TEST: Onkyo 7.2-Kanal-AV-Netzwerk-Receiver TX-RZ900

Onkyo TX-RZ900 Front Seitlich2

Onkyo hat Mut zu Veränderungen – der 7.2-Kanal-AV-Netzwerk-Receiver TX-RZ900 mit THX Select 2 Lizenz, Dolby Atmos sowie der Fähigkeit zum Support von dts:X für 1.799 EUR ist das beste Beispiel dafür. Schon optisch bricht er komplett mit der bisherigen Linie. Alles ist anders – so der Lautstärke-Drehknopf rechts, groß und gut und in der Hand liegend, aber haptisch etwas billig erscheinend.

Onkyo TX-RZ900 Bedienelemente Front1

Lautstärkedrehregler

Onkyo TX-RZ900 Bedienelemente Front2

 Listening-Mode und Klang-Parameter

Das kannten wir bislang nicht von Onkyo. Sehr „technisch“ sehen die vielen kleinen runden Tasten oberhalb des Lautstärkedrehreglers aus. Sie kümmern sich um die Quellwahl. Optisch vielleicht etwas anders und durchaus „cool“, sind sie vom Handling her eher ein Rückschritt, da definitiv zu klein, In der Mitte folgt ein zweizeiliges Display, dieses ist, hier können wir einmal schreiben „typisch Onkyo“, in grüner Farbe, mit Punktmatrix-Auflösung und zweizeilig. Unter dem Display sitzt eine massiv verarbeitete, solide Metallklappe. Weitere Bedienelemente finden sich dort und ein HDMI-Terminal, der Kopfhörerausgang (6,25 mm) und der Anschluss fürs Messmikrofon.

Onkyo TX-RZ900 Mikro

„AccuEQ“ Messmikrofon

Der TX-RZ900 kommt mit Onkyos eigenem „AccuEQ“ Einmesssystem. Die eingearbeiteten Rillen, die wir bereits beim Lautstärkeregler finden, hat Onkyo selbst in den recht hohen, aber vom Durchmesser her nicht allzu großen Metallfüßen einarbeitet. Links auf der Front dann noch zwei Drehregler plus zwei ebenfalls dazugehörige Knöpfe für den Hörmodus (der kleine Knopf bestimmt, ob der Hörmodus für Musik, Film oder Gaming bestimmt ist, mit dem Drehregler wird dann der jeweilige Modus, also z.B. DTS Neo:X oder Dolby Pro Logic IIx) bestimmt. Daneben der Drehregler ist für „Phase Matching Bass“, Bass und Höhen, der obere Knopf bestimmt die Funktionsebene (z.B. Bass oder Treble). Die dicke Alu-Frontplatte erscheint sehr hochwertig, die Rückseite mit den vergoldeten Lautsprecher-Schraubanschlüssen steht der Front in nichts nach. Der TX-RZ900 ist 435 mm breit, 201,5 mm hoch – sehr üppig, was für Bolidenflair sorgt -, und 433,5 mm tief. Er wiegt satte 18,5 kg – und das ist nicht ohne Grund.

Onkyo TX-RZ900 Front Seitlich3

 Mit geöffneter Klappe

Onkyo hat nämlich so ziemlich alle Ausstattungsmerkmale komplett verschoben. Der TX-RZ900 versteht sich als massive Audiomaschine, der schon vom Inneren her eine Hochwertigkeit mitbringt, die sonst nur High End-Komponenten besitzen. 

