XXL-TEST: 9.2 AV-Receiver Denon AVR-X7200WA – Performance-Meister mit Dolby Atmos/DTS:X/Auro-3D-Decoding

Denon AVR-7200W Front Seitlich1

Der 2.999 EUR kostende, wahlweise in Premiumsilber oder Schwarz erhältliche Denon 9.2 AV-Receiver AVR-X7200WA markiert die Speerspitze im AV-Receiver-Portfolio der Japaner. Während die Mitwettbewerber aktuell noch schwächeln, liefert Denon den aktuellen 7200er auch mit Decoder für DTS:X aus. Dolby Atmos ist selbstverständlich an Bord. Der AVR-X7200WA verfügt auch über HDMI-Terminals mit HDCP 2.2 und mit 4K 50/60 Hz- sowie HDR-/BT.2020-Kompatbilität. Auch 4:4:4 Farbdarstellung wird per Pass-Through unterstützt. Für 150 EUR Aufpreis kann man per Online-Upgrade den AVR-X7200WA auch für Auro-3D der belgischen Galaxy Studios startklar machen. Unsere Bilder zeigen – daher nicht wundern – einen AVR-X7200W. 

Denon AVR-7200W Innenleben Gesamt

Sauberer Aufbau innen, dafür war Denon schon immer bekannt

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Platinenlayout

Denon AVR-7200W Innenleben2

Haupttransformator

Denon AVR-7200W Innenleben3

 Kühlkörper

Der AV-Receiver tritt mit 9 x 210 Watt starken Endstufen im symmetrischen Monoblock-Design an, mit getrennten rechten und linken Kanälen. Speziell für diesen integrierten Hochleistungsverstärker-Block entwickelte Denon High Current Transistors (DHCTs) sorgen für Hochstromfähigkeit und daraus resultierende erstklassige Performance. Die interne 11.2 Signalverarbeitung und die 1.32 Vorverstärkerausgänge sorgen für flexible Einsatzmöglichkeiten. Nur Onkyo, mit dem TX-NR3030, bietet hier auch einiges, nämlich sogar gleich vier Subwoofer-Pre-Outs. Neben den schon erwähnten Formaten Dolby Atmos und DTS:X werden selbstverständlich auch DTS-HD Master/High Resolution Audio sowie Dolby TrueHD und Dolby Digital Plus decodiert. Daher sind auch die Upmixer DTS Neural:X (DTS-Tonspuren werden unter Mit-Einbeziehung der Höhenkanäle hochgerechnet) sowie der schlicht „Dolby Surround“ genannte „Hochskalierer“ für Atmos mit an Bord. Wer sich das optionale Auro-Update kauft, kann sich zusätzlich auf den Upmixer „Auro-Matic“ freuen. 

Denon AVR-7200W Mikro

Einmessmikrofon

Für die Lautsprechereinmessung und das Room Equalizing zuständig ist Audyssey MultEQ XT 32 (Pro-ready) inklusive Sub EQ HT und LFC.  Klang in Vollendung garantiert der von Denon in aufwändiger Entwicklungsarbeit konzipierte D.D.S.C.-HD32-Schaltkreis, hier ist das AL32 Processing Multichannel integriert. Ein Aufpolier-Vorgang auf 32 Bit Tiefe garantiert beste Wiedergabe-Bedingungen. Die Lautsprecher-Einmessung gelingt der aktuell integrierten Audyssey-Version deutlich besser im Vergleich zu früheren Varianten. Die angeschlossenen Lautsprecher werden im Hochtonbereich hörbar weniger „beschnitten“ und die Front-Surround-Balance ist nochmals ausgewogener. 

Bei insgesamt vier DSP-Einheiten ist die Rechenleistung des AVR-X7200WA so hoch, dass keine Signalverarbeitungsaufgabe zu schwierig ist für den AV-Boliden. Leistungsfähige CPU-Einheiten sind besonders wichtig im Zeitalter objektbasierter Tonformate (DTS:X, Dolby Atmos, Auro-3D), weil hier der AV-Receiver die einzelnen Audio-Objekte in Echtzeit auf die im Setup enthaltenen Lautsprecher verteilt. Daher haben AVRs nun deutlich mehr zu leisten als früher, zu Zeiten von rein kanalbasierten Tonformaten. Die gestiegene Rechenleistung kommt auch anderen Anwendungen wie z.B. dem Lautsprecher-Einmess- und Room EQ-System zu Gute. 

Denon AVR-7200W Rueckseite Seitlich2

Gesamt-Rückansicht mit den beiden WLAN-Antennen

Denon AVR-7200W Anschluesse Rueckseite3

Sieben HDMI-Inputs hinten, der achte sitzt vorn. Drei HDMI-Ausgänge

Denon AVR-7200W Anschluesse Rueckseite2

13.2 Pre-Out, und viele Anschlussarten, optische/koaxiale klassische Digitaleingänge, RS232-Schnittstelle

Denon AVR-7200W Anschluesse Rueckseite1

 Hochwertige Lautsprecherkabel-Schraubterminals

Weitere Ausstattungsmerkmale des AVR-X7200WA umfassen ein integriertes WLAN mit zwei Antennen, Bluetooth, acht HDMI-Eingänge (einer vorne) sowie drei HDMI-Ausgänge (2 x Hauptzone plus einmal weitere Hörzone), Phono-Eingang, RS232-Steuerung, HDMI-Standard 4K Ultra HD 50/60 Hz Passtrough und 4:4:4 Farbtiefe, Videoverarbeitung mit Up-Conversion/Up-Scaling bis auf 1.080p/4K und eine Multiroom-Funktion mit drei Quellen und drei Zonen.

