TEST: Teufel-Over-Ear-Kopfhörer „Mute“ mit aktiver Geräuschunterdrückung

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Wie viel „Mute“ muss man haben, um einen Kopfhörer mit aktiver Geräuschentwicklung auf den Markt zu bringen?`“Platzhirsch“ Bose verdrängt hier bislang mit den „Quiete Comfort“ Headphones alle Konkurrenten erfolgreich. Die Berliner Sound-Experten von Teufel nahmen nun allen „Mute“ zusammen – und bringen den Over-Ear-Kopfhörer „Mute“ mit aktivem Noise Cancelling. Aktuell wird der Kopfhörer mit „40 mm Linear-HD-Treibern“ plus kraftvollen Neodym-Magneten inklusive außergewöhnlich hochwertiger Transportbox für 150 anstatt 170 EUR angeboten. Die Daten setzen gleich Glanzpunkte. Mit einer AAA-Batterie (im Lieferumfang enthalten) sind bis zu 40 (!) Stunden Laufzeit fürs aktive Noise Cancelling möglich – Bestwert! Im Gegensatz zu anderen Kopfhörern mit aktiver Geräuschunterdrückung ist der Mute überdies auch dann noch zu verwenden, wenn die Batterie leer ist. Dann arbeitet er wie ein normaler Kopfhörer, und dank der gut gepolsterten Ohrmuscheln hält sich der Einfluss von auswärtigem Lärm auch dann in Grenzen.

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1 x AAA-Batterie für bis zu 40 Stunden Betrieb

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Teufel „T“ auf den Ohrmuscheln

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Kopfband mit recht exaktem Verstellmechanismus

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Anschluss fürs Kopfhörerkabel

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Schlichtes schwarzes Plastik oben auf dem Kopfband

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Schalter zur Aktivierung des Noise Cancellings

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Hochwertiges Kabel, Flugzeug-Adapter

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Transportbox

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Die Ohrmuscheln werden nur gedreht, damit der Mute flacher wird. Der Kopfhörer wird nicht weiter zusammen geklappt

Das Noise Cancelling agiert im Übrigen ganz ausgezeichnet. Praktisch kein nervendes Rauschen, und gerade bei hohen bis mittelfrequenten akustischen Störeinflüssen von außen sehr zuverlässig und effektiv: So stellen wir uns gutes aktives Noise Cancelling vor! Der Bose Quiet Comfort 25 für 299 EUR agiert nur bei tieferen Frequenzen noch eine Idee effektiver – aber es handelt sich nicht um einen gravierenden Unterschied. Was uns nicht beim Mute gefällt: Der Schalter, mit dem das aktive Noise Cancelling in Betrieb genommen wird, wirkt qualitativ minderwertig. Zudem muss man relativ fest und länger drücken, um die Funktion wieder auszuschalten. Hier haben wir einige Verständnisprobleme mit Teufels Philosophie: Noch vor kurzem haben wir den hochwertig verarbeiteten Turn mit toller Materialqualität getestet. Und nun halten wir den Mute in den Händen – mit bestenfalls durchschnittlicher Materialanmutung und bestenfalls befriedigender Verarbeitung. Der Bose Quiet Comfort, muss der Fairness halber gesagt werden, ist zwar auch kein Meister der Hochwertigkeit, aber wenn man sich z.B. den AKG N60 für 249 EUR dagegen anschaut, so wirkt dieser ungleich edler als der Teufel – klar, er ist auch teurer, aber der Mute erscheint teilweise wirklich zu billig. Das trifft auch auf das Außenmaterial der Ohrmuscheln und auf die Bügel, an denen die Ohrmuscheln aufgehangen sind, zu. Wenigstens ist das Kopfband aus Metall. Die Polsterung des Mute ist bequem, der Tragekomfort ist tadellos. Gut gefällt uns die eingebaute Freisprecheinrichtung. Der Klang ist zwar etwas dumpf, aber recht rauscharm, und man versteht den Gesprächsteilnehmer stets sehr gut, auch wenn sonst ein durchaus beachtlicher Umgebungsgeräuschpegel herrscht. Im Lieferumfang ist neben Transportbox und 1 Batterie auch ein Flugzeug-Adapter enthalten, den man aber in den Maschinen vieler Airlines gar nicht mehr benötigt. Das 1,3 m messende Kabel ist übrigens recht hochwertig – besserer Standard als z.B. bei Bose. Leider aber gibt es keine ins Kabel integrierte Fernbedienung für die Zusammenarbeit mit iOS und Android Devices. Kritik gibt es wieder für den Platzbedarf. Man kann nur die Ohrmuscheln einklappen, damit der Mute flacher wird. Richtig klein zusammenfalten lässt er sich leider nicht. 

