TEST: Advance Acoustic Stereo-Vollverstärker X-i120

Advance Acoustic X-i120 Front Seitlich3

Für 1.199 EUR ist der X-i120 Stereo-Vollverstärker aus dem Hause Advance Acoustic zu haben. Bereits optisch ist er eine imposante Erscheinung, ganz besonders dann, wenn er sich im eingeschalteten Zustand präsentiert. Zwei große, blau beleuchtete VU-Meter bestimmten dann die Frontansicht. Ebenfalls noch optisch ins Auge sticht der silberne Lautstärkedrehregler, vorn mittig untergebracht. An 4 Ohm mobilisiert der X-i120 pro Kanal 160 Watt, an 8 Ohm verbleiben pro Kanal 120 Watt. Der Verstärker besitzt per Schaltung die Möglichkeit, ihm im klanglich reinen Class A-Betrieb laufen zu lassen.

Advance Acoustic X-i120 Innenleben2

Sorgfältiges Layout

Advance Acoustic X-i120 Innenleben1

Ringkern-Trafos

Advance Acoustic X-i120 Innenleben Gesamt

 Gesamtansicht innen

Intern verbaut Advance Acoustic hochwertige Baugruppen, so gefällt der hochwertige Aufbau mit zwei Ringkern-Trafos, großen Elkos und hochwertigen Wandlern von Burr Brown/TI und Cirrus Logic. 

Außen dominiert ebenfalls Hochwertigkeit. Der gewollte, recht große Spalt zwischen Gehäuse und Frontblende sorgt aus seitlicher Perspektive für einen hohen Wiedererkennungswert.  Die Füße unter dem Verstärker sind hochwertig, nur durchschnittlich ist die Verschraubung des Gehäuses mit einfachen Standardschrauben. Hochwertige Kupferschrauben hätten uns hier besser gefallen. Zwar nur eine Einzelheit, aber genau die Summe solcher Einzelheiten macht im Endeffekt eine bis ins Detail überzeugende Hochwertigkeit aus.  Der X-i120 wiegt 11,35 kg und ist 17,5 cm hoch, 43 cm breit und 35 cm tief. 

Advance Acoustic X-i120 Display

Beherrschen die Frontansicht: Große VU-Meter

Advance Acoustic X-i120 Bedienelemente Front

Setzt Akzente: Siberner Lautstärke-Drehregler

Advance Acoustic X-i120 Verarbeitung

Design mit hohem Wiedererkennungswert

Neben klassischen Merkmalen hochwertigen Verstärkerbaus öffnet sich der X-i120 auch modernen Zeiten. Dies geschieht durch USB-A- und USB-B-Terminal sowie durch die Möglichkeit, den optional erhältlichen Advance Acoustic Bluetooth-Adapter WTX 500 direkt anschließen zu können. Der USB-B-Anschluss ist für die Verbindung mit PC oder Mac gedacht. Als D/A-Wandler kommt hier der Burr Brown PCM2900 zum Einsatz. Laut Datenblatt werden 32 kHz, 44,1 kHz und 48 kHz unterstützt. Somit fehlt der Support für 88,2/96/192 kHz HiRes Audio. Diese Signale werden zwar wiedergegeben, allerdings in heruntergerechnter Form. In Testreihen wurden 88,2 kHz, 96 kHz und 192 kHz HiRes-Flac-Dateien wiedergegeben. Der Wandler ist kompatibel zu USB 2.0 und besitzt einen On-Chip Taktgeber mit Single 12 MHz Clock Source. Interessant, dass als „normaler“ Audio D/A-Wandler, also für Signale, die über die optischen/koaxialen Anschlüsse Einzug in den X-i120 erhalten, der Cirrus Logic CS8416 verbaut wird. Dieser DAC unterstützt bis zu 192 kHz/24-Bit, das hätten wir uns vom USB-B-DAC auch gewünscht. Erstaunlicherweise finden sich selbst in 1.000 EUR AV-Receivern teilweise bereits 192 kHz/32-Bit-DACs. Zu solchen Bauteilen könnte Advance Acoustic eigentlich ebenso greifen. 

Beim Anschluss an PC/Mac fungiert der X-i120 dann als externe Soundkarte. An den USB-A-Eingang kann ein USB-Stick mit darauf untergebrachten MP3-Dateien angeschlossen werden. Andere Dateiformate, die ebenfalls von einem USB-Stick gelesen werden könnten, nennt Advance Acoustic nicht. Als USB-A-D/A-Wandler arbeitet 

Die dafür erforderliche 5 V Spannungsversorgung ist im X-i120 bereits integriert. Der X-i120 bringt insgesamt acht analoge Eingänge mit, ebenfalls mit an Bord sind ein optischer Digitaleingang und zwei koaxiale Digitaleingänge. Vorhanden sind auch Pre-Out/Amp-In-Anschlüsse auf der Rückseite, die getrennt werden können.

