XXL-TEST: LG Soundbar Eclair DSE6S - 3.0 Dolby Atmos-Soundbar mit modernen Ausstattungsmerkmalen und räumlichem Klangbild
Klang
In diesem Abschnitt unseres Test möchten wir nun auf die klanglichen Eigenschaften der LG DSE6S eingehen. Da Soundbars mittlerweile multifunktional eingesetzt werden, möchten wir unsere Klangtestreihen aus einer Mischung aus Musik- und Filmton gestalten.
Immerhin, auch wenn kein Display vorhanden ist, sagt eine weibliche Stimme z.B. Eingang und DSP-Modus an, damit man sich zurecht findet. Wir hören "Greyhound" (Dolby Atmos) über das Cinema DSP-Programm ab Laufzeit 15 Minuten an. Die Sequenzen auf dem offenen Meer gibt unser Testkandidat gut wieder. Das Tosen und Rauschen der Wellen ist ebenso mit gewisser Intensität zu vernehmen wie kleinere Effekte, so das Piepsen des Sonars. Insgesamt, das merkt man schon, fehlt es bauartbedingt an Fundament bei tiefen Frequenzen. Das ist dem Konzept einer kompakten All-In-One-Soundbar geschuldet. Dass es überhaupt keinen Bassbereich gibt, ist erfreulicherweise falsch, die LG-Soundbar holt schon etwas Bassdynamik aus der Tonspur. Ordentlich ist die räumliche Wirkung, seitlich und nach oben vor allem. Virtuelle Effekte, die von hinten zu kommen scheinen, sind seltener anzutreffen. Die maximal erzielbaren Pegel gehen in Ordnung, Wunder darf man nicht erwarten. Löblich ist, dass sich auch bei praktisch Maximalpegel kaum störende Verzerrungen ins Klangbild mischen. Insgesamt erscheint der Klang recht ausgewogen, die Detaillierung ist für Gerätekategorie und Preisklasse nicht zu beanstanden. Dass absolut gesehen viel Luft nach oben ist, sollte jedem klar sein. Den Aufbau eines akustischen Spannungsbogens schafft die DSE6S trotzdem ordentlich, man kann sich gut ins filmische Geschehen hineinversetzen, sollte allerdings nicht zu weit weg von der Soundbar sitzen. Rund 2,5 bis 3,5 Meter erweisen sich hier als passend.
Wiederum setzen wir aufs Cinema-DSP, diesmal bei "Survive" in Dolby Digital Plus. Hier setzen wir beim Flugzeugabsturz bei Laufzeit 28 Minuten an. Noch ist alles ruhig, dann aber gerät das Flugzeug in Schwierigkeiten. Die Effektgewalt nimmt zu, das Heulen der Triebwerke, Schreie der Passagiere, das Herumfliegen von Gegenständen in der Kabine. Hier kann die LG-Soundbar mit einer guten Wiedergabe auch kleinerer Facetten dienen. Uns wird die Darstellung hoher Frequenzen erst bei hohem Pegel etwas zu harsch, davor ist die Wiedergabe relativ homogen. Als das Flugzeug abgestützt ist in der unwirtlichen Gebirgsregion, wird der heftige Wund klanglich mit guter Räumlichkeit umgesetzt, und auch der Music Score wird eingebunden, unserer Meinung nach allerdings mit etwas zu wenig Präsenz Die Hilfeschreie und das tobende Schneegestöber hingegen arbeitet die DSE6S prima heraus, sodass das Geschehen eine gewisse Glaubwürdigkeit bekommt. Der Bassbereich präsentiert sich als erstaunlich vital, hier hören wir mehr tieffrequente Anteile als beim ersten Filmbeispiel. Die Räumlichkeit ist auch hinsichtlich der Weite der Front-Klangkulisse tadellos. Wechsel im dynamischen Gefüge der Tonspur werden zuverlässig umgesetzt. Bei hoher Lautstärke gehen Details etwas unter, das Differenzierungsvermögen nimmt ab. Setzen wir auf das AI-Soundprogramm, so stellen wir fest, dass es deutlich zurückhaltender und somit gelungener abgestimmt wurde als in früheren Generationen. Nicht mehr so scharf, nicht mehr so vordergründig - mit mehr Details und mehr Klarheit. So kann man, je nach Quelle, diesen Modus bei der neuen Soundbar durchaus empfehlen.
Nun setzen wir mit Musikmaterial, zugespielt über Bluetooth, fort und starten mit "Eternits" von MIke Candys. Hierbei greifen wir aufs Music-DSP zurück und sind positiv überrascht, dass es bei diesem Trance-Track erstaunlich vehement vorangeht. Gut, der Klang wirkt minimal belegt, die Hochtontransparenz ist nicht perfekt - aber es geht um eine All-In-One-Soundbar für knapp 500 EUR, und dafür ist die Performance, interessanterweise auch im Bassbereich, tadellos. Wir testen noch das "Bass Blast" Programm, das interessanterweise kein unschönes Wummern, nur etwas mehr gezielten Nachdruck erzeugt und somit besser ist, als man spontan vermuten würde. Mit guter Räumlichkeit kann "AI Sound Pro" aufwarten. Das Programm "Standard" ist ebenfalls gut zu verwenden und erweist sich als relativ ausgewogen. Hier kann man es vom aktuellen Quellmaterial abhängig machen, welcher DSP-Modus der Beste ist.
Es folgt "Moonraker", gesungen von Shirley Bassey, zunächst im AI-Modus, der auch hier wieder gar nicht einmal schlecht agiert und sogar einen relativ klaren, fokussierten, aber trotzdem räumlichen Klang realisiert. Dass Shirleys Stimme bei höherem Pegel leicht blechern wirkt, kennen wir von der alten Aufnahme, das kann man daher nicht der Soundbar anlasten. Im "Standard" Modus ist der Frequenzgang besonders ausgewogen, daher kann man in diesem recht entspannt hören, gerade auch solche Titel. Mit ein wenig mehr Dynamik, verbunden mit guter Homogenität, wartet bei diesem Song der "Music" DSP-Modus auf. Wir legen 007-technisch nach und lauschen "Fory Your Eyes Only" von Sheena Easton. Hier, im Music Mode, sind wir von der klaren, mit guten Strukturen versehenen Stimmwiedergabe überrascht. Auch die Trennung der Stimme von den Instrumenten gelingt ordentlich, für eine All-In-One-Soundbar gefällt uns gerade bei diesem Titel die Gesamtperformance wirklich gut.
"Such A Night" von Michael Bublé erweist sich als deutlich besser für die Soundbar geeignet, als wir spontan dachten. Es ist Schwung in der Darbietung, und die vokale Präsenz von Michael ist tadellos. Auch die räumliche Ausbreitung des Klangs kann man definitiv als gelungen bezeichnen. Der Rhythmus wird impulstreu wiedergegeben. Nun wechseln wir nochmals komplett den Musikstil, bleiben beim guten Music-DSP. Und hier überrascht uns die LG Soundbar am meisten - bei der Cover-Version des Genesis-Klassikers "Land Of Confusion" von Disturbed hätten wir undefiniertes Geschrei und harsche E-Gitarren-Riffs erwartet. Doch unser Testkandidat macht es deutlich besser und bringt sogar die immense Dynamik recht gut zum Ausdruck. Klar wird die Stimme doch harsch bei höherem Pegel, aber in einem Umfang, den man noch gut ertragen kann.
Konkurrenzvergleich

