TEST: Magnat Transpuls 1500 - Retro-Standbox mit 38 cm Tieftöner und "Dual Compression"-Horn

Wohnraumfreundlichkeit ade? Magnat setzt dem Trend der immer schlanker werden Standlautsprecher-Säulen die Transpuls 1500 entgegen. Der breit und massiv auftretende Schallwandler kommt ganz im Stile der typischen HiFi-Boxen der 60er und 70er Jahre daher und will mit Retro-Charme und moderner Technologie, aber auch einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis überzeugen. Für unter 500 Euro, genau genommen 486,42 Euro pro Stück sind die groß gewachsenen Transpuls 1500 erhältlich.

Trotz des attraktiven Preises heißt es "Klotzen, nicht kleckern" - mit 38 cm Durchmesser beim Tieftöner und einem satten Gehäusevolumen soll ein nachdrücklicher, kraftvoller Tiefgang erreicht werden. Und typisch für die Lautsprecher der goldenen HiFi-Ära: Im Hochtonbereich arbeitet ein Horn, das bei den Transpuls 1500 direkt mit zwei Treibern bestückt ist. Dank des hohen Wirkungsgrades ist das Spektrum kompatibler Verstärker besonders breit. Sehen wir uns die Magnat Transpuls 1500 im MDF-Gehäuse in Dark Wood Holzdekor-Ausführung genauer an.

Magnat Transpuls 1500

Die grundsätzliche Verarbeitungsqualität der Magnat-Boxen ist absolut solide. Natürlich darf man nicht unbedingt Finesse im Detail und den absoluten Feinschliff an jeder Ecke und Kante erwarten. Mechanisch aber wirken sie sehr sauber aufgebaut, die Chassis-Integration ist nicht zu beanstanden und auch das insgesamt etwas gröbere Spaltmaß ist überall gleichmäßig. Ein wenig erinnern sie an die "amerikanische" Verarbeitungsqualität früherer Klipsch-Holzboxen: Kein Schnickschnack, dafür robust, stabil und massiv. Dadurch, dass sie nicht übermäßig tief konstruiert sind, erschlagen einen die Lautsprecher in einem nicht allzu groß bemessenen Wohnzimmer dennoch nicht.

Einzelansicht

Dark Wood Holzdekor

Rundum sauber aufgebracht

Untere Kante und Standfuß-Konstruktion

Seitenansicht

Rückseite

Das Furnier bzw. Holzdekor ist sehr sauber aufgebracht und wir können keine Einschlüsse entdecken, auch an den typisch problematischen Ecken ist es insgesamt ordentlich. Vorsicht ist bei solchen Oberflächen immer geboten, wenn man nicht aufpasst, kann es an einer Kante bei unsachgemäßer Handhabung durchaus mal abplatzen. Auch die Schallwand ist mit Dekor sauber beklebt worden, ist aber komplett schwarz gehalten. Die Lautsprecher-Abdeckung mit Akustikstoff (die man, wenn man nicht auf den absoluten Retro-Look steht, anbringen sollte) ist ebenfalls sehr robust und basiert auf einer massiv wirkenden Holzkonstruktion. Konventionelle Verbindungsstifte kombinieren Lautsprecher und Stoffgitter, die Versetzung der Abdeckung nach innen komplettiert den 70er Jahre Stil.

Die Stoffabdeckung verjüngt sich im oberen Bereich nach hinten

Solide Konstruktion der Abdeckung

Detailansicht

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Mit Verbindungsstiften wird die Abdeckung auf der schwarzen Schallwand befestigt

Die Schallwand ist nach innen versetzt

Einen optischen Akzent setzt die Verjüngung des Gitters nach hinten im oberen Bereich, beginnend ab der Oberkante des Tieftöners. Die Lautsprecher-Terminals auf der Rückseite wirken hochwertig, sind verkapselt und vergoldet. Größere Kabelquerschnitte und Bananenstecker werden problemlos aufgenommen. Im unteren Bereich setzt man auf eine groß bemessene Holz-Fußkonstruktion, auf der eine Vollmetall-Logoplatte angebracht ist, darunter befinden sich nochmal kleine Kunststofffüßchen.

