TEST: JBL Tune 120 TWS - guter True Wireless In-Ear zum günstigen Marktpreis?

Für Marktpreise ab 70 EUR gibt es den True Wireless In-Ear-Kopfhörer JBL Tune 120 TW. Bei JBL auf der eigenen Website wird er aktuell zur UVP von 99,95 EUR offeriert, aber es ist einfach, bei anderen seriösen Händlern das identische Produkt günstiger zu bekommen. Ja nach Farbe kann der Kaufpreis variieren. Neben Schwarz stehen eine weiße, eine blau-schwarze und eine weiß-rosafarbene Ausführung bereit. 

Verpackung von hinten

Earbuds im Detail

Matter Einsatz, der Rest des Gehäuses ist vorn schwarz-hochglänzend

Integriert ist eine auch in der Praxis als durchaus brauchbar zu bezeichnende Freisprecheinrichtung, für das investierte Geld ist der Klang nicht zu beanstanden.  Dank des "JBL Pure Bass" Sounds, der von den beiden 5,8 mm Membranen erzeugt wird, sollen tiefe Frequenzen mit dem nötigen Nachdruck dargestellt werden - natürlich, so argumentiert der Hersteller, ohne unschöne Verzerrungen. Und auch das klappt, wie die Klang-Testreihen später zeigen werden, sehr gut. Klar, diese recht kräftige Auslegung im Bassbereich dürfte nicht jedem gefallen, wer aber gern Rock-/Pop-Musik oder R&B  und Club-Sounds hört, wird sehr angetan sein. 

Case

Rückseite

Innenleben

Mit den Earbuds

Zubehör

Das mitgelieferte Case ist gerade noch als kompakt zu bezeichnen, vom Format her ähnlich wie das der Apple AirPods Pro. Das Material des Cases, Kunststoff, wirkt recht einfach, was aber in Anbetracht der Preisklasse in Ordnung geht. Der Deckel ist mit einem Gelenk aus Metall versehen, was für ein problemloses Auf- und Zuschwingen sorgt. Einmal kurz mit dem Handgelenk geschüttelt, schnappt der Deckel zu. Im Inneren finden sich zwei prima verarbeitete TW In-Ears. Mitgeliefert werden Ohraufsätze in verschiedenen Größen: S, M und L.

Wir kamen mit "M" sehr gut zurecht. Die Earbuds passen wie angegossen, sie sitzen fest, drücken aber auch beim mehrstündigen Tragen nicht unangenehm. Da die Passform "M" wirklich gut ist und daher auch sauber abschließt, werden Geräusche im Raum gut unterdrückt. Klar, es ist nicht die Güte eines aktiven Noise Cancellings, aber wenn z.B. Gespräche in normaler Lautstärke im Raum herrschen, kann man trotzdem problemlos Musik hören oder einem Film lauschen.

Die Earbuds haben ein Gehäuse aus in unserem Falle schwarz-hochglänzendem Material auf der Vorderseite, mit mattschwarzen Einsätzen, auf denen das JBL-Logo prangt. Die Hinterseite ist im anthrazitfarbenem matten Kunststoff gehalten. Wenn man die 70 EUR Marktpreis bedenkt, sind gerade die Ohrstöpsel richtig gut verarbeitet.  

Als Bluetooth-Version kommt nicht das aktuelle Bluetooth 5.0, sondern die ältere Version 4.2 zum Einsatz. Qualcomm aptX fehlt. Den dynamischen Frequenzgang gibt JBL mit 20 Hz bis 20 kHz an.  Die Akku-Laufzeiten sind durchschnittlich. Vier Stunden halten die Ohrhörer mit einer Ladung durch, 12 Stunden stehen in einer vollen Ladebox bereit. Zwei Stunden dauert es, vertretbar, bis der Akku wieder ganz geladen ist. Sehr gut: Schon nach 15 Minuten Laden kann man wieder eine Stunde lang hören. Dass JBL bei einem so preiswerten Produkt auch eine Schnellladefunktion integriert, überzeugt uns. 

Die Steuerung ist einfach. Im Spielbetrieb drückt man einmal auf die Mitte des rechten Earbuds. Dann stoppt die Wiedergabe, einmal erneut drücken, und der Spielbetrieb wird fortgesetzt. Zweimaliges Drücken aktiviert in unserem Falle (iPhone) Apples Sprachassistenten Siri. Einmaliges Drücken in die Mitte der nach außen stehenden Gehäuseseite des linken Earbuds steht für Titelsprung vorwärts. Zweimaliges Drücken startet den aktuellen Titel erneut von vorne. 

Klang

Spritzig, mit ordentlich Basskraft und einem tadellosen maximalen Pegel marschieren die Tune 120TWS voran. Auch bei höheren Lautstärken verzerren Ohrstöpsel nur kaum. Prima. Bei "Fighter" von Klaas werden zudem Stimmen und die elektronischen Effekte gut voneinander getrennt. Trotz des Nachdrucks im Bassbereich wirkt auch der Rest des Frequenzspektrums ordentlich repräsentiert, mit einer leichten "Badewanne": Stellenweise sind die Mitten etwas zurückgenommen. Die empfundene Räumlichkeit ist angenehm.

