TEST: beyerdynamic Over Ear-Kopfhörer DT 1990 PRO MKII - Ist der offene Studio-Profi auch zuhause ein Star?

Der beyerdynamic DT 1990 PRO MKII ist ein offener, hochentwickelter Over-Ear-Kopfhörer, der für 539 EUR direkt bei beyerdynamic zu haben ist. Besonderes Merkmal sind seine neuentwickelten TESLA.45-Treiber, die am Firmenstammsitz entwickelt wurden von dort und mit hoher Präzision von Hand gefertigt werden.

Aufwendige, besonders leistungsfähige TESLA.45-Treiber
Die aus dem High Tech-Polymermaterial PEEK bestehende Membran garantiert eine äußerst präzise Tieftonwiedergabe. Das im Vergleich zur Vorgänger-Generation nochmals feinere, außergewöhnlich akkura ausbalancierte Hochtonprofil garantiert auch eine besonders hohe Auflösung. Erreicht wurde dies, indem die beyerdynamic Ingenieure eine gewichtsreduzierte Schwingspule aus aluminiumummanteltem Kupferdraht eingesetzt haben. Um eine gleichbleibende Qualität auf Spitzen-Niveau zu ermöglichen, werden die Treiber während der unterschiedlichen Produktionsschritte zudem mehrfach vermessen.
Kommen wir nun aufs akustische Profil zu sprechen - aus der Sicht des Herstellers. Später, in unseren Klangtestreihen, werden wir unsere umfangreichen eigenen Höreindrücke schildern.
Wegen seiner offenen Bauweise steht der DT 1990 PRO MKII für ein natürliches, räumlich ausgewogenes Klangbild. Daher eiignet er sich exzellent für professionelles Mixing, Mastering und Editing. Highlight, so verspricht es beyerdynamic, ist der erstklassige Bassbereich mit verblüffendem Tiefgang. Etwas anders zeigt sich die Gesamtauslegung des DT 1990 PRO MKII im Vergleich zum Vorgänger hinsichtlich der Hochtonwiedergabe. Die Intensität der Höhen bei etwa 8 kHz wurde beim neuen Modell minimal verringert, um zu verhindern, dass der Klang zu fordernd wird. Gleichzeitig aber schaffte man es, die sehr facettenreiche Präsentation hoher Frequenzen ab 10 kHz - ein Merkmal des Vorgängers - vollumfänglich beizubehalten.
Die exakte Wiedergabe dieser hohen Frequenzen garantiert, dass falsche Entscheidungen die akustische Auslegung betreffend im Mix vermieden werden können. Weiterhin wurde die Klangsignatur sorgfältig ausgewählt, um sicherzustellen, dass die Ohren auch bei ausgedehnten Studiosessions nicht ermüden. All diese Pluspunkte konnten, wie man weiter oben nachlesen kann, durch den TESLA.45-Treiber umgesetzt werden.
Versehen mit einer Impedanz von 30 Ohm, offeriert der DT 1990 PRO MKII einen laut beyerdynamic stimmig ausbalancierten Studioklang an unterschiedlichen Endgeräten.

Besonders im Fokus: Ein maximal bequemer Sitz, damit sich der DT 1990 PRO MKII auch für lange Hörsessions eignet
Bei der Konzeption und der konstrukriven Umsetzung des DT 1990 PRO MKII war es extrem wichtig, dass der Kopfhörer auch bei langen Hörsessions höchsten Tragekomfort bietet. Über mehrere Stunden soll der Kopfhörer daher besonders komfortabel auf dem Kopf des Trägers sitzen, damit dieser ermüdungs- und stressfrei seiner Arbeit nachgehen kann.
Welche Basis besitzt der DT 1990 PRO MKII? Zentraler Punkt der mechanischen Konstruktion ist die seit Jahrzehnten bewährte und stets weiter optimierte, strapazierfähige Federstahl-Bügelkonstruktion. Unangenehmer Hitzestau, der bei schweißtreibenden Ohrpolster-Materialien leider zum Alltag gehört, wird dank der atmungsaktiven Velours-Ohrpolster vermieden. Hier können wir gleich als Anmerkung hinterherschicken, dass das von den Heilbronner Kopfhörer-Experten verwendete Material wirklich ausgesprochen hautsympathisch und auch recht atmungsaktiv ist.

Kopfband innen
Kommen wir zum Kopfband. Es wird aus einer Kombination aus weichem Memory-Schaumstoff und strapazierfähigem Kunstleder hergestellt. Aufgrund der neuen Fontanellenaussparung werden etwaige schmerzempfindliche Stellen am Kopf vollumfänglich gemieden. Natürlich können Kopfband und Ohrpolster bei Bedarf im Sinne maximaler Lebensdauer des gesamten Kopfhörers ausgetauscht werden. Im Sinne hoher Wertigkeit und Langlebigkeit wird der DT 1990 PRO MKII von Hand am Firmenstandort in Heilbronn gefertigt.
Bei vielen Details merkt man erneut den professionellen Anspruch, der hinter dem DT 1990 PRO MKII steckt. Um auf die Anforderungen moderner Musikproduktionen bestens vorbereitet zu sein, wird der Studiokopfhörer mit zwei unterschiedlichen Sets an Ohrpolstern ausgeliefert.

"Producing Velours"-Ohrpolster
Die beim DT 1990 PRO MKII im Auslieferungszustand aufgesetzten „Producing-Velours“ garantieren aufgrund der leichten Bassanhebung ein besonders volles, rundes Klangbild. Die „Mixing & Mastering-Velours“ haben hingegen zum Ziel, analytischen Referenzklang zu garantieren - hier sehen wir den Einsatz eher im professionellen Studio, für "Privatanwendungen" würden wir persönlich die "Prouducing Velours" Ohrpolster nehmen. Letzten Endes aber ist dies alles Geschmackssache, wer reinen, analytisch geprägten HiFi-Klang über alles schätzt, wird vielleicht mit den "Mixing & Mastering Velours" noch glücklicher.
Wenden wir uns dem weiteren Zubehör zu.

Zubehör
Der Kopfhörer bringt ein 3 Meter langes, gestrecktes Kabel und ein 5 Meter langes Spiralkabel mit, die jeweils mit einem verriegelbaren 3-poligen Mini-XLR-Stecker an den Enden versehen wurden. Bei Nichtgebrauch und beim Transport werden der wird der DT 1990 PRO MKII in einem Hardcase verstaut.
Verarbeitung

Kopfhörer im Case

Kopfband außen
Der DT 1990 PRO präsentiert sich in exzellenter Verarbeitungs- und Materialqualität. Er wird in einer ebenfalls sehr gut verarbeiteten Box geliefert, die mit leichtgängigen Reißverschlüssen mit sauberem Lauf ausgestattet ist. Daher macht es sogar Freude, den edlen Heilbronner Kopfhörer ins Case zu legen und ihn wieder herauszuholen. Da es sich um ein Modell für den Einsatz im Tonstudio oder auch zuhause handelt, ist der DT 1990 PRO nicht faltbar. Nehmen wir den optisch sehr ansprechenden Kopfhörer nun zur Hand. Zunächst stoßen wir auf das sehr gut gepolsterte Leder-Kopfband mit weißer Naht auf der Oberseite (dort ist auch das beyerdynamic-Logo eingeprägt), schon dieses kleine Detail beweist, dass man bei beyerdynamic auch auf Kleinigkeiten achtet.

Ohrmuscheln außen im Detail
Die mit den für offene Kopfhörer typischen Schlitzen durchzogene Außenwand der Ohrmuscheln wirkt sehr hochwertig, an beiden Seitenteilen ist auch das Logo mit dem sorgfältig eingravierten Produktnamen zu finden.

Gabeln aus Metall

Einseitige Kabelführung, hier der Anschluss am Kopfhörer
Die Gabeln, an denen die Ohrmuscheln befestigt sind, ist aus langzeitstabilem Metall gefertigt, ebenso die Basis des Kopfbandes, Der Hersteller liefert gleich zwei Paar Ohrpolster, wie weiter oben beschrieben, mit jeweils unterschiedlicher akustischer Ausprägung mit.

Stecker Kabel 1 (normales Kabel)

Stecker Kabel 2 (Spiralkabel)
Die Kabelführung ist einseitig, und es finden sich, wie bereits ausgeführt, ein normales Kabel und ein Spiralkabel im Lieferumfang. Hier sind leichte Abstriche zu machen. Extrem opulent wirkt keines der beiden Kabel, sondern es handelt sich hier in beiden Fällen eher um "nüchterne Studioqualität". Eine haptisch und optisch schöne Stoffummantelung wäre beim normalen Kabel vielleicht eine schöne Option gewesen, ebenso Stecker mit Metallummantelung.
Klang

Luxman L-505Z

Denon DCD-3000NE
Wir haben die "Producing Velours"-Ohrpolster verwendet, und der beyerdynamic DT 1990 PRO MKII wurde zudem an unseren Luxman L-505Z angeschlossen. Der 6.790 EUR kostende, rein analoge Premium-Vollverstärker ist mit einem überaus hochwertigen & leistungsfähigen Kopfhörerverstärker ausgestattet. Als Zuspieler wählten wir den extrem präzise arbeitenden Denon SACD/CD-Player DCD-3000NE.
Wir starten hier mit "Ain't No Sunshine" von Eva Cassidy (CD). Der beyerdynamic gibt sich sofort sehr verständig und präsentiert den Titel in authentischer, klar strukturierter Manier. Evas Stimme besitzt eine sehr charismatische Ausprägung, und auch vokale Details werden äußerst sauber übertragen. Da der DT 1990 PRO ein offener Kopfhörer ist, freuen wir uns über ein freies, direktes räumliches Gefühl, das den Klang zudem nicht nur realistisch, sondern auch angenehm macht. Was der Heilbronner Kopfhörer kann, beweist er uns auch beim Klavier-Solo. Hier merkr man, dass der exzellent auf dem Kopf sitzende, extrem angenehm zu tragende DT 1990 PRO fürs Studio gedacht ist. Mit enorm sensibler Betonung holt er aus dieser Sequenz extrem viel heraus.
Weiter geht es nun mit einer männlichen Gesangsstimme: "Dell' Amore Non Si Sa" von Andrea Bocelli (CD) steht auf dem Programm. Bei diesem Titel schafft der DT 1990 PRO schon gleich von Beginn an ein sehr lebhaftes Fundament und eine weitläufige umfassende Kulisse. Andreas Stimme wird in einem hohen dynamischen Umfang dargestellt, ganz gleich, ob die Stimme sanft abklingt oder Andrea viel Nachdruck in seine vokale Präsenz legt: Der beyerdynamic ist stets sofort zur Stelle, und bringt ein ausgezeichnetes Auflösungsvermögen ins Spiel. Man merkt erneut, dass er für semiprofessionelle und professionelle Anwendungen gedacht ist: Denn er agiert äußerst präzise und tonal neutral. Er ist nicht derjenige Kopfhörer, der versucht, etwas anderes aus der Quelle zu machen - was Liebhaber des über alle Maßen realistischen Klangs sehr freuen wird. Er ist ein hochklassiges "Abhörgerät", das auch Stärken und Schwächen des Quellmaterials klar offen legt, und das ist absolut gewollt, selbst wenn die "Producing Velours" Ohrpolster verwendet werden, die einen akustisch runderen und besonders homogenen Sound garantieren. Beim darauf folgenden Stück "L'Attesa" wird dies ebenfalls wieder deutlich. Exakt stellt er Andreas Stimme in den virtuellen Raum, dem man wieder anmerkt, dass ein offener Kopfhörer hier einem geschlossenen Modell bauartbedingt überlegen ist. Natürlich - man ist nicht von der Außenwelt abgeschlossen, und die Außenwelt hört sozusagen auch mit. Man sollte daher, möchte man seine Ruhe haben, sich alleine in einen Raum setzen und die Türe schließen, um sich voll dem Musikgenuss zu widmen.
Wir setzen fort mit dem Beginn von Bedrich Smetanas legendärer "Moldau". Das Material befindet sich auf einer exzelllenten SACD. Und hier kann der DT 1990 PRO besondes überzeugen: Mit viel Detailarbeit modelliert er nahezu sämtliche Strukturen aus der Symphonie. Er tut dies mit der Präzision des viel zitierten "Schweizer Uhrwerks", und fügt alle akustischen Elemente zu einer ausgesprochen facettenreichen Klangkulisse zusammen, in der auch die räumliche Zuordnung der einzelnen Instrumente auf sehr hohem Level ist. Er löst überragend auf, das betrifft nicht nur die glasklaren Höhen, sondern denn gesamten Frequenzbereich, und er gibt Dynamiksprüngen viel Entfaltungsspielraum. Dadurch entsteht ein umfassender akustischer Gesamteindruck, der auch äußerst anspruchsvolle Klassik-Liebhaber sehr glücklich machen dürfte. Für seinen Kaufpreis von unter 550 EUR erzielt der DT 1990 PRO hier eine formidable Leistung.
Fortgesetzt werden unsere Testreihen erneut mit Inhalten einer SACD, diesmal mit dem "Walkürenritt" aus Richard Wagners "Walküre". Bei diesem Material, das haben wir schon erwartet und darum dieses weltberühmte Stück ausgesucht, trumpft der DT 1990 PRO wieder auf. Er sortiert alle klanglichen Bestandteile zu einem kultivierten, zugleich sehr lebendigen Ganzen, und das in Rekordzeit. Richtig beeindruckend wird es, als die Gesangseinlagen beginnen. Wie sauber der offene Kopfhörer hier bleibt, und wie reich an Details er die vokale Präsenz wiedergibt, das verdient erneut höchsten Respekt. Es gibt sehr deutlich teurere andere Kopfhörer, die sich hier hinter dem beyerdynamic anstellen müssen, der sich erneut als die praktisch perfekte Wahl für den Liebhaber klassischer Musik in den Vordergrund schiebt, Das fein nivellierte räumliche Gefühl kommt noch dazu und perfektioniert die Güte der Vorstellung weiter.
Wir schließen den SACD-Reigen mit "O Fortuna", dem Auftakt zu Carl Orffs "Carmina Burana". Und eigentlich war es schon klar, dass unser Testkandidat hier zum dritten Mal zu großer Form aufläuft. Nahezu jede Kontur im Chorgesang sitzt an der richtigen Stelle, und die sehr deutlichen Dynamiksprünge entfesseln eine wahre Urgewalt. Das Ganze verpackt der DT 1990 PRO auch hier wieder in eine enorme räumliche Dichte, die aber immer realistisch bleibt und dem Zuhörer echtes Konzert-Flair vermittelt. Man ist zweifesohne "mittendrin" mit dem beyerdynamic Kopfhörer, und auch die massiven Paukenschläge und das Hantieren des Musikers mit dem Becken kommt überragend zur Geltung.
Nun folgt der Wechsel zurück auf die klassische CD, aber das Gehörte ist absolut nicht klassisch, zumindest nicht, was das Genre anbetrifft: "Communication Part 4" von Armin van Buuren lässt aufhorchen, und zwar deswegen, weil der DT 1990 PRO auch hier nicht aus der Ruhe zu bringen ist. Der harte Kickbass trifft exakt den richtigen Punkt, kein Nachschwingen, keine Überbetonung, aber auch keine zu zurückhaltende Darstellung. Studio-Kopfhörer eben, ein echtes Profi-Tool, das uns richtig beeindruckt. Wie übel dieser exzellent gefertigte und klanglich extrem starke Over-Ear-Kopfhörer so manchem teureren Kontrahenten mitspielt, wird hier wieder vollumfänglich deutlich. Es ist - sorry für den sehr pathetischen Ausdruck - der Wahnsinn, was der DT 1990 PRO hier anbietet. Weit fliegen die elektronischen Effekte in den virtuellen Raum, nahe an der Perfektion ertönt das elektronisch erzeugte Klavier, mit unglaublicher, von höchster Präzision getragener Wucht schieben die Bässe auch noch bei hohem Pegel an.
Fazit

Der beyerdynamic DT 1990 PRO ist ein rundherum fabelhafter, preislich für die Performance mehr als fairer offener Over-Ear-Kopfhörer. Er besticht durch seine sorgfältige Verarbeitung und die hochwertige Materialqualität. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten wird er nicht in Fernost, sondern in Deutschland produziert. Im Stammsitz in Heilbronn wurde zudem auch die gesamte Entwicklungsarbeit, beispielsweise für die innovativen, hoch belastbaren und enorm impulstreuen Treiber, geleistet. Klanglich gibt sich der DT 1990 PRO, wie schon sein Name vermuten lässt, äußerst professionell: Er holt nahezu alles aus dem jeweiligen Quellmaterial, was zu grandiosen Ergebnissen führt, wenn dieses hochklassig ist. Gerade das authentische Gefühl fein dosierter Räumlichkeit, seinem offenen Arbeitsprinzip geschuldet und von den beyerdynamic Ingenieuren wirkungsvoll optimiert & verfeinert, ist sein Markenzeichen. Natürlich zeigt der beyerdynamic Kopfhörer ebenso Schwächen des verwendeten Contents gnadenlos auf, aber das ist auch seine Bestimmung, wenn er als Abhör-Headphone im Studio zum Einsatz kommt. Insgesamt dürfte es schwer sein, für unter 600 EUR einen vergleichbar leistungsstarken Kopfhörer zu bekommen - daher: Gratulation nach Heilbronn.
Der Profi: Unglaublich präzise, dynamisch & mit überragender Räumlichkeit, zeigt der DT 1990 PRO, was für 540 EUR möglich ist

Kopfhörer Oberklasse bis 1.000 EUR
Test 30. Juni 2025
Test und Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 30. Juni 2025
Tags: Beyerdynamic • Kopfhörer







