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Filmkritik: „Jurassic World“

22 Jahre nachdem die Dinosaurier auf der Isla Nublar die „Jurassic Park“-Träume von John Hammond zerstörten, wird auf der Insel erfolgreich der „Jurassic World“-Themepark betrieben. Alles scheint unter Kontrolle, doch auf der Suche nach neuen Attraktionen gegen den Besucherschwund haben Forscher mit Hilfe der Gentechnik einen neuen besonders aggressiven „Hybrid“-Dinosaurier gezüchtet und es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein verhängnisvoller Fehler passiert und sich erneut zeigen muss, wer am oberen Ende der Essenskette übrig bleibt …

Bei manchen Filmen hilft ein Blick auf die Entstehungsgeschichte, um sie zu verstehen: Pläne für einen vierten „Jurassic Park“-Film kursierten bereits seit mehr als zehn Jahren in der „Entwicklungshölle“ Hollywoods und Steven Spielberg hatte bereits beim dritten Teil die Regie an Joe Johnston übergeben. Diesen Part übernimmt bei „Jurassic World“ Colin Doctorow in seinem ersten großen Hollywood-Film. Die meisten Darsteller sind ziemlich neue Gesichter oder solche, die man primär aus anderen Nebenrollen kennt und so wäre „Jurassic World“ wahrscheinlich als B-Movie mit dreistelligem Millionen-Budget an den Kinokassen gestartet, wenn nicht vorher Chris Pratt durch „Guardians of the Galaxy“ innerhalb kürzester Zeit zu einem Mega-Star aufgestiegen wäre.

„Jurassic World“ bietet größere Dinosaurier und noch bombastischere Szenen, hat ansonsten aber nur wenig Neues gegenüber den vorherigen Filmen zu bieten. Die Story erweckt den Eindruck, als ob jemand das Drehbuch des ersten Jurassic Park-Films aus dem Jahr 1993 etwas umgeschrieben und mit ein paar neuen Ideen angereichert hätte. Wer bereits Steven Spielbergs Action-Klassiker mochte, der dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an „Jurassic World“ Gefallen finden, denn auch wenn die Story einige Unterschiede aufweist, scheint „Jurassic Park“ und die führende Hand von Steven Spielberg stets präsent zu sein. Der ganze Stil des Films inklusive vieler Sets und Kameraeinstellungen kommt sehr bekannt vor: So gibt es auch in „Jurassic World“ eine Szene mit Dino im Rückspiegel, viele kreischende Kindergesichter und auch eine kurze Dino-Streichelszene darf natürlich nicht fehlen.

„Jurassic World“ präsentiert ein recht großes Darsteller-Ensemble. Kaum einer der Schauspieler bekommt aber gute Gelegenheiten, besonders zu glänzen, weil die ganzen Rollen so klischeehaft angelegt sind und viele Figuren ziemlich überzeichnet wirken. Da ist neben dem etwas deppert wirkenden Multimillionär als Möchtegern-Hobbipilot mit wenig Helikopter-Flugstunden die böse Tante, die sich nur um die Karriere kümmert und nicht einmal das Alter ihrer Neffen kennt. Ebenso gibt es einen Wissenschaftler, der ohne ethische Grenzen im Genlabor gefährliche Dinosaurier-Hybride züchtet und einen noch skrupelloseren Manager, der diese „Kampfdinosaurier“ gerne als Waffen verkaufen möchte. Die beiden Geschwister, die meist im Mittelpunkt der Geschichte stehen, erweisen sich als gelangweilter Justin Bieber-Verschnitt während sein kleiner Bruder mit heruntergeleiertem Dinosaurier-Wissen nervt.

Chris Pratt darf den großen Mahner spielen, der natürlich so ziemlich als einziger ahnt, dass im Umgang mit Dinosauriern etwas mehr Vorsicht als bei einem Karnickelstall ratsam ist. Später zieht er mit einem winzigen Gewehr gegen die Dinosaurier in die Schlacht, wirkt dabei trotzdem aber so cool, dass man kaum einen Zweifel daran haben dürfte, dass Steven Spielberg ihn voraussichtlich irgendwann zum neuen Indiana Jones küren wird.

Leider wirken die meisten Figuren so unnatürlich überzeichnet, dass man als Zuschauer kaum einem Moment des Films wirklich ernst nehmen kann. Selbstironie, die das Ganze wenigstens etwas amüsanter machen würde, spürt man in „Jurassic World“ allerdings kaum. 

Die Handlung bietet wenig Spannung oder wirkliche Überraschungsmomente. Zudem vergeht am Anfang noch sehr viel Zeit mit belanglosem Palaver, bis die Dinosaurier endlich loslegen. Action gibt es nach dem lahmen Einstieg zumindest in der zweiten Hälfte von „Jurassic World“ ohne Ende und in der letzten Viertelstunde legt der Film noch einmal an Tempo zu. Die Effekte sind recht passabel aber auch nicht bahnbrechend. Lebensecht wirken die nicht übermäßig detailreich animierten Dinosaurier in nur wenigen Szenen.

„Jurassic World“ läuft seit dem 11.06.2015 in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im Oktober auf Blu-ray Disc & DVD.

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