XXL-SPECIAL: Vorstellung Wilson Audio WAMM Master Chronosonic - Highend-Schallwandler für 900.000 EUR Paarpreis mit Kette aus VTL/dCS-Komponenten
Eindrücke & Klang

Da stehen sie, die Riesen von Wilson Audio
Hier stellt sich die Frage: Wie geht man heran an die Beurteilung der Klangqualität einer Kette, die schon allein preislich sämtliche Maßstäbe sprengt? Hier bauen sich andere ihr Traumhaus und kaufen sich noch ein hochwertiges Auto dazu. Das soll jetzt nicht vermessen klingen, aber bevor der erste Ton gespielt wird, muss man sich zunächst bewusst sein, WAS man hier hört. Das ist nicht einfach eine hochwertige HiFi-Anlage, das ist auch kein gewöhnliches High-End-Audio.

Mit Spannung erwarten wir die akustische Performance
Hier haben wir es mit dem Koenigsegg der HiFi-Branche zu tun, möchten wir die Leistungsstärke dieser Kette irgendwie einordnen. Schon allein die respekteinflößenden Abmessungen der Master Chronosonic beeindrucken uns. Durch den modularen Aufbau nebst der Justagemimik sehen die riesigen Schallwandler sehr technisch aus - zugleich aber auch besonders, sodass man festhalten kann, dass sie ein klares Statement setzen. Das belegt auch die Verarbeitung, auch diese ist, was Auto-Gourmets freuden dürfte, im Koenigsegg-Style schlichtweg extrem hochwertig.

Finish eines Moduls

Hier sitzt alles perfekt

Da wird jede Boeing neidisch: Werkstoff-Güte vom Allerfeinsten

Jede Kante wird perfekt umgesetzt
Alles sitzt optimal, passt perfekt, ist in feinstmöglicher Qualität lackiert. Schnitzer gibt es nicht, die würde bei dem Kaufpreis auch niemand verzeihen. Dagegen wirken die VTL Komponenten, obwohl vorzüglich gefertigt, schon beinahe ernüchternd unspekakulär. Das Rossini Wandler/Transport-Duo von dCS versprüht optisch hingegen schon wieder den Charme des Individuellen, die Master Clock passt optimal dazu, ist aber deutlich flacher gehalten.
Wir starten mit Diana Kralls "Look Of Love" entspannt in unsere Testreihen, und schon direkt am Beginn des Songs folgt das erste Aha-Erlebnis: Diana ist offenbar zu Besuch - doch wo hat sie sich versteckt? Nach kurzer Unsicherheit folgt die Erkenntnis, dass die beiden Master Chronosonic diese unglaublich realistisch wirkende vokale Präsentation ermöglichen. Hier steht die Stimme frei, aber untadelig präzise im Raum, sodass man ein dreidimensionales Klanggebilde beinahe spüren kann. Auch bei kräftigem Pegel, gediegen serviert von den VTL Monoblöcken, hält diese audiophile Vorführung der Extraklasse an.
Nun checken wir im "Hotel California" ein und belegen sofort ein Zimmer direkt an der Bühne. Das Zupfen der Saiten der Gitarre wirkt unglaublich filigran und authentisch, der gesamte Aufbau des legendären Titels gelingt mit einer Klangkultur, die man praktisch nie erleben dürfte, außer dann, dass man noch mehr als für die Master Chronosonic investiert, sich einen schönen Konzertraum im Keller baut und die Eagles herzlich einlädt. Kurzum, erneut eine Leistung, die man natürlich schon irgendwie aufgrund der Preisklasse erwartet hätte, die einen aber trotzdem komplett unvermittelt trifft und sogleich einnimmt. Jede Struktur, auch welche, von deren Existenz wir noch gar nicht wussten, kommt hier ans Tageslicht, mit einem absolut perfekten Timing.
Und auch Jonas Kaufmann darf versuchen, unsere Luxus-Ketter bei "Nessun Dorma" aus Puccinis Turandot herauszufordern. Das Ergebnis erspart den Besuch in der Oper oder im Konzerthaus. Denn die grandiose Bühne stimmt zu 100 Prozent in Tiefe und Weite, und die Ausbreitung von Jonas' charakteristischer Stimme ist ein Genuss. Jeder Wortansatz, jedes Abklingen kommt herausragend zur Geltung. Besonders gut zu hören wir bei der Wiedergabe der Streicher und des Chors - die Master Chronosonic timt jede Facette aller Signale perfekt und beschert uns echtes Gänsehaut-Feeling, das auch nach einigen Minuten einfach nicht abklingen mag.

