TEST: JBL Authentics L16 – DLNA/AirPlay/Bluetooth-Lautsprecher mit 300 Watt

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Da geht was: JBL möchte der Konkurrenz mit dem gigantischen Wireless-Lautsprecher Authentics L16 die „Rücklichter“ zeigen – zum Preis von 999 EUR

Das Gerät

Neulich musste der Autor lächeln. Auf Facebook kam von einem Freund aus der Freudesliste der Kommentar, dass Bluetooth-Lautsprecher am besten klingen, wenn man sie vor dem Musikgenuss durch richtige Boxen ersetzt. Bilder klassischer Feinde des weiblichen Geschlechts wurden dann gepostet, die riesige, optisch ungelenke, aber klanglich sicher gewaltige Installationen zeigten. Auch wenn manches Männerherz höher schlägt – bei vielen macht sich auch unkontrolliertes Grauen breit. Was also tun? BT-Box mit schicker Optik und unbefriedigendem Klang oder aber Boxenmonster mit Top-Sound und Bauklotz-Design? Sicherlich ist dieser Vergleich – bewusst – hoffnungslos überzogen. Der Autor weiß durchaus, dass es wunderschöne, wohlklingende Standlautsprecher gibt. Aber Gefallen findet er trotzdem an der Vorstellung, und noch schöner ist es, dass JBL mit dem Authentics L16 den konsequenten Gegenbeweis antritt. Das optisch toll gestaltete Riesen-Teil schickt sich an,  manche klassische Stereo-Anlage einfach zu überholen – wie geht das?

JBL Authentics L16_neu DLNA_PC

DLNA-Streaming vom Windows-PC

Zum einen ist JBLs „Wireless-Imperator“ kein Samstagnachmittags-Schnäppchen, das man einfach mal so mitnimmt oder bestellt. Mit satten 999 EUR Kaufpreis will es wohl überlegt sein, ob man hier zuschlägt. Für den nicht eben niedrigen Geldbetrag möchte JBL aber auch etwas bieten, was man in dieser Form sonst kaum finden dürfte.

JBL Authentics L16_neu Android_DLNA  

DLNA-Streaming vom Android-Smartphone (LG G3)

JBL Authentics L16_neu AirPlay

Apple AirPlay auf dem iPhone 5S

In seinem Kern ist der L16 ein flexibler Wireless-Lautsprecher für den Netzbetrieb, der alles kann: Bluetooth, DLNA-Wiedergabe von Musik direkt über den entsprechenden Mediaplayer auf dem Windows-PC/Notebook beziehungsweise vom Android Smartphone, AirPlay für Apple-Devices und PCs mit iTunes, eine App (JBL Music) für Android- und iOS Mobile Devices, sogar ein Phonoeingang fehlt nicht – Wahnsinn. Natürlich ist die WLAN-Verbindung dank WPS schon in einer Minute am Start, wer am Eingangswahlknopf links bis zum Bluetooth-Symbol vorrückt und dann den Button anstatt kurz lang drückt, hat den L16 rasch im Kopplungsmodus und nach nicht einmal einer Minute kann es auch mit BT losgehen. Hat das Smartphone NFC, geht alles nochmal flotter, denn natürlich trumpft JBLs Bolide auf mit diesem Feature auf. Also alles easy, alles gut – wirklich? Diese Verbindungs-Flexibilität bieten nicht einmal halb so teure Alternativen auf. Also Euphorie-Modus aus, Kritischer Modus an. Was also rechtfertigt den hohen Preis?

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Schick: Beleuchteter Lautstärkeregler

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Im gleichen Design, aber nicht erhaben und nicht zum Drehen. Funktion hat beim Quellwahlregler nur der Knopf in der Mitte

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Ohne LS-Gitter

JBL Authentics L16 Bassreflexrohr

Detail der Unterseite

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Rückseite

Die Verarbeitung? Teilweise. Das schwarze Lautsprecher-Chassis-Schutzgitter im Styropor-/Absorber-Design dürfte nicht jedem gefallen. Also möchte es mancher lieber abnehmen, was natürlich geht. Manch einer dürfte aber auch Gefallen am ausgefallen Design finden. Das Gehäuse in Holzoptik sieht schlichtweg super aus. Edel, zeitlos, hochwertig, aber nicht altbacken. Ein Volltreffer unserer Meinung nach.

