TEST: 2-Wege-Regallautsprecher Quadral Rhodium 200 – kompakte Spielfreude für 249 EUR pro Stück?

Quadral Rhodium 200 Gruppenbild2

Quadrals Rhodium-Serie, preislich günstig, akustisch gelungen und optisch sehr attraktiv, wurde von uns schon in einem Doppeltest gewürdigt. Die beiden Standlautsprecher Rhodium 400 und Rhodium 500 haben wir unter die Lupe genommen, mit dem Ergebnis, dass besonders die Rhodium 500 eine sehr gelungene Konstruktion ist. Nun geht es auch einige Nummern kleiner – die Rhodium 200 mit einem Stückpreis von 249 EUR ist eine äußerst kompakte Regalbox in 2-Wege-Bassreflex-Bauweise. Nur 29,4 cm hoch, lediglich 15,5 cm breit und 25,7 cm tief, findet sie beinahe überall Platz.  Das Gewicht liegt bei 5,1 kg. Bestückt ist der sauber verarbeitete Schallwandler mit einem 25 mm Aluminium-Hochtöner und einem 155 mm Tief-/Mitteltöner mit Polypropylen-Membran.Die Nennbelastbarkeit wird mit 60 Watt, die Musikbelastbarkeit mit 90 Watt angegeben. Der Wirkungsgrad ist, typisch für solche Konstruktionen, nicht übermäßig hoch, er liegt bei 86 dB (1W/1m). Der Frequenzgang reicht von 48 Hz bis 38 kHz, damit kann die Box auch HiRes Audio-Dateien wiedergeben bzw. eignet sich für DVD-Audio und SACD. 

Quadral Rhodium 200 Hochtoener

„Hinter Gittern“ – Aluminium-Hochtöner

Quadral Rhodium 200 Tieftoener

Tiefmitteltöner mit Polypropylen-Membran

Alternativ zum Schwarz unserer Test-Lautsprecher ist auch eine weiße Variante lieferbar. Fürs investierte Geld ist die Verarbeitung überdurchschnittlich gut, zudem ist die Liebe zum Detail verblüffend. So haften die Lautsprecherschutzgitter (in schwarzer Ausführung für die schwarze Gehäuseversion, in weißer Version für die weiße Gehäusevariante) magnetisch – das kommt in diesen Preisregionen nur selten vor. Zudem ist der Stoff akkurat aufgezogen.

Quadral Rhodium 200 Front Seitlich1

Magnetisch haftende Lautsprechergitter

Quadral Rhodium 200 Front Seitlich3

Keine separat montierte Schallwand, alles aus einem Guss

Quadral Rhodium 200 Rueckseite Seitlich2

Rückansicht 

Quadral Rhodium 200 Bassreflexrohr

 Bassreflexöffnung hinten

Quadral Rhodium 200 Anschluesse Rueckseite

Lautsprecherkabel-Anschlussterminal

Genauso gut gefällt uns das einheitliche Design, es gibt keine Schallwand, die aufgesetzt wird. Das gesamte Gehäuse inklusive Schallwand ist aus einem Guss, das sieht edel und zeitgemäß aus. Kleiner Nachteil sind die sichtbaren Schrauben, die den beiden Chassis Halt in der Schallwand gewähren. Attraktiv ist auch die schmale Aluminium-Leiste unten am Gehäuse mit dem Firmen-Logo. Auf der Rückseite ist das Terminal, auf dem sich die Schraubanschlüsse fürs Lautsprecherkabel oder die Bananenstecker befinden, solide mit dem Gehäuse verschraubt. Es finden sich keine Bi-Wiring-Terminals, diese braucht man bei einer solchen kompakten Regalbox aber auch nicht. 

Klang

Zunächst spielen wir Material in CD-Qualität (44,1 kHz/16-Bit) zu. Kann man die sehr kompakte Rhodium-Regalbox tatsächlich als „vollwertige“ Alternative sehen, wenn man die Akustik betrachtet? Wir haben es bei „I Belong To You“ von Anastacia und Eros Ramazzotti überprüft. Sehr gelungen ist die frische Stimmwiedergabe, die sich überdies erstaunlich gut vom Lautsprecher löst. Die Gitarrenklänge sind sauber integriert, die Impulstreue ist nicht zu kritisieren. Selbst im Bassbereich tut sich etwas, natürlich kann man hier keine „abgrundtiefen“ Bässe erwarten. Aber es ist Bewegung da, und das, was wir hören, ist gut gestaffelt und präzise. Bei „Just Give Me A Reason (Pink featuring Nate Ruess) hören wir ebenfalls einen gelungenen tieffrequenten Einsatz heraus, der für das kleine Gehäuse von beachtlicher Güte ist. Die Vocals lösen sich auch hier gut vom Lautsprecher, der mit Vollverstärkern der Einsteigerliga um 250 EUR wenig harmonieren dürfte: Zum einen reicht der Wirkungsgrad nicht aus, um bei erhöhtem Pegel souverän spielen zu können, da haben Einsteiger-Verstärker schlichtweg zu wenig Leistung. Zum anderen ist die Auflösung der Rhodium 200 im Hochtonbereich einfach zu gut. Da wird nicht das Potential ausgeschöpft, welches der Ragallautsprecher von Haus aus mitbringt.

