SPECIAL: Dolby Atmos – Konfigurationsmöglichkeiten und Equipment

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Schon in AV-Receivern der Mittelklasse kann man mittlerweile einen Dolby Atmos-Decoder als aktuelles Ausstattungs-Detail finden. Die Zahl der Blu-rays, die mit Atmos-Tonspur ausgestattet sind, wächst, wenn auch keinesfalls ins Unermessliche. Für uns stellt sich nun die Frage: Lohnt sich Dolby Atmos? Oder kann man auf das neueste, objektbasierte Audio-Tonformat aus dem Hause Dolby genauso gut verzichten? Man muss im Übrigen nicht zwingend eine Blu-ray mit Dolby Atmos-Tonspur einlegen, um in den Genuss der zusätzlichen Höhen-Lautsprecher zu kommen. Im Atmos-Prozessor integriert ist nämlich der Dolby Surround Upmixer (DSU), der auch normalen 5.1 Surroundtonspuren auf die Sprünge hilft, die z.B. in Dolby Digital oder Dolby True HD vorliegen. 

Ob hier das Ergebnis überzeugt, hängt maßgeblich vom Quellmaterial ab. Es kann richtiggehend grandios werden (Star Wars Episode 3, in Dolby Digital 5.1 EX, Upmix, bringt deutlich mehr Räumlichkeit, Atmosphäre, Lebendigkeit, Szene der Verfolgungsjagd im Sandsturm, Mission Impossible 4, The Phantom Protocol, Dolby True HD, mehr Räumlichkeit, Dreidimensionalität, Struktur), der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen. Z.B. bei manchem mehrkanaligen Musikmaterial, das dann unnatürlich „aufgeblasen“ und nicht mehr authentisch klingt. Hier hilft nur Ausprobieren. Auch lange nicht jede BD mit Dolby Atmos Tonspur erfüllt hohe Erwartungen. Der 18er Titel „Expandables 3“ ist ausgezeichnet, der Transformers-Film „Ära des Untergangs“ nur Mittelmaß. Hier sind die Höhenkanäle kaum effektiv ins Geschehen mit einbezogen. Bis auf die paar Atmos-Logos vergessen kann man die erste Dolby Atmos Trailer BD. Ebenso taugt „Gravity“ kaum als Demo für den Nutzen von Dolby Atmos. Sehr dynamisch und lebendig abgemischt präsentiert sich hingegen „Thorugh The Never 3D“ von Metallica. Auch die BD „Ambra – Prism Of Life“ kann mit lebhafter Einbeziehung der Height-Kanaäle punkten, auch wenn es darüber geteilte Ansichten gibt. 

Bei Atmos muss man verschiedene Arten von Lautsprechern unterscheiden. Es gibt in die Frontlautsprecher bzw. in Front- und Surroundlautsprecher integrierte Module, die dann im genau festgelegten Winkel in Richtung Decke abstrahlen (z.B. von Pioneer, Teufel oder Klipsch), beziehungsweise einzelne Module, die auf den dazu passenden Front-LS gestellt werden (z.B. von Definitive Technology, Elac oder Klipsch) oder aber es finden sich Deckenlautsprecher, die für die Wiedergabe von Dolby Atmos-Signalen vorgesehen sind. Diese bieten viele namhafte Hersteller wie Nubert, KEF, Quadral-Aurum oder ELAC an. Wer ohnehin gerade ein neues Heimkino in Betrieb nehmen möchte, kann sich gleich für die Deckenlautsprecher-Variante, In-Ceiling oder On-Ceiling, entscheiden. Wer sich einfach nur ein leicht zu installierendes neues Lautsprechersystem kaufen möchte, nimmt eines mit in den Lautsprecher integrierten Modulen. Wer ein bestehendes Lautsprechersystem auf komfortablem Wege aufrüsten möchte, greift zu zusätzlichen Modulen für die Atmos-Wiedergabe. 