Onkyo TX-RZ900 Innenleben Gesamt

Riesiger Ringkerntransformator, großer schwarz eloxierter Alu-Kühlkörper

Onkyo TX-RZ900 Innenleben3

Platinenlayout im Detail

Onkyo TX-RZ900 Innenleben2

 Kühlkörper, Elkos

So sitzt im Inneren ein großer Ringkerntransformator, der unter allen Bedingungen stets optimale Stromlieferfähigkeit garantiert. Große Elektrolyt-Kondensatoren (Elkos) sorgen für Reserven bei kurzzeitig auftretenden Stromspitzen, wenn man z.B. einen Film bereits mit hoher Grundlautstärke hört, aber dann kommt noch eine große Explosion hinzu. Onkyo setzt auf einen Hochstrom-Verstärkereinheit, der auch im Bassbereich extreme Leistungsreserven bereit hält. Wir haben später in den Hörtestreihen herausgefunden, dass dies auch absolut der Wahrheit entspricht. Die Verstärkung ohne Phasenverschiebung sorgt für ein authentisches Klangbild, typisch für Onkyo ist der Vector Linear Shaping Circuit (VLSC) für eine rauscharme Signalverarbeitung. Die parallele Gegentakt-Verstärkung mit dreistufiger invertierter Darlington-Schaltung auf den Frontkanälen stellt die Hochstromfähigkeit sicher. Sensationell sind die neuen 384 kHz/32-Bit D/A-Wandler von Asahi Kasei (AK4458). Der TX-RZ900 ist somit perfekt gerüstet für HiRes-Audiodateien in FLAC und DSD. DSD-Dateien werden aber auf der digitalen Ebene von DSD nach PCM konvertiert. Um DSD nativ zu verarbeiten, wäre ein sogenannter 1 Bit Delta/Sigma-Wandler notwendig. 

Onkyo TX-RZ900 Rueckseite Seitlich

TX-RZ900 von hinten. Bluetooth und WLAN sind an Bord

Onkyo TX-RZ900 Anschluesse Rueckseite3

HDMI 2.0 Terminals mit HDCP 2.2

Onkyo TX-RZ900 Anschluesse Rueckseite2

Kompletter Satz Pre-Outs, 2 Subwoofer-Ausgänge, hochwertige Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse

Onkyo TX-RZ900 Anschluesse Rueckseite1

 Links im Bild: Drei konventionelle optische und zwei koaxiale Digitaleingänge. Zone 2 und Zone 3 (rechts im Bild) Unterstützung

Onkyo setzt, das merken wir hier bereits, andere Schwerpunkte. Extrem hochwertiger innerer Aufbau mit Ringkerntrafo, aber nur sieben Endstufen trotz 1.799 EUR Kaufpreis, eine mutige Strategie. Hochwertige D/A-Wandler, die aber mit der kleinen Einschränkung leben müssen, dass Onkyo schon in bürgerlichen Preisklassen, nämlich im TX-NR646, 384 kHz/32-Bit DACs verbaut. Hier wäre eine gewisse Exklusivität für die größeren Modelle vielleicht sinnvoll gewesen. Vergleichen wir mit dem TX-NR3030, der über 11 Endstufen verfügt – jede aber nur 185 Watt stark und nicht wie beim TX-RZ900 200 Watt leistend. Der TX-RZ900 möchte die Klang-Maschine sein – der besitzt zwar natürlich sieben HDMI 2.0 Terminals mit HDCP 2.2 sowie zwei (nicht drei wie der TX-NR3030) HDMI-Ausgänge, aber keine interne Videosignalverarbeitung, die z.B. von 1.080p auf 2.160p hochscaliert. Auch das ist mutig, wo jeder 500 EUR-AVR mittlerweile eine Videosignalverarbeitung mitbringt. Onkyo scheint sich die Frage gestellt zu haben, ob in Anbetracht der Tatsache, dass viele bessere BD-Player und ganz besonders hochwertige UHD-TVs sehr gut skalieren und de-interlacen, dies der AV-Receiver auch noch zwingend können muss. Noch ein Detail: Dem TX-RZ900 fehlt auch MHL. 

Er verfügt wie andere Onkyo-Modelle auch über WLAN und Bluetooth. Er unterstützt AirPlay und natürlich Streaming von PC/NAS/Home Server via DLNA, tunein ist ebenso integriert wie Deezer und Spotify sowie Pandora. AUPEO! unterstützt der TX-RZ900 im Gegensatz zu anderen Onkyo AVRs nicht mehr. 

Onkyo hat ein vergleichsweise schlichtes OSD integriert – hier hätten wir uns mehr Hochwertigkeit und Modernität gewünscht.