Natürlich schreibt Denon auch das Thema Netzwerk sowie den Bereich HiRes-Audio groß. DSD wird wiedergegeben, Flac HD bis 192 kHz/24-Bit ebenfalls, WAV bis 192/24, ALAC bis 96/24, AIFF bis 192/24 sowie die verlustbehafteten Formate MP3, WMA und AAC. Selbstverständlich unterstützt der AV-Receiver die Gapless-Wiedergabe. Foto-Streaming von JPEG-Dateien ist im Gegensatz zu vielen Konkurrenten auch möglich. Der Denon unterstützt auch Apple AirPlay und ist kompatibel mit Windows PlayTo/Windows 8. Der AVR-X7200WA hat ein DLNA 1.5 Zertifikat und ist kompatibel mit Denons Remote App für Smartphones (Android, iOS) sowie der Remote App für Tablets (Android/iOS/Amazon Kindle). Wie schon erwähnt, kann der 7200WA wahlweise drahtlos oder kabelgebunden seinen Weg ins Netzwerk finden.

Menü-Screenshots

Denon AVR-X7200W Screenshot 1

Start des Einrichtungsassistenten, der den Anwender durch jeden Schritt der Erstinstallation führt

Denon AVR-X7200W Screenshot 2

Sprachauswahl

Denon AVR-X7200W Screenshot 3

Lautsprecher-Einstellungen, mit grafischer Unterstützung für noch leichtere Handhabung

 

Denon AVR-X7200W Screenshot 5

Lautsprecher-Einstellungen

Denon AVR-X7200W Screenshot 6

Hilfreiche kurze Texte. Ab Werk kommt der 7200WA ohne Auro-3D

Denon AVR-X7200W Screenshot 4

Ist der AVR-X7200WA mit dem für 150 EUR optional zu habenden Auro-3D Update ausgestattet, gibt es separate LS-Einstellmöglichkeiten

Denon AVR-X7200W Screenshot 7

Erklärung des Lautsprecheranschlusses

Denon AVR-X7200W Screenshot 8

Konfigurationsmöglichkeiten und Einschränkungen

Denon AVR-X7200W Screenshot 9

Überprüfung, ob die Lautsprecher korrekt angeschlossen sind

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Auch die Lautsprecher-Kalibrierung mittels Audyssey MultEQ XT32 ist mit in den Einrichtungsassistenten integriert

Denon AVR-X7200W Screenshot 11

Die ermittelte Lautsprecher-Konfiguration in der Übersicht

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An acht Hörpositionen wird eingemessen, für einen breiteren Sweet Spot

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Nun startet die Einmesssung

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Audyssey Dynamic EQ als „moderne Loudness-Variation“

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Netzwerkeinrichtung

Denon AVR-X7200W Screenshot 16

Einrichtung der Eingänge

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Hauptgemü

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Audio-Menü. Der „Restorer“ poliert niedriger auflösende Audioquellen auf

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Audyssey-Menü. Neben der „Reference“ Kurve gibt es noch „Flat“ und „L/R Bypass“

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Video-Menü

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Manuelle Lautsprecher-Konfiguration

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Time Alignment, in 0,1 oder 0,01 Meter-Schritten

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Endstufen-Zuweisung

Denon AVR-X7200W Screenshot 24

Netzwerk-Menü

Denon AVR-X7200W Screenshot 25

Denon AVR-X7200W Screenshot 26

Informationen übers Netzwerk, in das der 7200WA eingebunden ist

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Hier kann man nachprüfen, ob eine neue Firmware verfügbar ist

Mittels des speziellen Einrichtungsassistenten ist der große AV-Receiver flott startbereit. Jeder einzelne Schritt bei der Ersteinrichtung wird per OSD erklärt. Denon wählt hier den Weg eines direkt ins Gerät integrierten Einrichtungsassistenten, Yamaha und Pioneer offerieren hier eine spezielle App, die der Ersteinrichtung dient. 

Im Standby-Betrieb benötigt der Denon nur 0,1 Watt, aktivierte man HDMI-CEC, werden daraus 0,5 Watt. Der Stromverbrauch bei aktiviertem Netzwerk-Standby liegt deutlich höher, bei 4,5 Watt. Wer im Betrieb nicht die volle Leistung abrufen möchte oder muss, der kann den ECO-Modus aktivieren, im Leerlauf braucht der AVR dann 70 anstatt 125 Watt. 

Denon AVR-7200W Fernbedienung

Fernbedienung

Denon AVR-7200W Display

Display mit zwei Zeilen

Denon AVR-7200W Bedienelemente Frontklappe

Bedienelemente unter der Klappe, Frontanschlüsse

Denon AVR-7200W Bedienelemente Front2

Eingangswahlregler

Denon AVR-7200W Bedienelemente Front1

 Lautstärkedrehregler

Mitgeliefert beim sehr gut verarbeiteten Denon wird die beleuchtete und gut in der Hand liegende Systemfernbedienung RC-1194. Die Tasten bieten einen ordentlichen Druckpunkt, oben an der Remote findet sich ein kleines LC-Display. Der AV-Receiver kommt mit sehr gut eingepasster Gerätefront aus Aluminium, griffsympathischen Drehreglern für Quellwahl und Lautstärke und einem zweizeiligen Punktmatrix-Display. Die soliden Standfüße und die tadellose Verarbeitung der Geräterückseite sind auch zu erwähnen. Das aufgeräumte Innenleben überzeugt durch hochwertige Baugruppen und klaren Aufbau. Die Verkabelung ist übersichtlich.  

