TEST: Pioneer Serie 7 – 5.1.4 Dolby Atmos-Lautsprechersystem für 2.500 EUR

Pioneer Elite Set Gruppenbild2

Dolby Atmos Lautsprechersets, die von uns unter die Lupe genommen wurden, erwiesen sich bislang in den Testreihen als überaus leistungsstark, aber auch ebenso kostspielig. Über 3.000 EUR (exakt 3.065 EUR) waren bislang fällig, so für das sehr gute Definitive Technology 5.2.2 Dolby Atmos-Ensemble, andere Systeme von KEF (5.1.4, mehr als 7.000 EUR) oder Elac (5.1.4, mehr als 14.000 EUR) waren noch weitaus teurer. Nun bietet Pioneer zum Komplettpreis von 2.500 EUR ebenfalls ein 5.1.4-Set an, also mit Atmos-Sound für Front und Surround.

Im Gegensatz zu den großen Systemen von KEF und Elac finden sich allerdings nicht vier identische Standlautsprecher, sondern hinten kompakte, aber in wesentlichen Zügen identisch wie die Front-LS aufgebaute Regallautsprecher. Die Atmos Top-Firing-Module sind schon in den Lautsprechern fest integriert, demnach gibt es keine separaten Atmos-Module wie bei den anderen drei Sets, die wir bisher getestet haben. Pioneer setzt bei der Bestückung der Top Firing-Module und als Hoch-/Mitteltöner in den anderen passiven Lautsprechern auf Koaxialchassis.

Bei dieser Art Lautsprecherchassis sitzt der Hochtöner im Zentrum des Mitteltöners (Punktschallquellen-Prinzip), um sicherzustellen, dass alle Klanganteile auch zeitgleich beim Hörer eintreffen. Namhafte Hersteller wie z.B. KEF oder Teufel setzen auch auf koaxiale Chassis, KEF mit der stetig weiter entwickelten UNI-Q-Technologie nimmt hier eine Führungsposition ein.

Doch auch Pioneer kann auf viel Erfahrung mit Koax-Treibern zurückblicken – denn die Firma TAD (Technical Audio Devices) gehört ebenfalls zu Pioneer. Es handelt sich hierbei um eine absolute Highend-Firma, die nicht nur im Consumer-Bereich, sondern auch im professionellen Bereich tätig ist. Beispiele für deren Koaxialchassis finden sich z.B. hier: TAD Compact Evolution One – Technology. Auch die von uns im Frühjahr 2012 gehörte, damals neue TAD Evolution E1 arbeitet mit einem Koaxialchassis, der Beryllium-Hochtöner sitzt hier im Zentrum des 140 mm Mitteltöners. Der Lautsprecher-Chefentwickler Andrew Jones, der einige der weltbesten Lautsprecher von TAD entwickelt hat, kümmerte sich interessanterweise auch mit um die Konzeption der Serie 7-Lautsprecher mit eingebautem Top Firing-Modul. 

Wenden wir uns den einzelnen Komponenten zu. 

Zunächst im Paket enthalten ist der Standlautsprecher S-FS73A mit Koaxial-Chassis (15 mm Kalotten-Hochtöner sitzt im Zentrum des 102 mm Alu-Mitteltöners) und drei 133 mm Aluminium-Basschassis, der eine Impedanz von 4 Ohm aufweist und nach dem Bassreflex-Prinzip arbeitet. Die Basschassis weisen eine umgekehrte Staubkappe und besonders groß dimensionierte Magnete auf, damit sollen eine hervorragende Dynamik und ein nachdrücklicher Antritt im Bassbereich gewährleistet sein. 

