XXL-TEST: Arcam 7.2 AV-Receiver AVR 550 – britisches Atmos-Ass mit Dirac-Einmessung für 3.300 EUR

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Der Arcam AVR 550 für 3.300 EUR ist ein edler 7.2 AV-Receiver, der mit zeitgemäßem High-Tech und Arcam-typisch unverwechselbarer Optik beim Kunden ankommt. Der AVR 550 ist nicht nur mit Dolby Atmos-Decoder ausgestattet, sondern ist auch vorbereitet für das in Kürze kommende DTS:X. Der Arcam bringt nur sieben Endstufen mit, die es allerdings hinsichtlich ihrer Leistung „in sich“ haben. Sind alle 7 Kanäle ausgesteuert, liefert der Arcam an 8 Ohm bei 1 kHz und 0,2 % Klirrfaktor 90 Watt, bei zwei Kanälen sind es 125 Watt. Zwei ausgesteuerte Kanäle, 20 Hz bis 20 kHz, weniger als 0,02 % Klirrfaktor: Hier stehen 110 Watt zur Disposition. Das sind üppige Werte, die die meisten Konkurrenten nicht erreichen. Besonderheit des Arcam AVR 550 ist das Dirac Live-Einmesssystem, welches Arcam derzeit als einzige echte CE-Marke anbietet. Highend-AV-Vorstufen des renommierten Anbieters Datasat setzen beispielsweise auch auf Dirac. Wir gehen später noch genauer auf Dirac ein. 

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HDMI-Sektion

Der Arcam ist gut mit Anschlüssen ausgestattet. Es gibt allerdings keinen HDMI-Slot auf der Gerätefront, sondern nur sieben HDMI 2.0a/HDCP 2.2-Terminals hinten. Besonderheit ist der eingebaute DAB/DAB+ Tuner, für den es hinten ebenso einen Anschluss gibt wie für Netzwerk  (RJ45) und USB (5V/1A).  

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Weitere Anschlüsse

Zone 2-Ausgang, 6 Cinch-Stereo-Eingänge, und, als Besonderheit aus heutiger Sicht, noch vier koaxiale und zwei optische Digitaleingänge. Wer ein 5.1.4 Atmos-Setup realisieren möchte, braucht dringend die Pre-Outs für den Anschluss einer externen Endstufe, die dann die Height 2 Lautsprecher „befeuert“. 

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RS232-Schnittstelle und Trigger-Anschlüsse für Custom Installations

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Lautsprecherkabel-Anschlussterminals

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Rückseite komplett

Der AVR 550 hat Decoder für Dolby Atmos, Dolby Surround mit Atmos-Upmix für Dolby und DTS-Inhalte, Dolby True HD, DTS-HD Master/High Resolution Audio, DTS-ES 6.1 Matrix/Discrete sowie für Dolby Digital/DTS 5.1. Der Arcam AVR 550 wiegt 15,5 kg und ist 433 mm breit, 425 mm tief und 171 mm hoch. Im Gegensatz zu früheren Arcam-Modellen haben die neuen Geräte nun einen großen Drehregler für die Lautstärke in der Mitte der aufgeräumt und hochwertig erscheinenden Frontblende. Das gut auflösende Display erstrahlt, wie wir es kennen, in grüner Farbe.

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Zweizeiliges Display

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Zentrierter Lautstärkeregler

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3,5 mm Miniklinken-Kopfhörer- und Aux-Anschluss vorn

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Zugriff auf Menü und Eingang direkt am Gerät

Der solide und hochwertig verarbeitete AVR 550 kann auch mit seinem aufgeräumten Innenleben überzeugen. Wie man es von einem über 3.000 EUR kostenden AV-Receiver auch erwarten darf, werden sehr gute Baugruppen verwendet.

Arcam AVR550 Innenleben Gesamt

Innenleben, Gesamtübersicht

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Vorn ist ein Lüfter eingebaut, dahinter der Kühlkörper aus schwarz lackiertem Aluminium

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Für dauerhaft hohe Stromlieferfähigkeit 

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Im Inneren bringt der AVR 550 einen großen Ringkerntransformator mit, der dauerhaft eine hohe Stromlieferfähigkeit garantiert. Das saubere Platinenlayout und die aufgeräumte Verkabelung überzeugen uns auch, ebenso der schwarze Aluminium-Kühlkörper. Im Gegensatz zu den „inneren Zutaten“ erscheint das eigentliche Chassis relativ einfach.  Auch ist das Innenleben nicht in verschiedene Kammern unterteilt, wie man es bei manch anderem Gerät findet. Der AVR 550 verbraucht übrigens weniger als 0,5 Watt im Standby-Betrieb. 

OSD-Screenshots

Der Arcam AVR 500 hat keinen aktuell im Trend liegenden Einrichtungsassistenten, weder per OSD noch per App. Die Bildschirm-Menüs wurden im Vergleich zu den älteren Modellen praktisch nicht verändert. Nach wie vor ist es ein reines Text-Menü ohne Grafiken. Die Qualität der Übersetzung ins Deutsche ist befriedigend, kleinere Fehler finden sich. 

