TEST: Sony Noise Cancelling/Bluetooth-Kopfhörer MDR-1000X – Technik-Meisterwerk für 399 EUR?

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Für 399 EUR ist Sonys High-Tech-Over-Ear-Kopfhörer MDR-1000X mit Bluetooth (plus aptX und NFC), aktiver Geräuschunterdrückung und der Fähigkeit, aufgrund des aufwändigen Wandlersystems HiRes-Audio-Dateien wiederzugeben, in schwarzer und beiger Variante zu haben. Sony spricht von einer „einzigartigen Geräuschminimierung für höchsten Musikgenuss“. Der Kopfhörer reduziert niederfrequente Geräusche in Fahr- und Flugzeugen sowie Stimmen mit mittleren bis hohen Frequenzen deutlich effektiver als die Vorgänger-Generation – das verspricht zumindest der Hersteller. Mit Sense Engine kann durch Berühren z.B. die Musik kurz leiser gestellt werden.

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Auch für den Betrieb mit Kabel ist alles dabei

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Transport-Box

Man legt hierzu die Hand auf die rechte Ohrmuschel außen. Man kann auch den Touch Sensor für viele Funktionen verwenden. Streicht man an der rechten Ohrmuschel mit dem Finger vorsichtig und ohne viel Druck nach oben, wird die Lautstärke höher. Streicht man nach unten, verringert sie sich. Etwas Fingerspitzengefühl sollte man jedoch entwickeln, sonst passiert etwas anderes als gewünscht. Tippen auf das Touch-Feld stoppt den gerade laufenden Titel. Tippt man wieder, geht die Wiedergabe weiter. Wischt man etwas schneller nach oben, springt man zum nächsten Titel. 

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Micro USB-Buchse zum Laden

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3,5 mm Kopfhörerkabelanschluss, An/Aus-Kopplungstaste (lang drücken), NC-Aktivierung, Ambient Sound

Ebenfalls integriert in den optisch konservativen Kopfhörer ist „Ambient Sound Mode“. Durch Umschalten kann man zwischen „Normal“ und „Voice“ wählen. Im Modus „Voice“ kann man Musik hören, ohne gleichzeitig wichtige Durchsagen, z.B. am Flughafen, zu verpassen. Im normalen Modus arbeitet der Ambient Sound-Modus so, dass man trotzdem noch wichtige Umgebungsgeräusche wahrnehmen kann. Eine, wie sich herausstellen wird, tadellos agierende Freisprecheinrichtung gehört auch zum Ausstattungsumfang des Sony MDR-1000X. 

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Das Kopfband lässt sich sehr gut anpassen 

Der geschlossene, dynamische Kopfhörer arbeitet mit der S-Master HX Technologie, die besonders geringe Verzerrungen sicherstellt, um auch die qualitativ hochwertigen HiRes-Files ohne störende Einstreuungen genießen zu können. Der 40 mm Treiber ist ebenfalls aufwändig ausgeführt und bietet eine Membran aus Flüssigkristallpolymer (LCP) und eine Kupfer-Schwingspule auf. Der MDR-1000X setzt auf besonders starke Neodym-Magnete. All diese konstruktiven Merkmale sind für einen gleichermaßen kräftigen wie exakten Bassbereich und eine sehr gute Auflösung verantwortlich. Bis auf 40 kHz (Frequenzgang 4 Hz bis 40 kHz) spielt der MDR-X1000 hoch.

Zudem ist DSEE HX an Bord (Digital Sound Enhancement Engine). Komprimierte Musikdateien (MP3, AAC, ATRAC und WMA) können nachhaltig akustisch optimiert werden. Der MDR-1000X verfügt überdies nicht nur über aptX von Qualcomm, sondern auch über LDAC. LDAC bietet circa die dreifache Datenübertragungsrate (maximale Übertragungsrate 990 kbit/s) als herkömmliche Bluetooth-Standards – innerhalb eines entsprechenden geschlossenen LDAC-fähigen Systems kann man somit auch HiRes-Audiodateien über BT anhören. 

