TEST: KEF LS50 Wireless – Aktiv auf die Pole-Position?

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Mittlerweile ist es schon über drei Jahre her, dass KEF unsere Ansprüche an kompakten Regallautsprechern auf den Kopf gestellt hat. „Maximale Performance, aufwändige Konstruktion, tolle Optik und hervorragende Verarbeitung[…]“ haben wir den Ausnahme-Lautsprecher LS50 zum Paarpreis von nahezu lächerlichen 1.000 Euro damals betitelt. Mittlerweile gibt es mit der LS50 Wireless eine aktive Variante der Schallwandler: Äußerlich und von der komplexen Elektronik abgesehen entspricht die LS50 Wireless exakt dem passiven Modell. Beste Voraussetzungen also, und natürlich legt KEF mit hochwertigen Komponenten nach: Durchgängiger 192 kHz/24-Bit Signalpfad, ein dedizierter DAC pro Kanal, ein Streaming-Vorverstärker und eine 230-Watt-x2-Verstärkung in einer doppelverstärkten Dual-Mono-Konfiguration. Die perfekte werkseitige Abstimmung der gesamten Kombination machen laut Hersteller den nicht unerheblichen Mehrpreis aus, denn für das Pärchen werden 2.299 Euro fällig.

Die LS 50 Wireless kommt in drei Farbvarianten daher, die im Gegensatz zur passiven Box anders kombiniert werden. Unser Modell ist weiß gehalten, die Membranfläche – wie bei der schwarzen Version der passiven LS 50 – in Copper. Bei „Titanium Red“ ist die Membran Rot und das Gehäuse Titangrau, außerdem gibt es mit „Black Blue“ eine schwarze Lackierung mit blauem Treiber. Der Preis der unterschiedlichen Farbvarianten ist identisch.

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KEF Uni-Q Treiber

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Detailaufnahme des Hochtöners

Die Plattform haben die LS50 Wireless komplett von der LS50 geerbt. Auch das Drahtlos-Modell kommt mit der präzisionsgefertigten geschwungenen Schallwand im verbundversteiften Gehäuse daher. In der elliptisch flexiblen Schallöffnung sitzt der bewährte Uni-Q Treiber mit 25mm Hochtöner, der als Aluminium-Kalotte ausgeführt ist, und der 130mm Tiefmitteltöner mit Magnesium/Aluminium-Legierung.

Durch die verbaute Elektronik ergeben sich natürlich auch neue Eingriffsmöglichkeiten, so spielt das Wireless-Modell mit der stärkeren Basserweiterung auf bis zu 40 Hz (- 6 dB) hinunter, in der Standard-Einstellung immer noch bis auf 43 Hz. Bei abschließenden 47 kHz im Hochtonbereich stellt sich die Frage nach der HiRes-Kompatibilität nicht, die ist zweifellos gegeben.

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Verschiedene Parameter können mit der iOS/Android-Applikation eingestellt werden

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Raumbeschaffenheit, Raumgröße und Wandabstand einstellen

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Experteneinstellungen

Die DSP-Frequenzweiche hat nicht nur im Bassbereich ausgeklügelte Optimierungen in petto. Dank einer ausgefeilten Zeitkorrektur soll ein präziser Klang im weitläufigen Sweet Spot-Bereich des Uni-Q Treibers stets gegeben sein. Diese Möglichkeiten ergeben sich durch den durchgängigen digitalen Signalpfad vom Eingang bis hin zu den Verstärkern. Die Bandbreite an Daten wird durch ein Cat 6 Verbindungskabel und RJ45-Schnittstellen realisiert.

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Anschlüsse

Bezüglich der Anschlussmöglichkeiten präsentiert sich die LS50 Wireless flexibel. Zunächst einmal können natürlich verschiedene Geräte über den analogen AUX-Eingang angeschlossen werden. Sinnvoll ist aber natürlich die digitale Verbindung: Kabelgebunden kann diese entweder per TOSLINK optisch (bis maximal 96 kHz) oder per USB Typ B (maximal 192 kHz/24-Bit) erfolgen – hier kann man direkt ein Notebook oder einen PC anschließen und die schwache Hardware im Rechner umgehen.

