TEST: 21:9 Mittelklasse-Modell Sony Xperia 10 Plus - Top oder Flop?

Sony stellt die gehobene Mittelklasse neu auf. Markantes Kennzeichen: Ein 21:9 Display, was sich offensichtlich als inoffizieller Standard bei Sony entpuppt, denn bereits beim vergangenen Mobile World Congress streckten sich die Displays auf dieses Widescreen-Format. Mittlerweile ist Sony hier aber nicht mehr alleine und auch andere Hersteller bieten dieses Format an. Wir haben uns das Xperia 10 Plus genauer angesehen.

Rückseite aus Kunststoff

Schicke, elegante, kantige Optik

Back tot he Roots: Sony kehrt offenbar mehr zu einem leicht kantigen Gehäuse-Design zurück, was ein Plus für die optische Eigenständigkeit ist. Ansonsten ist der Look aber eher schlicht gehalten. Die Wertigkeit bleibt ein wenig auf der Strecke, die Rückseite besteht nicht aus Aluminium, sondern aus Kunststoff. Ein Merkmal, dass für ein Smartphone in der Klasse um 400 Euro nicht ganz optimal erscheint. Ebenfalls unschön in dieser gehobene Preisklasse: Es gibt keine IP-Zertifizierung gegen Staub und Wasser. Ansonsten ist die Verarbeitungsqualität aber in Ordnung, auch wenn der Übergang vom Display zum Rand eine klare Kante aufweist.

Apropos Display: Dem 21:9-Touchsreen hat Sony oberhalb keinen Notch, sondern einen breiten Rahmen verpasst. Das wirkt etwas unglücklich gelöst, davon abgesehen ist das Display aber nahezu randlos und kann qualitativ überzeugen. Der LC-Bildschirm bietet eine Auflösung von 2.520 mal 1.080 Pixel und überzeugt in den meisten Disziplinen: hohe Helligkeit, gute Brillanz und ein ordentlicher Kontrast. Nur bei der Farbwiedergabe schwächelt das Gerät leicht, was der LC-Technologie geschuldet ist. 

Display im 21:9-Format

Das 21:9-Format sorgte im Test für Licht und Schatten. Bei einigen Medieninhalten wird das Format sogar voll unterstützt (Netflix-App), bei anderen Inhalten treten hingegen Probleme bei der Darstellung auf (u.a. große schwarze Balken). Schade zudem, dass das Xperia 10 Plus nicht für HDR-Streaming auf YouTube oder Netflix gerüstet ist. Insgesamt wirkt das Ganze etwas unausgegoren und wie Kinderkrankheiten eines neuen Formates.

Das klingt doch gut: Die Hauptkamera arbeitet mit einem 13-Megapixel-Hauptsensor und einen 8-Megapixel-Zweitsensor, sodass ein Live-Bokeh-Effekt und zweifacher optischer Zoom möglich sind.

Dual-Kamera

Im Praxistest kommt dennoch keine allzu große Freude auf. Zwar gelingen bei Tageslicht ordentliche Aufnahmen, doch das muss man Anno 2019 auch erwarten können. Sobald die Lichtverhältnisse schwächer werden, kommt ein Weichzeichner zum Einsatz, der Fotos die Schärfe raubt und Bilder blasser wirken lässt. Auch bei Schnappschüssen in Räumen tut sich das Smartphone mit der korrekten Ausleuchtung recht schwer. Im direkten Vergleich zum Referenzgerät iPhone XS Max spielt das 10 Plus nur in der zweiten Reihe – wenn überhaupt. Unter dem Strich ist die Kamera zwar keine Katastrophe, ein wenig mehr hätten wir vom Kamera-Spezialisten Sony aber erwartet.

Aufgenommen mit dem Xperia 10 Plus

Aufnahme bei schwächerem Licht

Selfies werden in maximal 8 Megapixel eingefangen. Die Qualität ist ordentlich, allerdings ist eine ruhige Hand durch den fehlenden Autofokus zwingend notwendig, damit die Fotos scharf werden. Eine gute Figur macht dafür der Camcorder, denn Videoaufnahmen sind in Full-HD mit 60 fps möglich. Bei Zeitlupenaufnahmen steht sogar eine HD-Auflösung mit 120 fps zur Verfügung. Schön zudem, dass ein digitaler Bildstabilisator für wackelfreie Aufnahmen sorgt. Ungewohnt bei Sony: Abseits aller Standards, inkl. Panorama-Aufnahmen geizt die Kamera ein wenig mit Extras.

Neben den internen 64 GB Speicherplatz (ca. 47 GB frei) lässt sich der microSD-Slot sogar mit bis zu 512 GB füllen – und dann ist sogar noch ein Dual-Betrieb möglich. Ebenfalls löblich: Es gibt einen Anschluss für eine separate Kopfhörer-Klinkenbuchse, wobei dem Gerät sogar ein Headset mit Klinkenstecker beiliegt – auch in der höheren Preisklasse ist das nicht unbedingt Standard.

