TEST: LG G8S ThinQ - Ex-Flaggschiff zum Spitzenpreis?

Das ehemalige Flaggschiff hat mittlerweile einen Online-Preis von unter 400 Euro. Da sollte man mal nicht nur einen Blick riskieren. Die Absage des Mobile World Congress´ in Barcelona war einer der erste Corona-Konsequenzen mit globaler Tragweite, denn der MWC ist die wichtigste TK-Messe. Aber auch ohne echte Messeneuheiten zeigte sich gerade LG recht fleißig und präsentierte in allen relevanten Preissegmenten spannende Neuheiten.

Seitliche Ansicht

Das LG G8S ThinQ ist nicht so wuchtig, wie viele Konkurrenz-Modelle in höheren Preisregionen und sogar recht leicht. Die Verarbeitungsqualität ist zudem ebenfalls solide. Gorilla Glass umhüllt das Gehäuse bis auf einen Aluminiumrahmen komplett und lässt es dadurch sehr hochwertig aussehen, Fingerabdrücke sind dadurch aber nicht vermeidbar. Ebenfalls vorhanden ist ein Staub- und Wasserschutz nach IP68-Zertifizierung. Mittlerweile auffällig ist der breite Notch auf der Frontseite. Während viele Hersteller die Selfie-Kamera möglichst klein gestalten, geht LG hier einen ganz anderen Weg, da der Knipser mit zwei weiteren Sensoren gespickt ist. Dazu später mehr.

Nicht ganz so dick aufgetragen wird beim Touchscreen, denn das OLED-6,2-Zoll-Display bietet "nur" eine Full-HD-Plus-Auflösung (2.248 mal 1.080 Pixel). Allerdings fällt das im Alltag nicht wirklich auf, zumal der erweiterte DCI-P3-Farbraum komplett dargestellt wird. Außerdem erreicht der Koreaner eine Helligkeit von 616 Candela pro Quadratmeter (cd/m²), was ein Topwert ist. Zwar wird in allen Disziplinen kein Referenz-Niveau erreicht, doch das ist Krtik auf hohem Niveau.

Integrierte Kamera

Die Kamera kann sich auf alle Fälle sehen lassen, auch wenn aktuelle Referenzgeräte noch eine Schippe draufpacken. Die Triple-Kamera bietet einen 12-Megapixel-Standard-Sensor, einen zweifachen optischen Zoom sowie einen 13-Megapixel-Sensor mit Superweitwinkel – damit lässt sich schon viel anfangen. Auch die Ausstattung kann sich sehen lassen. Via Sensortaste lassen sich schnell drei Zoom-Faktoren wählen, die Helligkeit einstellen oder im Portraitmodus der Feinzeichner regulieren. Außerdem lädt der Studio-Modus zum munteren Herumexperimentieren mit Effekten ein. Eine Spezialität ist zudem der Scan-Modus, der alles erkennen und dann beziffern kann.

Aufgenommen mit dem G8S ThinQ

Herausragend ist aber vor allem die 8-Megapixel-Frontkamera aufgestellt. Sie wird durch Infrarotlicht, einen Bildstabilisator sowie einen „Time of Flight“-Sensor, der die Umgebung in 3D abbildet, unterstützt. Man kann also die Selfie-Kamera zur sicheren biometrischen Entsperrung sowie Handvenen-Erkennung („Air Motion“) nutzen. Vor allem knipst sie aber überdurchschnittlich gute Schnappschüsse bei ordentlichen Lichtverhältnissen. Das gleiche lässt sich auch über die Hauptkamera sagen. Bei Tageslicht liefert sie absolut tadellose Fotos, die scharf sind bis zum Rand. Sobald schwächeres Licht einsetzt, ist die Kamera ebenfalls in der Lage stimmungsvolle Sonnenuntergänge einzufangen. Unter dem Strich zwar keine Referenzleistung, aber angesichts des fairen Preises auf alle Fälle eine bemerkenswerte Performance.

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Sonnenuntergang

Videoaufnahmen sind in Full-HD- und Ultra-HD-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde möglich, wobei sie von einem Bildstabilisator unterstützt werden. Zeitlupenaufnahmen werden zudem in Full-HD-Auflösung mit 240 Bildern pro Sekunde archiviert. Auch in diesem Bereich bewegt sich die Qualität auf Oberklasse-Niveau.

