TEST: Advance Acoustic X-i90 Vollverstärker – Akustisch stark, schick & flexibel?

Advance Acoustics X-i90 Front Seitlich2

Mit dem X-i90 begrüßen wir erneut eine moderne HiFi-Komponente französischer Herkunft in unserer Testredaktion. Der Vollverstärker ist das zweite Modell der neuen X-Line Serie mit fortschrittlichem und gleichzeitig elegantem Auftritt. An zwei Kanälen liefert das gerät 90 Watt RMS an 8 Ohm. Neben zahlreichen analogen Eingängen lockt das Stereo-Werkzeug mit einem asynchronen USB-Anschluss für Mac & PC. Wird der Computer direkt an den Vollverstärker mit einem entsprechenden USB-Kabel angeschlossen erfolgt die Übertragung von Audiosignalen komplett digital. Die zumeist sehr schwache Digital-/Analogwandlung der Computer-Komponenten wird auf diese Weise komplett umgangen. Advance Acoustic verspricht auch bei diesem Modell der X-Serie hochwertige, selektierte Komponenten und ein audiophiles Klangerlebnis. Der Preis des Geräts liegt bei EUR.

Advance Acoustics X-i90 Bedienelemente Front1

Der Power-Button und der mittige Drehregler sind die einzigen stationären Bedienelemente am X-i90

Advance Acoustics X-i90 Bedienelemente Front2

Kombination aus gerastertem Drehregler und Drucktaste

Advance Acoustics X-i90 Verarbeitung

Massive Frontplatte aus schwarzem Acrylglas

Advance Acoustics X-i90 Fernbedienung2

Beiliegende Fernbedienung des X-i90

Der X-i90 macht durch seine geradlinige Formgebung und klare Kanten einen recht massiven Eindruck. Durch die Acrylglas-Front und den schwarz-silbernen Kontrast hebt er sich aber von traditionell-konventionell auftretenden HiFi-Komponenten ab und macht gleichzeitig einen eleganten sowie sehr modernen Eindruck. Wie bereits erwähnt, besteht die Front des Verstärkers aus schwarzem Acrylglas mit recht großzügig dimensionierter Wandstärke. Darauf platziert sind, neben dem großen Kopfhörerausgang, ein Power-Button mit LED-Beleuchtung und ein gerasterter Drehregler mit Drucktaste sowie darüber das Display. Die Bedienelemente sind sauber in die Geräte-Front integriert, der Drehregler verfügt über einen minimal versetzten Lauf.

In der Ausgangsposition wird mit dem Regler die Lautstärke kontrolliert. Bei einem Druck darauf, wechselt man auf die Eingänge und kann diese per Drehung durchschalten, außerdem kann man die Balance einstellen und ob Speaker A oder B verwendet werden sollen. Das Segment-Display mit blauer Schrift weist drei Stellen auf, für die notwendigen Informationen am Verstärker ist dies ausreichend. Links und rechts des Lautstärkedrehreglers sind einige weiße LEDs untergebracht, die den aktuell gewählten Eingang anzeigen. Der übrige Gehäusemantel besteht aus Metall und weist für nicht allzu heiße Temperaturen Lüftungschlitze auf.

Mit silbernen Randleisten und hochglanzschwarzer Oberfläche nimmt die beiliegende Fernbedienung das Design des Xi-90 weitgehend auf, lediglich die Drucktasten sind in grau gehalten. Die Fernbedienung ist recht groß gehalten und bietet mit Zifferntasten von 0-9 etc. für einen Verstärker einen recht großen Umfang auf. Auch Wiedergabe sowie eine Eject-Taste ist an Bord, mit der Fernbedienung lassen sich also auch andere Advance Acoustic-Komponenten steuern.

Advance Acoustics X-i90 Innenleben Gesamt

Gesamtübersicht des Innenlebens

Advance Acoustics X-i90 Innenleben3

Großer passiver Kühlkörper

Advance Acoustics X-i90 Innenleben2

Elkos zum Abfangen der Spannungsspitzen

Advance Acoustics X-i90 Innenleben1

Großzügig dimensionierter Ringkerntrafo

Advance Acoustics X-i90 Rueckseite Seitlich2

Rückseite des Geräts

Advance Acoustics X-i90 Anschluesse Rueckseite1

In Acryl eingebettete, vergoldete Lautsprecheranschlüsse

Advance Acoustics X-i90 Anschluesse Rueckseite2

Digitale und analoge Eingänge

Der Advance Acoustic Vollverstärker präsentiert ein übersichtliches und aufgeräumtes Innenleben. Der großzügige Ringkerntrafo strahlt Selbstbewusstsein aus, zum Abfangen von Spannungsspitzen stehen Elektrolyt-Kondensatoren mit einer Kapazität von 10.000 µF bereit. Ein großer passiver Kühlkörper aus Metall sorgt für sicheren Abtransport der Wärme.