Teufel Mute – Pro & Contra:

+ Effektives aktives Noise Cancelling mit bis zu 40 Stunden Batterielaufzeit
+ Der Mute arbeitet auch bei deaktiviertem Noise Cancelling
+ Sehr guter Tragekomfort
+ Gute Freisprecheinrichtung
+ Kabel und Transportbox hochwertig

– Materialqualität und Verarbeitung nur durchschnittlich
– Platzbedarf wegen fehlendem Falt-Mechanismus hoch
– Keine ins Kabel integrierte Fernbedienung

Klang

Wir starten gleich mit Andrea Bocellis „Perfidia“ durch. Hier überzeugt uns der Mute durch die sehr angenehme Gesamtwiedergabe. Die Stimme Andreas wird überdies mit ordentlichen Konturen präsentiert. Natürlich – detailverliebte, sehr erfahrene Musikliebhaber werden bemängeln, dass der Mute die letzte akustische Einzelheit nicht aus dem Quellmaterial herausholt. Aber das ist nicht verwunderlich – ein Kopfhörer um die 150 EUR schafft dies generell nicht. Prima ist das kräftige, aber nicht überzogene Fundament im Frequenzkeller. Die Mitten werden fließend zwischen den Bass- und den Hochtonbereich eingebunden. In den Höhen geht dem Mute eine angenehme Darstellung über maximale Brillanz. Der Berliner Kopfhörer ist aber weit entfernt davon, nur bedeckte Höhen zu offerieren. 

Beim Duett von Eros Ramazzotti & Anastacia „I Belong To You“ schlägt sich der Mute ebenfalls beachtlich. Sogar das Klavier wird in anständiger Qualität eingearbeitet. Die Stimme von Eros gefällt uns hinsichtlich der Güte noch etwas besser. Bei Anastacia wirkt das Ergebnis etwas detailärmer. Sehr ausgeprägt: Bassbereich und Räumlichkeit, beides aber nicht so extrem, dass es stört, sondern so geschickt, dass man richtig gern, auch über längere Zeit, hört.

Beim Europe-Klassiker „The Final Countdown“ gibt der Mute das Intro gut wieder, erweist sich hinsichtlich des möglichen Maximalpegels als gut, nicht aber als exzellent. Das konnte der passive „Turn“ deutlich besser. Gut, im Sinne der Erhaltung des Gehörs empfiehlt sich das Hören mit hohem Pegel ohnehin nicht über längere Distanzen, aber Eindruck schindete das Treiben mit enormer Lautstärke doch, zumal der Turn alles ohne störende Verzerrungen optimal in Szene setzen konnte. Mit angenehm dynamischem Bass und guter Trennung von Stimmen und Instrumenten kann uns der Mute bei „The Final Countdown“ aber ansonsten durchaus überzeugen. 

„Don’t Be So Shy“ – nur nicht schüchtern sein, lieber „MUTEig“: Es funktioniert, wie es scheint, denn mit wiederum nachdrücklichem Bass und angenehmer Tonalität macht das Zuhören beim 80er Jahre-Hit richtig Freude. Prima auch, dass die Schallereignisse direktional akkurat zugeordnet werden. Die verschiedenen musikalischen Ebenen sind prima voneinander zu differenzieren. Die Stimme des Sängers erscheint uns trotz des nur durchschnittlichen Quellmaterials als sehr gut getroffen. 

