XXL-Test: 9.2-Kanal-Netzwerk-Receiver Marantz SR7013

Nun folgt endlich der finale Test des auf dem Markt für knapp 1.300 EUR erhältlichen Marantz SR7013. Der 9.2-Kanal AV-Receiver ist mit Apple AirPlay 2, IMAX Enhanced-Zertifizierung (per Update) und Heos-Modul ausgestattet. Er is kompatibel zu Apple Siri und Amazon Alexa, wahlweise kann man ihn in silbergoldener oder schwarzer Variante erwerben. Schwarz ist fürs dedizierte Heimkino vielleicht besser, weil unauffälliger, während Silbergold im schicken Wohnzimmer richtig gut aussieht. Bedingt durch die 11.2 Vorverstärkersektion, kann der SR7013, nimmt man eine zusätzliche Zweikanal-Endstufe zur Hand, auch ein noch größeres LS-Setup versorgen. 

Charakteristisch ist das "Bullauge"

Quellwahl

Lautstärke-Drehregler

Bedienelemente und Display hinter einer Klappe

Der SR7013 besitzt einen hohen Wiedererkennungswert, die Optik "entlarvt" den AV-Receiver sofort als Marantz-Familienmitglied. Was uns persönlich nach wie vor stört: Nur der mittlere Teil der Frontblende ist aus Aluminium, die Seitenteile bestehen aus Kunststoff. Die Spaltmaße fallen gleichmäßig und relativ gering aus, das ist positiv zu bewerten. Die Front wirkt sehr aufgeräumt, links und rechts befinden sich zwei Drehregler für Quellwahl und Lautstärke - denn weitere Bedienungselemente haben die Japaner unter einer gut, aber nicht überdurchschnittlich hochwertig verarbeiteten Klappe untergebracht. Dort gibt es auch ein großes, zweizeiliges Punktmatrix-Display, zusätzlich zum bekannten "Bullauge" zwischen den beiden Drehreglern. Unter dem SR7013 befinden sich große, solide Gerätestandfüße. Hier die Leistungsdaten:

  • Ausgangsleistung (8 Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,05 % Klirrfaktor, 2 Kanäle: 125 W
  • Ausgangsleistung (6 Ohm, 1 kHz, 0,7 % Klirr, 2 Kanäle: 165 W
  • Ausgangsleistung (6 Ohm, 1 kHz, 1 % Klirr, 1 Kanal): 200 W

Gesamtübersicht innen

Platinenlayout

Kühlkörper

Trafo

Innen zeigt sich der Mehrkanal-Receiver als sauber aufgebaut. Hochwertige Aluminium-Kühlkörper und keine aus Blech setzen gleich einen entsprechenden Akzent. Der Trafo ist solide befestigt, liegt allerdings nicht im Zentrum des Gehäuses, sondern außen. Die Verkabelung ist übersichtlich, das Platinenlayout im Wesentlichen stringent. Was wir vermissen, sind Verstrebungen des Chassis, die der Stabilität der Gesamtkonstruktion dienlich wären.

Einmessmikrofon

Das optisch und technisch hinlänglich bekannte Audyssey-Einmessmikrofon und eine aus qualitativer Sicht ordentliche, aber nicht sensationelle Tastenfernbedienung liefert Marantz mit. 

Für hohe Klangqualität und enorme Leistungsstärke setzt Marantz beim SR7013 auf die Current Feedback- und HDAM-Technologie. Für jeden Kanal finden sich separate DACs, was auf einen reinen, präzisen Klang hoffen lässt.

Akustisch herrscht kein Mangel an 3D-Sound-Decodern. Alle drei 3D-Soundformate sind ab Werk vorhanden, also Auro 3D, Dolby Atmos und DTS:X mit DTS Virtual:X. Hinzu kommt die bereits weiter oben angesprochene IMAX Enhanced-Zertifizierung (über kostenloses Firmware-Update; voraussichtlich im Verlauf des Januar 2019). Der SR7013 setzt, wie bei Marantz & Denon schon traditionell, auf ein Lautsprecher-Einmesssystem nebst Room EQ aus dem Hause Audyssey. MultEQ XT32, Dynamic Volume und Dynamic EQ sind vorhanden, und das Audyssey-System ist, wie wir es bereits kennen,  kompatibel zur optionalen Audyssey MultEQ Editor-App, die man sich in den jeweiligen App Stores kaufen kann.