Pro und Contra:

+ Decoder für DTS:X und Dolby Atmos
+ 9 Endstufen mit hochwertigem Aufbau
+ D.D.S.C. HD32 und AL32 Processing
+ Sehr gutes Audyssey-Einmess-/Room EQ-System
+ Hochwertiges Videoprocessing
+ Einfache Erstinstallation dank Einrichtungs-Assistent

– Auro-3D nur für 150 EUR Aufpreis
– Kein Ringkerntransformator

Klang DTS

Wir beginnen unsere Testreihen mit der DTS:X Demo-Blu-ray und hören den Ausschnitt aus „Divergent“. Beatrice ist hier in im Traum in einem gläsernen Kasten eingeschlossen, der sich langsam mit Wasser füllt, und sie droht, zu ertrinken. Das Einfließen des Wassers, das verzweifelte Klopfen und Treten gegen die Glasscheibe, all dies wird dank DTS:X zu einem echten Erlebnis. Der Denon AVR-X72000WA scheint im Vergleich zur Version ohne Update interessanterweise etwas analytischer abgestimmt zu sein: Der Klang erscheint sehr klar, als gegen Ende der kurzen Sequenz der Glaskasten zerbricht, beeindruckt das Auflösungsvermögen. In Verbindung mit unserem Nubert nuVero 5.0-Ensemble zusammen mit vier ELAC TS-3000 Top Firing-Modulen entfacht der AVR-X7200WA ein sehr dichtes, den Zuhörer einhüllendes Klangbild. Die Effektebene oberhalb der Köpfe der Zuhörer wird auch facettenreich abgebildet. Insgesamt erhält man ein räumlich tiefes sowie weitläufiges akustisches Spektrum, das durch seine Intensität tief beeindruckt. Bei hohen Pegeln bleibt der AVR-X7200WA souverän, die herausgehörte sehr gute Auflösung nimmt kaum ab. 

Sehr gut geeignet, um die akustischen Vorzüge von DTS:X bei nativem Material herauszustellen, ist die Sequenz aus „Rio 2 – Dschungelfieber“, als die Blu und die Aras zusammen mit den anderen Tieren im Regenwald die Baustelle crashen. Der Vogelschwarm, Schreie und Rufe sowie umstürzendes Baugerät ergeben einen interessanten Effekt-Cocktail. Der Zuhörer blickt manchmal ungewollt nach oben, weil man es früher nicht gewohnt war, dass soviel akustisches Geschehen über den Köpfen der Zuhörer stattfindet. Klar, man kennt nun seit geraumer Zeit Dolby Atmos, aber manche Abmischung war hier eher eine Enttäuschung. Nur subtile Effekt-Gebilde spielten sich manchmal über den Köpfen des Auditoriums ab, und keinesfalls hatte man den Eindruck, sich in einer weiteren, stets präsenten akustischen Ebene zu wähnen.

Der AVR-X7200WA macht seine Vorherrschaft im Denon AVR-Sortiment in dieser Szene im Übrigen überzeugend deutlich. Seine Auflösung und auch seine Gesamtdynamik liegt noch über dem Level des AVR-X6200, den hier ebenfalls im Test hatten. Gut, wir haben den 6200 nicht mit dieser DTS-Demo-Disc gehört, daher wissen wir nicht, wieviel von diesen akustischen Eindrücken auf das Konto der Software geht. Aber das werden wir später bei „The Expendables 3 A Man’s Job“ (Dolby Atmos) herausfinden. Der 7200WA beeindruckt uns auf jeden Fall tief bei der DTS:X-Sequenz, da trotz der breit angelegten Räumlichkeit eine enorme Präzision gegeben ist. Diffuse, aufgeblasene Effekte finden sich nicht, sondern nur glaubwürdige, authentische akustische Gebilde.

Natürlich umfasst das DTS:X-Paket nicht nur die Wiedergabe von nativen DTS:X-Tonspuren, sondern auch die Möglichkeit, ältere DTS-Tonspuren entsprechend aufzupolieren und die Height-Lautsprecher mit ins Geschehen einzubinden. Das dafür zuständige System nennt sich „DTS Neural:X“ und wurde von uns ebenfalls einem Check unterzogen. Wie sorgfältig agiert DTS Neural:X? Ist es immer noch gut um die Effekt-Präzision bestellt? Wir hören uns die erste Szene im 007-Film „Ein Quantum Trost“ an (englisch, DTS-HD Master Audio plus Neural:X). Sehr praktisch ist, dass man zügig das gewünschte Wiedergabe-Format durch Druck auf die Shortcut-Taste auf der einfach zu handhabenden Systemfernbedienung auswählen kann. „Movie“, „Music“, „Game“ und „Pure“ heißen die Wahltasten, die überdies farblich jeweils anders gestaltet sind. Wir wählen aus den „Movie“ Betriebsarten gleich Neural:X als Ergänzung zu DTS-HD Master Audio aus. Der Beginn der actionreichen Sequenz macht schon deutlich, was Neural:X kann, und auch, was der 7200WA kann. Er liefert durch die hochwertigen Endstufen im Bassbereich genug Kraft, um das Nubert nuVero 5.0-Ensemble plus die 4 Elac TS-3000 zu befeuern. Mit den großen nuVero 140 für Front L/R hat er selbst bei beträchtlichem Pegel keine Schwierigkeiten. Nur, wenn es extrem laut wird, ist mit leichten Einbußen bei der Detaillierung zu rechnen.