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 1

Schlichtes Setup-Menü, hier die Sprachwahl

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 2

Ein Assistent hilft bei der Ersteinrichtung 

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 3

AccuEQ Room Calibration 

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 4

Kanal-Layout

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 5

Vorbereitungen vor der Einmessung

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 6

Anschluss der Quellen

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 7

Möglichkeit zur Überprüfung CEC-kompatibler Quellgeräte

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 8

Einstellung des Fernbedienungs-Modus

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 9

Einbinden des TX-RZ900 ins Netzwerk

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 10

 Per Kabel oder drahtlos

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 11

Nun ist der TX-RZ900 im Netzwerk

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 12

Setup

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 13

Manuelle Lautsprecher-Einstellparameter

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 14

Lautsprecher-Abstand

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 15

Eingebauter EQ, für jeden Kanal individuell justierbar

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 16

Klangeinstellungen

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 17

Firmware-Update

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 18

 Quick Setup direkt von der Fernbedienung aufrufbar

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 19

Netzwerk- und Multimedia-Menü

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 20

Wiedergabe von Internet Radio

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 21

PCs und Server im Netzwerk

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 22

 HiRes-Audiowiedergabe (FLAC 96/24)

Das Handling ist einfach, die mitgelieferte Fernbedienung von Funktionsweise und Layout her bekannt. 

Onkyo TX-RZ900 Fernbedienung

Fernbedienung

Dass Onkyo für den optisch so progressiv-coolen TX-RZ900 keine neue Fernbedienung mitliefert, stößt etwas auf Unverständnis. Hier wäre ein IR-Controller schick gewesen, der die Designmerkmale des Hauptgerätes gekonnt aufgreift. Suchen hätte man nicht lange müssen, denn Onkyo und Pioneer gehören schließlich jetzt zusammen, und die Pioneer-Remotes hätten vom Design her deutlich besser gepasst.  

Klang

Wir beginnen unsere Klang-Testreihen mit der „Lichtmond 3 – Days Of Eternity“ Blu-ray und starten direkt mit dem ersten Track in DTS-HD 5.1 durch: „Nightflight to Chronos 1“, gefolgt von „Nightflight to Chronos 2“ und „Feel the Spirit“ sowie „Wheel Of Time“. Wir machen es dem TX-RZ900 nicht leicht, denn wir betreiben die Nubert nuVero 140 an der Front (Center undn Rear: dreimal Nubert nuVero 70) ohne zusätzlichen Support eines aktiven Subwoofers. Das heißt, die Endstufen des TX-RZ900 müssen ganze Arbeit leisten, um hier eine standesgemäße Kraftentfaltung aufbieten zu können. Das gelingt vorzüglich. Der im Onkyo verbaute leistungsfähige Ringkerntransformator garantiert während der gesamten Zeit eine hohe Stromlieferfähigkeit.  Ist ein ultra-nachdrücklicher Bassimpuls einmal kurz zu hören, springen die groß dimensionierten Elektrolyt-Kondensatoren ein. Da der Onkyo ein analoger AV-Receiver ist, ist eine gewisse Erwärmung spürbar, diese ist aber vollkommen normale. Eine gute Abfuhr der Hitze ist auch dank des schwarz eloxierten Aluminiumkühlkörpers gegeben.

Onkyo TX-RZ900 Innenleben1

Garant für standesgemäße Stromlieferfähigkeit: Eingebauter Ringkerntransformator

Onkyo TX-RZ900 Innenleben4

 Managen kurzzeitige Stromspitzen, z.B. während einer Explosion, souverän: Große Elkos

Bei allen Tracks der Lichtmond-BD fällt eines auf – der TX-RZ900 macht deutlich mehr Atmosphäre als die 2014er Modelle. Er macht einfach richtig Spaß, ohne den Klang zu verbiegen. Er bietet eine extrem gute Grobdynamik und einen enorm leistungsfähigen Bassbereich. Die Reserven der Endstufen sind keinesfalls zu gering, um die Nubert nuVero 140 richtig gut anzutreiben. Gleichgültig, ob harte Bassimpulse oder Bässe im immensem Tiefgang – was besonders Leistung zehrt: Der TX-RZ900 mit seinen 200 Watt/Kanal (IEC, 6 Ohm, 1 kHz, 1 Kanal ausgesteuert) ist stets zur Stelle und bietet überdies eine beeindruckend weitläufige Räumlichkeit. Für enorme Präzision bei der Wiedergabe sind die sehr hochwertigen 384 kHz/32-Bit Audio-D/A-Konverter AK4458 verantwortlich. Sie bereiten das Signal exakt auf, so dass die analoge Wellenform durch die große Samplingfrequenz besonders gut getroffen wird. Die Stimmwiedergabe gelingt dem Onkyo ausgezeichnet, er schafft es, alle akustischen Anteile gekonnt nebeneinander darzustellen, aber gleichzeitig ermöglicht er eine hohe klangliche Gesamtharmonie. Er klingt weniger analytisch als der TX-NR3030, wirkt verbindlicher, aber gleichzeitig sogar noch kraftvoller. Er agiert unmittelbarer, macht das Spektakel fühlbarer für den Zuhörer. 

