TEST: LG G7 ThinQ mit Kamera-KI und flottem Arbeitstempo

Mit einem gehobenen Mittelklasse-Modell möchten die Koreaner auch anspruchsvollere Gemüter für eine vergleichsweise geringe finanzielle Investition glücklich machen. Der ewige Zweikampf gegen die Landsmänner scheint auf Dauer entschieden zu sein, denn Samsung ist (fast) allen enteilt und der Konzern scheint sich mehr auf andere Geschäftsbereiche und anspruchsvolle Designkonzepte (LG Signature) zu konzentrieren. Das bedeutet aber kein Aus für die Smartphone-Sparte, denn Mobiltelefone sind bekanntlich eine Schlüsseltechnologie.

Das LG G7 ThinQ setzt voll auf Glas, das komplette Gehäuse ist komplett durch Gorilla Glas 5 geschützt. Das Display reagiert daher auch nicht auf stärkeren Fingerdruck sensibel, eine Schutzhülle ist aber dennoch empfehlenswert, denn das Glasgehäuse ist überraschend empfindlich bei Stößen, sodass schnell Sprünge entstehen können – ist leider während der Testphase passiert. Insgesamt ist die Verarbeitungsqualität aber tadellos und das Smartphone unterstützt den IP68-Standard gegen Spritzwasser und Staub.

Seitlich

Die schlichte Eleganz kann zudem überzeugen, zumal der Koreaner angenehm in der Hand liegt und nur 162 Gramm auf die Waage bringt. Der Käufer hat übrigens die Wahl zwischen den Farben Schwarz und Grau.

Obwohl das Gerät sich preislich in oberen Gefilden bewegt, gibt es dennoch keinen Notch oder ein Full Front Display. Immerhin hält sich die Umrandung um den Touchscreen aber recht in Grenzen. Apropos Touchscreen: Es bietet ein 19,5:9-Format, arbeitet mit der LC-Technologie und leistet eine starke Auflösung von 3.120 x 1.440 Pixel. Nettes Feature: Um Strom zu sparen lässt sich die Auflösung auf 2.340 x 1.080 Pixel drosseln.

Rückseite

Was beim Display vor allem positiv auffällt, ist die maximale Helligkeit, sodass Nutzer auch bei Tageslicht etwas erkennen. Auch ohne OLED-Technologie ist die Farbdarstellung darüber hinaus angenehm satt und der hohe Kontrast sorgen für eine optimale Lesbarkeit – eine rundum gute Vorstellung also. Ebenfalls gut: Es lassen sich verschiedene Modi, wie zum Beispiel "Kino", "Sport" oder "Spiel" je nach Geschmack festlegen.

Üppig: Die Dual-Kamera bietet gleich zwei 16 Megapixel-Linsen – das ist zumindest auf dem Papier absolute Spitzenklasse. Ungewöhnlich dabei: Der Knipser verfügt nur über einen Weitwinkel-Sensor. Ein eher üblicher Standardwinkel- oder Telezoom-Sensor ist hingegen nicht an Bord. Nutzer können so auch auf kurzen Distanzen besonders viel Motiv einfangen – gut also bei Gruppenfotos. Qualitativ kann sich das auch sehen lassen. Gerade bei Tageslichtaufnahmen überzeugen der Detailreichtum, die Schärfe und die realistische Farbwiedergabe. Sobald aber schwächeres Licht einsetzt sind qualitative Unterschiede gegenüber Referenz-Smartphones unübersehbar, denn Motive saufen selbst auf kurzer Distanz schnell ab – da kann auch der Blitz nicht mehr so viel retten. Zumindest braucht der Fotograf aber keine absolut ruhige Hand, da ein optischen Bildstabilisator beim Standardwinkel-Sensor aktiv ist.

Kamera

Der besondere Clou der Kamera kennzeichnet aber der Name, denn der Namenszusatz "ThinQ" steht für „Künstliche Intelligenz". So reagiert die Kamera situativ auf insgesamt 19 Szenarien/Gegenstände und kann dadurch die Bildqualität optimieren. Im Praxistest führte das aber mitunter zu komischen Situationen, wenn der Knipser Dinge verwechselt – aller Anfang ist wohl schwer.

Schnell anwählbar ist der Porträtmodus mit einem vor dem Auslösen individuell regelbaren Bokeh-Effekt.  Weitere Ausstattungsmerkmale: Google Lens, Panorama, manueller Modus, AR-Stickers und Flash Jump-Cut. Bei Letzterem werden alle drei Sekunden Fotos aufgenommen und zu einer GIF zusammengefasst.

Aufgenommen mit dem G7 ThinQ

Zweite Aufnahme bei Tageslicht

Die Kamera auf der Vorderseite nimmt Fotos mit 8 Megapixel auf und verfügt ebenfalls über einen Porträtmodus mit Bokeh-Effekt. Simple, aber gute Idee: Um in den Selfie-Modus zu gelangen, muss man einfach nur den Bildschirm nach links oder rechts wischen. Qualitativ ist hier alles im Grünen Bereich.

Abgerundet wird das gut ausgestattete Kamerapaket durch einen FullHD-Camcorder, der auch Zeitlupe und CineVideo beherrscht. Dadurch lassen sich unter anderem Farbfilter und Zoom-Effekte einbauen, sodass eine Prise Hollywood-Feeling entsteht.