Pioneer Elite SP-EFS73 Gruppenbild

S-FS73A einmal mit und einmal ohne Bespannung

Pioneer Elite SP-EFS73 Tiefmitteltoener

Drei 133 mm Basstreiber

Pioneer Elite SP-EFS73 Hochtoener

Koaxialchassis für Hoch-/Mitteltonbereich

Pioneer Elite SP-EFS73 Anschluesse

Nicht Bi-Wiring  – vielmehr ist das obere Terminal für die integrierten Atmos-Module

Pioneer Elite SP-EFS73 Rueckseite Seitlich

Ansicht von hinten

Pioneer Elite SP-EFS73 Atmos Speaker

Atmos-Modul, ebenfalls Koax-Treiber (2-Wege-System)

Pioneer Elite SP-EFS73 Bassreflexrohre

 Zwei Bassreflex-Öffnungen

Den Frequenzgang gibt Pioneer mit 38 Hz bis 20 kHz an, die maximale Belastbarkeit liegt bei 140 Watt. Die Empfindlichkeit liegt bei 86 dB (2,83 V/1 m). Mit Frontbespannung, Spikes und Füßen ist der Lautsprecher 236 mm breit, 1.008 mm hoch und 264 mm tief. 16 kg wiegt einer der Frontlautsprecher. Die Verarbeitung ist routiniert, insgesamt aber wirkt die Box von der Materialqualität her eher etwas einfach, was die folierten Oberflächen ebenso wie Details wie die Öffnungen der Bassreflexrohre zeigen. Die ganzen Komponenten sind, auch das ist nicht extrem weitsichtig, nur in klassischem Schwarz erhältlich. In Zeiten, in denen Hersteller wie Nubert, die ebenfalls preiswerte Boxen herstellen, zeigen, wie man hoch attraktive Farbgebungen realisieren kann, ist dieser Schritt von Pioneer unverständlich. Heimkino-Freunde, die vorhaben, das Set im dedizierten Heimkino zu betreiben, werden sich freuen: Denn die leicht antiquierte Folie im schwarzen Holzdekor verursacht im Gegensatz zu Klavierlack-hochglänzenden Oberflächen beim Betrachten von Filmen insbesondere mit Beamer und großer Leinwand keine störenden Reflexionen. Ob dieses Finish im modernen, eleganten Wohnraum allerdings erstklassig aussieht und entsprechend beim anspruchsvollen Publikum ankommt, darf bezweifelt werden. 

Optisch gut macht sich der Sockel unter der Box. Formal verjüngen sich die hier vorgestellten passiven Boxen der Serie 7 aus Sicht von Oben nach hinten, was nicht nur optische, sondern klare akustische Gründe hat. Denn durch diese Art der Formgebung finden sich im Inneren keine parallelen Wände, die ansonsten stehende Wellen verursachen könnten. 

Pioneer Elite SP-EC73 Front Seitlich2

S-C73A Centerlautsprecher von vorn ohne Gitter

Pioneer Elite SP-EC73 Anschluesse Rueckseite

Vergoldete Anschlussterminals

Pioneer Elite SP-EC73 Hochtoener

Koax-Treiber

Pioneer Elite SP-EC73 Rueckseite Seitlich

Rückseite

Pioneer Elite SP-EC73 Tiefmitteltoener

 Basstreiber

Der Centerlautsprecher, den Pioneer dazu anbietet, hört auf den Namen S-C73A und verfügt über einen 133 mm Basstreiber, einen 133 mm Passivradiator und einen 102 mm Mitteltöner, in dessen Zentrum der 25 mm Hochtöner sitzt. Die Impedanz gibt Pioneer mit 4 Ohm an, den Frequenzgang mit 45 Hz bis 20 kHz. Die Empfindlichkeit liegt bei  85 dB (2,83 V/1m). Mit Frontbespannung ist der Center 495 mm breit, 188 mm hoch und 246 mm tief. Er wiegt 8 kg. Auch er ist, wie der Rest der Serie 7 Lautsprecher, eher einfacher verarbeitet. Indiz dafür sind auch die einfachen Lautsprecher-Schutzgitter, die nicht magnetisch, sondern mit Kunststoffstiften an den Fronten der Lautsprecher befestigt werden.  Unter dem Center sitzt eine spezielle Halterung, damit der Lautsprecher fest auf Rack oder Sideboard steht, was bedingt durch die spezielle, beim Center aus seitlicher Sicht nach hinten schmaler werdende Formgebung sonst nicht gegeben wäre – der Schallwandler würde sich hin- und herbewegen wie ein Schaukelstuhl. 