Im Namen der Komponenten steckt aber schon Wireless und somit ist die drahtlose Datenübertragung zu den Lautsprechern natürlich im Fokus. Die KEF-Lautsprecher haben sowohl Bluetooth als auch WLAN an Bord. Bluetooth kommt in der Version 4.0 zum Einsatz und unterstützt, dem audiophilen Anspruch der Lautsprecher entsprechend, aptX. Bei WiFi kommt, damit es bezüglich der Bandbreite nicht zu Engpässen kommt, 2,4 und 5 GHz Dual-Band zum Einsatz. Auch bei der drahtlosen Wiedergabe von PC und NAS werden Abtastraten von bis zu 192 kHz unterstützt.

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Rückseite

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Bassreflexöffnung

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Rückseite des linken Lautsprechers

Flexibilität beweisen die Komponenten auch bei der Aufstellung, denn mittels integriertem EQ werden die Lautsprecher auf den jeweiligen Aufstellungs- bzw. Montage-Ort hervorragend angepasst. Vier verschiedene Szenarien sieht der integrierte EQ vor. Zunächst legt man fest, ob die Lautsprecher auf einem Schreibtisch bzw. Sideboard oder auf einem Ständer platziert werden und danach kann man zwischen freier Aufstellung und einer Platzierung nahe der Wand wählen. Das ist sinnvoll, da die LS50 Wireless eine Bassreflexöffnung nach hinten haben und eine wandnahe Aufstellung dabei immer recht problematisch ist. Der EQ greift hier sauber und sinnvoll ein und ermöglicht eine sehr nahe Aufstellung an der Wand, beinahe ohne Einbußen.

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KEF LS50 Wireless App

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Schritt für Schritt wird das Setup durchgeführt

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Anschluss an das Stromnetz

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Blinkt das WiFi-Logo abwechselnd rot und weiß?

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Direkte Verbindung mit den Lautsprechern (nur für das Setup)

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Hier wählt man das heimische WLAN-Netzwerk aus und übermittelst das Passwort an die Lautsprecher

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Die Lautsprecher benennen

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Erfolgreiche Installation

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Übersicht der App

Gesteuert werden kann das Ganze dann entweder mit der Fernbedienung, teilweise an den Lautsprechern selbst oder einer speziell für die LS50 Wireless entwickelten App, die für Android und iOS-Geräte verfügbar ist. Die App namens „KEF LS50 Wireless“ ist kostenlos erhältlich. Nach dem Start sollte man der App Zugriff auf die eigene Musikbibliothek ermöglichen, danach hilft die Applikation zunächst beim Setup der Lautsprecher. Nach der Verbindung des linken und rechten Lautsprechers per Netzwerkkabel werden beide an das Stromnetz angeschlossen und aktiviert. Jetzt sollte das WiFi-Symbol abwechselnd rot und weiß blinken – ist dies nicht der Fall, drückt man den Reset-Button an der Rückseite für drei Sekunden. Die App gibt schrittweise Anweisungen und erteilt auch Hinweise, wenn die Lautsprecher anders reagieren, als erwartet. Im nächsten Schritt verbindet man sich in den Einstellungen des Smartphones bzw. Tablets mit einem WLAN, dass von den KEF Lautsprechern aufgebaut wird. Jetzt kann man sein eigenes WLAN-Netzwerk auswählen, das Passwort eingeben und nach einem Reboot der Schallwandler sollten sich diese dann auch mit dem eigenen Netzwerk verbinden. Bei uns war dies kein Problem und die Einrichtung war binnen weniger Minuten abgeschlossen.

Wichtig: Die App ist leider nur auf Englisch verfügbar.

