TEST: XTZ Tune 4 – Kompakte Aktivlautsprecher mit Dirac DSP-Software-Lizenz & Bluetooth

XTZ Tune 4 Gruppenbild2

XTZ offeriert mit den Tune 4 Aktivlautsprechern ein sehr kompaktes Stereo-Setup mit integriertem Class-D Verstärker und 24 Bit DAC mit DSP an. Trotz der geringen Abmessungen sollen u.a. hohe Leistungsfähigkeit, Räumlichkeit und Pegelfestikgeit geboten werden – unterstützt wird das klein dimensionierte Gehäuse dabei von der Dirac-Audio Processor-DSP-Software, die sowohl das Impulsverhalten verbessern soll als auch 6 DSP-Kurven für eine individuelle Klanganpassung mit sich bringt. Die Tune 4 Lautsprecher sind mit Bluetooth und aptX-Codec ausgestattet, nehmen Audio-Signale aber auch via Kabel analog und digital entgegen. Im Fokus steht Flexibilität und „Convenience“ ebenso wie hohe akustische Performance. Denn auch wer nur schnell und unkompliziert sein Smartphone/Tablet koppeln möchte, legt mittlerweile Wert auf guten Klang. Die XTZ Aktivlautsprecher sind in Schwarz und Weiß, jeweils matt, unter http://www.xtz-deutschland.de/tune-serie/tune-4 erhältlich und kosten 480 EUR das Paar.

XTZ Tune 4 Master Front Seitlich

Tune 4 Master-Lautsprecher einzeln

XTZ Tune 4 Hochtoener

Hochtöner im Detail

XTZ Tune 4 Tieftoener

120mm Tiefmitteltöner

Unsere XTZ Tune 4 Lautsprecher kommen in schickem Mattweiß daher. Gerundete Kanten und fehlende sichtbare Schrauben lassen die Tune 4 Speaker wie ein Unibody-Gehäuse erscheinen. Auch haptisch macht die Oberflächenqualität einen ausgezeichneten Eindruck und die Chassis sind sauber integriert. An der Unterseite sind drei Standfüße angebracht, zwei vorne und ein einzelner im hinteren Bereich. Der Lautsprecher droht zwar nie komplett zu kippen, steht aber dennoch ein wenig instabil im Gegensatz zu Komponenten mit vier Standfüßen.

Für optimalen Einsatz am Schreibtisch besitzen die Aktivlautsprecher von XTZ eine geneigte Schallwand, die für ein optimales Abstrahlverhalten in eher geringer Entfernung sorgt. Werden die Komponenten freier aufgestellt bzw. auf Ohrhöhe platziert, können sie aber auch in eine gerade Position gebracht werden. Der dafür notwendige höhere Standfuß liegt bei und kann ohne Probleme vom Nutzer montiert werden.

Die Tune 4 werden von 2 x 50 Watt mittels Class-D-Digitalverstärker befeuert. Der Hochtöner ist als Waveguide ausgeführt und misst 25mm, der Tiefmitteltöner 125mm. Der Tweeter sitzt nicht in der Mitte, das soll Kantendispersionen eliminieren. Das Gehäuse der Tune 4 gilt als resonanzarm und ist mit mehreren Verstärkungen versehen.

XTZ Tune 4 Master Anschluesse Rueckseite2

Anschlüsse Master-Lautsprecher

XTZ Tune 4 Master Anschluesse Rueckseite1

USB-Ladeslot

Die XTZ Tune 4 sind gerade noch ausreichend kompakt, um an einem nicht allzu klein dimensionierten Schreibtisch Platz zu finden. Der Einsatz der Komponenten als elegante und aktustisch performante PC-Lautsprecher ist also prinzipiell möglich. Allerdings fehlt uns eine für diesen Fall wichtige Verbindungsmöglichkeit: Der direkte Anschluss der Tune 4 an den PC per USB. Einen USB-Slot bieten die XTZ Speaker aber nicht, man ist also – abgesehen der PC bietet einen optischen Digitalausgang – auf analoge Signalübertragung und die Nutzung der Soundkomponenten im PC oder Notebook angewiesen und kann den hochwertigen DAC in den Aktivlautsprechern nicht nutzen. Der USB-Port an der Rückseite des Master-Lautsprechers ist lediglich zum Laden von mobilen Endgeräten verwendbar.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die Möglichkeit der Verbindung via Bluetooth. Diese ist natürlich nicht auf Smartphone/Tablets/o.ä. beschränkt, sondern kann auch mit einem PC mit entsprechender Ausstattung erfolgen.

Wie bereits erwähnt, ist ein optischer Digitaleingang integriert, ein analoger Klinkeneingang kommt hinzu. Wer die XTZ Tune 4 im unteren Frequenzbereich von einem Subwoofer unterstützen möchte, kann dank „Sub Out“ einen aktiven Subwoofer mit dem Stereo-Setup verbinden.

XTZ Tune 4 Slave Rueckseite Seitlich1

Rückseite Slave

XTZ Tune 4 Fernbedienung1

Fernbedienung

XTZ Tune 4 Fernbedienung2

Rückseite

Exzellent fällt bei den XTZ Tune 4 Aktivlautsprechern der Lieferumfang aus, hier ist wirklich alles dabei: Stromkabel, Lautsprecherkabel, Klinkenkabel und sogar ein optisches Digitalkabel. Außerdem die zusätzlichen Standfüße und zwei Stopfen für die Bassreflexports auf der Rückseite. Die mitgelieferte Fernbedienung zeigt, dass hier auf auf Wertigkeit gesetzt wird. Im Prinzip handelt es sich um Folientasten mit mattschwarz rauher Beschichtung, diese sind aber in Vollaluminium eingebettet und mit einem soliden Gewicht liegt die Remote hervorragend in der Hand. Die beiliegenden Kabel wirken zudem sehr solide, das Lautsprecherkabel zum Verbinden des Master- und Slave-Lautsprechers bietet einen großzügigen Querschnitt und ist sogar mit Bananensteckern versehen.

XTZ Tune 4 Master Rueckseite Seitlich2

Rückseite Master

XTZ Tune 4 Master Empfaenger

IR-Empfänger und Statusanzeige

Die Statusanzeige der Tune 4 bietet drei farbige LEDs: Rot, Blau und Grün. Die Farben entsprechen dem jeweiligen Eingang: Grün steht für den analogen Klinkeneingang, Rot für S/PDIF und Blau markiert den Bluetooth-Input. Ob der Lautsprecher aktiviert oder ausgeschalten ist, erkennt man an der Leuchtintensität der jeweiligen LED.

Die Kopplung erfolgt unkompliziert: Ein Druck auf die Pair-Taste der Fernbedienung versetzt den Lautsprecher in den Kopplungsmodus. Die Tune 4 werden dann auf einem mobilen Endgerät oder PC/Notebook als Bluetooth-Gerät sichtbar und können verbunden werden, weitere Schritte sind nicht notwendig.

Ebenfalls im Lieferumfang der Tune 4 ist eine Lizenz für die Dirac-Audio Processor-DSP-Software. Wer diese verwenden möchte registriert sich und lädt die Software für Windows oder OS X herunter. Hier muss man die entsprechende Seriennummer eingeben sowie eine eMail-Adresse und Passwort hinterlegen: http://www.xtz.se/page/dirac-audio-processor-registration

dirac_dsp_win

Dirac DSP-Software und Windows Audio-Ausgabe

Nach der Installation der Software logged man sich mit seinen Daten ein, wählt das entsprechende Gerät aus und stellt die Dirac DSP-Software als Standardgerät zur Audio-Ausgabe ein. Keine Sorge, XTZ stellt hierfür ein ausreichend ausführliches FAQ in deutscher Sprache unter „Bedienungsanleitung“ auf der Webseite zur Verfügung.

Innerhalb der Dirac Software stehen für die Tune 4 Lautsprecher sechs DSP-Möglichkeiten zur Verfügung. Darunter Boost 1/2, Bright (2.1) sowie Reference, On Wall und On Desk. Während man bei den ersteren nicht direkt am Namen die akustische Ausprägung erkennen kann, scheinen die Einstellungen On Wall und On Desk für die Wandanbringung bzw. die Position am Tisch der Lautsprecher optimiert zu sein.

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XTZ Komponenten-Auswahl innerhalb der XTZ Player App

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Song-Übersicht

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Dirac DSP

XTZ stellt für iOS und Android den XTZ Player/XTZ DSP Player kostenlos als Applikation zur Verfügung. Das Programm dient als Musik-Player, bietet darüber hinaus DSP-Einstellungen der Dirac Software, die sonst am PC oder Mac genutzt wird, zur Verfügung. Wie schon am Screenshot zu sehen, kann man hier die identischen EQ-Kurven wie am PC oder Notebook nutzen oder den Dirac DSP komplett deaktivieren. Beeinflusst werden allerdings lediglich Lieder, die sich physisch in der Musikbibliothek des Smartphones/Tablets befinden.

Zeit, uns einen Eindruck über die akustischen Eigenschaften der Tune 4 Aktivlautsprecher im Praxisbetrieb zu verschaffen. An dieser Stelle möchten wir gleich darauf hinweisen, dass die Nutzung der Dirac Software aus unserer Sicht absolut empfehlenswert ist. Besonders dann, wenn man die Tune 4 tatsächlich als Lautsprecher am Schreibtisch verwendet, denn hier greift der Dirac „On Desk“-DSP sehr effektiv und mit positiven akustischen Auswirkungen ein. Stellt man die Komponenten frei auf, bieten Sie bereits eine recht ausgewogene akustische Performance, dennoch bleibt die Dirac Software ein leistungsfähiges Werkzeug.

Wer es am Schreibtisch gerne „krachen lässt“ und auf eine etwas spektakulärere Auslegung steht, der kann den On Desk-DSP getrost weglassen. Die Tune 4 klingen dann etwas kräftiger und gewinnen untenrum an Volumen und Punch und wirken insgesamt basslastiger. Wer den DSP aber zuschaltet, gewinnt nicht nur an Balance und Präzision der tieferen Frequenzen, sondern profitiert auch von einer klarer strukturierten Bühne und Instrumentalzuordnung. Selbst wenn man sehr nahe an den Lautsprechern sitzt, wird eine weite und großzügig dimensionierte Klangkulisse mit zentraler Stimme modelliert. Die anspruchsvollen Klänge von Joe Bonamassa werden mit ausgezeichneter Impulstreue und guter Durchzeichnung der einzelnen Frequenzebenen gemeistert.

Der Tiefgang leidet übrigens nicht an der Zuschaltung des DSPs, die tiefen Frequenzen wirken weiterhin sehr kraftvoll und bieten mehr Präzision. Selbstverständlich gibt es Hörer, denen ein trockener Bass, der präzise auf den Punkt kommt, nicht ausreicht. Wer aber nicht zu diesem Klientel zählt, kann ohne Zögern den Dirac-DSP aktivieren. Die Tune 4 spielen souverän auf und wirken keinesfalls überfordert, allerdings könnte der Maximalpegel bei Bluetooth noch ein paar Dezibel vertragen. Sitzt man direkt davor, reicht die Lautstärke vermutlich den meisten Zuhörern problemlos aus, etwas weiter entfernt suchen vielleicht auch Nicht-Pegelfanatiker die Stufe 11 des Lautstärkereglers. Beim Line-Eingang lässt sich deutlich mehr herausholen, und auch bei dann doch sehr hoher Lautstärke, die problemlos ein mittelgroßes Zimmer beschallt, können wir keine eklatanten Einbußen feststellen. Die Tune 4 bleiben souverän, clippen nicht und behalten auch ihre ausgewogene Tonalität bei.

Wir wechseln das Genre und spielen den XTZ Aktivlautsprechern elektronische Musik zu. Bereits beim Bonamassa-Konzert in der Wiener Philharmonie fiel uns eine weiträumige Kulisse auf und auch hier gefallen die Tune 4 wieder mit exzellenter Räumlichkeit. Trotz der kompakten Dimensionen integrieren die Komponenten gekonnt einzelne akustische Elemente im Raum und sorgen damit für einen sehr lebendigen und substantiellen Klangeindruck. Freunde der tiefen Frequenzen, die nicht unbedingt auf eine absolut lineare Klangdarbietung höchste Ansprüche stellen, werden von der Bass Boost-Funktion innerhalb der Dirac-Software begeistert sein. Hier erzeugen die Tune 4 tolles Volumen und entwickeln auch etwas mehr Kraft und Nachdruck, ohne allzu stark an Präzision zu verlieren. Besonders bei schneller elektronischer Musik, die auch in Großhallendiscos Einsatz findet, ergibt der Boost-DSP absolut Sinn, die ganze Kulisse gewinnt noch etwas mehr an Weitläufigkeit und Substanz. Bei hohem Pegel verbreiten die Aktivlautsprecher ohne Mühen Party-Stimmung und generieren Lebendigkeit, auch die Grobdynamik bleibt auf hohem Niveau und unterstützt den hervorragenden Eindruck weiter. Obenrum wirken die XTZ eher seidig und angenehm, auch wenn forschere Synthesizer-Elemente absolut solide umgesetzt werden, harsch wird es hingegen nie.

Auch bei klassischer Musik fühlen sich die XTZ Lautsprecher in ihrem Element. Die seidigen Klänge der Streicher in Mozarts Violinkonzert No.4 in D-Dur gelingen sauber und werden auch feindynamisch gut erfasst. Die Differenzierung der einzelnen Instrumente ist nicht zu beanstanden und wieder wird eine authentische Bühne mit klarer Ortung geschaffen. Auch bei komplexerem Geschehen bleiben die Tune 4 souverän, differenzieren die einzelnen Instrumente und agieren mit hoher Geschwindigkeit.

Die XTZ Tune 4 treffen unweigerlich auf Konkurrenz. Nubert kann bei kompakten Aktivlautsprechern bereits auf einige Jahre Erfahrung zurückgreifen und hat im Preisbereich der Tune 4 die A-100 der beliebten nuPro-Serie im Portfolio. Die A-100 gibt es ebenfalls in schwarz und weiß matt und die Verarbeitungsqualität der Schwaben lässt, genau wie bei den XTZ-Lautsprechern, kaum etwas zu wünschen übrig. Bei der Fernbedienung liegen die Schweden vorne, hier steht dem Vollaluminium lediglich eine Folientastenbedienung aus Kunststoff gegenüber. Die Tune 4 warten außerdem mit Bluetooth auf, dafür kontern die Nubert-Lautsprecher mit einem integrierten USB DAC für den Direktanschluss an einen PC. Für eine digitale Signalübertragung muss in Kombination mit dem Tune 4 eine zusätzliche Soundkarte mit optischem Ausgang verwendet werden. Akustisch begeistern beide Komponenten, mit den Tune 4 holt man noch etwas mehr Souveränität beim Maximalpegel heraus und verfügt dank der Dirac Software über leistungsfähige Einstellungsmöglichkeiten. Die Nubert spielt untenrum nicht ganz so massiv auf, dafür noch präziser und klingt insgesamt etwas fein ziselierter. Das nuPro-Paar ist mit 570 EUR teurer als die Tune 4. Nur geringfügig mehr als für die XTZ bezahlt man für die neuen Klipsch Aktivmonitore R-15PM, die ebenfalls mit Bluetooth, aber auch mit einem USB-DAC ausgestattet sind. Die R-15PM spielen Klipsch-typisch auf: enorm kraftvoll, maximale Grobdynamik und dank Horn nicht unbedingt einfühlsam, bieten aber hervorragende Stimmwiedergabe und Feindynamik. Die Flexibilität, abgesehen vom USB-DAC, ist natürlich bei den Tune 4 mit Dirac DSP-Software stärker ausgeprägt. Die XTZ sind etwas kompakter und gefallen mit exzellenter Verarbeitungsqualität, während die Klipsch Lautsprecher eher etwas einfacher gestaltet sind.

Fazit

XTZ Tune 4 Gruppenbild1

Die XTZ Tune 4 präsentieren sich als sehr leistungsfähige Aktivlautsprecher mit mitreißender und lebendiger akustischer Kulisse. Kraftvoll agieren die Komponenten untenrum und bieten neben erstaunlichem Nachdruck auch solides Volumen. Dank Dirac-Audio DSP-Software kann die akustische Auslegung sehr gut an die räumlichen Gegebenheiten und den Aufstellungsort angepasst werden. Hervorragend agiert die „On Desk“-Einstellung, wenn die Tune 4 auf dem Schreibtisch aufgestellt werden sollen. Als idealer PC-Lautsprecher können die Speaker aber nur für denjenigen gelten, der über einen optischen Audio-Ausgang am PC verfügt, denn ein USB DAC ist in den Aktivlautsprechern nicht integriert. Die Bluetooth-Verbindung blieb während des gesamten Testbetriebes absolut stabil – auch für Smartphone/Tablet kann man mit der XTZ Player-App die Dirac-DSPs nutzen. Exzellent können wir uns auch gegenüber der Verarbeitungsqualität äußern. Mehrschichtig aufgetragener matter Schleiflack, saubere Integration der Chassis und gerundete Gehäusekanten garantieren auch einen sehr schicken und cleanen Look.

Schicke und flexible Aktivlautsprecher mit hochwertiger Verarbeitung und effektiver Dirac DSP-Software
ueberragend
18.02.2016

+ Sehr solide Verarbeitung
+ Schick in mattem weiß/schwarz Schleiflack
+ Exzellente Bühne auch am Schreibtisch/naher Sitzposition
+ Kraftvoll, nachdrücklicher Tieftonbereich
+ Effektive Dirac-Audio DSP-Software mit 6 EQ-Einstellungen
+ Bluetooth mit aptX-Codec
+ Fairer Kaufpreis
+ Solide Fernbedienung

– kein USB-DAC für Direktanschluss an einen PC (S/PDIF notwendig)
– steht etwas instabil

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 18.02.2016




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