TEST: Bose Over-Ear-Bluetooth-Kopfhörer QuietComfort QC35 – Kabelloser Meister der aktiven Rauschunterdrückung?

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„Unsere bisher besten Kopfhörer“ – so wirbt Bose auf der Website für die 379 EUR kostenden Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer QuietComfort QC35 mit aktiver Geräuschunterdrückung. Wahlweise in schwarzer oder silberfarbener Variante lieferbar, haben wir das Top-Modell nun genau unter Praxisbedingungen unter die Lupe genommen, will heißen: Der QuietComfort QC35 hat uns auf die CES nach Las Vegas begleitet. Zwei Interkontinentalflüge müssen nun beweisen, ob Bose Recht behält und der QC35 tatsächlich ein „Outstanding Product“ ist, das sich an die Spitze der mittlerweile dramatisch gewachsenen Gemeinde der Over- und On-Ear-Headphones mit aktivem Noise Cancelling setzen kann. Mehr und mehr Kopfhörer verfügen auch über Bluetooth, so dass Bose hier keinesfalls die einzige Lösung, die aktives Noise Cancelling mit kabelloser Verbindung kombiniert, anbietet.

Akkulaufzeit

Bose versucht, schon die 20 Stunden maximale Akkulaufzeit (ziemlich genaue Angabe – bei teilweise etwas höherem Pegel hielt der Akku 19 Stunden lang durch) als Maßstab setzend anzupreisen, doch das schaffen Konkurrenten ebenfalls. Aber Bose hat bei einem anderen Akku-Feature mitgedacht. Sollte sich die Laufzeit des Akkus dem Ende nähern, so reichen 15 Minuten Schnellaufladen aus, um die Laufzeit um 2,5 Stunden zu verlängern. Aufgeladen wird mittels eines recht kurzen, mitgelieferten Micro USB-Kabels, das sich mit jedem handelsüblichen Smartphone- oder Tablet-Ladegerät verträgt.

Einsatz kabellos oder kabelgebunden, Bedienung und Case

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Case

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Durchdachter Faltmechanismus

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Mitgelieferte Kabel

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Aktivierung von Bluetooth

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Griffgünstig untergebrachte Bedienelemente

Der QC35 bringt auch noch ein normales 3,5 mm Kabel mit, wenn man z.B. im Flugzeug das Bord-Entertainment nutzen möchte. Für den Betrieb in älteren Maschinen ist der Besitzer des QC35 ebenfalls gerüstet. Perfekt im soliden Case verstaut, findet sich auch ein klassischer Flugzeug-Adapter, den wir allerdings in seiner Halterung lassen konnten. In einem Fach im Deckel vom Case kann man das 1,2 Meter lange 3,5 mm Kabel (praktischerweise mit einseitiger Kabelführung) und das kurze Ladekabel bequem verstauen, ohne Aufwickel-Prozesse, die Nerven kosten. Im Bedarfsfall hat man so auf beides schnell Zugriff.

Einfach hervorragend ist auch der durchdachte Faltmechanismus, und eine kleine Stofffahne in der Aufbewahrungsbox zeigt unmissverständlich, wie man den QC35 ins Case zu legen hat, damit es sofort passt – genial einfach, einfach genial. Dass es Bose wie kaum ein andere Firma versteht, schlichtweg ungemein praktische Produkte zu bauen, untermauert auch der QC35 wieder eindrucksvoll. Die Tasten für Lautstärkeregelung, Play/Pause und Titelsprung sind so griffgünstig in die rechte Ohrmuschel integriert, dass der Wunsch nach einer Gestensteuerung, wie sie z.B. Sony beim 399 EUR kostenden MDR-1000X integriert hat – gar nicht erst aufkommt. Nicht jedes technische Feature ist für höchsten Bedienkomfort erforderlich. 