KEF-LS50-Wireless-Verarbeitung

Übergang von der Schallwand zum Gehäuse

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Bedienelemente

Die Verarbeitungsqualität der KEF LS50 Wireless ist auf tadellos hohem Niveau. Die Schallwand unserer Weiß/Bronze-Kombination ist matt und weist eine leicht angerauhte Oberfläche auf. Das übrige Gehäuse, dass von oben bis unten wie aus einem Guss wirkt, ist hochglänzend lackiert. Die Lackierung macht einen tief sitzenden Eindruck und scheint auch nicht übermäßig empfindlich zu sein. Natürlich muss man bei der weißen Variante etwas pedantischer beim Staubwischen sein, da kleine Fussel und Härchen sehr schnell sichtbar sind. Der UNI-Q Treiber, und das ist kein Unterschied zur passiven Box, ist ohne sichtbare Schrauben sauber integriert. Wer es genau nehmen möchte, kann bei unserem linken Lautsprecher eine höhere Passgenauigkeit feststellen, der obere Ring geht beinahe nahtlos in die Schallwand über, während am rechten ein nicht ganz nahtloser Übergang spürbar ist. Insgesamt hat der Hersteller sich hier aber nichts vorzuwerfen, die Materialübergänge sind mehrheitlich plan und auch das sichtbare Spaltmaß gleichmäßig. Die Anzeige für die Bedienelemente, die einen Power-Button, Quellenwahl, Bluetooth-Direktzugriff und Lautstärkeregler beinhaltet, ist minimal nach innen versetzt. An der Rückseite ist ein passiver Kühlkörper für solides Temperaturmanagement zuständig, darin ist auch die ovale Bassreflexöffnung beheimatet. Darunter findet man die EQ-Einstellungen für den Aufstellungsort sowie sämtliche Anschlüsse.

KEF-LS50-Wireless-Fernbedienung

Fernbedienung

Schick ist auch die kompakte Fernbedienung, die ebenfalls die geschwungene Formensprache der Schallwand und der elliptischen Schallöffnung in eleganter Weise aufnimmt. Die Fernbedienung liegt gut in der Hand und wirkt nicht überladen. Neben Eingangswahl und Pegel kann man die Lautsprecher stumm schalten, ein Lied vor/zurück springen und natürlich die Boxen an- und ausschalten. Die Bedienung geht insgesamt problemlos von der Hand, nur bei der Pegel-Einstellung lassen sich die LS50 Wireless ein wenig zu viel Zeit, bis sie reagieren.

Klang & Praxiseindrücke

Jetzt wollen wir aber endlich etwas hören! Bevor wir aber die App starten und uns hochauflösendes Material in jeglicher Form gönnen, nutzen wir zunächst einmal die Spotify Connect Funktion. Die Lautsprecher werden als verfügbares Gerät angezeigt und sind nach einem kurzen Anklicken spielbereit:

Mit „You Want It Darker“ von Paul Kalkbrenner, eine elektronische Neuinterpretation des Titels von Leonard Cohen dürfen sich die LS50 Wireless an einem unserer aktuellen Favoriten dieses Genres versuchen und begeistern sofort mit einer unglaublich räumlichen Präsentation und sehr atmosphärischen Klangkulisse. Natürlich sind wir von den Tieftonqualitäten dieses überaus kompakten Lautsprechers wieder besonders überrascht. Hier muss sich manch Standlautsprecher, trotz deutlich voluminöseren Gehäuse-Abmessungen, absolut warm anziehen. Die LS50 Wireless steht unglaublich souverän da und beschallt auch größere Wohnzimmer, ohne angestrengt zu wirken. Natürlich fordert der satte Bass des Berliner Djs und Produzenten die beiden KEF Lautsprecher bei hohem Pegel extrem. Das merkt man, und das ist erstaunlich, den kleinen Briten schlichtweg nicht an. Präzise, schnell und mit nachdrücklichem Punch schleudern sie uns die Bass-Spur entgegen und liefert dabei gleichzeitig einen immer noch absolut ausgewogenen Gesamteindruck ab. Mitten und Höhen wirken sehr clean, strukturiert und werden auch mit feindynamischen Charakteristika versehen. Natürlich holt man aus wuchtigen Floorstandern noch mehr Tiefgang und Volumen heraus, dennoch liefern die LS50 Wireless für ihre Größer hier eine Ausnahme-Leistung ab. Die klare Struktur und der hohe Präzisionseindruck verwundert uns nicht, als wir uns den Lautsprecher während der brachialen Bass-Orgie genauer ansehen. Es sind kaum Vibrationen am Gehäuse zu spüren, das erfordert ein Maximum an Konstruktionsaufwand. Bereits die passiven LS50 waren in dieser Beziehung exzellent. Allerdings sollte man, und das ist bei einem Wirkungsgrad von 85 dB nicht weiter verwunderlich, schon einen entsprechenden Verstärker bzw. Receiver ab der Mittelklasse mit ordenlich Leistung kombinieren. Bei der LS50 Wireless muss man sich diesbezüglich nicht sorgen: Insgesamt 230 Watt Leistung wurde spendiert. Allein 200 Watt sind für den Tiefmittelton reserviert, die übrigen 30 für den Hochtöner.