Es stellt sich nun die Frage: Soll es ein 5.1.2 System mit zwei Höhenlautsprechern sein oder setzt man besser gleich auf ein 5.1.4-System mit vier Höhenlautsprechern setzen? Bei den sogannten „Immersive Sound“ Tonformaten wird zuerst die Anzahl der klassischen Lautsprecher genannt, also 5 in einem normalen Mehrkanal-Setup, dann kommen die Subwoofer (.1 für einen aktiven Subwoofer, .2 für zwei aktive Subwoofer etc.) und dann die Anzahl der Höhenlautsprecher, .2 für zwei, .4 für vier). Zu den „Immersive Sound“ Formaten gehören noch Auro-3D, das am CE-Markt trotz gewisser technischer Qualitäten mangels Unterstützung aus der Software-Industrie kaum Bedeutung hat, und das 2016 wohl endlich in Marktreife erscheinende sehr flexible DTS:X. Bei allen drei Konkurrenten handelt es sich um Formate, die auf kanalbasierte Elemente als Fundament setzen, dazu kommen sogenannte „Audio-Objekte“, die gezielt einzelnen Lautsprechern zugewiesen werden können, was die Präzision und die Authentizität natürlich deutlich steigert. Der AV-Receiver muss im Zeitalter von Immersive Sound mit üppiger Rechenleistung bestückt sein – denn im Gegensatz zu früher, wo er einen bezüglich der Kanäle vordefinierten Bitstream decodieren musste, hat er nun die Aufgabe, die vorhandenenn Audio-Objekte in Echtzeit auf das vorhandene Lautsprecher-Setup umzurechnen. Quad-Core-CPUs mit 300 MHz pro Kern sind daher keine Seltenheit. 

Wir würden stets ein 5.1.4 Setup einem 5.1.2 Setup vorziehen. Hier fühlt man sich stärken „eingehüllt“ vom Immersive Sound, hat ein deutlich gleichmäßigeres Klangbild. Für die Atmos-Einstieg ist durchaus auch eine 5.1.2 Konfiguration geeignet, etwas von der Faszination der dritten Hör-Dimension oberhalb der Köpfe der Zuhörer ist auch hier zu spüren. AVRs mit 5.1.2.-Eignung gibt es schon für rund 500 EUR Marktpreis. Wir raten aber für ambitionierte Kino-Fans zu einem 5.1.4-Aufbau.  Doch Vorsicht! Die meisten AV-Receiver, die nur sieben Endstufen, also zwei zu wenig für 5.1.4 mitbringen, haben keine Pre-Outs für den Anschluss zusätzlicher Endstufen, und das Processing der Vorstufe unterstützt nur maximal 5.1.2. Hier muss man aufpassen, und am besten, wenn man es ernst meint mit Atmos, gleich zu einem Modell mit neun Endstufen greifen. Hier haben wir AVRs mit neun Endstufen und mehr aufgelistet.

Kleine Auswahl an 5.1.4.-fähigen AV-Receivern:

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Der Denon AVR-X6200W sieht edel und unauffällig aus

Denon AVR-X6200W Innenleben Gesamt

Sehr akkurater und hochwertiger Aufbau

  • Ein großartiges Universaltalent ist der Denon AVR-X6200W für 2.299 EUR. Er kommt mit neun kraftvollen Endstufen und sichert auch und grade im Atmos-Betrieb einen homogenen, den Hörer nahezu völlig umschließenden Klang. Die sehr angenehme Auslegung ist dafür verantwortlich, dass man mit dem 6200 immer länger hört, als man eigentlich Zeit hat. Nicht umsonst findet er rege in der Redaktion Verwendung. 

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Pioneers 9-Kanal-Imperator mit Dolby Atmos heißt SC-LX89

SC-LX89 insideview

Jedes Detail ist auf Hochleistung getrimmt. Natürlich gibt es besonders leistungsstarke Prozessoren, die auch Atmos-Aufgaben souverän managen

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Onkyo TX-NR3030 mit 11 Endstufen

Onkyo TX-NR3030 Innenleben1

Trafo

  • Onkyo TX-NR3030 für 2.499 EUR: Der sehr dynamisch, aber im Vergleich zu manchem anderen AVR etwas harsch klingende AV-Receiver hat 11 sehr pegelfeste Endstufen vorzuweisen. 