Bluetooth-Betrieb und App

Dass Bose die Alltagstauglichkeit fokussiert, beweisen auch andere Dinge: So die Schnelligkeit, mit der sich unser iPhone 7 Plus jedes Mal nach Wiederaufnahme der Verbindung erneut mit dem QC35 koppelt. Praktisch auch: Der QC35 gibt per weiblicher Stimme zum einen bekannt, dass die Kopplung erfolgreich vollzogen wurde, zum anderen den Stand der Akku-Ladung. Die Sprach ist in der „Bose Connect“ App sogar einstellbar.

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App-Hauptbildschirm

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Sprachwahl für die Sprachansagen

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Integrierte FAQ/Bedienungsanleitung

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Tipps in nicht perfektem Deutsch

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Feedback und App-Bewertung

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Abschalttimer

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Verbindungen

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Gerade laufender Titel

Apropos App: Auf den ersten Blick denkt man – absolut überflüssig. Auf den zweiten Blick erweist sich die Connect App als praktisch, weil eine komplette FAQ/Bedienungsanleitung integriert ist. Deren Deutsch ist zwar manchmal etwas holprig, aber trotzdem versteht man gut, wie die unterschiedlichen Prozesse erklärt werden. Also ist es doch ganz gut, die App herunterzuladen. Die Bluetooth-Verbindung an sich ist sehr gut, aber nicht perfekt. Beim Betrieb über ca. 6 Stunden verzeichneten wir 3 kleine Aussetzer.

Freisprecheinrichtung

Die integrierte Freisprecheinrichtung und das eingebaute Mikrofon sind sehr gut, das wird sowohl vom Gesprächspartner als auch vom Träger des QC35 so wahrgenommen. Praktisch kein Rauschen und eine klare Verständlichkeit sind die Vorzüge. Nur etwas dumpf klingt die Stimme des Gesprächspartners, wenn man über den QC35 hört.

Aktives Noise Cancelling

Dass Bose ein hervorragendes Noise Cancelling baut, ist nichts Neues. Daher verwundert es nicht, dass der QC35 nach wie vor an der Spitze rangiert. Der Abstand zur Konkurrenz ist aber deutlich kleiner geworden. Der Panasonic RP-HC800 (kabelgebunden) oder der Teufel Mute (als Mute BT nun auch in der Kombination aktives Noise Cancelling/Bluetooth lieferbar) bieten ebenfalls ein sehr gutes Noise Cancelling (für unter 200 EUR, allerdings sind der Panasonic und der „normale“ Mute kabelgebundene Headphones).

Auf dem Gebiet von BT-Noise-Cancelling-Kopfhörern werden wir den Teufel Mute BT noch in Kürze testen. Er kommt auf lediglich 199,99 EUR (Stand 13.01.2017) – wir sind gespannt, denn der normale Mute konnte schon mit sehr gutem Noise Cancelling aufwarten. Schon jetzt eine Alternative zum Bose QC35 ist der Denon AH-GC20 , der auf der High End in München 2015 erstmalig vorgestellt wurde. Er kostete ursprünglich 329 EUR, der Marktpreis beläuft sich mittlerweile auf rund 220 EUR. Das Noise Cancelling ist zwar beim Aircraft-Einsatz nicht ganz so effektiv (Triebwerks-Dröhnen eliminiert der Bose nochmals besser), für den Preis aber ist der Denon heiß. 20 Stunden maximale Akku-Ausdauer und einen klaren, ausgewogenen Sound bot der AH-GC20 schon 2015. 399 EUR kostet der Sony MDR-1000X, der auch die Kombination aus BT und aktivem Noise Cancelling bietet. Der clevere Sony denkt sogar mit, es gibt einen speziellen Modus beim Noise Cancelling, der Stimmen wie z.B. beim Warten auf dem Airport, wenn Durchsagen kommen, für den Träger des MDR-1000X hörbar macht. Das klappt sogar recht gut in der Praxis. Auch der Sony bietet ein sehr gutes aktives Noise Cancelling. 