Die Rückseite überzeugt mit solide integrierten Anschlüssen. Auf der rechten Seite sitzen die Lautsprecheranschlüsse, die vergoldet und mit Acrylglas versiegelt sind. Sie sind problemlos für größere Kabelquerschnitte geeignet und nehmen auch Bananenstecker entgegen. Daneben sind zahlreiche analoge Cinch-Eingänge, darüber digital optisch und koaxial sowie USB-Anschlüsse für eine Stick mit Musik-Dateien oder USB-B für den Direktanschluss von PC & Mac.

Klang

Mit dem X-i90 stehen uns zahlreiche Möglichkeiten der Zuspielung zur Verfügung. Zunächst einmal liefern wir ein digitales Signal via optischem TOSLINK an, als Quellmaterial dient uns die PCM-Spur der 2L – the nordic Sound Blu-ray. Beim Violinkonzert in D-Dur von Mozart – vorgetragen von Marianne Thorsen und den Trondheim Solistene gelingt dem Advance Acoustic Vollverstärker eine sauber differenzierte und gut gestaffelte Bühne. Die einzelnen Instrumente können lokal sauber zugeordnet werden, die Räumlichkeit an sich könnte noch etwas ausgeprägter sein, insgesamt fühlt man sich als Zuschauer aber vor recht breiter und tiefer Bühne. Die Tonalität ist harmonisch, mit einem leicht warmen Touch. Das führt zu sehr angenehmem Hören, was auch bis in die höheren Pegelbereiche erhalten bleibt. Auch an Dynamik wird dem X-i90 exzellente Leistungen entlockt, auch bei eklatanten Sprüngen sind hier keine Einbußen oder Einschränkungen zu erkennen. Der Tieftonbereich ist hier eher zurückhaltend. Das heißt, nicht zu dick aufgetragen sondern dezent, aber stets präzise und exakt auf den Punkt. Bei voller Lautstärke wird der Hochtonbereich nicht zu spitz oder aggressiv, allerdings ist man nicht vollends vor Kompression gefeilt. In Kombination mit unseren KEF XQ40 können wir fast, aber nicht ganz, an die Grenzen des Advance Acoustic-Verstärkers gehen. In der folgenden Klaviersonate gefällt uns die Präsentation der beiden Pianos hervorragend, selbst die Anschlagdynamik können wir nachverfolgen, für ein Gerät dieser Preisklasse eher atypisch. Auch bei komplexerem Geschehen zeigt der X-i90 keine Blöße und agiert differenziert und mit hoher Geschwindigkeit. Der Verstärker bietet eine akustisch dichte und harmonisch geschlossene Kulisse.

Wir wechseln zur Farewell Tour der Eagles und damit zu etwas rockigeren Gitarrenklängen. Das Intro von „Hotel California“ übernimmt hier allerdings die Trompete, die mit stimmigem Blechbläserklang das Lied eröffnet. Auch die Stahlsaiten direkt im Anschluss erklingen authentisch und mit der richtigen Schärfe. Der Bühnenaufbau wird klar erfasst und vor dem Zuhörer aufgebaut. Hier erklingt auch das Schlagwerk etwas voluminöser und, bei Bedarf, kraftvoll und nachdrücklich. Insgesamt gefällt die Differenzierung der einzelnen Instrumente wieder exzellent, wenn auch nicht ganz so perfekt, wie wir es z.B. von der Advance Acoustic Vor-/Endstufenkombination her kennen. Die Stimme steht zentral und begeistert mit authentischem Charakter, gleichzeitig übertönt sie nicht das übrige Klanggeschehen sondern ist nahtlos integriert. Besonders angetan sind wir von Harmonie und Geschlossenheit – nichts hinkt hinterher oder wird vernachlässigt, Tiefen, Mitten und Höhen zerfließen zu einem lebendigen und mitreißendem Gesamterlebnis. Unabhängig der Geschwindigkeit und Komplexität steht dem Verstärker stets ausreichend Leistung zur Verfügung, um bspw. die Bassdrum noch nachdrücklich und präzise zu integrieren. Ab einem bestimmten Pegelbereich – der allerdings sehr hoch liegt – werden die Stahlsaiten der Gitarre zwangsläufig etwas aggressiver und die Gesamtharmonie büßt ein wenig von ihrer Stärke ein, insgesamt aber definitiv eine exzellente Performance der französischen HiFi-Komponente.

Da der X-i90 über einen asynchronen USB-B Eingang verfügt, schließen wir direkt unser Notebook daran an und können ohne weitere Treiber-Installation digitale Audiosignale – was die Umgehung der schwachen Digital-/Analog-Wandlung im PC/Notebook zur Folge hat – an den Advance Acoustic Verstärker senden. Hier können wir prinzipiell jedes Dateiformat abspielen, da wir die HiFi-Komponente mit dem Signal aus unserem Software-Player auf dem PC füttern. Allerdings verarbeitet das Gerät nur Signale bis 48 kHz bitgenau, obwohl noch leistungsfähigere Wandler im Gerät sitzen.

