Vinyl-Finetuning: So kommt der optimale HiFi-Sound aus dem Plattenspieler

Tonabnehmer-Einstellung

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Nicht nur beim Einbau eines neuen Tonabnehmers sondern auch bei einem vorhandenen System empfiehlt sich eine Kontrolle und Justage der Einstellungen. Denn selbst wenn man vom Hersteller einen bereits komplett eingerichteten Plattenspieler erhält, so ist keineswegs gewährleistet, dass dieser optimal eingestellt ist. Gerade die günstigen konischen Nadeln, die oft zum Standard-Lieferumfang von Plattenspielern im Einsteigssegment gehören, sind recht fehlertolerant und erst beim Austausch gegen ein System mit feinerem Nadelschliff fallen oft Ungenauigkeiten der Grundeinstellung auf.

Vor dem Beginn der Einstellungen sollte zunächst die waagerechten Lage des Plattentellers überprüft werden. Dafür gibt es spezielle Mini-Wasserwagen, die sich auf den Plattenteller legen lassen und eine punktgenaue Anpassung ermöglichen.

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Für die Justage von Tonabnehmern empfiehlt sich die Verwendung von Protaktoren-Schablonen, die den idealen tangentialen Spurwinkel anzeigen, mit denen die Lackschnitt-Vorlagen der Schallplatten angefertigt werden. Sofern der Plattenspieler (in den meisten Fällen) keinen Tangential-Tonarm besitzt, der automatisch weitergeführt wird und die Schallplattenrille immer linear abtastet, wird ein Tonarm über die gesamte Laufzeit einer Schallplatte immer leichte Abweichungen von der idealen Spur haben. Durch die übliche "gekröpfte" Platzierung des Tonabnehmers durch eine angewinkelte Headshell oder einen S-förmigen Tonarm werden die Abweichungen minimiert. Diese sind aber weiterhin vorhanden und verändern sich auch in beide Richtungen während des Abspielvorgangs.

Thorens Reference 9

 

Mit dem Protaktor kann die Feinabstimmung vorgenommen werden. Neben einfachen Schablonen im Stil eines Lineals stehen auch komplexere Plattentellerauflagen wie z.B. die "Schön Schablone" zur Auswahl, die für fast alle Plattenspieler geeignet sind. Auf diesen befinden sich mehrere Nullpunkte, mit denen der Überhang des Tonabnehmers und der Spurwinkel justiert werden können, um an beiden Stellen möglichst genau der Vorlage zu entsprechen. Es gibt auch Protaktoren, die genau für spezifische Tonarme berechnet sind.

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Einige Hersteller geben auch eigene Empfehlungen ab. So wird z.B. für die meisten Technics-Plattenspieler mit S-Tonarm ein Abstand der Nadelspitze zum Headshell-Übergang von genau 52 mm empfohlen. Das ist schon einmal ein guter Ausgangspunkt für die weiteren Einstellungen.

Wichtig: Für die genaue Justierung sollte man sich nicht am Gehäuse des Tonabnehmers sondern der Nadel orientieren. Die in diesem Beispiel verwendete Analogis Just1 Justierschablone verfügt über einen Spiegel auf der Unterseite, mit dem die Ausrichtung der Nadel genau überprüft werden kann.

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Außerdem gibt es spezielle Tonarmlineale, mit denen sich die Tonarmhöhe kontrollieren lässt. Mit der Schablone lässt sich auch überprüfen, ob der Nadelträger genau senkrecht und nicht leicht nach links oder rechts verzogen steht. Im Idealfall sollte der Tonarm möglichst waagerecht zur Schallplatte liegen, damit die Nadel im richtigen Winkel aufliegt, der vom Hersteller vorgesehen ist. Nicht jeder Plattenspieler erlaubt aber eine Anpassung der Tonarmhöhe und wenn der Arm nur leichte Abweichungen zeigt, bleiben die klanglichen Auswirkungen auch meist relativ gering. Der Winkel verändert sich ohnehin bereits durch die unterschiedliche Dicke der Schallplatten. Alternativ lässt sich der Tonarmwinkel auch durch Unterlegscheiben am Tonabnehmer oder zusätzliche Plattentellerauflagen korrigieren.