Mit „The Sun Always Shines On TV“ der norwegischen Pop-Titanen von a-ha machen wir weiter. Der Song ist auf der „Ending On A High Night“-BD, die das bislang letzte Konzert 2010 in Oslo in DTS-HD Master Audio enthält. Und auch hier spuckt der TX-RZ900 gekonnt „große Töne“: Er schafft gleich zu Beginn eine überragende Live-Atmosphäre, die Beifallsbekundungen des Publikums kommen raumfüllend heraus. Der Aufbau des Tracks kommt exzellent heraus, die Stimme des Sängers ebenfalls. Als dann das Lied richtig durchstartet, arbeitet der TX-RZ900 die Instrumente detailgetreu heraus, besonders die Klänge des Synthesizers wirken herausragend gestaffelt. Der AV-Receiver überzeugt ein weiteres Mal mit seiner ausgefeilten Dynamik, die zusammen mit der hohen Präzision ein in dieser Klasse praktisch ohne Abstriche gelungenes Gesamtpaket darstellt. Zwar hat der Onkyo trotz 1.799 EUR Kaufpreis nur sieben und keine neun Endstufen, diese sieben Endstufen haben es dafür in sich und untermauern ihr Bestreben, beste Pegelfestigkeit zu offerieren, auch bei diesem Stück wieder. Bei „Stay On These Roads“ begeistert uns der TX-RZ900 ein weiteres Mal – wie gut er die Emotionalität des Stücks herausarbeitet und wie akkurat er alle musikalischen Ebenen durchstrukturiert, ist wirklich bemerkenswert. Die Stimme von Morten Harket kommt sehr charismatisch heraus, der Zuhörer kann so vollkommen in der Musik versinken, der TX-RZ900 vermittelt ein überdurchschnittlich tiefes, klares und gleichzeitig angenehmes Klangerlebnis.

Weiter geht es mit „Black Symphony“ von Within Temptation & The Metropolitan Orchestra. Hier hören wir das zutiefst beeindruckende, weil mystisch-gewaltige Intro und den energiegeladenen ersten Song „Jillian“.Als Pegel stellen wir „75“ im Display des Onkyo ein und wir hören die DTS 96/24 5.1 Tonspur. Hervorragend arbeitet der Onkyo den Chor heraus. Hier stimmen die vokalen Konturen, und die gebotene Räumlichkeit ist ausgezeichnet. Der Onkyo stellt auch hier wieder reichlich Kraft zur Verfügung, in Kombination mit den nuVero 140, die bis tief hinunter in den Frequenzkeller spielen, wird hier kein aktiver Subwoofer vermisst, im Gegenteil. Viele Basslautsprecher haben nicht das Potential der großen Nubert-Box, wenn diese von einem kräftigen AV-Receiver angetrieben wird. Und es geht munter voran – der Onkyo kann, dazu ist er zu preisgünstig, natürlich nicht jede Nuance perfekt betonen. Wer erfahrener Hörer ist und darauf Wert legt, sollte sich nochmals in sehr viel höheren Preisklassen umschauen, wobei da bei Surround-AVRs die Luft dünn wird. Kaum ein Hersteller – außer z.B. Arcam – hat noch den Mut, echte Boliden anzubieten jenseits der 3.000 EUR. Für die meisten Hersteller lohnt sich dieses Geschäft schlichtweg nicht mehr. Für seine rund 1.800 EUR Kaufpreis zieht der Onkyo auf jeden Fall alle Register und entlädt ein fesselndes Szenario auf den Hörer, der sich der Faszination kaum entziehen kann. Nicht zu verleugnen ist natürlich, dass auch die nuVero 140 für dieses hervorragende Hörerlebnis verantwortlich ist. Die Streicher, die Pauke, das Becken, die Blasinstrumente – der Onkyo holt eine erstaunliche Detaillierung und Struktur aus dem Orchester. Man merkt förmlich den akustischen Spannungsbogen, den der Onkyo vorzüglich nachzeichnet. Als dann „Jillian“ richtig losgeht, beweist uns der TX-RZ900 wieder, dass er eine grandiose Dynamik entfalten kann. Er pusht den Song massiv und nachdrücklich, die Stimme von Sharon den Adel kommt überragend heraus. Die Macht, die der TX-RZ900 akustisch freisetzt, ist gigantisch.