Advance Acoustic X-i120 Rueckseite Seitlich

Rückseite komplett

Advance Acoustic X-i120 Anschluesse Rueckseite1

Analoge Anschlüsse

Advance Acoustic X-i120 Anschluesse Rueckseite2

 Lautsprecherkabel-Anschlüsse für zwei Paare

Der X-i120 erlaubt es, zwei Lautsprecherpaare anzuschließen und entsprechend umzuschalten. Die Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse sehen hochwertig aus. Im Übrigen sind auch die anderen Terminals präzise eingepasst und sitzen fest. Um Headphones anzuschließen, nutzt man die frontseitige 6,3 mm Buchse. 

Advance Acoustic X-i120 Fernbedienung

Fernbedienung

Der X-i120 erlaubt die Einstellung von Lautstärke, Balance, Bass und Höhen. Vorhanden sind ferner eine Loudness- und eine Bypass-Funktion sowie ein High Bias-Schalter. Die mitgelieferte Fernbedienung sieht gut aus und liegt tadellos in der Hand. Sie ist allerdings recht leicht, was in Anbetracht der massiven Anmutung des Hauptgerätes etwas verwunderlich ist. Die Oberfläche der Fernbedienung besteht aus schwarz-hochglänzendem Kunststoff, umrahmt von einem attraktiven Chromrand. Auch das Navigationskreuz ist von einem Chromring eingefasst. Die Tasten in grau heben sich vom Kontrast her ausgezeichnet vom schwarzen Gehäuse der Fernbedienung ab und besitzen durch die Gummierung eine angenehme Haptik, Kleines, aber nettes Detail – die IR-Diode ist komplett verkleidet, das sieht deutlich besser aus. Nicht ganz so praktisch ist, dass die Unterseite der Fernbedienung ebenfalls aus etwas kratzempfindlichem hochglänzendem Kunststoff besteht. Hier wäre eine Unterseite aus leicht gummiertem Kunststoff die praxisgerechtere Alternative gewesen. 

Klang

Und wie steht es um den Sound des X-i120? Wir haben unser Apple MacBook Air, mit entsprechendem HiRes-fähigen Software-Player ausgestattet, direkt an den USB-B-Anschluss des Advance Acoustic-Vollverstärkers angeschlossen. Wir starten mit 44,1 kHz/16-Bit-Signalen, also herkömmlicher CD-Qualität, und mit krachenden Breakbeat-Rhythmen: „Full Force Forward“ von Simon Viklund ist eigentlich Soundtrack eines Games.

Das Stück mit harten, abgehackten Bässen und zahlreichen elektronischen Effekten demonstriert sehr gut die Fähigkeit des X-i120, souverän Leistung auch bei stark gehobenem Pegel zu bringen – und zwar an Lautsprechern, die durchaus Ansprüche an den angeschlossenen Verstärker stellen: Wir setzen auf die „kampferprobten“ Nubert nuVero 14, die auch in der Lage sind, das gesamte Frequenzspektrum von ganz tief unten bis weit nach oben exzellent abzubilden. Mit sattem Bass, der eine enorme Härte und Präzision aufweist, toller Räumlichkeit und hervorragender Dynamik setzt sich der X-i120 ausgezeichnet in Szene.

Weiter geht es mit „Past Is Dead“ von Bad Religion – dieser Track liegt in 88,2 kHz vor und wird herunterkonvertiert auf 48 kHz. Mit sehr guter Dynamik und einer erneut überzeugenden Räumlichkeit macht sich der X-i120 hier ans Werk und gibt sozusagen „richtig Gas“. Dabei ist er stets ausgewogen ausgelegt und wird nie unschön aggressiv. So kann man komfortabel auch über längere Zeit mit gehobenem Pegel hören, ohne dass es zu anstregend wird. 

Ganz anders geartet ist Diana Kralls „Garden In The Rain“ (Flac, 96 kHz). Ruhiger, mit mehr Tiefgang und natürlich mit Dianas schöner, charismatischer Stimme. Der Bass reicht bis tief nach unten, und dank des X-i120 wird dieser Reise in den Frequenzkeller auch entsprechend Ausdruck verliehen. Die Stimme Dianas löst sich sehr gut von den Lautsprecher-Chassis und verbreitet sich homogen im Hörraum. Der französische Vollverstärker besitzt enorme Leistungsreserven – dies wird auch bei diesem Stück deutlich. Zudem wirkt das gesamte Hörerlebnis sehr plastisch, wie greifbar.

