerdem ist Papier bekanntermaßen geduldig, erst die Testreihen fördern zu Tage, was an Pegelfreude wirklich vorhanden ist. Das Netzteil, so verspricht Magnat, ist großzügig dimensioniert, separat stabilisierte Spannungen für die einzelnen Schaltkreise und der große Ringkern-Trafo sorgen hier für stabile Stromzufuhr. Sieb-Elkos mit großer Kapazität fangen kurzzeitige Stromspitzen souverän ab. Für den Standby-Betrieb installiert Magnat im Sinne eines geringen Standby-Stromverbrauchs ein eigenes Netzteil. 

Magnat MA600 Fernbedienung

 Fernbedienung

Mitgeliefert wird eine Fernbedienung, zudem ist ein gut ablesbares Display in den MA 600 integriert. Die Remote erfreut uns nicht besonders, sie ist durchschnittlich bezüglich der Materialqualität und wurde vermutlich irgendwo günstig in Fernost produziert. Wenigstens heben sich die grauen, allerdings alle gleich großen Bedienelemente auf der Fernbedienung gut vom schwarzen Gehäuse ab. 

Wie sieht es mit der Anschlussbestückung aus? Schon weiter oben gingen wir auf die verschiedenen digitalen Anschlussformen und die Phono-Buchse ein. 

Magnat MA600 Rueckseite Seitlich1

Sehr gut verarbeitete Rückseite

Magnat MA600 Anschluesse Rueckseite2

Hochwertige Lautsprecherkabel-Anschlussbuchsen, aber nur für ein Paar Lautsprecher

Magnat MA600 Anschluesse Rueckseite1

 Vergoldete Cinchbuchsen 

Bezüglich der Anschlüsse finden wir ein gutes Angebot vor, es kommen noch Cinch-Anschlüsse für CD, Tuner, Aux und Tape (in und out) hinzu. Für den Anschluss der Lautsprecher stehen sehr hochwertige Terminals zur Verfügung, allerdings können keine zwei Paar Lautsprecher (A/B), sondern nur eines Anschluss finden. 

Klang

Bevor es losgeht, durchläuft der Hybrid-Vollverstärker erst eine 15 Sekunden dauernde „warmm Up“ Phase, bis er bereit zur Wiedergabe ist. Wir starten mit Diana Kralls „I Can’t Tell You Why“ vom Album „Wallflower Deluxe“ (Flac 48 kHz/24-Bit). Und die angenehme Wärme der Röhre ist von der ersten Sekunde an herauszuhören. Gerade bei dieser Art von Musik ist der Klang, den der MA 600 offeriert, überaus angenehm, rund und voll. Wir verwenden – sorry, Magnat, aber wir wollten nur beweisen, dass der MA 600 auch an qualitativ hochwertigen Boxen anderer Hersteller sehr gut klingt – die nagelneue Nubert nuVero 70 als Lautsprecher. Und diese Kombination passt sehr gut, die detailreich aufspielenden Nubert-Lautsprecher harmonieren sehr gut mit dem MA 600. Der Bass, sehr kräftig und gut im Timing, kann von den nuVero 70 ebenfalls sehr gut umgesetzt werden.  Hervor sticht auch die tadellose Herausarbeitung der Stimme Dianas, sie wirkt sehr authentisch und ist prima strukturiert.

„Sorry Seems To Be The Hardest Word“ stammt in der von uns hier gehörten Version ebenfalls vom „Wallflower Deluxe“ Album von Diana Krall. Und auch hier macht uns der MA 600 viel Freude. Harmonisch, mit räumlich tiefer Abbildung, agiert der Hybrid-Vollverstärker. Man kann ihm auch über lange Zeit problemlos zuhören, er wird nie unangenehm. Gerade bei Pegeln etwas über Zimmerlautstärke besticht er durch sein akustisches „Wohlfühl-Aroma“ und ist für Wohnzimmer bis gut 25 Quadratmeter ein sehr harmonischer, feinsinniger Begleiter. 

In 96 kHz/24-Bit liegt „Diamante“ von Sandra & Tony Alessi vor. Italienische Romantik trifft auf Pulheimer Wiedergabe-Finesse, so könnte man das Ergebnis in einem Satz beschreiben. Nicht der schnellste ist der MA 600, aber einer der angenehmsten Vollverstärker, die wir seit langem gehört haben. Nie wird die Wiedergabe blechern, schrill oder aggressiv – immer arbeitet der Verstärker die Stimmen gekonnt und angenehm heraus. Die Instrumente werden mit sehr guter Auflösung dargestellt. 