Den tiefen Bass gleich zu Beginn des Films lässt der AVR-X7200W zusammen mit den großvolumigen nuVero 140 zu einem echten, grollenden Effekt-Erlebnis werden. Das weitläufige räumliche Gefühl erstreckt sich gekonnt auf die dritte Ebene über den Köpfen der Zuhörer und der plötzliche Dynamiksprung, als dann der Motor des Aston Martin DBS von Bond aufheult, kommt exzellent heraus. Mit massivem Fundament werden die Salven aus den automatischen Waffen der Killer wiedergegeben, die in Alfa Romeo 159 Jagd auf den britischen Spion machen. Heftige Unfälle auf den engen Uferstraßen rund um den oberitalienischen Gardasee bleiben da natürlich nicht aus. Herumfliegende Teile, zersplitterndes Glas und berstendes Blech kommen mit sauberer Struktur heraus. Struktur – das ist das Stichwort. Es beeindruckt, wie akkurat die Positionierung der Effekte im Raum bei Verwendung von Neural:X herauskommt. Sehr schön herausgestellt wird dies bei dem Teil der Verfolgungsjagd, die im Steinbruch stattfindet. Hier entledigt sich 007 auch des zweiten Alfa 159, und als die italienische Limousine endgültig zerstört wird, geschieht dies mit einer präzisen Effekt-Präsentation.

Dann fährt James mit dem ziemlich malträtierten Aston Martin in Siena ein, plötzlich wird es ruhig hinsichtlich der Effekt-Intensität. Diesen „umgekehrten“ Dynamiksprung verwirklicht der 7200WA ebenso überzeugend. Wie es typisch für einen Bond-Movie ist, folgt auf die Eröffungssequenz der Titelsong. Hier beweist uns DTS Neural:X, dass es sich auch für die Musikwiedergabe eignet und hier keinesfalls durch eine verschwommene, indifferente Wiedergabe negativ auf sich aufmerksam macht. Beim Titelsong verdeutlicht uns der Denon AVR-X7200WA aber auch ein weiteres Mal, dass er mit mehr Prägnanz im Hochtonbereich zu Werke geht, vergleicht man ihn mit den „kleineren Brüdern“ aus dem Denon AVR-Programm. Er weist nicht den Grad an analytischer Darstellung auf wie ein Onkyo TX-NR3030 oder eine Yamaha CX-A5100 AV-Vorstufe, aber er ist weniger warm abgestimmt als andere uns bekannte Denon AVRs. Nun ist das Titellied um, und wir befinden uns unterhalb von Siena in unterirdischen Gewölben. 

Oben findet ein Reiter-Spektakel statt, während unten Bonds Gefangener verhört wird, mit sehr mäßigem Erfolg. In den ersten Minuten gibt es  hier beinahe nur Dialoge – diese arbeitet der AVR-X7200W im von Hall geprägten Ambiente sehr glaubwürdig heraus. Immer wieder kommen von oben heftige Beifallsstürme und Jubelrufe durch. Dann fallen Schüsse, und Ms korrupter Leibwächter eröffnet das Feuer, tötet die Geisel und flüchtet. 007 hastet hinterher und die nächste erbitterte Jags beginnt. Einstürzende Balken, das Spektakel oben und der Music Score – der 7200WA schafft es bis zu enormen Pegeln, alle Ebenen gut voneinander zu trennen. Einzelne Effekte, wie z.B. als der flüchtende Leibwächter auf die Dachziegel springt, arbeitet der Denon sauber heraus. Insgesamt ist das 360 Grad-Surroundpanorama, von dem viele immer geträumt haben, nun tatsächlich zu einem großen Teil Realität geworden. Es entsteht, selbst bei nicht nativem DTS:X Material, ein „echter“ virtueller Raum, der alle Ebenen berücksichtigt. Dies merkt man z.B. sehr gut beim Läuten der Glocken, aber auch bei Effekt-Kombinationen, die alle Lautsprecher mit einbeziehen (Einsturz des Baugerüstes). 

Wie gut präsentiert sich der AVR-X7200WA, wenn wir schlichtweg „normales“ DTS-HD Master Audio 5.1 wiedergeben? Nicht jeder wird die Präsentation mit Height-Lautsprechern realisieren können oder wollen. Trotzdem werden diese Anwender nicht auf die kraftvollen Endstufen und das hohe Maß an Grob- und Feindynamik eines Oberklasse-AV-Receivers wie dem Denon AVR-X7200WA verzichten wollen. Wir haben uns vom 2010er a-ha-Konzert im Oslo Spektrum den bestens bekannten Titel „The Sun Always Shines On TV“ angehört. Der AVR-X7200W schafft gleich zu Beginn eine tolle, intensive Atmosphäre, und langsam beginnt sich der Song aufzubauen. Sorgfalt lässt der AV-Bolide beim Hinzuaddieren jedes neuen akustischen Elementes walten.

Daher kommt der Eindruck eines kompletten, tiefen Klangbildes beim Zuhörer gekonnt auf. Das Anschlagen der Drumsticks z.B., nur ein kleiner Effekt eigentlich, wird vortrefflich vom 7200WA dargestellt. Auch die Stimme von Leadsänger Morten Harket arbeitet der Denon AVR hervorragend ein. Dann legt der Song sozusagen „richtig ab“. Hier ist der Bass, aufnahmebedingt, etwas schmal – eigentlich. Der Denon und die nuVero 140 sorgen aber in Kombination dafür, dass sich etwas tut im Bassbereich. Nicht künstlich aufgeblasen, aber mit spürbar kräftigem, präzisem Fundament geht es hier voran. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten gelingt dem 7200WA ausgezeichnet. Der Synthesizer wird mit dem schon aus den Film-Beispielen bekannten hohen Auflösungsvermögen eingearbeitet. Der Rhythmus ist jederzeit klar erkennbar, die Live-Atmosphäre wird akustisch glaubwürdig wiedergegeben.

