XXL-TEST: Sony 8K-TV ZG9 in 85 Zoll - visuelle Offenbarung für knapp 16.000 EUR?

Der Sony ZG9 im 85 Zoll-Format kommt im Juli auf den Markt und wird zu einem Preis von exakt 15.999 EUR offeriert. Dafür bekommt der geneigte Käufer einen 8K-TV (7.680 x 4.320 Pixel Auflösung) der Master-Series mit Full Array LED-Backlight und Backlight Master Drive, der Unterstützung von HDR (HDR10, HLG, Dolby Vision, derzeit kein HDR10+), dem aktuellen X1 Ultimate  für perfekte Aufbereitung praktisch jeder Quelle (inklusive rechenstarkem Upscaling) und Android 8.0 Oreo-Betriebssystem plus vollwertigem Google Assistant. In einem Special haben wir schon jede Menge Menüscreenshtos zusammen gestellt, in diesem Test werden wir nur jeweils zum Thema passende Screenshots einfügen. 

Android 8.0 Oreo

So kann der TV mittlerweile recht zuverlässig per Sprachbefehl gesteuert weden. Sony verspricht überdies, ein HDMI 2.1 Update nachzureichen. Akustisch soll der ZG9 dank „Acoustic Multi-Audio“ ebenfalls glänzen. Kurz erklärt: Oben im Rahmen befinden sich zusätzliche Frontlautsprecher. Konventionelle TV-Soundsysteme sind meist im unteren Bereich verbaut. Durch die zusätzlichen Lautsprecher hat man tatsächlich den Eindruck, dass Stimmen und Effekte wirklich aus der Mitte des Bildschirms kommen. Das ganze Klangbild ist präziser und authentischer, eine sehr gute Lösung.

Prächtiges Bild, X1 Ultimate Bildprozessor und vier Frontlautsprecher

Insgesamt gibt es vier Frontlautsprecher. „Sound-From-Picture-Reality“ nennen die Japaner das. Überdies kann man das Soundsystem des ZG9  in einem Mehrkanal-Setup als Center-Lautsprecher nutzen.  Der ZG9 unterstützt aus akustischer Perspektive auch Dolby Atmos. Damit ziehen Panasonic und Sony nun nach, LG tut dies bereits seit einigen Jahren.

Der „Meister der Sinne“ (O-Ton Sony) bietet 8K X-Reality Pro, die 8K X-tended Dynamic Range für perfekte Kontraste. Bis zu 20 Mal, so Sony, ist der Kontrast besser im Vergleich zu konventionellen LCD-TVs. Das blickwinkelstabile (X-Wide Angle) Triluminos-Display für hohen Farb-Facettenreichtum ist ein weiteres Merkmal. Dass ein großer 8K-TV keine sensationellen Energie-Effizienzwerte erzielen kann, sollte man nicht verschweigen: Der 85-Zöller entspricht der Energie-Effizienzklasse D.

Verarbeitung 

Rahmen von hinten im Detail

Rückseite

Detail Vorderseite, der Rahmen hat auch die Funktion eines Kühlkörpers

Fuß vorne

Fuß hinten

Fernbedienung

Von unten

Der Sony ZG9 kommt im professionell anmutenden Layout daher. Feines, filigranes Rahmen-Design sucht man hier vergeblich, denn der relativ dicke, auffällig gestaltete und robust verarbeitete Rahmen hat eine wichtige Aufgabe: Er entzieht dem 8K-Panel, das gerade bei längerem Betrieb durchaus beachtliche Temperaturen erreichen kann, effektiv Wärme, damit es immer im optimalen Temperaturbereich arbeiten kann. Daher die Kühlrippen-Struktur. Die Rückseite des ZG9 zeigt ein etwas ungewöhnliches Design, hier wäre einfach eine schlichte, schnörkellose Rückwand unserer Meinung nach die bessere Option gewesen. Immerhin gibt es die Möglichkeit zur praktisch unsichtbaren Kabelführung. Der Standfuß des 85-Zöllers gewährt sehr sicheren Halt, sieht gut aus und ist sehr solide verarbeitet.