Abseits der Kamera wartet das Modell mit üppigen 64 GB plus microSD-Unterstützung auf. Heutzutage eher ungewöhnlich ist allerdings, dass es keine Version mit Dual-SIM-Unterstützung gibt. Dafür werden aber alle schnellen Datenschnittstellen unterstützt: Bluetooth 5.0, W-LAN-ac und eine LTE-Geschwindigkeit von bis zu 1.200 MBit/s.

Dass auf dem Gerät „nur“ Android 8.0 installiert ist zeigt, dass es nicht um die höchste Premium-Kategorie handelt. Das ist aber halb so wild, denn im Zusammenspiel mit dem bewährten User Interface läuft alles rund und die Möglichkeiten zur Personalisierung sind ausreichend groß.

Alle Apps werden auf dem Startbildschirm verteilt

Smart Bulletin

Was aber auffällt: Statt Apps aus einem App Drawer zu platzieren, werden alle installierten Anwendungen automatisch auf den Startbildschirmen verteilt. Wer das aber (berechtigterweise) nicht möchte, kann das im Einstellungs-Menü nachträglich ändern. Ebenfalls eher ungewöhnlich: Links vom zentralen Startbildschirm gibt es ab Werkzustand keine weitere, die in der Regel allein für Google-Dienste genutzt wird. Auf Wunsch lässt sich aber „Smart Bulletin“ aktiveren, ein Art Sammelbecken an Hilfestellungen und allgemeinen Informationen.

Apropos Google: Auf der linken Seite befindet sich ein Extraknopf, mit dem man den Google Assistant aktiviert. Auf diese Weise kann der Nutzer schnell mit dem Dienst in den Dialog treten. LG hat somit einige eher ungewöhnliche Pfade beim Bedienungskonzept beschritten – Geschmackssache.

Ein großes Lob gibt es aber auf alle Fälle für die variablen Entsperrungsmöglichkeiten, denn der User hat die Wahl zwischen Fingerkuppe, Gesicht oder Stimme. Alle drei Systeme funktionieren zuverlässig und die Gesichtserkennung sogar so schnell, dass man fast schon irritiert ist.

Geräte-Tiefe

Das Duett aus Qualcomms Achtkerner Snapdragon 845, die hohe 2.800 MHz Taktung und ein 4 Gigabyte großer Arbeitsspeicher sind die Basis für eine lupenreine Performance. Im Praxistest gab es tatsächlich keinerlei negative Auffälligkeiten. Apps öffnen sich schnell, 3D-Games laufen ruckelfrei und auch Multitasking ist problemlos möglich – insgesamt eine absolut saubere Leistung.

Nicht so exzellent ist hingegen die Akkulaufzeit, denn in mehreren Zyklen pendelte sich die Rufbereitschaft im Schnitt bei drei Tagen ein – bei einer moderaten Nutzungsintensität versteht sich. Der Stromspender mit 3.000 Milliamperestunden zeigt dafür aber Muskeln im Dauerstress, denn theoretisch kann der Nutzer rund 10,5 Stunden nonstop Videos ansehen – das ist wieder ein überdurchschnittlicher Wert. Auch schön: Dank Type-C-USB 3.1 meldet der Akkublock bereits nach spätestens 2,5 Stunden wieder volle Leistungsbereitschaft und es wird auch kabelloses Laden unterstützt.

Beim Sound stehen dem Nutzer Optionen, wie 3D-Sound oder HiFi-Quad-DAC zur Verfügung, um das Optimum heraus zu kitzeln. Leider bietet der Koreaner aber nur einen Mono-Lautsprecher im unteren Rahmen. Der spielt recht lebendig, gut gestaffelt und luftig auf. Selbst eine Prise Bassfundament liefert der Speaker. Insgesamt ist der Klang aber recht metallisch, wenn man die Lautstärke erhöht. Unter dem Strich aber eine gute Vorstellung für einen Mono-Lautsprecher, den LG „Boombox“ tauft, da er auffallend dezibelstark agiert.

Das lässt sich auch über die Sprachqualität sagen, wobei der Nutzer keine Festnetz-Wunder erwarten darf. Doch bei Telefonaten überzeugt der Fernöstler in der Regel durch stabile Verbindungen in beide Senderichtungen ohne nennenswerte Nebengeräusche. In puncto Natürlichkeit siedelt sich das G7 ThinQ aber nur im breiten Durchschnitt an – auf akustische Wunder müssen Käufer in diesem Bereich weiterhin warten.

Fazit

Um auf den Punkt zu kommen: Das Smartphone weist keinerlei gravierende Schwächen auf, denn es kann in allen wesentlichen Kriterien überzeugen. Was allerdings problematisch ist, sind fehlende hervorstechende Kaufargumente. Außerdem ist die Marktpositionierung heikel, denn man bekommt auch für deutlich weniger Geld noch ein gutes Smartphone und wenn man etwas mehr Euros investiert sogar ein Smartphone der Referenzklasse. Gerade in Deutschland, wo Subventionen Gang und gäbe sind, dürfte das der Grund sein, warum dieser Funker untergehen könnte.

Starkes Komplettpaket mit fairem Preis/Leistungsverhältnis

30.04.2019

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 30.04.2019

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