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Individuelle Einstellmöglichkeiten für jeden Eingang 

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Auch Dolby Volume ist an Bord

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Allgemeines Setup müsste es heißen – kleinere Rechtschreib-/Grammatikfehler finden sich

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Weitere Einstellmöglichkeiten unter „Allgemeiner Setup“

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Mittlerweile gibt es auch die Arcam-Menüs in deutscher Sprache, das war nicht immer so

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Lautsprecherarten-Menü

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Time Alignment

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Pegelabgleich

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HDMI-Einstellungen

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Modus

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Zone-Einstellungen

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Netzwerk-Menü

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Net Client-Menü

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Internet Radio

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Wiedergabe einer Internet Radio-Station

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Übersicht über Server und PCs im Netzwerk

Dirac

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Einmessmikrofon

Dirac Research kommt aus der Profitechnik, und das Prinzip, nach dem dieses hochentwickelte Einmesssystem funktioniert, ist anders, als wir es sonst bei Consumer-AV-Receivern kennen. Zwar ist es z.B. bei Pioneers MCACC auch möglich, den PC mit in Einmessoptimierungen einzubeziehen, aber weniger versierte Anwender können MCACC auch ganz normal im Automatik-Modus durchlaufen lassen. Nicht so bei Dirac Live. Hier ist ein PC oder Mac zwingend nötig, um das Einmesssystem zu verwenden. Auch wird als Apparatur für die Berechnung der optimalen Filterkurven der PC und nicht der AVR eingesetzt. Vorteil: Die immense notwendige Rechenpower für die Berechnung muss im AVR gar nicht vorhanden sein. Natürlich muss der AVR dann noch die entsprechenden Anpassungen vornehmen, aber zunächst wird die am PC optimierte Kurve zum AV-Receiver übertragen, nachdem Dirac am PC seine Arbeit beendet hat. Der Weg läuft bei Dirac folgendermaßen ab:

  1. AV-Receiver einschalten und das Lautsprecher-Layout manuell im Menü bestimmen. Bitte beachten: Der Punkt, in dem angegeben wird, wie die 6. und die 7. Endstufe verwendet werden (Height-Lautsprecher oder Back Surround z.B.) findet sich, was nicht besonders praktisch ist, ganz am Ende des betreffenden OSD-Menüs beim AV-Receiver. Hier muss man, bevor überhaupt irgendetwas mit Dirac geschieht, erst die Grundeinstellungen anpassen.
  2. AV-Receiver und der PC, mit dem Dirac verwendet werden soll, müssen sich im gleichen Netzwerk befinden.
  3. Das Mikrofon wird nicht mit dem AV-Receiver verbunden, sondern mit dem PC. Hierzu wird ein freier USB-Slot benötigt. In diesen steckt man den weißen, im Lieferumfang des AVRs enthaltenen Adapter, und wiederum am Adapter wird das Mikrofon angeschlossen. Wichtig ist, dass das Mikrofon genau im Sweet Spot, also mittig zentriert, und in der richtigen Höhe positioniert wird. Im Menü von Dirac kann man Stuhl, Couch oder Auditorium (kleines Kino) auswählen.
  4. Nun muss man sich auf der englischen Arcam-Website (Windows) beziehungsweise auf der englischen Arcam-Website (Mac) die Dirac-Software auf den PC herunterladen. Das geschieht bei uns ohne Probleme, anschließend wird das Programm installiert und ist nun „ready to use“.
  5. Der AV-Receiver muss angeschaltet sein, wenn Dirac gestartet wird. In unserem Falle wurden der AVR 550 und auch die verwendete LS-Konfiguration sofort korrekt erkannt und übernommen.
  6. Jetzt wird der Grundpegel entsprechend eingestellt, Anweisungen, allerdings nur in englischer Sprache, finden rechts im Dirac-Fenster.
  7. Dirac misst dann das System im ist-Zustand, anschließend kann man die gemessenen Kurven optimieren.
  8. Man kann eine Dirac-Konfiguration komplett auf dem PC speichern und später natürlich, wenn man mehrere Konfigurationen verwendet, auch wieder laden. 
  9. Nach Beendigung des Vorgangs werden die Daten auf den AVR 550 übertragen.
  10. Im On Screen Menü des AVR 550 kann man nun das Dirac Projekt aktivieren, dann ist die Raumkorrektur aktiv.
  11. Man findet den Punkt bei „Konfigurieren der Eingänge“. Für jeden Eingang kann man individuell festlegen, ob Dirac genutzt wird oder nicht. Hat man verschiedene Dirac-Kurven ermittelt, kann man verschiedenen Eingängen auch verschiedene Dirac-Kurven zuweisen. 