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Spotify Connect

Trotz der geringen Bandbreite, die uns über Spotify zur Verfügung steht, sind wir absolut begeistert. Daher schieben wir direkt noch einen etwas anspruchsvolleren Track nach und lassen Mines „Anker“ zum Zug kommen. Diesmal nehmen wir aber von der Signalqualität noch etwas mehr weg und spielen den KEF-Lautsprechern ein Youtube-Video zu. Das bietet sich an, da die Baden-Württembergerin Aufnahmen aus dem Berliner Konzert, dass von einem Orchester begleitet wurde, kürzlich online stellte. Außerdem wollen wir wissen, wie die Lautsprecher mit mäßigem Grundmaterial zurecht kommt. Dazu schließen wir die KEF Lautsprecher an unser Notebook an. Wer einen Mac sein Eigen nennt, benötigt keine zusätzlichen Treiber. Anders sieht es aber bei Windows aus, hier hält KEF auf der FAQ-Webseite der LS50 Wireless einen Link zum Treiber bereit: http://www.kef.com/uploads/files/en/KEF_USB_Audio_Driver.zip

Den Eingang müssen wir übrigens entweder direkt am Lautsprecher oder mit der KEF Fernbedienung anwählen. Die LS50 Wireless App dient nämlich der komfortablen Zuspielung von NAS und Media-Server, eine konkrete Steuerung inklusive Eingangswahl gibt es jedoch nicht. Außerdem: Wem der Zugriff auf die Bibliothek bzw. die Möglichkeiten der KEF LS50 Wireless App nicht ausreichend sind, wird sich über die Unterstützung von Roon freuen. Hier werden sämtliche Quellmöglichkeiten in einer Umgebung vereint, zudem verfügt Roon über intelligente Filtermaßnahmen und Suchpräferenzen und kann als überaus hiflreiche Steuerungsapplikation gelten.

Die Installation des Treibers bereitet erfreulicherweise keine Probleme, wir folgen schlichtweg den Hinweisen und warten ein paar Sekunden, bis die Installation abgeschlossen ist. Danach wird ein Neustart empfohlen, die Lautsprecher funktionieren aber bereits. Mit einem Rechtsklick auf den Lautsprecher rechts unten in der Taskleiste sind sie als LS50 Wireless Speaker sichtbar und können „als Standardgerät“ aktiviert werden. Doch jetzt zum Konzertauftritt von Jasmin Stocker: Sicher, die Unzulänglichkeiten des Quellmaterials sind zweifellos herauszuhören, dennoch bauen die Lautsprecher eine enorm breite Bühne mit solider Struktur auf und betten die sensationelle Stimme der jungen Dame exzellent ein. Die Stimmwiedergabe hätten wir anhand des Materials nicht so solide erwartet, hier sind feindynamische Charakteristika ebenso wie eindrückliche Facetten sauber erkennbar. Untenrum fehlt es etwas an Punch, aber das sollte Youtube-Hörern bekannt vorkommen. Auch die Stimmen des Background-Chores kommen gut heraus und sind gut differenziert. Die Instrumentaltrennung gelingt hervorragend, die lokale Ortung gefällt trotz des schlechten Ausgangssignals.

Was uns bei der Zuspielung vom PC aus aufgefallen ist und wir in dem Umfang dann bei der Wireless-Zuspielung nicht feststellen konnten, ist eine Pegel-Limitierung seitens der Lautsprecher. Ab einer gewissen Lautstärke stoppen die LS50 Wireless, wenn sie das Signal per USB erhalten, die Wiedergabe. Erst als wir den Pegel etwas zurück genommen haben, gelang das Abspielen wieder problemlos und ohne Unterbrechungen. Warum dies auftritt, können wir uns nicht ohne Weiteres erklären. Zumal die Lautsprecher immer noch recht laut aufspielen, aber den Pegel, der im Wireless-Betrieb möglich ist, erreichen sie nicht. Da wir schon bei Kritik sind: Etwas unpraktisch ist auch, dass die LS50 Wireless nicht automatisch wieder auf den Wireless-Eingang wechseln, wenn man z.B. nach einer Hör-Session via USB wieder etwas von Spotify wiedergeben möchte. Die Boxen erscheinen zwar unter den verfügbaren Geräten bei Spotify Connect, dennoch muss der Eingang mit der Fernbedienung oder am Gerät selbst manuell geändert werden.

