TEST: Ultrasone Edition 15 - Weltklasse-Kopfhörer für 2.999 EUR?

Der Ultrasone Edition 15 ist der erste offene Referenz-Kopfhörer der Oberbayern und kommt auf einen Verkaufspreis von 2.999 EUR - für normale Anwender beinahe unvorstellbar, so viel Geld für einen Kopfhörer auszugeben, für Musik-Liebhaber mit entsprechendem finanziellen Potential hingegen durchaus eine verlockende Option.

Ohrpolster aus Mikrovelours, Kapseln aus amerikanischem Kirschholz

Massives Aluminium trifft auf edles Merino-Leder

Unverwechselbare Gestaltung der Ohrmuscheln außen

EX-Symbol eingearbeitet

Präziser Verstellmechanismus

Beidseitig geführtes Kabel, hier die Anschlüsse

Wie bei den Topmodellen üblich, überzeugt der handgefertigt Edition 15 mit feinster Material- und Verarbeitungsqualität. Für die Kapseln kommt amerikanisches Kirschholz zum Einsatz, und der exakt einstellbare Kopfbügel ist mit Merino-Leder gepolstert. Die sehr bequemen Ohrpolster bestehen aus Mikrovelours und sind kaum schweißtreibend. Die Edition 15 kommt auf 2.999 EUR und wird in einem äußerst edlen Cognac-braunen Koffer mit grauem Futter ausgeliefert.

Edler Koffer

Logo

Hier kommt das Anschlusskabel in die Buchse

Kopfband von oben

Membran

Ohrpolster

Sehr hochwertiges Kabel, hier in 1,2 Meter Länge

Weiteres 3 Meter langes Kabel, vergoldeter 6,3mm Adapter

Ein vergoldeter 3,5 mm auf 6,3 mm Steckadapter liegt ebenso bei wie enorm robuste und noble Anschlusskabel: Ein 1,2 Meter langes 4-adriges Premium-Kabel mit LEMO-Steckverbindern und vergoldetem 3,5 mm Klinkenstecker sowie ein 3 Meter langes 4-adriges Premium-Kabel, ebenfalls mit LEMO-Steckverbindern und einem vergoldeten 3,5 mm Klinkenstecker. Der Kopfhörer wiegt ohne Kabel 320 Gramm - trotz des durchaus immensen Gewichts sitzt er sehr bequem auf dem Kopf und erscheint auch bei längerem Tragen als nicht zu schwer. Dass der Edition 15 nicht drückt und sich als stets angenehm erweist, liegt auch an der präzisen Justagemöglichkeit fürs Kopfband. Die Ohrpolster aus Mikrovelours empfinden wir ebenfalls als sehr hautfreundlich und nicht zu schweißtreibend.

Tonales Highlight der Edition 15 ist die speziell entwickelte Gold-Titanium-Compound Treiber-Technologie – kurz GTC. Dabei  besteht die Membran aus einer Goldfolie und einer Titankalotte, die, miteinander kombiniert, für einen extrem transparenten Klang mit einer unglaublichen Detailtreue sorgen. Ultrasone sieht den Edition 15 nicht nur als für den enorm anspruchsvollen Musik-Gourmet geeignet, sondern auch als Referenz-Kopfhörer fürs Mastering-Studio.  

Hier besticht die dank S-Logic EX enorme Räumlichkeit - nicht nur in der Theorie, auch, wie sich zeigen wird, später in der Praxis. Die dezentral angeordneten Schallwandler verwenden das menschliche Ohr sozusagen als natürliche Umgebung zur Erzeugung eines räumlich dichten Klangbildes ganz ohne DSP - demnach erhält man eine echte, authentische Räumlichkeit ohne irgendwelche elektronischen Beeinflussungen, die die Reinheit des Klangs schmälern könnten.  Der Edition 15 weist eine Impedanz von 40 Ohm und einen Frequenzgang von 5 Hz bis 48 kHz auf. Damit eignet er sich auch vorzüglich für Hi-Res-Audio-Dateien. Der maximale Schalldruck wird von Ultrasone mit 94 dB angegeben. Nun haben wir große Erwartungen: Wie klingt der Ultrasone Edition 15?