Der X-i120 schafft es förmlich, die Zuhörerschaft einzuhüllen. Lange bleibt das Klangbild sehr souverän und tadellos ausbalanciert, erst bei sehr hoher Lautstärke neigt Dianas Stimme dann minimal zum Zischeln, was die hohe Gesamtharmonie dann etwas schmälert. „Lost Mind“, wiederum von Diana Krall, beweist uns ein weiteres Mal die sehr gute Gesamt- und auch Feindynamik, die der Advance Acoustic Vollverstärker bereithält. Die Trennung von Stimme und Instrumenten gelingt sehr gut, die Vocals werden klar umrissen und gezielt fokussiert, ohne dass die instrumentalen Parts vernachlässigt werden. Gitarre und Klavier kommen sauber heraus, das Zupfen der Saiten und die Anschlagdynamik beim Klavier werden authentisch dargestellt. 

Die Aufnahme ist nicht mehr die beste, „It Sounds Like A Melody“ von Alphavilla (zugespielt nun von CD) wirkt etwas zu dominant im Hochtonbereich – hier merkt man, dass X-i120 und auch die nuVero 14 auf eine neutrale Wiedergabe getrimmt wurden, die aber auch Schwächen der Software nicht ausmerzt – bewusst nicht, im Sinne neutraler Tonalität. Der straffe Bass und die erneut überzeugende Räumlichkeit gefallen. Mit sehr hohen Pegeln sollte man bei diesem Stück etwas aufpassen, das kann etwas anstregend werden. Wie sieht es mit dem Tiesto-Remix des Goldfrapp-Hits „Rocket“ aus? Wir spielen wieder von CD zu (Zuspieler: Denon DBT-3313UD) und sind gespannt. Der Anfang kommt sehr dynamisch zum Zuhörer. Als dann der volle Basseinsatz beginnt, mobilisiert der X-i120 gekonnt seine Reserven. Der Bass ist enorm straff und hart, trifft exakt den richtigen Punkt.

Trotz des massiven Basseinsatzes erhält die Stimme noch genug Präsenz, eine gelungene Vorstellung, „You And I“ von Medina, im Remix von Deadmau5, demonstriert ebenfalls die enorme Stärke des X-i120 im Bassbereich. Der französische Vollverstärker schüttelt seine Leistung so locker aus dem Ärmel, dass man nur erstaunt sein kann. Zugegeben, rund 1.200 EUR Kaufpreis sind auch ein Wort, andererseits ist man keinesfalls in Bereichen, in denen man von Luxusklasse sprechen kann. Diese beginnt deutlich weiter oben. Aber dass die Franzosen schon in bezahlbaren Regionen ein sehr hochwertiges Layout ihrer Devices fokussieren und entsprechend teure Bauteile integrieren, macht sich offensichtlich bezahlt. 

Weiter geht es mit einer rein instrumentalen Version des 007-Titelsongs „Goldfinger“ (SACD, The Royal Philharmonic Orchestra, James Bond Themes). Hier beweist uns der X-i120, dass Durchhörbarkeit des Hochtonbereiches und dessen Räumlichkeit auf einem sehr beachtlichen Level liegen. Die Mitten weisen klare Konturen auf, instrumentale Soli kommen glaubwürdig heraus. Die Streicher klingen transparent und klar, aber nicht zu schneidend, so dass man auch hier sagen kann, dass ein äußerst gelungener Kompromiss aus Brillanz und Gesamtharmonie gefunden wurde.

Dies merkt man auch beim Titellied zu „You Only Live Twice“. Mit viel räumlicher Tiefe, die überdies exakt gestaffelt ist, und einer tadellos ausbalancierten Gesamtakustik sammelt der X-i12o weitere Punkte. Geschmeidig und sensibel nimmt er sich dabei auch kleinen Einzelheiten an und verleiht diesen den entsprechenden Ausdruck, behält gleichzeitig die Leitelemente immer klar im Fokus. Dadurch wird ein sehr kultivierter, erwachsen erscheinender und gleichzeitig lebendiger Höreindruck erreicht.

