XXL-Preview von der High End: Aktiv-Lautsprecher Klipsch Jubilee mit ausgefeilter Horn-Technologie
Wenden wir uns nun unseren ausführlichen Höreindrücken zu.

Was wird uns akustisch erwarten?
Wir starten mit "I Heard It Through The Grapevine" (Paloma Dineli Chesky) - eigentlich nicht wirklich, denn schon zuvor hörten wir einen Track, befanden aber, dass dieser nicth wirklich zum Charakter der Box passt - daher setzen wir hier ein. Schon nach wenigen Sekunden sind wir sehr überrascht, denn die Gelassenheit, mit der die Jubilee ihren Vortrag abhält, hätten wir nicht erwartet. Natürlich, dass sich uns ein großer, dichter, Raum öffnet, das war uns schon beinahe klar, als wir die riesigen Schallwandler sichteten und sie noch keinen einzigen Ton von sich gegeben haben. Aber wie rund, nahtlos und sauber alles vonstatten geht, ist richtig gut und tatsächlich in dieser Ausprägung eine echte Überraschung. Ehrlich gesagt, hätten wir jedoch vermutet, dass noch mehr Punch in der Darbietung steckt. Das Ganze gefällt schon, ohne Zweifel, aber noch gehen wir nicht voll mit. Wir hören, wir entspannen, nehmen mehr und mehr den Rhythmus in uns auf und sind überzeugt vom homogenen akustischen Gesamtbild. Mehr vielleicht beim nächsten Song.
Wir fahren fort mit eine wahren Klassiker: "Losing Hand" von Harry Belafonte. Und hier kommt nun genau das, was zuvor vielleicht noch fehlte: Genau dieses naheuz hundertporzentige Eintauchen in den Klang, das wir an hochklassigen Lautsprechern so sehr schätzen. Besonders die kurzen, harten instrumentalen Einsätze werden meisterlich von der Jubilee gehandhabt. Harry scheint seinen Song direkt vor uns zum Besten zu geben, so intensiv, so klar und so authentisch ist der akustische Eindruck. Was an Raumgefühl aufgebaut wird, ist ein weiteres Mal grandios. Und: Wie angenehm die Horn-Konstruktion spielt, fasziniert uns auch diesmal wieder. Nichts ertönt zu harsch, nichts wirkt unausgewogen - das Saxophon-Solo hat Dampf, macht Spaß, ist aber extrem sauber ausbalanciert. Und wie das Klavier im Background eingearbeitet wurde, das ist überragend und nicht oft in dieser Güte zu vernehmen.
"Peter Gunn Theme" von Henry Mancini steht jetzt auf dem Programm. Und wieder eine Paraderolle für die Jubilee - die hier einen Esprit entfaltet, der uns voll trifft. Was immer wieder auffällt: Wie souverän, wie in sich schlüssig das akustische Gesamterlebnis auftritt. Hier gibt es keine Lücken, Löcher, Haken. Alles läuft geschmeidig, gelassen und doch sehr filigran und detailreich beziehungsweise zupackend, je nach Bedarf, ab. Die räumliche Tiefe sowie die räumliche Weite und die Herausarbeitung der Charakteristika der Blechbläser gelingen auf einem Niveau, das einer Highend-Box definitiv würdig ist. Der Bassbereich hat stets das richtige Maß an Punch, was den Eindruck enormer Souveränität weiter steigert.
Und nun folgt einer unserer persönlichen Lieblingstitel - "The Look Of Love" von Diana Krall. Wir dachten, dass dieses Stück eigentlich sehr gut zu den Jubilee passen würde. Und wir lagen richtig - das Melancholisch-Rauchige in Dianas Stimme wird von den US-Boxen hervorragend zur Geltung gebracht. Super relexed, sehr souverän - aber der Klipsch-Hornlautsprecher passt akribisch auf, dass jede vokale Struktur stimmt, dass das Timing bei den Instrumenten nahezu perfekt ist, was zu einem geschlossenen, extrem kultivierten, trotzdem niemals langweiligen Klangbild führt. Die Plastizität holt uns auch hier voll ab, wie zum Anfassen wirkt das musikalische Schauspiel.
Wir setzen mit "Nightfall" von Till Brönner & Dieter Ilg fort. Und hier zeigt uns die Jubilee wieder eindrucksvoll, wie gut sie mit Tönen, die wie gehaucht dargeboten werden, die aber trotzdem unglaublich viel Inhalt besitzen, umgehen können. Hier entwickelt die US-Konstruktion ein enormes Feingefühl, sehr viel Sinn zum Treffen des richtigen Punkts. Alle Instrumente, aber ganz besonders das Saxophon entfalten ihr volles akustisches Aroma.
Als nächstes beweist uns die Box, was sie zustande bringt, wenn ein wahrer Könner am Schlagzeug alles gibt: "Stick To Me" von Charly Antolini soll in einer anderen Klipsch Jubilee-Vorführung auf der High End schon manche Leute deutlich "verschreckt" haben. Denn hier zeigt der Lautsprecher, dass es hinsichtlich des Wiedergabepegels wirklich kaum Grenzen gibt und die harten akustischen Experimente an den Drums und restlichen Bestandteilen des Schlagwerks mit einer Härte in den Hörraum getragen werden, die schlichtweg unfassbar ist. Hier werden die Gehörgänge ordentlich geputzt, aber blitzblank, und das mit einer klanglichen Präzision, die uns begeistert. Klar - so ein Stück hört man kaum im Alltag. Aber um zu demonstrieren, was die Jubilee drauf hat, ist es genau richtig, und die Mission ist zu 100 Prozent gelungen.
Groovig und entspannt lassen wir die Hörsession ausklingen - mit Planet D'Rhonda von Donald Fagen. Hier merkt man, wie ungemein anpassungsfähig die Jubilee doch ist - eben noch härteste Schlagzeug-Attacken in den Hörraum gefeuert, jetzt wieder ganz "cool" und gelassen. Aber immer sauber, immer homogen, immer klar, aber nie scharf - der Charakter des US-Lautsprechers kommt eigentlich immer durch, und immer vorteilhaft, zumindest gilt das für die Tracks, die wir gehört haben. Die Vocals wieder auf den Punkt, der Bass kräftig, aber nicht überdominant - alles erneut sehr gut ausbalanciert.
Unser Fazit
Die Klipsch Jubilee hat uns letzten Endes voll angeholt. Nicht sofort - aber doch recht zügig. Diese ganz spezielle Mischung aus entspannter Wiedergabe, perfekt für lange Hörsessions, und einer enormen Dynamik im Groben wie im Feinen fasziniert uns über alle Maßen. Das ändert nichts daran, dass die Jubilee kein Lautsprecher für jeden ist. Das verhindern schon Baugröße und Preis. Zudem muss eine extrem teure Zuspielung gleich mit einkalkuliiert werden. Aber wer wirklich etwas Besonderes akustisch erleben möchte, was auch in den Premium-Preisklassen, in denen die Jubilee beheimatet ist, als außergewöhnlich bezeichnet werden kann, der liegt bei diesem US-Boxen-Monument goldrichtig.
Special: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 20. Mai 2023
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Tags: High End • Klipsch • Lautsprecher