Anschlüsse

Anschlüsse seitlich: AV-In (Miniklinke), 3,5 mm Kopfhörerausgang, USB1, USB2

Antennenanschlüsse des Doppeltuners, LAN, optischer Digitalanschluss, HDMI-Terminals

Dedizierter 8K HDMI-Eingang, Anschluss, wenn man den ZG9 als Center verwendet

An Anschlüssen ist alles Bekannte vorhanden, für 8K-Inhalte gibt es einen dedizierten HDMI-Eingang. 

Handling und Bildmodi

TV-Überblick

Netflix-Highlights

EPG

Der 8K-TV bringt das aktuelle Android 8.0 „Oreo“ Betriebssystem mit. Wie gehabt, bewegt man sich mittels der Navigationseinheit der deutlich hochwertigeren Fernbedienung von oben nach unten weiter. Zahlreiche VoD-und Video-Dienste, darunter YouTube und Netflix, sind wie gewohnt an Bord.

Netflix-Bildmodus

Wer sich Netflix-Inhalte ansieht, kann auf den Bildmodus „Netflix calibrated“ zurückgreifen, der erstmalig im Rahmen der IFA 2018 präsentiert wurde. Die Modelle der Baureihen AF9 und ZF9 waren damit ausgestattet. Der Bildmodus wurde gemeinsam von Sony- und Netflix-Ingenieuren entwickelt und zeichnet sich durch ein augenfreundliches Bild mit realistischen Kontrastwerten aus.

Dolby Vision Hell/Dunkel

Für Dolby Vision-Inhalte finden sich weitere zwei Bildmodi, nämlich Dolby Vision für helle und Dolby Vision für dunkle Räume. Beide Modi sind sehr gelungen und stellen den Bonus von nativem, dynamischen HDR-Content glaubwürdig heraus. Beeindruckend ist die Panel-Helligkeit des ZG9, denn verwenden wir „Dolby Vision Hell“ bei deutlichem externem Lichteinfall, ist der TV in der Lage, den großen Kontrastumfang immer noch vollständig abzubilden – top.

Lieber Kino als Brillant, wie hier eingestellt, für Filmmaterial verwenden

Das normale „Cinema“ Bildprogramm ist ebenfalls sauber abgestimmt und liefert ein angenehmes, homogenes Bild, ideal eignet es sich für Filme im Fernsehen oder von Blu-ray, beziehungsweise für Inhalte anderer VoD-Dienstleister – schließlich hat trotz der weiten Verbreitung nicht jeder ein Netflix-Abonnement.

Tasten für Google Play und Netflix

Zurück zum Handling. Für wichtige VoD Services finden sich auf der anthrazitfarbenen Fernbedienung im übersichtlichen, klassischen Layout direkte Zugriffstasten. Ferner verfügt der ZG9 über ein Menü „Schnelleinstellungen“, in dem wichtige Justagen vorgenommen werden können, wie z.B. die Wahl des aktuellen Bildprogramms, ohne aber ins „große“ Einstellmenü gehen zu müssen.

Schnelleinstellungen

Philips hat dies seit geraumer Zeit schon, und es erweist sich als sehr praktisch. Die Fernbedienung hat einen relativ breiten Arbeitswinkel, und der ZG9 reagiert meist zügig auf Bedienbefehle. Zuverlässig überdies, es kam während des Tests zu keinerlei Problemen, was für eine tadellose Betriebssicherheit spricht.

Kurz nochmal zur Fernbedienung. Mit dieser kann man auch andere per HDMI angeschlossene Quellen bequem steuern. Durch die recht schmale, aber nicht zu schmale Bauform liegt sie gut in der Hand. Das in die Remote eingebaute Mikrofon für die Verwendung von Google Assistant reagiert gut.

Bild und Ton

Zunächst noch einige Screenshots vom Video-EQ:

Video-EQ Teil 1

Video-EQ, Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Der Video-EQ bietet zahlreiche Justage- und Anpassungmöglichkeiten. Das Hauptmenü des Video-EQ ist in die Parameter Helligkeit, Farbe, Klarheit, Videooptionen und in die Möglichkeit, alles in Werkseinstellung zurückzusetzen.