Musikstreaming haben wir bereits angesprochen, was ist konkret möglich? Natürlich werden übliche Hi-Res-Audio-Formate wie Flac wiedergegeben. Auch DSD wird unterstützt bis 5,6 MHz (kein DSD 11,2 MHz/Quad-DSP), bei Heos kommen Musikdienste wie  Deezer, Spotify Connect, Amazon Music, Tidal und auch eine Internetradio-Plattform dazu. WLAN ist integriert mit 2,4 GHz/5 GHz, die Dual Band-Unterstützung steht für verbesserte Netzwerkstabilität, insbesondere bei hoher WLAN-Dichte.

Schon eingangs erwähnt haben wir die Amazon Alexa-Sprachsteuerung (Amazon Echo-Gerät erforderlich) über den Heos Home Entertainment Skill.  Hinzu kommen die Apple AirPlay 2-Audiostreaming-Funktion inklusive Siri-Sprachsteuerung.

Rückseite komplett

Hochwertige Lautsprecherkabel-Anschlussterminals

Cinch-Sektion mit Pre-Outs

HDMI-Sektion hinten

Antenne für WLAN und Bluetooth

Wie gewohnt bei Marantz und Denon lässt die Anschlussbestückung kaum Wünsche offen. Es finden sich insgesamt acht HDMI-Eingänge mit voller HDCP 2.2 Unterstützung, sieben davon hinten und einer vorn. 4K/60 Hz Full-Rate-Passthrough, 4:4:4 Farbauflösung, HDR, BT.2020, Dolby Vision und Hybrid Log Gamma (HLG) sind 2018 nicht neu, das gab es bereits früher. Der Vollständigkeit halber zählen wir es trotzdem auf. Hinzu kommen drei HDMI-Ausgänge. Auf der Frontseite findet sich ein USB-Audioeingang, und Bluetooth fehlt natürlich auch nicht. Die Anschlussbestückung umfasst zudem auch einen Moving-Magnet- (MM) Phonoeingang. 

Auch die Video-Merkmale sind typisch für Marantz- und Denon-AVRs: Eine Analog zu HDMI-Konvertierung und ein Upscaling herkömmlicher SD/HD-Videoquellen auf 4K mit voller Bildrate. 

Fernbedienung

Unterer Bereich 

Oberer Bereich

Steuern kann man den SR7013 mittels der mitgelieferten, übersichtlichen Fernbedienung oder über die Marantz Remote App, fürs Heos-Modul und dessen Funktionen steht selbstverständlich die Heos-App bereit, die Hand in Hand mit der Remote App für die AV-Receiver-Funktionen arbeitet. 

Der SR7013 kann auch aus der Ferne über eine webbasierte Benutzeroberfläche gesteuert werden. Zu den weiteren benutzerdefinierten Installationsmöglichkeiten zählen Smart Remote Management, Domotz- und Ihiji-Unterstützung. HDMI Diagnostics analysiert und optimiert die Synchronisation zwischen der Quelle und dem Receiver.

Wie schon hinlänglich bekannt, findet sich ein Assistent, der mit Grafiken und Hilfe-Texten bei der Erstinstallation unterstützt. Dies hat bei uns wieder problemlos funktioniert, die Audyssey-Einmessung und die Netzwerk-Einbindung sind ebenfalls in den Einrichtungsassistenten integriert. 

Hier haben wir einige Screenshots vorbereitet und widmen uns zuerst dem Einrichtungsassistenten.

Übersicht beim Einrichtungsassistenten

Sprachwahl

Lautsprecher-Einstellungen

Vorhandene Lautsprecher in der Übersicht

Anschluss des Mess-Mikrofons

Einrichtung des Netzwerks, wahlweise drahtlos oder kabelgebunden

Der schon bestens bekannte und geschätzte Assistent für die Ersteinrichtung sorgt auch beim SR7013 wieder dafür, dass die Inbetriebnahme des AV-Receivers recht einfach und übersichtlich, Schritt für Schritt, vonstatten geht. 

Hauptmenü

Video-Menü

Manuelle Lautsprecher-Konfiguration

Menüpunkt "Allgemein"

Der Marantz SR7103 präsentiert sich als optisch unverwechselbar-elegant und als opulent sowie modern ausgestattet. Ganz gleich, ob es um zeitgemäße, zahlreiche HDMI-Anschlüsse, um eine vollwertige Videosektion mit Upscaling auf bis zu 4K oder um umfangreiche Multimedia- und Streaming-Eigenschaften geht: Den Marantz erwischt man nicht auf dem "falschen Fuß". Nun werden wir überprüfen, wie er sich aus akustischer und visueller Sicht schlägt. 