Bei "Somebody Dance With Me" in der aktuellen Variante von Alex Christensen & The Berlin Orchestra punktet der JBL TW-In-Ear besonders deutlich. Kraftvoll und mit der Fähigkeit, eine Vielzahl an dynamischen Differenzen akkurat abzubilden, lässt er bei uns die Frage aufkommen: Warum mehr investieren? Der preiswerte JBL ist nahezu allen Aufgaben des Alltags gewachsen, so scheint es bislang. 

Sehr gut ist auch die Leistung beim Klassiker "Relax" von Frankie Goes To Hollywood. Natürlich, dass das Quellmaterial nicht das beste ist, bemerkt man schon aufgrund der verhaltenen Dynamik. Dafür aber überzeugen Klarheit und die als authentisch wahrgenommene Räumlichkeit. Mit dieser Auslegung füllt der JBL auch bei Taylor Daynes "Tell It To My Heart" sein Punktekonto weiter an. Er lässt sich nichts vorwerfen - der Hochtonbereich ist sehr klar, aber dieser preisgünstige In-Ear schafft die schwierige Balance, das Gesamtergebnis trotzdem nicht aggressiv ertönen zu lassen. Das gelingt vielen teureren Produkten nicht.

"Shallow" von Lady Gaga und Bradley Cooper ertönt etwas dünn - hier merkt man, dass der Mitteltonbereich nicht besonders prägnant ist. Auch die Feindynamik ist zwar in Ordnung, aber keine Offenbarung. Bei diesem Song spürt gerade der erfahrene Hörer doch die Preisklasse. Das Anzupfen der Saiten der Gitarre erscheint auch etwas synthetisch, nicht spontan genug. "Proud Mary" (Creedance Clearwater Revival) gefällt uns besser. Hier ist mehr Schwung in der Wiedergabe, trotz der leichten Verzerrungen bei der Stimme des Sängers bei gehobenem Pegel. Der Rhythmus des Songs kommt ausgezeichnet heraus, so dass man sich immer wieder beim Mitsingen ertappt. 

Beim deutlichen Kino-Trailer zum neuen 007-Film "Keine Zeit Zu Sterben" trumpft der JBL auf. Er schiebt auch massive Effekte überragend durch den virtuellen Raum, die Stimmen stehen zwar minimal zu weit hinten und eine Spur zu dünn, sind dafür prima ins tonale Gesamtgefüge integriert. Dem Music Score wird die richtige Priorität eingeräumt, und somit schaffen es die TW In-Ears, sehr gut, den im Trailer aufgebauten Spannungsbogen aufzubauen. Auch beim deutschen Trailer zu "Wonderwoman 1984" setzt sich der JBL-Kopfhörer gut in Szene. Besonders gefällt uns die dynamische Darbietung des Music Scores. Finden parallel Effekte statt oder wird der Music Score plötzlich unterbrochen, reagiert der Tune 120TWS impulstreu. Insgesamt überzeugt der JBL TW-In-Ear sowohl im Musik- als auch im Filmtonbetrieb. 

Konkurrenzvergleich

Apple AirPods 2: Immer noch gewaltige 150 EUR muss der Interessent für die Apple AirPods 2 hinlegen. Für die TW In-Ears sprechen die hohe Zuverlässigkeit, die tollen Komfortfunktionen, das hochwertige, sehr kompakte Case, das riesige Angebot an Hüllen für das kratzempfindliche Case sowie der homogene Klang. Nachteile finden sich auch: Sehr teuer, keine Ohr-Aufsätze (das heißt: Entweder die AirPods 2 passen oder nicht), größere Gefahr, dass die AirPods 2 aus dem Ohr fallen, keine so gute akustische Abdichtung. 

Cambridge Audio Melomania 1: Harte Konkurrenz von Cambridge Audio - die Melomania funktionieren ziemlich zuverlässig, sind prima verarbeitet und haben lange Akkulaufzeiten. Mit aktuell rund 100 EUR kosten die schmucken Briten so viel wie der Tune 120TWS laut unverbindlicher Preisempfehlung. 

JBL Free X: Die älteren True Wireless In-Ears von JBL fallen hinter die 120TWS zurück. Weniger klare Wiedergabe, weniger zuverlässig bei der Verbindung - das sehr schicke, aber große Case kann das nicht wettmachen. 

Fazit

Ein nahezu 100 Prozent rundes Angebot: Zu günstigen Marktpreisen überzeugen die JBL Tune 120TWS durch klaren und recht kräftigen sowie verzerrungsarmen Klang, gute Verarbeitung, hohe Zuverlässigkeit und tadellosen Tragekomfort.

Für die aktuellen Marktpreise gibt es mit den JBL Tune 120TWS einen nahezu optimalen Gegenwert


True Wireless In-Ears bis 100 EUR
Test 09. Januar 2020

Test: Carsten Rampacher
Datum: 09. Januar 2020

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