Konkurrenzvergleich

Was bietet die Konkurrenz? Magnat schickt den Hybrid-Vollverstärker MA1000 für 1.699 EUR ins Rennen, der mit exzellenter Verarbeitung und sehr ausgewogenem Klang dank Röhrenvorstufe überzeugt. Leider fehlt ein USB-DAC, dieser ist im zum MA1000 passenden CD-Spieler MCD1050 untergebracht. Zudem fehlen auch andere Formen digitaler Eingänge (optisch/koaxial) am MA1000. Insgesamt bietet der X-i120 für weniger Geld die etwas bessere Gesamtperformance. 

Von Onyko kommt der bereits seit 2012 erhältliche A-9070 Stereovollverstärker, der mit 999 EUR günstiger ist als der X-i120, aber auch schlechter ausgestattet – eine USB-DAC-Funktion fehlt, zudem ist das gesamte Gerät innen wie außen weniger edel aufgebaut. Einfachere Bauteile bei Trafo und Elkos lassen denken, dass der Preisunterschied deutlich größer ausfällt, gerade innen wirkt der X-i120 um Längen hochwertiger. Akustisch schlägt sich der Onkyo für 999 EUR sehr gut, klingt ausgewogen und recht detailreich. Der X-i120 sticht ihn aber erstaunlich locker aus, gibt sich pegelfester, dynamischer und räumlich dichter im Hochtonbereich. 

Der Onkyo muss sich eher mit dem brillanten Pioneer A-70 herumschlagen, der zeigt, was für 999 EUR an Performance geht. Der akkurat verarbeitete und von den Londoner Air Studios akustisch feingetunte A-70 ist einer der besten Stereo-Vollverstärker in der 1.000 EUR-Liga, und er versucht auch keck, gleich zum X-i120 aufzuschließen. Das macht er auch durch den aufwändigen Drei-Kammer-Innenaufbau, der in dieser Preisklasse seinesgleichen sucht. Sogar akkurate Schirmungen von KOmponenten, die Störungen/Einstreuungen verursachen könnten, sind hier an Bord.  Der Pioneer lässt sich auch akustisch nichts nachsagen und kokettiert mit kraftvollem Sound, toller Pegelfestigkeit und tadelloser Räumlichkeit. Im direkten Vergleich spielt der X-i120 durch  noch mehr Pegelfestigkeit und den etwas strafferen Bass seine Vorzüge sehr gut aus und rechtfertigt zu 100 Prozent die 200 EUR Mehrpreis. 

Um 700 EUR kostet die „kleinere Hausnummer“ von Advance Acoustic, der X-i90. Auch dieser Vollverstärker bietet bereits USB-B/USB-A und eine DAC-Funktion. Er verfügt „nur“ über 2 x 90 Watt an 8 Ohm anstatt 2 x 120 Watt an 8 Ohm wie der X-i120. Der gesamte Aufbau und auch die Optik sind etwas schlichter, und wer es wirklich wissen will, greift gleich zum X-i120. Dieser spielt noch lebendiger, kraftvoller und detailreicher auf – ist allerdings auch sehr deutlich teurer. Gelegenheitshörer, die einen nicht so großen Hörraum haben, sind mit dem X-i90 sehr gut  bedient, wer richtig anspruchsvoll Stereo auch im größeren Raum (über 25 Quadratmeter) hören möchte, greift zum X-i120. 

Fazit

Advance Acoustic X-i120 Front Seitlich1

Ja, genauso geht es! Für rund 1.200 EUR Kaufpreis serviert Advance Acoustic einen überaus gelungenen Stereo-Vollverstärker, der mit enormen Leistungsreserven, sinnvoller Ausstattung und edler Verarbeitung Maßstäbe setzt. Ein USB-B-DAC, der bis 192 kHz nativ verarbeiten kann, das wäre unser Verbesserungsvorschlag – ansonsten präsentiert sich der X-i120 in glänzender Form und kann auch mit leistungshungrigen sowie sehr hochwertigen Lautsprechern zusammen betrieben werden. Für den Kaufpreis kann bilanzierend kaum mehr erwartet werden.

Edel-Optik, Spitzen-Akustik und praxisgerechte Ausstattung – der X-i120 überzeugt auf ganzer Linie
preisklassenreferenz
Stereo-Vollverstärker bis 1.500 EUR
Test 10. April 2015

+ Grob- und feindynamisch hervorragend
+ Exzellent abgestimmter Bassbereich
+ Enorme Pegelfestigkeit
+ Sinnvolle, moderne Ausstattung inklusive USB-DAC-Funktion
+ Sehr hochwertiger innerer Aufbau
+ Fairer Kaufpreis

– USB-DAC verarbeitet nativ nur bis 48 kHz

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 10. April 2015




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