Pioneer Elite SP-EBS73-LR Gruppenbild

Kompakte Regallautsprecher mit Top Firing-Modul auf der Oberseite

Pioneer Elite SP-EBS73-LR Rueckseite Seitlich2

Rückseite

Pioneer Elite SP-EBS73-LR Bestueckung2

Top Firing Koax-Treiber

Pioneer Elite SP-EBS73-LR Bestueckung1

Koaxialchassis und Basstreiber darunter

Pioneer Elite SP-EBS73-LR Bassreflexrohr Anschluesse

 Anschlusssektion

Die Regallautsprecher S-BS73A arbeiten im Surroundbereich und sind konstruktiv ähnlich aufgebaut wie die Frontlautsprecher. Es findet sich ein 133 mm Basschassis mit Alu-Membran und ein koaxiales Chassis mit 25 mm Kalottenhochtöner im Zentrum des 102 mm Alu-Mitteltöners. Der 4 Ohm-Lautsprecher weist einen Wirkungsgrad von 85 dB (2,83V/1m) auf und einen Frequenzgang von 50 Hz bis 20 kHz. Maximal ist der Regallautsprecher mit 140 Watt belastbar. Er wiegt 7,1 kg und misst mit Frontbespannung 188 mm in der Breite, 398 mm in der Höhe und 246 mm in der Tiefe. Die Bassreflex-Box hat auf der Oberseite noch ein weiteres 2-Wege-Koaxialchassis für die Atmos-Wiedergabe (Top-Firing), demnach finden sich rückseitig auch Lautsprecherkabel-Anschlussterminals in doppelter Ausfertigung. Nur einfach und nicht, wie beim dazu passenden Standlautsprecher doppelt, ist das Bassreflexrohr vorhanden. 

Pioneer Elite S-71W Front Seitlich1

S-71W mit vier silbernen Standfüßen

Pioneer Elite S-71W Unterseite

S-71W von unten

Pioneer Elite S-71W Tieftoener

25 cm Basstreiber

Pioneer Elite S-71W Rueckseite Seitlich1

Von schräg hinten

Pioneer Elite S-71W Anschluesse Bedienelemente

Bedienelemente. Es findet sich nur eine Phasenumkehr 0/180 Grad und kein stufenloser Phasenschalter. Wenig Anschlüsse, nur 1 x Line-In und 1 x Line-Out

Pioneer Elite S-71W Bassreflexrohre

Zwei Bassreflexöffnungen

Pioneer Elite S-71W Innenleben2

Trafo

Pioneer Elite S-71W Innenleben1

Kühlkörper

Pioneer Elite S-71W Innenleben Gesamt

 Elektronik in der Übersicht

Der S-71W ist der zum Rest der Serie 7-Lautsprecher passende aktive Bassreflex-Aktivsubwoofer, dessen Endstufe 160 Watt Dauerleistung und 280 Watt kurzzeitige Spitzenleistung erbringt. Das Basschassis mit  misst 25 cm und strahlt nach unten ab. Vier silbernfarbene Standfüße sorgen für den richtigen Abstand zum Boden. Auf der Unterseite sind auch die beiden Bassreflexöffnungen untergebracht. Bezüglich der Verarbeitung ist der aktive Subwoofer auf dem selben Level wie der Rest der Serie 7-Lautsprecher, das heißt, ein solider Standard wird geboten, aber nichts überdurchschnittlich Aufwändiges. 

Klang

Wir hören „Gravity“ von  Beginn an (Dolby Atmos) und stellen fest: Mit dem massiven, bassstarken Anfang ist der aktive Subwoofer S-71W etwas überfordert. Er schlägt an, was bei einem anliegenden Pegel von 83 bei unserem Onkyo TX-NR3030 auch nicht wirklich verwunderlich ist. Für die Massivität des anliegenden Signals schlägt sich der Bassist sehr wacker. Ansonsten herrscht eine sehr dichte, lebendige Effektkulisse, auch die dritte Dimension über den Köpfen der Zuhörer wird von den vier Atmos-Modulen des Pioneer-Systems hervorragend übertragen. Dann – mit einem Moment Ruhe. Nur Gespräche aus dem Weltall über Funk, erst noch in Entfernung vom Zuhörer. Unterschwelliger Bass ist wahrzunehmen. Der S-71W überzeugt durch guten Tiefgang.

