TEST: Cambridge Audio Standlautsprecher SX-80 - sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis zum Paarpreis von unter 500 EUR?

Wer preisgünstige Standlautsprecher sucht, die von einem echten Traditionshersteller kommen und daher auch gewisse akustische Qualitäten versprechen, kann die Cambridge Audio SX-80 ins Auge fassen, die zu Paarpreisen um die 480 EUR den Besitzer wechseln. Der neue Besitzer hat die Wahl, ob er sich für die schwarz folierte Variante oder für die Version in Walnuss-Folierung entscheiden möchte.

Seitliche Ansicht

Rückseite

Die Verarbeitung geht für den Kaufpreis auf jeden Fall in Ordnung. Der Zweiwege-Lautsprecher, bestückt mit 2 x 165 mm Tief-/Mitteltönern mit speziell behandelten Papiermembranen und einer 25 mm Seidenkalotte für den Hochtonbereich, präsentiert sich bilanzierend als ordentlich, wenn auch nicht perfekt foliert.

Gutes Finish für den kleinen Kaufpreis

Nicht ganz perfekt ist die Verarbeitung der Kanten

Richtig gut finden wir, dass die Treiber ohne sichtbare Schrauben eingepasst sind. Zudem wirkt das Material rund um die Chassis haptisch sehr angenehm. Pluspunkt ist weiterhin das Unibody-Gehäuse. Trotz des niedrigen Kaufpreises muss der Käufer keine antiquierte Konstruktion mit Trennung von Schallwand und Gehäuse akzeptieren.

Unterer Bereich, hinten

Tadellose Schraubanschlüsse

Die Rückseite zeigt im unteren Bereich tadellose Lautsprecherkabel-Abschlussterminals - allerdings nur in Single Wiring-Ausführung, was wir in Anbetracht des Preises aber nicht wirklich kritisieren möchten. Die Bassreflex-Öffnung ist einfach vom Finish her. Unten am Lautsprecher ist eine kleine Sockel-Konstruktion zu finden, die Spikes für richtigen Halt sind im Lieferumfang. Natürlich ebenfalls dabei sind gut verarbeitete Lautsprecher-Schutzgitter, allerdings haften diese nicht magnetisch, sondern klassisch mittels Zapfen. 

Ansicht von oben

Gut verarbeitete Schutzgitter, die nicht magnetisch haften

Mit Abmessungen von 980 mm (Höhe) x 240 mm (Breite) und 338 mm (Tiefe) sind die Standboxen recht kompakt und fühlen sich im kleineren bis mittelgroßen Wohnzummer wohl. Das Gewicht pro Lautsprecher wird mit 16,9 kg angegeben.

D'Appolito-Treiberanordnung


25 mm Hochtöner

Schraubenlos eingepasste Chassis

2 x 165 mm Chassis, eines über, eines unter dem Hochtöner

Der Wirkungsgrad liegt bei 87 dB, ein durchschnittlicher Wert. Den Frequenzgang der 8 Ohm-Schallwandler geben die Briten mit 40 Hz bis 20 kHz an - das entspricht den Erwartungen der Preisklasse, Hi-Res-Audio-Kapazitäten mit erweitertem Hochtonbereich darf man hier nicht erwarten. Was die Anordnung der Treiber auf der Front angeht, setzen die Briten auf das D'Appolito-Prinzip: Der Hochtöner wird von den beiden Tiefmitteltönern eingeschlossen. 