Bei den Datenschnittstellen ist der Funker zudem sehr aktuell aufgestellt: Bluetooth- 5.0, WLAN-ac und NFC. Das LTE-Internet wird aber bereits bei 600 Mbit/s-Download abgebremst.

Wie es sich gehört, ist Android 9 mit dem aktuellen Sicherheitsupdate vorinstalliert. Sony hat beim User Interface etwas abgespeckt, sodass der Look dem Original-Android sehr nahekommt. Dieser Schritt vereinfacht zukünftige Updates und den Einstieg auch für Xperia-Novizen.

Screenshot

Screenshot 2

Das Angebot an Bedienungshilfen ist sehr vielfältig, denn die Entsperrung erfolgt wahlweise über einen Fingerabdruck-Sensor oder per Gesichts- & Spracherkennung. Leider hakt es aber bei der Umsetzung ein wenig. So liegt der Fingerprintscanner im rechten Rahmen etwas zu weit untern, sodass man stets etwas umgreifen muss.

Noch weiter unten platziert ist die Lautstärkeregelung. Da diese Wippentaste zudem über keinen vernünftigen Druckpunkt verfügt, ist die Lautstärkeregelung eine ziemlich prekäre Sache. Die Gesichts- oder Spracherkennung funktionieren zwar ebenfalls recht zuverlässig, doch für die endgültige Entsperrung muss man zusätzlich noch einen Fingerstrich nach oben machen, das ist unnötig umständlich.

Schön dafür, dass alle gängigen Android-Zutaten vorhanden sind: Ein App Drawer, eine Google-Startseite links sowie ein zweiteiliges Pull-Down.Menü – so hat man aus jeder Lage schnell Zugriff auf die wichtigsten Funktionen. 

Bei einem Online-Preis von rund 400 Euro darf man auch beim CPU eine hohe Erwartungshaltung haben, doch Sony verließ sich lieber auf bewährte Zutaten aus der Mittelklasse. Der Achtkern-Prozessor Qualcomm Snapdragon 636 ist mit 1,8-GHz-Takt ausgerüstet und wird von einem 4 GByte großen Arbeitsspeicher unterstützt. Das klingt zwar alles andere als spektakulär, doch im Alltag fällt es kaum auf, dass das Prozessor-Modell bereits rund eineinhalb Jahre alt ist. Man kann die Performance auf alle Fälle als alltagstauglich bezeichnen, wobei dem Xperia 10 Plus bei anspruchsvolleren 3D-Games schnell die Grenzen aufgezeigt werden. Mobile Fortnite-Zocker müssen sich daher weiterhin nach einem hochpreisigen Modell umschauen.

Seitenansicht

Merkwürdig: Ein 3.000-mAh-Akku mutet angesichts der Preisklasse und der Größe des Smartphones doch ein wenig unterdimensioniert an. Bei der Rufbereitschaft ist aber alles noch im Grünen Bereich, denn wenn man das Gerät moderat nutzt, ist man mit rund vier Tagen dabei.

Erhöht man die Nutzungsintensität, sieht dies allerdings etwas anders aus. Nur noch 8,5 Stunden hält das Gerät im Dauerstresstest durch und präsentiert sich damit klar unter Durchschnitt.

Regelrecht ärgerlich ist ferner, dass nur ein 5-V-Netzteil zum Lieferumfang gehört, denn hier geht mehr. Wer schneller als in 2,5 Stunden voll aufladen möchte, muss das Schnelllade-Netzteil separat käuflich erwerben.

Auch bei der akustischen Darbieten, die eigentlich eine Stärke von Sony ist, müssen wir kritisieren. Zwar verfügt das 10 Plus über zwei Lautsprecher, doch die wurden beide unterhalb des Displays gepackt und spielen nur Mono ab. Bei höherer Lautstärke verlieren die Lautsprecher zudem die Kontrolle und insgesamt ist der Klang eher flach, da hatten wir uns mehr erhofft. Immerhin ist die Sprachqualität in beide Senderichtungen in Ordnung, wenngleich auch hier keine Festnetzqualität erreicht wird.

Fazit

Das Sony Xperia 10 Plus ist wahrlich kein schlechtes Smartphone. Dennoch können wir uns vorstellen, dass sich das Model auf dem Markt schwer tun wird, denn für das gebotene Leistungspaket wird ein zu hoher Preis aufgerufen. Das prächtige 21:9 Display mag zwar für Multimedia-Fans interessant sein, doch dafür muss der Käufer an zu vielen anderen Stellen Einsparungen in Kauf nehmen (z. B. IP-Zertifizierung, Kameraqualität oder Akkuleistung). Eine insgesamt rundere Abstimmung als Gesamtpaket wäre wünschenswert gewesen. Im direkten Preisvergleich gibt es auf alle Fälle bessere Leistungsangebote – auch mit 21:9 Display.

Sony Xperia 10 Plus - Flexibles 21:9-Smartphone mit viel Luft nach oben

06.08.2019

+ Großes 21:9 Display
+ Ordentliche Performance
+ Headset mit Klinkenstecker

- Mittelmäßige Kamera
- Keine optimale Akkuleistung
- Mäßige Kameraqualität

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 06.08.2019

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