20 Stunden beträgt die Akkulaufzeit (2 Stunden mehr, wenn man nur BT, nicht aber das aktive NC nutzt), das geht in Ordnung, setzt aber keine neuen Maßstäbe. Die Ladezeit von 4 Stunden empfinden wir als mindestens eine Stunde zu hoch. Wenn der Akku leer ist, kann man den MDR-1000X mittels eines normalen Kopfhörerkabels verwenden, ein 1,5 Meter messendes Kabel ist dabei. Gut zu wissen bei der Verbindung mittels Kabel: Der MDR-1000X ist ein 46 Ohm-Kopfhörer mit 103 dB/mW (1 kHz) Empfindlichkeit, Noise Cancelling „on“, bei ausgeschaltetem MDR-1000X liegt die Empfindlichkeit bei 98 dB/mW (1 kHz). Das Gewicht von 275 Gramm wird noch als angenehm und nicht zu schwer empfunden. 

Die Verarbeitung des MDR-1000X ist sehr gut, man kann trotz des relativ hohen Kaufpreises außerordentlich zufrieden sein. Sehr „peppig“ tritt der Sony zwar nicht auf, wenn man den klassischen Vielreisenden und den erfolgreichen Business-Man als Klientel im Auge hat, kann das konservative Design aber auch ein großer Vorteil sein. Das angenehme, Leder-artige Material, das von außen die Ohrmuscheln überzieht, wirkt auf jeden Fall edel. Das Kopfband ist gut gepolstert und der Verstellmechanismus wirkt recht hochwertig. 

Klang

Ja, so geht es: Bei „I Like“ von Keri Hilson entpuppt sich der MDR-1000X als bassstarkes, sauber aufspielendes Device mit einem guten Noise Cancelling.  Gut – nicht sehr gut, denn zwar spricht die im Noise Cancelling-Modus extrem geringe Rauschneigung klar für den Sony, die Intensität des Noise Cancellings ist aber nicht auf Top-Level- wenn zum Beispiel im Hintergrund noch andere Musik im Raum läuft, kann man bei leisen Passagen des Musikstücks, das man über den MDR-100X hört, von Außengeräuschen gestört werden.  Das ist aber auch durchaus so gewünscht, denn die „Ambient“ Funktion soll es ermöglichen (im Standard-Modus), wichtige Umgebungsgeräusche noch wahrzunehmen.

Im Ambient-Modus „Voice“ soll man dann Stimmen, z.B. bei Lautsprecherdurchsagen auf Airport oder Bahnhof, während des Musikgenusses noch problemlos wahrnehmen können. Sehr gut ist es um den Sitz des MDR-1000X auf dem Kopf des Trägers bestellt. Sehr bequem, ohne zu viel störenden Druck. Auch beim längeren Tragen wird der MDR-1000X als sehr angenehm empfunden. Die Kunstleder-Ohrpolster sind nicht zu schweißtreibend. Dazu passt die akustische Auslegung nahezu optimal. Klar, aber nicht spitz, lebendig, aber nicht aggressiv. Der MDR-1000X macht hier praktisch alles richtig und löst Keris Stimme überdies ausgezeichnet auf. Also keinesfalls nur massiver Bass und gute Dynamik und sonst nichts – der MDR-1000X kann auch Details prima einarbeiten. 

Die eingebaute Freisprecheinrichtung verrichtet einen tadellosen Job. Null Rauschen und ausgezeichnete Stimmverständlichkeit sprechen hier für den MDR-1000X. Auch der Gesprächsteilnehmer am anderen Ende der Leitung ist positiv von der akustischen Qualität des Telefonats angetan. Was allerdings enorm nervt: Die Tasten für das Aktivieren des aktiven Noise Cancellings und für das Wechseln das „Ambient“ Sound-Programms (Normal oder Voice) reagieren so sensibel, dass man, wenn man z.B. nur den Kopfhörer etwas auf dem Kopf gerade rücken möchte, schon aus Versehen eine nicht gewollte Funktionsänderung in Gang setzt. Das ist wirklich ein Ärgernis, daher sollte man aufpassen, wo genau man den MDR-1000X anfasst. 