Immer dominanter wird der Bass, eine interessante Atmosphäre – nur Bass und das Gespräch mittels Funk. Action zu Beginn des 2. Kapitels. Wieder muss der aktive Subwoofer alles geben, zudem nun aufgeregte Stimmen, der Music Score – das Pioneer-Ensemble muss nun tüchtig arbeiten. Mit flüssiger Effektverteilung vorn und hinten, sowie einer hohen Pegelfestigkeit können wir dem 5.1.4-Set einiges abgewinnen. Kleine Dynamikunterschiede werden sauber herausgestellt. Nur kleine Details gehen manchmal in der „Bass-Flut“ etwas unter. Bei sehr hoher Lautstärke nimmt demnach das Differenzierungsvermögen etwas ab. Die gesamten, teils subtilen Rauminformationen,wie zu Beginn des 3. Kapitels, zeigen auf, wozu Atmos gut ist – der Zuhörer denkt, er fliegt selber im Weltall und ist komplett in die Handlungsstränge eingebunden. Die beiden Frontlautsprecher gefallen, ebenso wie Center und Surround-Speaker, durch die ausgezeichnete Dynamik.

Diese kennen wir auch von Pioneers AV-Receivern bestens. Bassstärke, Pegelfestigkeit, Dynamik – das sind klassische Pioneer-Tugenden. Diese treffen auch auf das Atmos-Lautsprecherset ohne Einschränkung zu. Dass man durchaus noch einen größeren aktiven Subwoofer zum Rest kombinieren könnte, halten wir allerdings fest. Mit 25 cm Basschassis, 160 Watt langzeitiger Leistung und 280 Watt Spitzenleistung reicht das Gebotene für den Wohnzimmereinsatz in Wohnräumen bis ca. 25 Quadratmeter oder fürs kleine Heimkino aus. Es könnte allerdings nicht schaden, noch einen größeren Bassisten mit der doppelten Leistung und einem 30 cm Chassis anzubieten. 

Nun füttern wir das Pioneer-System mit dem Filmbeginn der „Expandables“: Auch hier geht es wieder rund, Stimmengewirr, ein mächtiger Soundtrack und ein startender Helikopter sorgen dafür, dass alle Komponenten des Sets viel zu tun haben. Mit Nachdruck sind die Schüsse aus den Automatikwaffen zu vernehmen, die sich drehenden Rotoren des Fluggerätes kommen authentisch in den Hörraum. Das gilt auch für die Geräusche des fahrenden Zuges. Der Helikopter klemmt sich nun hinter den Zug, und als die Wachmannschaft durch das Stahlseil über der Gleistrasse außer Gefecht gesetzt wird, kommt auch dieser Effekt in realistischer Form heraus. Das Pioneer-Ensemble versteht es sehr gut, Spannung aufzubauen, auch in der kurzen Sequenz, als der Soldat auf der Toilette im Zug erledigt wird.

Immer präsent ist der kraftvolle Music Score, dieser wird mit sehr guter Räumlichkeit zum Zuhörer transportiert. Der aktive Subwoofer erzielt für seine Größenverhältnisse und die Preisklasse erneut tadellose Ergebnisse und unterfüttert die ereignisreichen Filmsequenzen mit kräftigem Tiefbass. Die Atmos-Tonspur sorgt dafür, dass auch die Effekte, die sich über den Köpfen der Zuhörer abspielen, in umfangreicher Ausprägung heraus kommen. Tiefenstaffelung und Gesamtdynamik sind stark ausgeprägt. In den leiseren Sequenzen – der ersten längeren Dialogsequenz – zeigt auch der Center Stärke und arbeitet Stimmen gekonnt ein. Richtig anstrengen muss sich der Subwoofer, als Sylvester Stallone den Hubschrauber per Fernnzündung in seine Einzelteile zerlegt.