JBL Authentics L16 Fach Oberseite

Klappe oben entfernt nach leichtem Druck 

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AUX-In, WPS-Button (für Verbindung mit WPS-fähigem Router)

JBL Authentics L16 Fach Anschluesse

2 x USB

Oben unter einer soliden Abdeckung ebenfalls in identischer Optik sind zwei USB-Terminals (eines ist fürs Aufladen eines Tablets und der andere fürs Aufladen eines Smartphones zuständig), WPS-Button, und ein 3,5 mm Miniklinkenanschluss für die Verbindungsaufnahme analoger älterer portabler Devices. Hinten unten findet der, der noch mehr Anschlüsse vermisst, vielleicht das passende: Phono-Eingang und optischer Digitaleingang verbergen sich noch zusammen mit Erdung und Netzschalter sowie dem Power Cord-Anschluss für einen dreipoligen Kaltgerätestecker. 

JBL Authentics L16 Anschluesse Unterseite

 Phono, optischer Digitaleingang, Netzschalter, Erdung, Netzkabelanschluss

Nun, auch das nun Festgestellte lässt den Preis noch nicht im besten Licht dastehen. Wie geht es weiter mit der Suche nach Rechtfertigung? Antwort: Mit krassen Argumenten seitens JBL.  300 Watt Leistung, und nicht als „Maximalleistung“ getreu dem Motto 300 Watt Maximal und 30 Watt RMS – nein, 300 Watt RMS (!!!) Leistung. Nun beginnen wir zu begreifen – Der L16 spielt pegelmäßig, zumindest laut diesen Angaben, alles andere an die Wand. Ist es so? Die Antwort kommt später im Klang-Test. Die Abmessungen zeigen auf jeden Fall die Ernsthaftigkeit des Vorhabens: 818 mm breit – das ist Soundbar-Format -, aber auch 294 mm hoch und 369 mm tief. Kompakt ist etwas anderes, aber im Vergleich zu einer konventionellen Stereoanlage braucht L16 wenig Platz, sieht einfach besser aus und ist auch nicht teurer. Also – wir haben den AHA-Effekt beinahe gefunden. Top ist auch, dass es als optionales Zubehör ein Modul für drahtloses Aufladen von Qi-kompatiblen Mobilgeräten gibt.  

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Bestückung

Die Bestückung des Kraftwerks spricht auch für sich. 25 mm Hochtöner, 5 cm Mitteltöner sowie ein 13,3 cm Basstreiber – und das auf jeder Seite – sorgen für Topleistung. Wir sprechen demnach von einem echten Dreiwege-System. Ein darstellbarer Frequenzbereich von 40 Hz bis 35 kHz signalisiert: Auch qualitativ hochwertigen Audiodateien gegenüber zeigt sich das JBL-System aufgeschlossen. Ist die Qualitativ der Quelle nicht so berauschend, sorgt Clari-Fi für eine hörbare Verbesserung bei datenreduzierten Formaten. Kurios: In der Android-App heißt diese Funktion nicht Clari-Fi, sondern „Signal Doctor“. 

Android- und iOS-App

Die App ist schnell geladen und einfach im Handling. Hier einige Screenshots der iOS-Version: 

JBL Authentics L16_neu App AirPlay

Musikwiedergabe

JBL Authentics L16_neu App Clari-Fi

Clari-Fi zuschaltbar per App

JBL Authentics L16_neu App Softwareupgrade

Sollte es ein Software-Update geben, hier könnte man es finden

JBL Authentics L16_neu App Source

Eingangsauswahl

JBL Authentics L16_neu App_Menue

Menü

JBL Authentics L16_neu App_Add_Songs

Einfach kann man sich innerhalb der App durch Addieren von Songs aus der lokalen Bibliothek auch Wieder

JBL Authentics L16_neu App Volume_Tone

Lautstärke, Klangregelung

Natürlich haben wir auch von der Android-App Screenshots gemacht:

JBL Authentics L16_neu_App_Android_Signal_Doc

Clari-Fi heißt hier „Signal Doctor“

JBL Authentics L16_neu_App_Android_Play

Kostenlos erhältlich im Play Store

JBL Authentics L16_neu_App_Android_Menue

Hauptmenü

JBL Authentics L16_neu_App_Android_Albenliste

Alben-Übersicht auf dem Smartphone (in unserem Falle LG G3)