Die meisten Plattenspieler verfügen über eine Skala zur Einstellung der Auflagekraft des Tonabnehmers. Dazu muss der Tonarm zunächst ausbalanciert und die Skala auf den Nullpunkt gedreht werden um dann das genaue Gewicht einzustellen. Wer es etwas genauer wissen will, kann auch eine Tonarmwaage zur Überprüfung verwenden. Zur Einstellung des Gewichts sollte man sich an der Empfehlung des Tonabnehmerherstellers orientieren. Dabei sind Werte von 1.5 Gramm bis 2.2 Gramm oft üblich und der optimale Wert für eine verzerrungsarme Wiedergabe auch im Hochtonbereich lässt sich durch Hörtests einstellen. 

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Anti-Skating

Die meisten Plattenspieler verfügen über eine sogenannten "Anti-Skating"-Regler, der dafür sorgen soll, dass der Tonarm beim Abspielen die im Innen- und Außenbereich der Rille befindlichen beiden Stereo-Kanäle gleichmäßig abtastet und nicht zu sehr nach innen oder außen driftet, was neben Schwankungen der Kanal-Balance auch für eine ungleichmäßige Abnutzung von Tonabnehmer und Schallplatte sorgen kann. Dazu befindet sich am Plattenspieler ein kleiner Mechanismus, der eine leichte Kraft auf den Tonarm in Richtung Außenbereich ausübt, die den leichten Drift zum Innenbereich ausgleichen soll.

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Typischerweise soll laut den Empfehlungen der meisten Hersteller die Einstellung des Anti-Skatings analog zur Auflagekraft auf einer Skala eingestellt werden. Es empfiehlt sich aber dennoch eine manuelle Kontrolle. Anhaltspunkte geben das Verhalten des Tonabnehmers in der Einlaufrille oder die Verwendung einer glatten Platte (wie z.B. einer alten Laserdisc). Dabei kann es aber durchaus passieren, das das Anti-Skating überkompensiert wird, da eine glatte Platte nicht genau dem Abspielverhalten des Tonabnehmers entspricht, der nicht mit der Spitze auf der Platte läuft sondern auf den Rillenkanten aufliegt. Starke Abweichungen sind auch zu erkennen, wenn die Nadel beim Auflegen leicht nach innen oder aussen zieht. Fehleinstellungen des Anti-Skatings lassen sich auch bei bei einigen Tonabnehmern durch eine unterschiedliche Kanalbalance oder Veränderungen im Hochtonbereich von linkem und rechtem Kanal heraushören.

Klang-Feinschliff

Die Einstellung eines Plattenspielers erfordert eine gewisse Präzision, die in der Praxis aber noch eines Finetunings durch Hörtests bedarf, weil bei einer rein visuellen Kontrolle sich schnell Fehlertoleranzen ergeben können, da die ganzen verschiedenen Parameter mit dem Auge oft nicht so genau angepasst werden wie man es sich erhofft.

Zur Einstellung eines neuen Tonabnehmers eignen sich vor allem Schallplatten mit scharfen S-Lauten, die möglichst unverzerrt wiedergegeben werden sollten. Besonders kritisch sind dabei die letzten Titel einer Platte und somit auch insbesondere 7" Singles, die zu Verzerrungen im Innenbereich (Inner Groove Distortions) neigen. Zum Einstellen von Tonabnehmern gibt es auch z.B. von Ortofon spezielle Testschallplatten.

Zur Abrundung der Einstellungen ist das Dire Straits-Album "Brothers in Arms" sehr gut geeignet, dessen Eröffnungstitel "So Far Away" während des gesamten Songs ein sehr gleichmäßiges Hi-Hat verwendet, dessen Änderungen in der Klangcharakteristik insbesondere im Hochtonbereich der beiden Stereo-Kanäle sehr gut wahrnehmbar ist.

Fazit

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Schallplatten sind ein sehr altes Musik-Medium, welches trotz der konstanten Abnutzung des Tonträgers und ungewollten Störgeräuschen durch Schmutz und Beschädigung erstaunlich gut klingen kann. Wer beim Einstieg oder der Rückkehr zum Musikhören von Schallplatten Enttäuschungen vermeiden will, sollte sich zunächst einmal mit den Grundeinstellungen von Tonarm und Tonabnehmer beschäftigen. Wenn sich dann immer noch nicht das gewünschte Klangerlebnis ergibt, kann ein Upgrade des Tonabnehmers oder ein Austausch der Nadel helfen.

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