TEST: Teufel Boomster – Stylisher Ghettoblaster des 21. Jahrhunderts

Teufel Boomster Front Seitlich1

Teufel kündigt groß auf der Website an, mit dem Boomster für knapp 300 EUR die Renaissance des Ghetto-Blasters eingeleitet zu haben. Ghetto-Blaster? Für die jüngeren Leser sei mal kurz erörtert, dass es sich bei diesen Sound-Maschinen um klobige Kisten mit integriertem grafischen EQ, Doppelkassettendeck und gigantischen „PMPO“ Ausgangsleistungen gehandelt hat. Von den versprochenen 500 Watt blieben in der Praxis vielleicht 10 oder 20 übrig. Toll an den iPods der Steinzeit war, dass man sie dank Batteriefach auch portabel betreiben konnte. Die für den Betrieb erforderlichen dicken und dementsprechend schweren Monozellen konnte man gleich im Spar-Abo einkaufen – aber amazon gab es damals natürlich noch nicht. Derjenige, der das Pech hatte, den Ghettoblaster, vorzugsweise auf dem Rollbrett oder neudeutsch auch Skateboard genannt, spazieren fahren zu dürfen, brauchte eine starke Armmuskulatur.

Teufel Boomster Seitenansicht

Großes „teuflisches“ T auf der Seite – die Berliner sind stolz auf ihr Brand Image

Zeitsprung, nun sind wir im Jahre 2014, und Teufel bringt allen Ernstes dieses schicke, elegante Etwas mit solider Materialqualität und viel echtem Metall in Verbindung mit dem Plastik-Sondermüll der 80er Jahre? Mutig – denn der Boomster ist bildschön und zudem aufwändig konstruiert. Optisch korrespondieren ABS-Kunststoff und Aluminium elegant miteinander, das eingravierte „T“ auf der Seite zeugt von Selbstbewusstsein. 

Neben der Möglichkeit, per Bluetooth (Version 4.0, inklusive aptX und NFC für die Verbindung mit mobilen Android-Devices) Kontakt aufzunehmen, ist auch ein klassischer analoger UKW-Tuner integriert. Bedient wird ausschließlich über beleuchtete und flott reagierende Sensortasten, ein Display oder eine Fernbedienung finden sich nicht. Boomster wiegt 3,5 kg, ist 14,50 cm tief, 37 cm breit und 18 cm hoch. Frequenzen zwischen 50 und 20.000 Hz gibt der Boomster wieder, der maximale Schalldruck beträgt 96 dB/1m.

Teufel Boomster Bedienelemente Oberseite2

Beleuchtete Funktionselemente, schlichtes, edles Finish

Teufel Boomster Rueckseite Seitlich2

Rückseite mit übergroßem Schriftzug – Hommage an die „Ghettoblaster“ genannten Beat-Boxen der 80er Jahre

Teufel Boomster Akku

Das ist Mobilität: Zusätzlich zum eingebauten 4.400 mAh-Akku kann man auch Batterien einlegen. Den Akku aufzuladen dauert übrigens 3 Stunden

Welche Performance legt der Berliner Ghettoblaster der Neuzeit auf dem akustischen Parkett hin? Wir machen es dem Kraftpaket aus der Hauptstadt nicht leicht und legen gleich mit „Wizard“ von Martin Garrix & Jay Hardway richtig los. Der Track ist nicht mehr taufrisch, aber immer noch so „fit“, mit knallhartem Bass und üppigem Effektgefüge dem verwendeten Equipment richtig einzuheizen. Und siehe da – das klappt richtig gut. Wir ziehen unseren aktuell nicht vorhandenen Hut vor dem schwarzen Musik-Maker und bewundern, wie souverän und gelassen selbst bei enormer Lautstärke der harte,  unnachgiebige Bass herauskommt. Plötzlich aufkeimende Tanz-Eskapaden auch sonst eher schüchterner Zeitgenossen können die direkte Folge des Einsatzes der dynamisch agierenden Boom-Box sein. Die Effekte, ganz gleich, welcher Ausprägung, lässt der Boomster bis tief in den Hörraum schießen und entwickelt eine überraschend intensive Räumlichkeit.

Bei „Bump & Grind 2014“ von Waze & Odyssey & R.Kelly geht der Sound-Aktivist auch auf Kundenfang, in dem er ein enormes Volumen und einen ausgeprägten Tiefgang den Tag legt – da reibt man sich schon etwas die Augen, wenngleich der enorm schwierige Bass des Tracks den Boomster doch bis in die Belastungsgrenze treibt, aber nur, wenn man richtig laut hört. Die Stimmfetzen und der Aufbau der elektronischen Effekte gelingen richtig gut.