Klang (Hi-Res Flac, 48 kHz/24-Bit bis 192 kHz/24 Bit)

Wir starten durch mit "Desperado" in der Adaption von Diana Krall und stellen zunächst fest, dass der Edition 15 zwar ein offener Kopfhörer ist, leisere Geräusche im Umfeld aber stören den Hörgenuss nicht. Zudem sitzt der Edition 15 trotz des nicht eben niedrigen Gewichts sehr bequem auf dem Kopf, Die Ohrpolster sind angenehm, der Druck durch den Kopfbügel nicht zu hoch. Akustisch fällt bereits bei den Klavier-Klängen des Intros auf, wie authentisch-räumlich der Ultrasone dank S-Logic EX aufspielt. Nichts wirkt "aufgeblasen" oder übertrieben, und trotzdem fehlt es nicht an Weitläufigkeit. Man hört sehr entspannt, genießt das formidable Detaillierungsvermögen.

Bei Phil Collins "I Wish It Would Rain Down" beeindruckt der Edition 15 mit enormer Brillanz und Klarheit. Der leicht aggressive Touch des Quellmaterials im Hochtonbereich und in den oberen Mitten verhindert aber, dass man entspannt auch etwas lauter hört. Zwar bleibt der Ultrasone hörbar länger souverän als viele günstigere Konkurrenten, aber prinzipiell ist das Mastering des Titels nicht zufriedenstellend - obwohl es sich um eine Version handelt, die 2015 neu gemastert wurde. 

"Time To say Goodbye" von Andrea Bocelli und Sarah Brightman liegt dem Edition 15 ohne Zweifel ganz besonders. Wie räumlich dicht die Gesamtwiedergabe erfolgt und wie sensibel die Stimmen von Sarah und Andrea zum Ausdruck kommen, das ist schon auf einem extrem hohen Niveau. Präzise, auf den Punkt, erfolgen die orchestralen Einsätze. mit passendem Fundament, das Volumen und Kraft mitbringt. Nie allerdings überlagern andere akustische Anteile die vokale Präsenz. Die Tiefenstaffelung überzeugt uns, auch in den hinteren musikalischen Reihen hören wir jedes Detail.

"Nessun Dorma", gesungen von Jonas Kaufmann, wirkt extrem facettenreich und filigran. Die legendäre Arie aus Puccinis "Turandot" haben wir selten so echt, so direkt und feinfühlig vernehmen dürfen. Kaufmanns faszinierende Stimmgewalt kommt in einem Umfang zur Geltung, den nur wenige Kopfhörer überhaupt realisieren können. Die Instrumente werden ebenfalls mit klaren Konturen präsentiert, die Streicher sind hervorragend durchhörbar und werden nur von der feinen, kristallklaren Präsentation der Harfe getoppt - sensationell. Den Chor gibt der Edition 15 erwartungsgemäß nahezu perfekt wieder. 

Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert, Köchelverzeichnis 219, erstes Allegro, verdeutlicht mit Nachdruck, warum der Ultrasone gerade für sehr anspruchsvolle Klassik-Liebhaber eine herausragende Wahl ist. Fein und lebendig ertönen die Streicher, ohne je zu aggressiv aufzutreten. Der Schwung, die Emotionalität des Allegros, gibt der Edition 15 in praktisch vollem Umfang an den Hörenden weiter. Man fühlt sich umgeben von Musik, kann gern auch ganz genau hinhören - jedes Instrument ist exakt dort, wo es hingehört, und in den Soli von Marianne Thorsen an der Violine trumpft der Ultrasone mit einer phänomenalen Detailverliebtheit und Feindynamik auf. 

Die M-TV Unplugged-Version des a-ha-Klassikers "The Sun Always Shine On TV", gesungen von Morten Harket und Ingrid Helene Havik, wirkt atmosphärisch dicht und fein strukturiert, auch wenn man etwas lauter hört. Die Räumlichkeit ist bei diesem Stück auch für versierte Hörer verblüffend, man hat daher die Möglichkeit, sich tief ins klangliche Geschehen hineinzuversetzen. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten wird durchs Quellmaterial eingeschränkt - nicht vom Edition 15. 