8K-Material nativ

Starten wir mit der Wiedergabe von 8K-Material. Dieses kommt bei unserem Testaufbau von einem speziellen, von Sony bereitgestellten Zuspieler, aktuell ist es, bis auf etwas Material der NASA in 8K, noch schwierig, an natives Material in dieser Auflösung zu kommen. Übrigens: Das für die 8K-Wiedergabe zukünftig wichtige HDMI 2.1 soll der ZG9 per Software-Update bekommen.

Farbgewaltig bei 8K-Inhalten

Wir sehen eine gewaltige Kirche innen und außen. Innen fällt auf, wie facettenreich der ZG9 die Wandgemälde, die Kerzenleuchter an der Decke und die Fenster präsentiert. Auch unter ungünstigen Lichtverhältnissen sieht man hier Einzelheiten in einer Schärfe und Klarheit, die man selbst von Ultra HD nicht kennt. Zu erwähnen wäre aber, dass sich der „8K-Effekt“ am besten auf Bilddiagonalen ab 75 Zoll bemerken lässt. Aufgrund der hohen Pixeldichte auf dem Screen schon bei Ultra HD-Devices stellen bei kleineren Diagonalen schon Ultra HD-Panels ein fast lückenloses Bild bereit.

Ein altes Gemäuer, draußen Sonnenuntergang – und innen ist jeder Stein präzise erkennbar. Der Detailreichtum ist krass, auch wenn man nahe vor dem TV sitzt. Auf dem 85 Zöller erkennt man einen guten 8K-Benefit, wie auch bei der Nahaufnahme von Tieren: Ein Äffchen, dass an einem Zweig kaut, ein Faultier, das einen Baum empor klettert: Jedes Härchen des Fells ist bei den Tieren zu sehen, und die Krallen des Faultiers wirken ungemein plastisch. Die Baumrinde erscheint wie greifbar auf dem Bildschirm. Das Bild „lebt“ in einem Maße, die immer wieder erstaunt, auch wenn man bereits Erfahrungen mit 8K-Darstellung hat. Ein Halbaffe und ein Tiger erscheinen, gerade das große Raubtier fasziniert mit einer extrem feinen Durchzeichnung des Fells. Das Blitzen in den Augen kommt überragend zur Geltung, man bekommt beinahe Angst, gerade, wenn man direkt vor dem großen Bildschirm sitzt.

Gewollte Schärfe-Unschärfe-Relationen stellt der ZG9 exzellent dar, klar und gestochen scharf erscheint der Vordergrund, das Ausfaden des Bildes in Richtung Unschärfe geschieht ohne visuelle Störungen und absolut gleichmäßig. Lateinamerikanische Ureinwohner mit typischer Kleidung – hier beweist uns der ZG9 seine Fähigkeit, Farben extrem gut und rein zu präsentieren. Die sehr intensive Farbgebung kommt mit untadeliger Dynamik heraus. Das traditionelle Herstellen von Stoffdecken zeigt diese faszinierende Farbwiedergabe ein weiteres Mal. Und: 8K ist auch nicht gleich 8K. Der Sony vermeidet es geschickt, zu vordergründig-effekthascherisch darzustellen: Die Farben sind reichlich gesättigt, aber nicht poppig.

Nun sind wir in Venedig gelandet – und hier beeindruckt uns das Bild ganz besonders. Sei es der Gondolieri, der mit seiner Gondel einen der zahlreichen Kanäle befährt, oder die traumhaften Dogenpaläste – hier wird eine sensationelle Bildtiefe offeriert, und das selbst aus schrägem Blickwinkel noch. Die Blickwinkelstabilität, vor allem aus horizontaler Sicht, ist hervorragend, und in Verbindung mit der großen 85 Zoll-Diagonale kann man wirklich mit einigen Freuden Filme oder Sportereignisse auf dem ZG9 in bestechender Güte betrachten. Zurück nach Venedig, natürlich dürfen Markusdom und Markusplatz beim 8K-Content nicht fehlen.