Bei „Back In Your Head“, dritten Track der 2. Disc der Tiesto-BD „Elements Of Life“ Copenhagen, liefert der TX-RZ900 die nächste sensationelle Leistung ab. Straff, kraftvoll, satt – der Bass ist kaum zu zu verbessern. Er schafft viel Atmosphäre, auch auf den Surrounds, und arbeitet die Vocals überragend heraus. Kleine dynamische Differenzen setzt er hervorragend um. „He’s A Pirate“ von Klaus Badelt, hier im Mix von Tiesto, beweist uns, wozu der Onkyo fähig ist: Wir ziehen die Lautstärke auf „85“ laut Anzeige, über dem Referenz-Pegel für diesen Track. Der TX-RZ900 bleibt 100 % souverän und spielt selbst teurere AVRs schlichtweg an die Wand. Man muss bedenken: Er muss die nuVero 140 befeuern! Es gibt keinen aktiven Subwoofer! Aber die Hochleistungsendstufe kennt kein Erbarmen mit sensiblen Mitgliedern der Zuhörerschaft. Der Onkyo lässt über die nuVero 140 die Bässe in den Hörraum schießen, dass sich etwas empfindlichere Zeitgenossen besser in Sicherheit bringen sollte. Alle Arten von Bassimpulsen verarbeitet er exzellent, überdies fliegen die elektronischen Effekte mit Macht durch den Hörraum

Stereo-Klanggüte ist ein weiteres Thema, bei dem der TX-RZ900 neue Maßstäbe setzt: Bei „Dronning Fjellrose“ (192 kHz/24-Bit Flac) des Hoff Ensemble liefert er eine Detailtreue und eine Klarheit bei der vokalen Wiedergabe, die nur mit dem Wort „erstklassig“ zu umschreiben ist. Wir schalten den Onkyo in den Pure Audio-Modus und lauschen der Kraft, der Dynamik und der Detailtreue, die der TX-RZ900 bereitstellt. „Basil“ von Mark Knopfler liegt wiederum in 192 kHz/24-Bit vor. Und wie schön der Onkyo die akustische Gitarre herausarbeitet und wie tiefgründig Marks Stimme zum Zuhörer kommt, ist wahrhaftig begeisternd. Kaum ein anderer AV-Receiver dürfte im Stereo-Betrieb derzeit ein solch intensives Charisma bieten. Der Aufbau des Stücks ist jederzeit deutlich zu erkennen, die Impulstreue liegt sehr hoch. Das Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr 4. in D-Dur, KV218, beweist uns, wie gut der TX-RZ900 mit Klassik zurecht kommt. Klar und fein strukturiert tritt die Violine auf, die Soli erscheinen sehr sensibel und sind ausgezeichnet bezüglich der Räumlichkeit. Der schwierige Hochtonbereich zeigt strahlende Finesse, wirkt aber gleichzeitig nie schrill oder aggressiv. Setzt das komplette Orchester ein, bringt der Onkyo erneut seine hervorragende Dynamik ins Spiel. „Nur“ in 48/24 liegt „Desperado“ von Diana Kralls Album „Wallflower Deluxe“ vor. Wie gut der TX-RZ900 hier die Stimme vom Lautsprecher löst, ist herausragend. Auch die Temperatur des Pianos trifft er exakt. Die Anschlagdynamik der Tasten ist genau herauszuhören. 