Wir beenden die 80er Jahre-Session mit einem Italo Dance-/Disco-Klassiker: Baltimoras „Tarzan Boy“. Auch hier liefert der Mute eine solide Präsentation ab. Der satte, souveräne Sound bei gehobenen Lautstärken  erfreut das Ohr, durch die sorgfältige Abstimmung des Klangbildes sind alle akustischen Elemente stets auf homogene Art und Weise miteinander verbunden. Unschöne schrille oder verzerrte Zwischentöne erspart der Mute seinem Träger. Der Rhythmus kommt exakt heraus und sorgt dafür, dass „Tarzan Boy“ genau das Feeling entwickelt, wie früher in den 80er Jahren, als dieser Track eine Zeitlang beinahe omnipräsent war.  

Nun folgt aktueller Club-/Dance-Sound – mit dem Remix, hier knüpfen wir doch wieder an die 80er Jahre an, des Klassikers „One Night in Bangkok“. Das Remix von Tom Dot Kom wird mit üppigem, aber gleichzeitig präzisem Bass und guter Dynamik in die Gehörgänge des „MUTEigen“ Trägers transportiert. Die verschiedenen elektronischen Effekte sind sauber gestaffelt, und zeigen sich ebenso wie der Bassbereich von ihrer dynamischen Seite. 

Und wieder geht es zurück, diesmal allerdings nicht so weit: Gigi D’Agostinos „L’Amour Toujours“ ist nun an der Reihe. Und wieder nimmt der Mute dieses basskräftige Stück zum Anlass, um zu zeigen, dass er gerade für solche Musik wie geschaffen ist: Harmonisch-rund auf der einen, dynamisch-energiegeladen auf der anderen Seite. Hier haben diejenigen Teufel-Techniker, die den Mute final abgestimmt haben, ein glückliches Händchen bewiesen. 

Teufel Mute – Pro & Contra 

+ Kräftiger, solider und gut gestaffelter Bass
+ Raumgefühl
+ Wiedergabe gerade von männlichen Stimmen
+ Weitläufige Präsentation elektronischer Effekte

– Maximalpegel nicht ganz so hoch

Konkurrenzvergleich
  • Bose QC25: Damals hat der QC 25 noch unser Referenzprädikat bekommen – heute wäre es noch ein „überragend“, aber keinesfalls mehr. Der hohe Preis und die dafür suboptimale Materialqualität wären trotz exzellentem Noise Cancelling und dem ausgewogenen Klang dafür verantwortlich.  Der Teufel Mute ist dem Bose auf den Fersen, und er ist deutlich günstiger. Das Noise Cancelling ist beinahe genauso gut. 
  • AKG N60: 249 EUR kostet der AKG, der mit sehr guter Verarbeitung, hervorragendem Klang und exzellentem Noise Cancelling nach wie vor die Spitzenposition bei den bezahlbaren Kopfhörern mit aktiver Geräuschunterdrückung einnimmt. Aufgrund der noch höheren Performance rundherum ist der Mehrpreis zum Mute vollauf gerechtfertigt. 
  • Auna BNC-10: „Sparfüchse“ greifen zum Auna BNC-10, der darüber hinaus noch als Bluetooth-Headphone ausgelegt ist. Das aktive Noise Cancelling ist natürlich nicht ganz so ausgefeilt wie beim Mute, aber fürs investierte Geld gut. Das gilt auch für den Klang. Wer nicht so viel Budget hat, fährt mit dem BNC-10 tadellos. Wer mehr erwartet, greift zum Mute. 
Fazit

Teufel Mute 5

Der „Mute“ wird belohnt: Der Teufel Mute überzeugt uns mit sehr gutem aktiven Noise Cancelling, guter interner Freisprecheinrichtung, kräftigem, räumlichem und angenehmem Klang und rekordverdächtiger Batterielaufzeit. Zudem kann man den Berliner Kopfhörer auch ohne Batterie passiv verwenden. Positiv auf das Gesamtergebnis wirkt sich auch aus, dass der Mute sehr bequem auf dem Kopf sitzt und präzise auf die Kopfgröße de Trägers eingestellt werden kann. Kritik gibt es für die Materialqualität und die fehlende Fernbedienung im Kabel. 

Klanglich ausgewogener Kopfhörer mit sehr gutem aktiven Noise Cancelling
ueberragend
Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung bis 300 EUR
Test 08. März 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 08. März 2016




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