Nun hören wir den gleichen Song mit DTS Neural:X Support. Es ist beeindruckend, dass es kaum zu Präzisionsverlusten im Vergleich zur Original-1:1-Wiedergabe der DTS HD Master Audio-Tonspur kommt. Dafür gesellt sich spürbar mehr räumliche Weite und mehr Plastizität im gesamten Klangbild  hinzu. Ein echter Gewinn demnach, und nicht nur für Anwender, denen Nachdruck und das „akustische Erleben“ über alles geht. Nein, auch Gegner von Algorithmen, die zum Aufpolieren von Tonspuren bestimmt sind, sollten sich Neural:X aufgrund der hohen Güte des Systems einmal anhören. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten leidet praktisch nicht, und die Charakteristik der einzelnen Instrumente und der Stimme von Morten leiden nicht.

Der Beginn von Wolfgang Amadeus Mozarts „Figaros Hochzeit“ (Aufführung aus 2006 von den Salzburger Festspielen, Wiener Philharmonier unter Nikolaus Harnoncourt) ist die nächste Herausforderung für den Denon AVR-X7200WA. Schon die Beifallsbekundungen des Publikums arbeitet der 7200WA tadellos heraus. Neural:X zeichnet sich ein weiteres Mal durch eine authentische räumliche Erweiterung aus. Dann beginnt der orchestrale Auftakt. Mit Verve und Nachdruck erfolgt die Wiedergabe, und die exakte Ortungsmöglichkeit für einzelne Instrumente beziehungsweise Instrumentengruppen ist stets gegeben. Das Streicher-Einlagen werden mit hoch liegender Brillanz übertragen, dynamische Differenzen kommen überzeugend, das heißt klar und impulstreu, heraus.

Die Kombination aus DTS-HD High Resolution Audio-Wiedergabe und Neural:X erfüllt also selbst beim Hören klassischer Musik hohe Ansprüche. Wir sind jetzt gespannt auf die Präsentation der Stimmen von Ildebrando D’Arcangelo (Figaro) und Anna Netrebko (Susanna). Der AVR-X7200WA gibt sich hier keine Blöße und bietet einen hohen Facettenreichtum bei der vokalen Präsentation. Die Stimmen lösen sich auch sehr gut von den Lautsprechern. Um diesen Effekt auch in vollen Zügen genießen zu können, ist allerdings auch ein entsprechend hochwertiger sowie groß dimensionierter Center wie unser nuVero 70 erforderlich. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten gelingt ein weiteres Mal überragend, und die orchestralen Elemente werden trotz der Fokussierung auf die vokalen Bausteine nicht zu stark in den musikalischen Hintergrund gedrängt.

Klang Dolby

Nachdem wir uns nun mit DTS-Decoding in verschiedenen Ausprägungen beschäftigt haben, ist es nun an der Zeit, mit dem Konkurrenz-Decoder von Dolby zu arbeiten. Und hier starten wir durch mit der Dolby Atmos-Tonspur des Actionfilms „The Expendables 3“. Wir hören uns den Beginn des Films an, als die Eliteeinheit ein ehemaliges „Expendables“ Mitglied befreit. Ein über die Gleise donnernder, schwer bewachter Zug soll „Doc“ eigentlich in ein Hochsicherheitsgefängnis bringen. Doch unter der Leitung von Barney Ross greifen die Expendables mittels Helikopter den Zug an. Schon der über den Zug donnernde Hubschrauber verdeutlicht sehr gut, dass es sich hier um eine ordentlich abgemischte Atmos-Tonspur handelt. Es ist permanent „Action“ über den Köpfen der Zuhörer, die auch sehr genau in die Ereignisse in den Zugwaggons eingebunden werden. Unterschiede zu DTS:X? Wir denken, dass es eher daran liegt, wie gut die jeweilige Tonspur abgemischt ist. Beide Systeme zeigen eine enorme Performance bei entsprechend sorgfältiger Abmischung.

Mit kräftigem, präzisem Bass und sehr vielschichtiger räumlicher Wirkung beeindruckt uns dieses Filmbeispiel. Der Denon AVR-X7200WA beweist mit den geschmeidigen, zugleich wuchtig antretenden Endstufen seine Klasse. Effekte, Schusssalven Schreie von allen Seiten – der große AV-Receiver behält immer den Gesamtüberblick. Das Aufprallen der Schüsse auf der gepanzerten Außenhaut des Zugwaggons bringt der 7200WA klanglich herausragend zur Geltung. Erst bei sehr hohem Pegel, wie bereits zuvor beobachtet, werden kleinere Effekte bzw. Effektdetails nicht mehr so differenziert eingearbeitet. Die Geschehnisse im Inneren des Zuges erzählt der Denon ebenfalls ungefiltert und mit enorm großer Gesamtdynamik. In der Entfernung hört man nach wie vor die Fluggeräusche des Helikopters, der nach wie vor in der Luft kreist, um eine rasche Flucht zu ermöglichen.

Dann rennt Doc auf dem Dach des Zuges davon, verfolgt von Ross und seinen Männern im Hubschrauber. Effekt-Ortung und Effekt-Intensität sind erneut auf einem Level, der noch vor zwei oder drei Jahren in diesem Maße undenkbar gewesen wäre. Möglich wird dieses Hörerlebnis auch durch immer leistungsfähigere Prozessoren, die im Inneren hochwertiger AV-Receiver ihren schnellen und rechenintensiven Dienst verrichten. Der AVR-X7200WA erwärmt sich übrigens nicht über Gebühr, allerdings sollte er nach oben schon „Luft zum Atmen“ haben und nicht in ein Rack „eingepfercht“ sein. Auch bei Einsatz mit hoher Lautstärke ist im Übrigen kein Lüfter hörbar. Der Lüfter in der Marantz Siebenkanal-Endstufe MM8077 springt viel früher an.