Klang

Wir starten mit der SACD "James Bond Themes", gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra (überwiegend klassische Instrumente, rein instrumental) und hören uns die Version von "The Living Daylights an. Hier gefällt die preiswerte Box durch eine erstaunlich gute Detailarbeit im Mittel- und Hochtonbereich. Gerade hohe Frequenzen werden mit einer tadellosen Transparenz wiedergegeben. Unten herum vermissen wir etwas Struktur im Fundament, das auch noch wuchtiger ausfallen dürfte. Aber wir sollten nicht vergessen, wie preiswert die SX-80 ist. Für unter 500 EUR legt sie auch bei "Goldeneye" ein Zeugnis ihrer durchaus ordentlichen Leistungsfähigkeit ab. Im Hochtonbereich sind Räumlichkeit und Strahlkraft erneut prima, auch dynamische Wechsel werden impulstreu verarbeitet. Die E-Gitarre, die aus dem Reigen der ansonsten überwiegend klassischenn Instrumente herausfällt, wird schwungvoll abgebildet, nur das letzte Bisschen Nachdruck vermissen wir hier. 

Klassisch geht es weiter, mit dem "Frühling" aus Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" - und hier hören wir das erste Allegro. Bei der Wiedergabe sollten die SX-80 doch eigentlich wieder von der Frische im Hochtonbereich profitieren? Tun sie auch, aber die Durchhörbarkeit ist zwar ordentlich, lässt aber schon erkennen, dass es sich hier um eine vergleichsweise preiswerte Box handelt. Wobei die Balance im Hochtonbereich schon sehr gut gelungen ist. Der Klang ist frisch, aber nie zu harsch, auch dann nicht, wenn man mit höherer Lautstärke hört. Bei diesem doch recht komplexen Allegro nimmt aber die Detaillierung hinterer musikalischer Ebenen ab, wenn man richtig laut hört. Dann werden feine Einzelheiten "verschluckt" beziehungsweise mehrere Ebenen verschmelzen. Der grobdynamische Eindruck von der SX-80 ist insgesamt ausgezeichnet, ohne dass das Dargebotene übertrieben wirkt. 

Eva Cassidys "Ain't No Sunshine" ist eine enorme Herausforderung für die Schnäppchen-Speaker - wie sind die Resultate im Testbetrieb? Nun, besser als manch einer erwartet hätte. Die Instrumentierung zu Beginn wirkt sogar richtig detailreich, und als Eva ihre Stimme erhebt, modellieren die beiden SX-80 eine facettenreiche Akustik heraus, die sie, mit einem soliden räumlichen Gefühl kombiniert, in den Hörraum stellen. Eine so kultivierte Wiedergabe ist eine echte Überraschung, zumal sie auch bei höherem Pegel noch in sich schlüssig wirkt. Klar, etwas Verlust an den vokalen Konturen ist zu bemerken, wenn es laut 

Kommen wir nun zur besten Leistung der SX-80 im Testbetrieb: Beim Goldfrapp-Remix des Depeche Mode-Songs "Halo" brillieren die Boxen mit einem überragenden Bassbereich, der Präzision, Nachdruck und Tiefgang ausgezeichnet miteinander kombiniert. trotzdem wird die charismatische Stimme von Dave Gahan noch einwandfrei vom Rest der Akustik getrennt. Bei diesem Titel machen die SX-80 wirklich vergessen, wie günstig sie sind und spielen klar in einer höheren Preisklasse. Hörbare Verzerrungen finden sich erst bei enorm großen Lautstärken, davor bleiben die Cambridge Audio-Schallwandler gelassen. 

Nun folgt das Pet Shop Boys Remix des Blur-Songst "Girls and Boys". Und wieder spielen die SX-80 erstaunlich performant auf. Zwar wird nicht ganz das Leistungsprofil erreicht, das uns zuvor absolut überrascht hat, aber immer noch spielen die schlichten Standlautsprecher deutlich über Preisklassenniveau. Die problemlos erzielbaren Pegel liegen hoch, und der Bass trifft erstaunlich gut den Punkt. Auch aus räumlicher Sicht eine gute Leistung, nur, wenn man enorm aufdreht, scheint sich der Klang mehr um die Boxen herum zu konzentrieren, es geht Weitläufigkeit verloren. 