Dass der MDR-1000X mit Bässen umgehen kann, zeigt uns auch das „W&W Remix“ des Chainsmokers-Hits „Don’t Let Me Down“. Hier startet die Wiedergabe mit sehr massivem Bass, dieser wird vom Sony Headphone tadellos erfasst, wenngleich noch etwas mehr Tiefgang gut täte. Hier gibt es aber viele Kopfhörer, die diesen nicht realisieren. Prima ist es um räumliche Tiefe sowie um die räumliche Weite bestellt. Der MDR1000X schafft es, einen glaubwürdigen virtuellen Raum bereit zu stellen und füllt diesen mit sorgsam gestuftem Klang aus. Von einer unserer Spotify-Wiedergabelisten führen wir dem Sony-Kopfhörer „What Is Love 2016“ von Lost Frequencies zu. Lebendig, klar, mit sauberer Stimmwiedergabe weiß der Sony zu überzeugen. Die Stimme des Sängers löst er erstaunlich fein auf.

Man hört sehr gern auch mit etwas gehobenem Pegel, denn die Souveränität des Sony-Headphones ist überraschend groß. Immer behält er den akustischen Gesamtüberblick, immer fasst er alles in präzisen Strukturen zusammen. „How Else“ (Steve Aoki im Remix von David Ghetta) erfreut uns mit dem schon vom MDR-1000X gewohnten treffsicheren Bass, der sich aber nie störend über den Rest der Akustik legt. Effekte dringen weit und gleichzeitig exakt in den virtuellen Raum vor. Die dynamischen Differenzen kommen akkurat heraus, der MDR-1000X erweist sich als sehr impulstreu. Richtig gut gefällt uns „Somewhere New“ von Klingande. Die Stimme fällt auch bei diesem Track durch die feine Auflösung auf, zudem wird sie gut von den Instrumenten getrennt. Der Rhythmus des Stückes wird sehr gut zum Ausdruck gebracht. 

Wie kommt der Sony MDR-1000X mit Andrea Bocellis „Dell’Amore Non Si Sa“ zurecht? Hier schafft es der MDR-1000X ein weiteres Mal, die Stimme tadellos zu fokussieren, gleichzeitig aber den instrumentalen Teil nicht zu weit hinten zu gruppieren. Die Steigerung im Song bringt der Kopfhörer sehr gelungen zur Geltung. Das Piano wird ordentlich herausmodelliert. Klar geht hier noch mehr, gerade was das Abklingen und feine Strukturen betrifft, aber für seine Preisliga agiert der MDR1000X ausgesprochen gekonnt. Die identischen Eindrücke sammeln wir auch bei „L’Attesa“. Immer schafft es der Sony, eine hohe akustische Gesamtharmonie mit sehr lobenswerter Dynamik im Groben und im Feinen zu kombinieren. Der Erlebnisfaktor beim Hören ist groß, stets denkt man, man wäre inmitten des klanglichen Geschehens. 

Der 007-Titelsong „For Your Eyes Only“, gesungen von Sheena Easton, untermauert die Tatsache, dass es sich beim Sony MDR-1000X um einen echten Universalisten handelt, der mit praktisch jedem Quellmaterial ausgezeichnet zurechtkommt. Hier gefallen uns wieder das solide Handling von Dynamiksprüngen, verbunden mit der runden Stimmwiedergabe. Lebendig, frisch – und doch harmonisch: Die Mischung beim MDR-1000X passt. Noch kompletter, weil besonders fein auflösend, tritt der Sony-Kopfhörer bei „Moonraker“, performed von Shirley Bassey, auf. Er stellt Shirleys Stimme mitten in den virtuellen Raum und erfreut mit hoher Ortungssicherheit bei der Präsentation der einzelnen Instrumente. Kleine dynamische Differenzen stellt der MDR-1000X impulstreu heraus.

Wir beenden unsere Hör–Session mit James Bond-Titelmelodien mit „Live And Let Die“ von Paul McCartney & Wings. Hier geht es uns vor allem darum, die ziemlich intensiven dynamischen Unterschiede innerhalb des Stückes im Hinblick auf den MDR-1000X zu untersuchen. Der Kopfhörer gibt sich jedoch keinerlei Blöße, sondern agiert, wie wir es schon kennen, auch hier impulstreu und liefert eine facettenreiche sowie schwungvolle Wiedergabe. 