Die Bluetooth-Verbindung erfolgt problemlos. Nach der Auswahl des Bluetooth-Eingangs an den KEF Speakern werden sie automatisch in den sichtbaren Modus versetzt und erscheinen an unserem iPhone als „KEF LS50 Wireless“. Ein kurzer akustischer Signalton gibt über die erfolgreiche Kopplung der Komponenten Auskunft. Verbindungsprobleme oder Aussetzer konnten wir, hier auch völlig unabhängig des Pegels, während der Testphase nicht feststellen.

Von konventioneller CD geben wir den Truckfighters eine Chance, sich auf den LS50 Wireless zu präsentieren. Unheimlich fett wirkt der Sound. Klar, nach der bisherigen guten Performance haben wir nicht erwartet, dass sich die KEF Lautsprecher Blöße geben müssen, dennoch hätten wir das in dieser Form aus dem kompakten Regallautsprecher nicht erwartet. Absolut satt, dicht und mit einer sensationellen Ausgewogenheit wird der verzerrte und schlagkräftige Sound der schwedischen Stoner-Rock-Experten präsentiert. Eine lückenlose, breite Bühne und die räumlich dichte Darstellung kann Freunde des Trios aus Örebro ausschließlich begeistern. Blitzschnell agiert der Uni-Q Treiber und muss dabei der hohen Geschwindigkeit kaum Tribut zollen, der Sound bleibt präzise und knackig. Die rauhe Stimme des Frontmanns bleibt dabei stets sauber, das gesamte, sehr komplexe Geschehen wirkt nie schwammig und immer balanciert. Auch die einzelnen Instrumente können im Raum hervorragend zugeordnet werden.

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Zugriff auf einen DLNA-Server

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Hochauflösendes Material ist markiert

Hochauflösendes Audio-Material spielen wir von einem DLNA-Server zu. Ob NAS-System oder dedizierter Server, hier sollte es keine Probleme geben. Sowohl unser Twonky Media Server als auch die JRiver-Variante wird problemlos erkannt, die darauf befindlichen Dateien werden von der KEF App flink katagolisiert und die Navigation erfolgt ohne feststellbare Verzögerung. Praktisch: bei hochauflösendem Material wird der kleine Tag „Hi-Res“ in der App angezeigt.

Deep Purple erfreut uns mit einer Live-Ausnahme aus Osaka von „Child in Time“. Material mit 96 kHz/24-Bit wird hier an die KEF Lautsprecher gesendet – und es ist eine wahre Pracht. Der langsame Beginn begeistert mit einer sehr authentischen Wiedergabe der leicht gedämpften Stimme und einer sehr breiten und weitläufigen Bühne. Untenrum wird ein enorm voluminöser und massiver Tieftonbereich realisiert, nicht zu viel, aber unglaublich kraftvoll aus den kompakten Komponenten. Brilliante Schärfe erwartet uns, als der Sänger komplett ausrastet und seinen Schrei ins Publikum tönt, das komplexe Hintergrundgeschehen wird dabei genauso kristallklar wiedergegeben und bietet das perfekte Podest für die zentrale Stimme. Selbst bei brachialem Pegel bleiben die LS50 Wireless absolut souverän und spielen unheimlich feindynamisch und präzise. Der typische Hammond-Orgel Sound und die Kombination mit den verzerrten Gitarren gelingt hervorragend, die Differenzierung ist trotz der hohen Geschwindigkeit zu keinem Zeitpunkt ein Problem. Die KEF LS50 Wireless wecken Emotionen, das ist keine Frage. Hier geht es schwungvoll, extrem flott und trotzdem mit hoher Präzision zugange. Der Tiefgang ist dabei ebenso beeindruckend wie die dichte Klangatmosphäre in allen Frequenzbereichen, die der Hersteller mit einem solchen Gehäusevolumen möglich macht.  Die tadellose Ausgewogenheit spielt dabei eine große Rolle, der Zuhörer wird in die erste Reihe des Konzertes versetzt und kann von der gebotenen Performance nur begeistert sein.