Da muss der Dan ran: Sollen die unfassbaren Reserven der Master Chronosonic mit Nachdruck geweckt werden, empfehlen wir "Relentless" von Dan D'Agostino
Auch der nicht minder begnadete Andrea Bocelli wird herangezogen, um vleiieicht doch einen Fleck auf der weißen Weste der Wilson Audio-Premiumbox ausfindig zu machen. Vergeblich - nur eine Erkenntnis kommt bei hohem Pegel hinzu. Die gigantische Master Chronosonic ist mit den Fähigkeiten der VTL Monoblöcke noch lange nicht am Ende. Hier muss man die preislichen Relationen beachten, und nüchtern ist festzuhalten: Es geht noch mehr. Dafür muss ein US-Amerikaner mit seinen grandiosen Komponenten ran - Dan D'Agostinos maßlos leistungsstarke Mono-Endstufen der Relentless-Serie im exklusiven U-Boot-Style, die wir bereits live erleben durften, legen da erst richtig los, wo sich die VTL-Röhren schon ziemlich anstrengen müssen. Trotz allem - um zahlreiche fabelhafte Eindrücke zu gewinnen, reicht schon die Power und Klangkultur der VTL Monoblöcke aus.
"Ain't No Sunshine" - naja, damit hat Eva Cassidy inhaltlich nicht wirklich recht, denn bei uns scheint absolut die Sonne, wenn man eine solche Kette hören darf. Aber gut, jeder irrt sich mal, und vermutlich hat Eva noch nie die Master Chronosonic gehört. Hier ist es einmal mehr faszinierend, wie feinfühligt die Stimme aufgebaut wird, jeder Hauch, jedes Erheben der Stimme wird zu einem unverwechselbaren Erlebnis. So direkt, ohne jeden Filter, haben wir wohl noch nie zuvor gehört. Dabei baut sich eine absolut realistische Bühne im Hörraum auf, erneut mit dem typischen perfekten Timing aller akustischen Anteile. Das Klavier kommt wunderschön mit feiner Anschlagdynamik heraus, sodass auch hier wieder jede Kontur und jede Facetten hervortreten.
Phil Collins wünscht sich Regen, wir wünschen uns noch mehr Musik: "I Wish It Would Rain Down" ist der 2016er Remaster-Variante ist hinsichtlich der Güte des Quellmaterials eher halbherzig gelungen, da der Hochtonbereich und der Bereich der oberen Mitten entschieden zu harsch auzftreten, während es den unteren Mitten und dem Bass an Körper und Kontur gleichermaßen fehlt. Das merkt auch unsere hoch sensible Kette. Solches Material ist kaum zu empfehlen, weil die Schwächen klar herauskommen - was auch folgerichtig ist, da man einen natürlichen, höchst realistischen Klang mit 1:1 Reproduktion als Maßstab heranzieht, und so kann nichts "dazu gedichtet" werden, was vielleicht zu einem etwas harmonischeren Eindruck führen würde.
Das schreit nach etwas Gelassenheit, bevor sich die scharfen Höhen negativ aufs Klima im Hörraum auswirken. Nun wechseln wir zum relaxten "Break My Stride" Covermix von Blue Lagoon, da das Original auch, wie wir schon von anderen Testreihen kennen, akustisch äußerst dürftig klingt und noch mehr "Regen" im übertragenen Sinne brauchen wir nicht. Das Team von den blauen Lagunen hebt die Stimmung auch sofort wieder an, und das exzellente Timing der Master Chronosonic ist dafür verantwortlich, dass man voll in der Musik versinkt und begeistert von der Herausarbeitung aller Konturen ist, auch bei einem vergleichsqweise schlicht aufgebauten Content. Da fehlt nur noch der "Sex On The Beach" oder der "Long Island Ice Tea", und das Südsee-Feeling ist perfekt.
Ganz weglassen können wir zeitgemäße Clubmusic nicht - auch, wenn sich mancher HiFi-Enthuasiast verzweifelt die Haare raufen wird und sich nach der nächsten Experimentaljazz-Session sehnt. Aber schließlich haben die Wilson Audio Konstrukteure nicht umsonst zwei recht fette Tieftöner eingebaut, und auch die sollen sich schließlich austoben können. Und da ist das Felix Jaehn-Remix des Shouse-Chartstürmes "Won't Forget You" genau richtig. Die Master Chronosonic freundet sich auch mit diesem Quellmaterial umgehend an und bietet eine superbe Räumlichkeit sowie einen über alle Maßen kraftvollen + präzisen Bass, und schon mit der "VTL-Brigade" kann man kräftig abfeiern, was die Pegelstabilität angeht. Dass Dans Meisterstücke auch hier nochmals nachlegen dürften, scheint klar zu sein, aber unsere extrem gute Laune trübt das kein Bisschen. Dass wir nun noch Adan Hüjens und die "Middle Of Nowhere" hinzu ziehen, liegt daran, dass das Masterpiece von Wilson Audio aufgrund der äußersr vehementen Basswiedergabe unser Interesse geweckt hat. Und hier geht was - eine (V)ollkommene (T)op (L)eistung (VTL) dank Pegelfestigkeit sowie Dynamik in Kombination mit den schlagfertigen Wilson Audio Master Chronosonic XXL-Boxen - Wahnsinn. Die WAMM sorgt für einen unfassbaren Tiefgang, gepaart mit einer gerandiosen Präzision sowie einer Räumlichkeit, die wir in diesem Umfang bislang kaum erlebt haben.
Fazit

Das war ein Tag - unglaublich und gerne jederzeit wieder. Hören auf diesem Level dürften die meisten Menschen nie erleben, oder, wie wir, einmal als Besonderheit. Klar, über die Kaufpreise aller Komponenten darf man sich keine Gedanken machen. Das ist schlichtweg brutal. Aber wenn es um den puren akustischen Genuss geht, ist man hier an der richtigten Adresse. Augen zu - und einfach abschalten, genießen, Augen auf - und bestmögliche Fertigungsqualität und grandiose technische Raffinesse erleben. Wir danken Audio Reference für diese Erfahrungen, die wir so schnell nicht vergessen werden.
Bericht: Carsten Rampacher
Fotos: Carsten Rampacher, Wilson Audio, Audio Reference, dCS, VTL
Datum: 14. April 2023
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