Auch hier wieder trifft das vielschichtige, fein gestaffelte Bild voll ins Schwarze, man hat fast den Eindruck, einen Rundgang über den Markusplatz live oder in perfekter VR-Qualität zu unternehmen, so ausgeprägt ist der Eindruck der Bildtiefe. Auch der venezianische Karneval wird thematisiert, eine dankbare Aufgabe für einen 8K-TV: Die prächtigen Masken, mit Gold und teilweise sogar Edelsteinen verziert, wirken dreidimensional, jede Einzelheit wird mit scharfer Kontur platziert. Auch Menschen, komplett farbengewaltig kostümiert, präsentiert uns der ZG9 wie zum Greifen nah. Was ist noch typisch für Venedig? Die Arbeit der dortigen exklusiven Glas-Manufakturen. Kelche und Gläser, aufwendig geblasen und feinst verziert, eignen sich perfekt, um die Qualitäten des Sony hinsichtlich Detailschärfe, Detailkontrast und Farb-Facettenreichtum des Triluminos-Displays herauszustellen.

Ein Boots-Anlegesteg aus der Vogelperspektive beweist ebenfalls, wie vielschichtig und bis ins Detail akkurat sauber das Bild ist. Man sieht den Rumpf und die Aufbauten von typischen Schiffs-Taxis auch aus der Distanz mit exzellenter Schärfe und Klarheit. Die Venedig-Sequenz eignet sich besonders gut, um die „Faszination 8K“ sehr deutlich herauszustellen. Man sieht auch die Gondeln, die im Hafen bei Sonnenuntergang einsam auf dem Wasser schaukeln: Das Stimmungsvoll-Intensive dieses Bildmaterials wird hervorragend präsentiert.

Sequenzen aus dem PS4-Game „Gran Turismo“ mit verschiedenen Strecken beweisen auch die enorme Authentizität, die mit der hohen Auflösung möglich ist. Aktuelle Porsche- und Toyota-Prototypen der Le Mans-Klasse werden extrem scharf und dynamisch präsentiert, innen wie außen. Der Asphalt der Rennstrecke wirkt sehr realistisch, auch bei den schnellen Fahrbewegungen der Rennwagen ist er präzise zu erkennen. Teilweise werden auch Sequenzen bei Nacht, mit angeschalteten Scheinwerfern und großen Laternen rund um die Rennstrecke, eingeblendet: Makelloser Schwarzwert, homogene Helligkeitsverteilung, der ZG9 erlaubt sich auch hier keine Schwäche. Auch andere Rennfahrzeuge (Ferrari F488, Formel 1 – Petronas-AMG-Bolide) bestechen durch die Details: Die diversen Antennen für die Telemetrie beim F1-Renner, ebenso die Radaufhängungen oder der aufwändige Frontflügel, alles wirkt so real.

Das Backlight Master Drive im ZG9 arbeitet nicht ganz so aufwändig wie im Mitte 2016 in London erstmals präsentierten ZD9 (Ultra HD-LCD-TV). Beim ZD9 wurde tatsächlich jede LED einzeln angesteuert, und nicht, wie sonst bei Full LED Backlight-TVs, einzelne Cluster, die aus mehreren LEDs bestehen. Davon rückte man schon beim ZF9 ab, und beim ZG9 verspricht Sony, dass die Cluster überdurchschnittlich klein ausfallen und nur aus wenigen LEDs bestehen. Im abgedunkelten Raum bestätigt sich eindrucksvoll der Erfolg der Sony-Maßnahmen. Jede LED hat überdies einen exakt definierten Lichtaustrittswinkel, so dass sich kaum noch störendes Streulicht ausbreiten kann. Dies schlägt sich in einer sehr homogenen Helligkeitsverteilung nieder, was man in dunkeln Filmsequenzen in abgedunkelten Räumen am besten erkennen kann.

