TEST: KEF Space One – Schickes Designobjekt und leistungsfähiger ANC-Kopfhörer?

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Mit dem Space One hat KEF einen besonders schicken Over-Ear-Kopfhörer im Portfolio, der mit hochwertiger Materialqualität und natürlich exzellenter Musikwiedergabe bestechen möchte. Für das Design, eine Kombination aus schlichter Eleganz und moderner Linienführung, hat sich der britische HiFi-Hersteller die Spezialisten von Porsche Design ins Boot geholt. Die exklusiven Materialien sollen dabei nicht nur für einen außergewöhnlich schicken Look, sondern auch für hohen Tragekomfort sorgen. Der knapp 420 EUR teure Kopfhörer ist zwar auf reinen HiFi-Klang optimiert und will selbst musikbegeisterte Enthusiasten überzeugen, kommt aber auch mit einer aktiven Noise-Cancelling-Technologie daher. Diese soll nicht nur dem modernen Anspruch von Vielreisenden und Pendlern gerecht werden, sondern auch stets die perfekte Umgebung für den Genuß qualitativ hochwertiger Musikwiedergabe bilden.

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Transport-Case

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Kleine Tasche für den Flugzeugadapter und eine Ersatzbatterie

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Kabel und Flugzeugadapter

Der Space One kommt in einer schlichten, aber sehr exklusiv wirkenden Verpackung daher und ist in der beiliegenden Transporttasche eingebettet, die neben dem Kopfhörer auch ein Kabel sowie einen Flugzeugadapter und zwei AAA-Batterien beinhaltet. Das „Travel Case“ wirkt solide und schützt den KEF-Kopfhörer auch in beengten Gepäckverhältnissen sicher vor eventuellen Stößen.

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Space One im Case

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Hinter der linken Abdeckung verbirgt sich das Batteriefach

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Knopf für ANC und Anschluss für das Kopfhörerkabel

Auf den ersten Blick, und das ist ein Kompliment an das Design-Team, ist nicht ersichtlich, wo die AAA-Batterien eingelegt werden sollen. Zwar ist, beispielsweise bei den Bose Quiet Comfort-Kopfhörern, der Batterieschacht ebenfalls gut versteckt, aber immer noch von außen erkennbar. Beim Blick in die Bedienungsanleitung wird zwar schematisch angedeutet, wie sich der Deckel der rechten Ohrmuschel öffnen lässt, wir haben dennoch ein wenig gebraucht, bis wir den im unteren Bereich mittig liegenden Knopf erfühlt haben. Dann genügt ein leichter Druck und die Klappe öffnet sich. Eine der beiden AAA-Batterien genügt dem Space One. An der linken Ohrmuschel befindet sich, neben dem Anschluss für das Kopfhörerkabel, ein Knopf, der die aktive Geräuschunterdrückung aktiviert und deaktiviert. Sonstige Bedienelemente sind keine integriert, der reine HiFi-Kopfhörer kommt ohne Freisprecheinrichtung oder drahtlose Bluetooth-Verbindungen aus.

Der Space One ist mit einem Kabel mit einem kleinen 3,5mm Klinkenstecker ausgestattet, hier wird der Einsatzzweck im mobilen Bereich deutlich. Mit einer Impedanz von 32 Ohm ist er auch ideal dafür geeignet, wenn aufgrund der zugrunde liegenden Konstruktion und Materialauswahl enormes Potential im Hörer steckt. Ein 40mm Treiber mit 20mm Neodym-Magneten soll für eine Abdeckung des Frequenzbereiches von 20 bis 20 kHz sorgen. Der KEF Space One erhebt für sich selbst also nicht den Anspruch, High-resolution Audio-Dateien vollumfänglich zu erfassen, sondern bleibt hier bodenständig. Mit einer AAA-Batterie soll eine Wiedergabedauer mit aktivem Noise Cancelling für bis zu 50 Stunden erreicht werden.

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Größeneinstellung

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Kopfbügel

Teile des Kopfbandes, die Scharniere, Halterungen sowie die Seitenteile der Ohrmuscheln sind aus Aluminiumguss gefertigt, wirken sehr solide und zeigen sich in gebürsteter Titanbeschichtung, die auch haptisch sehr angenehm ist. In elegantem Kontrast dazu sind der Bügel und die Ohrpolster mit schweißresistentem Kunstleder in Schwarz überzogen. Die Polster sind aus Memory-Schaum gefertigt und besonders weich, auch der Kopfbügel schmiegt sich angenehm an. Trotz der soliden Materialien kommt der Space One auf ein Gesamtgewicht von 316g und ist nicht zu schwer. Haptisch überzeugt er uns absolut, die Materialübergänge sind komplett nahtlos und auch die Passgenauigkeit bei den Verschraubungen ist sehr präzise.