Wie schlägt sich die Rhodium 200 bei „Carrie“ von Europe? Obwohl das Quellmaterial alles anderes als sensationell ist, gelingt es den Rhodium 200, ein klares, prima auflösendes Klangbild bereitzustellen. Die akustische Gesamtharmonie liegt hoch, gleichzeitig aber ist auch durchaus Dynamik spürbar. Der aufgrund seiner klangliche Güte im Testaufbau verwendete Magnat MA 600 Hybrid-Vollverstärker eignet sich hervorragend als Zubringer zu den Rhodium 200. Das Klangbild ist ungemein angenehm, mit einer nicht extremen, aber sehr natürlichen räumlichen Wirkung. Bedingt durch das geringe Gehäusevolumen, kann man keinen Rekordwerte hinsichtlich der Räumlichkeit erwarten, und man muss auch klar sagen, dass man die beiden Rhodium 200 nicht zu weit weg von sich unterbringen sollte. Hörabstände von ca. 3 Metern sind sehr gut, auch vier Meter gehen, idealerweise positioniert man die Boxen etwas höher (Kopfhöhe), dann klingen sie besser als wenn sie auf handelsüblichen, unserer Meinung nach etwas zu flachen Ständern untergebracht werden. Zur Wandmontage ist zu sagen, dass man die rückseitige Bassreflex-Öffnung bedenken muss, die für akustische Disharmonien sorgen kann, wenn sie nicht mindestens 20 – 30 cm von der Wand entfernt ist.

„Das Omen“ von Mysterious Arts ist datiert auf das Jahr 1989. Damals gelang dem Projekt ein erstklassiges „One Hit Wonder“ – und mit viel Mühe konnten wir noch eine CD mit dem Titel auftreiben. Erstaunlich couragiert setzen sich die Rhodium 200 mit dem Track auseinander und bringen richtig Dynamik und Basskraft ins Spiel. Der dem Quellmaterial eigene blecherne Einschlag macht sich nur im Intro störend bemerkbar – auch da schon abgeschwächt vom sehr gut passenden Magnat MA 600 Hybrid-Vollverstärker mit Röhrenvorstufe. Was die kompakten „Beschaller“ hier auf die Beine stellen, verdient auf jeden Fall höchsten Respekt. Der Aufbau kommt stets lebendig und impulstreu heraus, die Vocals lösen sich sehr gut von den Lautsprecher-Chassis, und die Räumlichkeit geht ebenfalls voll in Ordnung. 

Nun wenden wir uns hochauflösendem Material zu, welches von SACD kommt und vom hervorragenden Universalplayer Denon DBT-3313UD von der digitalen in die analoge Ebene gewandelt wird. Wir starten hier durch mit Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert A-dur, Köchelverzeichnis 622, und hören das erste, beinahe 13 Minuten lange Allegro. Man darf hier nicht den Fehler machen und die Hörlautstärke massiv anheben – schließlich hat man es hier mit kompakten Regallautsprechern und nicht mit großen, voluminösen Standboxen zu tun. Wird es daher zu laut, bekommt der Klang einen leicht blechernen Einschlag, und es sind Einbußen bei der Dynamik herauszuhören. Deutlich über der viel zitierten Zimmerlautstärke darf man den Rhodium 200 aber schon einschenken, somit gibt es, gemessen an der Größe, nichts an der Pegelfestigkeit auszusetzen. Die Streicher kommen harmonisch zum Ausdruck, und die Klarinette wird überragend dargestellt – wenn man bedenkt, dass eine Rhodium 200 gerade einmal knapp 250 EUR kostet. Wie gut der Hochtonbereich ausgekleidet wird, ist sehr zu loben, dadurch kommt der preiswerte Lautsprecher richtig gut mit klassischer Musik zurecht. Orchestrale Einsätze werden dynamisch herausgearbeitet, die Räumlichkeit ist gut. Verschiedene, parallel stattfindende akustische Ereignisse kommen erstaunlich differenziert heraus. Das macht die Box auch für den auf ein gelungenes Preis-/Leistungsverhältnis fokussierten Musikliebhaber sehr interessant, der den Lautsprecher z.B. im kleineren Musikzimmer aufstellen möchte. 

