TEST: Quadral Signum 70 - Können die Schallwandler für 790 EUR Paarpreis überzeugen?

Frisch in der Redaktion eingetroffen sind die 3-Wege-Standlautsprecher Signum 70 aus dem Hause Quadral. Die hannoverarischen Schallwandler sind wahlweise in einer schwarzen oder einer weißen Ausführung erhältlich, wie es meist der Fall ist, auch bei der Konkurrenz. Grundsätzlich ist der der Korpus, der aus MDF gefertigt ist, in einem matten Finish gehalten (Folierung) und die aufgesetzte Schallwand wird mit einem Hochglanzlack veredelt. 

Um die Chassis vor Umwelteinflüssen oder Beschädigungen zu schützen, sind an der Front magnetische Abdeckgitter angebracht. Diese sind bei beiden Farbvarianten mit schwarzem Akustikstoff bezogen. Für rund 790 EUR Paarpreis sind die Quadral Signum 70 im Handel erhältlich.

Signum 70 ohne Lautsprecherabdeckgitter

Die 90 cm hohen, 17 cm breiten und 29,3 cm tiefen Quadral Signum 70 halten mit einem Stückgewicht von ca. 17,3 kg Einzug in unsere Hörräume. Für die Größe der Lautsprecher haben die Schallwandler aus Niedersachsen durchaus ein anständiges Gewicht. Unsere Testprobanden sind in der schwarzen Ausführung angeliefert worden, somit ist das Gehäuse rundum in einen schwarz matten Finish gehalten und die aufgesetzte Schallwand hat ein schwarzen Hochglanzfinish spendiert bekommen. Zusätzlich wurde noch ein Schutzgitter mit schwarzem Akustikstoff an der Front angebracht, dieses hält, wie schon erwähnt, magnetisch und somit sind keine unschönen Bohrungen an der Frontseite zu finden. Dies macht sich umgehend bemerkbar, wenn man die Lautsprecher ohne Abdeckung betreiben möchte.

Quadral Signum 70 mit Abdeckung

Sehr saubere Kantenverarbeitung

Schauen wir uns nun die Verarbeitung etwas genauer an. Die Gehäuse besitzen eine Folierung, die im großen und ganzen sehr ordentlich aufgebracht ist. Die Spaltmasse der Chassis sind relativ gering,dies ist nicht selbstverständlich in der günstigen Preisklasse. Die aufgesetzte Schallwand ist ordentlich lackiert, nur ist diese etwas breiter als das Gehäuse und somit sind auf der linken und rechten Seite leichte Überstände tastbar. 

Aufgesetzte Schallwand

Bassreflexrohr im oberen Teil des Schallwandlers

Auch die Rückseite der Signum 70 präsentiert sich in einem sehr harmonischen Gesamtbild. Im oberen sowie unteren Teil der Lautsprecher befinden sich die eingesetzten Öffnungen der Bassreflexrohre. Diese bestehen aus schwarzem Kunststoff, sind optisch aufgesetzt und sitzen äußerst fest. 

Im unteren Teil der Lautsprecher sitzen die vergoldeten Schraubklemmen für den Anschluss der Lautsprecherkabel. Diese sind ebenfalls für diese preisliche Liga nicht zu kritisieren. 

Bassreflexrohr im unteren Teil des Lautsprechers

Vergoldete Schraubterminals

RiCom-Sigma Hochtöner


Entfernt man die Lautsprecherabdeckung, wird der Blick frei auf die Lautsprecherchassis, die sich sehen lassen können. So wurden die Signum 70 mit einem RiCom-Sigma Hochtöner bestückt. Der neue RiCom SIGMA-Töner ist auch direkt das Highlight der SIGNUM Lautsprecher. Ein ultraschneller Ringstrahler, bei dem ein Technologietransfer von deutlich teueren Lautsprechern stattfindet, kommt hier zum Einsatz. Die Chassis für Mittel- und Tieftonbereich mit titanbedampften Polypropylen-Membranen sind ebenfalls eine Neuentwicklung. Ein besonders starker Antrieb soll sie auszeichnen. Das sorgt auch für enorme Belastbarkeit in der Praxis, mutmaßen wir. 