Yamaha CX-A5100 MX-A5000 Gruppenbild2

Starkes Doppel: Yamaha CX-A5100 und MX-A5000

Yamaha CX-A5100 Innenleben Gesamt

Sehr gelungener Aufbau der CX-A5100

  • Yamaha AV-Vorstufe CX-A5100 plus Endstufe MX-A5000: Besser kann man derzeit kaum Atmos genießen. Allerdings kostet die Yamaha-Kombination auch nicht eben wenig. 5.000 EUR sollte man auf der „hohen Kante“ haben. Dafür gibt es höchste Flexibilität, denn die MX-A5000 hat nicht weniger als 11 Endstufen. Die Vorstufe begeistert mit 11.2 Processing und Yamaha DSP-Programmen, die sogar für Atmos geeignet sind.

Arcam AVR850 
Arcam AVR 850

Arcam Dirac Einmessung

Dirac-Einmessung

  • Sonderfall ist der Arcam AVR 850 für 5.500 EUR. Er bietet zwar lediglich 7 Kanäle, hat aber einen 7.1.4 Pre-Out, so dass eine 5.1.4 Konstellation realisiert werden kann. Die enorm kraftvollen sieben Endstufen des Arcam haben es in sich, ebenso das erstklassige Dirac-Einmesssystem, das störende Einflüsse des Hörraums sehr gut eliminiert. 7 x 100 Watt bei 20 Hz bis 20 kHz an 8 Ohm sind eine ganze Menge – die Class G Endstufen garantieren überdies einen reinen und kraftvollen Klang. 
Kleine Auswahl an Lautsprechersystemen mit Dolby Atmos:

Pioneer Elite Set Gruppenbild2

Gut und vergleichsweise günstig ist das 5.1.4. Lautsprechersystem der Pioneer Serie 7 für 2.500 EUR Komplettpreis. Im Paket enthalten sind der Standlautsprecher S-FS73A mit Koaxchassis, derS-C73A Centerlautsprecher, die Regallautsprecher S-BS73A und der S-71W Aktivsubwoofer. Bei Stand- und Regallautsprechern sind die Atmos-Module direkt oben auf dem Lautsprecher und nicht separat. Die exzellente Grobdynamik und die dichte Räumlichkeit sind Vorzüge. Der aktive Subwoofer ist für größere Lokalitäten unterdimensioniert. 

Teufel LT5 Atmos

  • Teufel LT5 Dolby Atmos: Für 3.499 EUR gibt es vier edle Säulen und echten 5.1.4 Sound. Der aktive Subwoofer mit 300 mm Tieftöner sowie 250 Watt-Sinus-Endstufe ist sehr kraftvoll. Das LT5 ist das weltweit erste Atmos-Set mit zusätzlichen vier aktiven Endstufen für die Höhenkanäle und besticht durch brillante Technik plus dichten, raumfüllenden „Immersive Sound“. Großer Test folgt. 

Definitive BP8060 mit A60 2

  • Wir haben das Definitive Technology Set in 5.2.2 Konfiguration getestet (3.065 EUR komplett), zweimal die BP-8060ST Säule, 2 x das A 60 Atmos-Modul, die SM45 Regalboxen und der ProCenter 2000. Es wäre aber auch 5.4.4 (bei entsprechenden Anschluss-Optionen) möglich – Moment, vier aktive Subwoofer? Ja immer gerne, denn die schlanke, dynamisch klingende BP-8060ST Säule ist teilaktiv. Das A 60 Atmos-Modul passt perfekt oben drauf. Die Preise: BP-8060ST kostet 999 EUR pro Stück, die A 60 kosten 320 EUR/Paar. Der ProCenter 2000 liegt bei 349 EUR, und die Studio Monitor Regalboxen bei 199 EUR/Stück. 