Wer natürlich abgrundtiefste Bässe möchte, die wie bei „The Mark“ von Simon Viklund wortwörtlich bis aufs Mark gehen, der kommt selbstverständlich nicht um größere Standlautsprecher mit deutlich mehr Gehäusevolumen nicht umhin. Bass-Fanatiker, die den Schlag in die Magengrube benötigen, sind damit nicht vollends zufrieden zu stellen. Dennoch können wir, ohne die Mine zu verziehen, behaupten, dass wir keine derart kompakte Box (außer der passiven LS50) kennen, die so tief hinunter, so nachdrücklich und kraftvoll und dabei noch so präzise, aufspielt. Die verzerrten Sounds gegen Ende des Tracks werden klar und hart an den Zuhörer getragen, auch hier wird eine dichte Atmosphäre mit klaren Strukturen geboten. Trotz des hohen technologischen Aufwands wirkt dies bei den LS50 Wireless immer absolut mühelos. Die Box schiebt den Kickbass des Videospiel-Vertoners so erbarmungslos nach vorne – wer die Box nicht gleichzeitig gesehen und gehört hat, der glaubt es nicht.

Mit Diana Kralls „Stop this World“ wird es zwar etwas ruhiger, aber nicht weniger gut und schon gar nicht weniger charismatisch. Die Stimme der Jazzpianistin wird mit erstaunlicher Natürlichkeit und feindynamischen Akzenten wiedergegeben. Ebenso verhält es sich beim Klavier, das warme Timbre begeistert selbst anspruchsvollste Hörer und der dezente Eingriff der Percussion-Elemente überzeugt dann den letzten Zweifler. Erneut kann man nur staunen, wenn das Schlagzeug die Bassdrum einsetzt, da vibriert schon mal das drei Meter entfernt stehende Sofa. Dennoch ist der wirkliche Kern hier die exzellente Vokalstimme, bei der selbst kleine Feinheiten, wie z.B. die Nähe zum Mikrofon, herausgearbeitet und wahr genommen werden können.

Fazit

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Bei der Masse an Komponenten, die wöchentlich unsere Testparcours durchlaufen, ist ein leichtes Abstumpfen, selbst gegenüber sehr hochwertigen Komponenten, unvermeidbar. Ab und an schafft es aber ein Produkt, die ursprünglichen Emotionen wieder vollends aufleben zu lassen. Und ein solches Produkt sind die KEF LS50 Wireless zweifellos. Absolut klar, sauber und präzise, selbst bei großer Komplexität souverän und pegelfest bis ans Limit  spielen in dieser Klasse nur wenige Komponenten. Und dabei kombinieren die LS50 Wireless dies noch mit geradezu lächerlich kompakten Gehäuse-Dimensionen – schlichtweg exquisit. Sicher gibt es immer noch ein wenig Verbesserungspotential, das liegt aber hauptsächlich im Bereich der Peripherie bzw. Software, wie wir oben beschrieben haben. Zudem geht es hier um Kleinigkeiten, die vermutlich mit dem ein oder anderen Firmware-Update behoben werden können. Akustisch wird es allerdings überaus schwer werden, noch weiter zu optimieren. Ebenfalls muss man erwähnen, dass der Aufpreis für die aktive Variante nicht gerade gering ist, aber man muss schon gutes Geld für einen Verstärker in die Hand nehmen, wenn man diese Performance aus den passiven LS50 herausholen möchte. Und dazu gibt es ja neben der komfortablen Wireless-Funktionen mit Bluetooth, optischem Eingang und USB-DAC auch noch Möglichkeiten, die Lautsprecher optimal auf den Raum und dem individuellen Geschmack anzupassen. Wer kaum Platz hat oder sein schickes Wohnzimmer nicht mit Standlautsprechern besetzen möchte, gleichzeitig aber sehr hohe Ansprüche an eine exzellente Stereo-Wiedergabe anlegt, kommt an den KEF LS50 Wireless trotz des gesalzenen Preises nicht vorbei.

Universaltalent mit flexiblen Features und Anpassungsmöglichkeiten – Akustisch in Klasse und Größe ohne Gegner
referenz
02.01.2018

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Screenshots: Philipp Kind
Datum: 02.01.2018




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