Beim restlichen Ausstattungsprogramm klaffen keinerlei Lücken. 128 GByte interner Speicherplatz sind den Ansprüchen auf alle Fälle angemessen und können zudem durch eine microSD-Karte erweitert werden. Dann ist allerdings kein 4K-Dualbetrieb möglich. Bei den Datenschnittstellen ist ebenfalls alles vorhanden – und flott: LTE-Internet Cat 20, mit (theoretisch) bis zu 2.000 Mbit/s Download-Transferrate, WLAN im 802.11-ac-Standard, Bluetooth 5.0 und NFC. Auch ein Klinkenanschluss ist an Bord, außerdem USB Typ C (3.1).

Android 9

Kein Android 10, aber LG hat die 9er Version des Betriebssystem mit hauseigener Benutzeroberfläche und zusätzlichen Apps veredelt. Bis auf einen App Drawer gibt es aber alle obligaten Android-Zutaten, wie linke Google-Startseite oder einen Pull Down Menü. Alle vorinstallierten Apps verteilen sich somit auf den Startseiten – und das sind nicht gerade wenige. Wer Ordnung haben möchte, muss daher eine Weile sortieren und löschen.

Was auffällt, sind die besonders vielen Eingabehilfen für Menschen mit einer Hör- oder Sehbehinderung. Das G8S hat den Fingerprintscanner klassisch auf der Rückseite platziert. Der ist ergonomisch gut erreichbar und entsperrt sehr schnell. Das gilt auch für die Gesichtserkennung. On Top gibt es noch eine vielfältige Gestensteuerung, durch die man unter anderem Apps starten kann oder per Fingerdreh die Lautstärke reguliert. Klingt kompliziert, ist es auch, da für diese Gestensteuerung ein genauer Abstand zum Sensorfeld in der Frontkamera eingehalten werden muss. LG betont daher auch, dass die „Air Motion“-Gesten dann nützlich sind, wenn „die Hände schmutzig oder nass sind“. Im Regelfall braucht man sie daher nicht, da der konventionelle Weg der schnellere und leichtere ist.

Rückseite

Im Bereich Performance macht der Asiate klar, dass er in der obersten Etage mitspielt. Der Qualcomm Prozessor Snapdragon 855 mit 2,8 GHz Taktfrequenz und 6 GByte Arbeitsspeicher sind ein klares Leistungsmerkmal. Und tatsächlich reagiert das Smartphone in allen Bereichen stets schnell.

Der 3.550-mAh-Akkublock hat hingegen zwei Gesichter. Zwar erreicht das LG G8S ThinQ im Dauerstresstest knapp die elf Stunden, was eine überdurchschnittliche Leistung ist, doch die Rufbereitschaft bei einer moderaten Nutzungsintensität ist eher mau. In vielen Testzyklen schaffte das Smartphone eine Erreichbarkeit von knapp drei Tagen – das ist 2020 einfach zu wenig. Weiterer Malus: Die 100% erreicht der Koreaner erst nach ca. 2,5 Stunden – auch das ist ein klar unterdurchschnittlicher Wert trotz USB-C.

Im Bereich Sound lässt das G8S wieder seine Muskeln spielen, denn es befinden sich zwei Speaker ober- und unterhalb des Displays. Im Querformat genießt der Nutzer somit ein echtes Stereo-Feeling. Auch bei hoher Lautstärke ist die Wiedergabe ausgewogen und der Klang lebendig, ordentlich gestaffelt und weist ein wenig Bassfundament auf.

Fazit

Angesichts des günstigen Online-Preises ist dieses Smartphone ein echter Preis-/Leistungstipp! Die Performance ist zukunftssicher, die Kamera sehr vielseitig & qualitativ hochwertig und das Ausstattungspaket lässt kaum Wünsche offen. Einziger Schwachpunkt ist die mäßige Rufbereitschaft, denn ein dreitägiger Nonstop-Einsatz ist nach heutigen Maßstäben einfach zu wenig. Dennoch: Dieser Preis ist heiß!

Top-Kamera und ausgezeichnete Ausstattung zum absolut fairen Preis

09.05.2020

Test: Ulf Schneider
Datum: 09.05.2020

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