Tief- und Tiefmitteltöner im Detail

Der 3-Wege Bassreflex-Standlautsprecher ist mit 180 Watt maximal belastbar und spielt bis auf 32 Hz hinunter. Der Wirkungsgrad liegt bei 89 dB und in den  Lautsprecher stecken zwei 155 mm große Tieftöner und ein 155 mm messender Mitteltöner. 

Die Rückseite der Signum 70

Insgesamt sind wir vor den Klang-Testreihen jetzt gespannt - denn die Liga um 800 EUR Paarpreis ist sehr, sehr stark bestückt. 

Klang

Wir starten gleich zu Anfang mit einem anspruchsvollen Stück und spielen der Signum 70 "I Will Remember" von Toto zu. Der Titel bietet eine Vielfalt an unterschiedlichen Effekten und startet mit einem Schlagzeugsolo. Nach ein paar Sekunden erklingt der Chor der Sänger und wir dürfen feststellen, dass die Signum 70 für den aufgerufenen Kaufpreis eine sehr respekable Leistung abliefert. Der RiCom-Sigma Hochtöner hält sein Versprechen und punktet mit einem frei und lebendig aufspielenden, harmonisch und klar abgestimmten Hochtonbereich. Stimmen werden von Hoch- und Mitteltöner mit erstaunlich ausgeprägtem Feingefühl präsentiert. Die Instrumente erklingen allesamt mit akkurater Staffelung und sind tonal als homogen und lebendig zu bezeichnen. Auch nicht vernachlässigt wird der Bassbereich, straff und mit gutem Nachdruck bestätigt sich hier das, was wir bislang von der Box gehört haben. Zur Belastbarkeit: Natürlich darf man hier kein Pegelmonster erwarten, aber mit erhöhter Lautstärke im Hörraum zwischen knapp 15 und gut 20 Quadratmeter kann man problemlos hören. 

Als Nächstes lassen wir etwas "die Fetzen fliegen" und befeuern die Signum 70 mit "The Business" von Tiesto. Auch hier gefällt sofort die wieder die Stimmwiedergabe und auch der Bass wird mit ordentlich Nachdruck in den Hörraum abgegeben. Natürlich merkt man schon im Detail, dass man keinen Lautsprecher mit mehr als 1.000 EUR Stückpreis vor sich hat - dafür fehlt es etwas an der Ausformung der harten Kickbässe, hier geht noch mehr im Hinblick auf die Kontur. Die vokalen Anteile, vertreten durch eine dunkle Männerstimme, erscheinen ausgewogen und sauber aufbereitet. Die Leistungsdichte in der Preisklasse um die 800 EUR Paarpreis ist hoch, aber die Signum 70 behauptet sich durch die präzise Räumlichkeit und die prima Stimmwiedergabe sehr gut. 

Nun erklingt aus den Quadral Signum 70 Till Lindemann mit seiner Band Rammstein und dem Titel "Mein Herz brennt". Der Track startet langsam mit einem Sprechgesang von Till, der glaubwürdig und sogar mit einem Charisma wiedergegeben wird. Nach ca. 56 Sekunden explodiert dann die Wiedergabe förmlich. Das fordert nun die Quadral Signum 70 schon deutlich, und bei den vielen Effekten flacht dann der Mitteltonbereich etwas ab, auch das Detaillierungsvermögen wird geringer. Aber sieht man sich den Kaufpreis an, ist die Leistung vollkommen in Ordnung  Ebenfalls etwas unstrukturiert wirkt der Bassbereich auf uns, allerdings tritt dieses Phänomen erst dann nennenswert in Erscheinung, wenn wir den Pegel ordentlich aufdrehen. 

Nachdem wir von dem RiCom-Sigma Hochtöner schon überzeugt sind, schicken wir  noch Myles Kennedy mit Alter Bridge ins Rennen. Wir haben uns für den sehr gefühlvollen und emotionalen Titel "In Living Memory" entschieden. Hier punktet der Hochtöner wieder mit einer sehr luftigen Wiedergabe und zeichnet ein breites Bühnenbild ab. Auch hier liefern die Signum 70 insgesamt eine solide Wiedergabe ab. Als der Titel dann doch schneller wird, geraden die Mitten etwas in den Hintergrund und Myles Stimme wirkt fast etwas zu hoch, auch das aber ist nicht weiter verwunderlich, wenn gerade eine absolut konsequente Auslegung auf pure Authentizität ist bei so günstigen Lautsprechern kaum möglich und kennzeichnet deutlich teurere Modelle.