Klang

Nun haben wir uns viel mit Ausstattung und Anmutung auseinander gesetzt, nun stoßen wir zum Kern des Ganzen vor: Wie klingt der JBL Authentics L16?  Da es sich um ein besonderes Device handelt, haben wir auch heute nicht mehr alltägliche Musik genommen, um mit den Testreihen zu beginnen. Wir spielten mittels AirPlay/iTunes vom PC die gerade neu auf den Markt gekommene Future Trance „Rave Classics“ zu. Auf dieser genialen Compilation sind viele der schon fast legendären Großhallen-Disco- und Rave-Hymnen abgelegt, die auf damaligen Maydays und anderen Veranstaltungen aufgelegt wurden.  Beginnen wir mit einem absoluten Klassiker: „Outside World“ von Sunbeam war eine große Hymne, und der L16 muss gleich alles geben, um diesen ausdrucksstarken Trance-Song im richtigen Licht dastehen zu lassen. Und es funktioniert: Machtvoll legt der große Lautsprecher los und entfaltet eine Klanggewalt, die man selbst als anspruchsvoller Hörer nie erwartet hätte. Der Bass ist hart und präzise, keinesfalls schwammig und wabernd – wie viele es US-Devices gern nachsagen. Klar und kraftvoll sprengt der JBL L16 die Effekte in den Hörraum, mit einer dichten, ehrlichen Räumlichkeit – vortrefflich. Zu ergänzen wäre noch, dass es dem Riesen egal ist, welche Lautstärke der Hörer wünscht – Kraft ist im Überfluss vorhanden und selbst bei hohem Pegel enthält sich der L16 vornehm unschönen Verzerrungen. Es geht „weiter im Text“, und zwar mit „Acid Folk“ von Perplexer. Ja, richtig, das war der Techno-Song mit dem penetranten Dudelsack. Dem einen ein Dorn im Auge, beim anderen zuckt es noch immer im Tanzbein. Wir gehören zu letzterer Personengruppe, also können wir getrost Gas geben. Und der L16 verschafft sich erneut Respekt mit hartem, unnachgiebigem Kickbass, einer sauberen Darstellung des Dudelsacks und einer ausgefeilten, vielschichtigen Präsentation der elektronischen Effekte. Der Rhythmus und der Aufbau des Songs kommen exzellent heraus – hier hat JBL ganze Arbeit geleistet. Jetzt hebeln wir den L16 aus – wir drehen noch weiter auf und gönnen uns „Close Your Eyes“ von Mega Lo’Mania. Hissen die Endstufen nun die weiße Fahne? Keinesfalls – jetzt erst Recht, scheint sich der L16 zu sagen und schiebt mit einer Gewalt an, die alle anderen nach dem All-In-One-Konzept gebauten Lautsprecher vor Neid erblassen lässt. Alle? Moment, kurze Gedenkpause. Da gab es doch mal ein Monster, das ebenfalls aus den USA kam. Klipsch hat sich mit dem Stadium ein Denkmal gesetzt – und dieses Denkmal kommt dem Käufer teuer zu stehen. Knapp 2.000 (!) EUR kostet die silberne Bombe mit Klipsch-typischer Horntechnik für höchsten Wirkungsgrad. 400 Watt serviert der eingebaute Digitalverstärker – genug, um JBLs L16 zu überholen? Man muss sagen, der Stadium legt schon bestialisch los. Er erklimmt Pegelregionen, die manche schon als leicht pervers empfinden dürfen. Und der L16? Wir checken mit dem nächsten Trance-Masterpiece: „After Love“ der deutschen DJs Blank&Jones. Hier muss sich der L16 nochmals einen Dreh am Lautstärkeregler gefallen lassen – und es lohnt sich: Nein, Stadium kann das JBL-Biest nicht in Schach halten. Zwar zieht der L16 am bärenstarken Alu-Boliden nicht vorbei, aber Gleichstand – und das für 999 EUR. Wir ziehen den Hut und beginnen, zu begreifen, dass hier ein neuer Siegertyp kommt.  

