TEST: Wharfedale EVO 5.4 - herausragender Standlautsprecher in moderner, eleganter Optik
Klang
Die neue Wharfedale EVO 5.4 entpuppt sich bei "Ain't No Sunshine" von Eva Cassidy als hellwache Box, die sehr frei und lebendig aufspielt. Hier merken wir, dass die neue Serie deutlich mehr in Richtung Klarheit und Präzision getrimmt wurde, und das geschah mit großem Erfolg. Die sehr direkte, emotional mitreißende Stimmwiedergabe ist extrem gut gelungen. Wir haben als Verstärker den überaus hochwertigen Luxman L-505Z angeschlossen sowie als Streamer den Cambridge Audio CXN100. Der Wharfedale EVO 5.4 zeigt dynamische Unterschiede treffsicher auf, und auch plötzliche massive Veränderungen in der dynamischen Ausprägung eines Titels kommen überragend heraus. Hier merkt man nichts davon, dass wir Lautsprecher testen, die nicht einmal auf 2.000 EUR Paarpreis kommen. Auch das Klatschen am Ende der Aufnahme wird von uns als sehr natürlich wahrgenommen.
Bei "I'm Still Standing" von Sir Elton John sind einige Zugeständnisse hinsichtlich des eher verhalten begeisternden Quellmaterials zu machen. Und wir wissen aus dem Test, dass der Luxman L--505Z nicht zimperlich ist, wenn es darum geht, die Schwächen des Quellmaterials auch zu dokumentieren. Als Ausnahmekünstler hochwertiger Wiedergabe darf man das auch, sagt sich der edle Vollverstärker. Umso erstaunlicher, wie sauber und klar alles klingt, selbst bei deutlich gehobenem Pegel, wenn die Wharfedale EVO 5.4 als Ausgabe-Organe aktiv sind. Klar, die leichten Überhöhungen in den Mitten und den oberen Mitten sind schon hörbar, aber die Stimme von Elton hat durchaus Kontur, und der Bass ist recht straff und zugleich kräftig.
Nun geht es weiter mit "Live And Let Die" von Paul McCartney & Wings. Der 007-Titelsong liegt der Wharfedale EVO 5.4 auf jeden Fall sehr. Die dynamischen Wechsel im tonalen Gefüge erledigt der Lautsprecher auch hier wieder hervorragend. Sämtliche Unterschiede bei den rythmischen Elementen werden klar dargelegt, und die 2018 remasterte Version erweist sich als auch unter modernen Gewichtspunkten als durchaus gelungen, wobei die Detaillierung im positiven Sinne verblüfft, aber ganz besonders erstaunt, was die preiswerte EVO 5.4 an Einzelheiten aus dem Titel herausholt. Zugleich ist auch hier wieder ein umfassendes Bassfundament herauszuhören, was den Höreindruck gelungen abrundet.
Nun folgt "Nothing Else Matters" (Metallica, James Newtomn Howard) in der Version aus dem Film "Jungle Cruise". In diesem Track sind erneut zahlreiche, ziemlich deutliche Dynamiksprünge enthalten, und der Facettenreichtum ist groß. Der Beginn ist relativ ruhig, aber es werden schon zahlreiche musikalische Ebenen bedient. Ein weiteres Mal sind wir überrascht, wie fein und zugleich kraftvoll die Wharfedale-Box an die Darstellung herangeht. Sensible Strukturen werden prima herausgearbeitet, und als sich der musikalische Spannungsbogen weitet, ist der Lautsprecher immer in der Lage, die gesamte akustische Lage recht genau auf den Punkt zu bringen und es auch nicht an dem nötigen Nachdruck mangelt. Die Räumlichkeit können wir ebenfalls nur mit dem Wirt "überragend" umschreiben, da uns ein dichter Klangteppich einhüllt, in dem die zahlreichen einzelnen Elemente klar und deutlich zu orten sind.
Antonio Vivaldis erstes Allegro aus dem "Frühling" der Vier Jahreszeiten ertönt mit viel Spielfreude, und gleichzeitig werden auch instrumentale Streicher-Soli sauber abgebildet. Klar, an sehr feinen Konturen merkt man schon, dass noch mehr geht, aber hier sollte man immer die Preisklasse der EVO 5.4 bedenken. Sieht und hört man die Box, kann es schon vorkommen, dass man dies schlicht vergisst - so komplett und natürlich klingt das Ergebnis. Gerade hier bei klassischer Musik hätten wir gedacht, den Schallwandler stellen zu können, denn hier sind schon echte Schwergewichte des Lautsprecherbaus erforderlich, um eine Wiedergabe zu generieren, die auch der erfahrene HiF-Hörer schätzt. Aber der EVO 5.4 gelingt es ausgezeichnet, eben diesen Hörerkreis, der eher in Richtung höherer Preisklassen orientiert ist, wirklich glücklich zu machen.
Dass Klassik dem Lautsprecher liegt, verdeutlicht auch die Ouvertüre zu "Figaros Hochzeit" von Wolfgang Amadeus Mozart. Große Orchester mag die ausgefeilte Konstruktion, das wird hier wieder deutlich, durch eine erstaunlich dichte Räumlichkeit ebenso wie durch die solide Struktur, die herauszuhören ist. Zudem wird der EVO 5.4 Schallwandler nie zu harsch oder zu aggressiv, auch nicht bei höherer Lautstärke, bietet aber zugleich eine sehr gute Durchhörbarkeit und eine durchaus beachtliche Brillanz im Hochtonbereich. Insgesamt ziehen wir hier noch stärker den Hut als beim Allegro aus dem "Frühling" zuvor, da hier wirklich eine temporeiche, fesselnde, aber auch im Detail rundherum überzeugende Wiedergabe geboten wird, die in diesen Preisregionen nur wenige Lautsprecher schaffen.
Wir drehen uns um 180 Grad und wechseln das Genre. "House Of Trance" (DJ Sequenza, DJ T.H, Enerdizer, H.O.T.) und wir können ein weiteres Mal nur staunen. Hart, substanzreich, auf den Punkt getroffen - der Bassbereich ist erstklassig und lässt manche deutlich teurere Box richtig alt aussehen. Aber zugleich bringt die EVO 5.4 jede Menge Struktur ins Geschehen, wie wir es kennen, werden zudem dynamische Unterschiede schnell und vollumfänglich herausgestellt. Weil der Schallwandler so gefällt, schieben wir gleich "Odyssey To Anyoona" von Jam & Spoon hinterher. Hier managt unser Testkandidat gleich den Anfang schon souverän und baut eine weitläufige Atmosphäre auf. Jedes neue akustische Element wird umgehend hinzugefügt, ohne jede Verzögerung. Das hat zur Folge, dass man auch hier intensiv hört und sich im Track eingebunden fühlt. Die weiblichen Vocals wirken offen und lebendig, sodass sich auch hier ein erneut exzellenter Gesamteindruck einstellt.
Wir schließen unsere Klangwertung mit "Land Of Confusion" in der Distburbed-Coverversion ab, und auch hier setzt der EVO 5.4 wieder Akzente. Die E-Gitarre klingt fertig und hat Verve, die Vocals haben ebenso das gewünschte Maß an Aggressivität. Aber zugleich lehnt sich der Lautsprecher nie "zu weit aus dem Fenster", sodass nur noch aggressives, formloses Gedröhne durch den Hörraum schallt. Man kann bedenkenlos laut hören, genießt den speziellen Charakter des Titels, bleibt aber immer noch auf der "sicheren Seite". Der Bass ist straff und exakt, zugleich besitzt er auch noch ordentlich Nachdruck.
Konkurrenzvergleich