Direkt danach, an Bord des Flugzeugs, weitere Dialoge, kombiniert mit Countrymusik und den Fluggeräuschen. Das Klimpern der Ketten mit den Medallions arbeitet das Pioneer-Ensemble mit erstaunlicher Klarheit heraus. Insgesamt auch hier ein starker Auftritt – für vergleichsweise wenig Geld bringt das Pioneer-Lautsprecherset schon wirkliches Heimkino-Feeling nach Hause. Es ist sehr ehrlich und direkt ausgelegt, sehr dynamisch und sorgt durch die ausgezeichnete Räumlichkeit und die gute Stimmwiedergabe auch in leiseren Szenen für Freude beim Hörer. Das Kapitel, in dem zu Anfang des Containerschiff zu sehen ist, besteht wieder aus massiver Action. Das Rauschen und Plätschern des Wassers und der sehr nachdrückliche Bass werden prima wiedergegeben, dann kommt der Kampf. Faustschläge und Tritte gibt das Pioneer-Set sehr lebendig wieder, so dass man sich als Zuhörer mitten im Geschehen wähnt. Auch Schritte, Stimmen, plötzliche Dynamiksprünge werden souverän gehandhabt. Ohne Zweifel ist das Pioneer-Set für den Filmtonbetrieb eine sehr ernst zu nehmende Alternative in dieser Preisklasse. 

Und wie sieht es bei musikalischem Material aus? Wir starten mit „Lichtmond 3 – Days Of Eternity“ und den folgenden Tracks: Nightflight To Chronos, Part 1 und Part 2, Feel The Spirit und Wheel Of Time. Die DTS-HD Master Audio Tonspur ist von exzellenter Qualität und das merkt man schon nach den ersten Sekunden: Druckvoller Bass, enorme Räumlichkeit und Effekt-Kombinationen, die sich quer über alle Lautsprecher erstrecken, stellen ein erlebnisreiches Hören sicher. Mit den außerordentlich gelungenen Leistungen hinsichtlich der Gesamtdynamik passt das Pioneer-Ensemble hervorragend zu dieser Quelle.

Selbst schwierige Passagen wie die Streicher und die Gitarrenklänge, alles per Synthesizer erzeugt, meistert das Set souverän. Der Subwoofer ist insgesamt recht aggressiv abgestimmt, das zeigt sich auch hier wieder. Er legt selbst bei zurückhaltender Einpegelung vehement los. Wer nicht so viel Bassgewalt spüren und hören möchte, muss ihn daher mit gewisser Vorsicht einpegeln. Wer viel Wert auf ein umfassendes „Erleben“ beim Hören legt, wird sich sofort mit dem Bassisten anfreunden können. Die zahlreichen Ebenen bei der Effektwiedergabe kommen ebenso ohne Fehl und Tadel heraus wie die Stimme, die durch alle Kanäle geistert – kein Problem für das Pioneer-Speaker-Package, schnelle, nahtlose Stimm- und Effektwiedergabe, gleichmäßiger, homogener, schlüssiger Sound – umfangreicher Surroundgenuss für vergleichsweise kleines Geld. Andere Sets mögen noch etwas verbindlicher klingen, das können wir unterschreiben. Aber das Pioneer-Set schaufelt dafür massiv Dynamik auf die Membranen, und auch das hat seinen Reiz, zumal auch leisere, subtilere Passagen sehr gut gemeistert werden. 

Jetzt steht „Musik mit Atmos“ auf dem Programm, genauer gesagt „The Ecstasy Of Gold“ von Metallica, entnommen dem Live-Konzert „Through The Never“ – genau die richtige Art von Musik für das Pioneer-Lautsprechersystem! Hier kann es mit der Dynamik dienen, die gebraucht wird, um es richtig „fetzen“ zu lassen: Die E-Gitarre, die aggressive Stimme, die Beifallsbekundungen des Publikums – all dies verdichtet sich zu einem ganzheitlichen Hörerlebnis, und dadurch, dass es sich um eine Atmos-Tonspur handelt, wird ungemein viel dichte Atmosphäre geboten – wie es auch bei Film-Tonspuren ist, fühlt sich das Auditorium im Hörraum voll ins Geschehen eingebunden.