Aber Vorsicht – nicht jeder hört solche Musik. Natürlich muss sich der L16 auch mit anderen Musikstilen anfreunden können. Also nächster Versuch – willkommen in den 80er Jahren. Italo-Disco – das war Trend, und ganz besonders der Dschungel-Junge, genannt Tarzan Boy, von Baltimora. Das Quellmaterial ist mau und hat mit HiRes sowohl zu tun wie ein Ferrari mit einem Traktor. Trotzdem – Clari-Fi macht es möglich – der Track geht, salopp gesprochen, richtig ab – gute Stimmwiedergabe, richtig Pep im Rhythmus und ein guter, straffer Bass – Respekt, aber das reicht noch nicht. „Building A Bridge To Your Heart“ von Wax soll es nun sein. Das One-Hit-Wonder überzeugt noch heute durch Drive und Nachdruck. Beide Eigenschaften legt der JBL-Lautsprecherbolide eindrucksvoll frei und wirft die Frage auf: Geht bei einem Wireless-Lautsprecher noch mehr? Ja, es geht noch mehr. Allerdings nur mit einem Paar Wireless-Boxen, und auf Bluetooth muss man leider verzichten: Raumfeld by Teufel Speaker L heißen die edlen weißen Spielverderber. Allerdings muss man auch noch deutlich tiefer ins Portemonnaie greifen oder das Sparbuch nachdrücklicher plündern: Rund 1500 EUR müssen ihren Weg nach Berlin nehmen. Dafür gibt es zwei ausgewachsene Standlautsprecher mit wirklich böser Verstärkereinheit, die bezüglich Dynamik und Pegel die Grenzen enorm hoch steckt. Doch nach der ersten Verärgerung – der JBL-Speaker zieht sozusagen die Augenbrauen hoch – macht sich schnell Entspannung breit: Die Speaker L sind genial, aber merklich teurer, brauchen mehr Platz, einen größeren Hörraum und haben kein Bluetooth. Also kann sich der L16 wirklich als Imperator der Komplettlautsprecher (eine Box und kein Paar) fühlen?  Ja, das kann er, denn er zündet bei Bon Jovis „Living On A Prayer“ gleich die nächste Stufe und liefert einen satten, fetzigen, klanglich authentischen Sound, der absolut Freude macht und mancher älteren HiFi-Anlage tiefen Verdruss bereitet – denn sie kommt einfach nicht mit mit diesem Neuling, der so anders aussieht und so gut klingt. 

Wer günstigere Alternativen sucht, der wird vielleicht beim deutschen  Hersteller Ceratec mit dem CeraAIR TWO fündig – für knapp 600 EUR gibt es eine tolle Verarbeitung, ein Apple AirPlay-Modul und guten, klaren sowie detailreichen Sound. Das enorme Potential des L16 kann aber nicht erwartet werden. 

Wie sieht es mit sensibler Musik aus? Nach dem kurzen Einschub oben muss sich der JBL-Könner nun mit „L’Attesa“ von Andrea Bocelli auseinander setzen. Schwere Kost? Nicht für den L16. Tolle Loslösung der Stimme von den Chassis, sehr gute Einarbeitung der Streicher, erstklassiger, vom Timing her hervorragend abgestimmter Bass – was will man mehr? Ein Konzertsaal, eine Live-Bühne in Gestalt eines einzigen Lautsprechers, das ist der L16, und die Meinung, dass 999 EUR für diesen Top-Akustiker zu viel Geld wäre, ist schon längst Geschichte. Mit „For Your Eyes Only“ von Sheena Easton hat der L16 auch keinerlei Berührungsängste und modelliert, gerade mit aktivierter Clear-Fi-Funktion, die Vocals ausgezeichnet heraus. Die Instrumente fügen sich harmonisch ein, das Piano weist eine sehr gute Dynamik auf. Damals kamen den jungen Damen die Tränen, als in den 80er Jahren Sophie Marceau in der „La Boum“-Filmreihe erste, teils schmerzliche, Erfahrungen mit der Liebe machen durfte/musste – heute kullern die Tränen eher bei der Konkurrenz des L16, denn auch bei diesem Song zeigt er eine unvergleichliche Performance und festigt das Ergebnis dieses Tests – das höchste Testurteil, das wir im Portfolio haben, wird diesem Meister seines Fachs zugedacht. 

Fazit

JBL Authentics L16 Front Seitlich9

Kurz und schmerzlos – hier kommt der beste Wireless-Onebox-Lautsprecher, den wir je getestet haben. Mit seiner Performance kann er es sogar mit Boxen-Paaren aufnehmen und liefert einen kraftvollen, präzisen, impulstreuen und detailreichen Sound, der auch anspruchsvollen Musikliebhabern zeigt: Hier kommt ein Könner, der neue Maßstäbe setzt. Zudem ist der Speaker enorm flexibel und extrem betriebssicher, weil alles klappt. Schnell wird zwischen AirPlay-Quelle, Bluetooth und DLNA gewechselt, alle Verbindungen waren in unseren sehr umfangreichen Testreihen absolut stabil – was möchte man mehr? Die saubere Verarbeitung, die gute App, die hochwertige Optik, all das vielleicht, und all das serviert der Authentics L16 auch noch. Kurzes Fazit: Masterpiece. 

Einfach besser: Der JBL Authentic L16 bietet eine unglaubliche Performance und setzt neue Maßstäbe in seiner Liga
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Wireeless-Lautsprecher Luxusklasse
Test 07. August 2014

+ Extrem pegelfest
+ Hervorragende Grob- und Feindynamik
+ Exzellente Räumlichkeit
+ Toller Clari-Fi-Aufpolierer
+ Flexible Nutzungsmöglichkeiten
+ Optik und Verarbeitung überzeugen
+ Für die Leistung fairer Kaufpreis

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 07. August 2014




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