SPECIAL: Welchen AV-Receiver für welchen Anspruch kaufen?

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Wer viel auf einen hervorragenden Klang im Surround- und im Stereobetrieb gibt und überdies noch die aktuellsten Ausstattungsmerkmale wie z.B. einen Decoder für Dolby Atmos an Bord seines Gerätes vorfinden möchte, greift als „Schaltzentrale“ fürs Heimkino nach wie vor zu einem AV-Receiver. Es stellt sich allerdings die Frage: Welches Gerät welcher Preisklasse passt zum Anforderungsprofil? Was muss man wissen und was ist zu bedenken? Wir versuchen, in diesem Special exemplarisch ein paar Antworten zu geben.

Zunächst grenzen wir einmal den preislichen Rahmen etwas ein. Mit absoluten Einsteigermodellen mit unverbindlichen Preisempfehlungen bis 500 EUR beschäftigen wir uns ebenso wenig wie mit High End-Lösungen für einige wenige Anwender, die bereit sind, den Gegenwert eines Autos der Mittelklasse in ihr Heimkino zu investieren. Also versuchen wir, uns über die „goldene Mitte“ dieser Thematik zu nähern. 

Schon in der Liga zwischen 500 und 700 EUR UVP – die Marktpreise bei seriösen Händlern liegen nochmals 50 bis 80 EUR darunter – kann man sich bereits sehr gute AV-Receiver ins Haus holen. 

Pioneer VSX-930 Front Seitlich1

Pioneer VSX-930

Denon AVR-X2200W Front Seitlich2

Denon AVR-X2200W

Stellvertretend für diese Preisliga nennen wir hier den Denon 7.2 AV-Receiver AVR-X2200W und den 7.2 Mehrkanal-Receiver Pioneer VSX-930. Der Pioneer verdient sich hier eine besondere Empfehlung, da er günstiger zu haben ist als der Denon und trotzdem nichts schlechter macht. Bei der Pegelfestigkeit ist er sogar nochmals eine Idee leistungsfähiger. Dafür klingt der kleine Denon runder, und noch etwas „bekömmlicher“. Man darf in diesen Preisregionen mittlerweile schon eine Menge voraussetzen. So zum Beispiel einen Decoder für Dolby Atmos. Hierbei handelt es sich um die aktuellste, aus dem Kino übernommene Heimkino-Tonnorm. Mehrere Dinge sind hier kennzeichnend:

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Dolby Atmos stellt hohe Anforderungen an die AV-Receiver. Hier eine erstklassige Klipsch RP-280FA Box mit oben integriertem Atmos-Modul

  • Atmos (und auch Auro-3D sowie das 2016 erscheinende DTS:X) bringt eine weitere Dimension ins Heimkino: Über den Köpfen der Zuhörer gibt es noch eine akustische Ebene. Somit fühlt sich der Zuhörer völlig vom Klang eingeschlossen, was unter dem Namen „Immersive Sound“ geführt wird.
  • Atmos, DTS:X und Auro-3D bringen technisch alle völlig neue Voraussetzungen mit. War es früher so, dass bis zur Ära DTS-HD/Dolby True HD ein kanalbasiertes Layout vorgesehen war, funktioniert es bei den neuen Tonnormen anders. Hier gibt es noch eine kanalbasierte Grundlage, darüber allerdings finden sich sogenannte „Audio-Ojekte“, oder, anders ausgedrückt: Effektbasiertes Audio.
  • Was ist damit gemeint bzw. was sind die unmittelbaren Folgen? Früher bekam der Decoder des AV-Receivers ein festes Kanal-Layout, und dem jeweiligen Kanal war ein Lautsprecher fest zugeordnet. Für den AV-Receiver hieß dies, dass keine großartige Rechenleistung erforderlich war, denn das Layout stand fest. Nun läuft es anders. Atmos, DTS:X und Auro-3D bringen Audio-Objekte mit, die einem einzelnen Lautsprecher erst vom AV-Receiver zugeordnet werden. Das heißt, in Abhängigkeit vom verwendeten Lautsprecher-Layout weist der AVR in Echtzeit dem Lautsprecher diese Audio-Objekte zu. Das bedeutet, dass AVRs. die für die neuen objektbasierten Tonformate gerüstet sind, über deutlich leistungsfähigere Prozessoren verfügen müssen. Abfallprodukt der enormen Rechenpower: Bei den Einmess- und Room EQ Systemen an Bord kann auch deutlich präziser und schneller gerechnet werden.
  • Atmos-Layouts weisen eine bestimmte Schreibweise auf. Wenn man z.B. ein normales 5.1 Layout plus 2 Atmos-Lautsprecher verwendet, spricht man von „5.1.2.“. Wenn man ein 5.1-Layout und 4 Atmos-Lautsprecher verwendet, schreibt man dementsprechend „5.1.4.“ 
  • Es gibt zwei Varianten von Atmos-Lautsprechern: Die erste sind sogenannte „Top-Firing-Module“, die entweder oben fest im Lautsprecher integriert sind, oder aber in Form separat erhältlicher Gehäuse auf den Front-/Surroundlautsprecher gelegt werden. Die zweite Möglichkeit sind an der Decke angebrachte (On-Ceiling) oder in die Decke integrierte (In-Ceiling) Lautsprecher. 
  • Jeder BD-Player kann die Atmos-Tonspur einer BD übertragen. Zwingend benötigt, das dürfte klar sein, der AVR einen Atmos-Decoder, um die Tonspur wiederzugeben.

Nun wenden wir uns wieder ein AV-Receivern der Preisliga 500 bis 700 EUR zu. Wer ein aufwändiges Atmos-Layout, also 5.1.4. oder gar 7.1.4 (Atmos + Back Surround) realisieren möchte, liegt in dieser Preisliga falsch. Durchgängig haben diese AV-Receiver 7 Endstufen und sind somit lediglich für klassische 7.1 Layouts oder 5.1.2 Atmos-Layouts geeignet. Man kann zwei aktive Subwoofer anschließen, das ist auch in dieser Liga Standard, dann heißt es 7.2 oder 5.2.2. Da es meist keine Pre-Outs zum Anschluss externer Endstufen gibt und auch die integrierte Vorstufe nur maximal 7.2 unterstützt, muss man zu teureren AV-Receivern greifen, wenn man größere Lautsprecher-Konfigurationen verwenden möchte.