Der Edition 15 kann auch ordentlich hinlangen, wenn das gefragt ist. Beim "Midnight Hour" Remix (Steve Aoki) des Michael Jackson-Hits "Thriller" schiebt der edle Kopfhörer mit enormer Dynamik voran und überzeugt auch im Bassbereich ohne Einschränkungen. Mit Wucht, Struktur und einer auch hier exzellenten räumlichen Abbildung bleibt kaum ein Wunsch offen. Wechsel im Rhythmus arbeitet der oberbayerische Highend-Kopfhörer gelassen und impulstreu heraus. 

Edition 11

Wagen wir zum Schluss einen Vergleich. Ultrasone hat ein kleines Problem, das aus den "eigenen Reihen" kommt und Edition 11 heißt. Natürlich werden audiophile Gourmtes entsetzt die Nase rümpfen, wie wir dazu kommen, einen 2.999 EUR kostenden offenen dynamischen Kopfhörer mit einem 999 EUR kostenden ebenfalls offenen, dynamischen Kopfhörer zu vergleichen.  So hat der Edition 11 auch "nur" S-Logic Plus und nicht das neueste S-Logic EX wie der Edition 15. Und dass die Materialzusammenstellung des Edition 15 noch luxuriöser ausfällt, verwundert auch niemanden. Nun folgt das "aber": Für "schlappe" 1.000 EUR, schon extrem viel Geld für einen Kopfhörer, klingt der Edition 11 so gut, dass hauptsächlich Liebhaber, die gern den Mercedes-Benz-Werbespruch "Das Beste oder nichts" tief verinnerlicht haben, zum Edition 15 greifen werden. Natürlich fasziniert das Gesamtkunstwerk Edition 15 noch,als mehr, natürlich hören wir eine noch feinere räumliche Staffelung heraus - aber, Hand aufs Herz: Der Edition 11 reicht selbst für außergewöhnlich anspruchsvolle Ohren aus. 

Edition 8 EX

Und: Wer unbedingt S-Logic EX haben möchte, kann für 1.799 EUR zum dynamischen, geschlossenen Over-Ear-Kopfhörer Ultrasone Edition 8 EX greifen. Der besitzt aufgrund der geschlossenen Bauweise zwar keinen so luftigen Tragekomfort, schirmt dafür verständlicherweise Umgebungsgeräusche effektiver ab. Sein geschmeidiger, druckvoller Klang ist erstklassig, Material- sowie Verarbeitungsgüte ebenso. 

Fazit

Der Ultrasone Edition 15 beeindruckt über alle Maßen. Knapp 3.000 EUR sind natürlich extrem viel Geld, aber das Gebotene begeistert restlos: Extrem dichter, feiner, weitläufiger Klang, exzellente Trennung von Stimmen und Instrumenten sowie eine Stimmwiedergabe, die mit filigranen Strukturen und herausragendem dynamischen Umfang für Furore sorgt: Der Edition 15 läuft in jeder Hörsituation zu Höchstform auf und kommt mit praktisch jedem musikalischen Material zurecht. Wer grundsätzlich das Beste möchte, was verfügbar ist, trifft mit dem Edition 15 eine exzellente Wahl. Wer allerdings - schon auf einem extrem hohen Grundniveau - trotzdem noch aufs Preis-/Leistungsverhältnis achtet, kann innerhalb der Ultrasone Edition-Serie auch auf den Edition 8 EX und ganz besonders auf den ebenfalls offenen, dynamischen Kopfhörer Ultrasone Edition 11 zurückgreifen, der einfach einen unschlagbaren Gegenwert fürs Geld offeriert. 

Elitärer, offener Kopfhörer mit phänomenalem Klang

Gesamt-Referenz Kopfhörer Luxusklasse
Test 03. Mai 2019

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 03. Mai 2019

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