Yamaha SR-C30A: Die Yamaha-Lösung bietet auch einen aktiven Wireless-Subwoofer und spielt daher im Bassbereich hörbar vehementer auf. Natürlich ist auch der Tiefgang ausgeprägter. Allerdings bietet die Yamaha-Kombo bis auf Bluetooth und App-Steuerung kaum Ausstattung: Keine Netzwerkfunktionen, kein Dolby Atmos oder DTS:X. Die Verarbeitung des Yamaha-Sets hat uns gut gefallen. Mit Preisen ab rund 330 EUR fürs Set geht der Preis noch in Ordnung.

Nubert nuBoxx AS-225 max: Mit 498 EUR spielt Nuberts Soundlösung in derselben Preisliga wie die LG-Soundbar. Das Nubert-Device sieht deutlich klassischer aus und verfügt über sehr hochwerige Chassis, die dem Standard von Nubert vollauf entsprechen. Klanglich gibt es ein gutes Leistungsvermögen der Endstufen und eine tolle Eignung auch für Musik. Akustisch sehen wir die nuBoxx AS-225 eigentlich vorn, doch dank cleverer DSP-Technik leistet der LG-Soundriegel gerade bei Filmtonspuren erbitterten Widerstand, während wir die AS-225 bei Musik schon vorn sehen. Was die Ausstattung angeht, hat die Nubert-Lösung dem LG-Produkt wenig entgegen zu setzen.

Dali Katch One: Mit 749 EUR ist die Dali-Lösung teuer und bietet keine sehr reichhaltige Ausstattung. Allerdings: Bei der Audiotechnik, also Endstufen plus Chassis, was für den Klang beides immens wichtig ist, fahren die Dänen auf. Die sehr spezielle Optik und die sorgfältige Verarbeitung sind weitere Eigenschaften der Katch One. Für Liebhaber skandinavischen Designs und hoher Klangkultur ist sie eine teure, aber verlockene Option.
Fazit

LG offeriert mit der Soundbar Eclair DSE6S eine sauber verarbeitete, optisch unauffällige, trotzdem hübsche All-In-One-Lösung an. Die Ausstattung inklusive Dolby Atmos, DTS:X, WOW Orchestra und zahlreichen Netzwerkfunktionen lässt keine Wünsche offen. Die Anschlussbestückung umfasst neben HDMI-eARC auch einen HDMI-Eingang. Die Einrichtung der Soundbar mittels der LG-App gelingt zügig und ohne Schwierigkeiten. Akustisch kann man sie sowohl für Filmton als auch für Musikmaterial einsetzen. Die gebotene Räumlichkeit ist stets gut bis sehr gut, und die Wiedergabe von Stimmen gelingt für die Preisklasse und Gerätekategorie überzeugend. Positiv erwähnen möchten wir auch, dass, je nach momentanem Quellmaterial, mehrere der verbauten DSP-Betriebsarten gut zu verwenden sind. Dass man im Bassbereich aufgrund der All-In-One-Konzeption Abstriche machen muss, sollte jedem klar sein. Das, was geboten wird, ist aber für die kompakten Abmessungen und das Bauprinzip tadellos. Leider besitzt die DSE6S kein Display, hilfreich ist aber in der Praxis eine weibliche Stimme, die z.B. das gerade aktive DSP-Programm bei Tastendruck auf die Sound-Modi-Taste der Fernbedienung nennt.
Formschöne All-In-One-Soundbar mit gelungener Akustik und üppiger Ausstattung

All-In-One-Soundbar bis 500 EUR
Test 26. April 2023
Test: Sven Wunderlich, Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 26. April 2023
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Tags: Lautsprecher • LG • Soundbar