Was die sonstige Ausstattung betrifft, so hat sich einiges verändert. Decoder für Dolby Pro Logic IIz (mit Matrix-basierten Front Height Lautsprechern) sind meist nicht mehr an Bord, auch keine dedizierten Decoder mehr für DTS 96/24. Das Übliche, also Dolby Digital/DTS sowie Dolby True HD/DTS-HD wird natürlich decodiert. Eine eigene Wissenschaft ist schon in dieser Preisklasse die richtige Zuordnung der Endstufen. Hier muss genau nachgeschaut werden, dass man richtig anschließt und konfiguriert. Bei einem Siebenkanal-AV-Receiver gibt es nämlich zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten:

Onkyo TX-NR3030 Screenshot 23

Wichtig: Die korrekte Zuweisungen Endstufen-Lautsprecher nebst der richtigen Verkabelung 

  1. Klassisches 5.1 Setup, die beiden freien Kanäle werden bei leistungsstarken Front-LS für Bi-Amping, das heißt die getrennte Ansteuerung von Hoch-/Mitteltönern und Tieftönern, verwendet
  2. Klassisches 7.1 Setup, die sechste und die siebte Endstufe werden für Back Surround verwendet
  3. Mehrzonen-Setup, fünf Kanäle im klassischen 5.1 Setup in der Haupt-Hörzone, zwei Endstufen für Stereobetrieb in Zone 2
  4. Atmos-Setup, Endstufe 6 und 7 werden für 2 Atmos Top-Firing-Module oder Deckenlautsprecher eingesetzt.

Wichtig: Sind die Endstufen nicht explizit für den Gebrauch bei Dolby Atmos konfiguriert, läuft Atmos nicht!

Denon AVR-X3200W Screenshot 43

Die Wiedergabe hochauflösender Audio-Files wird immer beliebter und ist bei sehr vielen AV-Receivern Bestandteil der Ausstattung

Auch AV-Receiver der hier angesprochenen günstigen Preisklassen sind in der Lage, High Resolution Audio-Files wiederzugeben. Unter dieser Bezeichnung versteht man Audio-Dateien, die man aus dem Internet von entsprechenden Portalen herunterlädt, und die eine Auflösung aufweisen, die über den 44,1 kHz/16-Bit der normalen Audio-CD liegen. Gängig ist meist ein Stereo-Layout. Vereinzelt gibt es auch Mehrkanal-Layout. Gebräuchliche Formate sind hier WAV, FLAC (bis 192 kHz/24-Bit) oder auch Direct Stream Digital (2,8/5,6 MHz). Direct Stream Digital ist das Format der SACD und hat nichts mit normalem PCM gemein. Meist wird DSD, wenn es der AVRB entgegen nimmt, intern in PCM gewandelt, da für die native Verarbeitung von DSD ein separater Wandlerzug benötigt würde. HiRes Audio-Kompatibilität ist demnach bei günstigen und teuren AV-Receiver immer gegeben. Unterschiede gibt es natürlich in der akustischen Leistungsfähigkeit. Klar dürfte sein, dass die einfacher, schlichter aufgebauten günstigeren AVRs der Preisklasse nicht nur bis 700, sondern auch bis gut 1.000 EUR keinen echten akustischen Benefit von HiRes-Dateien darstellen können. Letztendlich hängt es natürlich auch sehr stark vom verwendeten Lautsprecherset ab, wenn hier der Lautsprecher nur bis 20 oder 22 kHz darstellen kann, ist nichts zu holen.

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ELACs JET 5 Bändchenhochtöner spielt hoch bis auf 50 kHz

Nun stellt sich aber eine kurze Zwischenfrage. Wir reden hier über Frequenzen oberhalb der 22 kHz. Was nutzt es, wenn diese wiedergegeben werden können vom Lautsprecher, wenn ein erwachsener Mensch ohnehin nur bis 16 kHz hören kann? Die Antwort: HiRes-Audio-Dateien entnehmen ihren spezifischen Reiz dem sogenannten Oberwellenbereich. Hierbei handelt es sich um indirekt wahrgenommene Informationen, die z.B. Auskunft darüber geben, ob sich der Geiger einer guten Allerweltsgeige oder einer echten Stradivari bedient. Und man kann, entsprechende Hörerfahrung vorausgesetzt, hören, ob ein sehr guter oder ein hochbegabter Pianist am Werke ist. Nur, wenn der Oberwellenbereich komplett abgebildet wird, ist z.B. bei sehr differenzierten Klassik- oder Jazz-Werken ein vollendeter musikalischer Genuss möglich. Doch nicht nur der Oberwellenbereich, auch, bedingt durch die höhere Abtastrate und größere Bittiefe, Dynamik und Detaillierung über den gesamten Frequenzbereich sind besser bei HiRes-Audio. 