Wir fahren nun mit „Stirb Langsam 4.0“ fort und lauschen diesem Film gleich von Beginn an in DTS-HD Master Audio 5.1. Abgrundtiefe, satte Bassschläge, Tippen auf der PC-Tastatur und der Spannung erzeugende Music Score sind hier die herausstechenden akustischen Ereignisse, die der Onkyo sehr gelungen vorträgt. Dass er dynamisch eine Wucht ist, verdeutlicht er hier ein weiteres Mal. Die Stimmen arbeitet er fließend ins akustische Gesamtgeschehen ein. Kurz darauf wechselt das Geschehen, und im Haus des Hackers kommt es zu einer gewaltigen Explosion. Diese wird in Verbindung mit den nuVero 140 zu einem echten Erlebnis und klingt besser als in vielen durchschnittlichen Kinosälen. Der Onkyo schafft es auch hier, wie schon beim Within Temptation Konzert, einen glaubwürdigen Spannungsbogen zu erzeugen. Im 6. Kapitel nehmen Gabriels Killer die Wohnung des Hackers Matthew Farrell unter massiven Beschuss. Wie gut, dass Cop John McLane gerade zu Besuch ist. Er erteilt den Killern eine Lektion nach Art des Hauses, und es wird nicht mit Explosivem gespart. Immer wieder gern genommen, um die Durchsetzungskraft von Komponenten zu durchleuchten, ist die Explosion des Feuerlöschers im Treppenhaus. Kurz darauf bläst es einen der Killer durch die Fensterscheibe. Sowohl das Zerbersten der Scheibe als auch die Explosion selbst gibt der TX-RZ900 überaus gekonnt wieder. Auch die Schusswechsel werden nachdrücklich präsentiert. Die Salven aus den Automatikwaffen ebenso wie die einzelnen Schüsse aus der Waffe des Cops. Den Music Score vergisst der Onkyo bei allem Spektakel nie – er wirkt atmosphärisch dicht und geschlossen. Der Onkyo beweist in allen Action-Szenen, dass seine Endstufen stets über genug Reserven verfügen, um bei Lautstärken Heimkino-Flair zu bieten, die andere Mitwettbewerber zwar auch erreichen können, aber nicht mit einer solchen Gelassenheit. Zudem schafft es der Onkyo, auch bei wirklich hohem Pegel Details immer noch zu berücksichtigen und dynamische Differenzen akustisch korrekt abzubilden. 

Fazit

Onkyo TX-RZ900 Front Seitlich2

Mutig, Onkyo: Schon optisch tritt der TX-RZ900 völlig anders auf und vermittelt nicht zuletzt durch die immense Höhe echtes Boliden-Flair alter Tage, das wir schon beinahe vergessen hatten. Die dicke Alufront weckt Vertrauen, der innere Aufbau ist überragend, die Baugruppen sind erstklassig. Es finden sich nur sieben Endstufen, aber dafür üppig Leistung und ein großer Ringkerntransformator. Akustisch bricht der TX-RZ900 alle Rekorde: Er geht wie die Hölle und klingt extrem gut Authentisch,, sehr dynamisch, angenehm und überaus kraftvoll. Seine Endstufen haben auch im Praxisbetrieb Reserven, die man von manchem Gerät der 3.000 EUR-Preisklasse nicht kennt. Video-Signalverarbeitung bringt der TX-RZ900 dafür nicht mit, bei den On Screen-Menüs hätten wir uns etwas mehr High-Tech-Flair gewünscht. Insgesamt ist der Onkyo TX-RZ900 eine klare Ansage: Mehr Klang und Qualität beim Aufbau geht nicht. Kein uns bekannter Konkurrent kann dem Onkyo derzeit aus akustischer Sicht das Wasser reichen, er TX-RZ900 spielt die Konkurrenz schlichtweg an die Wand. Dass dafür die Ausstattung schmäler ausfällt, ist unserer Meinung nach ein guter Tausch.

Neuer japanischer Klangmeister: Onkyos TX-RZ900 spielt die Konkurrenz an die Wand und setzt akustisch neue Maßstäbe
referenz
Gesamtreferenz AV-Receiver Oberklasse
Test 25. August 2015

+ Klangqualität setzt neue Maßstäbe
+ Pegelfestigkeit ist neue Messlatte
+ Treibt große und extrem leistungsstarke Frontboxen auch ohne Sub an
+ Extrem hochwertiger innerer und äußerer Aufbau
+ Vorbereitet für dts:X
+ HDMI 2.0 plus HDCP 2.2

– Kein Videoprocessing
– OSDs sehr schlicht

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 25. August 2015




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