XXL-TEST: Buchardt Audio S400 - Zweiwege-Regallautsprecher mit superbem Klang

Der aufstrebende dänische HiFi-Hersteller Buchardt Audio hat mit HifiPilot auch eine deutsche Vertretung. Dank Direktvertrieb, Großserienproduktion und der Fokussierung auf ein übersichtliches Portfolio sollen die Schallwandler aus Dänemark ein unvergleichlich gutes Preis-/Leistungsverhältnis erreichen und passen somit perfekt ins Sortiment der Hifi-Piloten. Derzeit gibt es mit der S400 ein Modell. Kostenpunkt pro Paar: In weißer oder schwarzer seidenmatter Ausführung 2.000 EUR, in Eiche Furnier 2.150 EUR. 

Die skandinavische Marke versucht, größtmögliche Qualität bezüglich der Bauteile und Fertigungsqualität zu bieten. Die Entwicklung findet in eigenen Labors in Dänemark statt, die Fertigung unterliegt laut Buchardt Audio strengsten Standards und schärfsten Qualitätskontrollen. Um die Klangqualität weiter zu optimieren, kommen im Verlauf des Entwicklungsprozesses holographische Nahfeldscanner für die akustische Vermessung der Lautsprecher zum Einsatz, High-Tech pur.

Auf die speziellen technischen Lösungen der S400 gehen wir später noch ein

Die 2-Wege Kompaktlautsprecher sind mit einer zusätzlichen Passiv-Membran auf der Rückseite ausgestattet. Sie sind maximal mit 300 W sowie dauerhaft mit 100 W belastbar. Die Abmessungen: 180 x 365 x 250 (B x H x T) mm, das Gewicht: 9 kg.

Der recht kleine Hochtöner (19mm) nutzt als Membranmaterial speziell gewebtes Textil mit CDC-Wellenleiter aus Aluminium. Der 150 mm messende Tiefmitteltöner ist mit einer leichten, verwundungssteifen Aluminum-Membran ausgestattet. Die rückwärtig montierte Passivmembran misst 125x200 mm und ist langhubig ausgelegt. Der Frequenzgang (+/- 3dB): 47 - 40.000 Hz (im Raum: 33 - 40.000 Hz) Die Impedanz beträgt 4 Ohm, Wirkungsgrad (2,83 V / 1 m): wird mit 88 dB angegeben. Hervorzuheben ist die 20 Jahre währende Herstellergarantie. 

Die Verarbeitung überzeugt absolut.

Saubere Einpassung des Hochtöners

 

Mit den Stoff-Abdeckungen, die magnetisch haften

Hochwertige Single Wiring-Terminals

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Die in unserem Falle weiße, seidenmatte Oberfläche ist exzellent umgesetzt, die Chassis präsentieren sich als nahezu perfekt eingepasst. Nun berichten wir von unseren ersten akustischen Eindrücken.

Wenden wir uns der Technik nun nochmals genauer zu.

Hervorragendes Abstrahlverhalten

Unter beinahe jedem Winkel erzielt die S400 ein optimales Abstrahlverhalten

Zunächst zum Abstrahlverhalten der S400, verbunden mit der Frage, warum ein gutes Abstrahlverhalten so immens wichtig ist.

Um dies zu verstehen, müssen wir einige physikalische "Essentials" ansprechen. Der Klang, den wir hören, setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, und zwar aus dem Direktschall, den frühen Reflexionen und der Schallleistung. Zahlreiche akkurat konstruierte Lautsprecher bringen einen in weiten Zügen linearen Frequenzgang auf Achse (direkt vor dem Lautsprecher gemessen) mit. Wenn diese Lautsprecher aber ein ungleichmäßiges Abstrahlverhalten außerhalb der Achse (zum Beispiel seitlich oder oberhalb vor dem Lautsprecher) haben, können die frühen Reflexionen und die Schallleistung den Klang in Form störender Verfälschungen negativ beeinflussen. Insbesondere im Bereich der Übergangsfrequenz (zum Beispiel der Übergang zwischen Tiefmitteltoner- und Hochtöner) treten diese Probleme auf.

Was tut Buchardt Audio dagegen? Die Lösung hört sich relativ einfach an. Der S400 Lautsprecher hat außerhalb der Achse nahezu den identischen Frequenzgang wie auf der Achse. Damit ist gemeint, dass der Klang auch unter extremen Winkeln zum Lautsprecher authentisch ist und die Reflexionen im Raum den Klang nicht verfälschen. Diese Eigenschaft bringt eine besonders exakte Bühnenabbildung mit sich und führt zu einer insgesamt besserer Klangqualität. Auch mehr Transparenz und Brillanz im Klang lassen sich nachweisen. Der Sweet Spot wird zudem erheblich größer, und der Hörer wird feststellen, dass sich der Klang-Charakter nicht verändert, unabhängig davon, wo man sich im Raum aktuell aufhält. Für viele Räume ist das sehr wünschenswert - vor allem in akustisch nicht optimierten Räumen, und das dürfte in der Praxis klar die Mehrzahl sein. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich der Klang an der Hörposition zu rund 12% aus Direktschall, zu 44% aus frühen Reflexionen und zu 44% aus der vorhandenen Schallleistung zusammensetzt - darum ist das Konzept von Buchardt absolut zielführend, nämlich unter nahezu allen praktischen  Bedingungen eine überragende Klangqualität zu bieten. In unseren Testreihen  konnten wir die einfache Aufstellung als klaren Vorzug ausfindig machen, und auch die hervorragende Räumlichkeit - ganz gleich, wo die S400 auch Aufstellung bezogen hat. 

Waveguide und 19 mm Hochtöner

Das sehr gute Abstrahlverhalten der S400 hat konstruktive Gründe, in Form des "CDC-Waveguides", der mit Hilfe modernster Berechnungsmethoden entworfen wurde. Alle 5 Prototypen, die Ergebnis dieser Berechnungen waren, wurden anschließend wurde er mit einem neuartigen, holographischen Nahfeldscanner getestet, welcher durch die Messung an 5402 Punkten die gesamte Akustik abbildet. Ein irrer Aufwand, den kaum ein Lautsprecher-Hersteller betreibt. Das Resultat des CDC-Waveguides in Kombination mit dem 19-mm-Kalotten-Hochtöner ist daher als nahezu optimal zu bezeichnen. Eine Herausforderung, die mit einem derart tiefen Wellenleiter gelöst werden musste, war die Phasenverschiebung zwischen dem Tieftöner und dem Hochtöner, ist diese hörbar, kann man die ganze Wiedergabe aus qualitativer Sicht vergessen.

Die Phasenverschiebung wurde durch die Platzierung des Hochtöners unterhalb des Tieftöners sowie einer sehr diskreten Neigung des Gehäuses von nur zwei Grad eliminiert. Auf diese Art und Weise konnte die Phase der beiden Chassis präzise aufeinander abgestimmt werden. Die tiefe Gestaltung des Waveguides hat einen weiteren nicht zu unterschätzenden Vorzug. Die Kantendispersionen (Schallbeugungseffekte am Rand des Gehäuses) werden im Vergleich zu Standard-Hochtönern um 90%, also extrem massiv, reduziert. Der Klang "klebt" daher nicht an der Box, sondern löst sich vollkommen ohne jegliche Verzerrungen oder Artefakte. Die Box verschwindet im Hintergrund, alleine der Klang steht im Raum. Auch das lässt sich in den Testreihen nachvollziehen. Sehr plastisch klingt der S400 Lautsprecher, Stimmen verteilen sich exakt ausbalanciert im Raum und bleiben nicht an den Chassis haften. 

Stellt sich nun im Anschluss die Frage: Warum setzt Buchardt Audio auf einen so kleinen Hochtöner? Üblicherweise werden für Hifi-Lautsprecher 25 - 29 mm Kalotten-Hochtöner eingesetzt. Dabei gilt: Ganz gleich, ob klein oder groß, beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Ein großer Hochtöner kann mit einer niedrigeren Übergangsfrequenz arbeiten, aber er hat Nachteile beim Frequenzgang außerhalb der Achse und weist zu den sehr hohen Frequenzen hin Schwächen auf. Das ist ein Grund, warum z.B. Dali auf einen Hybridhochtöner setzt. Eine Kalotte für die perfekte Anbindung an den Mitteltonbereich, ein Bändchen für eine impulstreue Wiedergabe höchster Frequenzen. Aber zurück zu den S400. Das Gegenteil gilt für die kleineren Hochtöner: Vorteile beim Abstrahlverhalten und bessere Leistung in den hohen Frequenzbereichen, aber dafür auch eine notwendigerweise höhere Übergangsfrequenz. Mit Hilfe des sehr tiefen Waveguides erhält der 19-mm-Hochtöner jedoch so viel akustische Unterstützung, dass eine niedrige Übergangsfrequenz von 2000 Hz genutzt werden konnte. Mit der Kombination aus tiefem Waveguide und kleinem Hochtöner konnte man so ein stimmiges Konzept entwickeln.

Tiefmitteltöner aus Aluminium

Normalerweise ist Aluminium wegen seiner Resonanzen in den mittlere Frequenzen nur für reine Tieftöner geeignet. Das wurde jedoch mit einem speziellen Resonanzausgleich innerhalb des Membranmaterials behoben. Bei genauer Betrachtung kann man tatsächlich die "Streifen" im Membranmaterial sehen, die den eben erwähnten Ausgleich gewährleisten. So kann das volle Potenzial des Aluminiums mit minimalem Gewicht bei höchster Steifigkeit ohne seine Nachteile ausgenutzt werden. Der Tiefmitteltöner der S400 verfügt über einen langen Hub und nutzt diesen zu erstaunlicher Kontrolle auch bei deutlich erhöhtem Pegel. 

Passivmembran

Optisch auffälliges Merkmal ist die Passivmembran auf der Rückseite. Wieso setzt Buchardt Audio auf dieses Konzept? Bei der Passivmembran handelt es sich um eine wesentlich teurere Lösung im Vergleich zu einem Bassreflexrohr. Daher wird häufig das Bassreflexrohr vorgezogen. Für den Einsatz einer Passivmembran sprechen jedoch zahlreiche Gründe:

  • 30% Reduktion des Gehäusevolumens
  • Deutliche Verbesserung der Bassleistung
  • Keine Strömungsgeräusche, die von einem Bassreflexrohr verursacht werden
  • Keine Komprimierung im Bassreflexrohr
  • Platzierung äußerst nahe an der Wand möglich

Eine Passivmembran sieht von vorne aus wie ein normales Chassis. Auf der Rückseite wurde jedoch der "Motor" entfernt. Es handelt sich also um ein Chassis ohne den Magneten und die daran angebrachte elektronische Struktur. Eine solche Konstruktion besteht nur aus der Membran, der Aufhängung und dem Lautsprecherkorb.

Grundsätzlich ist eine Passivmembran ein reaktionäres Gerät, wie bereits der Name vermuten lässt. Wenn ein "normales" Chassis (z. B. ein Subwoofer) an einer versiegelten Lautsprecherbox (Gehäuse) montiert ist, beeinflusst die physische Vorwärts- / Rückwärtsbewegung des Chassis den internen Luftdruck des Gehäuses. Wenn an der gleichen Lautsprecherbox eine Passivmembran montiert ist, bewirken diese internen Luftdruckschwankungen, dass sich die Passivmembran vorwärts bzw. rückwärts bewegt. Dabei verhält sie sich so, als ob sie auch ein angetriebenes Chassis wäre und erzeugt Schalldruck genau wie ein solches Chassis. Daher wird ein echter Zugewinn an Basskraft erreicht. 

Passivmembrane weisen in der Praxis zahlreiche Vorzüge auf. So können Lautsprecher tiefe Töne erzeugen, die ansonsten nicht möglich waren, das heißt, aus einem relativ kleinen Gehäuse kann ein tiefer, kräftiger Bass kommen.  Abhängig von der Abstimmung beim Einbau beginnt sich eine Passivmembran zu bewegen, wenn das "normale" Chassis niedrigere Frequenzen erzeugt. Durch seinen Einsatz absorbiert die Passivmembran einen Teil der Energie des "normalen" Chassis, wodurch dessen Bewegung reduziert wird (es handelt sich dabei um Dämpfung). Da sich das "normale" Chassis jetzt weniger bewegt, besteht ein geringeres Risiko, dass es durch übermäßige Auslenkung Schaden nimmt. Hier gibt es zwei Hauptvorteile: Erstens wird die Bewegung des "normalen" Chassis gedämpft, wodurch der Frequenzgang neutraler wird. Dies sorgt für eine natürlichere Klangwiedergabe.Und zweitens: Passivmembransysteme können die gleiche Schallleistung wie größere Lautsprecherboxen erreichen, jedoch im wesentlich kleinerem Gehäuse.

Einfach ausgedrückt: Wenn eine Passivmembran richtig abgestimmt ist, kann dies die Klangfähigkeiten eines Lautsprechers in Bezug auf den Tiefgang im Bassbereich erheblich verbessern.

Frequenzweiche

Weiterer Vorzug der S400 ist die hochwertige Frequenzweiche. Die hochwertige Bauteil-Qualität führt einerseits zu einer geringen Toleranz für passende L / R-Lautsprecher, sodass beide Lautsprecher auch wirklich exakt identisch klingen. Es bedeutet aber auch, dass sich die Performance der S400 mit der Zeit nicht verschlechtert. Die verwendeten Kondensatoren sind metallisierte Folien-Kondensatoren für eine ausgezeichnete Langzeitstabilität. Diese Kondensatoren sind deutlich teurer als Elektrolyt-Kondensatoren, aber sie bieten eine bessere Klangqualität, trocknen nicht aus und ändern ihr Verhalten nicht mit dem Alter. Buchardt verwendet zudem keine Eisenkernspulen in einem 2-Wege-Lautsprecher ein. Wegen ihrer geringen Verzerrungen werden daher nur nur Kupfer-Luftspulen von hoher Qualität verwendet.

Klang

Iron Maiden "Fear of the Dark" 2015 Remaster Spotify): Nach dem Bekanntwerden der neuen Tourdaten für das Jahr 2020 rückt Iron Maiden bei uns musikalisch wieder in den Fokus, und daher müssen sich die Buchardt Audio S400 zuerst mit der charismatischen Stimme von Bruce Dickinson und den harten Gitarrenriffs vom Iron Maiden messen lassen. Und die Mission gelingt: Sehr schöner Bühnenaufbau, saubere Durchzeichnung der Instrumente und hervorragende Stimmwiedergabe. Die E-Gitarren-Parts wirken nicht zu spitz, aber trotzdem sehr dynamisch und direkt. Auch bei den schnelleren Passagen bleiben die S400 sauber und souverän, selbst bei deutlich gehobenem Pegel bleiben sie der authentischen Auslegung treu. Der Tiefgang ist nicht zu verachten und kann mit manch einer Standbox locker mithalten - also ein absolut gelungener Einstieg, die aufwändige Konstruktion des Lautsprechers macht sich offensichtlich aus akustischer Perspektive bezahlt. 

Nach wie vor beliebt bei uns ist der Klassiker "Living On A Prayer" von Bon Jovi. Hier ziehen die S400 alle Register. Der von der Qualität her eher durchschnittlich Track kommt auf den Buchardt-Boxen richtig zur Geltung. Rund, lebendig, in den oberen Mitten nicht zu spitz, verbindet der Lautsprecher Dynamik mit Homogenität. Dynamische Unterschiede werden impulstreu herausgearbeitet. Die Stimme Jon Bon Jovis hebt sich zu jedem Zeitpunkt gut erkennbar vom instrumentalen Rest ab, schiebt sich zugleich aber nie unpassend in den Vordergrund. 

Linkin Park - One More Light (Spotify): Mit dem nächsten Song lassen wir es etwas langsamer angehen und lauschen der S400 bei der Wiedergabe von One More Light von Linkin Park. Der leider im Jahre 2017 verstorbene Chester Bennington besitzt für uns eine der prägnantesten Stimmen in diesem Musikgenre und auch hier müssen die S400 von Buchardt Audio beweisen, was sie können - mit der Stimme haben zahlreiche, auch teils recht kostspielige Boxen ein Problem, weil sie nicht in allen Details herausgearbeitet wird. Aber auch bei diesem ruhigeren Stück glänzen die S400 und verzaubern uns mit der Stimmwiedergabe von Chester sogar leichte Gänsehaut. Die Tieftonpassagen werden sauber und mit Nachdruck abgebildet. Die S400 können richtig "Dampf" machen, fühlen sich aber ebenfalls in ruhigeren Stücken sehr wohl - genauso so stellt man sich eine akkurat entwickelte Box vor. 

Dance Monkey - Tones and I: Wir wechseln das Genre und widmen uns den aktuellen Charts. Wir beginnen mit dem Stück Tones and I von Dance Monkey. Die S400 zeigen uns, dass dieses Genre ihnen auch liegt. Auch bei diesem Stück besteht die Herausforderung aus einer gelungenen Stimmwiedergabe. Die S400 liefern erneut eine exzellente Performance ab. Die sehr spezielle, recht helle, kindliche Klangfarbe der Stimme, die auf günstigen Lautsprechern auch schon mal sehr spitz und zugleich oberflächlich klingt, bilden die Regallautsprecher wieder sauber, mit toller Loslösung von den Chassis, ab. Aber nicht nur die vokalen Elemente haben uns überzeugt. Auch der nötige Tiefgang wird uns von den Lautsprechern präsentiert, und eingepackt wird das alles in eine natürliche, klar gestaffelte Räumlichkeit. 

Ed Sheeran feat. Khalid - Beautiful people: Mit bekannten Tugenden trumpft die Buchardt-Box auch bei diesem Song wieder auf. Die Stimmwiedergabe mit charismatischer Ausprägung ist erneut ein Genuss, vor allem, wie gleichmäßig sich die Stimmen im Raum verteilen. Die S400 entdeckt auch kleine dynamische Differenzen im Song zuverlässig und präsentiert uns diese impulstreu und glaubwürdig. Kultiviert, zugleich dynamisch: Das ist eine tolle Mischung, und konsequent wird diese auch bei hohen Lautstärken beibehalten. 

Bei "Shallow" von Bradley Cooper und Lady Gaga sichert sich der Lautsprecher die nächsten hervorragenden Bewertungen. Der gerade anfangs ruhige, aber emotional tiefgehende Titel, der dann, als Lady Gaga die Stimm erhebt, plötzlich eine ungeahnte Dynamik entwickelt, stellt enorme Ansprüche an die Schallwandler. Und ja, wir sind hier bei diesem Stück einen hohen Standard gewöhnt. Den toppen die Buchardt Audio nicht, aber der Fairness halber müssen wir erwähnen, dass wir hier von Luxus-Lautsprechern wie einer Canton Reference 5 K oder einer Quadral Aurum Vulkan 9 sprechen, auf denen wir dieses Stück schon gehört haben. Für den Paarpreis von 2.00 EUR sind die Leistungen der S400 zweifelsfrei hervorragend. Konturen, Finesse bei der Auflösung, eine dichte Atmosphäre - alles vorhanden.

Bei "Paradise" von Bazzi ist es einmal mehr der Bassbereich, der verblüfft. So nachdrücklich und zugleich präzise, so umfassend und mit so einem exzellenten Tiefgang: Die S400 setzt ein weiteres Ausrufezeichen im Test. Dass die Stimme hier im Detail noch etwas mehr Feinzeichnung vertragen könnte, möchten wir nicht verschweigen. Das ist aber "Meckern auf hohem Niveau". Die gesamte Räumlichkeit begeistert auch im größeren Hörraum über 20 Quadratmeter ein weiteres Mal. Man hört einfach gerne mit der Buchardt Audio-Box - und noch lieber richtig laut, weil man dann tief in der Musik versinken kann, die S400 hüllt den Zuhörer akustisch ausgezeichnet ein. 

Wenden wir uns wieder anderen Musikstilen zu. Bei "Stars" von Vize beeindrucken erneut die Tiefbass-Qualitäten der S400. Sie spielt so gelassen, rund und mit einem so großen Volumen, dass man auch eine deutlich größere Konstruktion vermuten könnte. Der passive Bass-Radiator auf der Rückseite macht sich hier auch positiv bemerkbar. Der Bass hat überdies eine überdurchschnittlich Härte und überzeugt durch Impulstreue und klare Strukturen. Die Trennung der vokalen Elemente vom klanglichen Rest gelingt den Buchardt Audio S400 auch bei stark gehobenem Pegel auf hohem Niveau. Für den Lautsprecher spricht auch der aufgeräumte, sehr gut auflösende Hochtonbereich.

Bei "All Night And Day" von Jax Jones und Martin Solveig setzen sich die erstklassigen akustischen Ergebnisse fort. Und wir beginnen uns, zu fragen: Wodurch setzt sich die S400 von anderen, auch exzellenten Regallautsprechern, ab? Schließlich ist es wichtig, dem Interessenten eine sinnvolle Kaufempfehlung auszusprechen. Einfach zu sagen, wieder eine "überragende" Box, ist viel zu wenig. Bei der Buchardt Audio S400 ist es die Mischung aus Harmonie, erstklassiger Homogenität, einer enorm klaren, plastischen Stimmwiedergabe und dem Bassbereich, der vor allem bei Kraft und Volumen deutlich über dem Durchschnitt liegt. Die daraus resultierende Gelassenheit ruft beim Hörer ein gutes Gefühl hervor: Nämlich das, der Buchardt Audio S400 praktisch jedes Material, egal wie komplex oder schlicht, vorsetzen zu können. Klar, es gibt sogar für weniger Geld schon echte "Universalisten".  Aber kaum welche, die so präzise aufs jeweilige Quellmaterial eingehen und Konturen, räumliche Faktoren und die dynamischen Unterschiede so homogen präsentieren.

Wir tummeln uns noch etwas in der "Club-Szene" und legen mit "Move On Baby", ursprünglich ein 90er Jahre Eurodance-Hit von Cappella, nun aufgepäppelt von Mike Candys, nach. Wieder beeindruckt, wie solide der harte Beat herausgearbeitet wird. So hört man sehr gern laut, und auch bei deutlich gehobenen Pegeln geht kein bisschen Struktur verloren. Stets kontrolliert, zugleich aber sehr dynamisch macht sich die S400 ans Werk. 

Konkurrenzvergleich

Edles für die Hälfte: So könnte man die Heco Tresor mit ihrer hochwertigen Verarbeitung und der charakteristischen Optik perfekt umschreiben, denn sie kosten als Paar 999 EUR. Dafür gibt es auch einen lebendigen Klang und eine saubere Detaillierung. Klar, dass die recht kleinen Kompaktlautsprecher nicht die Wucht im Bassbereich wie die S400 bieten können, und auch nicht diese enorme Pegelfestigkeit.

Was Noblesse und Chic angeht, haben wir in der Regallautsprecher-Liga bis 2.000 EUR klare Favoriten: Die als Paar 1.980 EUR kostende Elac Vela BS 403 sieht einfach blendend aus und setzt darüber hinaus Maßstäbe mit dem Auflösungsvermögen des JET-Hochtöners. Der Bassbereich wirkt weniger druckvoll als bei der S400, die überdies tiefer hinunter spielt. 

Lieber einen ausgewachsenen Standlautsprecher? Kein Problem, Teufels Definion 3 mit koaxialem Treiber für Mitten/Höhen und gleich drei Flachmembran-Basschassis steht schon in den Startlöchern. Derzeit (Stand 15. November 2019) für rund 1.300 EUR zu haben, überzeugen die Lautsprecher mit ausgezeichnetem Leistungsvermögen, sauberem Tiefbass und solider räumlicher Darstellung. 

Fazit

Eine hervorragende Arbeit aus Dänemark: Die Buchardt S400 präsentiert sich im gediegenen Finish und mit einer brillanten Akustik: Natürlich, lebendig, zugleich kultiviert und mit einer ausgezeichneten Räumlichkeit. Ganz gleich, bei welchem Quellmaterial, immer beeindruckt der Klang durch exzellente Souveränität, eine enorme Harmonie bei gleichzeitig erstklassiger Dynamik. Der Paarpreis von 2.000 EUR ist für dieses Leistungsvermögen als günstig zu bezeichnen, hier gibt es Schallwandler, die doppelt so viel kosten, aber nicht mehr leisten. 

Die S400 überzeugt mit einem erstklassigen Gesamtkonzept zum äußerst fairen Kaufpreis und wird zur großen Konkurrenz fürs Establishment

Regallautsprecher obere Mittelklasse
Test 20. November 2019

Test: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 20. November 2019

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