Beamen wir uns mit dem Boomster zurück in die Epoche, als die Mayday in ihrer Höchstphase war – damals legte der legendäre Westbam auf und brillierte bei der Großveranstaltung mit einem Mix von Mobys „Feeling So Real“. Schneller, treibender als das Original des britischen Star-DJs brachte der Deutsche die Raver zum Kochen, und wer sich sehnsüchtig an damals erinnert, gönnt sich dieses Rave-Masterpiece mit dem Teufel Boomster. Die Beats haben Kraft, der Aufbau geht mit hoher Dynamik vonstatten, vokaler Content wird fließend eingebunden. Kleinere dynamische Differenzen kommen ebenfalls sauber heraus. Verblüffend ist einmal mehr die Weitläufigkeit der Wiedergabe, wie viele Facetten aufgeboten werden, beeindruckt nicht minder.

Und wir fallen noch tiefer – zeitlich gesehen natürlich nur, denn nun stehen große Hits der 80er Jahre an. Und die Pet Shop Boys waren zur damaligen Zeit Dauergast in den Charts, unter anderem auch mit „So Hard“. Wir „füttern“ den Boomster mit diesem Titel, und die schon zuvor für gut befundenen Tugenden kommen auch hier wieder klar heraus. Besonders hervorzuheben ist, dass das kompakte Gerät sich in der Studentenbude oder im Appartment als Erst-Anlage eignet, gleichzeitig aber ist man durch den Akkubetrieb mobil. Eine beinahe einzigartige Kombination. Und noch etwas sorgt für eine Ausnahmestellung: Der Sound ist so satt und souverän, das kennt man sonst nicht von solchen Devices.

Teufel Boomster Tieftoener Bassreflexrohr

Subwoofer für Nachdruck im tieffrequenten Bereich. Zwei Bassreflexöffnungen finden sich auch noch

Hier müssen wir ein paar Worte zur Technik und Bestückung des Soundkünstlers aus dem Bikini Berlin verlieren. Das verbaute Dreiwegesystem mit zwei Hochtönern, zwei Mitteltönern plus Subwoofer ist Garant für eine solide technische Basis, die deutlich aufwändiger ist als das, was oft in Konkurrenzprodukten zu finden ist. Die 20 mm Hochtöner kommt mit Gewebekalotte. Die Ausgangsleistungen für sich betrachtet sind gar nicht so extrem hoch. Der digitale, kompakte Class-D-Verstärker lässt 8 Watt pro Satellitenkanal (Sinusleistung) und 15 Watt Sinusleistung für den Subwooferkanal vom Stapel. Wir halten diese Werte aufgrund der im Test gezeigten Leistungsfähigkeit für die absolut unterste Grenze. Die Mitteltöner messen 65 mm.

Zurück zu den Pet Shop Boys und „So Hard“. Räumlich dicht, mit dem Anspruch, eine Wiedergabe zu realisieren, die mit der Oberflächlichkeit mancher Präsentationen von One-Speaker-Konstruktionen nicht das Geringste zu tun hat. Untersucht man den Bass genauer, fällt auch auf, dass nicht nur Nachdruck da ist, sondern zusätzlich auch exakt der richtige Punkt getroffen wird. Verschiedene Synthesizer-Effekte kommen lebendig heraus und werden akkurat im Raum platziert. 

Bei „Building A Bridge To Your Heart“ von Wax setzt Boomster seinen Siegeszug outdoor und indoor fort. Lebendig, mit Schwung und mit einer guten Einarbeitung der Stimme, wird das Stück dargeboten. Der straffe Bass und die erneut überzeugende Räumlichkeit sind Garanten für richtige Hörfreude. Diese kommt auch beim One-Hit-Wonder „Living In A Box“ nicht zu kurz. Der Song der gleichnamigen Gruppe, damals absoluter Chartstürmer,  hat Substanz, Ausdruckskraft eine weitläufige Wirkung. Teufels Boomster macht deutlich, dass er auch für sehr lange Hörsessions dank des angenehmen, bekömmlichen Klangs eine hervorragende Alternative ist. Outdoor können diese Hörsessions auch ohne helfende Steckdose lang abgehalten werden, der Teufel Batterie-Initiative sei Dank: Schon der 4.400 mAh Lithium-Ionen-Akku bietet einiges an Energie, hinzu kann man aber noch Batterien einlegen, so dass sich die unabhängige Stromzufuhr bei normal gebräuchlichen Lautstärken auf maximale 16 Stunden ausdehenen lässt. Genug Power also, um im Sommer am See zu feiern oder im Winter eine flotte Aprés Ski-Party abzuhalten. 

Also hat der Boomster die „License To Kill“ – hinsichtlich der Marktsituation, Aber auch als Botschafter von 007 eignet sich die Sound-Machine sehr gut. Beim gleichnamigen Song von Gladys Knight wird sogar eine richtige fesselnde Wiedergabe geboten. Deren Elemente sind das beachtliche Volumen, die gelungene Einarbeitung der Stimme und die tadellose Staffelung der Instrumente. Also ab ins All mit dem Boomster – denn „The World Is Not Enough“. Besser nicht, denn im luftleeren Raum überträgt sich kein Schall und man kann demnach die ausgezeichnete Wiedergabe des Garbage-Songs gar nicht würdigen. Wiederum überzeugt die vokale Präsenz der weiblichen Gesangsstimme, aber auch Instrumente sowie Tiefe und Weite des akustischen Vortrags machen glücklich. So sind wir fast geneigt, zu sagen: „Typisch Teufel“ – der dritte Bond-Song wird es zeigen, ob diese Freude immer währt: „Live And Let Die“ von Paul McCartney steht an, ein Lied mit Tiefgang und einigen Dynamiksprüngen. Kraftvoll, gelassen, homogen – so geht der Boomster diese Herausforderung an. Nie wirkt er überanstrengt, im Gegenteil: Man ertappt sich dabei, wie man die gut reagierenden Sensortasten für die Lautstärkeregelung immer wieder betätigt, um noch mehr zu bekommen – wie mit einem Kuss von der Traumfrau ist es auch mit dem Boomster – Pegel kann hier süchtig machen, und das bei einer Komponente, die keine 300 EUR kostet – Berliner Blut, Herzblut der Teufel-Entwickler eben, und in dieser Qualität einmalig auf dem Markt. Darum – do it again: Der Boomster muss eine Zugabe geben, und zwar   „All Time High“ von Rita Coolidge aus dem Bond-Streifen „Octopussy“.  Kraftvoll, wieder mit hervorragendem Tiefgang und einem breiten horizontalen Abstrahlwinkel, macht sich der Boomster weitere Freunde. Hier steht wirklich ein moderner Ghettoblaster, wie von Teufel versprochen, aber viel besser als die dröhnenden, plärrenden Originale aus den 80er Jahren. 

Teufel Boomster Antenne

Wurfantenne im eigenen Fach

Teufel Boomster Anschluesse Rueckseite

 USB (nur zum Aufladen z.B. von Smartphones), 3,5 mm Miniklinke, Anschluss fürs Netzteil 

Ein  UKW-Analogtuner ist ebenfalls noch mit an Bord. Durch längeres Drücken der beleuchteten „FM“ Sensortaste wird der Sendersuchlauf gestartet. Die drei Lieblingssender können auf eigenen Zifferntasten abgelegt werden. Die Qualität ist auch beim Tuner gut. Hinten auf der Rückseite des Boomsters befindet sich ein Fach, in dem die Wurfantenne gefaltet untergebracht ist. Einfach öffnen und herausziehen, fertig. Die klare, lebendige Klanggüte des Tuners überzeugt, seine Empfangsstärke geht in Ordnung. Dass der Boomster im Sinne maximal puristischen Auftritts kein Display sein Eigen nennt, ist aufgrund des sehr einfachen Handlings des Radiotuners nicht wirklich von gravierendem Nachteil. 

Möglich ist auch eine Nutzung des Boomster als Freisprecheinrichtung. Während man selber den Gesprächspartner gut versteht, kommt die eigene Stimme beim Gesprächspartner nicht optimal an – sie wird als relativ leise und mit etwas Hall versehen wahrgenommen. Der Fairness halber müssen wir aber ergänzen, dass Konkurrenten, die ebenfalls über eine Freisprecheinrichtung verfügen, in den meisten Fällen keine besseren Ergebnisse einfahren. 

Wir treiben trotzdem Konkurrenten auf – schließlich muss sich der Boomster auch mit anderen jederzeit messen können. Wir stoßen auf den Harman Kardon Go+Play, der ab gut 230 EUR auf dem freien Markt erhältlich ist und uns im damaligen Test sehr gut gefallen. Die edle Optik und die hohe Materialqualität sprechen noch immer für den BT-Lautsprecher, der keinen UKW-Radiotuner mitbringt. Dafür ist der Harman Lautsprecher nicht nur in schwarzer Variante wie der Boomster, sondern alternativ auch in weiß zu haben. Akustisch liefert er einen klaren und recht satten Klang – was Detaillierung, Dynamik und Pegelfestigkeit angeht, muss er sich dem Newcomer aus Berlin allerdings beugen. Auch im mobilen Einsatz zieht Go+Play den Kürzeren, man kann nur Batterien in ihn einlegen, es existiert kein eingebauter Akku. 

Bluetooth-Lautsprecher ganz anders – wer ein schmückendes Klang-Objekt fürs elegante Wohnzimmer sucht, liegt beim Yamaha Relit LSX-700 richtig. Mit 599 EUR doppelt so teuer wie der Boomster, gefällt die schlanke Techniksäule mit den attraktiven Lichteffekten, die man, ebenso wie den Rest, sogar per spezieller, Bluetooth-basierter App steuern kann. Klanglich schlägt sich das Design-Device gut, hat aber keine Chance gegen den Boomster: Dieser bringt mehr Nachdruck, mehr Dynamik, bessere Detaillierung und eine deutlich höhere Pegelfestigkeit. 

Auch für den Indoor-Einsatz zu Hause ist der Heco Bluetooth-Lautsprecer Ascada 300 BTX gedacht. 399 EUR lautete mal die unverbindliche Preisempfehlung, mittlerweile gibt es das sauber verarbeitete Tool in klassischer, hochwertig anmutender Optik für schkanke 250 EUR. Ein fairer Preis, denn Ascada klingt wirklich gut und kann im Appartment auch problemlos die Stereoanlage ersetzen. Ein Akku ist nicht eingebaut und auch Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. Punkt für Berlin also, und akustisch weiß sich der Boomster ebenfalls durchzusetzen: Noch klarer, räumlicher und nachdrücklicher ist die Akustik. 

Fazit

Teufel Boomster Front Seitlich2

Das war ein Durchmarsch – uns  ist kaum ein anderer portabler Lautsprecher bekannt, der mit dem Teufel Boomster akustisch mithalten kann. Kraftvoll und räumlich spielt er auf, klingt harmonisch und angenehm. Somit eignet sich das Multitalent für praktisch jedes Quellmaterial. Mit ausgezeichneter Pegelfestigkeit und flexiblen portablen Einsatzmöglichkeiten trumpft der Newcomer ebenfalls auf. Neben der Verwendung des eingebauten starken Akkus kann man zusätzlich noch Batterien einsetzen und dadurch die Unabhängigkeit des Boomster von der Steckdose deutlich verlängern. Technisch aufwändig gemacht und robust verarbeitet, fällt es schwer, überhaupt einen Schwachpunkt zu finden. Der Preis kann es nicht sein, denn mit knapp 300 EUR ist das schicke Tool zu einem günstigen Kurs zu haben. Ein Display ist nicht integriert, in Ordnung – aber ehrliche Frage: Wer braucht das? Der UKW-Tuner serviert nicht nur guten Sound, sondern ist auch ohne Display einfach zu handhaben. Eine Fernbedienung ist nicht dabei – aber auch die benötigt man nicht zwingend. Die Sensortasten sind beleuchtet und reagieren richtig gut, also auch von dieser Seite passt alles. Bilanzierend „rockt“ der Boomster den gesamten Markt – mehr Klang und Flexibilität gehen derzeit nicht.

„We Will Rock You“ – Teufels Boomster erobert gleich im ersten Anlauf die Klassenspitze bis 300 EUR
preisklassenreferenz
Bluetooth-Lautsprecher bis 300 EUR
Test 03. Dezember 2014

+ Sehr flexibel bezüglich der Einsatzmöglichkeiten
+ Robuste Verarbeitung und sehr gute Materialqualität
+ Kraftvoller, harmonischer und dynamischer Klang
+ Äußerst pegelfest
+ UKW-Radiotuner
+ Reaktionsschnelle Sensortasten
+ Sehr stabile Bluetooth 4.0-Verbindung
+ NFC + aptX an Bord
+ Günstiger Kaufpreis

– Freisprecheinrichtung verbesserungswürdig
– Nur in schwarzer Variante lieferbar

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 03. Dezember 2014




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