Klang a-ha, The Final Concert, DTS-HD Master Audio, plus DTS Neural:X/Auromatic

Wir hören in DTS-HD plus DTS Neural-X für die Mit-Einbeziehung der Top Firing-Module, die wir in den ersten Testreihen vorn auf den Standboxen aufgestellt haben. "The Sun Always Shines On TV" von a-ha (Blu-ray "a-ha - The Final Concert") startet, und gleich fällt akustisch auf, dass der SR7013 runder, angenehmer klingt als seine Vorgänger. Gleichzeitig wird der aktive Subwoofer, der bei uns nur selten zum Einsatz kommt (vorn Canton Reference 5 K auf "groß" eingestellt) präzise angesteuert, die Bassanteile, die von den Reference 5 K übernommen werden, klingen ebenfalls sehr präzise und sind wohl dosiert. Das ist gerade bei dieser Blu-ray nicht immer gegeben, öfters nehmen wir einen dünnen, wenig aussagekräftigen Bassbereich wahr.

DTS Neural:X arbeitet sehr gelungen und bindet die Top Firing-Module nahtlos ein. Nun wählen wir als 3D-Audio-Ergänzung Auromatic - und noch rundere, sehr feinfühlige Übergänge und eine geschlossene, glaubwürdige Überkopf-Audioebene belegen, dass Auromatic definitiv eine Bereicherung ist, allein schon dafür lohnt die gesamte Auro 3D-Elektronik an Bord. Was kann der SR7013 ansonsten? Er arbeitet Stimmen ausgezeichnet ein, in Verbindung mit einem hochwertigen Center lösen sie sich überzeugend von der Box und verteilen sich sehr gut im Raum. Das zeigt sich beim beim zweiten a-ha-Titel, "We're Looking For The Whales". Schon die Beifalls-Bekundungen der Konzertbesucher bring der Marantz enorm räumlich zur Geltung, dann geht der Song los.

Der kräftige und zugleich exakte Bassbereich schmückt den 9.2-Kanal-Receiver ebenso wie die wiederum hervorragende Stimmwiedergabe. Die Trennung der Stimme von Morten Harket von den Instrumenten gelingt ausgezeichnet. Was aber den SR7013 zu einem besonders überzeugenden Angebot werden lässt, ist zweifelsohne der harmonische, homogene Klang. Marantz hat hier einige Änderungen an der Abstimmung vorgenommen, das zuvor herausgehörte, zwar enorm Dynamische, aber bei hohem Pegel auf Dauer Anstregende, ist praktisch zur Gänze verschwunden. Nach wie vor gibt sich der SR7013 dynamisch, verbindet dies aber geschickt mit einem auch für lange Hörsessions absolut geeigneten, angenehmen Klang.

Klang Tiesto, Elements Of Live Tour Copenhagen, nativ DTS-HD Audio plus DTS-HD Audio und Audio-Upmixing mittels Auromatic

Und wieder schlägt der Marantz Kapital aus seinen bärenstarken analogen Endstufen: Bei "Back In Your Head" und "He's A Pirate" von der zweiten Disc des Tiesto Blu-ray-Sets packt er massiv zu und schleudert die Beats auch bei hohem Pegel lebendig in den Hörraum. Nie vergisst der SR7013, dass eine akkurate, nachvollziehbare Struktur stets mit dazu gehört. Verschiedene parallel stattfindende Ereignisse im Bassbereich werden immer sehr gut voneinander getrennt, und der treibende Rhythmus, ganz besonders bei "He's A Pirate", bringt der SR7013 ungefiltert zum Zuhörer. DTS Neural:X als Audio-Upscaler hat uns nicht besonders überzeugt, es sind hier kaum wirkliche Effekte und Raumelemente in der Überkopf-Ebene hörbar.

Setzen wir Auromatic ein, dann erleben wir eine authentische Ausdehnung des gebotenen Raums in die Überkopf-Ebene. Nahtlose Übergänge gehen mit einer untadeligen Präzision einher. Man erkauft sich nicht das Mehr an Räumlichkeit mit einer aufgeblasenen,  unpräzisen Vorstellung, sondern man erhält hörbar mehr akustische Räumlichkeit bei gleichzeitig unverminderter Präzision - so gut klappt das weder bei DTS Neural:X noch bei Dolby Surround. 