Was kann der Dolby Atmos-Aufpolierer, schlichtweg „Dolby Surround“ genannt? Wir lauschen dem zweiten Kapitel von „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ in Dolby True HD plus Dolby Surround für die Mit-Einbeziehung unserer Top Firing-Module. Das Öffnen der riesigen Hallentore, die Dialoge in der großen Halle, der Music Score, das durch die Luft wirbelnde Schießpulver – all diese Dinge erweckt der 7200WA höchst authentisch zum akustischen Leben. Auch der Atmos-Aufpolierer legt ein sehr gutes Maß an Präzision an den Tag. Uns kommt es so vor, als wäre Neural:X einen Hauch klarer bei Details, dafür wirkt beim Atmos-Aufpolierer alles noch eine Idee homogener.

Im dritten Kapitel beginnen dann recht „actionreiche“ Szenen, als Indy flüchtet, nachdem sich sein langjähriger Kumpel als Doppelagent „geoutet“ hat. Aufeinanderprallende Armeefahrzeuge, Schusswechsel, Schreie – erneut ein hochprozentiger Action-Cocktail. Der Denon bringt in alle Ereignisse Struktur und Klarheit, integriert den Zuhörer in das, was im Film geschieht. Man wähnt sich von Effekten umgeben, spürt die Räumlichkeit förmlich. Der Music Score ertönt ebenfalls dynamisch und lebendig, ohne dass diesem zuviel Priorität gegenüber den anderen akustischen Anteilen eingeräumt wird.

Musik mit dem Atmos-Aufpolierer – kann man sich das anhören? Wir haben es anhand der Celine Dion-Blu-ray „A New Day“ ausprobiert. Die Celine Dion-Interpretation des Klassikers „The Power Of Love“ beweist uns, dass der Dolby-Aufpolierer auch nicht unmusikalisch veranlagt ist. Mehr Räumlichkeit geht hier nicht auf Kosten von Klarheit und Präzision. Sicherlich, wer ganz genau hinhört, wird vielleicht minimale Ortungsverluste feststellen. Diese werden durch die stärker fesselnde, den Zuhörer besser einhüllende Gesamt-Klangkulisse aber mehr als wett gemacht – unserer Meinung nach. Die finale Entscheidung muss stets der Anwender mit seinem persönlichen Hörempfinden fällen. Der AVR-X7200 hinterlässt auch bei diesem Musik-Testbeispiel einen erstklassigen Eindruck. Grob- und Feindynamik sind ebenso gut ausgeprägt wie die Kraft beim Antritt der Endstufen, die immer den Eindruck enormer Souveränität vermitteln.

Klang Auro-3D

Als dritten Decoder verfügt unser Test-Modell auch über Auro-3D. Nun – lohnen sich die 150 EUR Aufpreis? Besonders viel Software gibt es nicht auf dem Markt, obwohl es Auro-3D schon länger gibt. Aber Auro-Matic als Aufpolierer soll sehr gut sein. Nachteil bei Auro-3D ist jedoch, dass die Lautsprecheraufstellung eine andere ist als bei Dolby Atmos. DTS:X ist flexibel und passt sich dem Layout der Speaker im individuellen Falle an. Auro-3D verwendet normale Regallautsprecher, die sich oberhalb von Fronts und Rears befinden. Wer also Atmos und Auro-3D hören möchte, kann sich auf ein aufwändiges Lautsprecher-Arrangement einstellen – oder etwa nicht? Wir machten das, was man eigentlich nicht tun soll, und hören „“Feel The Spirit“ und „Wheel Of Time“ von der BD „Lichtmond 3 – Days Of Eternity“ in Auro-3D 9.1 mit unseren Top Firing-Modulen. Geht das akustisch? In der Endstufenzuweisung muss hier anstatt „Dolby-Lautsprecher“ die Option „Front/Rear Height“ angewählt sein, damit man Auro-3D genießen kann.

Hand aufs Herz – schlechte Effektortung? Unglaubwürdige Räumlichkeit? Auch, wenn Auro-3D-Kenner verzweifelt die Hände ringen – unserer Meinung nach kann man auch mit vier Top-Firing-Modulen native Auro-3D-Tonspuren anhören. Die herausragende Abmischung der Auro-Tonspur dieser BD ist sehr zu loben. Uns sind nur wenige Blu-rays bekannt, die ein so hohes Maß an Volumen, allumfassender Effektgewalt und akustischer Staffelung in allen Dimensionen bieten. Hier heißt Zuhören wahrhaftig „erleben“, man wird selber Teil der akustischen Ereignisse. Mit massiver Kraft und hoher Dynamik ist der 7200WA zur Stelle, schiebt auch bei Pegel über der „80“ in der Anzeige noch weiter an, ohne dass sich ein Ende ankündigt. Davor geben meist die angeschlossenen Boxen auf, es sei denn, es handelt sich um nuVero-Komponenten, die stets durch ihre exzellente Pegelfestigkeit begeistern. Die Ortung einzelner Instrumente oder musikalischer Effekte im Raum ist exzellent, kleine dynamische Unterschiede werden sauber eingebaut. Dass Auro-3D leistungsfähig ist, sollte demnach keinesfalls angezweifelt werden. Trotzdem stellt sich die Frage: Brauche ich noch ein weiteres objektbasiertes Audioformat? 