Gerade bei Live-Konzerten macht dies Sinn, da genau das Feeling, das ein Live-Konzert ausmacht, durch die Atmos-Abmischung noch umfassender zum Ausdruck gebracht wird. „Creeping Death“ ertönt auch massiv, energiegeladen, mit Punch – nur, wenn man extrem laut hört, bringt man den recht kompakten aktiven Subwoofer doch an seine Belastungsgrenze. Dann schlägt die Membran kurz an. Ansonsten – die überbordende Dynamik, gekoppelt mit der Atmos-typischen Räumlichkeit lässt echtes Konzert-Flair zu Hause zu. Auch, wie impulstreu das Schlagzeug wiedergegeben wird, verdient in unserem Testbereich Erwähnung. Schnelle Rhythmuswechsel arbeiten die Pioneer-Boxen überragend heraus und sind auch in der Lage, mit verschiedenen akustischen Ebenen und Ereignissen parallel klar zu kommen.

Was bringen die Front-Standlautsprecher im Stereo-Betrieb? Wir probieren es mit der Diana Krall-Version von „Desperado“ (Album: Wallflower Deluxe) aus (FLAC, 48 kHz/24-Bit) und sind überzeugt von der natürlichen, klaren Wiedergabe. Nur sensiblen Naturen dürfte der immense Vorwärtsdrang etwas zu viel sein. Bei hohem Pegel nimmt zudem das Differenzierungsvermögen leicht ab, das merkt man beim Klavier. Hören als Erlebnis begreifen – dies ist das Hauptmerkmal der Pioneer-Komponenten, das merkt man auch bei der Stereowiedergabe. Das hört man auch bei „Diamante“ (FLAC 96/24) von Sandra und Tony Alessi. Gut ist es um die Durchhörbarkeit des Hochtonbereiches gleich zu Beginn bestellt. Die Stimmen kommen mit ordentlich herausgearbeiteter Kontur und einer glaubwürdigen Fokussierung heraus. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten ist gut, als Tony allerdings die Stimme erhebt, wirkt das Hörerlebnis etwas flach. Hier geht hinsichtlich der Auflösung noch deutlich mehr, wobei man dies auch in Relation zur Preisklasse sehen sollte – und da sind die Resultate auf jeden Fall gut, zumal auch im Stereobetrieb Räumlichkeit und Tiefenstaffelung zu loben sind. 

Was lernen wir aus diesem Test? Sehr dynamisch und pegelfest, versprühen die Pioneer Serie 7 Lautsprecher alles andere als bürgerliches Flair – aus akustischer Sicht. Sie spielen tonal sehr frisch, aber nicht unschön spitz auf, und sie beeindrucken mit der tollen Räumlichkeit. Um den Klangspass zu steigern, sollte man aber relativ genau vor den Lautsprechern sitzen. Der Wirkungsgrad ist laut Pioneer-Werksangaben alles andere als berauschend – das können wir nicht so bestätigen. Im Vergleich mit anderen von uns getesteten Lautsprechern ist der Wirkungsgrad ohne Zweifel als gut zu bezeichnen.

Wir raten zu einem AVR der 800 bis 1.000 EUR-Liga als idealem Partner. Mehr und mehr werden in der 2015er Kollektion auch entsprechend preiswertere Modelle mit Decoder zumindest für Dolby Atmos und vielleicht sogar für das neue System dts:X auf den Markt kommen. Als vielleicht einzige Schwäche im Testbetrieb erweist sich der S-71W Aktivsubwoofer. Vielleicht deshalb, weil der eigentlich spritzig und nachdrücklich antretende, sehr wendige Bassist im kleineren Hörraum bis knapp 25 Quadratmeter viel Freude bereitet. Allerdings ist das auch das Maximum, wer große Pegel hört, sollte sich entweder einen weiteren S-71W Subwoofer zulegen oder dann auf exzellente Konkurrenzprodukte zurückgreifen, die für große Lokalitäten geeignet sind. 