Durchdacht bis ins Detail – das spricht für den QC35

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Präziser Verstellmechanismus

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Ohrmuscheln mit Kunstleder-Polsterung plus Silikonschicht

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Kopfband, innen mit Alcantara gepolstert 

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Anschlüsse: 3,5 mm Kopfhörer (einseitige Kabelführung), Micro USB zum Aufladen

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Hochwertig wirkendes Material der Ohrmuscheln außen

Andere Punkte beweisen jedoch, dass trotz den beiden Gegen-Argumenten des QC35 – auf den ersten Blick wenig Alleinstellungsmerkmale, und das, dies ist Punkt 2, zu einem Bose-typisch gesalzenen Preis, der QC35 eine hervorragende Wahl ist: Kein anderer Kopfhörer bietet einen so geschliffenen Tragekomfort. Auch Materialwahl und Verarbeitung lassen in keinster Weise zu Wünschen übrig.  Der QC35 macht nahezu alles mit, ist überaus robust, und hält auch einen Sturz auf Pflastersteine aus, ohne zu viele Macken davon zu tragen. Die Polsterung des Kopfbügels und der Ohrpolster ist nicht nur angenehm weich, auch der Sitz des QC35 ist schlichtweg perfekt – und zwar auf Trägern mit großem Kopf ebenso wie bei Trägern mit eher kleinem Kopf.

Das Druckgefühl, das erzeugt wird, ist 100 Prozent stimmig. Man merkt immer, dass der QC35 nicht vom Kopf fällt, auch nicht bei Kopfbewegungen des Trägers, zugleich aber wird der Druck auch nach 6 Stunden des Tragens nie unangenehm. Durch das recht geringe Gewicht von 234 Gramm macht sich der QC35 ebenfalls gut. Bose setzt auf Ohrpolster aus Kunstleder, in die eine zusätzliche Silikonschicht eingearbeitet ist, die passiv störenden Lärm ergänzend zur aktiven Geräuschunterdrückung weiter ausbremst.

Sehr edel – die höchst angenehme Polsterung des Kopfbügels, der überdies mit einem sehr präzisen sowie robusten,  leichtgängigen Verstellmechanismus aufwarten kann, besteht aus haptisch sehr sympathischem Alcantara. Weitere Materialien wie korrosionsbeständiger Edelstahl (für Teile des Verstellmechanismus zur Anpassung des Kopfbandes z.B.) zeigen, dass Bose bis ins Detail mitgedacht hat. Klar – auch andere Hersteller offerieren eine sehr gute Materialgüte, aber kaum ein anderer Kopfhörer überzeugt uns in der Summe seiner Eigenschaften derart wie der QC35. 

Klang

Gestestet mit:

  • „Jack Reacher – Kein Weg zurück“ (An Bord Boing 767, United Airlines)
  • James Bond 007-Titelmelodien: Shirley Bassey „Goldfinger“, „Moonraker“, a-ha „The Living Daylights“, Duran Duran „A View To A Kill“, Sheena Easton „For Your Eyes Only“, Tina Turner „Goldeneye“, Paul McCartney & The Wings „Live and Let Die“
  • Andrea Bocelli, Album „Passione“: „Perfidia“, „Cocorvado“ (feat. Nelly Furtado), „Love In Portofino“
  • 80er Jahre-Musik: Europe „Carrie“, „The Final Countdown“, Erasure: „Love To Hate You“, „Sometimes“, Moti Special: „Cold Days, Hot Nights“, „Don’t Be So Shy“, Pet Shop Boys: „West End Girls, „Heart“, John Parr, „St. Elmo’s Fire“
  • Trance/Dance: Peter Sax, „Sun Dance“ (The Nation Remix), Dance 2 Trance: „The Power Of American Natives“, SQ-1 „Can You Feel The Bass“, Danny Cotrell, „Be Happy“ (Topmodelz Remix)

Der QC35 zeichnet sich durch seinen homogenen, harmonischen Klang aus, der gleichzeitig aber durch seine authentische Räumlichkeit und die gute Staffelung niemals Langeweile aufkommen lässt. Man merkt, dass der Bose-Kopfhörer mit jedem Quellmaterial sehr gut zurecht kommt. Ganz gleich, ob stimmfokussierte Stücke von Andrea Bocelli oder aber Trance-Titel: Immer findet der QueitComfort 35 eine optimale Mischung aus Lebendigkeit, Homogenität und Räumlichkeit.