Da hören wir uns Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr.4 in D-Dur, KV 218, erstes Allegro, ebenfalls richtig gern an. Der Satz liegt in Flac 96/24 vor und beweist uns nachhaltig, dass gerade für Klassik-Liebhaber einen Röhre in der Vorstufensektion ordentliche Vorzüge mit sich bringen kann. Zwar könnten die Streicher in den Soli noch mehr Strahlkraft mitbringen, aber die orchestrale Gesamtharmonie liegt enorm hoch. Auch der Aufbau des Satzes wird im wesentlichen akustisch sauber beschrieben. Ausgezeichnet ist es um die Räumlichkeit bestellt. Man hat einen authentischen virtuellen Raum, der in Weite und Tiefe überzeugen kann. Die Staffelung innerhalb des Orchesters ist auch korrekt. Für die Preisklasse eine überragende Leistung, ohne Frage. 

Auch Johann Sebastian Bach hat weltberühmte Violinenkonzerte komponiert, so das erste, Bachwerkeverzeichnis 1041. Wir hören auch in diesem Falle den ersten Satz, ein Allegro. Kleinere dynamische Differenzen stellt der MA 600 ausgezeichnet heraus, größere Dynamiksprünge werde gut erfasst, hier könnte die Schnelligkeit aber noch höher liegen. exakt diese akustische Beobachtung haben wir an anderer Stelle auch schon gemacht. Der Aufbau des Orchesters ist aber ein weiteres Mal sehr gut gelungen, und auch die realistische Räumlichkeit ist eine Spezialität des MA 600. Genau in dieser Disziplin, ebenso wie hinsichtlich der hohen akustischen Gesamtharmonie, überzeugt uns Magnats Beitrag ganz besonders. 

„Basil“ von Mark Knopfler in Flac 192 kHz/24-Bit kommt mit feiner Detaillierung gleich von Anfang an zum Ausdruck. Die Stimme Marks löst sich sehr schön von den Lautsprechern, der Klang ist leicht warm und somit typisch für eine Röhre in der Vorstufe. Der Aufbau des melancholischen Stücks gelingt dem MA 600 glaubwürdig, die akustische Gitarre kommt mit klar definierten Konturen heraus. Der Basseinsatz erfolgt schön rund, kraftvoll und mit guter Staffelung. Für HiRes-Audio ist der Magnat MA 600 wohl eine der günstigsten Alternativen, die die Vorzüge hochauflösender Dateien schon ordentlich herausstellen kann. 

Das wird auch bei „Mighty Man“, wiederum in 192 kHz/24-Bit und wiederum von Mark Knopfler, deutlich. Der teils filigrane, musikalisch interessante Anfang wird detailreich und mit überraschend hoher Gesamtauflösung erfasst. Wiederum profitiert das Klangbild von der echten Räumlichkeit und dem warmen Einschlag. Keine anstrengende, analytisch-schmale Akustik, sondern ein echtes „Hineinfallen“ in die Musik wird hier fokussiert. Man fühlt sich schlichtweg wohl, wenn der MA 600 die Musikwiedergabe übernimmt. Aber auch nüchtern betrachtet gibt er eine sehr gute Figur ab. Präzise und klar geht er seiner Arbeit nach, er „verbiegt“ nichts. Der leicht warme Einschlag greift unserer Meinung keinesfalls zu stark interpretatorisch ein, sondern passt genau für lang anhaltende Hörfreude. 

Nun spielen wir über Bluetooth zu – die Verbindung ist in 30 Sekunden hergestellt und extrem stabil – und starten hier mit „Love In Portofino“ von Andrea Bocelli. Der leicht warme, angenehme Klang ist auch hier sofort  herauszuhören. Andreas Stimme ist charismatisch, und zugleich sauber von den Instrumenten getrennt. Der Bass strahlt Gelassenheit aus, ist aber trotzdem nicht einfach voluminös und rund, sondern auch ziemlich präzise. Die Streicher werden prima wiedergegeben, erneut stellen wir das völlige Fehlen jedes aggressiven Elements in der Akustik fest. 