Ohne Abdeckung

Der große 38cm Tieftöner

Chassis-Integration des Tieftöners im Detail

Mitteltöner und Hochtonhorn

Membranstruktur und Sicke am Mitteltöner

Das "Dual Compression Horn" mit zwei angewinkelten Treibern

Der große 38cm Tieftöner der Transpuls 1500 arbeitet in einem speziell dafür konzipierten Bassreflexgehäuse. Dabei wurde laut Hersteller die Dimensionierung des gedämpften Bassreflexrohres so gewählt, dass sich die Vorteile von Bassreflex und denen eines geschlossenen Gehäuses kombinieren soll. Gepaart mit dem großen Innenvolumen soll ein mächtiger und gleichzeitig sehr präziser Bass mit viel Tiefgang realisiert werden.

Der Mitteltöner verfügt über 17 cm Durchmesser, also ebenfalls über eine große und leichte Membran sowie einen geschlossenen Korb, ist also reiner Mitteltöner. Der Hochtöner ist, wie eingangs erwähnt, als Horn konzipiert. Es handelt sich aber nicht um einen einfachen Schlitzstrahler, sondern der Töner verfügt über zwei Treiber in angewinkelter Position im Hornhals. Dieses "Double Compression Horn" bietet eine höhere Belastbarkeit als konventionelle Hornhochtöner. Insgesamt ist das Abstrahlverhalten der Transpuls 1500 sehr kontrolliert, daher empfiehlt Magnat auch bei größerem Abstand der Lautsprecher eine angewinkelte Position hin zum Hörplatz.

Nach den Eindrücken zu Technik und Verarbeitung fragen wir uns nun: Wie klingt die Transpuls? Kann man sie uneingeschränkt empfehlen, oder werden nur unverbesserliche HiFi-Nostalgiker mit der Box glücklich?

Klang

Leonard Cohen hält als erstes Klangbeispiel alles andere als eine leichte Aufgabe für die Magnat Transpuls 1500 bereit. Das langsame Stück "You Want It Darker" erklingt sofort mit satter Substanz am Sweet Spot. Füllig und atmosphärisch dicht hüllt uns das Geschehen, dass sich ausgezeichnet von den Komponenten löst, komplett ein, insgesamt erscheint auch die Kulisse sehr räumlich. Entfernt man sich nicht zu weit vom perfekten Platz im Stereo-Dreieck, gefällt uns die Bühne auch mit klarer Struktur und einer authentischen Platzierung der Instrumente und Stimme. Die Stimme selbst gefällt, was Mitten und Höhen betrifft, exzellent. Hier werden feine Charakteristika eingearbeitet, die auch teurere Komponenten sehr fein ziseliert herausarbeiten.

Leonard Cohens Stimme bringt auch tiefe Komponenten mit, und hier müssen die Transpuls 1500 aufpassen, die tiefsten Frequenzbereiche werden hier leicht überbetont und bringen die Boxen leicht ins Schwingen, wenn wir dem Pegel ein wenig Freiraum geben. Beim Kickbass aber gefallen sie uns mit überraschender Direktheit und guter Präzision. Bei einem derart großen Chassis müssen wir immer befürchten, dass es sehr träge agiert. Hier, auch wenn es sich um ein eher langsameres Stück handelt, empfinden wir dies nicht so. Auch nicht aufgedickt, sondern trocken und sauber erklingen die Bässe, die tief hinuntergehen und auch in diesem Bereich noch kraftvoll und nachdrücklich erscheinen. Das taktgebende Percussion-Element wirkt klar, feine Dynamikunterschiede im Mitten- und Höhen bereich arbeiten die Transpuls 1500 sehr gut heraus. Trotz der Klarheit wird hier bei hohem Pegel nichts unangenehm, auch Transparenz und Durchhörbarkeit der oberen Frequenzbereiche überzeugt.