Vielleicht gibt der Aufpolierer Auro-Matic eine Antwort auf diese Frage. Wir hören uns den Filmbeginn von „Stirb Langsam 4.0“ an. Sehr subtil, sehr präzise arbeitet Auro-Matic räumliche Effekte ein. Sehr klar und vielschichtig ist das Klangbild. Die Explosion im Haus des Hackers hat immense Wucht und hervorragende Struktur. Obwohl wir, wie schon erwähnt, eine für Auro suboptimale Lautsprecher-Konfiguration einsetzen, haben wir einen überragenden räumlichen Effekt und eine tadellose akustische Klarheit. Auch die Geräusche in der Geheimdienst-Zentrale kommen sehr gut heraus. Das Volumen ist grandios, das Einschließen des Zuhörers ins Geschehen gelingt auf eine Art und Weise, die begeisternd ist. Im 5. Kapitel, als Gabriels Killerbrigade den Hacker Matthew Farrell töten und seine Wohnung in die Luft sprengen möchte, beweist Auro-Matic ebenfalls das hohe Maß an klanglichem Können.

Man möchte immer weiter aufdrehen, die Lautstärke steigern, um noch mehr von dieser akustisch allumfassenden Darstellung geboten zu bekommen. Wir haben diesen Film sowohl mit dem Dolby Atmos-Aufpolierer als auch mit DTS Neural:X angehört – und müssen sagen: Auro-Matic ist schon grandios. Diese Mischung aus authentischer Räumlichkeit und hoher Klarheit ist verblüffend und sorgt dafür, dass man in den meisten Fällen Auro-Matic als Aufpolierer verwenden dürfte. Die Schusswechsel, der explodierende Feuerlöscher, auch kleine Effekte, als McLane das Magazin an seiner Handfeuerwaffe wechselt: Auro-Matic ist immer über jeden Zweifel erhaben und bietet eine herausragende räumliche Integration bei allen Arten von Effekten. 

Klang Stereo HiRes

Bei „Dronning Fjellrose“ der Akustik-Jazzer des Hoff Ensembles liefert der AVR-X7200WA auch im Stereobetrieb eine reife Leistung ab. Nur der Arcam AVR550 kann ihn durch noch mehr Homogenität und Detailtreue übertreffen – was aber in der Praxis oftmals nichts hilft, da der AVR550 nur maximal 48 kHz Files wiedergeben kann. Von solchen Einschränkungen findet sich beim 7200WA nichts. Den vorliegenden 192/24-Track meistert er mit feiner Stimmdarstellung und filigraner Einarbeitung der Instrumente. Mark Knopflers „Basil“ (192 kHz/24-Bit) liegt dem großen Denon ebenfalls. Hier ist es die sehr gute Loslösung der Stimme Marks vom Lautsprecher, die beeindruckt. Aber auch, wie gut die vokalen Konturen herauskommen, ist mit Lob zu bedenken. Die akustische Gitarre kommt im feindynamischen Bereich ausgezeichnet heraus, die Trennung von der Stimme gelingt ohne Fehl und Tadel. „Desperado“ (48/24) in der Adaption von Diana Krall (Album „Wallflower“) gefällt ebenfalls durch die sehr charismatische Stimmabbildung – das Rauchige, leicht Melancholische stellt der 7200WA glaubwürdig dar. Das Klavier lässt auch die Anschlagdynamik der Tasten hören und besitzt dadurch entsprechenden Tiefgang. 

Videosektion: Upscaling von 1.080p auf 4K

Natürlich kann der AVR-X7200WA auch DVD-Material auf 4K hochrechnen, doch dürfte in der Praxis überwiegend die Konvertierung von BD-Inhalten auf 4K eine Rolle spielen. Wir haben uns verschiedene Sequenzen aus dem 007-Film „Skyfall“ angeschaut, um eine Antwort auf die Frage zu finden, ob der große Denon AV-Receiver auch als Video-Prozessor taugt. Der Anwender hat zunächst im Menü „Video“ des AVR-X7200WA die Auswahl zwischen verschiedenen vordefinierten Bildfeldern. ISF Night, ISF Day, Standard, Movie, Lebendig, Streaming und „Benutzerdefiniert“. Wählt man „Benutzerdefiniert“, kann der Anwender individuell Kontrast, Bildhelligkeit, Farbsättigung, Rauschunterdrückung und die Konturenschärfe einstellen. Braucht man alles nicht – man wählt einfach, je nach Lichtsituation am Aufstellungsort, einen der beiden hervorragenden ISF-Modi aus, und alles passt. Wir schauten bei sehr geringem externem Lichteinfall und verwendeten „ISF Night“. In der Anfangssequenz, in der Wohnung in Istanbul, hat der Killer Patrice Mi6-Agenten getötet bzw. verletzt. Die Wohnung in der Dämmerung wird enorm detailreich und rauscharm wiedergegeben. Die Oberflächenstruktur der Holztür, der Stoff des Anzugs von 007 oder selbst die Fliesen später im Treppenhaus – der Detailkontrast, den der 7200WA bereitstellt, ist extrem hoch.

Das Upscaling auf die höhere Auflösung gelingt erstklassig: Die Hautstruktur von Eve kommt präzise heraus, ebenso der charakteristische Kühlergrill des Land Rover Defender. Die über die Straße kullernden Apfelsinen kommen ebenfalls scharf und detailreich zur Geltung. Die nur noch teilweise existente, stark beschädigte Windschutzscheibe des Defenders arbeitet der Denon sehr exakt heraus. Auch die Enduro-Jagd zwischen Bond und Patrice, die teilweise in der Dämmerung stattfindet, beweist die hohe Qualität des Video-Processings, welche der Denon offeriert. Stabiler Bildstand und der unter allen Bedingungen, ob fast im Dunkeln oder im gleißenden Sonnenlicht, hohe Detailkontrast sorgen für Freude beim Anwender. Der 7200WA skaliert besser hoch als viele BD-Spieler und TVs – wie sieht es in der Shanghai-Sequenz aus, als die Skyline von Shanghai und danach der Pool und die Bar eines Luxushotels zu sehen sind? Hier schlägt sich der große AVR ein weiteres Mal glänzend. Die beleuchteten Skyscraper, die teils glitzernde und teils in der Dunkelheit liegende Wasseroberfläche des Flusses, später dann der hell erleuchtete Pool und das Ambiete in der Bar: Der Denon erweist sich als „Meister der visuellen Präsentation“ und bietet nicht nur scharfes, detailreiches Upscaling, sondern auch überragendes Schwarz, eine authentische Farbwiedergabe und eine hohe Plastizität. 