Ultra HD-Blu-Ray

Wolfgang Amadeus Mozart, Figaros Hochzeit, Aufführung aus Salzburg, Juli 2015 (Wiener Philharmoniker plus Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor. Die Leistung hat Dan Ettinger, ein israelischer Dirigent), orchestrale Eröffnung plus erstes Duett Susanna/Figaro, Bild- und Tonqualität:

Das Ultra HD-Bild der Disc ist sehr sauber und fein gezeichnet. Schon direkt am Anfang der Disc werden verschiedene Sequenzen gezeigt, wie die Zuschauer noch draußen stehen, man sieht Luxuslimousinen vorfahren und erkennt praktisch alle Details, auch an der Abendrobe des Publikums. Salzburg vor der imponierenden Alpen-Kulisse – der Sony präsentiert alles auch bei Ultra HD-Inhalten enorm realistisch und plastisch.

Dem ZG9 gelingt, das sieht man in den Gesichtern der Protagonisten im Duett ebenso wie beim Bühnenbild (gewollte Abnutzungserscheinungen z.B. an den Fenstern, mit nicht gleichmäßiger/abblätternder Farbe), auch das hölzerne Treppengeländer und die Teil-Verkleidung des Bühnenbildes mit Holzbalken) ein praktisch makelloses, extrem rauscharmes Upscaling auf 8K. Als die Musiker und der Dirigent im Orchestergraben präsentiert werden, beweist der Sony, dass er auch bei SDR-Inhalten und bei schlechten Lichtverhältnissen (dunkel im Orchestergraben) im Bildmodus „Cinema“ ein sehr fein gestaffeltes, sauber durchzeichnetes Bild zustande bekommt.

Selbst hier ist kaum störendes Rauschen zu bemerken. Die farbliche Darstellung ist rundum begeisternd. Der Sony arbeitet z.B. auch den warmen Schein einer kleinen Tischlampe hervorragend heraus, rund um den Lampenschirm kommt es nirgendwo zu störenden Artefakten. Auch Teile des Bühnenbilds, das im Dämmerlicht liegt, kommt praktisch ohne Detailverluste zur Geltung.

Tonmenü

Audio-Betriebsarten

Tonanpassung

Grafischer EQ

Wie sieht es aus akustischer Sicht aus? Die Susanna wird von Marina Jankowa gesungen, den Figaro übernimmt Adam Plachetka. Der ZG9 kann auch hier Begeisterung wecken und gefällt bei der orchestralen Eröffnung durch die überraschend hohe Pegelfestigkeit. Überdies präsentiert das Soundsystem die zahlreichen Dynamiksprünge richtig gut – das hätten wir nicht gedacht. So schafft der 8K-TV eine intensive Klangkulisse mit einer tadellosen räumlichen Dichte, und er ist sehr wohl in der Lage, einzelne Instrumentengruppen innerhalb des Orchesters differenziert darzustellen. Gut, das mag noch ordentlich sein, aber wie sieht es beim Duett zwischen Susanna und Figaro aus? Gerade Opernsängerinnen und Opernsänger mit ihren ungemein dynamischen, facettenreichen Stimmen eignen sich optimal, um die Schwächen von Lautsprecher-Lösungen herauszustellen. Doch der ZG9 enttäuscht auch diesmal nicht – sowohl Martinas als auch Adams Stimme ertönen charismatisch und mit klar gesetzter Kontur. Bedingt durch Sonys Audio-Technologie mit den vier  verbauten Lautsprechern, erscheint das Klangbild realistisch, gerade die Stimmen hört man auch genau da, wo die Sänger auf der Bühne stehen. Im Bassbereich würzt der Sony deutlicher, als wir es gedacht hätten, und liefert sogar einen nachvollziehbaren Nachdruck. Natürlich, für Opern-Liebhaber ist ein solches im TV eingebautes Soundsystem nicht gedacht, aber für alle normalen bis leicht gehobenen Ansprüche reicht das Gebotene aus – und das kommt einem Top-Urteil für ein TV-Lautsprechersystem gleich. Wir haben, dies noch als Ergänzung, das für Musikmaterial vorgesehene DSP-Programm eingesetzt.