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Systemkonfiguration und AV-Receiver wurden korrekt erkannt

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Mikrofon wird am PC angeschlosssen

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Der richtige Pegel wird justiert. Rechts in den Hilfetexten ist auf Englisch alles beschrieben, was zu beachten ist

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Arcam geht nochmals per Warnmeldung darauf ein, dass das Mikrofon optimal im Sweet Spot positioniert sein muss

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Es gibt übrigens verschiedene Darstellungsmöglichkeiten für das Wohnmöbel, man kann sich die Couch auch von vorn anzeigen lassen. Hier misst Dirac gerade

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Ermittelte Kurve im schwierigen Raum

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Korrektur

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Hier nochmals in größerer Darstellung

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Nun wird die Dirac-Kurve in den Speicher des AVR 550 geladen

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„Mission Complete“

Klangeindrücke bei DJ Tiesto-BD, Elements of Live, Disc 2, Tracks: Back In Your Head, In The Darkm Adagio For Strings, He’s A Pirate, First Light, 11 Days, Lift, Sierra Nevada: Dirac ist aufgrund der Tatsache, dass man Software herunterladen und einen PC/ein Notenbook für den Einmessvorgang verwenden muss, für Newbies mit gewissem Aufwand verbunden, da man sich zunächst in die Materie einarbeiten muss. Man sollte daher generell etwas Zeit mitbringen. Die Ergebnisse von Dirac können sich aber absolut hören lassen. Wir haben extra einen normalen, nicht weiter optimierten Raum mit Möbeln darin genommen und damit eine alles andere als perfekte, aber in der Praxis oft vorzufindende Situation simuliert. Und hier trumpft Dirac auf: Kaum störender Hall, keine schrillen, aggressiven Einflüsse in den Höhen bei gehobenem Pegel, klare Loslösung der Stimme vom Center, überall exzellent definierte akustische Konturen. Präzision und Stimmigkeit im gesamten Klangbild sind somit auch in einem normalen, nicht weiter akustisch optimierten Hörraum möglich. Bass-Dröhnen wird weitgehend eliminiert, trotzdem ist keine Bass-Schwäche festzustellen, im Gegenteil: Der Bass ist satt und hat Druck, er breitet sich homogen im Hörraum aus. Im Zusammenspiel mit dem Nubert nuVero 5.0 Surround-Set hinterließ das Dirac-Einmesssystem demnach einen hervorragenden Gesamteindruck. 

Fernbedienung und App

Arcam AVR550 Fernbedienung

Arcam legt dem AVR 550 eine voll beleuchtete und sehr gut in der Hand liegende Fernbedienung bei. Sie ist angenehm flach und wirkt recht hochwertig. Die Tasten weisen eine angenehme Haptik und eine stimmige Größe auf. Sie heben sich farblich bestens vom schwarten Gehäuse ab. Das Navigationskreuz ist zentral untergebracht, und die Navigation erfolgt nicht mit dem Ring um die „OK“ Taste, sondern mit den vier Pfeiltasten. Bevor man z.B. ins OSD geht, drückt man die Taste „Amp“. Griffgünstig ist die große Lautstärkeregel-Wipptaste. 

Arcam bietet für iOS und Android auch eine kleine App an, mit der man allerdings nicht, wie bei den meisten Konkurrenten, den ganzen AVR steuern kann. Vielmehr ist es eine Multimedia-App, die problemlos funktioniert, und dem AVR 550 mittels Steuerung übers Smartphone den Zugriff auf verschiedene Musikquellen (PCs, Server, das Smartphone, auf dem die App installiert ist) erlaubt. 

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Donwload aus dem App Store

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Wiedergabe-Optionen

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Hier wird festgelegt, welcher Player die Wiedergabe übernimmt

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Musikwiedergabe

Klang

BD „Lichtmond 3 – Days Of Eternity“, DTS-HD 5.1, Tracks: Nightflight To Chronos 1 + 2, Feel The Spirit, Wheel Of Time, Catching Rainbows. Empires Of The Past: 