Wie sieht es mit dem Klassiker „Footloose“ von Kenny Loggins aus (SACD)? Hier beeindruckt uns die Quadral-Box wieder mit einer frischen, gleichzeitig angenehmen Wiedergabe und fetziger E-Gitarre. Die Stimme von Kenny löst sich auch bei diesem akustischen Beispiel sehr gut von den Boxen und verteilt sich gleichmäßig im Raum. Der Rhythmus kommt impulstreu heraus, der Elan und Schwung wird demnach direkt und ungefiltert in den Hörraum übertragen. Der Bassbereich kann auch hier punkten, auch wenn man richtigen Nachdruck natürlich nicht erwarten kann. Wer diesen möchte, kann die Rhodium 200 als größere Satelliten einsetzen und zusammen mit für knapp 400 EUR erhältlichen Quadral Qube 8 Aktivsubwoofer ein tadelloses 2.1 System aufbauen. Bei Bonnie Tylers „Holding Out For A Hero“ ebenfalls vom „Footlose“ Film-Soundtrack, ist der Bassbereich deutlich präsenter. Überhaupt übertreffen sich die Rhodium bei diesem Track selbst. Hier stimmt alles: Tempo, vokale Präsenz, Dynamik im Groben wie im Feinen, Klarheit und Auflösung. So hören wir gern, und es gibt eine Menge größerer und teurerer Schallwandler, die beileibe nicht so viel aus diesem Track herausholen.

Weiter geht es mit Filmmusik, diesmal von verschiedenen James Bond 007-Filmen und vom Royal Philharmonic Orchestra rein instrumental präsentiert. Wir lauschen den orchestralen Klängen von „Goldfinger“ und sind ein weiteres Mal angetan von den Leistungen der Rhodium 200. Überraschend fundiert, mit guter Staffelung in allen Frequenzbereichen, und erneut einem sehr schön aufgelösten Hochtonbereich sammelt der Hannoveraner Lautsprecher weiter Pluspunkte. Feinfühlig macht sich die Rhodium 200 Regalbox an die Wiedergabe von „You Only Live Twice“. Der fürs Geld exzellente Hochtonbereich ist immer wieder das, was wir staunend zur Kenntnis nehmen. Der 25 mm Aluhochtöner, der bis auf 38 kHz hinauf spielt, gefällt uns in dieser kleinen Regalbox am besten. Brillant, weitläufig, klar und nie zu aufdringlich, Quadral ist hier eine außergewöhnliche Leistung gelungen, ohne Zweifel. 

Konkurrenzvergleich
  • Nubert nuBox 383: Mit einem Stückpreis von lediglich 219 EUR ist die nuBox 383 das perfekte Schalldruck-Schnäppchen. Pegel schafft sie deutlich höhere als die Rhodium 200, zudem ist sie grobdynamisch überlegen. Die Rhodium kontert mit breiter ausgeleuchtetem und feiner aufgelöstem Hochtonbereich und feinerer Optik. 
  • 780 EUR lautet der Paarpreis zur optisch gediegen auftretenden Monitor Audio Silver 1. Dafür wird nicht nur eine erstklassige Verarbeitung geboten, sondern auch eine geschliffene, feine, lebendige Akustik. Mit knapp 500 EUR Paarpreis  liegt die Rhodium 200 deutlich darunter, ohne dass sie im Hochtonbereich hinter die Silver 1 zurückfallen würde. Mit kräftigerem Bass und höherer räumlicher Dichte kontert die Silver 1 jedoch und rechtfertigt nicht nur optisch, sondern auch akustisch den Mehrpreis.
  • Dali Zensor 3: Gewaltige Konkurrenz droht der Rhodium 200 aus Dänemark. Die Zensor 3 ist pegelfester als die Quadral-Box und im Bassbereich aufgrund des größeren Volumens druckvoller. Mit 199 EUR/Stück ist die Zensor 3 überdies sehr preiswert. Doch die Rhodium 200 schlägt zurück – mit besserer Detaillierung, mehr Hochton-Brillanz und gediegenderem Finish.
Fazit

Quadral Rhodium 200 Front Seitlich1

Die Quadral Rhodium ist eine spielfreudige, angenehm agierende Box, die mit ihrem gediegenen Finish ebenso begeistert wie durch das hervorragende Preis-/Leistungsverhältnis. Sie kommt mit vielen Arten von Quellmaterial blendend zurecht und bringt verschiedene Merkmale mit, die man sonst nur bei deutlich teureren Lautsprechern findet: Das Gehäuse aus einem Guss, das magnetisch haftende Lautsprechergitter oder der Hochtöner mit Aluminium-Membran, der bis auf 38 kHz hoch spielt. Damit ist die Rhodium 200 eine erstklassige Empfehlung fürs kleine bis mittelgroße Musikzimmer, das kleinere Wohnzimmer oder auch für die Bibliothek. 

Formschöner, kompakter Regallautsprecher mit geschliffener Akustik
ueberragend
Regallautsprecher bis 300 EUR/Stück
Test 31. Juli 2015

+ Für die Preisklasse hervorragende Auflösung im Hochtonbereich
+ Hochtöner spielt bis 38 kHz
+ Angenehmer, klarer Klang
+ Gut im Bassbereich
+ Sehr gute Verarbeitung
+ Schicke Optik
+ Günstiger Preis

– Wirkungsgrad

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 31. Juli 2015




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