Mit den Magnat Transpuls 1500 und Deep Purples "Space Truckin'" heißt es "Back To The Future" ins Jahr 1972. Klar und direkt bringen die Magnat-Lautsprecher die authentisch verzerrten Gitarrenklänge an den Mann, gleichzeitig sorgt das Schlagzeug im Hintergrund für ein sattes Fundament. Doch nicht nur das, auch hier sind wir von der guten Geschwindigkeit des großen Tieftöners überrascht, der die harten Schläge schon zu Beginn des Rock-Klassikers trocken, hart und präzise wiedergibt. Außerdem wird eine überdurchschnitlich gute Struktur im Bassbereich geboten, die feindynamischen Unterschiede der Trommelschläge ebenso wie der leichte Nachhall der Felle kann man eindeutig erkennen. Die Stimme erklingt nicht ganz so fokussiert wie beim weniger komplexen "You Want It Darker" von Leonard Cohen, gefällt aber auch hier mit natürlicher Darstellung und Details. Die Bühnenstruktur ist aber dennoch sehr gut und auch hier können wir die einzelnen Instrumente sauber differenzieren.

Begeistert sind wir von der Belastbarkeit der Transpuls 1500, die unsere Pegel-Eskapaden absolut souverän mitmacht. Das Besondere daran: weder wirkt der große Woofer mit der Kombination aus komplexem Geschehen, moderater Geschwindigkeit und hoher Lautstärke überfordert, sondern liefert weiterhin punktgenaue, kraftvolle Bass ab - noch ändert sich die Gesamtauslegung der Boxen eklatant. Gerade obenrum liefern die Komponenten unbeeindruckt in bewährter Manier ab und sorgen nicht für  Spitzen. Das Horn, vielleicht grundsätzlich nicht auf maximale Brillanz und Detailreichtum getrimmt, bleibt sehr angenehm und räumlich präzise.

Aufs Maximum reizen wir Komplexität und Geschwindigkeit mit "Journey Through The Dark" von Blind Guardians viertem Album "Somewhere Far Beyond" aus. Hansi Kürsch und seine Kumpanen geben hier bereits während der ersten Sekunden Vollgas, die Transpuls 1500 ziehen weitgehend anstandslos mit und liefern eine natürlich wirkende, nicht zu scharfe Vokalstimme und ein sehr räumliches, dicht wirkendes Geschehen ab. Beim Tieftöner haben wir hier aber einen wunden Punkt getroffen, die klare Absicht darf man uns gerne unterstellen. Insgesamt wirkt das Geschehen noch recht stimmig, nur wer genau aufpasst, erkennt, dass die Kickbässe der Gesamtkulisse ein wenig hinterherhinken. Trotz des geringen Gewichtes der Membran kommt der 38 cm große Woofer hier - bei hohem Pegel - nicht ganz hinterher. Die Physik lässt sich eben nicht komplett aushebeln. Insgesamt aber erkennen wir den Magnat Transpuls 1500 aber eine sehr gute Performance an und sind erstaunt, wie strukturiert und sauber die übrigen Percussion- und Bass-Anteile dargeboten werden. Das komplexe Geschehen differenzieren die Lautsprecher zudem überraschend sauber.

Gänzlich außen vor möchten wir das klassische Klientel selbstverständlich nicht, daher gönnen wir uns, trotz der sich nähernden kalten Jahreszeit, den "Frühling" aus Antonio Vivaldis Violinkonzerten (E-Dur op.8 Nr.1 RV269). Die Transpuls 1500 beginnen wieder mit einer sehr räumlichen und balancierten Darstellung des Streicher-Ensembles. Die Violinen selbst sind nicht ganz so samtig-weich, wie wir sie sonst kennen, allerdings auch frei von Schärfen und Spitzen. Und das, obwohl wir bezüglich der Lautstärke wieder im oberen Drittel angesiedelt sind. Sehr gut gefällt uns die grundsätzlich dichte Atmosphäre und die direkten Mitten. Untenrum wird schnell und strukturiert abgeliefert, wenn die Paukenschläge den großen Tieftöner einmal erfordern. Auch erkennt man hier wieder sehr schön, dass sich das akutische Geschehen sehr gut von den Lautsprechern löst und im Bereich des Sweet Spots ein passender Aufbau der Bühne geboten wird. Die einzelnen Violinen lassen sich ebenfalls gut differenzieren. Die prägnanten Mitten und die insgesamt ausgewogene Auslegung, auch wenn es untenrum recht substantiell, aber eben nicht klar übertrieben, zur Sache geht, beschert den Magnat Transpuls 1500 auch hier ein sehr gutes Ergebnis.

Den Abschluss wagen wir mit STANDERWICK von Narco. Die weitläufigen, atmosphärischen Großhallendisco-Klänge liegen den Transpuls 1500 Lautsprechern. Dank der ausgeprägten Räumlichkeit werden die Effekte breit und tief in die Kulisse hinein verteilt und insgesamt entsteht ein sehr weitläufiger, den Zuhöhrer umhüllender Eindruck. Auch die Kombination aus hoher Belastbarkeit und Pegelfestigkeit inklusive ihrer Souveränität, die Ausgewogenheit bei hoher Lautstärke nicht zu verlieren, führt zur ausgezeichneten Performance der Magnat-Lautsprecher bei der Club-Hymne. Trotz der hohen Geschwindigkeit und des Artillerie-Feuers an Kickbässen halten die Woofer sehr gut mit und zeigen hier kaum ein Nachhinken oder geringere Präzision. Exzellent ist der gebotene Tiefgang und Nachdruck, auch in den untersten Bereichen schieben die Lautsprecher noch kraftvoll an. Einzelne akustische Elemente geraten nicht in den Hintergrund, und auch als das Geschehen komplexer wird, sich zu den Kickbässen ein tiefes Pulsieren gesellt, bleiben die Transpuls souverän und liefern ein von Schnelligkeit geprägtes, präzises und nachdrückliches Spektakel ab.

Konkurrenzvergleich

Klipsch R-820F: Die US-Box in ähnlicher Preislage ist ebenfalls solide verarbeitet und etwas für "ganze Kerle". Allerdings bedient sie sich optisch eher den Motiven einer klassischen Standbox. Mit Hornvorsatz vorm Hochtöner bietet sie viel Dynamik, ohne zu spitz zu werden. Selbst mit differenziertem Musikmaterial kommt sie gut zurecht. Im Bassbereich agiert sie flink, offeriert aber nicht den Tiefgang und das Volumen der Transpuls. Pegelfest sind beide Boxenpaare, wobei die Transpuls noch eins draufsetzt. 

Saxx coolSound CX-70: Im Preis identisch, setzt die schlanke, schicke Saxx-Standbox andere Akzente. Sie spielt kultiviert, homogen, rund - ohne das enorme Feuer im Bassbereich. Sie eignet sich sehr gut für alle Musikstile und besitzt eine zeitlose Optik - gepaart mit tadelloser Verarbeitung. 

Fazit 

Gelungene Retro-Optik, belastbare Chassis, nachdrücklicher Sound und ein sehr günstiger Kaufpreis: Die Magnat Transpuls begeistert HiFi-Nostaliker und Club-/Disco-Fans gleichermaßen. Aber auch, wer einfach einen optisch mal völlig anderen Lautsprecher sucht, um damit gezielt Akzente zu setzen, wird glücklich mit dem soliden, robusten Schallwandler. Dass der 38 cm-Tieftöner kein Musterbeispiel an Schnelligkeit ist, erstaunt niemanden. Man kann aber mit der Reaktionsgeschwindigkeit leben. Dafür erhält man einen erstklassigen Tiefgang und ein tolles Volumen. Insgesamt halten wir die Transpuls für eine echte Bereicherung des Marktes, wir persönlich würden diesen Retro-Speaker mit modernen Chassis gern in unserem Zuhause aufstellen. 

Kraftvoll aufspielende, preislich sehr faire Schallwandler im 70er Jahre Retro-Look - eine richtig gute Kombination

Stereo-Lautsprecher bis 1.000 EUR
Test 21. September 2020

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Philipp Kind
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 21.09.2020

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