Wir vergleichen hier auch wieder den Klang mit aktivierter Dirac-Raumkorrektur und ohne. Generell, schon ohne Dirac-Eingriff, lässt sich sagen, dass der AVR 550 sehr kraftvoll und dynamisch ans Werk geht. Er braucht keinesfalls einen aktiven Subwoofer als zusätzlichen Support. Dies ist oft der Fall, denn der Bassbereich verlangt ganz besonders nach üppigen Leistungsreserven. Darum, selbst wenn man ausladende passive Boxen mit entsprechenden Eigenschaften hat, muss man zusätzlich einen aktiven Bassisten verwenden, dessen eigene Endstufe dann den AVR entlastet. Im Zusammenspiel mit den großen nuVero 140 entfaltet der Arcam AVR 550 eine großartige Basswucht, die schon in der normalen Betriebsart durch ausgezeichnete Präzision glänzt. Möchte man diese Präzision voll ausschöpfen, ist aber ein akustisch optimierter Raum notwendig. Nun kommt es aber – wenn man Dirac einsetzt, klingt der Bass auch im normalen Hörraum grandios! Satt, nahezu ohne Dröhnen, mit sehr klarer, nachvollziehbarer Struktur – das erfreut das Herz jedes anspruchsvollen Multichannel-Liebhabers. Der Bass trifft genau den Punkt, die vier Langhub-Tieftöner der nuVero 140 geben die angelieferte Energie des britischen Mehrkanalreceivers z.B. bei „Nightflight To Chronos 2“ impulstreu weiter. Bei allen Tracks besticht das Auflösungsvermögen des Arcam. Hier gibt es kaum einen Konkurrenten, der ihmm das Wasser reichen kann. Mit ähnlichen Fähigkeiten wartet die Yamaha CX-A5100 AV-Vorstufe auf. Auch sie löst sehr gut auf, über den gesamten Frequenzbereich, besonders im Hochtonbereich. Im Bassbereich sind Auflösung und Präzision beim Arcam AVR 550 hingegen so gut, dass hier, wie man bei der sehr guten Lichtmond-BD nachvollziehen kann, kein Konkurrent derzeit mitkommt. Der mit 1.799 EUR sehr viel günstigere Onkyo TX-RZ900 liefert für seinen Kaufpreis auch eine sehr ansprechende Auflösung in allen Frequenzbereichen, an den AVR 550 kommt er aber nicht heran, gerade, wenn man in beiden Fällen die Einmess-/Room EQ-Systeme aktiviert hat. Während Dirac das Auflösungsvermögen des AVR 550 glänzend in Szene setzt, bremst das AccuEQ System beim TX-RZ900 den Onkyo eher ein. Hier empfiehlt es sich, den Onkyo in einen akustisch optimierten Raum zu „verpflanzen“, das Einmesssystem nicht zu verwenden und die Basisparameter manuell zu justieren. Der Arcam überzeugt bei allen Beispielen auch durch die exzellenten Stimm- und Instrumentaltrennung und durch die ausgezeichnete, Maßstäbe setzende Dosierung bei der Räumlichkeit. Komplexe Effektgefüge stellt der AVR 550 schnell und umfassend dar, grob- wie auch feindynamisch ist er herausragend. Sehr räumlich kommt der Regen zu Beginn von „Empires Of The Past“ heraus, und die darauf folgende Stimme wird ebenso exzellent präsentiert wie Signale, die durch verschiedene Kanäle alternieren. Man kann noch das Upmix aktivieren, das dann die beiden Atmos-Channels unseres 5.0.02 Setups noch mit einbindet, und freut sich über einen Zugewinn an Räumlichkeit und luftiger Darstellung, erfreulicherweise gehen diese Vorteile ohne den Nachteil der oft herauszuhörenden Präzisionsverminderung einher. Wer es wirklich „wissen“ will, nimmt sich noch eine externe Endstufe und realisiert ein Setup mit vier Atmos-Speakern, dann wirkt die Räumlichkeit noch umfassender und gleichmäßiger – gerade im größeren Hörraum ein ordentlicher Vorteil. 

BD „Metallica -Through The Never 3D“, Dolby Atmos, Tracks: „The Ecstasy Of Gold“, „Creeping Death“, „Nothing Else Matters“:

Hier beweist der AVR 550, was in seinen Endstufen steckt: geschmeidig, kraftvoll, nachdrücklich macht sich der 7-Kanal-Receiver an die Wiedergabe von „The Ecstasy Of Gold“. Aktiviert man Dirac, wird das störende zu Schrille, zu Aggressive dem Sound geschickt genommen – es bleibt alles sehr nachdrücklich, der Bassbereich wird im positiven Sinne geschärft, und das zusätzliche Plus von „Immersive Sound“ kommt sehr stimmig heraus. Die Front-Klangkulisse wirkt großzügig, und der Bühnencharakter wird vom AVR 550 hervorragend herausgestellt. Der Bass ist ungemein präzise, bei gleichzeitig hoher Energie. Die Fähigkeit, nicht nur viel Räumlichkeit, sondern auch ein hohes Differenzierungsvermögen aufzubauen, zeichnet den britischen Receiver ebenfalls aus. Er wirkt immer ausgesprochen souverän, nichts scheint ihn aus der Ruhe bringen zu können. Ein dichtes, mitreißendes Klangbild lässt auch Mehrkanal-Kenner aufhorchen: So merkwürdig, wie dies bei einem 3.300 EUR teuren AV-Receiver sich auch anhören mag, aber für diesen extrem guten Klang ist der AVR 550 sogar als preiswert einzustufen. Auch gefühlvolle Balladen „kann“ der Arcam: „Nothing Else Matters“ wird direkt von Beginn an mit der nötigen Sensibilität präsentiert. Sehr schön verdeutlicht der AVR 550 auch kleine Dynamikunterschiede und schafft erneut eine großartige Räumlichkeit. Sensationell aufgelegt ist der Bass – hier geht der Arcam eine ungemein gewinnbringende Verbindung mit den nuVero 140 ein. Ein aktiver Subwoofer wird zu keinem Zeitpunkt vermisst. Die nuVero 140 spielen so satt und klar auf, und der AVR 550 liefert so großzügig Kraft an, dass dieses Teamwork auch für im Bassbereich anspruchsvolle Anwender locker ausreicht. 

BD „a-ha – The Final Concert“, At Oslo Spectrum, DTS-HD Master Audio 5.1. Titel: „The Sun Always Shine On TV“, „Stay On These Roads“, „We’re Looking For The Whales“:

Und ein weiteres Mal setzt sich der AVR 550 bestens in Szene: Die Atmosphäre zu Beginn des finalen a-ha-Konzertes wird sehr lebendig und allzeit nachvollziehbar in den Hörraum übertragen. Mit Upmix zur Aktivierung der Height-Lautsprecher wird die gesamte Darstellung noch etwas eindrucksvoller – der Arcam macht ein überragendes Upmix, nahezu ohne Präzisionsverluste – top. Auch lobenswert ist ein weiteres Mal die Wirkung von Dirac, der Klang erscheint besser gestaffelt, knackiger und lebendiger. Die Stimme von Mortenn Harket löst sich sehr gut vom nuVero 70 Centerspeaker und verteilt sich mit sehr akkurater Kontur im Hörraum. Die Instrumente werden detailgetreu abgebildet, das Schlagzeug gliedert sich mit exaktem Timing ein. Das ruhigere, sentimentalere „Stay On This Roads“ liegt dem AVR 500 ganz genauso wie der erste Titel. Der klare, substanzreiche Klang, grob-  wie auch feindynamisch ohne Abstriche begeisternd, setzt über die Preisklasse hinaus Maßstäbe. Der Bass, kraftvoll-kontrolliert und impulstreu, vervollständigt den Eindruck, es aus pur akustischer Perspektive mit einem Vorzeigeprodukt zu tun zu haben. Nun folgt „We’re Looking For The Whales“, es wird wieder schneller: Und gleich die ersten Takte bringen es wieder zum Ausdruck, wie ungefiltert-nachdrücklich sich der AVR 550 ans Werk macht. Selten, auch in Verbindung mit den Nubert-Boxen, haben wir die a-ha BD in dieser makellosen Qualität hören dürfen! Früher gab es AV-Boliden ab 5.000 EUR aufwärts – diese Maschinen hätten heute nicht den Hauch einer Chance gegen den 3.300 EUR kostenden AVR 550, und selbst ein älterer Arcam AVR 750, im Jahre 2013 immerhin auch 4.999 EUR teuer,  hat, gerade wenn man ihn im normalen, nicht optimierten Hörraum einsetzt, nicht allzu viele Chancen gegen den mit Dirac und nochmals präziser agierender Vorstufe arbeitenden AVR 550. Zwar haben die Endstufen des AVR 750 noch mehr Power, aber das braucht man in der Praxis viel seltener als die Vorzüge des AVR 550, dessen Endstufenleistung auch mehr als nur ausreichend ist für die meisten Einsätze. 

BD „Andrea Bocelli – Vivere – Live in Tuscany“, PCM 5.1. Titel: „Romanza“, „Canto Della Terra“ (Duett Andrea Bocelli mit Sarah Brightman):

Sowohl die Stimme von Andrea als auch die von Sarah werden exzellent herausgearbeitet, sehr charismatisch, mit Tiefgang und mit Anmut. Der Arcam agiert sehr geschmeidig, nicht so hölzern, wie man es manchmal hört. Gerade hinsichtlich der gebotenen Struktur und Feindynamik sind die Ergebnisse exzellent. Das Verhältnis Front-Surround gefällt sehr gut, das Publikum ist ausgezeichnet mit eingebunden. Die beiden Titel werden als ganzheitliches Hörerlebnis wahrgenommen, man hat den Eindruck, sich das Konzert nicht nur anzuhören, sondern selber Teil dieses Konzertes zu sein. Der Arcam offeriert eine derart vielschichtige Räumlichkeit, wie wir sie nur selten wahrnehmen konnten. Gerade, was das Thema Räumlichkeit angeht, haben viele AVRs mittlerweile einen beachtlichen Standard erreicht. Selbst Modelle für rund 500 bis 600 EUR schneiden hier oftmals lobenswert ab. Daher ist es frappierend, wie viel mehr der AVR 550 dann doch noch in der Lage ist, zu offerieren. Weitläufiger, gleichzeitig dichter, tiefer und detailreicher – man „taucht“ noch stärker in alle Ereignisse ein, die die Tonspur bereithält. 

Stereowiedergabe, Teil 1: Diana Krall, „Wallflower Deluxe“, in 48 kHz/24-Bit. Titel: Alone Again, California Dreamin‘, Don’t Dream It’s Over:

Zunächst einmal eine eher bedauerliche Feststellung: Der Kelch der hochauflösenden HiRes-Audio-Ritter hat offenbar einen großen Bogen um die Universitätsstadt Cambridge gemacht. Dort in der Nähe residiert Arcam, und man hat es offensichtlich nicht für elementar wichtig gehalten, den klangstarken AVR 550 für Wiedergabeformate oberhalb von 48 kHz/24-Bit „fit“ zu machen. Allerdings schreibt der AVR 550 nicht einfach ins Display „cannot play“, wie das sonst üblich ist, sondern er macht nichts. So wartet man, ob nicht doch noch etwas passiert, denn er stellt im OSD die einzelnen Titel, die im hochauflösenden Ordner enthalten sind, alle dar.

Nach einiger Zeit (ca. 2 Minuten) erscheint auch der Titel, der zuvor angewählt wurde, im Display: Nur zu hören ist nichts. Das ist unser Haupt-Kritikpunkt am AVR 550 – wie kann man es hier versäumen, ein klanglich so exzellentes Gerät nicht für die High Resolution Audio-Wiedergabe zu rüsten? Schon bei der Vorgängergeneration war dies unser Kritikpunkt, ebenso wie das wenig erbauliche Einmessystem. Während Arcam bei letzterem durch die Integration von Dirac wirksam Abhilfe schaffte, ist der Nachteil der fehlenden HiRes-Unterstützung leider nach wie vor präsent. 