Klang Mission Impossible, Rogue Nation, Dolby Atmos (Blu-ray)

Nun starten wir durch mit "Mission Impossible - Rogue Nation" in Dolby Atmos und hören uns hier das Wien-Kapitel an, welches mit der nächtlichen Skyline der österreichischen Hauptstadt startet. Eine kurze Kamerafahrt, verbunden mit mächtiger, klassischer Musik: Akustisch meistert der SR7013 diese Sequenz mit Bravour. Wucht und Räumlichkeit sowie eine sehr gute Auflösung kann er als Pluspunkte in die Waagschale werfen. Dann befinden wir uns in einer U-Bahn-Station gegenüber der Wiener Oper. Hier gibt der SR7103 den herausfahrenden Zug hervorragend wieder, ebenfalls den Spannung erzeugenden Music Score. Der Dialog zwischen Ethan und Benjamin kommt klar heraus, ohne dass die Umgebungsgeräusche nicht mehr zu hören wären.

Die Bedrohlichkeit, die vom Music Score bewusst ausgeht, um immer weiter Spannung aufzubauen, wird vom Marantz praktisch ohne Filter in den Hörraum übertragen. Der SR7103 schafft mühelos auch deutlich gehobene Pegel, und die Leistung der eingebauten ELKOs reicht offensichtlich aus, um auch bei enormer Grundlautstärke noch plötzlich auftauchende Dynamikspitzen sauber zu übertragen. Das Blitzlichtgewitter vor der Oper, als der österreichische Bundeskanzler ankommt, wirkt sehr realistisch, auch das Gemurmel der Menge.

Nun geht es im legendären Opernhaus weiter. Die Kontrolle der Musiker mit ihren Instrumenten gelingt, obwohl es hier nur sehr kleine Effekte gibt, sehr überzeugend, da der SR7013 gerade auch bei der Einarbeitung kleiner akustischer Einzelheiten optimiert wurde. Das Auflösungsvermögen ist über den gesamten Frequenzbereich hervorragend. Hier ist wirklich erstaunlich, was möglich ist. Auch die Dreidimensionalität der Klangkulisse beeindruckt, die Einbindung der Top Firing Module sorgt für eine weite, dichte, praktisch überall vorhandene Klangkulisse. Die Klänge der Puccini-Oper "Turandot" meistert der 7013 exzellent. Zwar wird er bei den Gesangseinlagen, abweichend seiner ansonsten nach wie vor harmonischen Auslegungen, etwas schärfer, bleibt aber noch auf der "sicheren Seite". Die Streicher modelliert er mit guter Brillanz und homogener Gesamtcharakteristik heraus.

Die Schlägerei zwischen Ethan und dem Killer hoch oben über der Bühne beweist ein weiteres Mal, dass der SR7013 impulstreu und kraftvoll zupacken kann. Seine analogen Endstufen setzen mächtig Energie frei, der AV-Receiver erwärmt sich zudem auch kräftig. Lässt man ihm nach oben genug Platz, ist diese Erwärmung aber nicht weiter gravierend. Nur eng in ein Rack "einpferchen" sollte man den SR7013 nicht.

Klang Independence Day, DTS:X (Ultra HD-BD)

Im ersten Teil von Independence Day liefert der SR7013 eine grandiose Performance ab und begeistert vor allem in den zahlreichen Sequenzen, in denen es richtig "zur Sache" geht. So zum Beispiel das erste Mal, als mit tiefem Bassgrollen das Alien-Mutterschiff nahe des Mondes zu vernehmen ist. Selbst dann, wenn wir keinen aktiven Subwoofer anschließen und vorn mit unseren Canton Reference 5 K arbeiten, wird ein Bass-Inferno mit überragendem Tiefgang geboten - hier muss sich der Marantz keinesfalls hinter dem brillanten Denon AVR-X4500H verstecken, der es geschafft hat, in seiner Preisliga neue Maßstäbe zu setzen.

Der Marantz klingt auch deutlich ähnlicher, als es in früheren Generationen der Fall war. Da waren die Marantz AVRs teilweise heller und weniger homogen abgestimmt als die Denon-Derivate, was stets - aus unserer Sicht - zu einem akustischen Vorteil für die harmonischeren Denon-AVRs führte. Damit macht der SR7013 nun Schluss, auch bei hohem Pegel entwickelt er einen gleichmäßigen, angenehmen Klang, der mit hoher räumlicher Dichte und einer herausragenden Mit-Einbeziehung der Überkopf-Ebene punkten kann. Die finale Schlacht der Erdenbürger gegen die Aliens verleiht der SR7013 durch den wuchtigen, zugleich dynamischen Antritt der Endstufen den richtigen Nachdruck. Er schiebt unerbittlich an und lege sich auch bei sehr hohem Grundpegel nachhaltig "ins Zeug".