Konkurrenzvergleich

Denon AH-GC20

  • Denon AH-GC20 (329 EUR UVP):  Der Denon riecht im Neuzustand etwas streng – kein Witz, das kann stören, zumal er sich sonst kaum Schwächen leistet. Tolle App gegen Aufpreis, sehr runder, kraftvoller Klang, stabile Bluetooth-Verbindung – all dies spricht für den AH-GC20. Der leicht dominante Bassbereich könnte manchem sensibleren Hörer nicht so zusagen. 

AKG N60 Staender

  • AKG N60 (249 EUR UVP): Mit sehr schicker Optik und sehr gutem Noise Cancelling überzeugt der AKG N60 nach wie vor. Der Akku hält recht lange, und bequem ist der leichte AKG ebenfalls. Mit homogenem Sound und guter Detaillierung weiß er zu überzeugen, der Sony bietet für den Mehrpreis Bluetooth, verschiedene smarte Zusatzfunktionen und beim Klang mehr Kontur und Räumlichkeit. Fürs Geld aber ist der N60 nach wie vor absolut erstklassig. 

Teufel Mute 4

  • Teufel Mute (derzeit auf der Website für 129,99 EUR): Kurz gesagt – für derzeit 130 EUR ist der Mute eine Spitzen-Offerte. Mehr Kopfhörer für weniger Geld geht kaum noch, zumal das aktive Noise-Cancelling der Berliner richtig gut ist und keinen Konkurrenten zu fürchten hat. Der Mute lässt sich in einem extrem flachen Case, das überdies hochwertig ist, unterbringen und kokettiert mit extrem langer Akku-Laufzeit. Akustisch ist er ausgezeichnet, der viel teurere Sony bringt noch mehr Facettenreichtum in den Klang und bietet noch mehr Ausstattungsmerkmale. 

JBL Reflect Aware 2

  • JBL Reflect Aware In-Ear (UVP 200 EUR): Mit dem Reflect ist man, wenn man Fan von In-Ear-Kopfhörern ist, sehr gut beraten. Prima verarbeitet, tolle App, und der Anwender kann das Noise Cancelling an die gerade herrschenden Bedingungen exzellent anpassen. Exklusiv fürs iPhone 7, das nur noch eine Lightning-Buchse, aber keinen klassischen 3,5 mm Kopfhöreranschluss mehr hat, ist der tadellos, homogen und kräftig klingende Reflect Aware eine hervorragende Wahl. Ihn eint die umfangreiche Ausstattung mit dem Sony, Bluetooth fehlt zwar, dafür ist der Reflect Aware auch nur halb so teuer. 

Panasonic RP-HC800 5

  • Panasonic RP-HC800 (UVP 199 EUR): Richtig gut ist Panasonic dieser optisch nicht sehr aufregende, aber solide Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung gelungen.  Das Noise Cancelling ist praktisch auf Bose-Level, der Klang darüber: Mehr Details, intensivere Räumlichkeit. Harter Konkurrent für den doppelt so teuren Sony – der löst aber noch besser auf und bringt noch mehr Ausstattungs-Komfort mit. 
Fazit

Sony-MDR-1000X-2

Der Sony MDR-1000X bietet einen harmonischen, dynamischen Klang und bei aktiviertem Noise Cancelling ein enorm niedriges Rauschen. Die vom Hörer als sehr angenehm und realistisch empfundene Räumlichkeit ist ein weiterer Vorzug des Over-Ear-Kopfhörers für 400 EUR. Ganz interessant ist „Sense Engine“. Wenn man z.B. die Hand auf die rechte Ohrmuschel legt, wird, so lang man die Hand auf ihr belässt, die Musik leise geschaltet. Praktisch ist auch der Ambient Sound Mode „Voice“. Man kann, z.B. vor dem Abflug auf dem Airport, Musik hören und wichtige Durchsagen den Flug betreffend trotz allem wahrnehmen – sehr praktisch. Das etwas phantasielose Design und die zu sensibel ansprechenden Bedienelemente finden nicht unsere Zustimmung. Auch, dass das vollständige Aufladen des Akkus vier Stunden Zeit in Anspruch nimmt, sollte zukünftig optimiert werden. 

Sehr effektiv arbeitender Kopfhörer mit tadellosem Noise Cancelling und erstklassiger Ausstattung
ueberragend
Noise-Cancelling-Kopfhörer Oberklasse
Test 08. November 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 08. November 2016




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