Mit Trance-Hits aus den 90er Jahren kommt der britische Lautsprecher gut zurecht. Wir testen die SX-80 mit "Reflect" von Three'n'One. Hier kommt der Bass mit voll zufriedenstellender Präzision auf den Punkt, das Volumen im Bassbereich ist authentisch. Nur ein kurzer, leicht hohl wirkender Nachhall stört hier den Eindruck. Die Cambridge Audio-Box "bläst" das Volumen nicht unnatürlich auf, zugleich aber signalisiert sie schon, dass bei diesem Stück tieffrequenter Nachdruck vorhanden ist. Eine überraschend neutrale, klar erkennbare Auslegung bei einer so günstigen Box. Wie schon gewohnt, kommen Unterschiede im dynamischen Gefüge sehr gut heraus. Und der wieder frei und lebendig aufspielende Hochtonbereich, der trotzdem nie zu schrill wird, punktet ebenfalls. Wir drehen weiter am Lautstärkeregler und bleiben beim Musikstil und im Jahrzehnt. "Kick Da Disco Nation" von Disco Nation verdeutlicht, dass es mit der SX-80 durchaus vehement voran gehen kann. Zu schwächlich sollte der angeschlossene Verstärker nicht sein, denn der Wirkungsgrad liegt trotz Bassreflex-Prinzip nicht besonders hoch. Dafür spricht der auch bei beträchtlichem Pegel noch saubere und nahezu verzerrungsfreie Klang für die Leistungsfähigkeit der SX-80. Dynamische Unterschiede werden zudem auch bei hoher Lautstärke noch tadellos herausgestellt. 

Konkurrenzvergleich

Dali Spektor 6: Mit einem Paarpreis von knapp 600 EUR ist die optisch schicke Dali Spektor 6 etwas teurer. Sie klingt noch eine idee freier und gelassener als die SX-80, die aber dafür mit ihrer überraschend guten Detaillierung im Hochtonbereich punktet. Die angenehme Klangcharakteristik der Dali Holzfasermembrane, die auch in der Spektor 6 zum Einsatz kommen, sorgt für hervorragende Eignung auch für lange Hörsessions. 

Magnat Tempus 77: Mehr Box für weniger Geld geht kaum - das gilt bezogen auf die Magnat Tempus 77 nach wie vor. Sie sieht prima aus, klingt erstaunlich reif und harmonisch und ist überdies pegelfest. Die ordentliche Verarbeitung macht die Vorstellung perfekt. Preislich ist der Schallwandler mit 270 EUR Marktpreis pro Stück sehr fair kalkuliert. 

Saxx clearSOUND CS-170: Aktuell (Stand 15. März 2021) ist die clearSOUND CS-170 mit einem Stückpreis von 202,30 EUR ein echtes Super-Schnäppchen. Klarer, geradliniger Klang trifft hier auf eine tadellose Verarbeitung. Für das Geld ein harter Konkurrent für die SX-80. 

Fazit

Für den schmalen Paarpreis kann man beim Kauf der Cambridge Audio SX-80 nicht viel falsch machen. Die Boxen sind anständig verarbeitet und weisen mit dem Unibody-Gehäuse und den ohne Schrauben präzise eingelassenen Chassis durchaus Merkmale auf, die keinesfalls selbstverständlich sind in diesen Preisregionen. Überdies sind auch die klanglichen Fähigkeiten ünerraschend gut. Mit einem ehrlichen, klar definierten Charakter bieten die SX-80 einen authenischen Klang - ist es gefragt, stehen auch im Bassbereich genug Volumen und Nachdruck bereit. Die SX-80 gehören aber nicht zu den Schallwandlern, die bewusst übertreiben. Es ist diese tadellose Neutralität, die uns erstaunt hat. Wer also eine tonal ausgewogen und frisch aufspielende Box sucht, liegt hier genau richtig.

Klanglich überraschend starke, kleinere Standbox zum sehr attraktiven Preis

Standlautsprecher Einstiegsklasse
Test 16. März 2021

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 16. März 2021

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