Klang Stirb Langsam 4.0 (Blu-ray) - DTS-HD Master Audio, aufpoliert mittels Auromatic

Dank der Cross-Mixung-Funktion kann man das exzellente Auro-Matic auch fürs Audio-Upscaling von Dolby Atmos und DTS:X Tonspuren einsetzen. Gesagt, getan: Bei "Stirb Langsam 4.0" zieht der SR7013 alle Register seines Könnens in der Sequenz, als Gabriels Schergen den Hacker Matthew Farrell eliminieren möchten, was dank des Einsatzes von McLane misslingt. Die Attacke auf die Wohnung von Matthew kommt in allen Hör-Dimensionen eindrucksvoll heraus: Man fühlt sich als Zuhörer mitten im Geschehen, und der Eindruck, atmosphärisch dicht eingebunden zu sein, ist hörbar stärker ausgeprägt als bei der reinen DTS-HD-Wiedergabe, wenn man sich die nativ vorhandene Tonspur anhört.

Die Schusswechsel, zersplitterndes Glas, und auch Details, als z.B. McLane das Magazin seiner Waffe wechselt: Der Marantz bietet immer eine dichte und glaubwürdige Räumlichkeit, Auromatic schafft eine überraschend realistische Überkopf-Ebene, die nicht nur aus einzelnen hervorstechenden Effekten besteht, sondern die als räumlich-plastischer Faktor stets präsent ist. Der Music Score wird kraftvoll eingebunden, ohne dass eine störende Über-Betonung stattfindet. Lebendig und mit sauberer Struktur wird selbst die massive Explosion des Feuerlöschers im Treppenhaus in den Hörrraum "geschossen", auch hier greifen die kraftvollen Endstufen des Marantz wieder nachdrücklich zu.  

Klang Stereo, Hi-Res-Flac-Dateien

Natürlich schlägt sich der SR7013 auch im Stereo-Betrieb, traditionell eine Marantz-Domäne, exzellent. Früher hätte man gedacht, dass er dem Denon AVR-X4500H überlegen gewesen wäre, aber der Denon ist so gut geworden, dass man vielleicht nur bei der Räumlichkeit und der Auflösung im Hochtonbereich noch Vorteile für den Marantz ausfindig machen kann. Bei "Desperado" (48 kHz/24-Bit) in der Cover-Version von Diana Krall gibt der SR7013 die charakteristische Stimme feinfühlig wieder, die Trennung der vokalen von den instrumentalen Elementen gelingt vorzüglich. Hier kann man vor D&M nur den Hut ziehen. Ganz gleich, ob wir den AVR-X4500H hören oder aber den Marantz SR7013, die Leistungsfähigkeit im Stereo-Betrieb ist auch für recht anspruchsvolle Hörer geeignet.

Bei "Nessun Dorma" (96 kHz/24-Bit)aus Puccins Turandot, gesungen von Star-Tenor Jonas Kaufmann, modelliert der SR7013 die Stimme ein weiteres Mal sehr facettenreich und plastisch heraus. Auch komplexe akustische Elemente wie der Chor bereiten dem talentierten Marantz AVR keine Schwierigkeiten. Er liefert eine sehr klare Trennung der einzelnen Elemente, ohne auf eine homogene Gesamtdarstellung zu verzichten. Mark Knopflers "Basil" in 192 kHz/24-Bit liegt dem SR7013 ebenfalls. Die akustische Gitarre und die Melancholie im Song bereitet er überragend auf. Die räumliche Arbeit, auch im Kleinen, beeindruckt, weist der Marantz doch vielen musikalischen Einzelheiten einen klar erkennbaren Platz im virtuellen Raum zu. 

Videosektion

Der SR7013 verfügt über eine vollwertige Video-Sektion. Was kann er bei Upscaling auf 4K und Einsatz des Bildmodus "ISF Day"?  Wir betrachten die Wien-Sequenz aus "Mission Impossible" diesmal aus visueller Perspektive. Direkt zu Beginn gibt der SR7103 die kurze Kamerafahrt ohne Ruckeln wieder - das läuft deutlich besser als bei älteren Marantz-/Denon AVR-Generationen, als immer leichtes Ruckeln störte.