Nach diesem Exkurs wenden wir uns wieder den AV-Receivern der 500 bis 700 EUR Klasse zu. Hier gibt es also bislang folgende Merkmale:

  • Siebenkanal-Endstufe
  • 2 Pre-Outs zum Anschluss aktiver Subwoofer
  • Decoder für Dolby Atmos (Modelljahr 2015) sowie Dolby True HD und DTS-HD
  • Vorstufe mit maximal 7.2 Processing
  • Konfigurierbares Endstufenlayout die Endstufen 6 und 7 betreffend
  • HiRes-Audio-kompatibel (FLAC, WAV, DSD, oft auch AIFF/ALAC bis 96 kHz)
  • Steuerbar per entsprechender App, die mittlerweile zuverlässig läuft und einfach zu bedienen ist. 
  • Einrichtungsassistent an Bord (Denon, Marantz, Onkyo) oder per App (Pioneer, Yamaha)

Pioneer Wiring Navi 16

Pioneer hilft bei der Ersteinrichtung per App

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Denon bietet einen On-Board-Einrichtungsassistenten

Pioneer VSX-930 Mikro

Messmikrofon des Pioneer VSX-930

Pioneer VSX-930 Screenshot 8

Unglaublich, was MCACC schon in der 600 EUR-Liga für Optionen bietet. Unter anderem gibt es 6 verschiedene Presets

Das ist aber noch lange nicht alles. Praktisch jeder AVR dieser Preisklassen hat ein recht hochwertiges automatisches Lautsprecher-Einmess- und Room EQ System an Bord. Mit diesem kann das verwendete Lautsprechersystem zunächst hinsichtlich der drei Grundparameter – Lautsprecher-Größe, Abstand jedes Lautsprechers vom Hörplatz sowie Pegelangleich, dass jeder Lautsprecher am Hörplatz als gleich laut wahrgenommen wird – justiert werden. Anschließend erfolgt mittels Room EQ eine mehr oder minder gelungene Anpassung an die akustischen Bedingungen im Aufstellungsraum. Meist gelingt dies heute bei aktuellen Geräten aufgrund der deutlich gestiegenen internen Rechenleistungen („fit“ für objektbasiertes Audio, siehe oben) recht ordentlich, man kann akustische Nachteile des Hörraums ganz gut in den Griff bekommen, ohne dass die Boxen zu sehr „beschnitten“ werden hinsichtlich ihrer akustischen Qualitäten. Allerdings ist auch ein gutes Einmesssystem nie als Ersatz für einen sorgfältig akustisch optimierten Hörraum anzusehen. Schon in diesen bürgerlichen Preisklassen sind teilweise mehrere Einmesspositionen für einen größeren Bereich, in dem mehrere Personen optimiert hören können, üblich.

Wie sieht es klanglich aus? Wie sieht es im Hinblick auf die Pegelfestigkeit aus? Schon von AV-Receivern der Liga 500 bis 700 EUR darf man folgendes erwarten:

  • Sehr gute klangliche Leistungen bei Mehrkanal-Film- und Musikton hinsichtlich: Grobdynamik, Feindynamik, Impulstreue, Räumlichkeit, Stimmwiedergabe, Trennung von Stimmen und Instrumenten, fließende Übergänge zwischen  Hoch- und Mittelton, sowie Mittelton- und Bassbereich, lineare und stimmige Ansteuerung der angeschlossenen aktiven Subwoofer
  • Gute Stereo-Performance
  • Pegelfestigkeit reicht aus, um auch im 25 Quadratmeter-Hörraum ein 7.1-Lautsprecherset mit großen Standlautsprechern vorn und 60 Hz Übernahmefrequenz für den aktiven Subwoofer einsetzen zu können.

Somit können schon solche Geräte durchaus akustisch glücklich machen. Was die Lautsprecher angeht, so ist eines sehr wichtig: Es geht keinesfalls um die Gehäusegröße, sondern um den Wirkungsgrad! Große Standlautsprecher wie z.B. von Klipsch können durch ihren hervorragenden Wirkungsgrad durchaus auch mit AVRs der hier beschriebenen Preisklassen zusammen arbeiten, während kleinere Schallwandler, z.B. mit geschlossenem Gehäuse für hohe akustische Präzision, mit schlechtem Wirkungsgrad völlig ungeeignet sind fürs Zusammenspiel mit AVRs dieser Preisklasse. Welche akustischen Ansprüche können in der 500 bis 700 EUR Liga nicht befriedigt werden?

  • Extrem gute Feindynamik, auch bei HiRes Audio
  • Feinste räumliche Verteilung aller akustischen Elemente im Surroundbereich und bei der Balance Front-Surround
  • Beschallung großer Hörräume bei hohem Pegel (über 30 Quadratmeter)
  • Verwendung von 5.0 Systemen oder 7.0 Layouts, also ohne aktiven Subwoofer. Ein aktiver Subwoofer nimmt dem AVR die Arbeit im leistungsintensiven Bassbereich ab.
  • Eine erstklassige Stereo-Performance.
  • Eine enorm charismatische, filigran gestaffelte Stimmwiedergabe (z.B. Opernarie). 

Wer hier hohe Ansprüche stellt, muss sich demnach in höheren Preisklassen umschauen. Wer hingegen noch eine ordentliche Video-Schaltzentrale sucht, wird durchaus glücklich in dieser Liga. Üblich ist hier ein gutes Upscaling/De-Interlacing eingehender Videosignale z.B. von 576i auf 1.080p/24 oder von 1.080p auf 2.160p (4K). Oft können ins System integrierte Blu-ray-Player nur 576p minimal ausgeben, und nicht mehr 576i. Somit ist man sozusagen „auf Gedeih und Verderb“ dem BD-Player beim sensiblen Thema De-Interlacing angewiesen und der AVR beschränkt sich aufs reine Upscaling. 

Was können AVRs in der Liga 500 bis 700 EUR videoseitig?

  • Upscaling bis hoch auf 4K  in guter, nicht sensationeller Qualität
  • Grundparameter bei Video-EQ können vorhanden sein (Helligkeit, Kontrast, Schärfe, Farbe,, Rauschminderung)
  • Denon bietet sogar zwei ISF-Videoprogramme bei Modelljahr 2015

Nun haben wir uns einen guten Überblick verschafft, was man schon für 500 bis 700 EUR alles voraussetzen darf. Wir möchten nun, ehe wir uns höheren Preisklassen zuwenden, noch einer Frage nachgehen. Nicht wenige Zuschriften unserer Leser erreichen uns, in denen gefragt wird, ob man nicht lieber ein älteres, ehemals sehr hochwertiges Gebrauchtgerät nehmen sollte, also zum Beispiel anstatt einen 2015er AV-Receiver für 699 EUR einen 2010er Oberklasse-AVR für etwas mehr, im Falle eines Onkyo TX-NR5008 werden noch rund 800 EUR, dem sei folgender Vergleich ans Herz gelegt:

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War 2010 ein absolutes Top-Modell – der Onkyo TX-NR5008

Pro Gebrauchtgerät:

  • Imposantere Optik
  • Höherwertige Material- und Verarbeitungsqualität innen und außen
  • Größeres Angebot an konventionellen Anschlussformen (Video: Komponente und FBAS, Audio: Mehr Cinch-Ein_/Ausgänge, vielleicht noch optischer/koaxialer Digitalausgang, haben die aktuellen 500 bis 700 EUR Modelle nicht, mehr optische/koaxiale Digitaleingänge
  • Durch höherwertige Bauteile unter Umständen bessere Performance bei analoger Zuspielung im Stereobetrieb
  • Unter Umständen höhere Pegelfestigkeit
  • Wertverlust schon weg

Contra Gebrauchtgerät:

  • Keine Garantie
  • Man weiß nicht, in welchem Zustand die gesamte Elektronik ist (wurde der AV-Receiver immer korrekt betrieben oder extrem gefordert)
  • Durch deutlich geringere DSP-Leistung und damit verbunden geringere Decoding-Präzision ist der Klang im Surroundbetrieb keinesfalls zwingend besser als bei 500 bis 700 EUR Neugerät
  • Wird die Videosektion gebraucht – aufgrund des Fortschritts bei der Performance der Videosektion ist das neue Gerät klar im Vorteil
  • Das neue Gerät hat die schöneren, einfacher verständlichen OSDs
  • Das neue Gerät trumpft mit HDMI 2.0 plus HDCP 2.2 auf
  • Das neue Gerät hat unter Umständen Decoder für Dolby Atmos an Bord
  • Das Gebrauchtgerät ist nicht oder nur bedingt HiRes-Audio-kompatibel

Diese Vor- und Nachteile sollte sich jeder durchlesen und anschließend selber entscheiden, was die angemessene Lösung ist.

Wenden wir uns nun teureren AV-Receivern zu und betrachten wir einen „Musterknaben“ der 1.000 EUR-Liga: Den Denon AVR-X3200W. Was unterscheidet den AVR-X3200W für 999 EUR vom AVR-X2200W für 699 EUR? Schließlich ist auch der AVR-X3200W ein 7-Kanal-AV-Receiver.

Denon AVR-X3200W Front Seitlich2

Unverkennbar Denon: Der AVR-X3200W für 999 EUR

Denon AVR-X3200W Rueckseite Seitlich2

Rückansicht

Denon AVR-X3200W Innenleben Gesamt

Innenleben

Das bietet der AVR-X3200W mehr (die wichtigsten Punkte):

  • Ausgangsleistung an 6 Ohm, 1 kHz, 0,7 % Klirrfaktor, 2-Kanal-Betrieb: AVR-X2200W 125 Watt, AVR-X3200W 135 Watt
  • Video-Upscaling: Der AVR-X3200W skaliert bis auf 4K (50/60 Hz) hoch, der AVR-X2200W nur bis 4K (30/25/24 Hz)
  • Der AVR-X3200W verarbeitet DSD
  • HDMI kann als Zonen-Audioquelle konfiguriert werden
  • Der AVR-X3200W hat RS232-Steuerung
  • Der AVR-X3200W hat Trigger-Ausgang
  • Mehr Anschlüsse beim AVR-X3200W: 3 x Composite anstatt 2 x , 2 Komponentenvideo-Eingänge anstatt einer beim AVR-X2200W, 7.2 Pre-Out beim 3200 anstatt nur 2 x Subwoofer-Pre-Out beim 2200. Der AVR-X3200 hat 2 koaxiale Digitaleingänge, der AVR-X2200W keinen.

Insgesamt hört sich das kaum nach 300 EUR Mehrpreis an. Doch im Praxistest zeigen sich die wahren Unterschiede – für den AVR-X3200W spricht hier:

  • Mehr Pegelfestigkeit, problemlos kann auch ein 5.0 Setup (kein 7.0 Setup) mit vier Standlautsprechern für Front und Surround angetrieben werden.
  • Bessere Grob- und Feindynamik, damit besser für HiRes Audio geeignet
  • Bessere Loslösung von Stimmen, Instrumenten und Effekten von den Lautsprechern
  • Stereoperformance hinsichtlich Stabilität der Bühne sowie Stimm-/Instrumentaldifferenzierung besser
  • Videosektion: Weniger Scalingrauschen, mehr Details bei hochskaliertem Material, bei De-Interlacing höhere Bildstabilität

Wir bilanzieren: Der Anwender mit gewissem Anspruch, der auch ein Lautsprechersystem der Liga >2.000 EUR einsetzt, macht mit dem AVR-X3200W den besseren „Fang“.

Doch mit diesem 1.000 EUR AV-Receiver ist das „Ende der Fahnenstange“ noch lange nicht erreicht. Wir schauen uns in höheren Preisklassen um und präsentieren Ihnen zwei „Alternativentwürfe“ aus dem gleichen Hause, nämlich das 2014er Modell Onkyo TX-NR3030, immer noch im Angebot für 2.499 EUR, und das 2015er Modell Onkyo TX-RZ900 für 1.799 EUR. Obwohl vom gleichen Hersteller, können AV-Receiver schon optisch kaum unterschiedlicher sein. Wir vergleichen und gehen zuerst der Frage nach: Was bekommt der Kunde für die 700 EUR (bezogen auf den UVP) beim TX-NR3030 mehr?

Onkyo TX-NR3030 Front Seitlich4

Onkyo TX-NR3030

Onkyo TX-RZ900 Front Seitlich2

Onkyo TX-RZ900

Hier muss man zunächst einiges vorausschicken, denn die beiden AV-Receiver sprechen völlig unterschiedliche Anwenderprofile an. Der TX-NR3030 präsentiert sich etwas als die „eierlegende Wollmilchsau“, oder anders gesagt: „Geht nicht, gibt’s nicht“. Er hat alles und kann alles, mit einer Ausnahme:  Man kann ihn nicht auf DTS:X updaten, das geht nicht, da es sich um ein 2014er Modell handelt und DTS:X erstmals auf der CES 2015 präsentiert wurde. Der TX-RZ900 ist eher die Maschine für den akustisch sehr Anspruchsvollen. Er hat z.B. nur sieben Endstufen, dafür aber einen riesigen Ringkerntrafo und große Elkos. Er ist dadurch extrem pegelfest und dynamisch. Der TX-RZ900 hat auch nur ein einfaches GUI – dem Trend, jedes Feature in sich tragen zu müssen, hat Onkyo bei diesem Modell, auch beim etwas schwächeren Schwestermodell TX-RZ800, abgeschworen. Wir zählen der Vollständigkeit halber einige wichtige Dinge auf, die den TX-NR3030 vom TX-RZ900 unterscheiden:

Onkyo TX-RZ900 Innenleben Gesamt

TX-RZ900 mit aufgeräumten Innenleben

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Ringkerntransformator beim TX-RZ900

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TX-NR3030 mit 11 Endstufen

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TX-NR3030 mit normalem Transformator 

Onkyo TX-RZ900 Screenshot 4

GUI des TX-RZ900

Onkyo TX-NR3030 Screenshot 24

Das GUI des TX-NR3030

  • Der TX-NR3030 hat 11 (!!!) statt nur 7 Endstufen wie der TX-RZ900. Damit ist der TX-NR3030 geeignet, auch ein 7.1.4 Setup, also Extended Surround plus 4 x Atmos, anzutreiben, ohne dass es externe Endstufen braucht
  • Der TX-NR3030 hat 185 W/Kanal an 6 Ohm, der TX-RZ900 200 W/Kanal. 
  • Der TX-NR3030 hat eine Vorstufe mit 11.2 Processing
  • Der TX-NR3030 hat eine Videosektion mit Upscaling bis hoch auf 4K und mit ISF-Bildprogrammen
  • Der TX-NR3030 hat Burr Brown 192 kHz/32-Bit D/A-Wandler, der TX-RZ900 384 kHz/32-Bit D/A-Wandler von AK
  • Beide AVRs sind THX Select Plus zertifiziert
  • Der TX-RZ900 ist DTS:X-ready
  • Beide AV-Receiver haben das Onkyo-eigene Lautsprechereinmess- und Room EQ-System „AccuEQ“, welches relativ einfach gestrickt ist, aber dennoch zumeist gute Ergebnisse zustande bringt. Allerdings ist es vom Marktführer Pioneer MCACC doch ein gutes Stück entfernt. 
  • Der TX-NR3030 hat einen 11.4 (!) Pre-Out, der TX-RZ900 nur einen 7.2 Pre-Out
  • Der TX-NR3030 hat für Front L/R sogar XLR-Terminals
  • Der TX-RZ900 ist AirPlay-kompatibel, der TX-NR3030 nicht.
  • Der TX-NR3030 hat an onlinebasierten Musikdiensten AUPEO! an Bord, dieser Service fehlt beim TX-RZ900
  • Der TX-NR3030 hat einen AV-Eingang auf der Gerätefront
  • Der TX-NR3030 hat drei HDMI-Ausgänge, der TX-RZ900 nur zwei. 
  • Der TX-NR3030 hat drei koaxiale Digitaleingänge, der TX-RZ900 nur zwei. 
  • Der TX-NR3030 hat 4 Komposite-Videoeingänge, der TX-RZ900 nur drei. 
  • Der TX-NR3030 hat eine bidirektionale, vorprogrammierte und lernfähige Systemfernbedienung, die des TX-RZ900 ist nur vorprogrammiert. 
  • Der TX-NR3030 verfügt über „Pure Direct Analog Path“.

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Onkyo TX-NR3030 und TX-RZ900 lassen sich natürlich per App steuern

Wie man sehen kann, sind die Unterschiede zwischen den Modellen keinesfalls als marginal abzutun. In unseren Hörtestreihen offenbaren die zwei AV-Receiver ein anderes Profil, was uns zeigt, dass Onkyo den TX-RZ900 bewusst anders ausgelegt hat. Wir vergleichen:

  • Der TX-NR3030 klingt schmaler, metallischer, fordernder
  • Der TX-RZ900 klingt sehr homogen, angenehm, in sich schlüssig, trotzdem sind die Höhen brillant
  • Die gebotene Räumlichkeit ist beim TX-RZ900 ausgeprägter
  • Vergleichen wir beide Geräte mit einem Atmos 5.1.2 Setup. Hier gefällt uns der TX-RZ900 deutlich besser. Er schafft mehr subtile Räumlichkeit, detailliert besser und trumpft mit mehr Dynamik bei aufeinander folgenden großen Effektkombinationen auf. Ebenso gibt sich der TX-RZ900 beim mehrstündigen Hören mit hohem Pegel (80 % der Maximallautstärke) souveräner. Hier profitiert der TX-RZ900 definitiv von der besseren Stromversorgung, der Ringkerntrafo steht für die Langzeitstabilität, und die großen Elkos bringen kurze heftige Effekte optimal heraus.
  • Im Stereobetrieb klingt der TX-RZ900 verbindlicher, etwas wärmer, trotzdem klarer und detailreicher.

Klares Fazit: Wer auf die zugegebenermaßen sehr gute Videosektion des TX-NR3030 und auf die 11 Endstufen verzichten kann, findet im TX-RZ900 den besseren Partner. Es dürfte schwer sein, selbst in höheren Preisklassen einen AVR zu finden, der harmonischer, klarer und gleichzeitig kräftiger klingt. Größter Nachteil sind die nur sieben Endstufen. Hätte der TX-RZ900 neun Endstufen und wäre auch für ein Atmos 5.1.4 Setup geeignet, wäre es ein Traum AV-Receiver. So bleibt leider ein fader Beigeschmack zurück. 

Wir haben nun den interessanten Vergleich der beiden Onkyo Topliner unternommen, und nun gesellen sich noch zwei unterschiedliche „Konzernbrüder“ dazu – der Marantz SR7010 für 1.699 EUR und der neue Denon AVR-X6200 für 2.299 EUR.

Denon AVR-X6200W Front Seitlich2

Schlicht und elegant – der Denon AVR-X6200W

Denon AVR-X6200W Rueckseite Seitlich1

Rückseite

Denon AVR-X6200W Innenleben Gesamt

Hochwertiges Innenleben, aber kein Ringkerntrafo trotz 2.299 EUR Kaufpreis

Marantz SR7009 Front Seitlich5

Das Marantz-typische „Bullauge“ darf nicht fehlen: SR7009

Marantz SR7009 Rueckseite Seitlich3

Rückseite

Marantz SR7009 Innenleben Gesamt2

Innenleben mit Blech-Kühlkörper = sichtbarer Sparzwang

Denon Remote App 9

Denon-App, die auf den Zugriff auf alle multimedialen Features erlaubt

Marantz_App_Eingangswahl

Im anderen Design, doch mit sehr ähnlicher Funktionalität, kommt die schicke Marantz App daher

Schon optisch gehen beide AV-Boliden getrennte Wege und treten jeweils im für den Hersteller typischen Außen-Design an. Da der Denon – wir rechnen beide AVRs ohne das überflüssige Auro-3D-Update (online für 149 EUR optional erhältlich, aufgrund des geringen Software-Angebots halten wir Auro-3D für verzichtbar) 600 EUR teurer ist, muss er auch mehr bieten. Tut er das auch? Zunächst vergleichen wir die Ausstattung:

Denon AVR-X6200W:

  • Dolby Atmos an Bord, vorbereitet für DTS:X, Auro-3D Update möglich
  • 13.2 Vorverstärkerausgänge
  • 9 Endstufen mit 205 Watt/Kanal 
  • Spezielle Verstärker-Transistoren mit monolithischem Aufbau
  • 8 HDMI 2.0a-Eingänge mit HDCP 2.2, Unterstützung von 4:4:4 Pure Color Subsampling, HDR, BT.2020
  • 3 HDMI-Ausgänge
  • Videosektion mit Upscaling auf 2.160p 50/60 Hz und ISF-Zertifizierung
  • WLAN und Bluetooth
  • Voll HiRes Audio-kompatibel
  • DSP-Suite Audyssey Platinum mit Audyssey MultEQ XT32
  • IP-Steuerung Denon HEOS Link

Marantz SR7010:

  • Dolby Atmos an Bord,  vorbereitet für DTS:X, Auro-3D Update möglich (ab Anfang 2016 fürs neue Modell)
  • 11.2 Signalverarbeitung
  • Marantz Hyper Dynamic Amplifier Module
  • 9 Endstufen mit 200 W/Kanal (6 Ohm)
  • 8 HDMI 2.0a-Eingänge mit HDCP 2.2, Unterstützung von 4:4:4 Pure Color Subsampling, HDR, BT.2020
  • 3 HDMI-Ausgänge
  • Videosektion mit Upscaling auf 2.160p 50/60 Hz, ISF-Zertifikat
  • WLAN und Bluetooth
  • Voll HiRes-Audio-kompatibel
  • DSP-Suite Audyssey Platinum mit Audyssey MultEQ XT32

Die Ausstattungsliste gibt den Preisunterschied nicht her, so viel ist gewiss. Demnach muss man hören, um zu wissen: Was leistet der AVR-X6200W mehr? Anmerkung: Unser Eindrücke aus den Hörtestreihen beziehen sich noch auf den Vorgänger SR7009. Ein Test des SR7010 steht noch aus. Wir bitten dies zu entschuldigen und zu berücksichtigen. 

In der täglichen Hörpraxis offenbart der AVR-X6200W die folgenden Vorzüge:

  • Deutlich mehr akustische Gesamtharmonie. Der SR7009 klingt spitzer, fordert den Hörer mehr.
  • Gerade für Klassik oder Jazz ist der geschmeidige, rund klingende AVR-X6200 eine hervorragende Wahl.
  • Im Stereobetrieb klingt der AVR-X6200W voller, räumlich dichter und bietet die bessere, weil differenzierter gestaffelte Bühne. 
  • Die Pegelfestigkeit des AVR-X6200W ist gerade in Verbindung mit großen Standlautsprechern besser, es kommt zu weniger dynamischen Einschnitten bei hoher Hörlautstärke. 
  • Durch die sehr homogene und in sich komplett schlüssige Auslegung ist der AVR-X6200W zu einem deutlich größeren Kreis an Lautsprechersystemen kompatibel. 

Wir ziehen ein klares Fazit, bezogen auf den SR7009: Wer das Geld zur Verfügung hat, sollte den Denon AVR-X6200W nehmen, der akustisch eine deutlich bessere Wahl darstellt. Die Videosektionen beider Devices dürften annähernd die identischen Leistungen bringen. 

Pioneer SC-LX88 Front Seitlich3

Kraftpaket: Der Pioneer SC-LX88 (2014)

Pioneer SC-LX88 Innenleben Gesamt1

Aufwändig versteiftes Chassis, hochwertiges Innenleben

Pioneer SC-LX88 Rueckseite Seitlich1

Nahezu perfektes Anschlussangebot

Es gibt noch einen harten Konkurrenten – den Pioneer SC-LX88. Inzwischen gibt es den SC-LX89, ausführlich getestet haben wir aber den SC-LX88, auf den wir uns hier beziehen. Er kostete bei seiner Markteinführung 2.599 EUR und bietet folgende Eigenschaften:

  • Dolby Atmos Decoder
  • 9 digitale Hochleistungsendstufen, Class D, „Direct Energy HD“, mit satten 260 Watt (!) pro Kanal
  • ESS Sabre 32Bit Ultra-D/A-Konverter
  • Weltbestes UE-Einmesssystem MCACC mit hervorragenden Nachbearbeitungsmöglichkeiten
  • Natürlich volle HiRes-Funktionalität inklusive DSD (wird vom ESS DAC besonders sorgfältig behandelt)
  • Nutzung als USB-DAC (hat kein Konkurrent), so kann der SC-LX88 mittels USB-B Terminal als „externe Soundkarte“ für den PC verwendet werden. 
  • Video-Processing bis hoch auf 4K mit Video-EQ und vorgefertigten Bildfeldern 
  • Klangliche Optimierung durch die renommierten Londoner Air Studios
  • Exzellente Apps von Pioneer, getrennt downloadbare Apps zur Ersteinrichtung und Steuerung, für Smartphone und Tablet, besonders leistungsfähig, darum erwähnenswert. 

Neu auf der IFA wurde der SC-LX89 präsentiert, der die folgenden Merkmale aufweist:

SC-LX89-K (dtsX) HERO1

SC-LX89

SC-LX89 insideview 

Pioneer SC-LX89 von innen

Pioneer SC-LX89-K Rear

Rückseite

Pioneer SC-LX89 Seite links

Quellwahlregler

Pioneer SC-LX89 Seite rechts

Mit Air Studios-Sound Tuning

  • Preis moderat angehoben auf 2.699 EUR
  • Dolby Atmos on board, vorbereitet für DTS:X
  • MCACC Pro Einmesssystem mit Full Band Phase Control und Subwoofer-EQ sowie optimaler Einmessung der Atmos/DTS:X Channels
  • Überragende 850 Watt Ausgangsleistung bei simultaner Belastung aller Kanäle, wieder 9-Kanal Class D Digitalendstufe
  • Neues Layout: Auf der Hautplatine finden sich zusätzlich leistungsstarke Co-Prozessoren für genug Rechenleistung (Dolby Atmos, DTS:X, MCACC Pro)
  • ESS Sabre 32-Bit Ultra-DAC ES9016S
  • USB-DAC arbeitet nun asynchron bis 192 kHz/32-Bit (SC-LX88: 192 kHz/24-Bit), zudem ist der USB-DAC (nicht der „normale“ DAC) in der Lage, DSD nativ in 1-Bit-Technik zu verarbeiten.
  • Bei der HiRes-Wiedergabe erweiterte Fähigkeiten. Unterstützt 5.0 oder 5.1 als WAV bis 192/24, Flac bis 96/24. Gapless-Playback ist integriert. 
  • Videoseitig wird vom SC-LX89 HDR plus BT.2020 Farbraum unterstützt. 

Schon in den damaligen Testreihen  beeindruckte uns der SC-LX88 sehr. Unsere Gründe für diese Einschätzung:

  • Die digitalen Endstufen sind akustisch nicht als solche „zu entlarven“. Alle anderen hier aufgeführten Gerätehersteller arbeiten mit analogen Endstufen, da diesen zwar der nachweisbare Nachteil des aufgrund der hohen Verlustwärme schlechten Wirkungrades eigen ist, aber, wie der Volksmund spricht, sind die akustischen Eigenschaften – charismatischer, ehrlicher, direkter und authentischer Sound – besser. Soweit die graue Theorie, die Praxis spricht eine andere Sprache. Pioneer hat es nämlich geschafft, beinahe ausschließlich die Vorzüge der digitalen Verstärkertechnik herauszustellen. Bei klassischer Musik oder bei Jazz mag noch ein Hauch von synthetischer Wiedergabe bei der Detaillierung zu vernehmen sein – dies fällt aber nur dem sehr anspruchsvollen Klang-Freund ernsthaft auf. Dafür strotzen die Digitalendstufen nur so vor Kraft und sind zu Pegeln fähig, die ansonsten höchstens reine Vor-/Endstufenkombinationen schaffen. Die Dynamik ist überdies sensationell, und die akustische Gesamtauslegung ist durchaus als sehr gelungen zu bezeichnen. Im Vergleich zu früheren, d.h. älteren Pioneer AVRs gibt sich der SC-LX88 viel verbindlicher, und er ist auch für klassische Musik ausgezeichnet zu verwenden. Exzellent schlägt sich der hoch präzise wandelnde SC-LX88 auch bei HiRes-Files. 

Wir haben eines gelernt – vielfältig sind die Facetten im AVR-Business zwischen 1.600 und 2.600 EUR. Verglichen mit günstigeren AVRs fällt auf, dass bei den elementaren Features – Fähigkeiten der Audio- und Videosektion – gar keine so großen Unterschiede bestehen. Es sind eher Faktoren wie der Aufbau der Endstufen, einige besonders edle Details (Onkyo TX-NR3030 mit 11 Endstufen, Pioneer SC-LX88 mit USB-DAC), die den Reiz des Besonderen ausmachen. Wer viel hochklassige Musik in Stereo oder Mehrkanal hört beziehungsweise bei der Filmtonwiedergabe den Begriff „Heimkino“ sehr wörtlich nimmt, ist mit einem AVR-Boliden auf jeden Fall trotz der hohen Investition bestens bedient. 

Yamaha CX-A5100 Front Seitlich2

Yamaha CX-A5100 Vorstufe

Yamaha CX-A5100 Rueckseite Seitlich

Komplette XLR-Beschaltung

Yamaha CX-A5100 Innenleben Gesamt

Innenleben

Yamaha_CX_A5100_App_Adventure

App auf dem Tablet mit toller Grafik und DSP-Nachbearbeitungsfunktionen

Nun wollen wir uns noch der „Krone der bezahlbaren AV-Vor-/Endverstärker“ widmen – wie schon der Satz zeigt, handelt es sich um zwei getrennte Geräte, die sich, rechnet man die Kaufpreise zusammen, natürlich in anderen Dimensionen abspielen. Es geht um die Yamaha-Kombination CX-A5100 (11.2 AV-Vorstufe) und MX-A5000 (11-Kanal-Endstufe). Zusammen kosten die Komponenten 5.000 EUR – und sie sind für den sehr anspruchsvollen Klang-Liebhaber jeden Cent Wert. Wie kommen wir zu dieser Einschätzung?

Yamaha-MX-A5000-Innenleben-Gesamt3

Yamaha MX-A5000 von innen

Hier unsere Gründe:

  • Zunächst einmal sind die Leistungen bei Grob- sowie Feindynamik und bei der atmosphärischen Dichte nochmals hörbar besser im Vergleich zu AV-Receivern der 2.500 EUR-Klasse. 
  • Man kann ohne Bedenken ein 17.000 EUR ELAC Lautsprecher-Set der 400er Serie an der Yamaha Vor-/Endstufenkombination betreiben. Natürlich geht das an einem 1.800 EUR AV-Receiver auch, aber nicht in dieser Art und Weise. An den Yamaha Komponenten können sich die ELAC-Lautsprecher voll enthalten und auch die Fähigkeiten des phänomenalen JET 5 Bändchenhochtöners kommen glänzend im wahrsten Sinne des Wortes heraus. 
  • Die MX-A5000 Endstufe mit 11 Verstärkerzügen (150 Watt/Kanal an 8 Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,06 % Klirr, 2 Kanäle ausgesteuert, 170 Watt/Kanal an 8 Ohm, 0,9 % Klirrfaktor, 1 kHz, 2 Kanäle ausgesteuert, 290 W/Kanal an 4 Ohm, 1 kHz, 0,9 % Klirr, 1 Kanal ausgesteuert) garantiert höchste Belastbarkeit auch im 40 Quadratmeter-Raum. Sicher – für absolute „Freaks“ geht auch hier nochmals mehr, aber wie wir bereits eingangs erwähnt haben, sind solche sehr teuren Lösungen nicht Bestandteil unseres Specials.
  • Bilanzierend dringt der Besitzer der Yamaha Vor-/Endstufenkombination in neue Sphären bei der Wiedergabe von mehrkanaligem Audiomaterial und auch bei Stereo-Quellen vor. Überall gibt es noch mehr: Mehr Finesse, mehr Klangkultur, mehr Räumlichkeit, mehr Detailreichtum. Das alles können die zuvor beschriebenen AV-Receiver auch schon richtig gut, aber nicht so perfekt wie die Yamaha Vor-/Endstufenkombination, die noch etwas Einzigartiges besitzt: Hervorragende DSP-Programme, die auf real existierenden, akustisch exakt vermessenen Lokalitäten basieren. Besonderheit der CX-A5100 Vorstufe ist nun, dass die DSP-Sektion so leistungsfähig ist, dass die DSP-Programme sogar zusammen mit Dolby Atmos und zukünftig DTS:X verwendet werden können. Gerade die Cinema- und Music-DSPs (weniger die „Entertainment“ DSPs, die schlichter wirken) machen genau das nicht, was man DSP-Programmen landläufig nachsagt: Den Klang zu verschlechtern durch zuviel Hall und mangelnde Präzision. Subtile Verbesserungen – mehr authentische Räumlichkeit oder mehr Struktur in den Effekten – sind vielmehr die Stärke der ausgefeilten DSP-Programme.
  • Erwähnenswert, wenn auch nicht nur bei der CX-A5100 vorhanden, sind die 6 (!) Speicher für individuelle Justagen beim Video-EQ.
  • Das Upscaling auf 1.080p und auf 4K ist mit das beste, was der Markt derzeit bietet – hier macht der CX-A5100 keiner etwas vor. Leider verzichtet Yamaha auf eine ISF- und/oder THX-Zertifizierung der Videosektion und hält die Parameter, die eingestellt werden können, etwas zu gering. 
  • Das YPAO-Einmesssystem von Yamaha hat mittlerweile, das belegt auch die CX-A5100, beinahe den Standard von Pioneers MCACC erreicht. 
Fazit

Es ist, wie üblich, eine Frage der persönlichen Ansprüche, auf welchen AV-Receiver bzw. auf welche AV-Systemlösung die Wahl fällt. Wir haben bewusst nur exemplarische Feststellungen in diesem Special getroffen, und haben nicht das gesamte Angebot an Komponenten vorgestellt. Vielmehr soll dieses Special zeigen, dass man auch in der Preisliga zwischen 500 und 700 EUR schon mit höheren Erwartungen in den Kaufprozess einsteigen kann, als man vielleicht spontan gedacht hätte. Mit sehr guter Audio- und Video-Kompetenz und einer beinahe lückenlosen Ausstattung warten schon Mittelklasse-Modelle heute auf. Mit dem Kaufpreis steigt mittlerweile interessanterweise weniger die Opulenz der Ausstattung, sondern vielmehr die audiovisuelle Performance im Detail. Bessere Baugruppen, mehr Leistungsfähigkeit bei der Stromversorgung, bessere Transistoren, Kondensatoren – das gab es auch früher in den höherpreisigen Modellen, aber dies wiesen früher auch noch deutlich mehr Feature-Unterschiede zur Mittelklasse auf. Wer heute wirklich anspruchsvoll ist in Bezug auf die akustische Leistung, sollte sich auf jeden Fall einen AV-Boliden ab 1.600 EUR gönnen, die intensive Hörfreude bei allem Quellmaterial wird es danken. Für alle,die einen treuen und gut klingenden Alltagsbegleiter mit vollständiger Ausstattung suchen, reicht auch ein 600 EUR AV-Receiver locker aus. 

Special: Carsten Rampacher
Datum: 09. November 2015




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