Pro & Contra Audio und Video:

+ Exzellente Pegelfestigkeit
+ Hervorragende Räumlichkeit in allen Betriebsarten
+ Impulstreue
+ Einarbeitung auch kleiner Effekte
+ Trennungsvermögen bei unterschiedlichen akustischen Ebenen
+ Sehr stabiles Hochrechnen von Full HD auf 4K
+ Erstklassige ISF-Bildprogramme

– Klingt nicht ganz so harmonisch wie manch anderer Denon
– Im „Benutzerdefiniert“ Modus des Video-EQs wenig Parameter

Konkurrenzvergleich

Yamaha CX-A5100/MX-A5000: Rund 5.200 EUR und somit deutlich mehr Geld als für den AVR-X7200WA werden für die noch etwas klarer klingende Yamaha-Vor-Endstufen-Kombination aufgerufen. Dafür gibt es gleich 11 enorm leistungsfähige Kanäle bei der MX-A5000 Endstufe und eine grandiose DSP-Sektion, XLR-Beschaltung und sechs Video-Presets bei der CX-A5100 Vorstufe. Die Yamaha-Kombi, die auch mit der grafisch gerade auf Tablets exzellenten App gesteuert werden kann, ist den hohen Preis ohne Zweifel Wert. Gerade in großen Hörräumen liefert die MX-A5000 nochmals mehr Leistung als der AVR-X7200WA. Der Denon präsentiert sich als etwas „milder“ abgestimmt, mit besonders harmonischen Front-Surround-Übergängen, und gefällt mit den beiden ISF-Video-Modi, die bei der CX-A5100 fehlen. In Kürze kommt für die CX-A5100 auch ein DTS:X Update.

Arcam AVR550: Das exzellente, effektive Dirac-Einmesssystem, der klassenbeste Stereo-Sound und eine raumfüllende, extrem harmonische Mehrkanal-Wiedergabe treffen auf tollen inneren Aufbau und eine erstklassige Fernbedienung – der Arcam für 3.300 EUR kann mit vielen dicken Pluspunkten dienen. Diesen gegenüber stehen auch ein paar Minuspunkte. So sind nur sieben und nicht neun Endstufen an Bord, Dirac ist für unerfahrene Anwender nicht optimal geeignet und benötigt überdies einen PC. Zudem ist das OSD grafisch sehr schlicht. DTS:X kann der Arcam prinzipiell wiedergeben, ein Update gibt es derzeit jedoch noch nicht.

Onkyo TX-NR3030: Schon fast ein Klassiker ist der immer noch gebaute TX-NR3030 aus dem Hause Onkyo. Mit 11 Endstufen und hervorragender Videosektion ist er nach wie vor ein guter Fang. Allerdings gibt es weder Auro-3D noch DTS:X, hier muss man sich mit Dolby Atmos als objektbasiertes Audio-Format begnügen. Dafür bringt der Onkyo eine THX-Lizenz mit. Der Klang ist sehr präzise, aber leicht metallisch, und somit etwas anstrengender als beim AVR-X7200WA.  

Fazit

Denon AVR-7200W Front Seitlich3

Der Denon AVR-X7200WA besticht durch die nahezu konkurrenzlos umfangreiche und gleichzeitig sinnvolle Ausstattung. Dolby Atmos und DTS:X inklusive der jeweiligen Surround-Aufpolierer gibt es gleich ab Werk, für 150 EUR extra findet überdies Auro-3D inklusive Auro-Matic den Weg in den Neunkanal-Netzwerkreceiver. Dass Auro-3D extra kostet, finden wir etwas schade, auch wenn sich generell die Frage stellt, ob man das dritte objektbasierte Audioformat überhaupt braucht. Da Auro-Matic ein herausragender Aufpolierer ist, kann man diese Frage aber durchaus auch bejahen. Kraftvoll, dynamisch, pegelfest, mit dichter Räumlichkeit: Der AVR-X7200WA beeindruckt bei Mehrkanal-Musik- und Filmton-Material gleichermaßen. Im Stereobetrieb bietet er ein präzises, lebendiges und homogenes Klangbild – auch hier findet sich demnach kein Anlass zur Klage. Die Leistungsstärke des 7200WA liegt schon beinahe auf dem Level von Vor-/Endstufenkombinationen, nur beim Kaufpreis hält sich der vergleichsweise günstige große AV-Receiver angenehm zurück. Dass dies keinesfalls auf Kosten der Gesamtqualität geht, verdeutlicht auch die exzellente Videosektion mit den beiden sehr gut gelungenen ISF-Bildmodi. Derzeit dürfte es kaum eine bessere Möglichkeit geben, 3.000 EUR für eine AV-Schaltzentrale auszugeben – der AVR-X7200WA demonstriert Ausgewogenheit auf höchstem Niveau und verdient sich eine besondere Kaufempfehlung.

Ganz gleich, ob Ausstattung, Klangqualität oder Video-Processing – der AVR-X7200WA bietet nahezu ein Optimum fürs Geld
masterpiecelogo
AV-Receiver Luxusklasse
Test 30. März 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 30. März 2016




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