Konkurrenzvergleich
  • Für 2.350 EUR gibt es aus dem Hause Klipsch ein reines 5.0 Lautsprecherset der neuen Klipsch Reference Premium Serie: Den Standlautsprecher RP-260F, den RP-250C Center und die Dipole RP-240S für den Surroundbereich. Mit hervorragendem Bass, exzellenter Pegelfestigkeit und enormer Dynamik stellen gerade die RP-260F Frontspeaker eine harte Konkurrenz dar. Sie können bezüglich der Souveränität bei hohen Pegeln sogar nochmals mehr bieten. Für viel Atmosphäre im Rear-Bereich sorgen die beiden kompakten, aber sehr leistungsstarken Dipole. Der Center ist in größeren Hörräumen zu klein, was aber kein Problem ist, weil man gleich zum größeren RP-440C greifen kann. Atmos-Module gibt es leider nicht, hochwertige aktive Subwoofer hingegen absolut – dann allerdings ist man, zusammen mit dem größeren Center, ca. bei insgesamt 3000 EUR für das 5.1 Set mit RP-440C und dem R-12SW Aktivsubwoofer.  
  • Für gut 3.000 EUR wechselt das Definitive Technology 5.2.2 Atmos-Set den Besitzer. Es besteht aus zwei BP-8060ST Towern für die Frontbeschallung, die direkt unten im Gehäuse die Elektronik für das aktive Antreiben des Bassbereiches eingebaut haben. Überdies arbeiten die beiden schlanken Standboxen nach dem bipolaren Prinzip, was eine hohe Räumlichkeit zur Folge hat, ohne dass die Präzision sehr leidet. Mit hervorragender Bassperformance, klarem Klang und den sehr guten, optimal auch optisch passenden A60 Atmos-Modulen verdienen sich die BP-8060ST eine große Empfehlung. Der Rest des Ensembles, die SM45 Regallautsprecher und der etwas zu kleine ProCenter 2000, verdienen sich gute Zensuren, setzen aber keine Maßstäbe. 
  • Kompakt, mit viermal der identischen Regalbox Celan GT 202, dem Heco Celan GT 32 Center und dem New Phalanx Aktivsubwoofer tritt das Heco 5.1-Surroundset für insgesamt 2.924 EUR an. Angenehmer Sound vor allem bei mehrkanaliger Musik ist hier hervorzuheben, hier kommt auch die sehr gute Auflösung des neu entwickelten Hochtöners besonders gut heraus. Der aktive Subwoofer hinterlässt einen tadellosen Eindruck. Aufgrund der nicht so hohen Gesamtharmonie sind die Leistungen bei der Filmtonwiedergabe etwas weniger überzeugend. 
Fazit

Pioneer Elite Set Gruppenbild1

Pioneer startet durch – mit 2.500 EUR ist das 5.1.4 Lautsprecher-Set nicht zu teuer bezahlt. Trotz gewisser formaler Eigenständigkeiten ist die Optik eher schlicht, der Klang besticht durch enorme Dynamik und ausgeprägte Räumlichkeit. Der Wirkungsgrad ist überzeugend. Der aktive Subwoofer ist gut geeignet für kleinere Lokalitäten, oberhalb der 25 Quadratmeter sollte man einen zweiten aktiven Bassisten einsetzen, hört man gern auch mal mit hohem Pegel. 

Mehr Informationen zu Dolby Atmos finden Sie auch im neuen eBook „Heimkino-Sound in 3D mit Dolby Atmos, DTS:X & Auro 3D: Die Surround-Systeme der neuen Generation“ welches bei amazon.de erhältlich ist.

Dynamisch, vielschichtig und räumlich spielt das preisgünstige Pioneer 5.1.4-Set der Serie 7 auf
ueberragend
Mehrkanal-Lautsprechersets bis 3.000 EUR
Test 30. April 2015

+ Exzellente Grobdynamik
+ Räumlich hervorragend
+ Gleich mit vier Atmos-Modulen
+ Sehr pegelfeste passive Komponenten
+ Gute Stereotauglichkeit der Standlautsprecher
+ Für Preisklasse recht aufwändige Technik mit Koaxialtreibern
+ Günstiger Kaufpreis

– Aktiver Subwoofer nicht optimal für Lokalitäten ab 25 Quadratmeter
– Recht einfache Optik und Anmutung

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 30. April 2015




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK