TEST: Denon 7.2 AV-Receiver AVR-X2200W – Das Rundum-Sorglos-Paket für 699 EUR?

Denon AVR-X2200W Front Seitlich2

Für 699 EUR (UVP, Marktpreis um die 580 EUR) kommt eines von Denons Erfolgsmodellen nach Hause: Der voll ausgestattete 7.2 Netzwerk-AV-Receiver AVR-X2200W (wahlweise in schwarzer oder Premium silberfarbener Variante) mit integrierter WLAN- und Bluetooth-Funktionalität, umfangreichen Netzwerkfunktionen, Decoder für Dolby Atmos, dem Audyssey „Silver“ Ausstattungspaket, der Vorbereitung für DTS:X und mit HDMI 4K 50/60 Hz Terminals inklusive HDCP 2.2 präsentiert sich das Gerät in zeitgemäßer Verfassung. Eine Videosektion mit Upscaling bis hoch auf 4K und sogar ISF-Zertifizierung (ISF-Modi Day and Night) ist ebenfalls an Bord. Der größere Denon AVR-X3200W konnte im Test für vollste Zufriedenheit sorgen, wir fragen uns jetzt, ob dies der kleinere AVR-X2200W auch schafft. 

Wenden wir uns den Einzelheiten zu. Der Advanced Quad Core 32-bit DSP-Prozessor stellt genug Rechenleistung auch für Dolby Atmos und DTS:X (voraussichtlich ab 2016) zur Verfügung. 4 DSP-Units mit 300 MHz schaffen mehr als 1 Milliarde Berechnungen pro Sekunde. Das ist immens wichtig bei den objektbasierten Heimkino-Tonnormen, da der AV-Receiver in Echtzeit die Zuweisung der Audio-Objekte, passend zum verwendeten Lautsprechersystem, vornehmen muss. Da der AVR-X2200W sieben eingebaute Endstufen besitzt, kann man lediglich mit der kleinsten Atmos-Konfiguration arbeiten, das heißt 5.1.2. Da der Denon zwei Pre-Outs für den Anschluss aktiver Subwoofer mitbringt, kann man auch ein 5.2.2 Set-Up realisieren. 

Die Ausgangsleistung (6 Ohm, 1 kHz, 0,7 % Klirr, 2-Kanal-Betrieb) wird mit 125 Watt/Kanal angegeben. Im 1-Kanal-Betrieb, bei 1 kHz, 1 % Klirrfaktor, sind es 150 Watt/Kanal. Der diskrete Aufbau der Endstufe ist in der 700 EUR-Liga eine Selbstverständlichkeit. Denon spricht von einer Kompatibilität des AVR-X2200W zu einer breiten Auswahl an Lautsprechermodellen. Er soll auch im 4-Ohm-Betrieb eine stabile Leistung gewähren. 

Denon AVR-X2200W Antenne

Auf jeder Seite eine Antenne

Medial befindet sich der AVR-X2200W auf aktuellem Stand. AirPlay gehört ebenso zum Ausstattungumfang wie ein DLNA 1.5 Zertifikat. Spotify Connect fehlt ebenso wenig wie vTuner-basiertes Internet Radio. Der AV-Receiver ist mit einem erweiterten Funk-Tranceiver-System mit zwei Antennen ausgestattet. Daher ist selbst in überlasteten RF-Umgebungen ein stabiles Streaming sichergestellt. 

Denon AVR-X2200W Rueckseite Seitlich

Rückseite komplett

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Sieben HDMI-Inputs hinten und zwei Ausgänge

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Netzwerk, 2 x digital optisch, Cinch-Anschlüsse Audio/Video

Denon AVR-X2200W Anschluesse Rueckseite1

Lautsprecherkabel-Anschlussterminals

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Front-Anschlüsse: HDMI, USB, Buchse fürs Setup-Mikrofon

Anschlussseitig stellt der AVR-X2200W gleich 8 HDMI-Eingänge (HDCP 2.2 kompatibel, 4K/Ultra HD mit voller Bildrate 50/60 Hz, 4:4:4 Pure Color 4K Subsampling, 21:9 Video Passtrough) und zwei HDMI-Ausgänge zur Verfügung. Die weitere Anschlussbestückung umfasst neben den schon erwähnten Modulen für WiFi und Bluetooth eine RJ45 Netzwerkbuchse, zwei optische Digitaleingänge, 2 Pre-Outs zum Anschluss externer aktiver Subwoofer, einen anlogen Ausgang für Zone 2, USB-Terminals, zwei Composite Video-Eingänge, 1 Komponenteneingang (Video), 4 analoge Eingänge sind ebenfalls vorhanden.

Der AV-Receiver mit 7.1 Processing der Vorstufe besitzt die üblichen Decoder für DTS-HD Master/High Res Audio, er ist zudem vorbereitet für DTS:X. Noch ist aber nicht bekannt, wann es nun generell dieses neue Format geben wird. Dolby TrueHD und Dolby Atmos (bis 5.1.2) werden auch decodiert, nicht verfügbar für dieses Modell ist das Auro-3D Upgrade (aus dem Netz per Download), das es für 149 EUR für einige größere Denon AVRs gibt. Auch nicht an Bord sind Audyssey DSX und Dolby PLIIz, diese Formate mit matrixbasierten Front Height Lautsprechern benötigt aber auch niemand mehr ernsthaft. Mit dabei ist ein konventioneller Dolby Surround Decoder. DTS Neo:X fehlt, per Update kommt aber DTS Neural:X (7 Channels). 

Wenden wir uns den Audio-Formaten zu, die der AVR-X2200W wiedergeben kann. MP3, WMA und AAC sind hier natürlich vertreten, ebenso FLAC, ALAC und WAV bei den hochauflösenden Audioformaten. FLSC HD ist bis 192/24 möglich, ebenso WAV. ALAC wird bis 96/24 entgegen genommen. DSD-Audiostreaming wird vom Denon ebenfalls unterstützt. Der AVR ist kompatibel mit Windows PlayTo und mit Windows 8. 

Denon AVR-X2200W Mikro

Einmess-Mikrofon

Der AVR-X2200W kommt mit dem Audyssey Silver-Paket, in diesem Package sind das automatische Lautsprecher-Einmesssystem mit Room EQ MultEQ XT, sowie die Funktionen Dynamic EQ und Dynamic Volume enthalten. MultEQ XT misst an bis zu 8 Hörpositionen ein, dass auch mehrere Personen später in den Genuss eines ausgewogenen Klangbildes kommen. Im Vergleich zum einfachen MultEQ-System ohne „XT“ Zusatz wird die achtfache Auflösung erreicht. Leider werden etwaige Atmos-Module bei der Audyssey-Einmessung, die ansonsten problemlos abläuft, bei Verwendung des Einrichtungsassistenten nicht berücksichtigt. Wenn man später im normalen Menü nochmal die Audyssey-Einmessung startet, werden auch – bei entsprechender zuvor erfolgter Konfiguration – die Atmos-Module mit einbezogen. Über MultEQ XT rangiert übrigens das MultEQ XT32 System in den großen Denon AVRs.

Weitere Audyssey-Features: Audyssey Dynamic EQ ist eine „moderne Form der Loudness“. Auf Basis von psychoakustischen Modellen wird kontinuierlich das Klangbild angepasst, so dass der Anwender auch bei niedrigen Lautstärken den gesamten Frequenzbereich wahrnehmen kann – und somit ist ein voller, stimmiger Sound garantiert. Audyssey Dynamic Volume korrigiert selbsttätig störende Lautstärke-Sprünge, wie sie z.B. vorkommen, wenn vom Spielfilm auf den Werbeblock gewechselt wird, und der Hörer aufgrund der nun extrem laut erscheinenden Werbung für das sauberste, sparsamste und summa summarum beste Spülmaschinen-Tab aller Zeiten zusammenzuckt. 

Der AVR-X2200W verfügt über vier Schnellauswahl-Funktionstasten auf der Vorderseite, auch auf der Remote sind diese Tasten vorhanden. Mittels dieser vier Knöpfe ist es möglich, rasch auf die bevorzugten Quellen zuzugreifen. Der AVR-X2200W ist über den HEOS Link mit IP-Steuerung kompatibel. Dadurch ist es möglich, den AVR auch mit der sehr guten HEOS-App zu steuern, wenn man z.B. zu Hause bereits ein HEOS Multiroom-Audio-System einsetzt. Der AVR-X2200W kann auch mittels der IP-Steuerung mit einem beliebigen PC im Heimnetzwerk konfiguriert sowie bedient werden, entweder per LAN oder per WLAN. 

Denon AVR-X2200W Fernbedienung

Mitgelieferte Systemfernbedienung RC-1192, sehr übersichtlich, mit gutem Kontrast des Gehäuses zu den Tasten

Mitgeliefert wird die übersichtliche Systemfernbedienung RC-1192, alternativ kann der AVR-X2200SW auch über die Denon Remote App (für iOS und Android) mittels Tablet oder Smartphone gesteuert werden. Dank der ECO-Funktion für geringen Stromverbrauch (lohnt dann, wenn man die volle Endstufenleistung nicht benötigt, z.B. am Abend) verbraucht der Denon im Leerlauf nur 35 Watt. Ohne ECO-Mode sind es 75 Watt. Der Standby-Stromverbrauch wird mit 0,1 Watt angegeben, bei aktiviertem CEC sind es 0,5 Watt. Der Netzwerk-Standby-Stromverbrauch wird von Denon mit 2,7 Watt. Der 9,4 kg wiegende AVR-X2200W ist 434 mm breit, 339 mm tief und ohne Antenne 167, mit Antenne 235 mm hoch.

Die Verarbeitung des AVR-X2200W ist, so wie wir es von Denon kennen, sehr gut.

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Griffgünstiger Regler für die Quellwahl

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Großer, Denon-typischer Lautstärkedrehregler

Die Gerätefront erscheint aufgeräumt und ist sehr akkurat aus seitlicher Sicht eingepasst. Hier sind kaum Spaltmaße zu erkennen. Die Materialqualität der Frontblende hinterlässt einen tadellosen Eindruck, auch wenn wir nicht klar ausmachen können, ob es sich um Aluminium oder Kunststoff handelt. Unter dem AVR-X2200W sorgen stabile, gut aussehende Standfüße für soliden Halt. Das Display ist einzeilig, bei den größeren Modellen setzt Denon zweizeilige Displays ein. Die Auflösung geht für die Preisklasse absolut in Ordnung. Die großen Drehregler für Quellwahl und vor allem Lautstärke liegen tadellos in der Hand. 

Denon AVR-X2200W Innenleben Gesamt

Sehr aufgeräumt erscheinendes Innenleben

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Transformator

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Platinenlayout

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Blech-Kühlkörper

Der AV-Receiver präsentiert sich mit aufgeräumten und angemessen hochwertigem Innenleben. Allerdings merkt man schon gleich bei der Innen-Gesamtansicht, dass man es mit einem Mittelklassemodell und nicht mit einem Oberklasse-AV-Receiver zu tun hat. Wer nun auf den einfachen Blech-Kühlkörper anspielt, wird beim Blick in den 300 EUR teureren AVR-X3200W feststellen, dass dieser nun auch selbst in der 1.000 EUR-Liga Einzug erhalten hat. Das wäre bei Denon vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Die Verkabelung ist akkurat, nur wenige kleine Kabel hängen ohne Kabelbinder herum. 

Setup und OSD

Der AVR-X2200W weist, typisch für Denon-AVRs, einen leicht verständlichen Einrichtungsassistenten auf.Eine App zur Ersteinrichtung, wie sie z.B. Pioneer oder Yamaha offerieren, bietet Denon nicht an, unserer Meinung nach ist aber ohnehin eine im Gerät integrierte Ersteinrichtungs-Funktion sinnvoller. 

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Sprachwahl

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Erläuterungen

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Übersicht der benötigten Teile

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Lautsprecher-Einstellungen

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Verkabelung

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Anweisungen, die bis ins Detail gehen

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Falsches Verkabeln ist nun praktisch ausgeschlossen

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Verbindung der Subwoofer/des Subwoofers

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Testton aus jedem Lautsprecher

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Lautsprecher-Kalibrierung

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Aufstellung des Mikrofons

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Netzwerk einrichten

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Überprüfung, ob das Netzwerk funktionsfähig ist

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Steuerungsmöglichkeit ja oder nein

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TV-Audio-Verbindung

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Steuerung mittels HDMI, ja oder nein

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Start des Einrichtens der Eingänge

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Wahl des entsprechenden Eingangs

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Wahl der Video-Anschlussform

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Anschluss eines entsprechenden HDMI-Kabels

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Verbindungstest

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Weitergabe von Nutzungsdaten

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Einrichtung mittels des Assistenten ist abgeschlossen

Natürlich finden sich auch noch normale Menüs für das Handling aller Funktionen, die wir nun vorstellen.

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Einrichtungsmenü

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Video-Menü

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HDMI-Konfiguration

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Video-/Ausgabe-Einstellungen

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OSD-Einstellungen

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Menü „Eingänge“

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Eingangszuordnung

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Manuelle Lautsprecher-Konfiguration

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Endstufen-Zuweisung

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Lautsprecher-Abstände (0,1 oder 0,01 Meter)

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Grafisch gut gelöst

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Atmos-Module

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Menu „Netzwerk“

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Menu „Allgemein“

Insgesamt sind alle Menüs recht einfach zu bedienen, gut gefallen uns erklärende Texte und die Bebilderung. Im Zusammenspiel mit der gut reagierenden, im Lieferumfang enthaltenen Systemfernbedienung ist so eine komfortable Konfiguration möglich. 

Klang

Wir hören mit 2 x Klipsch RP-280FA (Front-Standlautsprecher mit integriertem Atmos-zertifizierten Modul), 1 x Klipsch RP-450CA (Center) und 2 x Klipsch RP-160M für die Rearbeschallung). da wir möchten, dass der AVR-X2200W sich richtig anstrengen muss, spendieren wir ihm keinen aktiven Subwoofer als Support. 

Das Audyssey Einmessystem haben wir an 8 Hörpositionen einmessen lassen. Liegt eine Phase falsch an, gibt das System zuverlässig Alarm. 

Gleich zu Beginn legen wir die „Ambra – Prism Of Life“ BD mit Dolby Atmos Tonspur ein und lauschen „Caleidoscope 1 +2“ und „Prism Of Life“. Der AVR-X2200W liefert einen soliden Klang mit stabilem Stand, auch bei gehobenem Pegel, in Verbindung mit den großformatigen RP-280FA Lautsprechern und bietet einen in sich schlüssigen, homogenen Klang mit guter Auflösung. An der Auflösung kleiner, feiner Elemente merkt man einen Unterschied zum 300 EUR teureren AVR-X3200W, der hier mehr Struktur und Finesse im Hochtonbereich einbringt. Der AVR-X2200W bietet für seine Preisklasse sehr starke Endstufen, die denen des anerkannt erstklassigen Pioneer VSX-930 kaum nachstehen. In der Pegelfestigkeit herrscht Gleichstand, der Pioneer agiert nur noch etwas flinker bezüglich des Ansprechverhaltens. Man merkt im Bassbereich schon, dass mit einem aktiven Subwoofer noch mehr geht, aber was der Denon herausholt, ist höchst beachtlich. Er hat auch bei hohem Grundpegel noch genug Reserven, massive Bass-Einsätze glaubwürdig wiederzugeben. Schnelle Front-Surround-Effektwechsel werden sauber pariert, und Dynamiksprünge kommen auch ausgezeichnet heraus. Der AVR-X2200W wird nie tonal unangenehm spitz oder aggressiv, sondern bleibt immer souverän, was uns sehr positiv aufgefallen ist. Stimmen, wie auf der Ambra-BD werden prima eingearbeitet, hier hilft natürlich auch der große, leistungsstarke RP-450CA Center von Klipsch, die Fähigkeiten des Denon gut herauszustellen. 

Mit 5.1.2 geht es weiter, und zwar mit der Metallica-BD „Through The Never 3D“. Der Song „The Ecstasy Of Gold“ ist aggressiv und kraftvoll. Bereits, bevor der Song durchstartet, macht sich der Denon Freunde durch die sehr gute Integration des jubelnden Publikums. Er schafft hier sogar mehr Auflösung als mancher teurere Marantz AVR, ebenfalls aus dem Hause D&M. Die dichte räumliche Atmosphäre hüllt den Zuhörer ein, und dann folgt urplötzlich ein Dynamiksprung, und es geht ab – aber wie. Harte, kraftvolle Bässe, schwungvolle Einlagen mit der E-Gitarre, die aggressiv anmutende Stimme des Sängers, all dies vermischt sich zu einem explosiven musikalischen Cocktail. Der AVR-X2200W bringt die richtige Ordnung in alles und verschafft dem Zuhörer auch noch einen Überblick, wie effektiv Atmos den Raum nach oben weitet. Hier fehlt es kaum an etwas, nur die Stimme ist zum einen minimal unterrepräsentiert, und zum anderen etwas schwammig eingebunden. Da es bei diesem Quellmaterial aber auch schwierig ist, hier ein Top-Leistung abzuliefern, wollen wir aufgrund der recht niedrigen Preisliga, in der sich der Denon befindet, hier keine allzu nachdrückliche Kritik üben.

Kann der AVR-X2200W auch bei der Filmtonwiedergabe Punkte sammeln? Wir machen einen Upmix auf Dolby Atmos von der Dolby TrueHD Tonspur der BD „GI JOE – Die Abrechnung“. Wir hören uns den Film ab Beginn an. Und der Music Score kommt mit angemessener Wucht sehr gut heraus. Der Film startet mit einer Sequenz, die in Nordkorea spielt, Hier soll vom GI JOE Team ein Überläufer befreit werden. Funksprüche, der kraftvolle Music Score, leise Dialoge, das Durchtrennen des Drahtzauns und der Vormarsch zum Gebäude sind die Effekte, bei denen der Denon sich beweisen muss, Er tut dies überzeugend, durch ordentliche Detaillierung, tadellose Impulstreue und ein ausgezeichnetes Handling der Dynamiksprünge, als es dann plötzlich rund geht. Als die Tür des Fahrzeugs geöffnet wird, um den Überläufer zu befreien, verleiht der Denon auch diesem Effekt den richtigen Nachdruck. Zwei Kapitel weiter, Nacht im Lager. Ein Hummer fährt donnernd heran. Leises Zirpen von Grillen im Hintergrund, Dialoge. Die leisen Szenen zeigen das Können des AVR-X2200W tadellos auf, denn er baut auch hier Atmosphäre und Spannung gekonnt ein. Dann der Schuss, der die Stille durchschneidet – Wucht, Dynamik und Raumwirkung zeichnen diesen Effekt ebenso wie die kurz darauf folgenden Schüsse aus. Bei Laufzeit 24.40 erfolgt dann der massive Angriff auf die GI JOE Basis. Schüsse, Raketeneinschläge, Explosionen, fliegende Helikopter – all das bildet die Basis für Action pur. Der AVR-X2200W kommt mit diesen Effekten sehr gut klar, das Atmos-Upmix beschert bei der Front-Klangkulisse eine spürbare Weitung in die Über-Kopf-Ebene, der Zuhörer bekommt hier einen besseren Eindruck von den wahren räumlichen Verhältnissen. Der Music Score, der die Dramatik der Vorgänge überzeugend darstellt, wird vom Denon nicht vernachlässigt, sondern lebendig ins tonale Gesamtgeschehen eingebunden. Erst bei sehr hohen Pegeln nimmt dann das Differenzierungsvermögen des AV-Receivers etwas ab. 

Mit „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ setzen wir fort, und zwar erneut „mixen“ wir eine Dolby trueHD Tonspur in Richtung Atmos. Wir hören ab dem 2. Kapitel, als die große Tür des Hangars zu bedrohlicher Musik mit Nachdruck aufgeht. Der AVR-X2200W bietet hier genug Kraftreserven, um diesen Effekt auch bei hohem Pegel solide wiederzugeben. Dass es sich um eine große Halle mit entsprechenden akustischen Eigenschaften handelt, macht der Denon bei der Darstellung der Stimmen – gut ist der typische Hall herauszuhören – direkt klar. Der AVR-X2200W stellt erneut kleine Effekte, wie der Marsch der Ganoven zum gesuchten Gegenstand, gut dar. Das Aufkommen der Füße auf dem Hallenboden wirkt authentisch. Der Music Score ist tadellos eingebunden. Selbst das durch die Luft wirbelnde Schießpulver, um den Weg zum hoch magnetischen Fundstück zu ebnen, kann in erstaunlich feiner Auflösung wahrgenommen werden. Als einige Minuten später dann die inzwischen gefundene Kiste mit dem extraterrestrischen Inhalt geöffnet wird, stellt der AVR-X2200W auch diesmal wieder alle Effekte und akustischen Vorgänge mit stimmiger Auflösung dar. Im nun folgenden dritten Kapitel überschlagen sich die Ereignisse, denn Mac outet sich als Doppelagent und stellt sich plötzlich gegen Indy. Darum muss Indiana Jones seine Flucht nun allein organisieren. Dies geschieht, wie üblich, sehr lautstark. Ein Schuss fällt, durchdringend besonders durch die Akustik in der Halle, dann eine Verfolgungsjagd mit Fahrzeugen: Hier arbeitet der Denon die Fahrgeräusche gelungen ein, es ist erstaunlich, wieviel „Hemkino-Flair“ der kleine AV-Receiver bietet. Als zwei Fahrzeuge aufeinander prallen, kommt auch dieser Unfall mit dem entsprechenden Nachdruck sauber heraus. Das Atmos-Upmix kann auch hier überzeugen: Durch mehr Atmosphäre, einen weitläufigeren virtuellen Raum und durch das stärkere Gefühl, in allen Dimensionen von Sound umgeben zu sein. 

Kann uns der AVR-X2200W auch im Stereobetrieb überzeugen? Wir starten mit dem 192 kHz/24-Bit FLAC-Titel „Dronning Fjellrose“ (Stereo) der Akustik-Jazzer des Hoff Ensemble. Mit feiner Wiedergabe des Klaviers und der Stimme erfüllt der Denon hier durchaus leicht gehobene Ansprüche. An den letzten Details der vokalen Ausprägung und an der Darstellung der Anschlagdynamik merkt man aber letzten Endes doch, dass noch deutlich mehr geht. Hier führen wir zum Vergleich wieder den AVR-X3200W an: Mehr Finesse, mehr fein dosierte Räumlichkeit und mehr vokale Struktur beweist hier, dass der 999 EUR-AVR aus gleichem Hause im Stereobetrieb doch zu noch mehr Performance im Stande ist. Ebenfalls in 192 kHz/24-Bit Stereo/FLAC lauschen wir „Basil“ von Mark Knopfler. Die Stimme Marks löst der Denon prima von den Lautsprechern, die akustische Gitarre wird von ihm mit sauberer Detaillierung in den Raum gestellt. Die Atnosphäre wird als realistisch und überraschend filigran hinsichtlich des Aufbaus wahrgenommen – eine Top-Leistung des kleinen Denons. 

Mit 96 kHz/24-Bit (FLAC) tritt das 1. Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert KV 218 an, damit wir überprüfen können, ob dem Denon auch Klassik liegt. Insgesamt eine prima Leistung, doch die Violine ertönt nicht ganz so strahlend und ausgewogen, wie das der sehr anspruchsvolle Klassik-Liebhaber gern hätte. Hier lohnt es sich, doch auf ein teureren AVR-Modell umzusteigen, sollen auch derartige klassische Stücke in Stereo geschliffen präsentiert werden. „California Dreamin“ in der Adaption von Diana Krall (Wallflower Deluxe, 48 kHz) macht viel Hörfreude. Die Stimme Dianas stellt der AVR-X2200W sehr prägnant dar, ohne es zu übertreiben. Immer bleibt sich der 7.2 AV-Receiver treu. Er neigt nie zu einem aggressiven Unterton und gefällt durch die harmonische, homogene, kräftige Wiedergabe ausgesprochen gut. 

Schaltet man den Restorer fürs Aufpolieren der Höhen bei der Spotify-Connect-Wiedergabe auf „mittel“, kann man mit sehr guten akustischen Ergebnissen rechnen. Denn im Gegensatz zum deaktivierten Music Restorer ist der Klang dann deutlich plastischer, klarer und ausgewogener. Dies gilt auch für alte Eurodance-Titel wie „Back Again“ von General Base. Und auch der Trance-Track „Incoming“ von DJ Vortex überzeugt bei der Wiedergabe durch den AVR-X2200W. Der Bass hat Kraft, die Dynamik ist fürs schlechte Quellmaterial sehr gut. Spotify Connect läuft absolut problemlos – die Funktion ist somit sauber integriert, zuverlässig und klangstark. 

Videosektion

Der AVR-X2200W verfügt im Sub-Menü „Bildeinstellungen“ auch noch über einen vom Anwender zu verwendenden Video-EQ. Dieser kann nur dann angewählt werden, wenn man „Benutzerdefiniert“ als Bildmodus verwendet. Einstellbar sind dann: Kontrast,  Helligkeit, Farbsättigung, Rauschunterdrückung und Konturenschärfe.  An ab Werk vorprogrammierten Bildmodi sind vorhanden: ISF Day, ISF Night, Streaming, Standard, Movie, Lebendig. Sehr beachtlich ist, dass Denon schon in der 700 EUR-Preisklasse zwei IFS-Bildmodi offeriert, das ist neu in der Generation 2015. Wir haben mit den beiden ISF-Bildfeldern dank des ausgewogenen, farbechten Bildes mit tadellosem Kontrast sehr gute Erfahrungen sammeln können. 

Um die Qualitäten der Video-Signalverarbeitung zu checken, haben wir in 576i und in 576p die Eröffnungsschlacht oberhalb von Coruscant von „Star Wars Episode III“ zugespielt. Und der AVR-X2200W stellt (576i) die Star Wars-typische gelbe Laufschrift recht stabil dar, auch dann, wenn er das De-Interlacing und das Upscaling erledigen muss. Die Ränder der Lettern sind allerdings leicht weißlich und nicht einheitlich gelb. Die Schrift läuft ansonsten ruhig und mit gutem Stand durch, erst in den hinteren Bildebenen beginnt die Schrift, etwas zu zittern, zudem sind an einzelnen Buchstaben Artefakte erkennbar. Als der Sternzerstörer durchs Bild donnert, kann man dem AVR-X2200W guten Gewissens auch das De-Interlacing überlassen. Wenn er nur skaliert, sollte es ausschli9eßlich daran liegen, dass, was leider oft vorkommt, der BD-Spieler nur 576p, aber kein 576i ausgibt. Mit guter Bildstabilität und einer nur gering ausgeprägten Neigung zu Treppenstufen bietet der AVR-X2200W eine ordentliche wenn auch keine sensationelle Leistung. Insgesamt hinken die visuellen Leistungen den akustischen etwas hinterher, was nicht heißen soll, dass beim Thema Videosignalverarbeitung schlechte Werte erzielt werden. Aber ab und zu auftauchende Artefakte-Muster – z.B. rund um Funkmasten auf dem Kommandoschiff von General Grievous – zeigen doch die Grenzen des bordinternen Video-Processings auf. Hochwertige UHD-TVs wie der Sony KD-65X9005C realisieren ein besseres Upscaling von SD-Material auf die native Panelauflösung: Weniger Rauschen und weniger Artefakte sind hier zu beobachten. Positiv ist, wie gut der AVR-X2200W Farben in den ISF-Modi herausstellt, was gut erkennbar wird, wenn es um die Präsentation der Hautfarbe der Gesichter von Obi-Wan und Anakin geht. 

Fazit

Denon AVR-X2200W Front Seitlich1

Der Denon AVR-X2200W ist ein ausgewogener, sehr gut ausgestatteter 7.2-Kanal-AV-Receiver, der mit angenehmem Klang, tadelloser Pegelfestigkeit und einer ausgezeichneten Räumlichkeit punkten kann. Die UVP liegt bei 699 EUR, auf dem Markt zu finden ist er für rund 580 EUR und somit gut 70 EUR teurer als der Pioneer VSX-930, dem vergleichbaren Pioneer-Modell. Der Denon überzeugt auch im Stereobetrieb, ist akkurat verarbeitet und besitzt eine gute, wenn auch nicht exzellente Videosektion. Wer einen talentierten AV-Receiver für viel Freude im Alltag sucht, ist mit dem einfach zu handhabenden und zuverlässigen AV-Receiver gut bedient. Anspruchsvolle Mehrkanal- und Stereo-Liebhaber nehmen die 300 EUR Aufpreis (laut UVPs) in Kauf und greifen zum vorzüglichen Denon AVR-X3200W. 

Reichhaltig ausgestatteter, homogen klingender AV-Receiver mit solider Verarbeitung
ueberragend
AV-Receiver Mittelklasse
Test 02. November 2015

+ Angenehmer Klang
+ Gute Räumlichkeit
+ Pegelfestigkeit
+ Anschlussbestückung
+ Zwei ISF Bildprogramme
+ Solide Verarbeitung
+ Einfache Bedienung

– Differenzierung in hinteren akustischen Ebenen bei komplexer Musik
– Leichte Neigung zum Rauschen und zu Artefakten beim Upscaling

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich, Philipp Kind
Datum: 02. November 2015

 

 

 

 

 

 




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