Was der AVR 550 kann, beweist er bei den drei oben erwähnten Titeln des Cover-Albums „Wallflower Deluxe“ sehr deutlich. Herausragende Präsentation der Stimme Dianas, die stabil im Raum steht und sehr feine Konturen zeigt. Der rauchige, typische Charakter kommt so voll zum Tragen. Auch, wie gut das Piano inklusive Anschlagdynamik der Tasten dargestellt wird, zeugt von der großen Stereo-Kompetenz von Arcam. Der AVR 550 stellt mühelos reinrassige 1.000 bis 1.500 Stereoverstärker in den Schatten. Er liefert mehr Präsenz, mehr Feingefühl, mehr Weitläufigkeit und mehr Plastizität.

Wunderbar integriert er alle Instrumente, das schafft eine gediegene, kultivierte Atmosphäre. Er agiert, das verwundert uns, beinahe auf dem Level des AVR 750, der sehr deutlich teurer war im Jahre 2013. Den ebenfalls von uns getesteten AVR 450, mit 2.699 EUR gar nicht so deutlich günstiger, lässt er hinter sich: Mehr Detailverliebtheit, bessere Gesamtdynamik und noch bessere Loslösung von Stimmen sind hier die Vorzüge. Der kontrollierte Bassbereich, die sauberen Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen und das herausragende Auflösungsvermögen im Hochtonbereich qualifizieren den AVR 550 als superbe Stereo-Maschine, abgesehen von der HiRes-Schlappe. 

Der AVR 550 kann auch ganz anders: Nämlich bei der völlig problemlosen Verwendung von Spotify Connect – was löblicherweise an Bord ist – den „Clubber“ spielen. Es ist erstaunlich, was der AVR aus dem qualitativ eher durchschnittlichen Spotify-Tracks mit niedrigen 320 kbps herausholt. „Dreamer Trance“ von Mediteria im Remix von General Base begeistert mit exzellentem, kraftvollem Bass und toller Raumwirkung. „Free Your Mind“ von Mario Lopez kommt ebenfalls gut heraus, wenngleich, die Wirkung nicht ganz so  imposant wie beim ersten Titel ist. Der Track ist etwas zurückhaltender und klingt blecherner, was hier aber am Quellmaterial liegt. Richtig ab geht es bei unserem dritten Trance-/Club-Track „Sweet Lies“ von DJ Cyglas im Russenmafia Remix. Hier punktet der AVR 550 wieder mit straffem, hartem Bass und überragender räumlicher Wirkung. 

Wenden wir uns nach den bei Musikmaterial gesammelten Eindrücken nun der Wiedergabe von Filmmaterial zu.

BD „Mission Impossible – Rogue Nation“, Dolby Atmos, ab Filmbeginn: 

Ja, der Arcam schafft es auch bei Filmton, jede Menge Faszination zu entfalten, um gleich eine Antwort zu geben. In der Anfangssequenz des Films in Dolby Atmos überzeugt das hohe Maß an Authentizität, als das große Militär-Frachtflugzeug startet, die drehenden Propeller kommen überragend heraus. Der Music Score ist sauber eingebunden und unterfüttert die erzeugte Spannung. Als Ethan Hunt auf der Tragfläche läuft, ist der enorm wuchtige Bass sehr gut zu vernehmen. Die Fluggeräusche, als Hunt außen am Flugzeug hängt, werden ebenso detailliert übertragen wie kleine Effekte wie das Tippen auf einem Tablet. Bei der Vernehmung in Washington ein Kapitel weiter macht der AVR 550 deutlich, dass er auch in Dialogszenen seine Vorzüge gekonnt präsentieren kann.

Der leichte Hall im Saal wird vom Arcam glaubwürdig herausgearbeitet. Die unterschiedlichen Stimmen arbeitet der AV-Receiver akkurat heraus, das Maß an dargestellten stimmtypischen Charakteristika ist groß. Im nächsten Kapitel ist Hunt in Havana und wird gezeigt, wie er Liegestütze macht. Sein intensives Atmen gibt der AVR 550 so präzise wieder, als wäre man im selben Raum mit Ethan. Das das Spezialkommando die Tür aufbricht, ist der Arcam blitzschnell mit jeder Menge Energie für diesen kurzen, heftigen Effekt zur Stelle. Immer wird der Music Score treffend berücksichtigt, wie gut der AVR 550 aus musikalischer Sicht ist, zeigt die Einlage aus Figaros Hochzeit, während Benji vor den PC-Monitoren zu sehen ist.

Als Benji kurz darauf einen Zettel aufklappt,, wird selbst dieser eigentlich völlig nebensächliche Effekt so überzeugend dargestellt, dass man automatisch genauer der Tonspur lauscht. Die klassische Musik beim Blick auf das nächtliche Wien wieder ein Kapitel weiter und die davonfahrende U-Bahn – völlig verschiedene akustische Welten, doch der Arcam schafft es immer, das jeweilige Material enorm realistisch wiederzugeben. Als Benji auf dem Tocuschreen seines Smartphones navigiert, beweist auch dieser kleine Effekt wieder das Gespür für Kleinigkeiten, das der AVR 550 mitbringt. Auch wenn verschiedenen Effekte parallel stattfinden, der Arcam schafft es, jeden davon exzellent zu berücksichtigen. Seien es Stimmen im Hintergrund im Foyer der Wiener Staatsoper, oder die wie wild knipsenden Kameras von Paparazzis vor der Oper: Alle Arten von Effekten werden fließend, nahtlos eingearbeitet.