Klang

Der KEF Space One ist aufgrund seiner niedrigen Impedanz von 32 Ohm durchaus für den direkten Betrieb an einem Smartphone, einem Notebook, oder sonstigem mobilen Endgerät geeignet. Da die Qualität der D/A-Wandlung aber, auch wenn es Ausnahmen gibt, bei diesen Geräten häufig eher schwach ist, nutzen wir zusätzlich einen weiteren praktischen Reisebegleiter, den Apogee Groove.

Beim Aufsetzen des KEF-Hörers fällt zunächst die gute Passform auf. Sowohl Kopfband als auch Ohrmuscheln liegen satt, aber nicht unangenehm, und bündig auf. Dies sorgt bereits für eine recht solide passive Geräuschabschirmung. „Druck auf den Ohren“ gibt es nicht, allerdings kann es bei empfindlichen Hörern nach ein paar Stunden schon vorkommen, dass die Ohren warm werden. Sehr erfreulich finden wir, dass bei Zuschaltung des aktiven Noise Cancellings nur geringfügig ein Rauschen zu vernehmen ist. Wer genau hinhört, kann zwar noch eine leichte Veränderung der Geräuschkulisse erkennen, im Gegensatz zu manchem Konkurrenten ist dies hier aber sehr gut.

Wir starten unsere Klangreihen mit „Sleeping my Day away“ von D-A-D und werden dafür vom Space One mit einer sauberen Ausarbeitung der Stahlsaiten der Gitarre und knackigen Drums belohnt. Als sich die Stimme hinzu gesellt, gefällt das komplexe Klanggeschehen mit herrvoragender Durchhörbarkeit und sehr guter Differenzierung der einzelnen Instrumente. Überhaupt gefällt der KEF-Hörer mit einer sehr räumlichen und breiten Konzertbühne, die dank hoher Impulstreue und Geschwindigkeit den Zuhörer zum mitswingen einlädt. Die Vokalstimme gefällt ebenfalls mit charakteristischen Zügen und feinen Akzenten. Trotz der hohen Komplexität des Klanggeschehens werden alle Instrumente sauber erfasst, keines gerät ins Hintertreffen. Auch bei hohem Pegel bleibt der Space One absolut souverän und bedenkt den gesamten Frequenzbereich mit entsprechender Aufmerksamkeit. Der KEF-Kopfhörer ist in seiner Grundausrichtung sehr klar und arbeitet Feinheiten und Nuancen sehr sorgfältig heraus. Nüchtern analytisch klingt er aber deshalb nicht, sondern gefällt mit Musikalität und Spielfreude. Zudem wird er bei hoher Lautstärke nicht unangenehm scharf oder zu spitz, sondern schafft die schwierige Gratwanderung mit Bravour.

Höchste Geschwindigkeiten und absolute Impulstreue wollen wir dem KEF Space One heute mit einer besonders harten Gangart abverlangen und spielen einen alten Klassiker aus dem Metal-Bereich zu. „Towards Dead End“ von Children of Bodom ist extrem schnell, kommt mit knallhartem Double Bass daher und schafft es dennoch, ein melodiöses Musikstück zu bleiben. Der Space One liefert eine exzellente Vorführung ab und arbeitet trotz der immensen Spielgeschwindigkeit die charakteristischen Züge der einzelnen Instrumente gut heraus, staffelt die Bühne sauber und bietet trockenen, tiefen Bass. Besonders beeindruckend finden wir auch die gebotene Räumlichkeit, die nicht nur durch Breite und Tiefe des Raumes, sondern auch die präzise platzierten akustischen Effekte gezeichnet ist.

Grundsätzlich wollen wir anmerken, dass die Zuschaltung vom aktiven Noise Cancelling keine enorme Einwirkung auf die akustischen Qualitäten des Kopfhörers hat. Zwar wird die eben angesprochene Räumlichkeit noch etwas ausgeprägter, die Bässe voluminöser und der Sound wirkt insgesamt etwas direkter und klarer, aber auch ohne gelingt dem Space One eine hervorragende Präsentation. Wer auf trockenen Bass steht, der fühlt sich ohne ANC gar wohler. Ein Eingriff findet natürlich statt, das lässt sich schon in den technischen Daten bzgl. der Empfindlichkeit ablesen. Dennoch ist es nicht unbedingt Standard, denn häufig klingt ein Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung bei Abschaltung von ANC deutlich schwächer oder kann gar überhaupt nicht verwendet werden. Wenn auf Reisen doch einmal die Batterie leer und kein Ersatz vorhanden ist, kann man den KEF-Kopfhörer bedenkenlos weiter nutzen. Die Effektivität der Geräuschunterdrückung müssen wir ebenfalls nicht bemängeln. Typisch für derartige Systeme werden extrem störende Dinge, wie z.B. ein Dieselmotor oder das Dröhnen der Flugzeugturbinen, ausgezeichnet gefiltert. Gespräche und Durchsagen bleiben aber meist hörbar.