Klipsch Reference Premiere Dolby Atmos Gruppenbild2

  • Klipsch stellt einen verheißungsvollen Beitrag zum Thema Dolby Atmos: Front: 2 x RP-280FA (3.000 EUR/Paarpreis), Center RP-450CA (750 EUR), Bookshelfs RP-160M (Paarpreis 760 EUR), RP-140SA (Paarpreis 750 EUR): 5.0.4-Set, 5.260 EUR. Das gleiche Set, noch mit R-112 Subwoofer (800 EUR): 6.060 EUR. Hierfür gibt es Pegelfestigkeit und Dynamik satt, im Vergleich zu früheren Klipsch-Lautsprecherserien gibt sich die „Reference Premiere“ Serie aber viel verbindlicher. Top – die Atmos-Module mit gelungener räumlicher Ausbreitung. Das gilt für die fest integrierten Module in der RP-280FA ebenso wie für die Zusatz-Module RP-140SA. 

KEF R-Serie 5.1.4 Gruppenbild3

  • KEF R-Serie 7.1.4-Ensemble: Die kleinste Standbox der R-Serie, die R500 (Paarpreis 1.799 EUR), haben wir mit dem R50 Height-Modul (Paarpreis 798 EUR) kombiniert, und das für Front und Surround. Hinzu kommt der R200c Center (Stückpreis 699 EUR) und der Hightech-Subwoofer R400B mit zwei Chassis und zwei Endstufen für 1.199 EUR. Macht zusammen gut 7.000 EUR, und enorm fein gestaffelten, impulstreuen Sound auch im Atmos-Betrieb – den UNI-Q Koaxialchassis sei Dank. Der R400B ist ein enormes Kraftpaket, das gleichzeitig kompakt ist. 

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  • Man kann sich aus Nubert nuVero-Komponenten auch ein tolles Atmos-Set bauen. Hier sehr zu empfehlen wäre ein 5.1.4 Set bestehend aus zwei nuVero 140 für Front L/R, drei nuVero 70 für Center, Surround L+R, vier nuVero 50 als an der Decke angebrachte Atmos-Lautsprecher, sowie einem nuVero AW-17 Aktivsubwoofer zusammenstellen. Mit 11,945 EUR Gesamtpreis hat man zwar bestimmt keines der günstigen, dafür aber garantiert der besten derzeit verfügbaren Atmos-Sets.

Elac Surround-Set Gruppenbild2

  • Mit 14.018 EUR gehört das ELAC 5.1.4. Set, bestehend aus 2 x FS-409, für Front L/R, dem Center CC400, den kleineren Standboxen FS 407 für Surround L/R, den vier TS 3000 Top Firing-Modulen und dem SUB 2070 mit App-basierter Einmessung zur Elite. Feinste Auflösung, enorme Dynamik und dichte Räumlichkeit zeichnen die Kieler Spitzen-„Athleten“ aus. 
Fazit

Wer Wert auf wirklich umfassenden, umhüllenden Klang legt, wird an Dolby Atmos und auch am Upmix seine Freude haben. Zwar klingt nicht jede native Atmos-Tonspur grandios und nicht jeder Upmix ist ein purer Freudenspender, aber mit vielschichtigem und lebendigem Klang kann man im Idealfall rechnen – das ist Heimkino-Kultur des 21. Jahrhunderts und ein viel größerer Fortschritt als damals die Extended Surround-Erweiterungen um Back Surround-Speaker, die eigentlich niemand mehr braucht. Erst die feiner auflösenden Dolby True HD und DTS-HD-Tonformate, nun Dolby Atmos und bald hoffentlich DTS:X – so macht Kino zu Hause aus akustischer Perspektive wirklich Freude!

Special: Carsten Rampacher
Datum: 11. Dezember 2015

Weitere Details zu Dolby Atmos, DTS:X und Auro-3D finden Sie im eBook „Heimkino-Sound in 3D“.




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