Ultra HD-BD, Beispiel 2, Netflix mit Dolby Vision

„Mad Max – Fury Road“ (HDR10), und Neflix „Star Trek Discovery, Staffel 1, Folge 1, Dolby Vision, Bild und Ton

Beginnen wir mit Mad Max, hier haben wir uns die ersten Sequenzen angeschaut. Die Ultra HD-BD mit HDR10 war damals eine der ersten Discs mit Ultra HD-Inhalt und bietet auch aus heutiger Sicht noch ein tadelloses Bild. Wir haben auch noch die Klanggüte überprüft und wechseln zum DSP, das speziell für Filmton  bereitsteht. Und nicht nur bei Musik, auch bei Filmton schlägt sich der ZG9 sehr überzeugend. Die kurze Jagd auf Max, die mit dem mehrfachen Überschlag seines Fahrzeugs endet, kommt mit erstaunlich ausgeprägtem Fundament zum Ausdruck. Der Music Score ist stets im richtigen Maß zu vernehmen.

Dem Sony-TV gehen höhere Pegel recht leicht von der Hand, ohne dass man dann ein zu hohes Maß an Verzerrungen in Kauf nehmen müsste. Sehr imposant für ein TV-Soundsystem sind auch Räumlichkeit und Stimmwiedergabe, hier ist es wahrhaftig erstklassig, was Sony für den ZG9 zusammengestellt hat. Die Stimme von Max direkt im Intro, diese tiefen Elemente der Stimme, arbeitet der 8K-TV sehr treffend heraus. Dass der Klang genau daher kommt, wo auch das Geschehen stattfindet, fällt auch bei Mad Max wieder positiv auf.

Visuell sieht das Bild hervorragend aus. Max steht auf einer Anhöhe, und man kann weit ins öde Land blicken. Erst in den hinteren Ebenen nimmt die Bildschärfe ab und kleinere Artefakte sowie Rauschen nehmen zu. Das liegt aber, wie wir wissen, auch am Quellmaterial. Dem ZG9 gelingt ein makelloses Upscaling, das sieht man z.B. während der stabilen Wiedergabe der Echse, die der hungrige Max kurzerhand fängt und roh verzehrt. Fast jeder Kieselstein ist mit scharfer Kontur auf dem Boden erkennbar. Die Details an Max‘ schrottreifem Fahrzeug mit dem speziellen Antrieb arbeitet der Sony brillant heraus. Die erdigen Farbtöne dieser Sequenz beweisen, wie klar, fein und differenziert das Triluminos-Panel auch diesmal wieder die Farben behandelt. Als Max kurz und mit schlechtem Ende gejagt wird, sind alle Bewegungsabläufe stabil und ohne Schärfeverlust. Die von uns aktivierte Frame Interpolation leistet erneut überragende Arbeit, das Bild wirkt nach wie vor authentisch und nicht synthetisch-unnatürlich.

Im weiteren Verlauf des Films zeigt der Sony das Innere der dämmrigen Festung, wie gut er den Kontrastumfang des HDR10 Inhalts wiedergeben kann. Gesamt- und Detailkontrast sind herausragend, auch als Immortan Joe nach außen tritt, wo die Menschen schon verzweifelt auf Wasser warten, kommt der ZG9 mit den unterschiedlichen Lichtverhältnissen innen und außen sehr gut zurecht. Das aus den Rohrenden heraussprudelnde Wasser wird klar und dreidimensional herausgearbeitet, die bizarre Figur des Joe stellt der TV sehr eindrucksvoll und erschreckend echt dar. Jeder einzelne der Menschen, die gierig nach dem Wasser laufen und versuchen, es in alle möglichen Gefäße abzufüllen, ist hinsichtlich Konturen und Gesichtsausdruck deutlich und scharf erkennbar. Das Bildprogramm „Kino“ ist hier wiederum sehr gut geeignet, um ein im hohes Maße echt wirkendes, sehr fein gestaffeltes Bild zu generieren.

Bei der Netflix Star Trek-Discovery-Serie, die in Dolby Vision vorliegt, haben wir aufgrund vorhandenen externen Lichteinfalls den Modus „Dolby Vision Hell“ gewählt, alternativ kann man natürlich den „Netflix Calibrated“ Modus verwenden, bei dem sollte es aber dunkel im Raum sein. Dann wirkt er vielleicht sogar noch eine Idee authentischer und ausgewogener als „Dolby Vision dunkel“.