Canton Townus 90, Paarpreis ab 2.798 EUR: Deutlich teurer ist die Canton Townus 90. Sie sieht gerade im aufpreispflichtigen (200 EUR mehr) Echtholzfurnier Nussbaum wirklich gediegen, aber zugleich modern und nicht altbacken aus. Sie spielt sehr fundiert auf und beeindruckt durch das hohe Maß an Homogenität. Die neueste große Wharfedale EVO-Box aber ist trotz des deutlich niedrigeren Preises praktisch ebenbürtig, besonders fällt das enorme Auflösungsvermögen des AMT-Hochtöners auf.

Dali Oberon 9, Paarpreis 2.198 EUR: Der größte Lautsprecher aus der Oberon-Baureihe ist schon optisch ein Statement, und so, wie sie aussieht, spielt die Box auch auf: Kraftvoll, nachdrücklich, pegelfest über alle Maßen. So sensibel und feinfühlig, so facettenreich und lebendig wie die Wharfedale EVO 5.4 agiert sie nicht ganz. Auch dieser Vergleich dokumentiert wieder eindrucksvoll, wie extrem gut sich die Neuheit des britischen Traditionsherstellers schlägt.

KEF Q11 Meta, Paarpreis 2.198 EUR; Unangenehm für unsere EVO 5.4 wird es, wenn KEFs größter Standlautsprecher der Q Meta-Baureihe, der Q11 Meta, in den Ring steigt. Klanglich ist er brillant, erwachsen, vom Timing her nahezu perfekt, dank des koaxialen Hightech-Uni-Q-Treibers. Auch der satte, präzise Bass der Q11 Meta zeigt, wo der Hammer hängt. Der Wharfedale EVO 5.4 kontert aber eiskalt, und zwar mit überragendem Auflösungsvermögen im Hochtonbereich und mit einer unglaublich kultivierten, zugleich aber dynamischen Art.
Fazit

Die Wharfefale EVO 5.4 begeisterte in allen Testreihen, und schnell war innerhalb der Redaktion klar, dass hier ein neuer Stern am Lautsprecherhimmel aufgeht. Besser geht es nicht, das ist die Bilanz in Kurzform, in dieser Preisklasse,und selbst in der Region bis 3.000 EUR Paarpreis ist kaum ein Kraut gegen die EVO 5.4 gewachsen. Der Durchmarsch beginnt schon bei Optik & Verarbeitung. Die preislich sensationell günstige Konstruktion zeigt sich bis ins Detail edel und hochwertig. Zu nennen wären der äußerst solide, auch optisch schöne Standfuß oder das formschöne, nobel gestaltete Unibody-Gehäuse, fein lackiert, ohne jede Schwäche. Klanglich fährt der 3-Wege-Standlautsprecher dann erneut "die Krallen aus": Für die Preisklasse überragende, feine Auflösung, exzellente, genau richtig ausbalancierte Räumlichkeit und ein fundierter, satter, präziser Bass ergänzen sich zu einem hochklassigen Klangeindruck, den auch durchaus erfahrene und versierte Hörer sehr zu schätzen wissen dürften, die ansonsten gar nicht in solchen moderaten Preisklassen unterwegs sind. Man sollte den EVO 5.4 Schallwandlern auch auf jeden Fall einen richtig guten Verstätker zur Seite stellen, der auch gerne mehr als 1.000 EUR kosten darf - gespart hat man schließlich schon beim Kauf der Boxen genug.
Der Champion: Wharfedales EVO 5.4 Standlautsprecher holt sich souverän eine erstklassige Testauszeichnung ab

Gesamtreferenz Standlautsprecher bis 3.000 EUR Paarpreis
Test 26. Juni 2025
Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 26. Juni 2025
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Tags: Lautsprecher • Wharfedale