Wir starten direkt mit elektronischer, zumindest in Ansätzen minimalistischer Musik durch und liefern dem X-i90 „The Mark“ von Simun Viklund zu. Der extrem schlagkräftige Tiefbass wird vom Verstärker exzellent erfasst und kraftvoll und mit hoher Geschwindigkeit an unsere Schallwandler getragen. Insgesamt kennen wir es mit noch etwas mehr Tiefgang und Volumen, der X-i90 liefert hier aber schon beachtliches. Dank exzellenter Impulstreue kommt auch die gesamte Atmosphäre des Liedes ausgezeichnet heraus. Ab etwa der Mitte des Liedes wird es etwas anspruchsvoller und komplexer, der X-i90 zeigt aber keinerlei Blöße sondern durchzeichnet die verschiedenen Bereiche der tiefen Frequenzen mit exzellenter Struktur. Der stets untermalende Kickbass wird sehr satt und absolut trocken ausgestaltet. Selbst bei sehr hohen Pegeln ergeben sich im Tieftonbereich keinerlei Krafteinbußen oder Verzögerungen, lediglich der Hochtonbereich wird etwas schärfer. Als im letzten Part des Tracks die Gitarrenklänge einsetzen, erlebt man ein enorm komplexes, sehr differenziertes und räumliches Gesamtgeschehen, dem sich höchstens Ignoranten der Musik im Allgemeinen entziehen können. Schnell, impulstreu, kraftvoll und nachdrücklich, Freunde der elektronischen Musik kommen auf ihre Kosten. Der Tieftonbereich entwickelt aber erst ab einem gewissen Pegel sein volles Potential, dieses Genre darf man mit dem X-i90 nicht zu leise hören.

Wir lassen davon ab und wenden uns wieder kultivierteren Stücken zu. Dazu gehört ganz sicher „Stop this World“ von Diana Krall. Der anspruchsvolle Track wird mit dem X-i90 besonders durch die ausgezeichnete Stimmpräsentation umgesetzt. Der einzigartige Charakter Dianas Stimme wird sauber erfasst und zentral in das Klanggeschehen eingearbeitet. Stets werden die Instrumente nicht in den Hintergrund gedrängt sondern kulminieren in Kombination mit der Stimme zu einem harmonischen Ganzen. Auch das Piano überzeugt uns hier wieder mit hoher Präzision und dem leicht warmen Einschlag. Die Instrumente lassen sich hier lokal nicht ganz so gut zuordnen wie bei den klassischen Stücken, dennoch ist die Bühnenstaffelung zu erkennen und auch die Räumlichkeit weiß zu überzeugen, wenn die Bühne auch nicht ganz so tief und breit wirkt, wie bei vorherigen Beispielen. Das Schlagwerk ist an exakter Stelle sofort da und bietet auch Kraft und Volumen. Zu dick aufgetragen wird vom X-i90 nie, im Gegenteil.

Der Verstärker darf sich natürlich auch bei komprimierten Dateien beweisen. Wir nehmen dazu schlichtweg Spotify her und liefern dem X-i90 „Dirty Paws“ von Of Monsters and Men an. Gefallen findet sofort wieder die solide Stimmenpräsentation, allerding ist die Differenzierung der einzelnen Instrumente nicht mehr so unproblematisch, die einzelnen Klänge fließen ein wenig ineinander über. Dennoch präsentiert uns das Gerät auch bei diesen weniger hochqualitativen eine dynamische und in sich stimmige Präsentation, die durchaus lebendig und mitreißend wirkt. Beim Wechsel auf „Joe Bonamassa“ wird wieder deutlich, wie stark es auf die einzelne Abmischung und Produktionsqualität ankommt. Hier wirkt die Bühne deutlich differenzierter und strukturierter als bei der Spotify-Version der Isländer. Natürlich kennen wir auch „Jockey Full of Bourbon“ dynamischer, dennoch wird hier eine lebendige und schwungvolle Gesamtpräsentation erreicht.

Fazit

Advance Acoustics X-i90 Front Seitlich2

Advance Acoustic vernküpft erneut moderne Eigenschaften wie den asynchronen USB-Anschluss mit klassischen HiFi-Tugenden. Der saubere, innere Aufbau mit leistungsfähigen Komponenten garantiert ausgezeichnete akustische Eigenschaften, unabhängig der Eingangsquelle und des Musikgenres. Problemlos gestaltet sich der Anschluss eines Notebooks oder PCs – sinnvoll wäre lediglich auch hier mit hochwertigsten D/A-Wandlern für eine bitgenaue Wiedergabe von hochauflösenden Audio-Dateien zu arbeiten. Verarbeitungs- und Materialqualität ist auf hohem Niveau und bei einer UVP von 699 EUR überdurchschnittlich gut. Die Optik nimmt den Anspruch, Tradition mit Moderne zu verknüpfen, voll auf. Eine klare, geradlinige Formgebung wird mit modernen, silbernen Akzenten und mattschwarzem Acrylglas komplettiert.

Der sehr elegante Advance Acoustic Xi-90 kombiniert Flexibilität mit ausgezeichneten akustischen Eigenschaften
ueberragend
01.09.2014

+ Elegante Optik
+ Solide Materialqualität
+ Großzügig dimensionierter Ringkerntrafo
+ Asynchroner USB-Anschluss
+ Zahlreiche analoge Anschlussmöglichkeiten
+ Ausgezeichnete Klangeigenschaften

– USB-B nicht für Highres-Audio ausgelegt

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich




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