Mit „Salzburg“ von Worakls lassen wir elektronischen Sound erklingen und auch hier schlägt sich der Space One hervorragend. Wie bereits erwähnt, liefert der Kopfhörer, besonders mit zugeschalteter Geräuschunterdrückung, einen sehr vollen und satten Bass, der auch bezüglich seines Tiefgangs und der Nachdrücklichkeit nicht zu kritisieren ist. Ungenau oder schwammig wird er aber nicht, so dass auch Fans eines straffen und trockenen Basses. Sehr räumlich und mit hoher atmosphärischer Dichte wird der Minimal-Track wiedergegeben und lädt zum Träumen ein. Ganz ähnlich sieht es beim „Mückenschwarm“ von Oliver Koletzki aus. Weniger verträumt, dafür mit mehr Punch und Direktheit erweckt der KEF auch diesen Sound unangenstrengt zum Leben. „Unangestrengt“ ist auch ein gutes Stichwort, denn auch lange Hör-Sessions führen mit dem Space One nicht zur Ermüdung des Hörers. Verspielt und locker leicht, gleichzeitig aber präzise und klar ist der Sound des Kopfhörers. Bei den tiefen Frequenzen des Stückes wird ein enormes Volumen realisiert, das Bassfundament wird förmlich greifbar. Der Kickbass bleibt dadurch aber unbeeindruckt, auch die Struktur im Tieftonbereich ist ein weiterer Pfeil im Köcher des KEF/Porsche Design-Stückes.

Im Konkurrenzumfeld schlägt sich der Kopfhörer sehr gut, muss aber seinen doch recht hohen Preis verteidigen. Hart her geht es gegen den „Klassiker“ im Bereich Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung – der Bose QC 35 ist mit etwa 380 Euro nämlich günstiger als der KEF und bietet dafür sogar drahtloses Bluetooth-Streaming und eine Freisprecheinrichtung. Dass Bose eine sehr gute Noise Cancelling integriert hat, darüber müssen wir nicht schreiben, aber auch KEF hat hier ausgezeichnete Arbeit geleistet und bietet darüber hinaus ein schwächer ausgeprägtes Nebengeräusch, wenn keine Musik läuft. Akustisch bieten beide viel, der KEF zeigt aber höhere Flexibilität und bietet ohne Geräuschunterdrückung ein beinahe ebenso starkes Klangbild. Die Materialqualität ist höher, der Bose greift hier auf Kunststoff zurück, wo beim Space One Aluminium verbaut ist. Beide Hörer haben Vor- und Nachteile, der Bose ist hinsichtlich des Preises und der integrierten Freisprecheinrichtung sowie Bluetooth der flexiblere und für den ambitionierten Globetrotter die erste Wahl. Wer auf maximale akustische Performance, besonders elegantes Design und hohe Materialqualität Wert legt, kann auch zum Space One greifen. Ebenfalls wichtiger Konkurrent ist der Denon AH-GC20, der nochmals günstiger ist. In Schwarz und Silber ähneln sich die beiden Kopfhörer auch bezüglich ihres Designs sowie der hohen akustischen Kompetenz und dem effektiven Noise Cancelling. Auch der Denon bietet Bluetooth und kommt sogar mit einem optionalen Equalizer mit recht reichhaltigem Funktionsumfang daher. Beim Sound ist der Denon im Bassbereich etwas satter und nicht so strukturiert, davon abgesehen aber ebenfalls stark. Bei der Akkulaufzeit kann er nicht mithalten, 20 Stunden werden von Denon angegeben – allerdings wird der AH-GC20 mit Akku betrieben, während beim KEF auf Batterien zurückgegriffen werden muss.

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Space One

Der KEF Space One ist ein exzellent verarbeiteter Kopfhörer, der mit hohem Materialaufwand und ausgeklügeltem Design sowohl haptisch als auch optisch kaum Zweifel bei der Rechtfertigung seines Kaufpreises aufkommen lässt. Auch akustisch zeigt er eigentlich keine Schwäche, sondern überzeugt mit Klangreinheit, ausgeprägter Räumlichkeit, hoher Präzision und sattem Tieftonbereich. Lediglich die Ausstattung steht etwas hintenan, denn andere Kopfhörer mit ANC bieten zu günstigeren Preisen bereits Bluetooth-Streaming und eine integrierte Freisprecheinrichtung. Das von KEF und Porche Design entwickelte Modell beruft sich auf das Wesentliche: Hoher Tragekomfort, lange Akkulaufzeit, hohe Solidität und exzellente akustische Eigenschaften. Der KEF Space One ist ein HiFi-Kopfhörer, und so möchte er auch verstanden werden. Das aktive Noise Cancelling, dass nebenbei bemerkt ausgezeichnet funktioniert, ist nur Nebenschauplatz und Unterstützer, damit der geneigte Musikliebhaber eine authentische Reproduktion genießen kann. Billig ist er nicht, aber seinen Preis wert.

Echter HiFi-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung in elegantem Design
ueberragend
09.06.2017

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 09.06.2017




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