Das Präparieren der Bühne für Akt 1 mit den hoch- und herunterfahrenden Bühnenteilen weckt sonst selten das Interesse, weil es ein für den Film eigentlich völlig unwichtiger, unspektakulärer Effekt ist. Beim AVR 550 sieht man das anders, weil seine Liebe zum Detail auch bei solchen Kleinigkeiten bravourös ist. Als Giacomo Puccinis „Turandot“ dann beginnt, beweisen die Wiener Philharmoniker ihre orchestrale Klasse und der Arcam sein Vermögen, Musik einfach brillant und feinfühlig darzustellen. Die erste Arie wird aufgrund der herausragenden Stimmreproduktion zu einem Erlebnis oberster Güte. Die Faszination der jetzt schon legendären, mehr als 20 Minuten langen Opernszene verdeutlicht der AVR 550 besser als die Anlagen, die in modernen Multiplex-Kinos stehen und gerade bei hochwertiger klassischer Musik völlig überfordert sind. 

Wir springen weiter nach vorn, als die Polizisten die Treppen im Opernhaus hinaufstürmen, die hektischen Schritte kommen sehr gut heraus. Auch die durchstartenden Polizeimotorräder sind detailliert zu vernehmen. Die beeindruckende Musik, als die Dächer von Wien zu sehen sind, steigert sich bezüglich der Dynamik – der lebendig und geschlossen aufspielende Arcam gibt diese Sequenz brillant wieder. Mit viel Facettenreichtum, selbst bei nur 2 Top Firing Modulen und ohne zusätzliche Endstufe, oberhalb der Köpfe der Zuhörer verdeutlicht der britische AV-Receiver die Vorteile von Dolby Atmos auf gelungene Art und Weise. Als kurz darauf ein Pickup von einer Rakete getroffen wird und explodiert, ist der AVR 550 wieder mit der für ihn typischen präzisen Wucht zur Stelle. 

BD „Avengers“, ab 2. Kapitel, „Der Tesseract“

Der Arcam AVR 550 schafft auch hier viel nachdrückliche Effektgewalt und dichte Räumlichkeit. Die wilde Verfolgungsjagd in den unterirdischen Tunnels beweist: Der Arcam bleibt stets Herr der Lage. Er baut alle Effekte auch bei hohem Pegel sauber auf, dank Dirac stören weder Poltern noch Dröhnen im Bassbereich. Das Auflösungsvermögen des AVR 550 hilft ihm auch bei der Darstellung von Filmton. Als am Ende des 2. Kapitels das Gebäude einstürzt, wird dieser imposante Effekt energiegeladen dargestellt. Die „Avengers“ BD macht auch deutlich, dass der AVR 550 ein hochwertiges angeschlossenes Lautsprechersystem benötigt, um seine Qualitäten entfalten zu können. Am besten große, mit Sorgfalt konstruierte Boxen, die machtvoll und gleichzeitig sensibel antreten können.

Nicht nur die Lautsprecher von KEF, in Deutschland ebenso im Vertrieb von GP Acoustics wie Arcam, sondern auch die Schallwandler von Nubert (nuVero Serie) passen hier enorm gut. Weitere Szenen, wie die Kampfszene, als Natascha Romanow sich aus der Hand ihrer Kidnapper befreit, oder das Einschlagen von Captain America auf den Boxsack, verdeutlichen das, was wir nun schon sehr gut kennen: Eine umfassende, genau austarierte Effektdarstellung, räumlich immer korrekt platziert. Ganz gleich, welche Art von Effekt – der AVR 550 ist immer mit Impulstreue und Geschmeidigkeit zur Stelle. 

Videosektion

Von „Sektion“ zu sprechen, ist hier eigentlich übertrieben. Arcam hat hier alles reduziert – es gibt nur eine Funktion. BD-Material kann von 1.080p/24 auf 4K hochskaliert werden. Für ein 3.300 EUR-Gerät nicht eben üppig – aber Arcam setzt schlichtweg andere Schwerpunkte. Anstatt ein Ausstattungsmonster, das absolut auch seine Daseinsberechtigung besitzt, zu bauen, hat man eine mit Maßstäbe setzendem Klang auftrumpfende Audiomaschine konzipiert, mit einem Room EQ, der in seiner Güte beispielhaft ist.

Aber wenden wir uns nun der Videosektion zu, was leistet der AVR 550, wenn er die „Avengers“ BD von 1.080p auf 4K hochrechnet? Das 1.080p/24 Signal wird sehr präzise von einem Denon DBT-3313UD zum Arcam geführt.  Dieser gibt das Videosignal an den Sony KD-65X9005C weiter. Der AVR 550 bietet eine solide Upconversion mit wenig Scalingrauschen. Als im 2. Kapitel „Der Tesseract“ die wilde Verfolgungsjagd in den unterirdischen Tunnels stattfindet, stellt er die nasse Straßenoberfläche akkurat, wenn auch nicht enorm scharf, dar. Das ganze Bild erscheint flüssig, harmonisch, stimmig. Als der Helikopter startet, hebt er sich authentisch vom Gebäude ab. Gesamt- und Detailkontrast sind gut, wenngleich gerade der Detailkontrast keine Maßstäbe setzt. Sehr gut kommt Lokis Zepter zur Geltung, die leuchtende Spitze wird scharf und akkurat präsentiert.