Ganz anderes geartet ist „Over The Limit“ von Calippo & Fort Arkansas von der aktuellen Kontor 2015.03. Der Club-Track mit sattem Bass wird hervorragend vom MA 600 wiedergegeben. Er trifft den Bass sehr gut und bietet ein tolles Volumen sowie einen sehr guten Tiefgang. Die elektronischen Effekte kommen vielschichtig zum Ausdruck, Rhythmus-Wechsel erfasst die MA 600 stets und vermittelt einen sicheren, kultivierten, aber doch nachdrücklichen Eindruck. „Dance with Me“ von Felix Jaehn feat. Thalie Ann Seeyen im Remix von Calvo kommt ebenfalls gelungen heraus. Präzise und räumlich dicht – nur an maximal möglichem Nachdruck fehlt es etwas. Da greift der MA 600 stellenweise zu zaghaft an. Aber besser so, als mit überbordenem Einsatz und dafür einem nicht ausgewogenen Klangbild. Der MA 600 geht mit angenehm rundem Klang auch hier seinen Weg. 

Konkurrenzvergleich

Yamaha A-S701: Den 649 EUR kostenden Yamaha vergleichen zunächst mit dem MA 600. Er ist sehr kraftvoll, grobdynamisch besser und packt bei hohen Pegeln entschiedener zu als der MA 600. Allerdings klingt er nicht so harmonisch und rund, und die Ausstattung ist schlechter. Kein USB-DAC, kein Bluetooth serienmäßig (nur per Dongle optional) und ein innerer Aufbau, der nicht so hochwertig wie beim Magnat-Pendant erscheint. 

Aus dem Hause Harman/Kardon kommt ein Stereo-Receiver namens HK 3770, der gleich Netzwerkfunktionen und konventionelles Tuner-Teil mit einem Vollverstärker in einem Gehäuse kombiniert und für 499 EUR angeboten wird, eine günstige Offerte. Den Sparzwang merkt der versierte Anwender an Details im Innenleben wie dem Blechkühlkörper oder dem einfachen Trafo. Die fehlende HiRes-Unterstützung beweist dies ebenfalls. Der kräftig antretende HK kann per App gesteuert werden und verfügt auch über eine integrierte Bluetooth-Funktion. Er klingt angenehm, löst aber weniger fein auf als der MA 600, der mit seinem tollen USB-DAC für den Musikliebhaber entscheidende Vorzüge mitbringt. 

Der Marantz PM 6005 kommt auf 549 EUR (UVP) und gefällt durch seine elegante Optik. Das von der Materialwahl hochwertigere Gerät kommt allerdings von Magnat. Mit Vollmetallgehäuse und edler Alu-Front wird der Marantz hier klar in die Schranken gewiesen. Nicht ganz so klar passiert dies bei der Bewertung des Geräteinneren. Hier trumpft der PM 6005 nämlich sogar mit einer Schirmung rund um den Ringkern-Trafo auf. Dem Marantz fehlen BT und USB-DAC, dafür hat er die bessere Fernbedienung. 

Fazit

Magnat MA600 Front Seitlich2

Magnat gelingt mit dem MA 600 ein veritabler Hybrid-Vollverstärker, der mit hochwertiger Verarbeitung außen und aufwändigem Aufbau innen schon gute Voraussetzungen mitbringt. Die Ausstattung verdient ebenfalls praktisch ausnahmslos Lob. Dieses betrifft insbesondere den USB-DAC, der nativ bis zu 192 kHz/24-Bit verarbeiten kann. Dies beherrschen die USB-DACs deutlich teurere Konkurrenten zum beträchtlichen Teil noch nicht.  Der warme, runde und angenehme Klang zeichnet den Magnat MA 600 ebenfalls aus. Die Pegelfestigkeit ist gut, aber keine Domäne des MA 600, das Gleiche gilt für die Grobdynamik. Auflösung über den gesamten Frequenzbereich und Tiefgang im Bassbereich sind ausgezeichnet. Die mitgelieferte Fernbedienung wirkt wenig hochwertig. 

Hochwertiger Hybrid-Vollverstärker mit angenehm rundem Klang und moderner Ausstattung
ueberragend
Vollverstärker Mittelklasse
Test 30. Juli 2015

+ Sehr angenehmer, harmonischer Klang mit leicht warmem Einschlag
+ Authentische Räumlichkeit
+ Sehr gute Verarbeitung innen und außen
+ USB-DAC arbeitet nativ bis 192 kHz/24-Bit
+ Bluetooth 4.0 plus aptX an Bord
+ Fairer Kaufpreis

– Billig wirkende Fernbedienung
– Kein Lautsprecher A/B-Anschluss

Test: Carsten Rampacher
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 30. Juli 2015




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