Der Modus „Dolby Vision Hell“ erweist sich als äußerst praxistauglich. Das große Kontrastspektrum, das Dolby Vision offeriert, bleibt auch bei merklichem externem Lichteinfall praktisch komplett erhalten. In der ersten Staffel, zu Beginn der ersten Folge, nimmt man exzellent gestaffelte erdige Farbtöne wahr. Bei Dolby Vision ist es möglich, aufgrund des dynamischen HDR-Formats jede Sequenz neu aufzubereiten, und der ZG9 schafft es, diese unterschiedlichen Ausprägungen durch sehr feine Nivellierung des Kontrastumfangs auch glaubwürdig zu präsentieren.

Netflix-Material in Full-HD, Upscaling auf 8K

„True Story“ heißt der Film, der 2015 produziert wurde. In diesem Thriller geht es um die Beziehung zwischen einem „entehrten“ Reporter der New York Times und einem in Haft sitzenden, mutmaßlichen Mörder. Der Journalist möchte die Memoiren des Mörders verfassen. Der Sony muss diesen spannenden Inhalt auf 8K hochrechnen, das heißt auf die 16-fache Auflösung. Wir betrachten den Inhalt zudem im „Netflix Calibrated“ Bildmodus, den wir bereits aus anderen Testreihen als sehr gut in Erinnerung haben.

Auch beim ZG9  tut sich dieser Modus ausschließlich in positiver Art und Weise hervor. Allerdings sollte im Raum relativ geringer externer Lichteinfall herrschen, um auch alle Nuancen richtig wahrnehmen zu können. Sehr augenfreundliches Bild, ausgewogene, realistische Farben, exzellente Wiedergabe der Hauttöne der Akteure. Der ZG9 realisiert auch hier wieder eine enorme Bildtiefe. Im Verlauf der Gerichtsverhandlung, die ausführlich gezeigt wird, beweist der ZG9, wie viele Details er einwandfrei hochrechnet – eine Ausnahme-Leistung des X1 Ultimate Prozessors. Die Gesichter der Zuhörer selbst in den letzten Reihen kommen noch gelungen zum Ausdruck.

Von der Farbtemperatur her wirkt das Bild in diesem Modus sehr ausgewogen, Natürlichkeit ist Trumpf. Gut erkennen kann man das am Weiß er Wände, das nicht zu bläulich erscheint, was von einer zu hohen Farbtemperatur kommen würde.  Insgesamt beeindruckt uns der ZG9 durch sehr geringes Panel- und Scalingrauschen. Die Frame Interpolation überzeugt durch feine, stabil dargestellte Bewegungen.

DVB-T2-Tuner, HD

Wie schlägt sich der Sony bei der Verwendung als klassischer Fernseher, also beim Tuner-Empfang? Wir sehen „Stadt, Land, Lecker“, eine 2018 produzierte Koch-Show in 1.080p/50Hz. Die Bildqualität, die der ZG9 bietet, ist auch hier überragend. Nur sehr geringes Scalingrauschen ist erkennbar. Die hochwertigen Kochtöpfe mit der bläulichen Gasflamme darunter stellt der TV exzellent dar. Beim Panorama-Blick in die Küche fällt dann aber schon auf, dass auch Sony nicht zaubern kann: Nach hinten verliert sich doch einiges an Bildqualität in Form von nachlassender Plastizität und Schärfe, das ist bei Ultra HD- und erst recht bei 8K-Inhalten verständlicherweise anders.

Auch sind leichte Schlieren im Bild zu sehen, die nicht vom Upscaling, sondern vom TV-Signal kommen. Trotzdem wird auch hier ein extrem hohes Niveau geboten. Als Fett in eine schon heiße Pfanne gegeben wird und anschließend mit Speck ummantelte Steaks in die Pfanne gegeben werden, stellt der Sony alle Einzelheiten sehr klar dar, und Bewegungsunschärfen gibt es, auch dank der hervorragenden von uns aktivierten Zwischenbildberechnung, praktisch keine.

Was der X1 Ultimate Bildprozessor kann und wie empfangsstark der DVB-T2 Tuner ist, zeigt sich auch an der Konturenschärfe am gefüllten Kühlschrank mit Glastür im Hintergrund, aber auch der Inhalt ist prima zu erkennen und wird differenziert dargestellt. Der Kontrast zwischen Tür und Gehäuse ist ausgezeichnet.