Abschließen möchten wir nun unsere Klangtestreihen mit "Down with the Sickness" von Disturbed. Die Drums zu Beginn des Stück werden mit Nachdruck wiedergegeben und die Gesangswiedergabe hat Wiederkennungswert, auch wenn die Quadral Schallwandler die Stimmfarbe nicht genau auf den Punkt bringen. Die explosiven Effekte verkraften die Lautsprecher sehr gut, auch wenn wir hier nicht auf Maximalpegel fahren können. Fürs investierte Geld aber ohne Zweifel eine saubere Leistung, für normale bis leicht gehobene Ansprüche reicht das, was die Quadral-Schallwandler aufbieten, definitiv aus. 

Konkurrenzvergleich  

  • Mission LX-6 MKII : Gleich zu Beginn des Konkurrenzvergleich bekommt es die Quadral Signum 70 mit der Mission LX-6 MKII zu tun. Die Mission Lautsprecher besitzen für diese Preisklasse, ebenfalls eine sehr gute Verarbeitungsqualität und besitzen zudem Bi-Wiring Anschlussterminals. In Sachen Klang gefiel uns die Mission LX-6 MKII exzellent und überzeugt mit Durchzeichnung, Feinauflösung und hohe Detaillierung, insbesondere im Mittenbereich und dem Übergang von den Mitten zu den Höhen. Gleichzeitig liefern sie noch den nötigen Punch im Bassbereich. 

  • Cambridge Audio SX-80 : Für rund 500 EUR gibt es derzeit die Cambridge Audio SX-80 Standlautsprecher. Die Boxen sind anständig verarbeitet und weisen mit dem Unibody-Gehäuse und den ohne Schrauben präzise eingelassenen Chassis durchaus Merkmale auf, die keinesfalls selbstverständlich sind in diesen Preisregionen. Überdies sind auch die klanglichen Fähigkeiten überraschend gut. Mit einem ehrlichen, klar definierten Charakter bieten die SX-80 einen authenischen Klang. An die erstaunlich reife Stimmwiedergabe der Quadral-Box kommen die Cambridge Audio-Schallwandler aber nicht ganz heran, was man aufgrund des günstigeren Preises aber auch nicht erwarten darf. 

  • Dali Spektor 6 : Die Dali Spektor 6 sind momentan für einen Stückpreis von 299 EUR erhältlich und sind in drei unterschiedlichen Farbvarianten erhältlich. Auch in der Verarbeitung steht der dänische Lautsprecher sehr gut da, auch wenn die Lautsprecherabdeckungen nicht magnetisch an die Schallwand angebracht werden können. Der Dali Lautsprecher klingt noch etwas geschliffener als der Quadral Lautsprecher. Die angenehme Klangcharakteristik der Dali Holzfasermembrane, sorgt für hervorragende Eignung auch für lange Hörsessions. Dafür bieten die Quadral-Konkurrenten eine noch etwas mitreißendere Stimmwiedergabe und etwas mehr Tiefgang.

Fazit 

Quadral springt mit der Signum 70 in das große Haifischbecken der Standlautsprecher bis 800 EUR. Dafür liefern die Hannoveraner einen sehr gut verarbeiteten Standlautsprecher, der in schwarzer oder weißer Ausführung erhältlich ist. Mit ziemlich aufwändig konstruierten Chassis wird eine tolle Stimmwiedergabe realisiert, und der neue Hochtöner garantiert eine Luftigkeit und Homogenität, die wir in dieser Qualität nicht erwartet hätten. Insgesamt ist die Signum 70 daher eine echte Bereicherung in ihrer Preisklasse.  

Für den schmalen Kaufpreis sehr gut verarbeitete Box mit einer Top-Stimmwiedergabe und einer homogenen Klangcharakteristik

Standlautsprecher bis 800 EUR Paarpreis
Test 19. Mai 2021

 

Test und Bilder: Sven Wunderlich
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 19. Mai 2021

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