Die Struktur der Jacke von Director Fury kommt in der Dunkelheit ausgezeichnet heraus. In der Sequenz in Russland ist zunächst eine Gleisanlage sowie ein fahrender Zug zu sehen. Die Gleise und die Kieselsteine als Unterbau werden mit natürlicher Schärfe und hoher Klarheit wiedergegeben. Die Abzeichen auf dem Jackett des Militärs könnten noch schärfer und detailreicher wiedergegeben werden. Sehr gut wird hingegen die Halskette des Helfers auf den Screen gebracht. Die Kampfszenen in Russland, als Natascha sich aus ihrer misslichen Lage befreit, zeigen eine gute Bewegungsdarstellung. Als Natasche mit dem Smartphone telefonierend durch die Halle geht, sind die hellen Härchen an ihrem rechten Arm im Licht mit tadelloser Differenzierung zu erkennen. Insgesamt kann man das Upscaling des Arcam AVR 550 als gut bis sehr gut bezeichnen, früher waren Arcam AV-Receiver bezüglich der Qualität ihres Video-Processings generell wenig überzeugend. Von daher hat der AVR 550 einen deutlichen Fortschritt gemacht, allerdings ist die Ausstattung extrem mager. 

Fazit

Arcam AVR550 Front Seitlich2

Der Arcam AVR 550 ist ein Gerät für Mehrkanal-Liebhaber, die sich zum noch bezahlbaren Preis eine Akustik wünschen, die ihresgleichen sucht und Maßstäbe setzt. Dies ist beim AVR 550 genau der Fall, das beginnt schon mit Dirac Live als erstklassigem Einmesssystem. Zwar sollte man etwas Zeit und am besten auch etwas Sinn für Technologie mitbringen, auch ein PC ist zwingend von Nöten – aber die Ergebnisse entschädigen für alles. Auch schwierige akustische Bedingungen im Hörraum und/oder nicht optimal aufgestellte Boxen –  in einem gewissen Rahmen – pariert Dirac sauber.

Der Klang wird vom satten, präzisen Bass, der extrem guten Auflösung über den gesamten Frequenzbereich, der Maßstäbe setzenden Räumlichkeit und der enormen akustischen Gesamtharmonie geprägt. Auch in einigen Preisklassen über dem AVR 550 dürfte es kaum andere AV-Receiver oder AV-Vor-/Endstufenkombinationen geben, die einen so angenehmem Klang mit so hoch liegender Brillanz und Feindynamik kombinieren. Ganz gleich, ob Film- oder Musikmaterial – der Arcam setzt immer Maßstäbe. Auch bei Atmos-Tonspuren begeistert er, selbst bei nur 2 Top Firing-Modulen schafft er eine ungemein dichte ATMOSphäre. Über den Köpfen der Zuhörer bringt der AVR 550 viel lebendige Räumlichkeit ins Spiel und demonstriert auch beim Upmix konventioneller Tonspuren (Dolby und DTS)  seine Klasse.

Im Stereobetrieb deklassiert er andere hochwertige AVRs: Er spielt einfach direkter, spritziger, räumlich authentischer. Wir können es also ohne Übertreibung sagen: Was Einmesssystem und Klangeigenschaften angeht, setzt sich der Arcam in der Liga um 3.000 EUR an die Spitze des gesamten Feldes. Dass er nur von 1.080p auf 4K hochskaliert – mehr kann die Videosektion nicht – ist etwas dürftig, wenigstens blamiert sich der AVR 550 beim stabilen, kontrastreichen Upscaling mit geringer Rauschneigung und natürlicher Schärfe nicht. Die mitgelieferte Fernbedienung ist hervorragend, die App bietet nur einige Multimedia-Funktionen – keine vollwertige Steuerung des AVRs. Die schlichten OSD-Menüs sind einfach zu handhaben. Die Anschlussbestückung ist vollständig, so finden sich bei Arcam sogar noch Anschlussformen wie koaxiale Digitaleingänge.

Hauptnachteil des AVR 550 ist die fehlende High Resolution Audio-Unterstützung. Dafür ist wenigstens Spotify Connect an Bord, wenngleich dies den HiRes-Liebhaber nicht beeindrucken wird. Bilanzierend ist der Arcam AVR 550 derzeit die am besten klingende AV-Maschine der Ober- und angehenden Luxusklasse und wäre daher unser Masterpiece – dass es „nur“ eine Referenz wird, liegt an den Ausstattungsdefiziten. 

Der Arcam AVR 550 besticht mit Maßstäbe setzendem Klang und grandiosem Room EQ
referenz
AV-Receiver Luxusklasse
Test 21. Dezember 2015

+ Exzellente Dolby Atmos-Integration und erstklassiger Upmix
+ Räumlichkeit bestechend
+ Grob- und Feindynamik setzen Maßstäbe
+ Dirac Live an Bord
+ Stereo-Performance grandios
+ Sehr gutes Video-Upscaling von 1.080p auf 4K
+ Hervorragendes Finish innen und außen
+ Sehr gute Fernbedienung

– Kein HiRes-Support oberhalb von 48 kHz
– Videosektion bietet nur 1.080p auf 4K Upscaling

Test: Carsten Rampacher
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 21. Dezember 2015




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