Minimales Upscaling-Rauschen ist vorhanden, aber nicht in gravierender Form. Die Schärfe und die Detaillierung sind tadellos, das sieht man z.B. bei den Bodenfliesen in der U-Bahn-Station, als Benji seine Spezialbrille testet. Schriften (wie der Hinweis zum U-Bahn-Zug) erscheinen ab und zu etwas unscharf. Das mitten auf dem Screen erscheinende Smartphone-Display von Benji gibt der SR7103 scharf sowie klar wieder. Auch der Smoking nebst Hemd und Fliege des österreichischen Bundeskanzlers arbeitet der Marantz gut heraus. Die Regentropfen auf dem Dach seines Maybach sind zudem aus der Vogelperspektive prima zu erkennen, auch hier leistet die Videosektion des SR7103 tadellose Arbeit.

Selbst aus der Distanz arbeitet der AV-Receiver die Holzoberfläche der Violine gut sichtbar heraus - alle Achtung, das ist wirklich eine überraschende Performance. Nichts wirkt verschwommen, das Instrument erscheint bis ins Detail als scharf durchzeichnet. Der Bildmodus "ISF Day" eignet sich gut, wenn etwas Restlicht vorhanden ist. Der "Day" sollte aber nicht zu "sunny" sein, bei normalem Lichteinfall jedoch reicht die Helligkeit.

Der Boden der Opernbühne wird sehr gut präsentiert, die räumliche Wirkung überzeugt aus visueller Sicht ohne Zweifel. Wenn es komplett dunkel ist, empfiehlt sich "ISF Night", da dann weniger Rauschen im Bild ist und das Ganze nochmals augenfreundlicher ausfällt.

Auch bei der bereits älteren Blu-ray von "Stirb Langsam 4.0" liefert der SR7013 eine einwandfreie Leistung beim Upscaling ab. Als Gabriels Killer Matthew Farrell eliminieren möchten, entbrennt ein harter Kampf um die Wohnung des Hackers. Dabei erfreut uns der Marantz mit sehr guter Detaillierung z.B. von den Gesichtern der Akteure und von deren Waffen. Bewegungen erfolgen ruhig und sicher, ohne störende Schärfeverluste. Die empfundene Räumlichkeit und der Detailkontrast sind ebenfalls zu loben, auch kleine Einzelheiten wie z.B. Splitter und Trümmerteile kommen sauber heraus. Rauschen, das vom Upscaling herrührt, ist kaum zu erkennen.  

Fazit

Überzeugend in allen Belangen: Der Marantz SR7013 ist ein konsequent weiterentwickelter Mehrkanal-Receiver, der mit praktisch lückenloser Ausstattung ebenso  überzeugt wie mit hohem praktischen Nutzen. Dank des bewährten Einrichtungsassistenten ist er flott betriebsbereit, das Audyssey-Eimesssystem arbeitet zuverlässig.

Allerdings muss man, z.B. was die grundsätzlich deutlich zu niedrig gewählten Pegel der angeschlossenen Lautsprecher angeht, manuell nachbessern. Klanglich begeistert uns der SR7013 mit einer tollen Mischung aus Homogenität, Auflösungsvermögen und Dynamik. Die ausgezeichnete und vollwertige Videosektion ist ein weiterer großer Vorzug des Marantz AV-Receivers: Ein stabiles Upscaling, detailreich und sauber, auf 4K, kauft man sich auch noch mit ein.

Der konkurrierende Denon AVR-X4500H ist rund 200 EUR günstiger zu haben (Grobi TV, Preis vom 19. April 2019, 1.059 EUR), der SR7013 liegt inklusive Lichtmond-Blu-ray bei Grobi.TV bei 1289 EUR (Stand 19. April 2019). Darum behält der 4500H sein "Masterpiece", der SR7013 bekommt eine "Referenz". Wer lieber das unverwechselbare Marantz-Design und spezielle Marantz-Technologie im Inneren möchte, der legt die rund 200 EUTR drauf, der Denon bleibt der absolute Preis-/Leistungs-Champion. 

Extrem leistungsstarker AV-Receiver der Oberklasse im unverwechselbaren Marantz-Design

AV-Receiver bis 1.500 EUR Marktpreis
Test 26. April 2019

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 26. April 2019

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