Er ist hinsichtlich seiner Auslegung ideal, um auch Langstreckenflüge zu einem kurzweiligen Erlebnis werden zu lassen. Der Bose kommt mit Stimmen sehr gut zurecht, sei es Shirley Bassey bei „Goldfinger“ oder Neil Tennants Stimme bei „West End Girls“. Selbst die facettenreichen Vorführungen von Andreas Bocelli, gern auch im Duett mit Nelly Furtando, bringen den QC35 nicht aus der Ruhe. Er schafft auch bei gehobenem Pegel eine entspannte, zugleich aber dynamische Höratmosphäre.

Im Bassbereich tritt er stark auf, erst, wenn man nahe dem Maximalpegel hört (was man aufgrund der Beeinträchtigungen für die Gesundheit des Gehörs ohnehin vermeiden sollte), schlagen die Membranen an. Durch das tadellose Volumen und den ausgeprägten Tiefgang eignet sich der QC35 auch erstklassig für das Anhören von Filmtonspuren. Kraftvoll arbeitet er Explosionen und Schießereien ein, nahtlos, fließend integriert er Stimmen. Verschiedene, parallel stattfindende Effekte differenziert er in beeindruckender Manier auseinander.

Im Vergleich zu früheren Bose-Headphones, die auch schon sehr angenehm, aber gerade im Hochtonbereich nicht besonders detailreich aufspielten, gibt sich der QC35 bezüglich der möglichen Auflösung deutlich hochklassiger. Hier gibt es zwar zweifelsohne andere Kopfhörer wie z.B. den weiter oben schon erwähnten Sony MDR-X1000, die ein noch besseres Auflösungsvermögen an den Tag legen, dafür klingt der QC35 noch verbindlicher, noch homogener. Selbst nicht allzu überzeugendes Quellmaterial, wie z.B. unsere in der Aufzählung genannten 80er Jahre-Musiktitel, gibt der QC35 in einer verblüffenden Güte wieder. Der perfekte Begleiter für die Reise auch aus Sicht der akustischen Gesamtauslegung – mit allem, was dazu gehört: Sehr gute Stimmdarstellung, umhüllende Räumlichkeit, saubere Staffelung, enorme Harmonie und ein anständiges Auflösungsvermögen, wie schon angesprochen. 

Fazit

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Das sitzt: Bose bietet mit dem QuietComfort QC35 einen Maßstäbe setzenden Over-Ear-Noise-Cancelling-Kopfhörer mit Bluetooth an, der sich erfolgreich gegen die extrem starke Konkurrenz zur Wehr setzt – und sich trotz des vergleichsweise deftigen Preises von knapp 380 EUR ein erstklassiges Testurteil sichert. Woran liegt das? In einem Satz formuliert, am praktisch perfekten praktischen Nutzen. Der beispielhafte Tragekomfort, die sorgsam ausgewählten Materialien, die enorm harmonische, gleichzeitig lebendige akustische Gesamtauslegung – für den Vielreisenden, der ein 100 Prozent praxisgerechtes Tool mit gewissem akustischen Anspruch sucht, führt daher kaum ein Weg am QC35 vorbei. Kabelgebunden hören kann man auch problemlos, das mitgelieferte Case ist enorm praktisch, der Faltmechanismus nahezu optimal: Es ist die Summe aller Details, die den QC35 zum besten BT-Kopfhörer mit aktivem Noise Cancelling machen, den wir derzeit kennen. 

Der Maßstab: Die Summe seiner erstklassigen Eigenschaften macht den Bose Quiet Comfort QC35 zur Messlatte für die Konkurrenz
referenz
Gesamt-Referenz Over-Ear-Bluetooth-Kopfhörer mit aktivem Noise Cancelling



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