Wechseln wir den Kanal. „Alles Chefsache“ läuft im ersten, hier, bei diesem Spielfilm aus 2013, ist die Bildgüte, gerade wenn man eher nah vor dem großen 85-Zöller sitzt, nicht immer gut. Vor allem das Rauschen in größeren einfarbigen Flächen stört. Wir vermuten, dass, warum auch immer, der Film (eigentlich sollte der 2013 schon in HD produziert worden sein) der Film vom ARD schon hochskaliert ausgestrahlt wird. Da dann der ZG9 nochmal hochrechnen muss, ergibt sich ein weniger überzeugender Bildeindruck. Überschärfungs- und Überzeichnungseffekte verlangen nach einer Reduzierung der Bildschärfe. Selbst im angenehmen und guten Kino-Bildmodus kann man nicht wirklich glücklich sein. Also ganz anders als bei der erst 2018 produzierten Koch-Show.

Da hilft nur größere Distanz zum ZG9. Dann fallen die visuellen Unzulänglichkeiten nicht so stark auf. Man sollte tatsächlich darauf achten, besser nur sauber in Full-HD produziertes Material, z.B. neue Filme/Serien oder Netflix-Inhalte, zu betrachten. Kommt der Inhalt nur in unterdurchschnittlicher Güte zuhause an, kann auch der beste Upscaler kein richtig gutes Bild herbeizaubern, und bei einem 8K-TV wird dies natürlich besonders deutlich. Bei diesem Film fällt noch auf, dass die Außenaufnahmen noch verrauschter und Artefakte-behafteter sind als die Aufnahmen, die in Räumen gedreht wurden.

Fazit

Mit dem ZG9 ist Sony ein über alle Maßen beeindruckender 8K-TV gelungen, der es wie kaum ein Fernseher zuvor geschafft hat, uns tief zu beeindrucken. Dabei ist man zunächst, beim ersten Kennenlernen, ernüchtert: Eine optische Schönheit ist der ZG9 nicht. Hier folgt die Form sehr deutlich der Funktion. Aus sachlicher Perspektive kann man keine ernsthafte Kritik anbringen, solide verarbeitet ist der üppig ausgestattete ZG9 auf jeden Fall.

Reibungslos und flott – das sind die passenden Worte für Bedienung und Handling. Das Android Oreo 8.0 Betriebssystem funktioniert völlig problemlos und ist leicht zu durchschauen, selbst für Anwender, die zuvor noch keinen TV mit Android-Betriebssystem besessen haben. Was die visuellen Qualitäten nicht nur bei (sehr rarem) nativem 8K-Material angeht, sondern auch bei TV-Inhalten, Netflix-Content und Blu-rays sowie Ultra HD-BDs, ist der ZG9 absolut über jeden Zweifel erhaben. Gleichmäßige Helligkeitsverteilung, hohe Blickwinkelstabilität, tolle Bildprogramme (Cinema, Netflix calibrated, Dolby Vision hell/dunkel), ein erstaunlich tiefer Schwarzwert, sensationelle Bildschärfe, ein exzellenter Kontrastumfang und eine enorm facettenreiche Farbwiedergabe verdichten sich zu einem Gesamteindruck, wie wir ihn zuvor noch nie hatten.

Selbst aus klanglicher Sicht schneidet der ZG9 ausgezeichnet ab. Das Lautsprecher-System mit vier Front-Lautsprechern ist pegelfest, bringt eine tadellose Dynamik zustande und eignet sich sehr gut für Musik und Filmton sowie für Dokumentationen/Nachrichtensendungen oder Sport-Ereignisse. Selbst der Kaufpreis, der auf den ersten Blick hoch anmutet, ist für einen 8K-85-Zöller in dieser superben Qualität als angemessen und fair zu bezeichnen.

Wegweisender 8K-TV mit sensationeller Bildqualität und überraschend guter Akustik

TVs Luxusklasse
Test 30. Mai 2019

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Oksana Fritz
Datum: 30. Mai 2019

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